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Full text of "Festschrift zur Erinnerung an die Feier des fünfzigjährigen Bestandes der Deutschen Staats-Oberrealschule in Brünn"

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deutschen Staats - Oberrealschiile 



in Brunn. 



I. Teil. Zur Geschichte des mährischen Realschulwesens 
und der deutschen Staats- Oberrealschule in Brunn. 

II. Teil. Beiträge ehemaliger Schüler der Lehranstalt. 




Brunn, 1902. 

jrn Verlage der Schülerlade der deutschen Slaats-Öberrealschule. 
Druck von Carl Winiker. G89— 02. 



Inhalt. 



I. Teil. 

lur Geschichte des mährischen Realschulwesens und der deutschen Staats -Oberreal- 
schule in Brunn, Von Direktor Kiiil 2 a :i r. 

Soite 
I. Überblick ül)er die Aiil'äniie und die Eiihvickluntr des Realschuhveseiis und 

der niähris( iien Realschulen insbesondere 1 

II. Zur (Jeschichle der Lehranstalt ■ 9 

III. (Ihronoloiiische Übersicht der wicht i<^eren die Anstalt betreffenden Vorkomm- 
nisse seit dem Jahre 1851 21 

IV. Üie Lehrer 34 

V. Die Schüler 41 

VI. llealschuMeputation der Gemeimle Hrünn 71 

VII. Lehrmittelsammkntiien 71 

VIII. Körper- und Gesundheitspflege unserer Schuljugend 73 

IX. ünterslützungswesen . . 75 

X. Abhandlungen, die seit dem selbständigen Be.stande dieser Lehranstalt (LS,5"J) 

in den Programmen veröffentlicht wurden 78 

XI. Schlußwort 79 

II. Teil. 

Seite 
1. Hymne für gemischten Chor, vertont von Karl B e n d I, Offizial der I. mähr. 

Sparkassa in Brunn 81 

-2. Zur Gesfhielite des Papiers. Von Julius W i e s n e r, Ph.-Dr., k. k. Hofrat, 
0. ö. Professor an der k. k. Universität in Wien, wirkl. Mitglied der kais. 
Akademie der Wissenschaften in Wien, ord. Mitglied der k. Geselfechatt der 
Wissenschaften in Upsala. korresp. Mitglied der königl.-preuß. Akademie der 
Wissenschaften in Beilin. ausw. Mitglied der Linnean Society und Ehren -Mit- 
glied der Pliarniacentiid Society ni (Jieat Britain in Ltmdon, etc. etc. ... 83 

3. Knnstgeschichtliche Bilder aus Mähren. Von August P r o k o p, k. k. Hof- 
rat, Architekt, o. ö. Professor an der k. k. technischen Hochschule in Wien, 
Mitglied der Zentral-Kommission für Erb. und Erf. der Kunst und bist. Denkm. 'J3 

4. Ein Wort znr lieiniatlirhen Altertnmsknnde. Von Alois F r a n z, k. k. Bau- 

ral a. D. in Brunn 1^7 

5. Der gegenAvärtlge und zukünftige Zeicliennnterriclit an den österr. 
Mittelscliulen. Von Anton A n d ö 1, k. k. Fachinspektor für Freihandzeiclinen, 
Schulrat, k. k. Bealschulprofessor i. B., Privaldozent an der lechnischcn Hoch- 
schule in Graz 137 

H. Die Entwicltlnng der Elsenbalinen in Bosnien nud der Herzegowina. 
Von Karl Schnack, Hofrat, Direktor der bosnisch-berzegowinischen Slaals- 
bahnen in Sarajewo l-*53 

7. Die Prinzipien der orientallsclien Fläclieudelioration. Von Alois Naske, 
Bürgerschuldirektor, Sekretär des mährischen Gewerbevereines in Brunn . . 173 

8. Zur grnphisclien Beliandlnng der geometrischen Aufgaben 3. und 
4, Grades. Von Otto B u p p, o. o. Professor an der k. k. technischen Hocli- 
schule in Brunn 1'^*'' 



VI 



Seite 

•J. Die Imaginjirprojektion der KaiinikiiiTen viorterOrdiniii?. Von Fenliiiaiul 
Obeiiraucli, Professor an der Laiules-Oberroalschulo, Privalilozeut au der 
lorlmisilifii Hotlisrliule in Hrüiin l'''J 

1(1. Beitrag zur BaiigeBchicIlte Bosiiious und der HeizPffowiiia. Vuii dipl. \n\;. 

Jidiaiiu K e 1 i II r. ObiTliaurat in Sarajewo 205 

11. Über die Ändernngen des Orundwasserstaiides nach den vom Prälaien Gregor 
Mendel in Brunn ausgefülnieu MesHungen. Von Josef L 1 z n a r, o. ö. Professor 
an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, Mitglied der Leop. Karol.-xVkademie 
für Naturforscher, Korresp. der Zentral- Anstak für iMeteorologie und Erd- 
ma-rTnetisnius 225 

12. Zur Grundlegung in der Reclion- und Größenlelire. Von Ernest Linde n- 
Ihal, Professor an drr deulsclien Slaats-Ge\verl)eschule in Brunn .... 235 

i;?. Das miozHue Mittelnieor in Mäliren. Von Anton Rzehak, Professor an 
der Landes-Überrealschule, Privatdozent an der technischen Hochschule in 
Brüini, Präsident der mähr. Museumsgesellschart 241 

li. Die Entwicklung der Kälte-Industrie in den letzten 50 Jahren. Von 

Alois Sciiwarz. Trofessdr an der Landes-Oberrealschule in Mähr.-Üstrau 1249 

15. „Die richtige Knicknngsformel." Von Anton Z s c h e t s c h e, o. ö. Professor 

an der k. k. tccbuisciien Hochschule in AVien 255 

Ki. Ziele und Aufgaben der Realschule im 20. Jahrhundert. Von Ludwig 

F 1 e i s c li n e r, Professor an der Handelschule in Hudweis, Schriflslellei . . 265 

17 Der ZIrknitzer See und seine geologischen Verhältnisse. Von Wilhelm 

Putick, k. k. Forit-Oberkommissär in Laibach 273 

1^ Hilfsmittel für die Parallelschaltung ron Wechselstrom - Maschinen. 
\'i)n (Justav Frisch, Direktorder Internationale Elektrizitats-Mesellsclial'l in 
Wien 283 

P.'. Der Oefahrentarif der österreichischen Unfall- Versicherung. Von 
Feidinand ö c h n i t z I e r, Direktor-Stellvertreter der Arbeiler-Unfall-Versicherungs- 
Anstalt in Hrünn 291 

20. Die (Tdldschmiede/elchen mit hcsonder«>r Berücksichtigung Mährens. 

V(in Karl Scliirek. Kustos de^ niiUir. (iewerlieniuseums in Ihünn . . 307 

21. Anleitung zur £nnstbetraclitung in den oberen Klassen der Mittel- 
schulen. Von Josef S t r z y g o w s k i, Pli. Dr., o. ö. Professor an der k. k. Uni- 
versität in (iraz, Korresp. der Zentral-Konunission für Kunst und bist. Denkmale, 
konesp. iMitglied des arciiätdogisciien Institutes in Berlin, etc 319 

22. Ergebnis einer Studie über Achgenregulatoren. Von di])l. Iw.'. Leopold 

K I i m e n t, techn. Direktor der I. Brünner Maschinenfabriks-Gesellschaft . . 329 



.<H<5gc>o- 



I. Teil. 

Zur Geschichte 

des uiährischen Realschiilwesens und der 
deutschen Staats-Oberrealscliule in Brunn. 




1. Überblick über die Anfänge und die Entwicklung des 
Realschulwesens u. der mähr. Realschulen insbesondere.*^ 



a'lr?T\ei der Forsehuug" nach den Anfiiui^-en des Untcrriclites in den Realien 
wird mau auf jene zwei Männer '/nrüekgelien müssen, von denen die 
moderneu Wisseuschai'ten und der hierauf bezugnehmende Unterricht ihren 
Ausg'angspunkt genommen haben. Der eine ist der englische IMiilosoph Baeo 
von Verulam (löOl — 1G26), der die Wissenschaft nicht in den engen Zellen 
des menschlichen Geistes, in der Spekulation suchte, sondern in dem weiten 
Reiche der Welt, In seinen Hauptwerken „Encyklopädie" und „Organou der 
Wissenschaften" bezeichnet er als den einzigen Weg zum sicheren Wissen die 
Methode der Induktion au der Hand des Experimentes. Ihm gebührt daher 
das Verdienst, das Prinzip der denkenden Naturforschung aufgestellt zu haben. 
Der andere war sein Zeitgenosse, der Mährer Johann Arnos Comenius 
(1592—1671), einer der größten Pädagogen aller Zeiten, der auf die Natur 
als die beste Lebrmeisterin hinwies, die uns zur Kenntnis der Dinge führe. 
Durch seine Werke: .,Janna liugnarum reserata" und „Orbis sensualium 
pictus" verwirklichte er den didaktischen Grundsatz der \'eranschaulichung 
und schuf so eine naturgemäße, lebenstähige Grundlage jedweden Unterrichtes. 
Wurde doch in den damaligen s(»genannten Trivialschulen das Lesen, Schreiben 
und Rechnen nur sehr notdürftig betrieben und die höheren Schulen (später 
Lateinschulen) hatten nur die Aneignung der ersten Elemente des philo- 
sophischen und theologischen Wissens seitens der Zöglinge zum Zwecke. 
Für die Durchführung der angebahnten Schulreform waren aber die damaligen 
politischen Zeitverhältnisse äußerst ungünstig. Infolge der religiösen Wirren 
und der schrecklichen Verheerungen des 30 jährigen Krieges sowie der 
Türkenkriege sah es mit dem Unterrichte und dem Lehrerstande selbst sehr 
mißlich aus. Und dann setzten auch die \'ertreter der durch die Humanisten 
des 16. Jahrhunderts ausgebildeten Gymnasien der Einführung der realisti- 
schen Fächer in den Unterriehtsplan ungeachtet des damals beginnenden 
Aufschwunges der Mathematik und der Naturwissenschaften einen ent- 
schiedenen Widerspruch entgegen, wodurch ein schärferer Gegensatz zwischen 
den pädagogischen Realisten und Humanisten geschahen wurde. Erst im 



*) Benutzt wurden: Christian d'Elvert, Geschiciite derStudien-, Schul- und Erziehungs- 
anstalten in Mähren und Schlesien; K. von Raum er, Geschichte der Pädagogik; J.Freiherr 
von Helfert, Die österreichische Volksschule; ferner das AnstalLsarchiv. 

X 



2 I. Überl)lick iilier die AnfSnge uml die Entwicklung: des Realschulwesens. 

18. Jahrlnuulcrt brach sich alhuählich die Erkenntnis Bahn, Anstalten zu 
errichten, in denen die Realien nnter Einschränkung des Unterrichtes in den 
khissischen Sprachen betrieben werden sollten. 

Solche Schuleinrichtungen waren die aus dem Kreise der Pietisten aut 
Anregung des ..großen Menschenfreundes" A. Hermann Franke hervor- 
gegangenen Lehranstalten. 

Neben diesen wurden Schulen für ausschließliche Zwecke der realen 
Bildung errichtet und eine derartige Anstalt, die zuerst den Namen Realschule 
führte, war die von dem evangelischen Prediger Christoph Sem 1er in 
Halle IT.'VS gegründete, die jedoch mehr eine Fachschule für alle erdenklichen 
Handwerke und Gewerbe war; an diesem Vielerlei scheiterte der Bestand 
dieser neuen Anstalt. 

^lehr Erfolg als dieser Versuch hatte die 1747 von Job. Jul. Hecker 
in Berlin errichtete Realschule, die sich in eine Manufaktur-, Architektur-, 
Bergwerks-, Buchhalter- und ökonomische Schule gliederte. In diesen Schulen 
wurde gelehrt: Arithmetik, Geometrie, Zeichnen, Naturlehre, Mechanik, Bau- 
kunst, Kenntnis vom menschlichen Kör])er, von Pflanzen, Tieren u. a. Die 
Schüler wurden, um ihnen die verschiedeneu Industriezweige zur Anschauung 
zu bringen, in die Werkstätten getührt. Diese Schule, welche einen sehr 
guten, weitverbreiteten Ruf genoß, gab unter der Regierung der Kaiserin 
Maria Theresia den Anstoß zu durchgreifenden Reformen auf dem Gebiete 
des österreichischen Volksschulwesens. Aus dieser neu organisierten Volks- 
schule sollte sich, wie dargelegt werden wird, die österreichische Realschule 
entwickeln. 

Inmitten der Bedrängnis — es war in der letzten Zeit des siebenjährigen 
Krieges — betrat die hochsinnige Monarchin die Bahn der neuen Installierung 
des Schul- und Studienwesens. Sie setzte im Jahre 1760 eine Studien-IIof- 
Kommission als oberste staatliche Behörde für das Unterrichtswesen ein, in 
welcher sich unter andern auch Gerhard van Swieten, der die Bedürfnisse 
seiner Zeit mit scharfblickendem Geiste erkannt hatte, befand und deren 
leitende Giimdsätze waren, alle übei-flüssigen lateinischen Schulen in deutsche 
Normalschulen umzuwandeln, da durch die übergroße Zahl der ersteren dem 
Gewerbe, dem Handel und Ackerbau zuviel Kräfte entzogen wurden. Damals 
genoß einen vorzüglichen Ruf als Schullehrcr der Prälat des Augustiner 
Chorlierrnstiftes zu Sagan in Preußisch-Schlesien, Johann Ignaz von Fei biger, 
der mit der Absicht, das Schulwesen des Stiftes zu verbessern, sieh nach 
Berlin ])cgab, um die Realschule Heckers näher kennen zu lernen. Nach 
seiner Rückkehr begann er auf Befehl des Preußenkönigs Friedrichs II. 
(1765) auch die katholischen Privatschulen Preußisch-Schlesiens umzugestalten. 
Er legte Schullehrerseminarien an und an dem Breslauer Seminar unterwies er 
selbst die Direkt(.ren und Lehrer in der neuen vom Lehrer Hahn betriebenen 
Lchrart, die er in Berlin kennen gelernt hatte. Da die Einrichtungen auch bei 
den Gelehrten Beifall fanden, wurde er im Jahre 1774 von der Kaiserin Maria 
Theresia als Generaldirektor des Schulwesens nach Wien berufen, um die 
sog. Sagan'sche Unterrichtsmethode auch in allen österreichischen Schulen 



I. Überblick über die Aiifän{,'e und die Entwicklung des Realschulwesens. 3 

einziirühreu. Zu diesem Zwecke errichtete er in Wien die Normalschiile, auch 
das Xornialinstitnt genannt, weil sie den zu errichtenden Schulen zum Vor- 
bilde dienen sollte. Eine in demselben Jahre erlassene neue Schulordnung- 
erweiterte den Unterricht insofern, als außer Lesen, Rechnen, Schreiben und 
deutscher Sprachlehre auch die Antangsgründe der Naturgeschichte, Geometrie, 
Mechanik, Baukunst und Zeichnen gelehrt wurden. Mähren und Schlesien 
erfuhren bald darauf die Segnungen dieser neuen Schulordnung. So bestellte 
Maria Theresia in Brunn eine Schulkommission, welche die Normal- 
schnlgeschät>e zu besorgen hatte, und sandte aus Wien Tgnaz Mch offer 
(geb. zu Fulnek 1747), der sich dem Schulreforniator Felbiger mit Eiter 
angeschlossen hatte, nach Brunn, damit er als Direktor die Normalhauptschulc 
organisiere. Die Brunn er Normal hauptschule wurde dann die 
Pflanz- und Mustc ranstal t für alle Hauptschulen, weichein 
Mähren und Schlesien von dem sehr verdienstlich wirkenden M eh off er 
errichtet wurden. So gab es im Jahre 1776 vierklassige llauptschulen in 
Znaim, Iglau, Olmütz, Hradisch, Mähr.-Neustadt und Teltselb 
zu deren Erhaltung Maria Theresia einen Normal-Schulfoud schuf.*) 

Wenn auch der Schulunterricht in den Munizipalstädtcn des Krou- 
landes nicht in dem Umfange betriel)en wurde, wie an der landeshaupt- 
städtischen Xormalhauptschule, so traten doch die weisen Absichten der 
großen Kaiserin unverkennbar zutage, eine für die Wohlfahrt des Staates 
fruchtbare Grundlage zur Förderung der Kultur der österreichischen Völker 
zu schatfeu : die allgemeine Volksschule, die die deutsche Sprache verbreiten 
und den Bürgersöhnen die Gelegenheit bieten sollte, die für das Handwerk, 
das Gewerbe und den Handel nötigen realistischen Kenntnisse zu erwerben. Im 
Jahre 1771 wird von Johann Georg Wolf ein wohlausgearbeiteter Plan behufs 
Gründung einer Realakademie zur Heranbildung von llandelsbeflissenen 
der Genehmigung unterbreitet und auch an den Universitäten in Wien und 
Prag treten die Realdisziplinen in das ihnen solange vorenthaltene Recht ein. 



*) Die innere Einrichtung der 4 klassigen Brünner Landes-Normal-Hauptschule war 
laut der Brünner Wochenschrift 1780 folgende •• 

.In der I. Klasse lehrte man Buchstabieren, Lesen, Schreiben und die Anfangsgründe 
der Religion; in der IL: Leseübungen, Schreiben, Recbtschreiben, Diktandoschreiben, Sitt- 
samkeit, Religion und die 4 Rechnungsarten; in der III.: Schönschreiben, Regeldetrie, 
Grundsätze der Haushallungskunst und Vaterlandskunde, Wortfügung, Religion, Moral, 
Anleitung zur lateinischen Sprache und Erläuteiung der Evangelien. Die 4. Klas«e ist für 
Fortgeschrittene, die daher die Religion sogar wissenschaftlich erlernen und im Rechnen, 
Briefstil, Geometrie, Mechanik, Baukunst, Erdbeschreibung und Zeichnen unterrichtet werden. 
Die öffentlichen Prüfungen dauerten 2 ganze Tage und endigten mit der Verteilung der 
Prämien an die gesittetsten und fleißigsten Schüler." 

,Von der Normalschule, " sagt die Wochenschrift, „die bekanntlich noch so jung i<t, 
kann man derzeit noch keine auffallend wichtigen Früchte erwarten. Daher gereicht es ihr 
zu einem umso größeren Ruhme, daß im vorigen Jahre mehrere Schüler der 4. Klasse zu 
dem bekannten jetzigen Geschäfte der neuen Ausmessung aller liegen<len Gründe des 
ganzen Landes (Grundsteuerregulierung) gezogen, ja einer sogleich von der Schule weg als 
Ingenieur dazu angest«III wurde." 

1* 



4 I. Überblick ül)er die Anfänge und die Entwicklung des Realscbulwesens. 

Die angebahnten Reformen im Schul- und Studienwesen wurden von dem 
großen Menschenfreunde Kaiser Josef IL fortgesetzt, dem diese Einrichtungen 
zur Ausführung seiner erhabenen Ideen der Menschenbeglückung entgegen- 
kamen. Der Volksschuhuiterricht sollte nur nützliche Kenntnisse vermitteln, 
um jeden soviel als möglich bürgerlich brauchbar zu machen. Inzwischen 
wurden für die deutsche Sprachlehre, Xaturlehre, Kechenkunst und Geometrie 
neue Lehrbücher verfaßt, die alten für Baukunst und Geographie verbessert 
und aus dem Unterrichte wurde jedes Gedächtnis- und Regelwerk verbannt. 
Alle Bestrebungen und Einrichtungen, welche diesem Prinzip der „Nützlichkeit" 
entgegenstanden, wurden mit kräftiger Hand niedergehalten. 

Unter Kaiser Franz IL wurden mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der 
Zeit hinsichtlich des Schulwesens manche Änderungen und Ergänzungen in 
den bisher getrogenen Anordnungen für nötig befunden. So wurden die 
Lehranstalten zur Volksbildung künftighin in Trivial-, Haupt- und Real- 
foder Bürger-) Schulen eingeteilt. In den Hauptstädten verblieben die 
Normalsclmlen, die den übrigen Hauptsclmlcn als Muster dienten, und die, 
wie bisher, aus 4 Klassen bestanden. In den Hauptschulen sollte nunmehr 
die Schuljugend einen zur Vorbereitung für die Künste, Gewerbe und 
Geschäfte geringerer Art ausführlicheren Unterricht erhalten. Der Unterricht 
in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache wurde an diesen Schulen 
eingestellt. Die Real- oder Bürgerschulen, die auf 3 Klassen beschränkt 
waren, hatten die Bestimmung, Jünglinge, welche sich den höheren Künsten, 
dem Handel, dem Wechselgeschäfte, den wirtschaftlichen Amtern und Buch- 
haltungen' widmen wollten, heranzubilden. Deshalb wurden in einem 
höheren Grade auch Geographie, Geschichte, Handlungswissenschaft, 
Wechselrecht, Naturgeschichte, Naturlehre, Buchhaltung, Mathematik, Kunst- 
geschichte, Chemie und Sprachen gelehrt. Zunächst wurde die Realakademie 
in Wien 1809 in eine solche 3 klassige Realschule umgewandelt. Nach 
ihrem Muster entstanden Realschulen in Prag, Krakau, Innsbruck 
und Padua, später auch mit einigen Einschränkungen in größeren Handels- 
orten, wie in Brody, Lemberg-, Triest, Reichenberg etc. Die Errichtung einer 
Realschule in Brunn nach einem bereits ausgeführten Plane wurde vom Kaiser 
Franz zwar am 11. Februar IS 11 genehmigt und auch der Status des Lehr- 
persouales bestimmt; sie kam aber erst 40 Jahre später wirklich zustande. 

Ein wichtiger Fortschritt in der Pticge und Fih-derung der realen AVissen- 
schafteu erfolgte im Jahre ISO»; durch die Gnuuliing des technischen Institutes 
in Prag-, des Joanncums in Graz und des mit kaiserlicher Munifizeuz ins 
Leben gerufenen Polytechnikums in AVicn, welche Institute ähnlich der im 
Jahre 17U4 in Paris gegründeten Ecole polytechnique organisiert wurden. 

Um eine Grundlage für das Gedeihen dieser technischen Lehranstalten zu 
schaffen, wurde mit denselben die Realschule vereinigt, wie in Wien (1815), oder 
ein Yorbereitungskurs angegliedert. Aber auch an den ohnehin erweiterungs- 
bedürftigeu Ilauptschulen wurde der Unterricht in den Realien intensiver 
betrieben. So wurde im Jahre 1823 augeordnet, daß die Baukunst als 
ordentlicher Lehrgegenstand in den vierklassigen Hauptschulen wegen ihres 



I. Überblick über die Antange uad die Eutwickluu-,' des Realschulweseus. 5 

großen Einflusses auf die Handwerke und Gewerbe und dann auch zum 
Zwecke der Vorbereituni;' für die hiUieren Lehranstalten und technisclien 
Institute beizubehalten sei. Später wurde der Unterrieht aus der Natur- 
i^esehiehte auf die i;anze llauptschule ausg-edehnt und angeordnet, daß kleinere 
naturhistorisehe Samndungen anzulegen seien. Bemerkenswert ist, daß man auch 
das Lehrbüeherwesen zu regeln begann; denn es sollte kein Sehulbucli in (le- 
brauch genommen werden, das nicht zuvor als solches gesetzlich eingeführt wurde. 
Ferner wurden, um den Andrang zu den humanistischen Studien einzudämmen, 
bestimmte und kräftige ^Maßregeln „zur besseren Ausbildung des Bürger- und 
Gewerbestandes" ergrit^cn, indem nn't a. h. Entschließung vom 7. Deccmber 1825 
eine vollständige Organisierung der technischen Schulen und der 4. Klasse 
an den Hauptschulen angeordnet wurde. 

Diese Anordnung kam zwar damals nur teilweise zur Ausführung; sie 
hatte aber doch ihre guten Folgen. So wurde in Brunn die 4. Klasse der 
Normalschule in zwei Jahrgänge geteilt. Eine solche Teilung erfuhr auch 
die Hauptschule in Iglau im Jahre 1837, ferner in Neutitschein, IMähr.-Neu- 
stadt, Schiinberg, Sternberg, Teltsch u. s. w., und neue Hauptschuleu wurden in 
mehreren Städten errichtet. 

So gab es 1825 — 1848 in Mähren die Brünner Normalhauptschule, dann 
vier Kreishauptschulen u. zw. in Hradisch, Iglau, Olmütz, Znaini und 
zwölf andere Hauptschulen. Mit a. h. Entschließung vom 7. Dezember 1S44 
wurde die Bestimmung getroffen, daß an den Normalhauptschulen in der in 
zwei Jahrgänge geteilten 4. Klasse, die jetzt eine Art technischer Elementar- 
schule bildete und als unselbständige Realschule galt, für jeden Jahrgang 
ein Zeichenlehrer anzustellen sei, dem auch die technischen Lehrgegen- 
stände, u. zw. Baukunst, Geometrie, Stereometrie, Mechanik, Naturlehre, das 
Rechnen und die Geographie zu übertragen seien, während für die übrigen 
Lehrgegenstände, nämlich : Sprachlehre, schriftlicher Aufsatz, Schönschreiben 
und Naturgeschichte au den beiden Jahrgängen nur ein Lehrer zu verwenden 
sei. In das Jahr 1834 tallt auch die Verlegung der ständischen Akademie 
von Olmütz nach Brunn, während die technische Lehranstalt daselbst erst im 
Jahre 1850 ins Leben trat. 

Eine gründliche Um- und Ausgestaltung erfuhr jedoch das Schulwesen 
in den letzten 50 Jahren des vorigen Jahrhunderts. 

Der immer mehr wachsende Einfluß der Naturwissenschaften auf das 
gewerbliche Leben nnd die vom Bürgerstande ausgehenden freiheitlichen 
Bewegungen, wie nicht minder die umfassenden Reformen seit dem Jahre 1S4S, 
welche die ganze Verfassung und Verwaltung des kräftiger vereinten Kaiscr- 
staatcs erfuhr, konnten auf dessen Studien-, Schul- und Erziehungsanstalten 
nicht ohne Rückwirkung bleiben. So begründete im Jahre 1849 der um das 
Schulwesen hochverdiente Minister für Kultus und Unterricht, Leo Graf von 
Thun, in seinem Entwürfe der Organisation der Mittelschulen die Errichtung 
von selbständigen Realschulen ausführlich und iil)erzeugend. *) 



*) Marenzeller, Nonnalien für die Gymnasien und Realschulen in Österreich, II. T. 



6 I. Überblick ül)er die Anfänge und die Entwicklung' des Realschulwesens. 

Im Februar 1851 erstattete derselbe Minister Sr. Majestät unserem 
Kaiser einen alieruntcrtäniii-sten Vortrai;-, in welchem auch auf die Not- 
wendigkeit der Errifhtunii' einer Oberrealseliule in Brunn hingewiesen wird, 
worauf die kaiserliehe Verordnung vom 2. März 1X51, Z. 2040, betreffend 
die Organisierung des gewerblichen Unterrichtes überhaupt und die Errichtung 
von Realsciuden insbesondere erfolgte: 

„Ich genehmige diesen Antrag, ermächtige meinen Minister für Kultus und Unterricht, 
darnach bei der Organisierung des technischen Unterrichtes vorzugehen und bewillige die 
Bestreitung der für die beiden Realschulen in Wien und die böhmische Realschule in Prag 
erforderlichen Auslagen aus dem Sludienfonde. Wegen Vervollständigung der städtischen 
Realschule in Prag und Graz und der Realschule in Reichenberg und Rakonitz, sowie wegen 
Eriichtuug der beantragten Realschulen in Brunn, Lemberg, Krakau, Linz, Salzburg, hinsbruck, 
Klagenfurt, Laibach, Tiiest, Zara und Troppau, ferner wegen Reorganisierung der technischen 
Institute sind die nötigen Verhandlungen unverzüglich zu pflegen und mir seinerzeit zur 
definitiven Genehmigung vorzulegen. 

Franz Josef m. p. Thunm. p. 

Von nun an zerfällt die Realschule in eine Unter- und Oberrealschule. 
Die Unterrealschule bereitet auf die Oberrealschule vor und bezweckt zugleich 
eine selbständige Bildung fiir die Kreise der niederen städtischen und ländlichen 
Gewerbe. Sie behandelt die Lehrgegenstände vorherrschend in gemeinver- 
ständlicher Weise und besteht als vollständige Unterrealschnle aus wenigstens 
3 Jahrgängen. Die Oberrealschnle setzt den an der Unterrealschule begonnenen 
Unterricht in mehr wissenschaftlicher Weise fort ; sie vollendet das in diesen 
Schiüen zu gebende Maß der allgemeinen humanistischen Bildung und ist 
zugleich die spezielle Vorbereitungsschule für die technischen Studien. Die 
Oberrealschule besteht nur in Verbindung mit einer Unterrealschnle und beide 
bilden eine einzige Lehranstalt unter einem gemeinsamen Direktor. Wohl aber 
kiJnnen Unterrealschulen selbständig ohne eine Oberrealschule vorhanden sein. 
Der Lehrplan für vollständige Unterrealschulen schrieb ursprünglich 4 Jahrgänge 
vor, von denen der 4. Jahrgang speziell das praktische Jahr hieß, weil in diesem 
Technologie mit 5, Warenkunde mit 2 und Zeichnen mit <S Stunden wöchentlich 
gelehrt werden sollte. Der 4. praktische Jahrgang wurde aber nirgends 
eröffnet, wahrscheinlich weil den Schülern nach einer ausdrücklichen Bestimmung 
des § 4 des Realschulplanes der Übertritt aus der 3. Klasse in die Ober- 
realschule möglich gemacht worden war. Die Unterrichtsgegenstände der 
dreiklassigen Unterrealschule waren: Religion, Unterrichtssprache, zwei lebende 
Sprachen, Geographie und Geschichte, Arithmetik nebst Wechsel- und Zoll- 
kunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie, Geometrie und geometrisches Zeichnen, 
freies Handzeichnen , Baukunst und Schönschreiben. Den ersten vier 
Gegenständen wurden wöchentlich 38, den übiigen realistischen Fächern 
61 Stunden eingeräumt. Die Gegenstände der oberen Klassen waren fast 
dieselben wie die der Unterrealschule, nur trat an Stelle der Arithmetik 
die Elementar-Mathematik. Baukunst und geometrisches Zeichnen entfielen, 
zum Zeichnen kam Modellieren hinzu und dann wurde die Maschinen- 
lehre mit 2 Stunden eingeführt. In den Oberklassen entfielen auf die 



I. Überblick über die Anfänge mul die Entwicicluug des Realschulwesens. 7 

Immanistiseheii Fächer wöclientlieli 39, auf die nbrigeu 04 Stuiuleii. Ferner 
bestiniinte der Lehrplan, daß die moderueu Sprachen (ItaHcuisch, Französisch 
und Englisch) als Freigegenstände gelehrt werden sollten, sofern die Mittel der 
Schule dazu ausreichen. In Gesang und Gynniastik solle womiVglicli in allen 
Unter- und Oberrealschulen unterrichtet werden, in Stenographie nur an der 
Oberrealschule, wenn das Bedürfnis vorhanden sei. In dieser Form wurde 
jedoch der Lehrplan nicht genau eingehalten; selbst an dieser Lehranstalt 
wurden alljährlich Vorschläge auf wünschenswerte Änderungen des Lehrplancs 
erstattet, welche auch die ministerielle Genehmigung erhielten. BiHimisch 
wurde als zweite lebende Sprache (Landessprache) obligat gelehrt. Im 
großen ganzen blieb aber der obenerwähnte Lehrplan bis zum .Jahre 1867 in 
Wirksamkeit. Doch die gemachten Erfahrungen ließen den Realschuluntcrricht 
reformbedürftig erscheinen. Schon im Schuljahre 1867/8 wurde auf ministerielle 
Anordnung der Lehrplan teilweise berichtigt. So entfiel der Unterricht in 
Maschinenlehre und Zollkunde, die Unterrichtszeit in Geographie und Geschichte, 
dann Naturgeschichte und IMathematik wurde vermehrt, in Chemie vermindert 
und der Physikunterricht wurde in die 3. Klasse verlegt. 

Eine durchgreifende Reform erfuhr jedoch die Lehrverfassung durch 
das vom mährischen Landtage beschlossene Landesgesetz vom 30. April 1869, 
welches durch den Ministerialerlaß vom 24. Sejjtcmber 1870 an den 
Realschulen Mährens durchgeführt wurde. Der Zweck dieser Reform war, 
eine allgemeine Bildung mit besonderer Berücksichtigung der mathematisch- 
naturwissenschaftlichen Fächer zu gewähren und für höhere Fachschulen vor- 
zubereiten. Die Unterrealschulc erhielt einen 4. Jahrgang, so daß die voll- 
ständige Oberrealschule nun 7 Klassen zählte. Xh obligate Gegenstände 
kamen neu hinzu: Französisch, Englisch (an dieser Anstalt im Jahre 1879 
eingeführt), formale Logik und Turnen, dagegen waren Böhmisch, Modellieren, 
Stenographie und Gesang nicht pfiichtige Gegenstände. 

Hiedurch trat das Realschulwesen in ein ganz neues Stadium. Hatte die 
Realschule bisher den doppelten Zweck zu erfüllen, nämlich außer einer 
allgemeinen Bildung sowohl einen mittleren Grad der Vorbildung für gewerb- 
liche Beschäftigungen als auch die Vorbereitung zu den technischen Lehr- 
anstalten zu bieten, so ist die Realschule nunmehr lediglich in eine allgemein 
bildende Vorbereitungsanstalt für technische Hochschulen umgewandelt worden. 
Es mußte daher für den erstgenannten Zweck eine andere Anstalt errichtet 
werden und dies ist die höhere Gewerbeschule, die gleichsam als eine Zweig- 
anstalt der Realschule zu betrachten ist. Durch ihre zweckmäßigere Einrichtung 
und die stark ausgeprägte fachgewerbliche Richtung vermag sie der Aufgabe, 
die früher der Realschnle zugefallen ist, zielbewußter und erfolgreicher zu 
entsprechen. 

Der neue Realschullehrplan unterschied sich auch vorteilhaft von dem 
früheren dadurch, daß das realistische Studium mit dem humanistischen iiiclir 
ins Gleichgewicht gebracht wurde ; denn es stehen 83 humanistischen Uuterriclits- 
stunden 115 realistische gegenüber. Ferner wurden zum Zwecke des Nach- 
weises, daß die Realschüler sich die für den Besuch der techniscben Hocli- 



8 I. Überblick über die AnfüiiKt^ "'i'^ il'e Entwicklung des Realschulvvesens. 

schule erforderlichen Keimtnisse cr\vorl)cii haben, Maturitätsprüfungen obliga- 
torisch eingeführt. 

Um nun die Lohrziele der technischen Hochschule anzupassen und die 
Forderungen an sämtlichen Realschulen ungeachtet der verschiedenen Landes- 
reaischulü-esetze. in welchen neben der Schulorganisation die zu lehrenden 
Obligat- und Freifächer nur namentlich angeführt sind, womöglich gleiclimäßig 
zu "-estalten, stellte die Unterrichtsverwaltung im Jahre 1879 einen Normal- 
lehrplan auf, nach dessen Grundzügeu sich die Lehrpläne der einzelnen Kron- 
länder bei Berücksichtigung der praktischen Bedürfnisse derselben zu richten 
hatten. Ein solcher entsprechend moditizierte Lehrplan trat nach ministerieller 
Genehmi2:ung vom 27. April 1880 für die mährischen Realschulen vom Schul- 
jahr 18>!() 81 an in Kraft. Die gesamte w^öchentliche Stundenzahl wurde wieder 
erhöht, so daß (Turnen ausgenommen) 98 humanistische Unterrichtsstunden 
107 realistischen gegenüberstehen. Nicht mit Unrecht hat man diese Schule, 
die ihren früheren Charakter so vollständig geändert hat und zur Hochschule 
in dasselbe Verhältnis getreten ist wie das Gymnasium zur Universität, ein 
modernes Gymnasium genannt. 

Der Sorgsamkeit, mit w^elcher die Unterrichtserfolge in den einzelneu 
Disziplinen verfolgt wurden, ist es zu verdanken, daß im Jahre 1891 der 
Lehrplan für Freihandzeichnen bei zweckmäßigerer Verteilung des Lehrstoffes 
auf die einzelnen Klassen berichtigt wurde und daß für Turnen mit Beginn 
des Schuljahres 1897/8 ein neuer Lehrplan zur Durchführung gelangte. 

Eine weitere bedeutungsvolle Abänderung erfuhr der Lehrplan durch 
den Beschluß des mährischen Landtages vom Jahre 1895, wodurch die böh- 
mische Sprache als obligater Lehrgegenstand eiugcfülu-t, dagegen Logik aus 
dem Lehrplane ausgeschieden und Englisch in die Zahl der nichtpHichtigen 
Gegenstände eingereiht wurde. Die Freizügigkeit der Schüler hat hiedurch 
eine mitunter empfindliche Einschränkung erfahren ; al)cr dieser Nachteil wird 
dadurch, daß einem unleugbar praktisciien Bedürfnisse volle Rechnung getragen 
wurde, mehr als aufgewogen. 

In dem neuerdings abgeänderten Lehrplan, wie er durch Verordnung des 
Unterrichtsministeriums vom 23. April 1898 eingeführt wurde, ist die huma- 
nistische Seite des Realschulunterrichtes wieder begünstigt; denn es entfallen 
auf die humanistischen Lehrfächer von 20(5 Stunden wiichentlich 106. Infolge- 
dessen wurde der Stott" der Realfächer, ohne das bisherige Lehrziel wesentlich 
hcrabzudrücken, auf das äußerst zulässige Maß restringiert, da die wöchentliche 
Unterrichtszeit erfahrungsgemäß eine Vermehrung nicht mehr zuließ. 

Seit dem Jahre 1879 wurden zu den Lehrplänen auch Instruktionen für 
i\cn Unterricht herausgegeben, welche wertvolle Winke und Ratscldäge für 
die methodische und didaktische Behandlung der Lehrgegenstände enthalten. 

So haben wir die Realschule in ihrem Entstehen und ihrer Entwicklung bis 
heute verfolgt. In ihren Anfängen auf einen recht dürftigen Unterrichtsbetrieb in 
rein realistischen Fächern beschränkt, hat sie sich allmählich zu einer auf moderner 
<;riindlage aufgebauten liildungsstätte erhoben, an welcher die geistigen Fähig- 
keiten und die körperliclicn Anlagen der Jugend nach einem wohl durchdachten 



II. Zur Geschichte der Lehranstalt. 9 

Plane liarnioniscli angeregt und gebildet werden, auf daß dem Staate und der 
Gesellschaft tüchtige und brauchbare Männer erstehen, die den wirtschaftlicheu 
Kampf in Ehren aufnehmen können. Die Realschule hat aber auch die 
Bürgschaft ihres Bestandes in sich, denn sie paßt sich den machtvollen Ein- 
flüssen der technischen Wissenschaften und den Forderungen der Zeit an und 
darin liegt ihre Leistungsfähigkeit und ihre Kraft. 



II. Zur Geschichte der Lehranstalt. 

ie im Jaiire 1811 geplante Errichtung einer selbständigen 3klassigen 
fS Realschule in Brunn kam, wie bereits erwähnt, nicht zustande. Erst nach 
4U Jahren als mit a. h. Entschließung vom 2. März 1851 die vom Minister 
fiir Kultus und üntei rieht, Grafen Leo v. Thun, gestellten Anträge aut 
Reorganisierung des gewerblichen Unterrichtes überhaupt und auf die Er- 
richtung von Realschulen insbesondere die Genehmigung Seiner Majestät des 
Kaisers Franz Josef L fanden, ging der langersehnte Wunsch der gewerb- 
fleißigen und iudustriereichen Stadt Brunn in Erfüllung. 

Schon am 14. April 1851 erhielt der damalige Statthalter von Mähren, 
Graf V. Lazansky, vom k. k. Unterrichts-Ministerium den Auftrag, in Brunn 
die Errichtung einer vollständigen Oberrealschule sofort anzubahnen. Seine 
p]xzellenz setzte nun, da es im hohen Grade als wünschenswert bezeichnet 
worden war, daß die Schule schon im nächsten Studienjahr (1851/52) durch 
Eröfiuung von 3 Jahrgängen der Unter- und des 1. Jahrganges der Ober- 
realschule unter einer neuen gemeinsamen Leitung in Wirksamkeit trete, den 
Bischof Grafen Seh aafgotsche und den Gemeindeausschuß von den 
Intentionen des Ministeriums in Kenntnis; den ersteren, weil die aus zwei 
Jahrgängen bestehende und mit der Normalschule verbundene Unterrealschule, 
die der Aufsicht des Konsistoriums unterstellt war, abgetrennt werden sollte, 
den letzteren, weil die Gemeinde einen Teil der Kosten zu tragen hatte. 
Die Gemeinde hatte nämlich die zugehörigen Lokalitäten mit der ent- 
sprechenden Schuleinrichtung und die Lehrmittel beizustellen. Sie wurde 
aufgefordert, sich mit dem Direktor der technischen Lehranstalt ins Einver- 
nehmen zu setzen, ob nicht etwa dort (am Dornrössel im Schütz'schen Hause) 
provisorische Lokalitäten für die Realschule zu beschallen wären. Infolge 
der mißlichen finanziellen Lage fand sich jedoch der Gemeindeausschuß 
bemüßigt, bei der Unterrichtsvcrwaltung bittlich einzuschreiten, daß zur 
Bestreitung der von der Gemeinde aufzubringenden Kosten fiir die Real- 
schule von Seite des Staates ein Beitrag geleistet werde. Da jedoch das 
Ministerium aus prinzipiellen Gründen, die in den erwähnten \'erordmnigen 
vom Jahre 1851 ausgedrückt sind, darauf nicht eingehen konnte, so fand 
sich der Gemeindeausschuß veranlaßt, für den 3. und 4. Jahrgang und die 
Direktionskanzlei den 3. Stock des am Dornrö.ssel belindlichen Schütz'schen 
Hauses zu mieten, während die zwei ersten Jahrgänge der Unterrealschule in 



IQ II. Zur Geschichle der Leluanstalt. 

den bisher für sie aiifi^enommeuen Räumlichkeiten im Pöck'schen Hause 
(Neutorbastei) verbleiben sollten. 

Der Adaptiernng-sbau am Dorurössel wollte aber teils wegen schlechter 
Witterung, teils auch eines unvorhergesehenen Zufalles wegen keinen rechten 
Fortgang nehmen, so daß an ein Eröffnen des 3. Jahrganges mit 1. Oktober 
nicht zu denken war, dagegen hatten die ersten 2 Jahrgänge an diesem Tage 
noch unter der Normalschul-Direktion mit dem Unterrichte begonnen. Inzwischen 
liatte das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht mittels Erlasses vom 
28. September 1851 den k. k. Professor am technischen Institut in Brunn, 
Josef Au spitz, mit dem Amte eines provisorischen Direktors betraut und 
denselben beauftragt, sofort den 3. Jahrgang ins Leben zu rufen und dahin 
zu wirken, daß mit dem Schuljahre 1852 der 1. Jahrgang der Oberrealschulc 
mit Sicherheit eröffnet werde. Überdies hatte er die Instruktion erhalten, die 
an der bisherigen Unterrealschule wirkenden Lehrpersonen zu verwenden 
und die fehlenden Kräfte durch Supplenten zu ergänzen. Nachdem Direktor 
Auspitz am 1. Oktober 1851 den Diensteid in die Hände des Statthalters 
abgelegt hatte, schritt er an die Durchführung- der ihm gewordenen Aufträge. 
Da der 1. Jahrgang, der 392 Schüler zählte, in 2 Abteilungen geteilt war, 
für welche sich die Schulzimmer im Pöck'schen Hause als vollständig unzu- 
reichend erwiesen, so mußte der Unterricht für kurze Zeit unterbrochen 
werden. Inzwischen schritt die Direktion an die Zusammensetzung des Lehr- 
körpers, in dessen erster Sitzung vom 4. Oktober die Dreiteilung des ersten 
Jahrganges beschlossen und die Verteilung der Lehrgegenstände unter die 
Fachlehrer — an der unselbständigen Unterrealschule lehrte ein und derselbe 
Lehrer fast alle, auch die verschiedensten Gegenstände seiner Klasse — 
durchgetührt wurde. Ferner Avurde die Anordnung getroffen, daß die zwei 
ersten Abteilungen des 1. und 2. Jahrganges im Pöck'schen Hause zu 
verbleiben hätten, allwo der Unterricht am 6. Oktober fortgesetzt wurde, 
daß dagegen die 3. Abteilung des 1. Jahrganges mit dem 3. Jahrgang im 
Schütz'schen Hause nach vollendeter Adaptierung der Schulzimmer unter- 
gebracht werden sollte, was dank den energischen Bemühungen der berufenen 
Faktoren am 26. Noveml)er 1851 geschehen konnte. 

Die Unterbringung der Jahrgänge in zwei weit von einander getrennten 
Gebäuden erschwerte jedoch die gemeinschaftliche Leitung und Aufsicht 
umsomehr, als auch im Pöck'schen Hause für 4 Abteilungen nur 3 Schul- 
zimmer und 1 Zeichensaal vorhanden waren, so daß eine Klasse ohne eigene 
Schullokalität zu einer stündlichen AYanderung verurteilt Avar. Die Direktion 
Avandte sich mit einem dringenden Antrag an den Gemeindeausschuß, auch 
für die ersten Jahrgänge Räume im Schütz'schen Hause zu mieten. 

Der Gemeindeausschuß ging, so sehr ihm durch die notAvendigen 
Adaptierungen Avieder neue Opfer auferlegt Avurden, auf die Anträge der 
Direktion ein. Vom 21. April 1852 an konnte der Unterricht für alle Klassen 
in demselben Gebäude stattfinden. 

Obschon nun von Seite des Arars die im Pöck'schen Hause entbehrlichen 
Schuleinrichtuiigsstücke, soAvie die Lehrbehelfe der Unterrealschule unentgeltlicJi 



II. Zur Geschichle der Lehranstalt. J] 

Überlassen Aviirden, so fand sich die Gemeinde doch g-enötij^t, weil die meisten 
Geigenstunde niclit verwendbar Avareu tür die Ansehatt'unj;- von neuen Lehr- 
mitteln einen Betrag von 2856-02 fl. K. M. anzuweisen, um das Aufldiilien der 
jungen Anstalt insbesondere durcli besser ausgestaltete Lehrmittelsammlungen 
zu fördern. 

In Rücksicht auf die dargebrachten großen Opfer drückte auch das k. k. 
Unterrichtsministerium durch seine Exzellenz den Statthalter dem Gemeinde- 
ausschuli seine Anerkennung in folgenden Worten aus : „D c r G e m e i n d e de r 
Laudeshauptstadt Brunn ist für die Bereitwilligkeit, mit 
welcher selbe bereits namhafte Opfer für die Realschule 
gebracht hat, die vollste Anerkennung des jMinisteriums aus- 
zusprechen, indem der Herr Minister die erfreuliche Über- 
zeugung hegt, daß bei diesem edlen Wetteifer, mit vereinten 
Kräften das Emporblühen dieser in ihrer Entwicklung fort- 
schreitenden Anstalt zu fördern, die segensreichen Früchte 
immermehr hervortreten und der Stadtgemeinde für ihr ver- 
dienstliches Wirken gewiß auch die dankbare Anerkennung 
ihrer Mitbürger fester begründen werden." 

Zu erwähnen wäre noch, daß, wie schon früher angedeutet, die kaiser- 
liche Verordnung vom 2. März 1851 die Bestimmung enthält, daU in allen 
Orten, in welchen Realschulen errichtet Averden, die zum Teil von der 
Gemeinde zu erhalten sind, eine eigene Kommission zusammengesetzt werde, 
welche aus dem jevreiligen Direktor als Vorstand und aus 2 Mitgliedern des 
Gcmeindeausschusses zu bestehen hätte. Der Wirkungskreis dieser Koiiimissi(»n 
bestand darin, ein Statut zur Gründung und Verwaltung eines Lokalfondcs 
für die Realschule zu entwerfen und dasselbe dem Ministerium zur Genehmigung 
vorzulegen. In der Tat wurde ein solches Statut von den Ausschußmitgliedern 
Dr. Ott, Schrimpf und Direktor Au spitz ausgearbeitet, das unter anderem 
das von der Uuterrichtsverwaltung bewilligte Zugeständnis enthielt, daß der 
Lokalfond, der aus den Aufnahmstaxen und der Hälfte des eingegangenen 
Schulgeldes zu bestehen hätte, zur liestreitung aller sachlichen Unterrichts- 
bedürfnissc — die Zahlung der Lehrergehalte wurde vom Arar übernommen 
— dienen sollte. Ein solcher Lokalfond kam jedoch für diese Anstalt nicht 
zustande. Dagegen wurde erst im Jahre 1893 ein Vertrag bezüglich dieser 
Lehranstalt zwischen der Unterrichtsverwaltung und der Gemeindevertretung 
der Stadt Brunn geschlossen, in Avelcheni die bereits bestehenden Rechte und 
Pflichten der Gemeinde schriftlich zusammengefaßt und näher bestimmt wurden. 

Die ursprüngliche Absiclit, auch den 1. Jahrgang der Obcrrealscliule 
ins Leben treten zu lassen, mußte wegen vorgerückter Zeit und mangels 
eines Lokales wie auch aus dem Grunde, weil das nötige Schülcrmatcrial 
nicht vorhanden war, für das Schuljahr 1851/2 fallen gelassen werden. Erst 
im Schuljahr 1852/3 geschah durch die Eröffnung des 1. Jahrganges der 
Oberrealschule in der Organisation der Anstalt ein bedeutender Schritt nach 
vorwärts. Dieses Jahr hat also als das Geburtsjahr der Brünncr 
deutschen Staats-Oberrealschule zu gelten. Zu Beginn dieses 



]2 II. Zur (Ji'scliiclite der Leliranstalt. 

Sciulljahrcs war der Andrang ein übcrniätlig- starker, so daß strenge Aufuahms- 
prütungen vorgcnonuneu und außerdem diejenigen, die aus Orten kamen, avo 
sich Uuterrealsehulen befanden, zurückgewiesen werden mußten. Trutz dieser 
Maßregel und der vom k. k. Unterriehtsministerium angeordneten Erhöhung 
des Uuterriehtsgeldes von jährlich 4 Ü. auf 8 fl. und einer Aufnahmstaxe von 
2 fl. mußten für die 4 Jahrgänge mit 363, l)ezw. 210, 175 und 65 Schülern 
1 1 Abteilungen eröffnet werden. 

Die geringere Freciuenz der 1. Oberrealklasse rührte daher, daß es in 
diesem Jahre den Realschülern des 2. und 3. Jahrganges noch gestattet war, 
in den ^'orl)ereitungskurs der technischen Lehranstalt überzutreten. Dieser 
Übelstand, der Unreife au die technische Lehranstalt brachte und den Zweck 
der Realschule und deren Gedeihen beeinträchtigte, wurde durch einen 
neuerlichen Ministerial-Erlaß allmählich beseitigt. 

Das 2. Schuljahr (1852/3) konnte rechtzeitig anfangs Oktober beginnen. 

Da im nächstfolgenden Schuljahre der 2. Jahrgang der Oberrealschule 
criitinet werden sollte und eine Teilung desselben mit Gewißheit zu ge- 
wärtigen war, so mußte vor der Zeit für seine Unterbringung vorgesorgt 
werden. In dem Schütz'schen Hause, in welchem sich die Realschule befand, 
waren keine genügenden Räumlichkeiten mehr vorhanden. Zum Glück w^ar ein 
von der Anstalt nur durch einen Garten getrenntes Haus eben fertig geworden, 
und der Gemeindeausschuß fand sich bewogen, dasselbe für Schulzwecke 
gegen einen jährlichen Zins von 1000 fl. K. M. zu mieten und für Einrichtungs- 
stücke den Betrag von 1600 fl. K. M. zu präliminieren. 

Auch im Schuljahre 1853/4 war der Zuspruch der Schüler trotz der 
angewandten strengen ]\raßnahmen groß u. zw\ entfielen auf den 1. Jahrgang 
mit 3 Abteilungen 346, auf den 2., 3. und 4. mit je 2 Abteilungen 204, 
beziehungsweise 205 und 127 und auf den 5. Jahrgang 43 Schüler. 

Bei der Errichtung des 3. Jahrganges der Oberrealschule ergaben sich 
wieder große Verlegenheiten ; in den beiden von einander getrennten Häusern, 
wo die Realschule untergebracht war, waren nämlich keine Räumlichkeiten mehr 
erhältlich. Nach redlichem Bemühen gelang es, den Besitzer des Hauses, in 
welchem sich der 2. Jahrgang der Oberrealschule befand, zu einem Flügelbau zu 
veranlassen, der die weiteren notwendigen Räumlichkeiten : zwei Schulzimmcr, 
einen großen Saal für das physikalische Kabinet und einen Zeichensaal 
enthielt. Für diese noch immer unzulängliche Unterbringung der ganzen Lehr- 
anstalt zahlte die Gemeinde einen Mietzins von .jährlich 3550 fl. 

Mit dem Schuljahr 1854/5 trat die Oberrealschule vollständig ins 
Leben. Leider dauerten jedoch die vorhandenen Übelstände fort. Jede Ab- 
teilung der vielen Klassen war übermäßig stark besucht, die mit großen 
Auslagen gemieteten Lokalitäten genügten nicht ihrem eigentlichen Zwecke 
und dazu mußte jedes Jahr eine wandernde Klasse errichtet werden, da für 
sie ein eigenes Zimmer nicht vorhanden war. Um für sie Platz zu 
gewinnen, mußte in der Woche für jeden Jahrgang ein anderer Ferialtag 
testgesetzt werden. Diese f'bernillung, welche von Jahr zu Jahr in den unteren 
Klassen Regel geworden war, veranlaßte schon im Herbste 1853 die Landes- 



II. Zur Geschichte der Lehranstalt. 13 

Schiilbehördc, den Briiimer Gemcinderat auf die Nühvon(iij;keit der Erriclitiiii^- 
einer zweiten selbständigen Untcrrealseliule im Stadtbezirke Altbrünu aiif- 
nierksam zu niaehen. Aueli ergrift" der Lehrkörper jener Zeit, xoran der mit 
jugendlichem Feuereifer tür die Besserung- der unhaltbaren Zustände tätige 
Direktor J. Au spitz, nachdrücklichst jede Gelegenheit, seine Vorstellungen 
gegen die Lokalitäten und die übermäüige Frequenz der Klassen zu erheben, 
die den Beruf des Lehrers auf die härteste Probe stellten. Das Ziel, das er 
anstrebte, war vor allem die Erbauung eines eigenen zweckmäßigen Schul- 
gebäudes. Nebenbei sei bemerkt, daß zu diesen äußeren Schwierigkeiten 
für das Gedeihen der Schule sich — was auch in der unvermittelten Ent- 
wicklung der Realschule begründet erschien — berechtigte Befürchtungen hin- 
sichtlich des Unterriclitsorfolges gesellten. Der neue Lehrplan stellte nämlich 
ganz andere Forderungen an die Kenntnisse des Lehrers und an die Leistungen 
der Schüler, als dies bei der unselbständigen Realschule der Fall war. Allein 
es fehlte im Eröffnungsjahre so vollständig an geprüften Lehrern, daß auch 
nicht ein einziges IMitglied des ersten Lehrkörpers sich mit der vorschrifts- 
mäßigen Lehrbetähigung ausw'eisen konnte. Dazu kam noch der Mangel an 
lehrplanmäßigen Büchern und die schlechte Unterbringung der Lehrmittel, 
was den Unterricht äußerst erschwerte. Auch das Verständnis des Eltern- 
hauses, die erziehliche Aufgabe der Schule kräftigst zu fördern, ließ viel zu 
wünschen übrig. Ferner war auch die Unterrichtstätigkeit der Lehrkräfte, 
deren Zahl für den ordentlichen Unterricht noch eben ausreichte, vom Schul- 
jahre 1853 an nach mehreren Seiten in Anspruch genommen; denn es wurde 
der Anstalt ein eigener Bilduugskurs für Kandidaten*) unsell)ständiger Real- 
schulen vom k. k. Unterrichtsministerium mit Erlaß vom 29. August 1853 
zugewiesen, lür welchen eigene Prüfungskommissionen für Volks- und 
Bürgerschulen zusammengesetzt waren, und zu Beginn desselben Schul- 
jahres wurde überdies eine Sonntag- und Abendschule für Gewerbsleute 
errichtet, welche Schule bis zum Jahre 1889 mit der Realschule verbunden war. 
Eine Lebensfrage für den Bestand der Oberrealschule war aber ins- 
besondere, daß sie ein geräumiges, allen didaktischen und hygienischen 
Anforderungen genügendes Schülgebäude ihr Eigen nenne. Wohl trug sich 
die Schulbehörde schon bei der Errichtung der Realschule mit dem Gedanken, 
alle \'oreinleitungen für einen zweckmäßigen Bau der Schule zu treffen. So 
war von Seiner Exzellenz dem Statthalter für den Neubau der Garten 
der Stadtpfarre zu St. Jakob in Aussicht genommen worden. Er erteilte 
auch der Landes-Baudirektion den Auftrag, vor allem die Unterbringung der 
(Jberrealschule mit 6 Klassen ins Auge zu fassen, dabei aber den Umstand 
nicht außeracht zu lassen, daß wegen der großen Frequenz der Realschule 
auf mehr als tür 6 Jahrgänge bestimmte Hi)rsäle Bedacht zu nehmen sei. 
Viele Hindernisse, die sich inzwischen eingestellt hatten, ließen diesen Plan 
nicht zur Durchführung gelangen. Dazu trug nicht unwesentlich der Umstand 
bei, daß die Stadtvertretung der Ansicht war, daß sie zu einer Mitwirkung bei 
der Errichtung einer Realschule nicht verpflichtet wäre, und sie betrachtete 



") Dieser Kurs bestand bis zum Jalire 1870. 



14 II. Zur Geschichte der Lehranstalt. 

auch alle bisherigen Leistimgcu als ciu Provisorium, von welchem sie der 
Staat oder das Land baldigst befreien werde. Nachdem sie jedoch darüber 
aut'j^eklärt worden war, daß sie mit Ausnahme der Lehrergehalte alle mit 
der Realschule verbundenen Kosten, somit auch die für den Bau eines Schul- 
hauses zu tragen hätte, beschloß der Gcmeiudcausschuß einstimmig, kein Opfer 
zu scheuen, um für die Staatsrealschnle ein eigenes Gebäude aufzuführen. 

Das Unterrichtsministerium ließ auch dem Gemeindeausschuß Brunns 
seine wärmste Anerkennung ausdrücken und forderte ihn auf, im Interesse 
der Unterrichtsanstalt baldmöglichst und mit Energie den gefaßten Beschluß 
auszuführen. Der Gemeindeausschuß setzte nun eine Kommission zu- 
sammen, welche unter dem ^'orsitze des Vizebürgermeisters H e r 1 1 h die 
niUigen Vorkehrungen zur Aufl)ringung der Geldmittel und zur Ermittlung 
eines Bauplatzes treft'en sollte. Diese Kommission bestand aus den Gemeinde- 
räten Theodor Baue r, Karl f f e r m a n n, Dr. tt, Direktor Dr. S c hi n d 1 e r, 
Direktor Au spitz, ferner dem Stadtrate Dr. Fratrel und dem städtischen 
Ingenieur Drbal. Die meisten Schwierigkeiten bot die Wahl des Bauplatzes. 
Der 4. Bezirksausschuß Alt- Brunn trug zwar einen unentgeltlichen Bau- 
platz nebst einer Summe von 20.000 fl. K. i\L als Beisteuer zu den Baukosten 
an; allein trotz dieses glänzenden Anerbietens konnte die Kommission und 
der Gemeindeausschuß auf den Antrag nicht eingehen, weil der angebotene 
Bauplatz zuweit vom Zentrum der Stadt entfernt lag. Endlich schlug der 
Bezirksausschuß der inneren Stadt einen von den fortiiikatorischen Gründen nahe 
dem llackcltore gegenüber dem Platze, auf welchem die technische Lehranstalt 
errichtet werden sollte, als den geeignetsten Baugrund vor und es wurde 
durch diesen Vorschlag eine glückliche Einigung z'^ascheu der Gemeinde und 
dem Bezirksausschusse der inneren Stadt erzielt. Die Kommission schlug ferner 
zur Aufbringung der Geldmittel vor, daß die Gemeinde sich die Genehmigung 
einhole, ein Anlehen von 1 00.000 fl. K. M. aufzunehmen und entwarf eiii'?n 
Finanzplan, vermöge dessen das ganze Anlehen mit möglichster Schonung 
der Gemeindekassa binnen 20 Jahren getilgt werden sollte. Dieser Plan 
wurde schon im Jahre 1853 vom Gemeindeausschusse angenommen und der 
vorgesetzten Behörde zur Genehmigung vorgelegt. Leider sollten diese 
Bemühungen ungeachtet dessen, daß die Schulangelegenheit von den staatlichen 
Behörden energisch betrieben wurde, nicht zum Ziele führen. 

Erst nach weiterer 3jäliriger, angestrengter Tätigkeit näherte man sich 
der \'er\virklichung der von Lehrern und Schülern so heiß ersehnten Wünsche. 
Im J. 1856 wurde in der inneren Stadt (Johannesgasse) der Platz des 
abgebrannten Malzhauses Nr. 463 und das anstoßende Haus Nr. 464 um 
den Betrag v(»n 37000 fl. angekauft. Danut war der endgültige Baugrund für 
die neue Realschule gewonnen. Der Plan für die Herstellung des Gebäudes 
Avnrde von dem Wiener Architekten Professor Förster entworfen. Die 
Mr>giichkeit, den Bau eines so großen Schulhauses zu unternehmen, war 
durch die Allerhöchste Entschließung Seiner Majestät unseres Kaisers vom 
9. Juni 1856 gegeben, womit der Stadtgemeinde die Bewilligung zur Auf- 
nahme eines Darlehens von 150.000 fl. K. M. allergnädigst erteilt worden 



IL Zur Geschichte der Lehranstalt. ]5 

war. Zugleich wurde sie ermächtigt, eine Kiiiiiahmsquelle zur Kealisieriiiig 
der Anleihe zu ermitteln. 

Auf Grund eines einmütigen, von der Bevölkerung mit Freude hc- 
gTÜßten Beschlusses des Gemeindeausschusses vom 8. Juni ISöS wurde der Bau 
vom Architekten Professor Fiu-ster um den Betrag vnn Klö.OOl) (1. K. M. ver- 
tragsmäßig gegen das Cbereinkonnnen, dal.) der Bau mit Ende September 1859 
gegen sonstige Zahlung einer Konventionalstrafe vollendet sein müsse, ül)er- 
nommen und am 23. Juni 1858 wurde mit der Grundlegung dieses (iehäudes 
begonnen. Nach dem ausgefertigten Plane sollte das Gebäude ein turmartiges 
Observatorium ttir astronomische und physikalische Zwecke erhalten. Der 
Prüfungssaal sollte sich durch 2 Stockwerke crhel)en und mit Galerien ver- 
sehen sein, welcher Plan jedoch eine Änderung erfuhr. Ferner war lür einen 
Lese-, Musik- und Turnsaal vorgesorgt und auch die Handwerkerschule mit 
zweckentsprechenden Räumen bedacht. Dann wurde auch bestimmt, daß 
Gasbeleuchtung und AVasserleitung ins Gebäude eingeführt werde. 

Hinsichtlich der Deckung der obgenanntcn Summe wurde vom Gemeindc- 
ausschusse beschlossen, insoweit sie nicht durch die vorhandene Kassabarschaft 
gedeckt erscheint, sie im AVege des a. h. bewilligten Anlehens aufzubringen und, 
um den erforderlichen Jahresbedarf bestreiten zu kihinen, bei der k. k. Statt- 
halterei um beschleunigte Erledigung der Unterhandlungen zu bitten, welche die 
Erhithung des Verzehruugssteuer-Gemeindezuschlages auf Bier und Steinkohlen 
zum Zwecke hatten. 

Unter allgemeiner freudiger Teilnahme schritt der Bau seinem Ab- 
schlüsse entgegen. Der 31. Oktober 1859 war der für den Weiheakt und die 
Schlußsteinlegung bestimmte Tag*. Die Feier fand im ebenerdigen Zeichen- 
saale des Scliulgebäudes statt. Er war mit einem für diesen Anlaß vom 
Maler Hai er angefertigten lebensgroßen Bildnisse Sr. Majestät des 
Kaisers geschmückt. Links vom Eingange zum Turmerker war ein Altar 
aufgestellt, neben welchem der Schlußstein lag. Rechts befanden sich aul 
einem Tische die Bauembleme, Hammer und Kelle, beide von Silber und 
geschmackvoller Arbeit, dann eine lithographische Abbildung des neuen 
Gebäudes, ferner die mit dem eingravierten Namen aller Mitglieder der 
Gemeindevertretung versehene Zinukapsel, bestimmt, die Widmungsurkunde 
und verschiedene Münzen aufzunehmen, um nach hermetischem Verschlusse 
unter dem Schlußstein verwahrt zu werden. Dem Einweihungsakt ging ein 
in der Kirche der P. P. Minoriten um 9 Uhr früh abgehaltener feierlicher 
Gottesdienst voraus, welchem die Gemeinderepräsentanz, der Lehrkiiriicr mit 
sämtlichen Schülern, sowie eine größere Zahl geladener Gäste beiwohnten. 
Nach Beendigung des heiligen Geistamtes bewegte sich der Zug gegen 
das Schulgebäude, vor dem die mit Fahne und Musikkapelle ausgerückte 
4. Kompagnie des bewaffneten Bürgerkorps, die auch die Ehrenposten 
im Inneren des Gebäudes versah, in Parade aufgestellt war und die 
die anlangenden -hohen Funktionäre und Gäste mit den üblichen Ehren- 
bezeugungen und klingendem Spiele begrüßte. Wegen des beschränkten 
Raumes wurden die Schüler in die einzelnen Hörsäle verteilt. Inzwischen 



\Q II. Zur Geschichte der Lehranstalt. 

fanden sich aiuli die hohen Funktionäre aus Wien ein, u. zw. der k. k. ünter- 
staatssekretär Freiherr von Helfe rt, der k. k. Ministerialrat Mariau Koller 
und der k. k. Ministerialrat -Sekretär Jirecek. Als Regicrungskommissäre 
fungierten in Stellvertretung d€S durch Unwohlsein verhinderten Statthalters 
Grafen Lazansky der k. k. Hofrat Baron von Metzburg, der in Be- 
gleitung des k. k. Statthaltereirates P. Ritter von Chlumecky erschienen 
war. Von militärischer Seite waren F. M. L. Freiherr von ü r b a n und 
mehrere hohe Offiziere anwesend, ferner Notabilitäten aller Stände, kurz eine 
Versammlung, in welcher Rang und Stand, Wissenschaft und Intelligenz, 
Staat und Gemeindebürgertum in würdigster Weise vertreten waren. Als bald 
darauf der Bischof Anton Ernst Graf von Seh aafgot sehe erschien, der von 
der Geistlichkeit und dem Bürgermeister empfangen wurde, eröffnete Architekt 
Förster die Feier durch die übliche Baurede. Daraufhielt der Bürgermeister 
von Ott eine Ansprache an die Versammlung, worin er die Bedeutung der 
Feier hervorhob, die hohen Gäste begrüßte, die Übergabe dieses Kommunal- 
gebäudes au die Realschule aussprach und dann zur Verlesung der Widmungs- 
urkuude ging, welche von den hohen Funktionären und Gästen unterzeichnet 
wurde. Der Wortlaut dieser Urkunde ist folgender: 

,Im Jahre des Heils 1859, unter der glorreichen Regierung Seiner k. u. k. Apostolischen 
Majestät des Kaisers FPaHZ JOSSf I., 

unter der Statlhallerschaft Seiner Exzellenz des Herrn Leopold Grafen von La2ansky, Frei- 
herrn von Bukowe, und als in der königlichen Landeshauptstadt Brunn Dr. Rudolf von Ott 
die Stelle eines Bürgermeisters bekleidete, wurde von der Gemeinde Brunn aus eigenem 
freien Entschlüsse und auf ihre Kosten dieses Gebäude an derselben Stelle errichtet, wo 
sich Irüher das städtische Malzhaus befand. 

Am 23. Juni 1858 wurde mit der Grundlegung dieses Gebäudes durch den k. k. 
Professor und Architekten Ludwig Förster begonnen, nach glücklich vollendetem Bau am 
.31. October 1859 die feierliche Einweihung vorgenommen und dieser Gedenkstein in Gegen- 
wart der Unterfertigten versenkt. 

Die Landeshauptstadt Brunn hat dieses ihr gehörige Gebäude errichtet, um der 
k. k. Oberrealscliule in Brunn eine würdige Stätte zu bereiten, auf daß der Unterricht 
ungestört durch äußere Einflüsse und mit allen Hilfsmitteln versehen gedeihlich wirken könne. 

Möge Gott der Allmächtige dieses Haus beschützen, möge durch dessen allweise 
Fürsorge der Zweck der Gemeinde erreicht werden, möge dieses Haus dastehen auf festen 
Fundamenten, den Grund legend zum Glücke künftiger Geschlechter. 

Das gebe Gott!" $' f 

Da der Statthalter durch Unwohlsein verhindert war, der Feier beizu- 
wohnen, verlas der Hofrat von Metzburg in seinem Namen nachstehende 
Anrede : 

„Mit wahrer Befriedigung und Anerkennung habe ich, Herr Bürgermeister, aus Ihrem 
Vortrage entnommen, mit welcher Opferwilligkeit und mit welchem Gemeinsinn die Gemeinde- 
Repräsentanz bemüht war, das Gebäude für die Oberrealschule ins Lehen zu rufen, dessen 
Schlußsteinlegung und Einweihung wir heule feiern. 

Wer könnte in dermaUger Zeil der industriellen Entwicklung die Wichtigkeit der 
Realschulen verkennen, deren hoher Wert für das fortschreitende Markgraftum Mähren 
und vorzugsweise für die Stadt Brunn von umso erhöhterer I5edeutung ist. 

Die aufopfernden Bemühungen der hiesigen Gemeinde-Repräsentanz zur Erzielung 
dieses Gebäudes erscheinen daher als ein umso schätzenswerteres Verdienst, an welchem 
Sie, Herr Bürgermeister, gewiß einen liervorragenden Anteil genommen haben. 



J 



II. Zur Geschidile der lifliranslalt. 17 

Indem ich mich daher angenehm verpflichtet fühle, hiefür die Anerkennung der 
llcgierung auszuspreclien, und mir vorhehalte, dieses verdiens'licho Wirlcen im Wege Seiner 
Exzellenz des Herrn Ministers lür Kultus und Unterriciit zur Alleihöchslen Kenntnis zu 
hringcn, kann ich nicht umhin, dem Herrn Professor Förster, nach dessen Plan und unter 
dessen Oberleilung dieses ebenso durch seine zweckmäßige innere Einteilung ausgezeichnete, 
als in architektonischer Beziehung die Stadt Brunn zierende (Jehäude ins Lci)en trat, den 
anerkennenden Dank auszusprechen. 

Gleichwie ich nun die Überzeugung hege, daß die Oberrealschule in diesen Bäumen 
unter der Leitung des für diesen Beruf so eihig und mit Unterstützung seines ausgezcichnel''H 
Lehikörpers so zweckentsprechenden Direktors Auspitz, wie bisher die besten Früchte tragen 
wird, wollen Sie nur noch die Versicherung empfangen, daß ich es stets als eine meiner 
angenehmsten Pflichten betrachten werde, zu deren Förderung beizutragen. 

Dnpjjelt erfreulich ist mir aber die heutige Feierlichkeit, indem ich in der Lage bin, 
Sie, Herr Direktor, in die Kenntnis zu setzen, daß Seine k. u. k. Apostolist'he Majestät 
Ulli .Vllerhöclister Entschließung \om 27. Oktober 1859 allergnädigst geruhten, Ihnen für 
Ihr eitriges und erfolgreiches Wirken zur Hebung und Förderung gevverblicher Kenntnisse 
das goldene Verdienstkreuz mit der Krone zu verleihen, welches ich Ihnen biemit zu über- 
gaben das Vergnügen habe." 

Nachdem hierauf der Hofrat dem Direktor Auspitz die ihm Allerhöchst 
verliehene Dekoration unter beifälliger Zustimmung der Anwesenden an die 
lernst geheftet hatte, richtete der Bürgermeister an den Bischof die Bitte, den 
Einweihungsakt vorzunehmen. 

Mit herzinuig-en Worten wünschte daraufhin dieser der Anstalt ein 
ersprießliches Gedeihen, damit die neue Bildungsstätte der menschlichen 
Gesellschaft zum Segen gereiche. Sodann nahm der Bischof die Weihe des 
Schlußsteines vor, dessen Einmaucrung in üblicher Weise von statten ging. 
Nach Einsegnung der Schulräume kehrten die Festgäste in den Festsaal 
zurück, wo der Bürgermeister an die Versammelten eine längere ßedc hielt, 
in welcher er insbesondere des tretflicheu Gemeinsinnes mehrerer Brünuer 
Bürger gedachte, die sich aus eigenem Antriebe erb()tig gemacht hatten, 
die Bausumme im Subskriptionswege vorzuschießen, von welchem Anbote 
jedoch infolge des bereitwilligen Entgegenkommens der I. mähr. Sparkassa in 
Brunn, der Gemeinde ein Darlehen von 150.00U fl. K. M. unter den billigsten 
Modalitäten zu gewähren, kein Gebrauch gemacht wurde. Bürgermeister von 
Ott sprach sodann der Unterrichtsvcrwaltung, insbesondere aber dem Statt- 
halter den Dank aus für die Unterstützung beim Zustandekommen dieses 
ersten Bauwerkes der vereinten Gemeinde, das als Zeichen gelten könne, 
daß die Kommune stets bereit sein werde, ihre Stellung und Aufgabe im 
Staatsorganismus um so umfassender zu wahren, bezw. zu lösen, je kräftiger 
die Entwicklung des Genieindelebens fortschreiten werde. 

Den Schluß der Ansprachen bildete die Rede des Direktors Auspitz, 
der für die ihm gewordene Auszeichnung sowie auch dafür den Dank abstattete, 
daß nunmehr dem Lehrkörper sowie der bil(luiigsl)eflissenen Jugend dank 
der Munifizenz der Gemeinde ein prachtvolles und zweckmäßig errichtetes 
Gebäude zur Benützung eingeräumt wurde. Mit dem Mahnrufe an den Lehr- 
körper und die Schuljugend, die gewissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten zum 
Leitstern ihrer Tätigkeit zu machen, sowie mit der Bitte an den Bürger- 
meister, der Anstalt die für ihr Gedeihen unerläßliche werktätige Fürsorge 



■^Q 11. Zur Gestliichte der Lehranslall. 

der Gemeinde ancli weiterhin 7Aiziiwenden, schloß der Direktor seine Rede 
mit einem dreimalig-en Hocli auf Se. Majestät unseren Kaiser, worauf die 
Musikkapelle die Volksliymne anstimmte. Damit war die Feier beendet. 

Die Gäste besichtigten sodann die 8chulräume und die Lehrmittel- 
sammlungen, wobei eine ailg-emeine Befriedigung über Einrichtung und Aus- 
stattung des Gebäudes in der ehrendsten Weise' zum Ausdruck kam. 

Mit dem 31. Oktober 1859 hatte die hiesige Realschule gleichsam eine 
neue Ära ihrer Wirksamkeit begonnen, die in ihren segensreichen Folgen den 
lebenden und kommenden Geschlechtern zum Heile gereichen möge, dem 
Vaterlande zum Ruhme, der schulfreundlicheu Landeshaupt- 
stadt Brunn zur unvergänglichen Ehre! 

Das drei Stockwerke hochragende Gebäude mit den zwei weiten in 
eine Straßenecke zusammenlaufenden Fronten verwendet romanische Formen 
im Sinne der florentinischen Palastarchitektur. Das zwischen den beiden Flügeln 
eingestellte Stiegeuhaus mit den beiden bequemen, doppelarmigen Treppen und 
den hohen Pfeilerbogen präsentiert sich mit bedeutender Wirkung. Die sehr 
geräumigen, luftigen, zumeist gegen Norden gelegenen Lokalitäten sind für 
Schulzwecke ausnehmend geeignet. Es beiinden sich in dem Gebäude 12 Lehr- 
zimmer, 5 Zeichensäle, 6 Lehrmittelkabinette, 2 Bibliotheken, Hörsäle für 
Chemie und Physik, ein Turnsaal, eine Direktionskanzlei, ein Konferenzzimmer, 
ein im Jahre 1.S95 mit vielen Kosten hergerichteter Festsaal, ein Wartezimmer, 
dann Wohnungen für den Direktor und tür drei Diener der Anstalt. 

Das Kriegsjahr 1866 zog auch unsere Anstalt in Mitleidenschaft. Der 
Unterricht mußte auf höhere Anordnung Ende Juni plötzlich geschlossen 
werden und binnen zwei Tagen wurden alle Lehr- und Lehrmittelsäle zur 
Aufnahme von Verwundeten und Kranken unserer Armee geräumt und her- 
gestellt; später wurde selbst die Direktionskanzlei und das Archivzimmer als 
Belegraum für schwer verwundete Offiziere herangezogen. So wurde unser 
Gebäude zu einem Spital für die Verwundeten, um später den Preußen als 
Cboleraspital zu dienen. Hier kamen die ersten Cholerafälle zum Ausbruch und 
diese Seuche verbreitete sich nach und nach über die ganze Stadt, Unter 
den vielen, die der Seuche zum Opfer gefallen waren, befanden sich auch 
23 Schüler unserer Anstalt, von denen der größere Teil zu den fleißigsten 
und ausgezeichnetsten gehörte. Im September 186(5 begann eine gründliche 
Desinfizierung und Ubertünchung der Wände sämtlicher Lokalitäten, kurz es 
wurden alle Maßregeln ergriffen, um die Gefahr einer Ansteckung zu bannen 
und die Gemüter der Eltern und Schüler zu beruhigen. 

Das Schuljahr 1866/7 wurde wie gewöhnlich am 1. Oktober cröÖiiet, 
aber unter einem traurigen Eindrucke. Noch wütete die Cholera im Lande 
und die herben Schicksalsschläge, von denen die Bevölkerung* getroffen 
wurde, waren noch nicht verschmerzt. Die Eltern getrauten sich nicht, ihre 
Kinder nach Brunn, das so schwer heimgesucht gewesen, zu schicken. Der 
ordentliche Unterricht konnte erst am 11. Oktober bei einer relativ geringeren 
Frequenz beginnen. Diese war aber doch groß genug, um das wiederholt 



II. Zur Gescliiclite der Lehraii'stall. 19 

g-eäiißerte Verlangen nach Erriehtung von weiteren Realscluilcn sowie von 
Bürger- und Gewerbeschulen als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. 

Im Jahre 18(>9 wurde der Direktor Josef Au spitz, der die I>cliranst;»lt 
seit ihrer Gründung geleitet und sich um dieselbe hervorragende N'erdienste 
erworben hatte, zum k. k. Landesschulinspektor 1. Kl. befördert und Professor 
J. Bratko vic zum Direktorstellvertrcter bestellt, aus dessen Hunden der zum 
Direktor ernannte Professor an dieser Anstalt, Fridolin Krasser, die Amts- 
geschäfte übernahm. Landesschulinspektor Josef Au spitz trat schon im 
Jahre 1871 in den Ruhestand. (Sieh Seite 27). 

Ungeachtet der wcitausbliekeuden Fürsorge der Gemeindevertretung 
für eine bequeme Unterbringung der Schuljugend erwies sich das Anstalts- 
gebäude infolge der wachsenden Frequenz bald als unzulänglich ; denn schon 
in den Jahren 1870 und 1871 erreichte die Besuchsziffer die ungewJUndiclie 
Höhe von 1086, bezw. 1121 Schülern. Alle verfügbaren Räumlichkeiten 
mußten lUr die 20 Klassenabteilungen herangezogen und außerdem wandernde 
Klassen eingerichtet werden; dazu kam noch der damals herrschende Lehrer- 
mangel und infolgedessen die Aufnahme vieler nicht lehrbefähigter Kräfte, 
so daß die ehemaligen beklagenswerten Übelstände von neuem zutage traten. 
Um diese zu beheben, wurde die Brünner Kommunnl-Fnterrealschule zu einer 
Oberrealschule erweitert und das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 
fand sich veranlaßt, schon mit Beginn 1872 in Brunn ein Realgymnasium 
zu erifffneu; ferner wurde der Privat- 01)errealschule des k. k. Landesschul- 
inspektors a. D., Josef Au spitz, das Öffentlichkeitsrecht erteilt. Durch diese 
Vorkehrungen, mit welchen auch die Errichtung mehrerer Landesoberrealschulen 
in Mähren zusammentiel, verminderte sich der Schulbesuch dieser Anstalt, 
der auch durch die wirtschaftliche Krisis des Jahres 1873, wenn auch vor- 
übergehend, so doch merklich beeinflußt wurde. 

Da die Sehülerzahl im Jahre 1874 noch immer über 800 betrug, so 
ließ die Uuterrichtsverwaltung, um endlich normale Schulverhältnisse herbei- 
zuführen, im Jahre 1875 im III. Bezirke (Kröna) ein Fabriksgebäude 
ankaufen, um darin eine 4 klassige Unterrealschule als Zweiganstalt unter- 
zubringen. Die Räume wurden sofort entsprechend adaptiert und schon zu 
Beginn des 2. Semesters 1875 1) wurden dieser neuen Schule 200 Zöglinge 
der Stammanstalt r.nter Leitung des Prof. Josef Laizner zugewiesen. Diese 
Zweiganstalt wurde jedoch nach 4'/.^ jähr. Bestände aufgehoben und es wurde 
an ihrer Stelle eine k. k. Realschule mit böhmischer Unterrichtssprache errichtet. 

Im folgenden Dezennium zeigte sieh ein auffallender Rückgang im Be- 
suche der Anstalt, wie dies aus der Fre(|uenztabelle (Seite 42) zu entnehmen 
ist. Diese Erscheinung findet in der damaligen Gründung von Bürger-, Fach- 
und Gewerbeschulen ihre Erklärung und nicht zumindest auch darin, daß 
den Mittelschuldirektionen die Weisung erteilt Avorden war, bei der Schüler- 
aufnahme die Eltern solcher Aufnahmswerber, welche eine für das Mittel- 
schulstudium erforderliche geistige Veranlagung nicht besitzen, auf solche 
Anstalten aufmerksam zu machen, welche speziell für den Zweck der mittleren 
gewerblichen, bezw. kommerziellen oder landwirtschaftlichen Ausbildung 



20 n. Zur Geschichte der Lehranstalt. 

bestimmt siud, damit nicht ein imfniclitbares, unzufriedenes Proletariat erwerbs- 
loser „Gebildeten" erzeugt werde. 

Am Schliisse des Seliuljalires 1888/9 trat Direktor F. Krasser nach 
20 jähriger verdienstlicher Tätigkeit an dieser Anstalt in den Ruhestand und 
am 1. September 1889 übernahm der neuernannte Direktor Karl Zaar ans 
den Händen des interimistischen Leiters Prof. Rudolf Man ou seh ek die 
Direktionsgeschäfte. In dem erwähnten Schuljahre wnrde die gewerbliche 
Vorbcreitnngs- und Fortbildimgsschnle, die im Jahre 1854 als „Sonntag- und 
Abendschule für Handwerker" errichtet worden und mit der Realschule ver- 
bunden war, von der letzteren abgetrennt und einigen hiesigen Bürgerschulen 
angegliedert. 

Der schwächere Besuch der Anstalt brachte es mit sich, daß einige 
Räume für Schulzwecke nicht herangezogen vairden — dermalen siud es 
zwei ebenerdig gelegene Säle — welche von der Gemeindevertretung teils 
Leitern von Unterrichtskursen, teils Vereinen zur Benützung überlassen werden. 

Mit Schluß des Schuljahres 1901/2 vollendet diese Lehranstalt als Ober- 
realschule das 50. Jahr ihres Bestandes. Wohl eine kurze Spanne ihrer 
Wirksamkeit! AVer aber die Vergangenheit nach dem Arbeitsinhalte schätzt 
und bewertet, der wird zugeben müssen, daß diese Bildungsstätte ihrer 
kulturellen Mission vollauf gerecht geworden ist. In einer Zeit, wo sich in 
unserem Vaterlande das wirtschaftliche Leben mächtig zu regen begann, 
wurden an dieser stärkstbesuchteu Anstalt in Österreich Tausenden von 
Schülern die ersten Grundlagen des Wissens vermittelt, welches sie befähigte, 
weiter strebend und forschend, die geistigen Errungenschaften, die dem frucht- 
baren Boden der realen Wissenschaften entsprossen sind, auch weit über die 
Marken unseres Vaterlandes hinauszutragen und zu verpflanzen zu Nutz und 
Frommen der Gesamtheit. 

Stolz können wir daher auf die Segnungen dieser Schule blicken und 
freudeifüllten Herzens derjenigen gedenken, denen die Anstalt Ursprung, 
Förderung und Erhaltung dankt. Dem väterlichen Wohlwollen, der nimmer- 
müden Sorge unseres geliebten Monarchen um den Fortschritt und 
die Entwicklung auf allen Gebieten der menschlichen Tätigkeit gebührt vorerst 
unser ehrfurchtsvollster Dank ; denn durch seine Gnade, die uns vor mehr als 
50 Jahren den Entwurf zur Organisation der Gymnasien und Realschulen in 
Osterreich, ein so segenspendendes Gesetz, beschiedeu hat, wurde unsere 
Realschule ins Leben gerufen. Den vorgesetzten Schulbehörden sei 
ehrerbietiger Dank dargebracht für die unablässige Wahrung der Schulinteressen, 
aber auch tiefgefühlter Dank der Gemeindevertretung der Landes- 
hauptstadt Brunn, insljesondere deren Präsidien, die für die Be- 
dürfnisse der Anstalt jederzeit einsichtsvolles Verständnis bekundet und jedes 
Opfer gerne gebracht haben, um unsere Oberrealschule auf der wissenschaft- 
lichen Höhe zu erhalten. 



III. Chronologische Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 21 

III. Chronologische Obersicht 

der wichtigeren die Anstalt betreffenden Vorkommnisse seit dem 

Jahre 1851. 

1851/2. Ziifüli^-e Miiiisterial-Erla.s.ses vom 28. September 1851 wird behufs 
Sütbrtigcr Aktivienms- der Realschule der k. k. Protessor am technischeu 
lustitut Josef Auspitz mit dem Amte eines provisorischen Direktors betraut. 
Der erste Lehrkörper besteht aus dem Relii;-ionslehrer Johann Czeppel, 
bisher Katechet an der Normalschule, ferner aus den von der Unterrealscliule 
übernommeucn Lehrern Josef Reischl, Josef Rotter, Franz Niki seh, 
Johann Patek (prov.), Iguaz Budar (prov.), Franz Fiala (prov.), dann 
aus den supplierenden Lehrern Johann Pytlik, Hilarius Vogel, Franz 
lierr, Anton Mayßl und dem Hilfslehrer Josef Pokorny und den Zeichen- 
Assistenten Friedrich Geb hart, Johann Nowotny und Guido Schwarzer. 
Zum Ordinariatskommissär wird der Kousistorialrat und Pfarrer zu St. I\ragdalena 
Franz Deabis ernannt. — Der Staatssekretär im Ministerium für Kultus und 
Unterricht Dr. Josef Hei fort beehrt die Realschule mit seinem Besuche. — 
Die Anstaltsdirektion unternimmt mit Hilfe der Handels- und Gewerbekammer 
in Brunn die Griindimg einer llaudwcrkerschule, der späteren gewerblichen 
Fortbildungsschule, die bis zum Jahre 1889 mit dieser Anstalt verbunden war. 
1852/3. Eröffnung des ersten Jahrganges der Oberrealschule. — Der 
provisorische Direktor Josef Auspitz wird seiner Professur an der tech- 
nischen Lehranstalt enthoben und zum definitiven Realschuldirektor ernannt. 
— Der Lehrer Josef Reis c hl, 76 Jahre alt, der 56 Jahre lang als Schulmann 
äußerst verdienstlich gewirkt hatte, wird in den Ruhestand versetzt. — 
Moriz Stößl wird provisorisch zum israelitischen Religionslehrer bestellt. — 
Am 18. Februar gelangt nach Brunn die schreckliche Kunde von dem Attentate 
auf unseren Kaiser. Aus Anlaß der glücklich abgewendeten Gefahr wurde 
in der Schulkirche ein Tedeum abgelialten und am Abend die Stadt festlich 
beleuchtet. 

1853/4. Die Lehrer Franz Niki seh und Johann Patek werden zu 
Direktoren ernannt, u. zw. der ersterc für die Unterrealschule in Salzburg, der 
letztere für die Normalschule in Brunn. — Der Lehrer Adolf v. Gabriely 
wird an die technische Akademie nach Lemberg berufen. — Am 1. Juni wird 
die Stadt Brunn, die erste unter allen Provinzstädten des Reiches, mit dem 
Besuche des neuvermählten allerhöchsten Kaiserpaares beglückt, das bei seinem 
Einzüge auch von unserer Schuljugend jubelnd begrüßt wird. — Ernennung 
des Gymnasialinspcktors Schulrat Dr. Denkstein zum Inspektor der Real- 
schulen Mährens. 

1854/5. Eröffnung des dritten Jahrganges und damit die Ausgestaltung 
der Anstalt zu einer vollständigen Oberrealscliulc. — Der Lchnu- Jakob 
Pöschl wird zum Professor am ständischen Joanneum in Graz befördert. — 
Die Abhaltung von fakultativen Maturitätsprüfungen wird vom Unterrichts- 
ministerium genehmigt. — Am 21. Jänner wird an der Anstalt mit ministerieller 
Genehmigung der zweijährige Lehrkurs für Lehramtskandidaten an unselb- 



24 lU. Chronologische Übersicht der wichtigeren Vorlionimnisse. 

Kf izck wird der Kooperator bei St. Thomas Theodor Wolf zum Religions- 
lehrcr bestellt. 

1868 '9. Die Professoren Fridolin Krasser, Frauz Matzek imd Dr. 
Kichard Rotter werden mit den Funktionen eines Bezirksschulinspektorates 
betraut. — Direktor Josef Au spitz wird zum Landesschuliuspektor I. Kl. 
ernannt und Professor Bratkovic mit der Direktions-Stellvertretung betraut. 

1869/70. Der Lehrkörper bedauert den Rücktritt des überaus hoch- 
geachteten k. k. Landesschulinspektors Andreas Wilhelm^ welcher sich 
nach mehr als 40jähriger Tätigkeit, davon mehr als 10 Jahre in Mähren, in 
den wohlverdienten Ruhestand zurückzog. — Prof. Fridolin Krasser wird 
zum Direktor dieser Anstalt. Prof. Dr. Richard Rotter zum prov. Direktor an 
der k. k. Oberrealschule in Linz und der wirkliche Lehrer Josef Mi kusch 
zum Bezirksschulinspektor ernannt. — Im Mai verschied plötzlich der ver- 
dienstvoll wirkende Professor und Bezirksschulinspektor Franz Matzek, 
welcher Verlust von der Anstalt tief empfunden wurde. 

1870/1. Am 3. Juli 1871 beglückt Seine k. u. k. Hoheit der Durchlauchtigste 
Kronprinz Erzherzog Rudolf diese Anstalt mit seinem Besuche. Er 
wohnt dem Unterrichte bei, besichtigt in Zeicheusälen die Schülerarbeiten 
und gestattet, daß ihm ein Album mit Schülerzeichnungen überreicht werde. 
Er nimmt die Kabinette in Augenschein und im Bibliothekssaal zeichnet Seine 
k. Hoheit Ihren Namen in das Gedenkbuch der Anstalt ein. 

1871/2. Der Statthalter Siegmund Graf Thun beehrt die Anstalt mit 
seinem Besuche. — Ernennung der Landesschulinspektoren Theodor Wolf 
und Josef Dworak für Mähren und Schlesien. — Mit Beginn des Schul- 
jahres wird die 4. Klasse der Unterrealschule aktiviert. — Dem Professor 
Hilarius Vogel, der seit dem Bestände dieser Realschule erfolgreich tätig war, 
wird eine Lehrstelle au der Staatsrealschule im 3. Bezirke in Wien verliehen. 

1872y 3. Konsistorialrat Franz Marschowsky, Pfarrer bei St. Magdalena, 
wird mit dem Amte eines Ordinariats-Kommissärs betraut. - Dr. Franz Wi es er, 
der gegenwärtig an der philosophischen Fakultät zu Innsbruck tätig ist, wird 
zum wirklichen Lehrer am Staatsgymnasiuni in Bozen ernannt. 

1873/4. Dem Landef^schulinspektor in Linz, Dr. Josef Nacke, wird die 
Inspektion der deutschen Mittelschulen Mährens in realistischer Richtung 
übertragen. — Professor Paul Schein er wird zun» Direktor an der Laudes- 
realschule in Proßnitz ernannt. 

1874/5. Der k. k. Unterrichtsminister Dr. Karl Stremayer, welcher 
aus Anlaß der Eröffuuug der Staats-Gewerbeschule in Brunn verweilt, beglückt 
die Anstalt mit seinem Besuche. — Der Statthalter Freiherr von Possinger 
woliüte in diesem Schuljahre dreimal dem Schulunterrichte bei. — Die Staats- 
rcalschule gelangt in den Besitz der ihr auf der Wiener Weltausstellung 
für hervorragende Leistungen im Zeichnen zuerkannten Verdienstmedaille. ~ 
Am 4. Juli 6 Uhr abends erwartet der gesamte Lehrkörper mit den Behörden 
und Korporationen Brunns im Staatsbahnhofe die Leiche des am 25. Juni 
verstorbenen M(»iiarchen Ferdinand I. bei allerhöchstsciner Überführung nach 
Wien. Am 7. Juli findet aus diesem Anlaß in der Schulkirche ein feierlicher 



III. Chronologische Übersicht der wichllgereu Vorkommnisse. 25 

Traiiergottesdienst statt. — In März vcrsehied uacli lang-ciu Leiden der 
überaus pflichteifrige Lehrer Johann Pytlik, der au der Anstalt seit ihrem 
Bestände tätig war. 

1875/6. Auf Grund des h. M.-E. v. 23. Jänner 1876, Z. 16486 wird 
angeordnet, daß je eine Abteilung der vier Unterklassen der Anstalt in der 
Kröua nach Schluß des 1. Semesters verlegt werde, damit dort vom 2. Semester 
an der Unterricht ohne Verzug aufgenommen werden kiJnnc. Die Leitung der 
Anstalt wird provisorisch dem Prof. Josef Laizner übertragen; außerdem 
werden der Zweiganstalt die Professoren J. Roller und J. Ilawranck, 
der wirkl. Lehrer A. Heinz, der prov. Lehrer H. Siegl und die Siipplenten 
J. Em p rech tinger, H. Wiglitzky, P. A. Wolny und K. Fi dal zu- 
gewiesen. Am 16. Februar war die Zvveiganstalt eröffnet, der von der Stammanstalt 
2ÜÜ Schüler, die in der Nähe der neuerrichteten Schule wohnten, zugewiesen 
wurden. — Zwei ebenerdige Schulräume der Oberrealschule werden zu einem 
Turnsaal adaptiert und entsprechend mit Turngeräten ausgestattet. Pisher 
turnten die Schüler in der Halle des Brünner Turnvereines. 

1876/7. Am 15. Juli 1877 feiert die Anstalt ihren 25jährigen Bestand 
als Oberrealschule. Der Schulfeier wohnten in Vertretung des Statthalters 
Landesschulinspektor Dr. Josef Nacke und der Bürgermeister Dr. Karl Ritter 
van der Straß bei. Die Feier begann nach einem solennen Gottesdienste im 
Prüfungssaale der Anstalt, wobei der Schüler der 6, Klasse Edmund Studeny 
eine Rede über die gegenwärtige Bedeutung der Realschule und der Abiturient 
Ferdinand Schnitzler die Dankrede hielt, worauf der Direktor eine kurze 
Skizze der Geschichte der Anstalt entwarf. Mit einem Hoch auf Sr. Majestät 
unseren Kaiser und der Absingung der Volkshymne schloß diese Schulfeier. 

187 7y 8. Aus Anlaß des Ablebens Sr. k. u. k. Hoheit des Erzherzogs 
Franz Karl, ferner Sr. Heiligkeit des Papstes Pius IX. nahmen Lehrer 
und Schüler an den Trauermessen teil. — Professor Ignaz Budaf, der seit 
dem Bestände der Anstalt mit treuer Hingebung an seinen Beruf und mit 
Erfolg gewirkt hatte, wird in den Ruhestand versetzt. 

1878/9. Der Lehrkörper nahm an der feierlichen Begrüßung Sr. k. u. k. 
Hoheit des Kronprinzen Erzherzog Rudolf, der am 1. August 1877 auf seiner 
Durchreise nach Prag in Brunn eingetroffen war, teil. — Aus Anlaß der Feier 
der silbernen Hochzeit ihrer Majestäten wurde am 23. April eine musikalisch- 
deklamatorische Akademie in dem festlich geschmückten Prüfungssaalc ab- 
gehalten; am nächstfolgenden Tage wohnten Lehrer und Schüler einem 
festlichen Hochamte in der Schulkirche bei. — Der Leiter der Zweigaustalt 
Josef Laizner wird zum Direktor der Staats- Gewerbeschule in Czernowitz 
ernannt und es wird die Leitung der Anstalt dem Prof. Benedikt Fogler 
übertragen. -- Der seit 1852 eingeführte nichtobligate Unterricht in der 
italienischen Sprache wird für die Folgezeit aufgelassen. 

1879 80. Prof. Adolf Kunerth wird mit Beginn des 2. Semesters 
in den zeitlichen Ruhestand versetzt. — Das k. k. Ministerium für Kultus 
und Unterricht zeichnet die Anstalt, welche die internationale Pariser Aus- 



26 m. Clironologl?clie Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 

Stellung: des Jahres 1878 mit Seliülerzeichniingcn bescliickt hat, durch Ver- 
leihung einer Goldmedaille aus. Die Austolgung des „Zertifikates zur 
ijoldcnen ^ledaille" fand am 28. Februar 1879 im Sitzung'ssaale der Brünner 
Handelskammer durch den Statthalter Fi-eiherrn Ludwig von Possinger bei 
der Verteilung der Preise, welche von der Pariser Ausstclhmgs-Jury dem 
Kammerbezirke zugeteilt worden waren, statt. — Der Direktion wird durch 
das Statthaltercipräsidium der allerhiichste Dank für die aus Anlaß der 
Verlobung Sr. k. u. k. Hoheit des Kronprinzen Erherzog Rudolf dargebrachten 
Glückwünsche ausgesprochen. — Am 10. Jänner erfolgt der Einzug unseres 
Kaisers in die Landeshauptstadt Brunn. Lehrer und Schüler Ijildeten ein 
Glied eines weilreichenden Empfaugspaliers und begrüßten jubelnd unseren 
Monarchen. Das Schulgebäude war herrlich geschmückt und am Abende 
illuminiert. Am Turme leuchtete weithin eine elektrische Sonne. Am 11, Jänner 
war Empfang der Direktoren der Brünner Mittelschulen bei Sr. Majestät. 

1880, L Am 10. Mai fand aus Anlaß der Vermählung Sr. k. u k. Hoheit 
des Kronprinzen Erzherzogs R u d o 1 f mit der Frau Kronprinzessin Stephanie 
eine Schulfeier statt, worauf Lehrer und Schüler einer Festmesse beiwohnten. 

1881/2. Der Statthalter Dr. Graf Friedrich Schönborn beehrt in Be- 
gleitung des Landesschulinspektors Dr. J. Naeke die Lehranstalt. — Nach 
SOjähr. in jeder Beziehung sehr ersprießlichen Lehrtätigkeit wird der Leiter der 
Zweiganstalt P. Benedikt Fogler, der schon früher für sein äußerst verdienst- 
liches Wirken mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet 
worden war, in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und ihm der Titel 
eines Schulrates verliehen. — Zwei Parallelklassen der Bürgerschule bei 
St. Jakob w^erden provisorisch in zwei ebenerdigen Sälen untergebracht. 

1882/3. Der Unterricht in den nichtobligaten Fächern wird von nun 
au nur von vorschriftsmäßig geprüften Lehrern erteilt. — Am 9. September 
nimmt der Lehrkörper zum Andenken an den Entsatz Wiens im Jahre 1683 
an einem Te Deuni in der Domkirche teil. 

1883 4. Aus Anlaß des Ablebens Ihrer Majestät der Kaiserin Maria 
Anna wohnt der Lehrkörper mit den Schülern einem feierlichen Totenamte 
in der Schulkirche bei. — Der Statthalter Dr. Friedrich Graf S c h ö n b o r n beehrt 
die Anstalt mit seinem Besuche. — Am 6. Jänner beteiligte sich der Lehrkörper 
an der Leichenfeier des ehemaligen Lehrers an dieser Anstalt, des Prälaten 
Gregor Mendel. Geboren am 22. Juli 1822 zu Heinzendorf (Österr.-Schlesien), 
trat Gregor Mendel nach absolvierten Gymnasialstudien in Olmütz ins 
Brünner Augustinerstift, studierte vom Jahre 1851 — 1853 an der Wiener 
Universität Mathematik und Naturwissenschaften und erhielt im Jahre 1854 
eine Lehrstelle an unserer Lehranstalt. Daselbst wirkte er als vorzügliche, 
von Kollegen und Schülern verehrte Lehrkraft, bis er im Jahre 1868 nach 
dem Ableben des Prälaten Cyrill N a p p zu dessen Nachfolger gewählt 
wurde. Auf dem Gebiete der Botanik unermüdlich tätig, veröfitentlichte er die 
Ergebnisse seiner mühevollen und scharfsiimigen Untersuchungen und For- 
schungen in den Verhandhingen des Brünner naturhistorisclien Vereines. 
16 Jahre nach seinem Tode wurde den wissenschaftlichen Eutdockungeu des- 



III. Chronologische Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 27 

bescheidenen, genialen Mannes eine große Genugtuung zuteil. Er wurde unter 
Ostwalds „Klassiker der exakten Wissenschaften" aufgenonnnen und unter 
den 10 Autoren, welche in der Abteilung „Botanik" dieser Klassiker-Ausgabe 
erscheinen, glänzt ]\I endeis Name unter den Zierden der Naturwissenschaft. 
Hofrat Professor Dr. Wiesner, der diesen» trettliehen Gelehrten in der 
Beilage zu Nr. 269 der Wiener Abendpost in dem Aufsätze „Gustav Theodor 
Fechuer und Gregor Mendel" ein ehrendes Gedenkblatt geschrieben hat, 
beschließt seine Abhandlung mit den Worten: „Ein seltenes Schicksal war 
diesem Manne zuteil, llellaufleuchtende Namen sind häufig 10 oder 20 Jahre 
nach dem Tode ihres Trägers verblaßt. Sein Name aber, bisher weiten Kreisen 
unbekannt, kommt lange nach seinem Tode zu wahrlich verdienter Geltung 
und seine spät, aber nunmehr von den berufensten Fachmännern wider- 
spruchslos anerkannten Leistungen werden neuerdings dazu beitragen, den 
Ruhm österreichischer Naturforschung weit über die Grenzen des Vaterlandes 
hinaus zu verbreiten." — Der Lehrkörper kommt seiner traurigen Tflicht nach, 
dem langjährigen Kollegen Professor Ignaz Budar das letzte Geleite zu geben. 

1884 5. Der Statthalter Dr. Friedrich Graf Schönborn wohnt dem 
Unterrichte in fast allen Klassen bei und besichtigt die Lehrmittelsammlungen. 

1885/6. Bisehof Dr. Franz S. Bauer beehrt die Anstalt mit seinem 
Besuche und wohnt dem katholischen Religionsunterrichte bei. — Der Lehr- 
körper beteiligte sich an der Leichenfeier des ehemaligen Direktors und 
k. k. Schulrates Benedikt Fogler. — Professor A. Matzenauer wird nach 
mehr als 30 jähriger unermüdlicher und in seltener Pflichttreue an dieser 
Anstalt zugebrachter Lehrtätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. 

1886/7. Der Lehrkörper verabschiedet sich von dem in den Ruhestand 
getretenen Landesschulinspektor Dr. J. Nacke. 

1887/8. Die Inspizierung des Unterrichtes in humanistischer und 
realistischer Richtung wird den k. k. Landesschulinspektoren P. Robert 
Ch. Riedl und Josef Dworzak und im 2. Semester dem k. k. Landes- 
schulinspektor Dr. Karl Schober in humanistischer und reahstischer Be- 
ziehung übertragen. — Professor Jakob Bratkovic wird auf sein Ansuchen 
unter ministerieller Anerkennung für seine vieljährige ersprießliche Dienst- 
leistung in den Ruhestand versetzt, desgleichen auch die Professoren Karl 
Rost und Anton Mayßl. - Professor Ignaz Hawranek verschied nach 
mehrwöchentlicher Krankheit am 10. Februar im 64. Lebensjahre, aufrichtig 
betrauert von seinen Kollegen und den Schülern. 

1888,9. Anläßlich des 40jährigen Regierungsjnbiläums Sr. Majestät 
unseres Kaisers wird ein Festgottesdienst abgehalten. Aus diesem Anlasse 
wird aus den Beiträgen ehemaliger Schüler ein Stipendicnlbnd gegründet, 
welcher 69 fl. = 138 K beträgt. Aus derselben Veranlassung errichtet die 
I. mähr. Sparkasse 2 Stipendien zu 200 K für arme Schüler dieser Anstalt. 
Gleich einem betäubenden Donnerschlag trifft am 3(J. Jänner 18H9 die 
Nachricht von dem Tode des Kronprinzen Rudolf ein. Die Anstalt, welche 
iin Jahre 1871 die Auszeichnung erfuhr, daß Seine k. u. k. Hoheit sie mit 
einem Besuche beehrte, besitzt als kostbares Andenken in ihrem Gedenkbuche 



9ß III. Clironologi?che Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 

stollimg des Jahres 1878 mit Sehnlerzcichmin2:cn beschickt hat, durch Ver- 
Icihiinjr einer Goldmedaille ans. Die Ansfolgung des „Zertifikates znr 
jioldenen Medaille" fand am 28. Febrnar 1879 im Sitznngssaale der Brünncr 
Handelskammer dnrch den Statthalter Fi-eiherrn Lndwig von Possi nge r bei 
der Verteilnne: der Preise, welche von der Pariser Ausstelhmgs-Jury dem 
Kammerbezirke zncreteilt worden waren, statt. — Der Direktion wird durch 
das Statthaltcreipräsidium der allerhöchste Dank für die aus Anlaß der 
Verlobung- Sr. k. u. k. llolieit des Kronprinzen Erherzog Ptudolf dargebrachten 
Glückwünsche ausgesprochen. — Am 10. Jänner erfolgt der Einzug unseres 
Kais e r s in die Landeshauptstadt Brunn. Leln-er und Schüler bildeten ein 
Glii'd eines weitreichenden Enipfaugspaliers und begrüßten jubelnd unseren 
Monarchen. Das Schulgebäude war herrlich geschmückt und am Abende 
illuminiert. Am Turme leuchtete weithin eine elektrische Sonne. Am 11. Jänner 
war Empfang der Direktoren der Brünner Mittelschulen bei Sr. Majestät. 

1880 1. Am 10. Mai fand aus Anlaß der Vermählung Sr. k. u k. Hoheit 
des Kronprinzen Erzherzogs Rudolf mit der Frau Kronprinzessin Stephanie 
eine Schulfeier statt, worauf Lehrer und Schüler einer Festmesse beiwohnten. 

1881/2. Der Statthalter Dr. Graf Friedrich Schönborn beehrt in Be- 
gleitung des Landesschulinspektors Dr. J. Nacke die Lehranstalt. — Nach 
30jähr. in jeder Beziehung sehr ersprießlichen Lehrtätigkeit wird der Leiter der 
Zweiganstalt P. Benedikt Fogler, der schon früher für sein äußerst verdienst- 
liches Wirken mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet 
worden war, in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und ihm der Titel 
eines Schulrates verliehen. — Zwei Parallelklassen der Bürgerschule bei 
St. Jakob werden provisorisch in zwei ebenerdigen Sälen untergebracht. 

1882/3. Der Unterricht in den nichtobligaten Fächern wird von nun 
an nur von vorschriftsmäßig geprüften Lehrern erteilt. — Am 9. September 
nimmt der Lehrkörper zum Andenken an den Entsatz Wiens im Jahre 1683 
an einem Tc Deiini in der Domkirche teil. 

1883 4. Aus Anlaß des Ablebens Ihrer Majestät der Kaiserin Maria 
Anna wohnt der Lehrkörper mit den Schülern einem feierlichen Totenamte 
in der Schulkirche bei. — Der Statthalter Dr. Friedrich Graf S c h ö n b o r n beehrt 
die Anstalt mit seinem Besuche. — Am 6. Jänner beteiligte sich der Lehrkörper 
an der Leichenfeier des ehemaligen Lehrers an dieser iVnstalt, des Prälaten 
Gregor Mendel. Geboren am 22. Juli 1822 zu Heinzendorf (Osterr.-Schlesien), 
trat Gregor ^f e n d e 1 nach absolvierten Gymnasialstudien in Olmütz ins 
Ijrünner Augustinerstift, studierte vom Jahre 1851 — 1853 an der Wiener 
Universität Mathematik und Naturwissenschaften und erhielt im Jahre 1854 
eine Lehrstelle an unserer Lehranstalt. Daselbst wirkte er als vorzügliche, 
von Kollegen und Schülern verehrte Lehrkraft, bis er im Jahre 1868 nach 
dem Ableben des Prälaten Cyrill N a p p zu dessen Nachfolger gewählt 
wurde. Auf dem Gebiete der Botanik unermüdlich tätig, veröffentlichte er die 
Ergebnisse seiner mühevollen und scharfsinnigen Untersuchungen und For- 
schungen in den Verhandlungen des Brünncr naturhistorischen Vereines. 
16 Jahre nach seinem Tode wurde den wissenschaftlichen Entdeckungen des- 



m. Chronologische Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 27 

bescheidenen, i;enialen Mannes eine ^roßc Gennütunn"; zuteil. Er wurde unter 
üstwalds „Klassiker der exakten Wissenschaften" aufi;enoninicn und unter 
den 10 Autoren, welche in der Abteilung „Botanik" dieser Klassiker-Ausgabe 
erscheinen, glänzt Mendels Name unter den Zierden der Naturwissenschaft. 
Hofrat Professor Dr. Wiesner, der diesem treulichen Gelehrten in der 
Beilage zu Nr. 269 der Wiener Abendpost in dem Aufsatze „Gustav Theodor 
Fe ebner und Gregor Mendel" ein ehrendes Gedenkblatt geschrieben hat, 
beschließt seine Abhandlung mit den Worten : „Ein seltenes Schicksal war 
diesem Manne zuteil, llellaut'leuchtende Namen sind häutig 10 oder 20 Jahre 
nach dem Tode ihres Trägers verblaßt. Sein Name aber, bisher weiten Kreisen 
unbekannt, kommt lange nach seinem Tode zu wahrlich verdienter Geltung 
und seine spät, aber nunmehr von den berufensten Fachmännern wider- 
spruchslos anerkannten Leistungen werden neuerdings dazu beitragen, den 
Ruhm österreichischer Naturforschung weit über die Grenzen des Vaterlandes 
hinaus zu verbreiten." — Der Lehrk()rper kommt seiner traurigen rHicht nach, 
dem langjährigen Kollegen Professor Ignaz Budaf das letzte Geleite zu geben. 

1884 5. Der Statthalter Dr. Friedrich Graf Schiniborn wohnt dem 
Unterrichte in fast allen Klassen bei und besichtigt die Lehrmittelsammlungen. 

1885/6. Bisehof Dr. Franz S. Bauer beehrt die Anstalt mit seinem 
Besuche und wohnt dem katholischen Religionsunterrichte bei. — Der Lehr- 
körper beteiligte sich an der Leichenfeier des ehemaligen Direktors und 
k. k. Schulrates Benedikt Fogler. — Professor A. Matzen au er wird nach 
mehr als 30 jähriger unermüdlicher und in seltener Pflichttreue an dieser 
Anstalt zugebrachter Lehrtätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. 

1886/7. Der Lehrkörper verabschiedet sich von dem in den Ruhestand 
getretenen Landesschulinspektor Dr. J. Nacke. 

1887/8. Die Inspizierung des Unterrichtes in humanistischer und 
realistischer Richtung wird den k. k. Laudesschulinspektoren P. Robert 
Ch. Ricdl und Josef Dworzak und im 2. Semester dem k. k. Landes- 
schulinspektor Dr. Karl Schober in humanistischer und realistischer Be- 
ziehung übertragen. — Professor Jakob Bratkovie wird auf sein Ansuchen 
unter ministerieller Anerkennung für seine vieljährigc ersprießliche Dienst- 
leistung in den Ruhestand versetzt, desgleichen auch die Professoren Karl 
Rost und Anton Mayßl. - Professor Ignaz Ilawranek verschied nach 
mehrwöchentlicher Krankheit am 10. Februar im 64. Lebensjahre, aufrichtig 
betrauert von seinen Kollegen und den Schülern. 

1888 9. Anläßlich des 40jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät 
unseres Kaisers wird ein Festgottesdienst abgehalten. Aus diesem Aulasse 
wird aus den Beiträgen ehemaliger Schüler ein Stipendicufond gegründet, 
welcher 69 fl. = 138 K beträgt. Aus derselben Veranlassung errichtet die 
I. mäbr. Sparkasse 2 Stipendien zu 200 K für arme Schüler dieser Anstalt. 
Gleich einem betäubenden Donnerschlag trifft am 30. Jänner 18H9 die 
Nachricht von dem Tode des Kronprinzen Rudolf ein. Die Anstalt, welche 
im Jahre 1871 die Auszeichnung erfuhr, daß Seine k. u. k. Hoheit sie mit 
einem Besuche beehrte, besitzt als kostbares Andenken in ihrem Gedenkbuche 



23 III. Clironologische Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 

die eigenhändig:^! Namenszüge des hohen Verewigten. Schüler nnd Lehrer 
wohnten ans Anlaß dieses schmerzlichen Ereignisses einem Trancrgottesdienste 
bei nnd es wnrde das Schnlgebäude schwarz beflaggt. - Am 10. März starb der 
erste Direktor dieser Anstalt infolge Lungenlähmnng. Josef An spitz war am 
4. :\lärz 1812 zu Nikolsbnrg gcl)orcn. Nach Absolvicrnng der Stndien in seiner 
\'ater.stadt und dann in V\"\eü, wnrde er supplierendcr Professor für merkantile 
Rechen- nnd Bnchführung, später anch des Geschäftsstils an der kommerziellen 
Abteilung der Wiener Technik. Im Jahre 1849 wurde er zum Professor 
derselben Fächer an der damals eröffneten technischen Lehranstalt in Brunn 
ernannt. Im Jahre 1851 betraute ihn das Unterrichtsministerium mit der 
Leitung der neuerrichteten deutschen Staats-Oberrealschule. Mit dem Aufwände 
seiner besten Kräfte führte er unter sehr schwierigen Verhältnissen die 
Organisierung der neuerrichteten Anstalt mit Sachkenntnis und viel Geschick 
durch. Um dem praktischen Unterricht zu nützen, schrieb er Lehrbücher, wie 
„Die Lehre der theoretischen und praktischen Buchführung/' dann „Über 
Weehselrecht, Arithmetik und Zollkunde/' die vielfach Verwendung fanden. 
Sein scharfer, auf das Gemeinnützige gerichteter Blick brachte bald den sehr 
begabten, äußerst rührigen Schulmann aus den engen Grenzen seiner Direktions- 
tätigkeit heraus. Seiner Initiative ist die Gründung einer Gewerbe- und einer 
Handelsschule zu verdanken, deren Leitung er durch 8 Jahre unentgeltlich 
geführt und für deren Gedeihen er einen Fond von 10.000 fl. durch 
Sammlung aufgebracht hatte. Im Jahre 1853 wurde Au spitz von der 
österreichischen Regierung als Delegierter zu der von allen Staaten beschickten 
Versammlung der Realschulmänner nach London entsendet, um im folgenden 
Jahre bei der Industrieausstellung in Paris als Berichterstatter zu fungieren. 
Darauf besuchte er die Färbereien in Chemnitz, Elberfeld, Mühlheim und 
Lyon und nach seiner Rückkehr propagierte er unter den Großindustriellen 
Brunns die Errichtung einer höheren Webereischule, die auch ins Leben 
gerufen wurde. Auf die Erbauung eines eigenen Staatsrealschulgebäudes sowie 
auf die Errichtung einer Unterrealsclmle in Alt-Brünn, der nachmaligen Landes- 
Oberrealschule, arbeitete er mit zielbewußter Energie hin. In Anerkennung seiner 
Verdienste um die Hebung des Schulwesens überhaupt wurde er anläßlich der 
P^inweihung des Staatsrealschnlgebäudes mit dem goldenen Verdienstkreuze 
mit der Krone ausgezeichnet. Im Jahre 1859 gründete er mit Hülfe der 
Brünner Handelskammer den mährischen Gewerbeverein, der seither für die 
Förderung des inländischen Gewerbes segensreich wirkt. Im Genüsse des 
vollsten Vertrauens seiner Mitbürger wurde Au spitz in die Gemeindestube 
entsendet, wo er für die Hebung des Schulwesens sowie für die Realisierung 
vieler gemeinnütziger Unternehmungen ersprießlich wirkte. Mit a. h. Ent- 
schließung vom 20. Jänner 1809 wurde er zum Landesschulinspektor 1. Klasse 
ernannt und gleichzeitig übertrug ihm die Stadt Sternberg das Mandat eines 
Landtagsabgeordneten, in welcher Eigenschaft ihm wichtige, wirtschaftliche 
und Schulangelegenheiten betreffende Referate, die er mit Erfolg zu vertreten 
wußte, übertragen wurden. Im Jahre 1871 suchte er um seine Pensionierung 
au, welchem Gesuche unter Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung 



III. Chronologische Über.-iclil der wichligoreu Vorkommnisse. 29 

stattgci;-cl)en Aviirde. ISeiu uimnicrmiides Wesen i;-öiiiüc sieh iilier keine linlic. 
Er gründete eine Privatreal- und eine llandelsseliulc, welelic jedoch in- 
folge der im Jahre 1873 ausg-ebrochenen wirtschaftlichen Krisis bald ein- 
gingen. Doch nahm er bis zu seinem Lebensende am ])()litisehen Leben und 
später au der Journalistik überaus tätigen Anteil. Durch 40 Jahre wandte 
er dem kulturellen Fortschritte der Stadt lirünn jene energische, schaffens- 
freudige und selbstlose Hingebung zu, die ihm die Liebe und Hochachtung 
seiner Mitbürger eintrug. In bezeichnender AVeise ehrte die Gemeinde den 
Dahingeschiedenen, indem der Gemeinderat auf Antrag des Bürgermeisters 
AVinterholler einstimmig den Beschluß faßte, dem Landesschulinspektor 
Auspitz die erste Grabstelle zu widmen, welche von der Stadtgemeinde 
den um die Stadt verdienten Männern am Zentralfriedhofe vorbehalten worden 
war. — Ende 1889 trat Direktor Fridolin A. Krasser in den Ruhestand 
und es wurde demselben die allerhöchste Anerkennung für seine vieljährige 
verdienstliche Tätigkeit zuteil. Derzeit lebt Direktor F. Krasser in Wien. 

1889/90. Der mit a. h. Entschließung vom 24. August 1889 zum 
Direktor ernannte Prof. an der Landesoberrealscliule in Kremsicr, Karl Zaar, 
übernimmt aus den Bünden des interimistischen Leiters, Prof. Rudolf 
Manouschek, die Amtsgescbäfte. — Im Jänner und Februar herrschte 
in Brunn eiue Influenza-Epidemie, durch die der Unterricht empfindlich litt: 
am 7. und 8. Jänner w^aren V3 der gesamten Schülerzahl und 4 Lehrer 
erkrankt. — Am 28. Juni beglückwünscht eine Deputation des Lehrkörpers 
den Bürgermeister und k. k. Statthaltereirat Gustav Wintcrholler zu 
seinem 10 jährigen Bürgermeisterjubiläum. Auf die Ansprache des Direktors 
erwidert der Bürgermeister, daß er die Interessen der deutschen Staats- 
Oberrealschule, eines Brüuner Kindes, dem die Gemeindevertretung in ge- 
wohnter Weise angelegentliche Fürsorge zuwende, nach besten Kräften 
fördern werde. — Am 30. Juni gedenkt der Lehrkörper in kollegialer Weise 
des 25 jährigen Priesterjubiläums des k. k. Professors Theodor Wolf. 

1890/1. Prof. Dr. Karl Nach bau r wird auf sein eigenes Ansuchen 
in den bleibenden Ruhestand versetzt. — Am 18. Jänner wird der 100. Ge- 
burtstag des Dichters Franz Grill parz er durch Veranstaltung einer internen 
Schulfeier festlich begangen. — Dem Professor Adolf Heinz wird infolge 
der allergnädigsten Annahme des von ihm erfundenen astronomischen Ap{)arates 
als Zeichen a. h. Anerkennung die mit dem a. h. Bildnis und Wahlspruch 
gezierte goldene ^ledaillc allergnädigst verliehen. Leider wurde Professor 
A. Heinz nach kurzer Krankheit am 6. Juli dem Lehrkör})er durch den 
Tod entrissen. Durch 22 Jahre an der Anstalt tätig, war Prof. Heinz ein 
rühriger, äußerst strebsamer Lehrer, voll des besten Eifers und des zartesten 
Pflichtgefühles. Seine letzten Wochen wurden durch einen Strahl kaiserlicher 
Gnade verklärt; er fand darin seineu Lohn tür jahrelanges opfcrv^olles Mühen. 

1891/2. Am 26. Juni trifft Seine Majestät unser Kaiser in Brunn ein. 
Lehrer und Schüler wetteifern, ihrer loyalen Gesinnung durch Ausschmückung 
des Schulgebäudes Ausdruck zu geben. Nach dem Festgottesdienste bildeten 
die Schüler ein Glied in dem großen Spalier der Brünner Schuljugend, welches 



30 III. Chronologisclic Ül)er!-iclit der wichtigeren Vorkommnisse. 

vom Nordbahnliofe durch die Ferdinands-, Rudolfs- und Jodokstraße bis zum 
Stattlialtereiiiebäude reiclite. Um 9 Uhr verkündeten Glockengeläute und 
Kanonendonner die Ankunft unseres geliebten Monarchen, der auf seiner Fahrt 
allseits stürmisch begrüßt wurde. Nach 12 Uhr geruhten Seine Majestät 
die Direktoren der Mittelschulen zu empfangen. Abends fand eine allgemeine 
Illumination und ein größerer Fackelzug statt, an dem sich auch Lehrer und 
Schüler l)eteiligten. — Der Gymnasialdirektor Johann Slavik wird zum k. k. 
Landes-Schulinspektor ernannt.— Au Stelle des Kanonikus M a r s c h o w sk y wird 
der Residential-Domherr Jakob Kapusta zum Ordinariats-Kommissär ernannt. 

— Am 2o. Juli werden anläßlich der Enthüllung des Radetzky-Denkmales 
in Wien in den einzelnen Klassen patriotische Ansprachen an die Schüler 
gehalten. — Eine Abordnung des Lehrkörpers gibt dem verstorbenen ehe- 
maligen Kollegen Job. Julius Guy das letzte Geleite. 

1892y3. Am 23. April erlitt die Anstalt durch das Hinscheiden des 
Professors Josef Roller einen schweren Verlust. Der Verewigte war an 
dieser Anstalt seit dem Jahre 1856 tätig und zeichnete sich durch rastlosen 
Eifer, unentwegte Pflichttreue und eine seltene Hingabe au seinen Beruf aus. 
Professor J. Roller war vielfach schriftstellerisch tätig und für seine viel- 
fachen Verdienste wurde er mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone 
ausgezeichnet. — Der k. k. Prof. Anton Andel wird mit den Funktionen 
eines Fachinspektors für den Zeichenunterricht an den Mittelschulen betraut. 

— Anläßlich des 50jährigen Bischofsjubiläums seiner Heiligkeit des Papstes 
Leo XHL wohnten der Lehrkörper mit der Schuljugend am 19. Februar 
einer feierlichen Schulmesse bei. 

1893/4. Die Anstalt begeht in feierlichster Weise den 40. Gedächtnistag 
der A'ermählung Sr. Majestät des Kaisers mit Ihrer Majestät der Kaiserin 
Elisabeth. — Lehrer und Schüler geben dem sehr braven und begabtca 
Schüler der II. Klasse, Eugen Weiß, das letzte Geleite. — Der Lehrkörper mit 
einer Schülerabordnung erweist dem verstorbenen ehemaligen Professor dieser 
Lehranstalt, Anton Matzenauer, der viele Jahre Dozent an der hiesigen 
Technik und nebstdem vielfach schriftstellerisch tätig war, die letzte Ehre. — 
Der Lehrkörper beteiligt sich am 20. Mai an der aus Anlaß des 25jährigen 
Bestandes des Reichsvolksschulgesetzes im städtischen Redoutensaale ab- 
gehaltenen akademischen Feier. — Der k. k. Landesschulinspektor Dr Karl 
Schober wird vom Lehrkörper zu seinem 50jährigen Geburtsfeste, sowie 
zur Verleihung des Eisernen Kronenordens beglückwünscht. 

1894/5. Der Lehrkörper beteiligt sich an dem Leiclieubegängnisse des 
unvergeßlichen Schulfreundes, des Bürgermeisters Gustav Winterh oller. — 
Der Religionsprofessor und Konsistorialrat Theodor Wolf wird zum bischöflichen 
Rate und aktiven Kousistorial Assessor ernannt. — Eine Abordnung des Lehr- 
körpers beglückwünscht den neugewählten Bürgermeister der Landeshauptstadt 
Brunn, Dr. August W i e s e r, Ritter von Mährenheim, und trägt ihm die Bitte 
um Förderung der Interessen dieser Lehranstalt vor. — Am 12. Februar tritt 
Professor A. Rille seine Studienreise nach Italien und Griechenland an. — 
Am 18. Februar gelangt aus dem Süden die traurige Kunde von dem Hin- 



111. Chiouologische Übersicht der vvitlilij^eroii Vorkommnisse. 31 

scheiden des greisen Marschalls der österr.-uny. Armee, Sr. k. u. k. Hoheit 
des Herrn Erzherzogs Albrecht. Die Lehranstalt gibt ihrer Traner dnrch 
Aufhissen einer schwarzen Fahne auf dem Schulgebäudc Ausdruck und in 
den einzelneu Klassen wird von den Lehrern der Geschichte dem Sieger von 
Custozz.a ein Nachruf gehalten. Sodann wohnen die Lehrer und die 
Schüler einer Traucrniessc bei und eine Abordnung des Lehrkörpers drückt 
aus diesem Anlasse dem Statthalter die loyale Teilnahme aus. 

1895/6. Am 14. und 15. August beteiligte sich der LchrkJh-pcr an den 
Festlichkeiten zur Erinnerung an die vor 250 Jahren siegreich abgewendete 
Belagerung Brunns durch die Schweden. — Der Lehrkörper nimmt an der 
Leichenfeier des Altbürgermeisters und Hofrates Christian Ritter d'Elvert teil, 
dessen Leben dem öft'entlichen Wohle und der Wissenschaft gewidmet war. — 
Lehrer und Schüler nehmen Anteil an dem Verluste des musterhaften Schülers 
der 3. Klasse Mauritz Schwarz. — Am 19. Mai betrauert die Anstalt den 
Hingang Sr. k. und k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Karl 
Ludwig. Dem edelsinnigen Erzherzog wird in der Schule ein Nachruf gehalten, 
worauf Lehrer und Schüler in der Minoritenkirche einem Requiem beiwohnen. 

1896y7. Eine Abordnung des Lehrkörpers nahm an dem Leichen- 
begängnisse des ehemaligen Professois Karl Rost, der durch 20 Jahre an 
dieser Anstalt gewirkt hatte, teil. — Der musterhafte und sehr begabte Schüler 
der 6. Klasse Ludwig Bayer erlag einem tückischen Leiden. 

1897^ 8. Am 15. September fand eine Erinnerungsfeier der Absolventen 
dieser Anstalt aus dem Schuljahre 1871/2 und 1X72/3, die einen würdigen 
und erhebenden Verlauf nahm. — Anläßlich des diamantenen Priesterjubiläums 
Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XHI. wird am (5. Jänner ein solenner Gottes- 
dienst abgehalten. — Aus Innsbruck kam die traurige Kunde von dem Ableben 
des ehemaligen Prof. Dr. Karl Nachbaur. — Die Anstalt beklagt den 
Verlust des nach kurzem Krankenlager verschiedenen braven Schülers der 
6. Klasse Karl Kailab. — Am 10. Juli wird zur Erinnerung an das öOjähr. 
Regieruugsjubiläum unseres Kaisers Franz Josef I. die Errichtung eines 
Jubiläums-Stipeudienfondes konferenziell beschlossen. 

1898 9. Die tiefernste, traurige Kunde langt am 10. September in 
Brunn ein, daß unsere Kaiserin Elisabeth dem Mordstahle eines wahn- 
witzigen Fanatikers zum Opfer gefallen ist. Aufrichtige Trauer ergriff die 
Gemüter, die diesen ^'orfall wie ein persönliches grauenhaftes Erlebnis 
erschütterte. Die Direktionen sämtlicher Brünner Mittelschulen gaben bei 
Sr. Exzellenz dem Statthalter dem tiefsten P>eileid ob dieses namenlosen 
Unglückes, welches das Herrscherhaus und das \'aterland betroften, Ausdruck. 
Am 19. September fand ein Requiem in der Schulkirche statt, dem alle 
Lehrer und Schüler beiwohnten. Darauf wurde in der Anstalt eine Trauerfeier 
abgehalten. Während der Trauerwochc blieb das Schulhaus schwarz beflaggt. 
— Am 4. Oktober wohnten die Schüler mit ihren Lehrern aus Anlaß des 
Namensfestes unseres Kaisers einem Festgottesdienste bei. Von der üblichen 
Schulfeier wurde diesmal Umgang genommen. Doch fand im Beisein des 
Lehrkörpers zum erstenmale die Verteilung der Dekrete an 5 Schüler statt 



32 HI. Chronologisclie Ühorsiclit der wiclitigeron Vorkommnisse. 

denen die Stipendien aus der Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Stiftung verlieben 
wurden. — Am 14, November unterbreitete der Lebrkörper dem boben Gönner 
dieser Lebraustalt, Sr. Durclilaucbt dem rei;icreuden Fürsten von und zu 
Liecbteusteiu, zu hoebdessen 40 jährigem Regierungsjubiläum die ebr- 
furcbtsvollsten Glückwünscbe, welche Se. Durchlaucht mit dem verbindlichsten 
Danke erwiderte. — Für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth wird 
ein Seelengottesdienst abgehalten, an dem sämtliche Lehrer und Schüler 
teilnehmen. Dieser Tag, an dem in Hinkunft eine entsprechende kirchliche 
Feier zu veranstalten ist, ist schulfrei. — Aus Anlaß des 50jäbrigen Regierungs- 
jul)iläums unseres Kaisers Franz Josef I. unterljreiten am 30. November die 
Mittelschuldirektoren Brunns namens ihrer Lehranstalt Sr. Exzellenz dem Statt- 
balter ihre untertänigsten Glückwünsche mit der Versicherung unverbrüchlicher 
Treue und Ergebenheit für unseren jubilierenden Kaiser. An dem denkwürdigen 
Tage (2. Dezember) wurde in der Schulkirche ein Hochamt mit Tedeum gehalten, 
worauf sich Lehrer und Schüler in den würdig geschmückten Festsaal zu 
einer Schulfeier versammelten. Die Festrede hielt Professor Dr. Berg er. Die 
Feier wurde nach einer Ansprache des Direktors an die Schüler, in welcher 
er aucb die Bedeutung und den Zweck der bereits am 4. Oktober inkraft 
getretenen Kaiser Franz Joscf-Jubiläumsstiftung auseinandergesetzt hat, mit 
der Volkshymne beschlossen. Sodann verteilte der Direktor au die Mitglieder 
des Lehrkörpers die von Sr. Majestät gestifteten Erinnerungs- Jubiläuras- 
Medaillen. Das Scbulgcbäude war festlich beflaggt. Die nichtkatbolischen 
Schüler wohnten in den Gotteshäusern ihrer Konfession einem Dankamte bei. — 
Im Monate Mai nahmen die Lehrer der Gescbichte die Enthüllungsfeier des 
Erzherzog Albr e ch t- Dcnkmales in Wien zum Anlaß, um den Schülern das 
Wirken unseres unvergeßlichen Feldberrn in Wort und Bild vorzuführen. 

1899/900. Eine Abordnung des Lehrkörpers geleitete den ehemaligen 
Kollegen, Professor Anton Mayßl, der als Lehrer durch seine besonders 
künstlerische Veranlagung hervorragte, zur letzten Ruhestätte. — Am 12. De- 
zember beging der Kabinetsdiener Josef Lunda sein 40 jähriges Dienst- 
jubiläum. — Der bischöfliche Rat und Religionsprofessor Theodor Wolf 
wird zum Ehrendomherrn des Kathedralkapitels in Brunn ernannt. Die Mit- 
glieder der Lehrkörpers, sowie eine Schülerabordnung beglückwünschten den 
allseits hochgeachteten Lehrer und Priester. 

1900/1. Auf eigenes Ansuchen wurde der Professor in der VIT. Rangs- 
klasse, Rudolf Manouschek, nach 33 jähriger Lehrtätigkeit an dieser Anstalt 
in den bleibenden Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlasse wurde ihm der 
Titel eines Scbulrates allergnädigst verliehen. Ebenso wurde der Professor 
Wilhelm Dragoni, Edler von Rabenhorst, Ende April 1901 in den zeitlichen 
Ruhestand versetzt. — Am 16. August unterbreiteten die Mittelscbuldirektoren 
Brunns aus Aidaß des allerhöchsten 70. Geburtstages Seiner Majestät unseres 
Kaisers Seiner Exzellenz dem Statthalter ehrfurchtsvolle Glückwünsche, 
sowie den untertänigsten Dank für die vielen dem Lehrstande entgegen- 
gebrachten Beweise der kaiserlichen Huld und Gnade. Ferner beteiligte sich 



III. Chronologische Übersicht der wichtigeren Vorkommnisse. 33 

namens der Lehranstalt der Direktor an der Hnldignngsadressc sämtlicher 
österreichischen Mittelschuldirektoren, welche Seiner Exzellenz dem Herrn 
Uuterrichtsminister Wilhelm Ritter v. Harte! mit der Bitte überreicht wurde, 
dieselben au die Stufen des allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Das 
seltene Fest des 70. Geburtstages Seiner Majestät wurde von der Anstalt 
am Schuljahrschlusse in würdiger Weise gefeiert. — Am 8. Jänner wurde 
die Anstalt mit einem Besuche Seiner Exzellenz des Statthalters, Karl Grafen 
Zierotin, begleitet vom Statthaltereirat C. Nazowsky und dem Landes- 
schulinspektor Dr. K. Schober, beehrt.— Der Erinnerungstag an die aller- 
höchste Sanktion des Realschul - ürganisationsentwurfes (2. März) wurde in 
erhebender Weise gefeiert. — Am G. Juni bewilligt der Gemeindeausschnß 
den Kostenvoranschlag für die gründliche Renovierung der Fagade des Real- 
schulgebäudes. 

1901 2. Das fünfundzwauzigjährige Jubiläum des Pontifikates Seiner 
Heiligkeit des Papstes Leo XHI. wird am 23. Februar in der Schulkirchc 
durch ein solennes Dankamt gefeiert, an welchem Lehrer und Schüler teil- 
nehmen. — Die Absolventen des Schuljahres 1876/T, 21 an der Zahl, begehen 
in den Pfiugsttagen in festlicher AVeise ihren Kollegentag. — Aus Anlaß 
der Jubelfeier dieser Lehranstalt findet in unserem Festsaale eine vom Vize- 
bürgermeister Rudolf Rohr er und Friedrich Wanuieck einberufene 
Versammlung statt, die der Anstaltsdircktor begrüßte und zur Teilnahme 
nnd werktätigen Förderung der mit der Schulfeier verbundenen Veranstaltungen 
einlud. Auf Autrag des Vizebürgermeisters R. Rohre r wird neben dem 
ofiizielleu Schulfeste die A])haltung einer intimeren Festfeier der ehemaligen 
Schüler beschlossen und aus der Mitte der Versammlung ein Festausschuß 
gewählt, und zw. zum Obmann Rudolf Rohr er, Vizebürgermeister und Land- 
tagsabgeordneter; zu Obmann-Stellvertretern Friedrich Wanuieck, Guts- und 
Realitätenbesitzer, und Ferdinand Schnitzler, Direktor -Stellvertreter der 
Arbeiter-Uufall-Versicherungsanstalt und Gemeindeausschußmitglied ; zu Schrift- 
führern Kamillo Kubelka, Stadt-Oberbuchhalter und Emil Söffe, Professor 
au der deutschen Staats-Ober-Realschule; ferner zu Mitgliedern Bürgerschul- 
direktor J. Bansky, Hofbuchhändler A. Berger, Fabrikant A. C lassen, 
Baumeister und Gemeindeausschußmitglied A. Jelinek, Baurat J. Kosch, 
komm. Direktor A. Lemerz, Bürgcrschuldirektor und Gemeiudeausschuß- 
mitglied A. Naske, SchafwoUwarenfabrikaut M. Ornstein, Prof. V. Freiherr 
V. Schimmelpenning, Ingenieur A. Schnabel, stud. tecb. F.Schwarz, 
Schafwoll Warenfabrikant und Gemcindeausschußmitglied J. R. Strakosch, 
cand. ing. B. Weigl und Realschuldirektor K. Zaar. Darauf entwickelte 
der Vorsitzende in Kürze nachfolgendes in Aussicht zu nehmende Programm : 
Am Vorabende des Festes Begrüßung der ehemaligen Schüler, am nächsten 
Tage Teilnahme an der ofHziellen Schulfeier, nach derselben Besichtigung 
des Anstaltsgebäudes, mittags Festbankett im Deutschen Hause und am 
Abend Festkonzert im Schreibwalde. Der Festausschuß trat am 17. Mai zu 
seiner ersten Sitzung zusammen. 



34 IV. Die Lehrer. 

IV. Die Lehrer. 

^eit dem Schuljahre 1851/2 wirkten au der Anstalt 3 Direktoren, 50 Profes- 
soren, 11 Lehrer, darunter 7 ordentliche und 4 provisorische, 2 Turn- 
lehrer und 91 Supplentcn, zusammen 157 Lehrpersouen, die den Unterricht 
in den obligaten Fächern besorgten, üa jedoch bei der Errichtung- von Parallel- 
klassen die vorhandenen Lehrer nicht immer ausreichten, so mußten im gegebenen 
Falle Aushilfskräfte bestellt werden, die dann auch durch mehrere Jahre in 
Verwendung standen. So wurden für den katholischen Religionsunterricht im 
ganzen 7, für den evangelischen 2, für den israelitischen 7 und für den Unterricht 
in den übrigen Gegenständen 31 Aushilfslehrer aufgenommen. An Assistenten für 
Chemie, geom. und Freihandzeichnen, sowie für Turnen gal) es im ganzen 38. 
In das ])raktische Lehramt wurden S Kandidaten eingeführt und den Unterricht 
in den nichtpflichtigen Fächern erteilten zusammen 33 Nebenlehrer, so daß in 
einem Zeiträume von 51 Jahren 283 Lehrpersonen Verwendung gefunden hatten. 

Die Direktiousgeschäfte führten Josef Au spitz und Fridolin Krasser 
durch je 19 und der Berichterstatter durch 13 Jahre. 

30 und mehr als 30 Jahre dienten au dieser Anstalt die Professoren : Anton 
Mayßl (37 J.), Josef Koller (3G J.), Anton Matzen au er (35 J.), Rudolf 
M auouschek (33 J.), Jakob Bratko vic (31) und Benedikt Fogler (30 J.). 

Der Ehrendomherr Professor Theodor W o 1 f vollendet heuer in voller 
Rüstigkeit das 34. Dieustjahr und der Professor Albert Rille sowie der 
Turnlehrer Alois Kovacic werden mit Schluß dieses Schuljahres 
das 30. Dienstjahr zurückgelegt haben. 

Eine auszeichnende Beförderung erfuhren nachstehende Lehrer: Direktor 
Josef Au spitz als Landesschulinspektor 1. Kl., Gregor Mendel als Prälat 
des Augustiuerstiftes in Alt -Brunn (seine wissenschaftliche Bedeutung sieh 
pag. 26), die Rcligiousprofessoren Johann Czeppl und Theodor Wolf als 
Ehrendomherren; als o. ö. Professoren an einer Hochschule: die Regierungs- 
räte Adolf von Gabriel y und Jakob Pöschl, Alexander Makowsky, 
Hofrat Dr. Franz Wies er, Ritter v. Wiesenhort und Adolf Friedrich; als 
Direktoren: Franz Niki seh, Johann Patek (nachmaliger Schulrat in Prag), 
Josef L a i z n e r, Rudolf S c h n e d a r , Schulrat Dr. Richard R o 1 1 e r, 
Regierungsrat Franz Richter, Karl Huschka, kais. Rat Anton Kotera, 
Johann Drizhal, Adolf Ob orny, Dr. Josef Mikusc h, Paul Schein er, 
Hermann Gärtner, Anton Nagele und Siegmund Horvath; ferner als 
Schulräte : Benedikt F o g 1 c r, Rudolf M a n o u s c h c k, Franz P e j s c h a und 
Josef Tesaf-. 

Die wichtigsten die Lehrer betreffenden Daten finden sich in der folgenden 
Tabelle: 




lO 



CS 



ü 

CO 

n3 



:0 






IV. Die Lehrer. 



35 



Chronologisch geordnetes Verzeichnis der Lehrer dieser Lehranstalt. 

a) Dircktoreu. 



N 



Lehrfach 



Dauer des 
Wirkens an 
der Anstalt 



Gegenwärtige, 

hezvv. letzte 

Stellung und 

Wohnort 



Anmerkung 



Au«pilz Josef . 
Krasser Fridolin 
Zaar Karl . . . 



Arith.*), Buchli., 

Zollk. 

Natg., Ch. 

I\Iath.,Ph.,ph.Proi)., 

Sten. 



1S51— 71 

187I-8«! 
seit 1889 



k.k. Landcs=chul 

Inspektor I. Kl. 

em. Direktor 

dieser Anstalt 

Direktor der 

Anstalt 



•est. 18S!», Brunn 

(vide pag. 27) 

Wohnhaft 

in Wien 



h) Professoren, wirkl. imd prov. Lehrer und Supplenteu. 



Name des Lehrers 



Letzter 

dienstlicher 

Charakter 

an der Anstalt 



Lehrfach 



Dauer seines 
Wirkens an 
der Anstalt 



Gegenwärtige, 

bezw. letzte 

Stellung und 

Wohnort 



An- 
merkun«: 



9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 



Czeppl Johann . . 
Reischl Josef . . . 
Rotler Josef . . 
^"ikisch Franz . . 
Patek Johann . . 
Budaf Ignaz . . 
Pytlik Johann . . 
Fiala Franz . . . 
Vogel Hilarius . . 
Mayßl Anton . . 
Berr Franz . . . 
V. Gabriely Adolf 
Nowotny Johann 
Fogler Benedikt . 
Laizner Josef . 
Matzenauer Anton 
Brückner Anton . 



Religions- kath. Relg. 
Professor 
ord. Lehrer D.,Gg.,Gesch, 



Professor 
ord. Lehrer 



D., Gg., Kall. 
Arith., Geom 



18')1 — ()3 Erzpr. u.Ehrendomh. ^'est. 1877 
in Gr.-Meseritsch ,Gr.-Meseritscli 



prov. Lehrer iNatg., Ph., Gs. 

Piofessor Darsf. Geom., 
I Ph. 

suppl. Lehrer Geom., Fh. 



prov. Lehrer 

Professor 

Professor 

Professor 

prov. Lehrer 

suppl. Lehrer 

Prof.. Gap. d. 
Aug. Stittes 
Professor 

Professor 

suppl. Lehrer 



D., Böh. 

D.,Gg.,Gesch. 

Fh., Mod. 

Gh.. Ph. 

Darst. Geom., 

Bauk. 

Natg. Arith., 

Zeichnen 

D., lt., Frz. 

Geom., Fb., 

Ph. 

D., Böh. 

D., Gg., 
Gesch. 



.1851—5-2 

1851-65 

1851—54 

1851 - 54 

1851—78 

1851-75 

1851-72 

1851-70 

1851-88 

1851—65 

1851—53 

1851-57 

18.52—81 

1852-58 
1871-78 
1852—87 

1852—56 



Ord. Lehrer i. R., 

Brunn 
Prof. i. R., Brunn 

k. k. Realschuldir., 

Salzburg 
k. k. Schulrat, Prag 

Prof. i. R., Brunn 



Übungs-Sch.-L. a. d. 

L.-B.-A., Brunn 
Prof. a. d. St..O..R. 

111. Bez., Wien 
Prof. i. R., Brunn 

Prof. a. d. böhm. 

St.-O.-R., Prag 
Rgs.-R.. Prof. a. d. 

Technik, Graz 
B.-Sch.-lnsp. U.Prof 

i. R., Brunn 
Sch.-R. u. Leiter d. 
Zweiganst. Kröna 
Dir. d. St.-G.-Sch., 

Czernowitz 
Prof. i. R., Brunn 

Prof. a. d. O.-R., 
Ofen 



gest. 1858 

Brunn 
gest. 1879 

Brüim 
;est. 1860 
Salzburg I 
gest. 1872 

Prag 
gest. 1883 

Brunn 
gest. 1875 
Brunn 
est. 1894 
Brunn 
est. 1900 

Wien 

est. 1899 

Brunn 

:est. 18<S() 

Prag 

gest. 1893 

Graz 



gest. 1886 
Brunn 

gest. 1895 
Czernonitz 

gest. 1894 
Brunn 

gest. Wien 



*) Abkürzungen: Arith. = Arithmetik, Bauk. = Baukunst, Böh. = Böhmisch, 
Buchh. = Buchhaltung, Ch. = Chen)ie. Darst. Geom. = Darstellende Geometrie, D. = Deutsch, 
Engl. = Englisch, Fh. = Freihandzeichen, Frz. = Französisch, Gg. = Geographie, Geom. = 
Geometrie. Gesch. = (ieschichle, Gs. = Gesang, Gr. = Griechisch, It. = italienisch, Kall. = 
Kalligraphie, Lat. = Latein, Wasch. = .Maschinenlehre, Math. = Mathematik, Mod. = Modelieren, 
Natg. =^ Naturgeschichte Ph. = Physik, ph. Prop. = ].liilosoi)hische Proi)ädeulik, Relg. - Religion, 
Sten. — Stenographie, Zollk. = Zollkunde. 

3* 



36 



IV. Die Lehrer. 



Name des Lehrers 



Letzter 

dienstlicher 

Charakter 

an der Anstalt 



Lehrfach 



Dauer seines 
Wirkens an 
dar Anstalt 



Gegenwärtige, 

bezw. letzte 

Stellung und 

Wohnort 



An- 
merkunt 



18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 

3 

36 

37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

44 

45 

46 

47 

48 



Dr. Zawadzki Alex. 
Pöschl Jakob . . . 
Schnedar Rudolf . 
Dostal "Wilhelm . . 
Kopfiva Johann . . 
Mendel Gregor . . 
Jakob Franz . . . 
Bratkoviö Jakob . 
Matzek Franz . . . 
Roller Josef . . . 
Meixner Johann . 
Fauswang Johann . 
Ruprich Wenzel . . 
Wein er Ignaz . . . 
Makowsky Alex. . . 
Kratky Anton . . . 
Haslinger Friedrich. 
Dr. Buckeisen Friedr. 
Dr. Rotter Richard . 
Hoffmann Josef . . 
Oborny Adolf . . . 
Markl Friedrich . . 
Manouschek Rudolf 
Dr. Mikusch Josef . 

Rost Karl 

Broda Karl . . . . 
Huschka Karl . . . 
Ermenyi Ludwig . . 
Kajetan Julius . . . 
Kot6ra Anton . . . 
Schewerda Johann . 



en. Prof. d. Lem- 
berger Unirersität 
ord. Lehrer 

ord. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

Capitular des 
Aug. Stiftes 
suppl. Lehrer 

Professor 

Professor 

Professor 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

Kelg.-Prof. 

suppl. Lehrer 

Professor 

Professor 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

Professor 

wirkl. Lehrer 

Professor 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

sui)pl. Lehrer 



Natg., Ph. 

Arith., Geom 

Darst. Geom., 

Masch. 
Geom. Bauk 

Math. 

Naig., Ph. 

Natg.,Ph.,Ch 

Math. Ph. 

Math., Darst 

Geom. 

Fb., Mod. 

D., Gg. Gesch. 

Natg., Ph., Ch 

Arith., Geom. 

Bauk. 
Geom., Bauk. 

Math., Na'g. 

kath. Relg. 

Gg., Gesch. 

Gh., Natg. 

Gg., Gesch. 

Mech., Geom., 

Zeich. 
Nat» G" 
Gesch. 
Mech. Geom., 

Math., Darst. 

Geom. 
Gg., Gesch. 

Gh., Natg. 

Math., Ph. 

Math., Darst. 

Geom. 

Math. Ph. 

Math.. Ph., 

Darst. Geom. 

Math., Ph., 

Zeich. 

Arilh.,Geom , 

Bob. 



1853- 

1853- 

1853- 

1853- 

1853- 

1854- 

1854- 

1856- 

1856- 

1856- 

1856- 

1856- 

1856- 

1856- 

1858- 

ISöO 

1863- 

1863- 

1865- 

1865- 

1865- 

1865- 

1885- 

1867- 

18G8- 

1868- 

1866- 

1866- 

1868- 

1866- 

1868- 

1868- 



66 
-55 
-60 
-55 

-58 

-68 

-56 

-87 

-70 

-92 

-62 

-57 

-70 

-59 

-59 
68 

-68 

-70 
■68 
-71 

66 

71 
-74 

90 
-72 
-88 

71 
-71 
-70 

72 
■71 
-70 



Prof. i. R., Brunn 

Rgs -R., em. Prof. 

a. d. Technik, Graz 

Dir. d. St.-R., 

Laibach 



Prälat d. August. 
Stiftes, Brunn 

Prof. i. R., Wien 



Dir.d.FTandels-Sch.u. 

Hochschuldoz.Brünn 

Prof. i. R., Brunn 

o. ö. Prot. a. d. 

Technik, Brunn 

Kons.-R. u.SubPrior 

d. Aug.-Stilt., Brunn 

Fachlehrer i. R., 

Brunn 

Prof. a. d. St.-O.-R., 

Innsljruck 

Sch.-R. u. Dir. d. 

L.-B.-A., Troppau 

Prof. a. d. St.-O.-R., 

Troppau 

Dir. d. L.-O.-R., 

Leipnik 

Prof. a.d. St.-G.-Sch., 

Brunn 

k. k. Schulrat u. Prof. 

in R. 

Dir. d. St.-G., 

Weißkirchen 

Prof. in R., Brunn 

Prof. a. d. St.-R.. 

V. Bez., Wien 

Dir. d. L.-O. R. i. R., 

Kremsier 
Maschinening., Wien 

Kais.Rat Doz. u.Prof. 
a.d.St.-G.-Sch.,Wien 

Kais. R., Dir. d. 
Handelssch., Pilsen 



gest. 1868 
Brunn 



gest. 1862 
Brunn 



gest. 1858 
Brunn 

gest. 1884 
Brunn 

gest. 1856 
Brunn 



gest. 1870 
Briaui 

gest. 1892 
Brunn 



gest. 1857 
Brunn 



lebt i. R 
in Brunn 
lebt i. R 
in Graz 
gest. 1886 
Brück a. d. L. 



Wohnhaft 
in Klausenbnrg 
gest. 18812 

Döbling 
gest. 189(; 

Brunn 



gest. 1870 
Austerlitz 



rV. Die Lehrer. 



37 



c 




Letzter | 




Gegenwärtige, 




cn 

O 
Oh 


Name des Lehrers 


dienstlicher 

Charakter 

an der Anstalt 


Lehrfach 


Dauer seines 
Wirkens an 
der Anstalt 


bezw. letzte 

Stellung und 

Wohnort 


An- 
merkung 


49 


Tesaf Josef .... 


suppl. Lehrei 


Math., Geom., 
Mech. 


1S69-74 


Scbul-R..Pr(.f. i. R., 
Brunn 


gest. 1902 
Brüim 


50 


Hawranek Ignaz . . 


Professor 


Natg., Kall. 


1860-88 


— 


gest. 1888 
Brunn 


51 


Kreuszel Irenäus. . 


suppl. Lehrer 


Natg., Arith., 
Geom. 


1869-74 


Prof. a. d. L.-O.-R. 
l'rofJnilz 


g.lSIliKriweb. 
W.-Mcserilscli 


52 


Wolf Theodor. . . 


Prof., Assess., 
Ehrendomh. 


kath. Relg. 


seit 1868 


— 




53 


Dfizhal Johann . . 


Professor 


Math., Ph. 


1870-81 


em. Dir., d. böhni. 
St.-O.-R., Brunn 


Wohnhaft 

i.U.Skalitz 


hi 


Dr. Grolig Moriz . . 


wirkl. Lehrer 
extra slatum 


D.,Gg., Gesch. 


1870-71 


([uies. Gym.-Prof., 
Wien 


~ 


55 


Richter Franz . . . 


Professor 


Natg..Ch.,Ph., 
Gg. 


1870-76 


Rgs.-R., Dir. d. St.. 
G.-Scli., Beichenberg 


— 


50 


Scheiner Paul . . . 


Professor 


U., Gg.,Gesch. 


1870-73 


Dir. d. L.-O.-R., 

Pro«nitz 


gest. 1888 
B. Leipa 


57 


Czech Johann . . . 


suppl. Lehrer 


D., Gg. 


1870-71 


Fachlehrer, Brunn 


— 


58 


Guy JuHus .... 


suppl. Lehrer 


Frz. 


1870—76 


Privatlehrer, Brunn 


gest. 1892 
Brunn 


59 


Heinz Adolf .... 


Profe.ssor 


Gg., Gesch. 


1870-91 


— 


gest. 1891 
Brunn 


60 


Hof mann Hermann. 


Turnlehrer 


Turn. 


1870-77 


Turnlehrer a. d. L.- 
B.-A., Brunn 


— 


61 


Holzer Franz . . . 


suppl. Lehrer 


D.,Gg., Gesch. 


1870-71 


Beamter, Wien 


— 


6^2 


Kulke Jakoh. . . . 


suppL Lehrer 


Frz. 


1870-72 


— 


— 


63 


Kunisch Albert . . 


suppl. Lehrer 


D., Gg., Gesch. 


1870-72 


Bür(?er-Sch.-Dir., 
Ung.-Brod 


gest. 1875 
Brunn 


64 


Rock Eduard . . . 


suppl. Lehrer 


Frz. 


1870-71 


— 


— 


65 


Dr. Wieser Franz, 














Ritter v. Wiesenhort 


wirkl. Lehrer 


Gg., Gesch. 


1871-72 


k. k. Hofrat, o.ö. Prof. 
a.d. Univ., Innsbruck 


— 


66 


Friedrich Adolf . . 


suppl. Lehrer 


Math. 


1871—72 


llochsch.-rrof. a. d. liocliscli. 
f. Bedenk., Wien 


— 


67 


Hofmann August . 


suppl. Lehrer 


Fb., Kall. 


1871 — 75 


Prof. a. d. St.-O.-R., 
Budweis 


— 


68 


Husserl Josef . . . 


suppl. Lehrer 


Frz. 


1871-76 


— 


gest. 1887 
Brunn 


m 


Dr. Miksch Eduard. 


suppl. Lehrer 


D., Gesch., 
Loi,'ik 


1871-74 


Prof. a. d. L.-O.-R., 
Proßnilz 


g:est. 1878 
Frankstadt 


70 


Pieschl Hugo . . . 


suppl. Lehrer 


Gg., Gesch. 


1871—72 


Prof. a. d. L.-O.-R., 
Kremsier 


gest. 1891 
Kremsier 


71 


Dr. Wiglitzky Hubert 


suppl. Lehrer 


Math.,Ph.,(Jg. 


1S71— 72 
1875-79 


Sekretär d. Handl.- 
u. G.-K., Czernowitz 


— 


1-2 


Kunerth Adolf . . . 


Professor 


Math., Ph. 


1872-80 


Prof. i. R., Wien 


gest. 1881 
Wien 


73 


KovaCiC Alois . , . 


Turnlehrer 


Turnen 


seit 1872 


— 


— 


74 


Kleißl Karl ... 


suppl. Lehrer 


D., Gesch. 


1872-77 


Prof. a. d. St.-O.-R., 
Pilsen 


— 


75 


Naske Alois .... 


suppl. Lehrer 


Arith., Geom., 
Zeichnen 


1872-74 


Bürgersch.-Dir., 
Brunn 


— 


76 


De Simond Theodor 


suppl. Lehrer 


Frz. 


1872-77 


Inhaber einer 
Privatsch., Wien 




77 


Rille Albert .... 


Professor 


D.,Gg.,Gesch. 


seit 1872 


— 


— 


78 


Emprechtinger Jak. . 


suppl. Lehrer 


D., Gesch. 


1873-77 


Prof. a. d. L.-B.-A., 
Brunn 


— 


79 


Mihatsch Heinrich . 


suppl. Lehrer 


D.,Gg.,Gesch. 


1873-75 


Prof. i. R., Prag 


— 



38 



r\'. Die Lehrer. 



Nflme des Lehrers 



Letzter 

dienstlicher 

Charakter 

an der Anstalt 



Lehrfach 



Dauer seines 
Wirkens an 
der Anstalt 



Gegenwärtige, 

bezw. letzte 

Stellung und 

^Vuhno^t 



An- 
merkuu'. 



80 
81 
82 
83 
8t 
85 
86 
87 
88 
89 
90 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
07 
98 
99 
1(K) 
101 
102 
103 

luv 

105 

106 
107 
108 
jl09 
110 



Gärtner Hermann . 

Obenrauch Ferd. . 

Pafizek Theodor. . 

Dr.P.PlaschkeRom. 

Siegl Hermann . . 

Hofmann Franz . . 

Schneider Emanuel 

Schwarz Alois . . . 

Greger Johann . . 

Neuwirth Vincenz . 

Riedl Karl . . . 

Feil Moritz . . . . 

Hor\'ath Siegmund. 

Korger Heinrich . . 

Passler Peter . . . 

Schmidt Karl . . . 

Wenzel Josef . . . 

Dr. Nachbaur Karl , 

Dr. Nader Engelbert 

Nowak Adolf . . . 

KoUer Rudolf . . . 

Mildner Reinhardt . 

Nagele Anton . . . 

Waneck Adolf . . 

Wenzel Leodegar . 
Dragoni Wilhelm, 
Edler v. Rabenhorst 

Husserl Moritz. 

Seifert Julius . 

Fiby Heinrich . 

BoscaroUi Josef 

Sofie Emil . . 



suppl. Lehrer Gg., Ge-<h., 

Sien. 
äuppl. Lehrer! Math. Darst. 
Geom.. Kall, 
.suppl. Lehrer, Arith., Geom., 

I Böh. 
suppl. Lehrer D.. Gesch., 

1 Logik 
prov. Lehrer ' D., Frz. 



suppl. Lehrer D.,Gg.,Gesch 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 



suppl. Lehrer 



Natg., Gh.. 

Turnen 

Frz.,Ch.,Natg. 



Frz. 



suppl. Lehrer Gh.. Natg., 

KaU. 
suppl. Lehrer D., Gg., Gesch. 



suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrei 

Professor 

Professor 

Professor 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrei 
suppl. Lehrei 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 

Professor JMath., Geom. 

Professor i D. Frz. 



Math., Darst. 

Geom. 

Math., Ph., 

Böh. 

Frz. 

D., Gg., Gesch. 

D.,6g., Gesch. 

D.,G?.,Gesch., 

Kall. 

Gh., Natg. 

D., Engl. 

Fh. 

Frz. 

.Math.. Darst. 

Geom. 
D., Gg.,Gesch. 

D., Gesch., 

Frz. 
Math., Ph. 



suppl. Lehrer 

suppl. Lehrer 

Professor 

Professor 



1873-74 
1874-76 
1874-78 
1874—78 
1875—86 
1875 - 76 
1875-77 
1875-79 
1876-81 
1867-77 
1876-77 
1867-81 
1877—80 



Dir. d. St.. R.- 
u. O.-G., Teplitz 

Prof. a. d. L.-O.-R. u. 

Hochsch.-Dz., brünn 

Bü'gersch.-Dir., 

Strä2nitz 

Redakteur, Dresden 

Prof. 1. R., Wien 

Prof. a. d. St.-O.-R., 

Tioppau. R.-R.-Abw. 

Prof. a. d. St-R.^ 

Bozen 
Prof. a. d. L.-O.-R., 

M.-Ostrau 
Faclilehrer. Brünn 



gest. 1900 
Brünn 



Bürgerschullelirer, 

Wien 

Prof. a. d. L.-O.-R.. 

Sternberg 

Prof. a. d.''St.- 

G.-Sch.. Pilsen 

Dir. d. böhni. L.-R.. 

I Gr.-Meseiitsch 

1877—79 !lnirenieurd.St.-B.-G. 



D., Engl., Gs. 

Engl.. D., Gg.; 

Gs. 
It., Frz., D. 

D., Engl. 



1877-81 

1877—78 
1877-80 
1878- 90 
1878—83 
1878-81 
1878-79 
1878-80 
1878—79 
1879—81 
1878—79 
1880-901 
1882-92 
1883-85 
1885-86 
1886-91 
seit 1886 



Prof. a. L.,-R.- u. 

O.-G., H>rn 
Prof. a. Franz Josef- 

Gvmn., Wien 
Prof."a. d. St.-O.-R. 

Görz 
Prof. i. R., Innsbruck 

Prof. a. d. St.-0.-R.. 

Wien 
Prof. a. d. St.-O.-R. 

Wien 

Prof. u. Fach-V. a. d. 

Textilsch.. Brünn 

Prof. a. d. L.-O.-R., 

Znaim 

Dir. a. L.-R.-G., 

Waidhofen a./Th. 

Prof. a. d. L.-O.-R., 

M.-Ostrau 
prov. Lehrer a. d. d. 

St..O.-R., Pilsen 
Prof. i. R., Brünn 

Prof. a. d. St.-0.-R., 

Wien 

Prof. a. d. St.-R., 

Karolinental 

Prof. a. d. L.-O.-R.. 

Znaim 

Prof. a. d. St.-O.-R., 

Innsbruck 



gest. 1898 
Wien 



gest. 1898 
Innsbrucl. 









YV. Die Lehrer. 




39 


c Letzter 


i- 


Gegenwärtii^e, 




^ ivT j T i ^ dienstlicher 
J. Name des Lehrer. Charakter 

c2 an der Anstalt 


Lehrfath 


uaner seiaes 
Wüteis an 
der Anstalt 


bezw. letzte 

Stellung und 

Wohnort 


An- 
merkung 


in 


Bemer Ernst . . . 


suppl. Lehrer D., Frz. 


188») — 87 




— 


11-2 Dr. Albrecht Gustav 


suppl. Lehrer; Math., Ph. 


1887-88 Prof. a. d. St.-G.-Sch., 


1 








Brunn 




113 Prokesch Konstantin 


suppl. Lehrer 


Frz., Engl., D. 


1887-88 Prof. a. d. L.-O.-R.. 
Proßnitz 


— 


114 Schafranek Leopold 


suppl. Lehrer 


Math., Ph. 


1887-89 1 k. k. Baukomra.. 


_ 










Brunn 




115 Dr. Wagner Georg. 


Professor 


Math.. Ph. 


1888-93 


Prof. a. St.-G., Wien 




llti Bittner Robert . . 


suppl. Lehrer 


D.. Frz. 


1888-89 


Prof.a.d.2.St.-0.-R. 
Wien 




117 Dr. Sigmund Wilh. 


suppl. Lehrer 


Ch.,Natg.,Ph. 


1888—89 


Prof. a. d. St.-R.. 
Karolinental 


— 


IIS Thienel Josef . . . 


suppl. Lehrer 


D., Frz., It. 


1888-89 


Prof. a. d. St.-O.-R.. 
Triest 


— 


119 Zntloukal Vinzenz 


Professor 


Natg., Math., 
Ph. 


1889—93 


Prof. a. 2. d. St.-G., 
Brunn 


— 


1-20 


Brandstätter Friedr. 


suppl. Lehrer 


Natg., Ch. 


1889-91 


Prof. a. d. St.-0.-B.. 
AMen 


— 


1-21 


Pazdirek Ladislaus . 


suppl. Lehrer 


Fh. 


1890—93 


Prof. a. d. St.-O.-R., 
Graz 





12-2 


Medritzer Eugen 


Professor 


Ch.,Nat.,Sten. 


seit 1891 


— 


— 


1-23 


Queiß Karl .... 


Professor 


Gg., Gesch. 


1891—96 


Prof. a. d. St.-O.-R., 
Wien 


— 


124 


Dr. Woynar Karl 


suppl. Lehrer 


Gg., Gesch., 
Prop. 


1891—93 


Prof. a. d. St.-0.-R., 
Wien 


— 


125 


Pejscha Franz , . 


Professor 


Frz., D. 


189-2—95 


Schul-R.u.Prof.a. d- 
St.-0.-R.. Wien 


— 


126 


Walleczek Robert . 


suppl. Lehrer 


Frz.. Engl.. D. 


1892-95 


Prof. a. d. St.-0.-R., 
Jägerndorf 


— 


127 


Katzer Franz . . . 


Professor 


Natg., Math.. 
Ph., Sten. 


seit 1893 


~ 


— 


128 


Widter Friedrich . 


Professor 


Fh. Geom. 


IS93-97 


Prof. a. d. St.-O.-R., 
Wien 


— 


129 


Dr. Feitier Siegmund 


suppl. Lehrer 


Math., Ch. 


1893-94 


Prof. a. d. Export- 
Akademie, Wien 


— 


130 


Lefler Konrad . . . 


suppl. Lehrer 


Fh., Geom. 


1893—98 Prof. a. d. St.-G.-Soh.. 
Hohenstadt 


— 


131 


Rinesch Romuald . 


suppl. Lehrer 


Math.J'h..Gs. 


1893-94 Prof. am St.-G., 


— 








Violinspiel OlmOtz 




132 


Schuöcik Eduard . 


Professor 


Math..Ph.,Gs.:seit 1894 — 


— 


133 


Dr. Werner Alex. . 


Professor 


D., Engl., Frz. 


seit 1894 1 — 


— 


134 


Schubulh Karl . 


suppl. Lehrer 


D., Gg.,Gesch. 


1893—94 


Prof.a.d.Sl.-G.-Scb.. 
Brunn 


— 


laj 


Dr. Bulla Franz . . 


suppl. Reli- 
gionslehrer 


kath. Relg. ; 


1894—95 


Th. Prof. u. Regens 
d. bisch. Sem.. Brunn 





136 


Dr. Evers .Vrthur . 


suppl. Lehrer 


D.. Lat., Gr. 


1894-95; 


Prof. a. d. Sl.-O.-R.. 
Jägerndorf 




137 


Temper Gustav . . 


suppl. Lehrer 


Math.. Ph. 


1894-95 


Prof. a. d. St.-O.-R.. 
Klagenfurt 


~ 


i:3S 


Dr. Trei.xler Gustav 


suppl. Lehrer 


Gg.. Gesch. 1 


1894-96 

j 


Prof. a. d. L.-0.-R.. 
Göding 


— 


139 


Lorenz Ferdinand . 


Professor 


D., Frz. ' 


1895—96 


Prof. a. d. St.-0.-R., 


— 


140 


SchimraelpenningV., 








Wien 






van der Oye, Frh. v. 


Professor 


Math., Ph. 


seit 1895 


— 




141 


Dr. Berger Karl . . 


Professor ' 


Gg.. Gesch. 


seit 1896 


— 


— 



40 



IV. Die Lehrer. 



Name des Lehrers 



Letzter 

dienstlicher 

Charakter 

au der Anstalt 



143 
143 
14( 
145 
146 
147 
148 
149 
150 
151 
152 
153 
154 

A. 

K. 

Dr 
Dr 

F. 
J. 
F. 
Dr 

J. 
F. 

F. 
F. 
J. 

J. 

L: 
J. 

A. 



Oberländer Siegm. . 
Krichenbauer Benno 
Katseber Ludwig. . 
Janik Georg . . . . 
Dr. Sommer Rudolf 
Saska Robert . . 
Dreßler Wilhelm . 
Niedoba Karl . . 
Dr. Franz Anton . 
Schenk Ernst . . . 
Patz Wenzel . . . 
Dr. Lex Franz . . 
Machatschek Alois 



Professor 
suppl. Lehrer 

Professor 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 

Professor 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 
suppl. Lehrer 

Professor 
suppl. Lehrer 

Professor 



Lehrfach 



Dauer seines 
Wirkens an 
der Anstalt 



Frz., D. 

D., Lat., Gr. 

Fh., Geom. 

Fh., Geom. 

Gg., Gesch. 

Böhm., D. 

D., Gesch. 

Fh. 

Gg., Gesch. ,D. 

Math., Darst, 

Geom. 
Math., Darst. 

Geom. 
Gg., Gesch. 

Fh. 



seit 1896 
1896-97 
seit 1897 
1897-98 
1897—98 
seit 1898 
1898—99 
1898-99 
1899-900 
1899-900 
seit 1900 
seit 190f) 
seit 1901 



Gegenwärtige, 

bezw. letzte 

Stellung und 

Wohnort 



Prof. am 2. d. St.-G., 
Brunn 



s. Lehrer a. d. 

L.-O.-R., M.Ostrau 

Prof. a. d. H.-Schule, 

Oimütz 



s. Lehrer a. d. St.-R., 

Teschen 
s. Lehrer a. d. St.-R. 

Teschen 
Prof. a. d. L.-O.-R., 

Leipnik 

Prof. a. d. St.-0.-R., 

Klagenfurt 



An- 
merkuny 



Aushilfskatecheten: J. Scherak, F. D. Barwig, A.Schwarz, 
Wolny, J. Prosswitz, J. Dr. Samsour, J. Svestka. 

Evangelische R e 1 i g i o n s 1 e h r e r : Dr. G. T r a u t e n b e r g e r, 
AVälzel. 

Israelitische R e 1 i g i o n s 1 e h r e r : M. Stoß), D. E h r m a n n, 
. G. Deutsch, Dr. J. Oppenheim, Dr. M. Grünfeld, J. Schrötter, 
. H. Redisch. 

A n s h i f s 1 e h r e r fiir humanistische Fächer : V. P r a s ch, P. Ch. Lange, 

Bauhölzer, J. Schulz, K. Prokop, J. Hyläk, F. Autrata, 

Sichrowsky, F. Nesvadbik, J. Filipek, F. Frank, 0. Jakubicek, 

Teply, J. Hradil, F. Kumpost, P. G. Jokl, G. Kiminich, 

. J. Samsour, F. Rajchl, J. Valis. 

A u s h i 1 f s 1 e h r e r für realistische Gegenstände : J. P o k o r n y, 
V.Rungen, J.Pfeifer, J. Zgrzebny, A. Horany, P. Schönberger, 
Markl 0. Santo Passo, J. Kammler, P. Wahn, F. Wlczek. 

Assistenten für geometrisches, bezw. Freihandzeichnen und Turnen: 
Gebhard, G. v. Schwarzer, R. Hesky, J. Weiner, J. Faimann, 
Ruzicka, F. Kment, M. Gambs, L. Reinhart, J. Hanig, V. Seidel, 
Sank Ott, J. Martinek, V.Hirsch, A.Mick, E. Pinka, A. Zenker, 
Raab, K. Atzger, A. Esterak, J. Pischof, E. Kittl, K. Werner, 
Prochaska, J. Karpischek, F. Nowak, F. Röllner, H.Wagner, 
Schwamberger, J. Habel, A. Juritzky, K. Fidal, K. Suchanek, 
Haschek, H. Rupp, A. Machatschek, F. Raab, J. Puchreiter. 



i a 






p; O: 









o 



2. O 



DO 




V. Die Schüler. 41 

Lehramtskandidaten: E. Barton, R. Kostial, W. Paiisa, 
E. N e 11 g e b a u e r, B. T s c h i a s s n y, F. S c h n i t z 1 e r, F. Z e r h a u, V. G r ü n b c r g. 

Neb enl ohrer u. zw. 1. für Sprachfiicher (Italienisch, Französisch, 
Englisch, Böhmisch, Ung-arisch): B. Fogler, F. Dnbail, S. Horväth, 
Th. Wolf, J. Klanic, F. Hnilicka, F. Trnka, M. Blazek, F. Rajchl, 
Dr. J. Samsour, K. Hof er, E. Söffe, Dr. A. Werner, E. Ambrus. 

2. für Stenographic: K. Engelhardt, K. Badal, Th. Stribel von 
Alpenau, M. Döbl, A. Walter (seit 1870). 

3. für Modellieren: A. Mayßl, J. Roller, 0. Santo Pas so, 

4. für ehem. praktische Übungen: K. Rost, Dr. K. N a c h b a u r, 
E. Medritzer, 

5. für Gesang: P. Peyscha, F. Fiala, J. Tesaf, J. K u z c 1 a, 
J. Lhotsky, S. Horväth, R. Wicken hausser, E. Schuscik. 



,, V. Die Schüler. 

Jie UberfüUung der ersten Klasse der Unterrealschule oder vielmehr des 
cf*SrS ehemaligen sogenannten vierten Jahrganges der Normalschule rührte 
schon vom Jahre 1830 her. Die Frequenzziflfern des ersten Realschuljahrganges 
vom Jahre 1844/5 bis 1850yl bei zwei Parallelklassen waren 224, 228, 241, 
245, 287, 354, 3(39, und vom Jahre 1851/2 bis 1856/7 bei drei Abteilungen 
der ersten Klasse 399, 365, 346, 322, 269, 311; im J. 1857/8 nach der Gründung 
der hiesigen Kommunal-Unterrealschule 222 Schüler (104 an der Kommunal- 
Unterrealschule). Der Besuch der ersten Klasse, welcher die Frequenz der 
Anstalt überhaupt bedingt, hatte also im Schuljahre 1851 2 das Maximum 
erreicht. 

Bei der Errichtung der Oberrealschulklassen war die Frequenz gegenüber 
jener der Unterrealschule relativ gering; so war noch im Schuljahre 1856/7 
das Verhältnis 705 : 271. Dies hatte seinen Grund hauptsächlich darin, daß 
es damals den Schülern des 3, Jahrganges der Unterrealschule gestattet war, 
in den Vorbereitungskurs der technischen Ijchranstalt einzutreten.*) Einem fort- 
schreitenden Wachsen der Schülerzahl an dieser Anstalt wurde durch die 
Errichtung der Staats-Oberrealschule in Olmütz im Jahre 1855 und der in 
Troj)j)au im Jahre l''-«57 vorgebeugt. 

Wie aus der nachfolgenden Tabelle zu ersehen ist, waren die einzelnen 
Klassen vor dem J. 1871 übermäßig besucht. Kraft einer Verordnung sollte zwar 
die Schülerzahl in einer Abteilung nicht 80 überschreiten; nichtsdestoweniger gab 
es in den meisten Klassen über 100 Schüler. Erst durch das Realschulgesetz 
vom J. 1870 wurde die maximale Besuchszittcr mit 60 bestinniit. Dadurch trat 
eine wesentliche \'ermehrung der Parallelklassen ein und damit allmählich auch 
eine erhebliche Besserung des wissenschaftlichen Foitganges der Schüler, wie 
dies in der nachfolgenden Tabelle aus den in "/o ausgedrückten günstigen Unter- 
richtserfolgen entnommen werden kann. Im Durchschnitte gab es nändich bis zum 
J. 1872 72-87o, vom J. 1872—1901 dagegen 81-6 günstige Fortgangsklassen. 

*) Vergleiche Seite 12. 



42 



Y. Die Schüler. 



Die fluktiiieronde Schülerbcweiiimji: ist durch äußere Ursaclien veranlaßt: 
so (las merkliche Fallen der Frequenz im Jahre 1858 durch die Errichtung- der 
hiesig:en Kommuual-Realschule, das vorübergehende Sinken im Jahre 1867, 
durch den österr.-preußischeu Krieg; darnach steigerte sich durch den inzwischen 
eingetretenen wirtschattlichen Aufschwung der Schulbesuch, welcher im J. 1871 
seineu h(»clistcu Stand erreichte. Durch die Erweiterung der hiesigen Kommunal- 
Realschule zu einer Oberrealschule, durch die Errichtung eines Realgynmasiums 
und der Auspitz'schen Privat-Oberrealschulc in iJriinn, sowie durch die wirt- 
schaftliche Krisis im Jalire 1873 fiel die Schülerzahl, die in der Folgezeit durch 
die Errichtung von Landesrealschulen sowie zahlreicher Bürger-, Gewerbe- 
und Handelsschulen in Mähren eine weitere Verminderung erfuhr, bis sie im 
Jahre 181>(> ihren Tiefstand erreichte. 

Die Schülerbewegung am Anfang und Ende eines jeden Schuljahres seit 
dem J. 1851 und Ausweis des günstigen Unterrichtserfolges in Prozenten. 



Schuljahr 



Zalü der 



Schülerzahl zu 



üAnfangl Ende 



HjUnstige 
! Fort- 
I gangskl. 
am Schi, 
jdes 2. S 
in % 



Schuljahr 



Zahl der 



Kl. Abt. 



Schülerzahl zu 
Anfang! Ende 
des Schuljahr. 



TTUiistTge 
Fort- 

gangskl. 

am Schi. 

des 2. S 
in »'„ 



1851/52 
1852/53 
1853/54 
1854/55 
1855/56 
1856/57 
1857/58 
1858/59 
1859/60 
1860/61 
1861/62 
1862/63 
1863/64 
1864/65 
1865/66 
1866/67 
1867/68 
1868/69 
1869/70 
1870/71 
1871/72 
1872/73 
1873/74 
1874/75 

1875/76 

1876/77 



6 
8 
10 
11 
11 
11 
10 
)0 
10 
10 
10 
10 
10 

11 

12 
12 
12 
15 
15 
20 
18 
18 
18 
18 

4 

17, nt 

4 

12 



734 

815 
927 
967 
932 
958 
745 
790 
784 
850 
884 
899 
910 
951 
986 
908 
928 
995 
1086 
1121 
894 
926 
859 
804 



611 

702 

819 
879 
838 
873 
681 
665 
708, 
742 
777 
806 
807 
861 
873 
776 
812 
875 
996 
1008 
813 
h35 
773 
745 

*183 

704 473l 

148 *144' 

457| 420' 



61 
57 

68 
63 
69 
72 
75 
76 
79 
78 
80 
81 
80 
82 
75 
69 
70 
79 
73 
69 
77 
75 
74 
70 

80 

74 

83 

83 



Übertrag 

1877/78 

1878/79 

1879/80 

1880/81 
1881/82 
1882/83 
1883/84 
1884/85 
1885/86 
1886/87 
1887/88 
1888/89 
1889/90 
1890/91 
1891/92 
1892/93 
1893/94 
1894/95 
1895/96 
1X96/97 
1897/98 
1X98/99 
1899/00 
1900/01 
1901/02 



4 

12 

4 

12 

4 

12 
11 
8 
9 
9 
9 

10 
9 
9 
9 
8 
8 
9 




22962 

137 

445 

138 

412 

139 

332 
375 
293 
275 
307 
335 
348 
335 
311 
290 
267 
304 
369 
400 
437 
479 
461 
469 
461 
463, 
439, 
476 
491 



20495 

*132 

418 

*125 

376 

**12.3 

311 
334 

276 
253 

295 
326 
327 

326 
292 
270 
2(30 
297 
343 
387 
427 
463 
444 
450 
439 
440 
425 
452 
467 



a3 
76 

75 

82 

77 
76 
88 
95 
91 
89 
87 
80 
84 
81 
89 
90 
89 
90 
90 
89 
87 
86 
86 
81 
84 
87 



— II Fürtrag. ||22962 20495 



Sunmia . 32950;29973! — 



t) Im 1. Semester 17, im ->. Semester W Ahteilungen. 
*) Schulbesuch an der Zweiganstalt Kröna. 
**) Die Zweiganslalt wird aufgelöst. 



V. Die Schüler. 43 

Die Zahl sämtlicher, d. h. ueu eiui;etreteiier, repetiercuder und iii eine 
höhere Klasse aufi;esticgener Schüler seit 1851 bis 1U02 betrug zu Bei;iini 
der Schulzeit 32950 und am Schlüsse 29973; davon waren bis zum Schul- 
jahre 187G/7 im Durchschnitt O.S'Yo Deutsche und 327o Slaven ; hinsichtlich der 
Konfession 797o Katholiken, 1-5% Protestanten und 19-5yo Israeliten; 40% 
der Schülerzahl waren Brünner. Vom Schuljahre 1876/7 bis jetzt gab es durch- 
schnittlich 89Vo Deutsche und 117o Slaven; ferner (ȧy^ Katholiken, 4-57o 
Protestanten und 29-5'yo Israeliten; 44% waren Hriinner. 

Bis zum Jahre 1871/2 traten von den Schülern des 3. Jahrganges in 
die erste Oberrealklasse durchschnittlich 787^, vom Jahre 1871/2 an bis zum 
Schluß 1900 1 von den Schülern der 4. Klasse 557„ in die 5. ein. Die 
üi)rigen 457,, <^^Gr letzterwähnten Schülerzahl setzten die Studien an anderen 
Schulen, wie an Lehrerbildungsanstalten, an Gewerbe- und Handelsschulen, 
an Kadetteuschulen etc. fort oder sie wendeten sich einem praktischen Be- 
rufe zu. 

Die Oberrealschule absolvierten vom Jahre 1853 — 71 (6 Jahrgänge, 
bezw. im Jahre 1870,1 7 Klassen) 831 Schüler und vom Jahre 1871—1901 
(7 Klassen) 785. 

Ohne den tatsächlichen Verhältnissen allzu nahe zu treten, kann man 
annehmen, daß von der obbezeichneten Gesamtfrequenz von 32950 Schülern 
beiläutig 9200 neu eingetretene Schüler waren, von denen 161(5 die Oberreal- 
schule absolviert hatten. 

Was das Schulgeld anbelangt, so w^ar dasselbe anfänglich mit 4 fl. K. M. 
= 8*4 K bemessen. Um den Zudrang der Aufnahmswerber einzuschränken, 
wurde das Unterrichtsgeld vom Schuljahre 1852/3 auf das Doppelte erhöht 
und bald darauf entrichtete bis zum Jahre 1871 jeder zahlende Schüler 
der Unterrealschule 20 K, jener der Oberrealschule 24 K jährlich. Vom 
Jahre 1871 wurde das Schulgeld wieder auf das Doppelte erhöht und 
seit dem Schuljahre 1886/7 wurde es für Schüler aller Klassen gleich- 
mäßig mit 80 K festgesetzt. Im ganzen wurden seit dem Jahre 1851 zirka 
875.O00 K eingehoben, wovon die Hälfte vertragsmäßig an die Gemeinde- 
kassa der Stadt Brunn abgeführt wurde. An die erwähnte Kassa wurden 
auch die von den neu eingetretenen Schülern entrichteten Aufnahmstaxeu 
ä 4'2 K, in beiläufiger Summe von 38.600 K in Abfuhr gebracht. 

Die Zahl der eingeschriebenen Privatisten betrug im ganzen 368 (darunter 
ein Mädchen), die der außerordentlichen Schüler 19. 

Hinsichtlich der Maturitätsprüfungen ist zu erwähnen, daß das Unter- 
richtsministerium schon im Jahre 1855 die Abhaltung von fakultativen 
Iteifeprüfungen gestattet hat, um den Absolventen der Oberrealschule die 
Gelegenheit zu bieten, die ei^xN^orbenen Kenntnisse durch die Ablegung einer 
eigenen Prüfung darzutun und ein formelles Reifezeugnis, sei es zum Behüte 
der Aufnahme in eine technische Hochschule, sei es zu anderen Zwecken zu 
erlangen, wenngleich damals die Absolvierung des 6. Jahrganges der Real- 
schule genügte, um die Studien an einer technischen Hochschule fortzusetzen. 
Auch an dieser Anstalt wurden statt der üblichen Scmestralprüfungen Abgangs- 



44 V. Die Schüler. 

l)rüfnD<i-eii unter Intervention des inspizierenden Schulratcs oder dessen Stell- 
vertreters vorgenommen, wobei die Bestimmungen, welche bezüj^-lich der 
Priifnniicn der Gymnasial-Abiturienten maßgebend waren, unter gebührender 
Ijerücksichtigung der besonderen Verhältnisse sinngemäße Anwendung fanden. 

Vom Jahre 185G— 70 unterzogen sich im ganzen o7 Schüler des 6. Jahr- 
i^ang-es der Maturitätsprüfung, darunter 10 mit ausgezeichnetem Erfolge. Im 
Schuljahre 1870/71 wurde die Realschule auf sieben Klassen erweitert und 
in diesem Jahre legten 7 Absolventen freiwillig die Prüfung mit günstigem 
Erfolge ab. Erst im Schuljahre 1S71/72 wurde die Maturitätsprüfung auf Grund 
der einschlägigen Landesgesetzc und Ministerial-Verordnungen obligatorisch 
eingetulirt und eine Vorschrift tÜr deren Abhaltung erlassen. Zu einer solchen 
Prüfung meldeten sich seit 1871/2 bis 1900/1 von 775 Schülern der 7. Klasse, 
die hinsichtlich des Fortganges den gesetzlichen Forderungen entsprochen 
hatten, 747 Abiturienten, von denen 90 (12 7o) ^^^^ Zeugnis der Reife mit 
Auszeichnung und 575 (77 "/o) ^^^ ^^er einfachen Reife erhielten; dagegen 
wurden 61 (87o) reprobiert und 21 (3Vo) traten vor der Prüfung zurück. 

Einige Abiturienten trugen außerdem die Gymnasial-Maturitätsprüfungnach. 

Bei den Maturitätsprüfungen tührten den Vorsitz : 

Die Schulräte: P. Dr. Denkstein, Anton Kral und Andreas Wilhelm 
in den Jahren 1856, beziehungsweise 1857, 1858, 1859, 1860 und 1861, 
1865, 1867 und 1868. Die Landesschulinspektoren : Josef Au spitz im 
Jahre 1870 und 1871, Josef Dvorak in den Jahren 1872, 1873 und 1887; 
Dr. Josef Nacke in den Jahren 1874, 1875, 1877 bis 1885. Die Gymnasial- 
direktoren und Schulräte: Dr. Karl Schwippel und Dr. Josef Parthe 
im Jahre 1876, beziehungsweise 188(5, Hochschulprofessor Josef Hab er- 
mann 1888, der Landesschulinspektor Dr. Karl Schober in den Jahren 
1889, 1892, 18i)3, 1895, 1900, 1901, Hochschulprofessor und Regierungsrat 
Gustav Nießl von Mayendorf in den Jahren 1890, 1891, 1894, 1896, 
1897, 1898 und Realschuldirektor Klemens Barchanek im J. 1899. 

Aus dem nachfolgenden Verzeichnisse ist zu entnehmen, welche von 
den ehemaligen Schülern dieser Lehranstalt hohe Ämter und Würden erreicht 
haben und welche von ihnen höchst geachtete Stellungen als Offiziere, Beamte, 
Künstler, Industrielle etc. einnehmen. Leider hat der Tod die Reihen der 
älteren Jahrgänge ziemlich stark gelichtet und manch Strebsamen in den 
besten Jahren hiuweggeraflt't. 



I. Verzeichnis der Schüler. 



45 



I. Verzeichnis der Schüler, 

die vom Jahre 1854—1870 den dritten Jiiiiri:;ani;- der Obcrrealsclmle mit j^iitem 

Erfok-e absolviert haben. 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



1854/5. 



1 

'■2 

3 

4 

5 

G 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

Vi 

14 

15 

l(j 

17 

IS 

19 

20 

21 

22 

28 

24 

25 

2(i 

27 

28 

29 

30 

31 

32 

33 

34 



Czeppek Isidor*) . 
Demuth Karl, Edler 
Floderer Eduard 
Henrich Eduard 
Jäntschke Leopold 
Jedliczka Franz ■ 
Katscher Heimann 
Khünl Karl . . . 
Kledus Wilhelm 
Knoll Roheit . . 
Kohn Filipp 
Kottowitz Eduard 
Kraus Anton . . 
Kürner Karl . . 
Kutschera Karl . 
Lang Rudolf . 
Maresch Anton . 
Markus Karl . . 
Menzel Franz 
Paradeiser Wenze 
Petera Anton . 
Putiger Wilhelm 
Reichert Josef . 
Reitter Eduard . 
Rohrer Rudolf . 
Rossipal Joset . 
Scbandl Josef . 
Schramm Heinrich 
Schrimpf Emil . 
Smetaczek Julius 
Solnitzky Johann 
Stria Anton . . 
Wannieck Friedric 
Wurm Josef . 



Bernd Emil, Ritter v 

Böhm .Maximilian 

Bofitzky Franz . 

Brabenetz Johann 

Brand Jakob . . 

Brixides Kar! 

Budinsky Josef 
8: Czäp Albert . 
9 Czerny Rudolf 

Gzihäk Karl . 

Döbl Moritz . 

Ehrlich Simon 

Feifalik Anton 

Fichtner Franz 

Giller Franz . 

Gottvvald Emil 

Großer Anton 



Frain 

Prag, ß. 

Brunn 

Auspitz 

Krahulec 

Trawny, B. 

Neu-Raußnitz 

Ü.-Bitischka 

Brunn 

Sternberg 

Bail, Ung. 

Schimitz 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Wischau 

ßiala. Gal. 

Brunn 

Stockerau, N.-Ü. 

Brunn 

Wien, N.-Ö. 

Altplass, B. 

Neu-Raußnitz 

Brunn 

Haslicht 

Brunn 

Schönbiunn 

Brunn 

Wessely 

Brunn 

(^zernahora 

Brunn 
Czeikowitz 



Ing. u. Bauunternehmer, Wien 

k. u. k. Hofgebäude-Oberinsp., Wien 
Stadtbau-Insp., Wien 



Stadt-higenieur, Teschen 
Ingenieur der Südbahn 



Privatier, Brunn 
k. k Postbeamter, Brunn 



k. k. Aichmeister, Brunn 

Ingenieur, Wien 

Zuckerfabriks-Verw., Saletitz 

Privatier, Budvveis 

Pli.-Dr., Privatier, Brunn 

k. k. Reg.-Rat u. Dir. d. St.-E.-G., Prag 

Spediteur, Wien 
Vize-Bürgermeister d. Ldshptst. Brunn 

Baudir., Architekt u. Baumeister, Wien 

k. k. Landesschulinsp., Wien 

k. u. k. Oberleutnant a. D., Brunn 

Techniker 



Guts- u. Realilälenbesilzer, Brunn 
Kaufmann, Brunn 



gest. 1886 
gest. 



gest. 1899 
gest. 



gest. 
gest. 
gest. 



gest. 1887 
«■est. 



gest. 1886 

gest. 
gest. 1857 



gest. 



1855/6. 



Iglau 
Domaschow 
Bohdanec 
Steinkeller 
Pfestavlk 
Trebitsch 
Auschitz, B. 
Niemtschitz 

Brünu 
SmrCek, B. 

Brunn 

Rohozna, B. 

Zwittau 

Wisowitz 

Auschitz 

Kfenowitz 

Friedek, Schi. 



Streckenvorstand, Göding 

Kaufmann, Graz 

Inspektor d. St.-E.-G.. Wien 

Insp. u. Sekt.-Vorst. d. Südb., Wien 

Oberinsp. d. K. F.-N., Wien 



k.k.Berg-R.u.H.-V. d. B.-l)ir..Piibram 
Übelingenieur, Witkowilz 

Kassaoffizial, Brunn 

Zuckerlabr.-Oberbuchhalter, Göding 

Insp., O.-Ing. u. Seki.-( :h. d.St.-E.,Wien 

k. u. k. Leutnant i. P. 

Arch. u. O.-Insp. d. Kredit- Anst., Wien 



gest. 
gest. 



*) Ungeachtet vielfacher Umfrage konnte der dermalige Wohnort vieler Schüler nicht 
in Erfahrung gebracht werden. 



46 



I. Verzeichnis der Schüler. 






z 






Gegenwärtige, bezw. letzte 


X 

o 


Name 


Geburtsort 


Stellung und Wohnort 


18 


Hanke Ludwig . . . 


Troppau, Sclil. 


Techniker 


1!» 


Hollesch Anton .... 


Brunn 


Stadt-Ing. a. ü., Iglau 


;>() 


Hartl Heinrich .... 


Brunn 


ür, k. u. k. Obst., Univ.-Prof., Wien 


i>l 


Horsky Theodor . . . 


Pardubitz, B. 


Maschineningenievn-, Wien 


'■2-2 


HrdUCka Ferdinand . . 


Brunn 


Baumeister, Brunn 


ii 


Jefabek Franz .... 


Lettowitz 


Mühlenbesitzer, Lettowitz 


24 


Irrili Franz 


Brunn 


Oberingenieur i. P., Wien 


2.') 


Klug Franz 


Pawlow 


Ingenieur d. K. F. N., Brüini 


2i\ 


Kosak Johann . . . . 


Brunn 


Obering. d. k. k. Staatsb., Wien 


27 


Kybast Anton . . . . 


Älurau 


fürsterzb.Obering. u. Bauref., Kremsier 


28 


Lasser Otto. Ritter von, 








Edler zu Zollheimb . 


Wien, N.-Ö. 


Stationschef d. Südb. a. D., Graz 


29 


Leschintrer Franz . . . 


Müglitz 


k. u. k Leutnant, Wien 


30 


Pallas Josef 


Jablonau 


— 


81 


Petsch Kaspar .... 


Kornitz 


Bergwerkakademiker, Leoben 


32 


Polielt Willibald . . . 


Liebau 


Bergwerkbesitzer 


33 


Redlich Leopold . . 


Butschowitz 


Zuckerfabriksbesitzer, Kojetein 


34 


fiikl Moritz 


St. Albert Kasimir 


— 


35 


Schnürer Karl . . . 


Wien, N.-Ö. 


Eisenb.-Ing., Wien 


36 


Schuster Moritz . . . 


Brunn 


Obering. d. K. F.-N.. Wien 


37 


Sie!j:l Eugen . . . . 


Brunn 


Obering. a. D., Brunn 


38 


Skalka Johann . . . . 


Gaya 


Betr.-L. d. k. ung. St.-B. a. D., Budapest 


39 


Sobotka Anton .... 


Polna, B. 





40 


Stebich Adolf . . . . 


Gradlitz, B. 





41 


Strohschneider Eduard 


Bze("-kowitz 


Zuckerfalu'.-Zentraldir., Doloplaß 


42 


Suchomel Johann . . 


Nezamislitz 


Ghrudim 


43 


Wach Karl 


M. -Neustadt 





44 


Walloch Albert. . . . 


Prödlitz 


lürsÜ. Gutsbeamtor, Blansko 


45 


Wälnifek Theodor . . 


Austerlitz 


0.-Ing.u.St.-Ch.d.Ö.-N.-W.-B.,D.-Brod 


46 


Waäätko Willibald . . 


Saar 


O.-Ing. d. ung. Staatsb., Pest 


47 


W^eiser Heinrich . . 


Tetsch 


Stadting., Znaim 


48 


Wessely Rudolf . . 


Bistrau, B. 




49 


Wiesner Julius .... 


Tschechin 


Dr., k. k. Hofrat, Univ.-Prof., Wien 


50 


Winter Friedrich . 


Kumrowitz 


Bräuhausbesitzer, Proßnitz 


51 


2iakowsky Emil . . . 


Brunn 


k. k. Prof. a. d. St.-O.-R., Laibach 




18^ 


►6/7. 


1 


Arlzt Gustav . . 


Radun, Schi. 





2 


Bader Moritz 


Gaya 


Schauspieler, Brunn 


3 


Bartl Ignaz 


Frankstadt 





4 


Beichel Franz .... 


Küsselowitz 





5 


Benesch Franz .... 


Ratschitz 





6 


Brixides Karl 


Trebitsch 





7 


(;hmelar2 Ammon . . 


Bodenstadt 


Ingenieur 


8 


Christ Franz . . . 


Brunn 





9 


Daniek Frair/ . . 


Chalupin 


Direktor d. Hüttenwerke, Adamslal 


10 


Daschofsky Kall . . . 


Brunn 





11 


Üorfler Leopold . . . 


Iglau 


_ 


12 


Eisenkolb E(Uiard . . . 


Wien, N.-Ö. 





13 


Floderer Jos--f .... 


Brunn 


Bahnbeamtei- 


14 


Gärtner Anton .... 


Brunn 


k. u. k. F.-M.-L., Pilsen. 
Edler von Romansbrück 


15 


Giller Franz 


Auspitz 


k. u. k. Genie-Major, Auspitz 


16 


Gottwidil Engelbert . . 


Kfenowitz 




17 


Habl Wenzel 


Brenditz 





18 


Hruza Jakob 


Raigern 


Mühlen besitzer, Obrzan 


19 


Janitzky Eduard . . . 


Friedek. Schi. 


Kaufmaiui, Friedek 


20 


Käufler Leopold . . 


Loschitz 


Baumeister, Brunn 


21 


Kaliiwoda Hermann 


Wessely 




22 


Klimesch Karl . . . 


Brunn 


Bahningenieur, Wien 


23 


Koblischke Joliann . . 


Tschenkowitz, B. 




24 


Koötersilz Karl .... 


Littau 


k. u. k. F.-M.-L.. Jnsolstadt 



An- 
merkung 



gest. 



gest. 
gest. 
gest. 



gest. 
gest. 



gest. 



rest. 1901 



gest. 
gest. 

gest. 



gest. 



gest. 



gest. 



gest. 1894 
gest. 



uest. 1899 



I. Verzeichnis der Schüler. 



47 



Oh 



N a 111 e 



Geburlsort 



Gegenwärtij>e, hezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



ehn 



:25 Koväfik Franz . 

"21} Krumpliolz Julius 

^7 Lanirer Heinrich 

:2y Meitiier Moritz . 

ijy Neubauer Salomoii 

3U Onderka Robert 

31 Paisker Ernst . 

3;2 Paterna Wenzel 

33 Pell Franz . . . 

34 Praschil Johann 
34 Richter Franz . 

36 Ringel (iustav . 

37 Rosenteld Moritz 

38 Rot)i Franz 
3!» Rottleuthncr Wilh 
U) Ruii Karl . . . 
41 Ruth Ludwig . . 
i-2 Ru^iözka Wilhelm 

43 Scliorßzik Anton 

44 Schwarz Th., E. v. Sawall 

45 Seilner Eduard . 

46 Slama Ernst . . 

47 Sohnek Josef . 

48 SpatschU Franz . 

49 Straka Josef . . 

50 Switawsk^ Karl . 

51 SvToboda Franz 
5:2 Swoboda Moritz 

53 Szabel Alexander 

54 Tenta Ferdinand 

55 Till Franz . . . 

56 Thuma Karl . . 

57 Toinanetzkv Fabian 

58 Waldek Wilhelm 

59 Wenig Rudolf . 

60 Wita Josef . 

61 Wiroubal Jakob 
6:2 Zecha Franz . . 
63 Zirkus Bernhard 



1: Reschel Johann 

2': Hiberle Karl . 

3 Binder Josef . 

4: Bukowski Siegmund 

5| Ellinger Leopold 

6 Engel Rudolf. . 

7| Feeg Rudolf . . 

8 Fischer Johann . 

9] Friedl Emanuel. 

10 Gläser Ottokar . 

11 Harrasv.Harrasow 

Ritter von . . 

1:2 Herrmann Josef 

13 Jirousek Franz . 

14 Khünl Friedrich 

15 Klaußek Wenztd 

16 Kolbäbek Franz 

17 Konrad Baruch . 

18 Koutn^ Emil . . 
19i KreCi Julius . . 
:20l Kfi2 Karl . . . 



Kobyly 

Brunn 

Brunn 

Tobilschau 

Eibenschitz 

Troppau, Schi. 

Hohenbrück, B. 

JMutschitz 

Toltsch 

Neustadtl 

Boskowitz 

Tischnowitz 

Drnowitz 

JNedweditz 

Brunn 

Gödiiig 

Neu-Ötting, B. 

Brunn 

Königsfeld 

Brunn 

Pohrlitz 

Brunn 

Brunn 

Austerlitz 

Rouchowan 

Bystrzitz 

Skalitz 

Rumlnug 

01m ütz 

Stangendorf 

Frain 

Kromau 

Wiesenberg 

Brunn 

Brunn 

Butschowitz 

Schwabenitz 

Kunzendorf 

Proßnitz 



Baumeister 
Oberingenieur, Briinn 
Bahningenieur, Brunn 



Baumeister, Briinn 
Baumeister, Gaya 



k. k. Reg.-R., Dir.d. St.-G., Beichenberg 

kais. Rat, Ing. u. Hütten-Dir., Rokyzan 

Kaufmann, Brunn 

Beamter 

k. k. tech. O.-Inspek. f. Tirol, Innsbruck 

kais. Rat. u. Verkehrschef in Prag 

O.-lnsp. d. k. k. Staatsb., Prag 

Bahnbeamter, Brunn 

k. u. k. Oberstleut., Wien 

Insp. d. k. k. Staatsb., Briinn 

Fabrikant. Brunn 

Realschul-Prof , Leitmeritz 

Post-Kontrollor i. P., Brunn 

Obering., Szegedin 

Oberhisp. d. Buschtiehrader B., Pi'ag 



Ing. d. k. k. Staatsb., Hermannstadt 

Adjunkt d. Aussig-Tepl.-Bahn, Brüx 

Assekurranzdir., Brunn 

Ing. d. K. F.-N., Wien 

Privatier, Brunn 

Stadtbaurat a. D., Brunn 



1857/8. 



kiK. 



Brosdorf, Schi. 

Müglitz 

Brünu 

Biala, Gal. 

Brüun 
Wiesenberg 

Brunn 
Öhlen, B. 

Igiau 

Ung.-Ostra 

O.-Toschanowitz 

Schlesien 

Burgholz 

Chotzen, B. 

Ossowa 

Hostovvitz, B. 

Tischnowitz 

Trebitsch 

Brunn 

Brunn 

Brunn 



k. k. Statthaltereibaurat, Brunn 

Zivil-lng., Stadtbaumeister, Brunn 

k. u. k. Inlt.-Offizier 

k. k. Oberpostkontr. a. D., Wien 

Hütteningenieur, ReSica 

Zimmermeister, Brunn 

Offizial d. K. F.-N., Prerau 

Ing. d. K. F.-N. 

Ing. d. St.-E.-B., Wien 

Ing. u. Großgr.-Bes. Schloß Aumühl. 

Nieder-Üsterreich 



Zivihng., Kremsier 



Bureau-Inhaber, Wien 

k. k. Prof.a. d. techn. Hochschule, Graz 

Obering. a. d. Staatsb., Prag 

SoUizitator, Briinn 



gest. 



gest. 
gest. 



Rest. 



gest. 



gest. 

gest. 
gest. 



?est. 



gest. 
gest. 

gest. 
gest. 



,'est. 
i-est. 



48 



I. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezvv. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



21 Laminet Kamillo . 

2:2 Langenbacher Ferd. 

23 Leiner Simon . . 

24 Linhart Franz . . 

25 Manner Albin . . 

26 Markus Heinrich . 

27 Menzl Ernst . . . 

28 Miadek Karl . . . 

29 PatoCka Karl . . . 

30 Pollnauer Nathan . 

31 Prokop August . . 

32 Putzker Karl . . . 

33 Raynoschek Otto . 

34 Rösler Jakob . . . 
3ö Sax Vinzenz . . . 

36 Schebesta Ferdinand 

37 Schiadler Hermann 

38 Schon Leopold 

39 Schreiber Moritz 

40 Sevdl Gustav. . 

41 Skütetzky Max . 

42 Swoboda Franz. 

43 Swoboda Eduard 

44 Taussig Siegmund 

45 Thannabaur Josef 

46 Urmanu Johann 

47 Wallauschek Emil 

48 Waschatko Mathias 

49 Weiner Josef. . 
50; Zästöra Karl . . 
51 Zawodsky Albert 
52| Zawodsky Rudolf 



11 Anderle Josef . 

2! Broda Engelbert 

3 Broda Karl. . . 

4 Burghart Ottokar 

5 Eschler Moritz . 

6 Fuchs Engelbert 
2 Groß Edmund . 

8 Gruber Eduard . 

9 Handl Richard . 

10 Harbich Josef . 

11 Hartmann Franz 

12 Herzog Jakob 

13 Hoffmann Josef 

14 Horsky Josef. . 

15 Je2ek Karl . . . 

16 Jer2abek Hugo . 

17 Karmacin Franz 

18 Kostia Franz 

19 Kraissl Eduard . 

20 Kuhn Mauritz . 

21 Küffel Franz . . 

22 Lindner Ignaz . 
•23 Makowskv Johann 

24 Parall Anton . 

25 Permann Alois 

26 Pfafl Anton . 

27 Postulka Alois 



Brunn 

Brandeis, B. 

Gr.-Meseritsch 

Öls 

Wohantschitz 

Biala. Gal. 

Brunn 

Holletein 

Ghrast, B. 

Trebitsch 

Iglau 

Hofic, B. 

Brunn 

Gewitsch 

Brunn 

Wischenau 

Königsteld 

Brunn 

Eisenstadt, Ung. 

Moötenitz 

Yorkloster 

Skalitz 

Rossitz 

Trebitsch 

Brunn 

Pest, Ung. 

Brunn 

Posofitz 

Öls 

Skutsch, B. 

Gurein 

Gurein 



Privatier, Wien 
Prof. a. d. Forstsch., M.-WeiJ3kirchen 

Techniker, Brunn 



em. Fabriksdirektor, Wien 

Gewerbeschull., Baden (Deutschland) 

Hofrat, H.-Sch.-Prof., Wien 

k. u. k. Oberst a. D., Wien 

Betr. -Dir. d. m.-schl. Zentralb., Wien 

Obering. d. K. F.-N., Proßnitz 

k. k. Tabakfabr.-Vervv., Hainburg 

Insp. d. K. F.-N., Wien 

Gutspächter, Weißenhof (N.-Ö.) 

Bahiikassier a. D., W.-Neu^^tadt 

Oltizial d. K. F.-N., Tobitschau 

Lehi-er am Konversatorium, Wien 

Obering. d. k. k. Staatsb., Laun 

insp. d. k. k. Staatsb., Wien 

k. k. Oberbaurat (Hafenbaudir.) Wien 

Realschulprof., Olmütz 

Bankbuchhalter, Brunn 

Prof. a. d. St.-G.-Seh., Wien 



1858/9, 



Unt-Aujezd, B. 
Nikolsburg 
Nikolsburg 

Brunn 
Boskowitz 

LiSnau 

Damasko 

Wilfersdorf, Ost. 

Skvoretz, B. 

Brunn 

Laatz 

Mißlitz 

t'ekov, B. 

Pfivrat, B. 

Königinhof, B. 

Brunn 

Bobrau 

Gaya 

Jaromif, B. 

Brunn 

Sebarn, N.-Öst. 

Skotschau, Schi. 

Zwittau 

Rosicka 

Brunn 

Lomnitz 

Proßnitz 



k. u. k. Mil.-O.-Baurechgsr. a. D., Brunn 

Zuckerfah.Zenlraldir., Wien 

Oberrealsclml-Prof.. Wien 

Stadtbau-Direktor, Brunn 

Ing. d. K. F.-N., Brunn 

Beamter, Kremsier 

Zuckerfab. -Disponent, Wischau 

Obering. d. k. k. Staatsb., Linz 

Ing. b. d. Bau d. Kladnauer Bahnen 

Stadtbau-Insp., Wien 

Fürst Lichteiist. ökon. -Beamter 

Herausg. d. Montagszeitung, Wien 

Realschulprof., Troppau 

Ökonom, Pfivrat (Böhmen) 

Kaufmann, Pest 



Realschulprof., Wien 



Maschinening., Brunn 

Bahnbeamter, Brunn 

Techniker. Brunn 

Oberinsp. d. K. F.-N.^ Krakau 



I. Verzeichnis der Schüler. 



49 



Name 



'■28': Rösel Richard . 
!29 Scheiner Edmund 
30 Schuherth Josef 
31; Strauch .Moritz . 
3:2| Suchanek Rudolf 

33 Tomasi Theodor 

34 Tropper Andreas 
35' Turinsky Franz . 
3()| Waschatko Mathias 
37 Watzlawik Ludwig 

35 Weinherger Franz 
3!> Wenig Franz . . 
4() Weselv Anton . . 
41 2idek "Paul . . . 



Barger Jose! . . 
Bock Karl . . . 
Bracegirdle Theodor 
Broch Wilhelm . . 
Czihak Leopold. . 
Czihatschek Leopok 
Fink Robert . 
Frieb Gustav . . 
Groß Eduard . . . 
Hawlena Anton. . 
Hoschek Joset . . 
Huschka Karl . . 
Jarosch Leopold . 
Je2ek Josef . . 
Knorr Alois . . . 
Koblischek Wilhelm 
Kopfiwa Josef . . 
Kowarik Johann 



19| Kratochwilla Karl 

20 Laseker Karl . . . 

21 Löbl Jakob . . . 

22 Markt Friedrich. . 

23 Pelz Martin . . 

24 Prochaska Leopold 
24 Reckendorf ^Vlois 

26 Rziha Karl . . . 

27 Schuttes Johann 

28 Schwab Eduard 

29 Schwarz Adolf . 

30 Schwöder Adf.lf 

31 Steinbrecher Gust; 

32 Sucliy Eduard . 

33 Weber Arnold . 

34 Weigel Karl . . 
So Weinberger Max 
3fi Weiser Moritz . 
37 Zawodskv iUbin 



Appel Peter . . 
Axmaini Josef . 
Barger Emanuel 
Baumer Heinrich 
Bodansky Moriz 
Braunteld Albert 
Christ Wilhelm . 



Geburtsort 



Wien, N.-Öst. 

Brunn 

Brunn 

Lindewiese, Seh 

Brunn 

Gaya 

Siegerzau 

Gewitsch 

Pozoiitz 

Weißkirchen 

Eibenschilz 

Brümi 

Brunn 

Brunn 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



Obering., Wien 

Baumeister, Brüini 

Obering. d. K. F.-N., Wien 

Überposlverwalter, Wien 

Techniker, Brunn 

Zuckerfabriks-Dir., Hospo(?in 



Iglau 

Biskupitz 

(Jablonz, B. 

Boskowitz 

Smre'ek. B. 

Kroniau 

Schwarzwasser S. 

Eisenberg 

Witkowitz 

Namiest 

Hradisch 

Lellekowitz 

Zdounek 

Königinhof, B. 

Brüini 

Brunn 

Blansko 

Namiest 

Gr.-Bitesch 

Eibenschilz 

Ewanowitz 

Jägerndorf, Schi. 

Kl.-H^'ilendorf 

Brunn 

Trebitsch 

Wischau 

Lomnitz 

Schneckendorf 

Pisarzowico, G:ü. 

Wien, N.-Ö. 

Mödritz 

Malenowitz 

Namiest 

Grätz 

Eibenschilz 

Altstadt 

Brunn 



Bergwerksdir. in RheinpreulJeii 
aut. Geometer, Eiheiischitz 

Landesbaurat, Brüim 

Laudes-Oheibaurat, Brunn 

Streckenchef u. Insp. d. St.-E., Brunn 

1859/60. 

Ing. d. K. F.-N.. Jägerndorf 

Ingenieur, Proüiiitz 
Maschineniabriksing., Brunn 



Insp. d. K. F.-N., Wien 

Assekuranz-Oherinsp., Lundenburg 
Ingenieur, Bauunternehmer, Wien 



Landes-Realscliuldir. 



I)., Kremsier 



Privatier, Königinhof 

O.-Ing. u.St.-Ch. d. K. F.-N.,Bedilioscht 

Zuckerlabriksdir., Müglitz 

Oberingenieur, Witkowilz 

Stadtbaumeister, Brunn 

Eisenbahning. a. D., Eibenschilz 

Versicherungsbeamter, Wien 

k. k. Prof. a. d. St. -G. -Seh., Brunn 

Obering. d. S.-N. D. V. B.,Reiclienbei>' 

Realschulprof., Jglau 

Prof. a. Konservatorium, Leipzig 

Obering. d. K. F.-N., Wien 

Techniker, Brunn 



Dir. d. d.V.-u.Brgrsch., Konstantinopel 
Ziviliiigenieur, Brunn 

Architekt u. Baumeister, Brunn 



Baumeister, Brunn 
Ingenieur, Rus.sisch-Polen 



1860/1. 



Lukau 



ProlJnitz 

Iglau „ 

Hoheiiau, N.-O. 

Gr.-Meseritscli 

N.-u-Bnußii tz 

Iglau 



Stationsvorst. d. k. k. St.-B., Gmünd 



Ober 



mg, 



d. K. F.-N. a. D., Iglau 



Beamter d. St.-E.-G., Prag 
Bankbeamter, Wien 



gest. 

gest. 
gest. 

gest. 



gest. 



'est. 



^est. 
'est. 



gest. 



gest. 
L'est. 



gest. 
gest. 

gest. 
gest. 



50 



I. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



Gelturtsorl 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
nierkuna: 



S Cyhlaf- Johann . 

9 Czecli Leopold . 

10 Dwofak Heinrich 

11 Franz Alois . . 
1-2 Friedrich Friedric 
18 Götzl Siei^'mund. 

14 Hahn Franz . . 
lö Hanaczek Ilaimui 
1(! Hanke Franz . . 
17 Hauk Ferdinand 

15 HerSan Alois . . 
1!>| Kafka Gustav . 
!2()| Knöpfelmacher Jo 
!21 Kopp Johann 
'■I-I Kofjfiwa Josef . 
"2'.] Lanifscli Karl . 
ä4 Lan,t,'er Karl . . 
2."") LauiH' Eduard . 
2() Lenk Ottokar . 
"21 .Matzku Josef . . 
2X Mikesch Franz . 
2U Moraw Ferdinand 
80 Müller Eduard . 

31 Nierl Johann . . 

32 Oborny Adolf . 

33 Pawlas Eduard . 

34 Pokorny Theodor 
Hn Rihak Franz . . 
3() Ruber Ferd., Edler 

37 Sauer Richard . 

38 Schmidt Ferdinan 
3!» Schlamm Gustav 

40 Schütz Lud\vi,Lr . 

41 Schweinburi,' Nail 
4-2 Skalda Huifo . . 
43 Skalda Karl . . 
ii Smola Gusiav . 
4.') Speiser Wilhelm 
4() Steinl)recber Oswald 

47 Steiner Ernst 

48 Stejskal Karl . . 
4n Switil Johaiui . 
50 Szowius Alois . 
öl Thoniann (Justav 

52 Ticliv Albert . . 

53 TuCek Karl . . 

54 Unger Josef . . 

55 Weger l'eter . . 
5r, W^Udt Albiii . . 

57 Winzor Anton . 

58 ZaCek Anton . . 

59 Zifferer Donat . 
00 Indra Wilhelm . 
(il Tellsciiik Rudolf 
<)2 Weinberger Maximili 



1 Andel Anton . . 

2 Andresek Franz 

3 Rartuscii Albert 

4 Rinder Gustav . 

5 Butschek Josef . 



Zbeschau 

Neu-Raußnitz 

M.-Trübau 

Rutscliowitz 

Wisowitz 

Swatoslau 

Tfschan 

Neu-Hwezdlilz 

Schloß Saar 

Rrünn 
Trebitsch 

Rrünn 
Holleschau 
Hohenfluß 
Tisch nowitz 

Rrünn 

Hohenfluß 

Teltsch 

Saar 

Lissitz 

Radiiowitz 

Zwiltau 

Landskron, R. 

Iglau 

Swata 

Mokrizow, Gal. 

Rrünn 

Rogenau 

Rrünn 

Rrünn 

Rrünn 

Schöllbrunn. 

Hruschau 

Pohrlilz 

Znaim 

Znaini 

Politka, R. 

Rrüsau 

M.-Trüljau 

Rrünn 

Kornsle]) 

Czfiiiahora 

Rrünn 

Wien. N.-Ü. 

Rudolfsstadt. S 

Svvatka, R. 

Kumrowitz. (ia 

Rutscliowitz 

Rrünn 

Joslowilz 

Cikow 

Rystrilz 

Rrünn 

Jogsdorf, Silil. 

Eibenschitz 



R. 



Obering. d. K. F.-N., Wien 



k. k. Raurat a. D., Rrünn 

Dir. d. lürk. Rahnen, Konstantinopel 

Raumeister, W'ien 

Rürgerschuldir., Göding 

Maschinenfabriks-Ing., Rrünn 

k. k. Telegraphenamt s-Dir., Triest 
Ing. d. K. F.-R., Ciiropin 



Privatier, Hohenfluß 

Fabrikant. Prudka 

k. u. k. Leutnant. Rrünn 

erzherzogl. Ing., Teschen 

Vorsl. d. k. u. Triang.-Kalkulbur.,Pest 

Kontr. d. K. V.-N., Wien 

Obering. d. K. F.-N., Ung.-Hradisch 

Retriebsinsp. d. K. F.-N., Pfivoz 
Oberinsp. d. Ruschliehrader R.. Prag 

Realschuldir., Leipnik 

Obering. d. k.-u. St.-R., Ciski (Siel^enb.) 

Oberpost-Verw., Kremsier 

Techniker 

Kreditanstalls-Oberbeamter, Rrünn 

Insp. d. K. F.-N., Wien 

k. k. Eichmeister, Rrünn 

Oftizial d. Südbahn, Rrixen 



, k. Stalthalterei-Raurat, Rrünn 
Oberj)ost-Verw., Neutitscliein 



Fabrikant, Krumau (Röhmen) 

Fabriksbes. in Mulda (Saclisen) 

Obering. d. St.-E.-R., Prag 

k. k. Oberbaur., Laibach 

Obering. d. Sl.-E.-R. a. D., Ohnütz 

Insj). d. Nordwestbahn, Wien 

Opernsänger 

Ingenieur, Rrünn 

Raumeister, Luiidenburg 
Sladtbaumeister u. Gemeinderat,Wicn 



Insp. d. K. F.-N., Wien 



1861/2. 



Gr.-Meseritsch 

Ristertz 

Drnowitz 

Rrünn 

Rrünn 



k. k. Schulr. U.Fach insj). f. Zeich., Graz 

kais. Rat u. Ober-lNjstkontr., Brunn 

Forstmeister, Sirndorf N.-Ö. 

Fabriksdir., Chotzen 



I. Ver/.eiclitiis der Soliüler. 



51 



Name 



Geburtsort 



Uegenwärlij,'e, bezw. letzte 
Stelhmg und Wohnort 



An- 
merkuni 



6 

7 

8 

9 
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11 
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13 
14 
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59 
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«12' 
Ü3 
64 
65 
66 
67 



Caha Joset .... 
Czerinäk Karl . . 
Düller 0<ias . . . 
Drapal Vinzeiiz . . 
P'asan Alois . . . 
Fasan Friedrich 
Fiala Isjnaz .... 
Floderer H^-inrich 
CiroÜnianii Theodor 
Haas Ottokar . . 
Hahndel Siei;muiid 
Heidler Artur . . 
Hesky Friedrich . 
Hoihnann Franz . 
Hoflmaiui Johann. 
Holitsch Alois . . 
HoUe.'ek Karl . . 
Hübet Florian . . 
Jelinek Ernst . . . 
Jellinek Leopold . 
Jurka Ferdinand . 
Käba Kniest . . . 
K;illina .Moritz . . 
Kapitain Theodor. 
Karger Karl . . . 
Kaniy Franz . . . 
Katholicky Emil 
Koudela Johann . 
Kopp Josef . . . 
Korger Johann . . 
Kowarski Ferdinand 
KrailJl li.'naz . . . 
Laclnüt Johann 
Lamatsch Rupert . 
Lang Adolf . . . 
Lazarini Oskar, Frei! 
Low Max .... 
.Mayr Gustav . . . 
Mayer Ilichard. E. ' 
.Meiidiold Leopold 
.Motu Johann . . . 
Mühlwasser Johaini 
N^mec Josef . . . 
Nfmer AVilhelm . 
Neuiiauser Richard 
Pisko Johaim . . 
PohK'ek Heinrich . 
Rollak Siegmund . 
Prochäzka Josef . 
Prochäzka Wilhelm 
Rain Joiiann . . . 
Rehland Karl. Edler 
Reimer Jr)hann . 
Piosenkranz Karl 
Sadilek Josef . . 
Scliebella Johioin 
Scliraehlik Alois 
Smetaczek Viktor 
Smr2 (Sclimerz) Leop 
Spieler Ignaz . 
Störba Franz . 
Tannich Anton 



old 



Ober-Rossicka 

Staatz 

LemberK. Gal. 

Eibenschitz 

Drahan 

Drahan 

Rohosna, B. 

Brüini 

Brunn 

Brunn 

Prerau 

Janmitz 

Welehrad 

Brüini 

Mürau 

B ünn 

Kunshidt 

GrolJ-Heilen 

Butschowitz 

Austerlitz 

Schönbrunn 

Pirnitz 

Groß-Bitesch 

Weichsel, Seh. 

Teschen, Schi. 

Teplitz, Ung. 

Groß-Bitesch 

Littau 

Brunn 

Hermesdorf 

Teschen, Seh. 

GlogO(?ow, Gal. 

Brunn 

Priesenitz 

Smichow, B. 

Gallhof, Krain 

Brunn 

Brunn 

Brüini 

Brunn 

Budwitz 

Schimitz 

Hodonin 

Brunn 

Brunn 

Neu-Raußnitz 

Friedlanii, B. 

Öelin 

Dambofitz 

Danibofitz 

Eiltens'-liitz 

Mödhiig. N.-Ö. 

Trübau 

Zhof 

Neustadtl 

Brunn 
(»runberg 
Wessely 
Brunn 
Eywanowitz 
Kremsier 
Dorftriese 



Ökonom, Ob.-Rosii^ka 



Seifenfabiikant. Eibenschitz 

Verwidter in Seebenstein b. Batleii 

k. k. Hauptmann. Königgriitz 

Kurhausinsp., .Marienbad 

k. u. k. Oht^rst, Neuhaus B. 
Obering. d. K. F.-N., Göding 

Iiig. d. St.-E.-B. Wien 



Bergverwalter a. D., Brunn 
Jiisp. d. Ö. N.-W.-B 



Architekt, Pest 

Reg.-R. u. Dir. d.B.-G. f.st.St.-B.,Wien 

Verwalter 

Zimmereileiter, Brunn 

Ökonomie- Verwalter 

k. u. k Oberleut. a. I)., Littau 



Ing., Brunn 
Müldenbes., Prie.senitz 

k. k. Baurat, Graz 

Insp. d. K. F.-N., Wien 
Spaikassendir., Pest 



k. k. Ing., Brunn 



Techniker 

Ing. d. K. F.-N. 

Ingenieur. Wien 

Beamter d. St.-E.-(;.. Wien 

WerkstälteiK iipf in rngarii 

Ihi.hlialtpr. Wr.-Neiistadt 

Realschuldir., Ung.-Brod 



Shitionsvorst. d. K. F.-N., Nikcdsbun 

Baumeister u. Bürgerm., Neustadtl 

Jnsp. d. k. u. St.-B. Agram 

Obering. d. K. F -N.. Olmütz 

k. k. Prof. u. B. -Seil. -Insp., Brunn 

Bankinhaber, Wien 

k. k. Rech.-Rev. i. H.-M., Wien 

fürsÜ. Sekretär, Willingau 



gest. 
gest. 
gest. 

gest. 



gest. 
gest. 
gest. 



gest. 



gest. 



gest. 
gest. 



gest. 



gest. 



gest. 1901 
gest. 

gest. 



52 



I. Verzeichnis derj Schüler. 



Name 



0-, 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



68 
69 
70 
71 
72 
73 



1 
2 
3 
4 

5 
6 

7 
8 
<J 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
2.') 
26 
271 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43[ 
44| 
45 
461 
47 
48i 
491 

l?l 

52 
53 
54 



Tebich Franz . . 
Tlianiiabaur Josef 
Tomaä Johaim . . 
Tutschek Johann . 
Wagner Max . . . 
Winkelliofer Emil . 



Anderle Franz 
Bauer Salomon 
Beisclilaeger Ottmar 
Brand Wilhelm 
Bretschneider August 
Buräik Johann . 
Cerny Josef . . 
Fiebiger Vinzenz 
Goldmann Josef 
Hlaväe Anton . 
Horniak Julius . 
Horny Karl . . 
Jettmar Josef . 
Kasalovsky Josef 
Kaukai August . 
Klein Heinrich . 
Kreisl Josef . . 
Lang Karl . . . 
Langer Karl . . 
Lefner Zdenko . 
Likaf Hubert . . 
Manouschek Rudolf 
Markl Rainer . . 
Mascha Josef . 
Miflek Franz . . 
Moraw Hugo . . 
Müller Wilhelm 
.Münster Ignaz . 
Nowak Adolf . 
Offermaiin Ivan 
Piiika Eiluard . 
Plaschke Johann 
Plliäk Johann . 
Pold Gustav . . 
Polilka Johann . 
Poliwka Moritz . 
Prasch Ottokar . 
Prochaska Eduard 
Redlich Samuel 
Reißig Adolf . 
Piicliter Gustav . 
Piiscliavy Anton 
Sandner Josef 
Scliewerda Joliani 
Scliiifider Vinzenz 
Seidl Josef . . . 
Skal Bernhard . 
Switawsky Franz 
Stoklas Eduard . 
Syrowy Fenhnaiid 
Tandler Simon 
Teltscher Franz 
Tollich Ernst 
Toufar Adolf 



Ober-Döbling, B. 

Polifka. B. 

St. Cottliard-Lhotka, ß, 

Znaim 

Schönberg 

Brunn 



Realitätenbes. Polifka 



Prof. d. landw. Mittelschule, Sohle 



gest. 



1862/3. 



Lundenburg 

Studein 

Lanout Gal. 

Blansko 

Lettowitz 

Kamena 

Reichenberg, B. 

Landskron, B. 

Boskowitz 

ProseC, B. 

Brunn 

Feldsberg N.-Ö. 

Bohnowitz, B. 

Unter-Lhotka 

Brunn 

Brunn 

Besehen 

Wiscliau 

Lomnitz 

Graz, Steierm. 

Pernstein 

Doubrawitz 

Brunn 

Kunstadt 

Neu-Bidschow,B. 

Wagstadt, Schi. 

Brunn 

Eibenschitz 

Howoran 

Brunn 

Brunn 

Braunau, B. 

Kloppe 

Ung.-Hradiscli 

Nagy-Loho Ung, 

Brunn 

Ciüi, Steierm. 

Brunn 

Neu Raußnitz 

Hageiisdorf, R. 

Brunn 

Brüsau 

Gieladiia 

Bräidiowitz 

Prödlitz 

Eisenberg 

Evwanowitz 

'Bystritz 

Wall.-Meseritsch 

Brunn 

Kromau 

Birnbaumhof 

Neutitschein 

Jedownitz 



Stadtbaumeister, Wien 



Obering. d. österr. N.-W.-B., Wien 

Zucker fabriksdir., Raitz 

tecli. Dir. d. Spitzen-Fab., Lettowitz 

k. u. k. OJjerleutnant 

O.-Ing. u. St.-V. d. k. F.-N.. Kromau. R. 

0.-lng.u.Str.-Gh.d.St.-E.-R.-G..Rlansko 

"Nonlb.-B., St.-V., Mödritz 

O.-lng. d. K. F.-N.-B., Wien 

Nordbahnbeamter, Brunn 

Obprgeom. d. k. k. St.-B.. Wien 
Kommissär d. G.-Insp. d. ö.E.a.D.,Wien 

O.-Ing. d. k. k. St.-B., Pilsen 
k. k. Assistent d. Teclmik, Brunn 
k. u. k. Hauptmann a. ü., Brunn 

k. k. Schulrat u. Prof., Klausi'idnirg 
Katastralbeamter, Brunn 



Techniker, Brümi 

Bürgerschullehrer 

Privatier, Brunn 
Bürgerschullelirer, Brunn 



k.u.k.Hauptm. I.-Rg. Nr. 93, Schönberg 

Sekt.-Chef d. k. ung. St.-B., Budapest 

Bürger- chullehrer, Wien 

Ökonom 



k. k. Hauptzollamts-O.-Offic, Wien 
O.-hig. u. Str. Gh. d. k.F.-N., Oswieczim 

O.-lng. u. Bureau-Cli. d. K.F.-N., Wien 
suppl. Lehrer, Brunn 

Insp. d. k. k. St.-B., AVien 

Zivil-lng., Bodenstadt a.,E. 

Techniker, Brunn 



Techniker, Brunn 



a-f. 18()6 



gest. 1885 
gest. 



gest. 1S70 
ge^t. 1899 

gest. 1869 

gest. 1864 
gest. 
gest. 
ge.-t. 

gest. 1879 

gest. 18S-J 

gest. 

gest. 1892 
gest. 

gest. 1865 

i 

gest. I864' 



I. Verzeichnis der Schüler. 



53 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



55' Waftura Isidor • 

56 Weinberger Ignaz 

57 Weiner Franz . 

58 Wenzliczke Joset 

59 Wesselv Karl . 

60 Wickl Anton . . 

61 Ydlavy Franz 
6:2 Quietensky Emil 
6;} Hruniier Jakob . 

64 Tausch ^lathias 

65 N(?mec Willielm 



1 
-2 
Ü 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 
11 

13 
14 

i: 

16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
i 37 
38 
39 
4(J 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 



Barchänek Klemens 
bartel Yinzenz . 
Rartelmus Oskar 
Bayer Heinrich . 
Christen August 
Drnka Emil . . 
Dwofäk Emanuel 
Eschler Emerich 
Fiala Josef . . . 
Geiduschek Alexa 
Guth Friedrich . 
Habiger Joliann 
Hanamann Anton 
Häva Josef . . 
Hergsell Gustav 
Hess Johann . . 
Horäk Anton . . 
Jaschke Juhus . 
Kawinek Cyrill . 
Kailina Josef . . 
Klaus Eduard . 
Klein (ieorg . . 
Körting Franz . 
Kosetschek Ferdinam 
Krach Robert 
Kraissl Otto . 
Krsek Josef . 
Kupetz Franz. 
Kupka Johann 
Laska Raimund 
Leinsmer Williehn 
Löschinger Reriiai 
Mildnor Reinliard 
MouCka Josef . 
Palme Franz . . 
Pettin Karl . . 
Polivka Moriz . 
Scliettek Karl . 
Schütz Emanuel 
Sauer Hugo . . 
Smetana Eduard 
Sokola Raimunil 
Sponner Moriz . 
Strienz Karl . . 
Swiczinsky Joham 
Tfiska Franz . . 
Troltsch Anton 
Tscliauner Josef 
Ulm Max.Frh. v. Erbacli 



Neslowitz 

Eibenschitz 
Brunn 
Brunn 
Brümi 

Dalelschin 
Habfi 
Znaim 

Boskowitz 

Gaya 

Brunn 



Zuckerfab.-Dir., Freiheitsau, Schi. 

Wollhändler, Brimn 

O.-lng. d. k. F.-N.. Wien 

Zuckerfabr.-Dir., Briinn 

kön.-ital. Konsul, Ihüiui 

Insp. d. k. k. St.-H., Wien 

Ing.-Assistent d. K. F.-N., Rl.-Ostrau 

Ing.-Assistent d. K. F.-JN., Ohuütz 

Ingenieur, Brüiui 

Prof., Iglau 



gest. 1870 
gest. 1870 



1863/4. 



Kunsladt 

Schnan-Knstclelz, B- 

Bl^nsko 

Prerau 

Brümi 

Triest, Küstenl. 

Kromau 

B(jsk()\vitz 

iMileschin 

Holitsch, Ung. 

(irusl)ach 

Riei)iiig, B. 

Alt-Potworovv 

Czenkau 

01m ütz 

Kremsicr 

Brüini 

Namiest 

Brüini 

Bisenz 

Brunn 

^h)dlau 

Wien, N.-Ü. 

Brunn 

Prag 

GruCow, GfJ. 

Brunn 

Brüini 

Rainochowitz 

Struzow, Gtd. 

Franksiadt 

Laiidskron, B. 

Brunn 

Svvolla 

Turn, B. 

Brüll II 

Brunn 

Brunn 

Gewitsch 

Brunn 

Znaim 

Butschowitz 

Ung.-Hradisch 

Brunn 

Köiiigsfeld 

Augezd 

Vierzigliuben 

D.-Eisenbi'ig 

Ohnütz 



k. k. Dir. d. St.-Realsclnüe, Ohnütz 

Prof. d. Landes-Bealsch., Znaim 

O.-lng. d. k. k St.-H., Villacli 

Insp. d. G.-Dir. d. ö. E.-B., Wien 

Assistent d. tech. Hochsch., Brunn 

Privatier 

Techniker 

Müller, Mannest 

O.-lng. d. K. F.-N., Wien 

Agent f. tech. Artikel, Brunn 

O.-lng. d. St.-E.-G., Wien 

Post-O.-Kontrollor, Wien 

Landes-0. -Baurat, Brunn 

k. k.Hauptm. u.Dir.d. k.L.-F.-Sch., Prag 
k. u. k. Oberleutnant a. D., Kremsier 



Masch.-Fabr.-O.-Ing., Turn— Teplitz 
k. u. k. Oberleutnant, a. D., Popelin 
O.-lng. u. St.-V. d. K. F.-N., Kremsier 

Privatier, Schenitz b. Lodenitz 

Insp.d.k.k.St -B., Karlsbad(Bauleitung) 

O.-lng. d. N.-W.-B. 

Ingenieur, Wien 

Ing., Pro'.d allg H -W.-Sch., Klagenfurt 

Kassier d. Kredit-Anstalt, Brunn 

Techniker, Brunn 



Prof. d. Landes-Realschule, Znaim 

O.-lng .Str.-Ch.-St.d öN.-W , Chrudim 

Ing. d.Kaschau-Odcrb -BaIin,Teschen 

O.-Post-Kontrolor, Brunn 

Bürgerschul.-Üir.. Godiiig 

Ingen, d. k. k. St.-B., Villacli 

Ing. d. K. F.-N., Wien 
Beamter d. bos-herzeg. L.-R. Sarajewo 
Dir. d. Zuckerfabr., Scblapanitz 
O.-lng. d. K. F.-N., Wien 1 

O.-Kontrolor d. K. F.-N., I\I.-Ostrau 

k. u. k. Hauptmann, Sarajewo 
Ing. d. k. k. St.-B., Villacli 
Techniker 



gest. 1878 

gest. 
gest. 
gest. 
gest. 

gest. 1899| 

gest. 

gest. 

gest. 1899 

gest. 1883 
gest. 1885 

gest. 

gest. 



gest. 

gest. 1885 
gest. 

gest. 
L'est. 



54 



I. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



50 
51 

5-2 



Weis Johann . 

Wildner Anton 
Wodak Johann 



Geburtsort 



1 
^ 

3 
4 

5 



7 

8 

9 
lU 
11 

13 
14 

15 
1(5 
17 
18 
19 
-20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
3S 
39 
40 
41 
42 
4n 
4i 



Auspitz Josef . 
Baldermann Otto 
Czerny Karl . . 
Dvvofak Ernst . 
Faborsky Johann 
Fried Adolf . . 
Geiger Ludwig . 
Graf Franz . . 
Gutfeld Jakob . . 
Haas Benjamin . . 
Haberhauer E luar.l 
Hallamassek Eduard 
Kalla Franz . . . 
Khünl Heinrich . . 
Khünl Robert . . 
Kramer Sigmund . 
Langer Alois . . . 
Lawilschka Johann 
Moser V'iklor ... 
Nawrätil Anton . . 
Offermann Viktor. B 
Patzolt Johann . . 
Pirchan Arnold 
Pompejus Gustav . 
Bichter Karl . . . 
Bues Karl .... 
Bychnovsky Joharm 
Bzeppa Emil . . . 
Sevöik Eduard . . 
Schleps Franz . . 
Schönwelder Alois 
Schrittwieser Ernst 
Schwab Franz . 
Schwarz Ai.ton . . 
Skene Karl . . . 
Staschek Heinrich 
Swoboda Franz 
Talpa Johann . . 
Urban Josef . . . 
Voigt Alfred . . . 
Vrtel Josef. . . . 
Waldmann Julius . 
Wrzak Josef . . . 
Zischka Friedrich 



Bacher Jakob . . 
Bartes Anton . . 
Bauer Isidor . . . 
Beer Siegfried . . 
Bernardt Josef . . 
Bloch Josef . . . 
Chytil Franz . . . 
Cermäk Franz . . 
Demarteau Paul . 
Eichler Wilhelm . 
Eisenmann Leopold 



Rothmühl 
Brunn 
Göding 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkunt 



Kreditanstalts-Beamter, Brunn 
Insp. d s.-n.-d. Verb.-B., Reichenberg — 



1864/5. 



Wien. N.-Ö. 
Frankstadt 
Tscheitsch 

Brunn 

Tynischt. B. 

Boskowitz 

Brunn 

Esseklee 

Kromau 

Holleschau 

Mähr.-Rothmühl 

Schönwald 

Wühr 

Himherg, N.-Ö. 

Himberg. N.-Ö. 

Neustadta./d.Wg, 

Lomnitz 

Ober-Wisternitz 

Hermannstadt,Si 

Otta?lawitz 

Brunn 

Zuckmanil, Schi 

Kromau 

Landshut 

Brunn 
Hoschtitz 
Lomnic ka 

Oels 

Borstendorf 

Feldsberg. N.-Ö. 

Breitenau, Schi. 

W.-NeustadtN.Ö. 

Gewitsch 

Alttitschein 

Brunn 

Olmütz 

Sloup 

Ober-Dubenky 

Hermesdorf 

Komotau, B. 

Lobnditz 

Eibenschitz 

Teltscli 

Feld^berg. N.-Ö.l 

1865/6 



Oberbuchhalter d.Kredit-Anst.. Brünn'gest. 1878 



fürstl. Lichtensl.Werksdir. a D.,Brünn| — 

Frei will. |gef. 1866 

Stadtingenieur, Krenisier 



Techniker 

k.u.k. Oberst i.L. -Seh. -Rg.ll.Bruneck 

Ingenieur, Berlin W. 

Sladtbaurat, Brunn 

Oberimr. d. k. k. S'aatsb., Olmütz 



Obering. d. K. F.-N.. Wien 
Obering. "d. k. k. Staatsb., Linz 

Gutsbesitzer, Schraltental, N.-Ö. 

Ob.-Ing. d. K. F.-N., Wien 
Ing.u.St.-V.d.öst.N.-W.-B.,B.-Kamniiz 

Hüttening., Ustron, Schi. 

Obering. d. K. F.-N., Sternberg 

Obering. d. k. k. Staatsb., Wien 

0.-Ing.u.St.-V.d.K.F.-N.,Trzebinia.Gal 

Techniker, Brunn 

Ing. d. k. k. St.-B., Innsbruck (Bahndir.) 
Handehschulprof.. Brunn 



abs. Realschüler 
Ob.-Ing. u. Abt.-V. d. k.k. Staatsb.. Prag 



bell. auf. Ziviling. u. Baum.. Kojetein 
M -?"ab.-I)ir. d.k -ung. St.-B., Budapest 
Obering. u Bur.-C:hef d. K. F.-N , Wien 



gest. 



gest. 1898 

gest. 1879 

gest 1892 

,^st. 1868 



'est. 18uo 



'•est. 



Kanitz 

Pirnitz 

Trebitsch 

Gewitsch 

Scliottwien, N.Ö, 

Neu-Baußnitz 

Kojetein 

Milcitz 

Wien, N.-Ö. 

Bregenz, Vorarlb. 

Brunn 



k.k. Baurat u. Dampfk.-Pr.-Kom.,Wien 

Ingenieur, Wien 

Uisj)onent. Brunn 

k. k. Buurat, Salzburg 

Ingenieur 
Geschäftsmann, Wien 



Obering. der Nordbahn 
Versicherungsbeamter, Wien 



gest. 



I. Verzeichnis der Schüler. 



55 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkuni 



li Ettmayer Anton. Hill er V 
Adelsburg . . 

13 Feureisen Gustav 

14 Frantz Euyen . 
15] Held Viktor . . 
1() Kiiwsky Karl . . 
17| Lamatscli lludolt 
ISl Lasnauskv Franz 
19| Mmik Nikolaus . 
tJ(»| Navratil Franz . 
^21 Foilloiicky Josef 
'■I'-l l'okorny i^ainiuiK 
t?;{! l'rokes Johann . 
■24 Rief.! Franz . . 
;2r» fteznicVk Albert 
^()| Spranz Anton . 
:27j Öebek Philipp . 
:2S] Schiedeck Karl . 
129! Schimel Fniil . 
8(J Sclireninier Wilhelm 
31 j Wünsciiek Ferdinand 



Bayer Franz . . 
^ Rochner Theodor 
3 Rudaf Wladimir 

Rutia Wiliielm . 

Dittrich Josef. . 

Dlask Vincenz . 

Dolle?.il Wladimir 
S Doubrawa Josef 
9 Eichert Hubert . 

10 Fuchs Heinrich 

11 GaUa Adolf . . 
H Hanad-ek Wiadinii 

13 Heiler Karl . . 

14 Hesse Adalbcrl . 
lö Holilzky Heinrich 
1(1' Je2 Ediiaiil . . 
17| Jirusrli Kall . . 
IN' Kalla Jolinnn 

19 Kaukai Leopohl 
^0 Kullich Alfons . 
^1 Knoblocii Gustav 
'"2-2 Kreußel Irenäus 
;23 Leisciiner Hugo 
^4 Lindenihal Gustav 
25 Maniasek Franz 
-ifj Maluschka Alois 
21 Mayerliöfer Karl 
2s Nömec Franz . . 
2\i l'awlik Johann . 

30 l'odhaisky Anton 

31 Rösche Hermann 
3-_' Roschitz Franz 
33 Rosenfeld Ma.x . 
3i[ Sauer Gustav 

35 Schier Josnf . . 
30 Schmied! Josef . 
37 Slrnad .\nton . 
3S Svvoboda .\nton 
39, Svvododa Joliann 



Leitomischl, R. 

Rrünn 

Wohrazeuitz 

Lundenburg 

Rrünn 

Kelzelsdorf. R. 

Kremsier 

Saybusch, Gal. 

Rosec 

Vysoky 

Rrünn 

Herahitz 

Landskron. R. 

Doubniwilz 

Rrünn 

Tischnowilz 

Wall.-Meseritsch 

Rrünn 

Ingrowilz 

Wilfersdorf,N.-Ö. 



k. k. Slatlli.-()l)eiing., Rrünn 

k. k. l*ostliauplkas;sier 

Inspektor d. N.-W.-R., Wien 

Oberbuchhalter d. k. k. Staatsb., Wien 

k. k. I'osikontrolor, Rrünn 

Obering. u.Str.-Chef d. St.-E.-G,,Wien 

l'rivati<'r, Vöslau 

Rainung., Werschetz, Ung. 



Revident der k. k. Slaalsb , Wien 

Frof. d. Landesrealschule, Kremsier 

Raunieisler, Mähr.-Schönberg 

Reainter der anglo-üst. Rank 
k. k. Obungsschullehrer, Rrünn 

Zuckerlabriks- Verwalter, 0.slawan 

Rerg-Ingenieur 

k. k. Postoliizial. Wien 



gest. 1902 



?est. 



gest. 



1866/7. 



Eisenberg 

Rrijini 

Rrüiui 

Lundcid)urg 

Ristrau, R. 

l'olicka, R. 

Rrülui 

Tornocz. Ung. 

Ziiounek 

Rrünn 

Rrülui 

Neu-Hvt?zdlitz 

Rrüini 

Neutitschein 

Rrfjnn 

Kirilein 

Seelowitz 

Üoubrawitz 

Rrünn 

Pest. Ung. 

Przemysl. Gal 

Puchow, Ung. 

Schönberg 

Brüiui 

Neudek 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Humburg, B. 

Leitomischl, B. 

Znaim 

Brunn 

Koritschan 

Brülui 

Neustadtl 

Kohoutow, B. 

Rossitz 

Pilgram, B. 

Mönitz 



k. k. Rezirks-lngenieur. Znaim 

'Puchfahriksliesilzer, Rrünn 

Pi-of. d. Landesrealschule, Rrünn 

k. k. Ohering. i. Staatshaud., Gilli, St. 



k.-ung. O.-lng. u. V. d St.-R.-A., Gospic 

Techniker. Rrünn 
Kassier d. Ost -ung. St.-E , Ruilajjest 

k. k. Posibeamler 

Dir. d. Landesrealschule, M -Ostrau 

Reamter d. Nordwestbahn, Wien 

k k. Prof. a. St.-G., Rrody, Gal. 

Ing. u. Arch., Prof. d. St.-(iwsch., Rrünn 

mähr. Landes-Obering., Rrünn 
bell. aut. Rauing., Raum., Gr.-Seelowitz 

k. k. Obering , Hermagov, Kam. 

Adj. il. hos. -herz. Slaatsb., Sarajevo 

k. k. Dir. d. Sl.-R , Marburg a. d. Drau 

k. k. Prof. (I Si.-R, Rrünn 

abs. Techniker 
Rrückenkommissär. New- York 



lug. 



d. K. P.-N., Wien 

Techniker 
ai)s. Techniker 



G.-Dir. d. Aussig-Tepl.Rahn. Reg.-R. 

Obering. i. d. k. k. Sl.-R.. Ohnütz (Dir.) 

k k Prof. <l. St. -Realschule, Tcschen 

Reamte d. K. F.-N., Wien 

Techniker, Rrünn 
liaumeister, P(jhrlilz 

erzherz. Raural, Teschen 



gest. 
gest. 

'est. 1S9t) 



gest. Is7(i 
gest. 



gest. 
gest. 



gest. 1873 
gest. 1SS5 

gest. 



56 



I. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



Geburlsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



40' Teimer Leopold 
41 Tichy Heinrich . 
4l^ Tichv Johann . 

43 Tobias Friedrich 

44 Tschiasny Ignaz 

45 Wolf Heinrich . 



Brunn 
Policka, B. 
Brunn 
Dubnitz, Ung. 
Prerau 
Brunn 



Techniker, Brunn 
Oberinsp. d. k. k. Staatsb.. Innsbruck 
k. k. Slallh -Rechn. -Revident, Brunn 

Eisenbahn-Inspektor, Budapest 
Ing.-Ass.d. Gen. -Insp.d.öst.St.-B., Wien 



gest. 187:2 



gest. 1873 



1867/8. 



1 


Alscher Emst . . . 


Czaniez, Gal. 


^ 


Ambros Julius . . . . 


Saitz 


3 


Bayer Johann . . . 


Hoflenz 


4 


Bayer Richard . . . 


B. -Eisenberg 


5 


Beer Leopold . . . 


HoUeschau 


6 


Bieber Adolf 


Obrowitz 


7 


Blum Adolf .... 


Gr.-Meseritsch 


8 


Bum Karl 


Brunn 


9 


Castotick^' Filipp . . . 


Tischnovvitz 


10 


Ehrler Heinrich . . . . 


Zodigovie, Gal. 


11 


Friedrich Adolf. . . . 


iM.-Trübau 


1-2 


Gloss Karl 


2erawitz 


13 


Hanäk Emil 


Alt-Brüiui 


14 


Hansel Viktor . . . . 


Tischnovvitz 


15 


Hasenöhrl August . . 


Wien. N.-Ö. 


16 


Hönigsschmid Adolf . 


Janowitz 


17 


Hoffer Albert . . . . 


Kanitz 


18 


Hofmann August . . . 


Smolkau. Sclü. 


19 


Horäk Josef 


Nikolsburg 


20 


HuUa Karl 


Kanitz 


n 


Jani(?ek Josef. . . . . 


Brunn 


22 


Janisch Adolf . . . . 


Znaim 


23 


Jefäbek Josef . . . . 


Swatoslau 


24 


Kosch Josef 


Weißkirchen 


25 


KumpoSt Anton . . . 


Chotzen, B. 


26 


Leischner Anton . . . 


Gr.-Lovvdtz 


27 


Martinek Stefan . . . 


Brunn 


28 


Ofiermann Frh. v., Alfred 


Brunn 


29 


Polak Friedrich . . . 


Morawetz 


30 


Poleschensk^' Julius . . 


Fogaras, Siebenb 


31 


Pollach Johann . . . 


La'now 


32 


Pretzner Karl . . . . 


Brunn 


33 


Ratz Paul 


Laibach, Krain 


31 


Rausch Karl 


Jaromeritz 


35 


Reichet Josef .... 


Hermesdorf 


36 


Röllner Ferdinand . . 


Hoi'nemtsch 


37 


Schallmaver Karl . . . 


Goldenstein 


38 


Stillfried R.Fr.vRatinitz 


Wisovvitz 


39 


Strakosch Julius. Dr. . 


Brunn 


40 


Wallauschek Adolf . . 


Brunn 


41 


Weinerek Thomas . . 


Ge witsch 


42 


Wiglitzk^ Hubert . . . 


Protiwanov 


AH 


Wildt Eugen 


Brunn 


44 


Wodäk Wilhelm . . . 


Dambontz 


45 


2ak Gustav 


Brunn 


1 


Balzar Arnold .... 


18( 
Bfezolup 


2 


Beneä Josef 


Gaya 


3 


Ceriiy Josef 


Seelowitz 


4 


Dokoüpil Wilhelm . . 


Boskowitz 


5 


Pldal Theodor .... 


Brunn 


6 


(Jerlach Ferdinand . . 


Brunn 


7 


(iroß Josef 


Maleschau, B, 



Prof. a. L.-L.-S., Wr.-Neustadt 
O.-Kommissär d. k. k.St.-B, Jägerndorf 



k. k. Post.-Verw., IM -Trübau 
Insp. u. Bureau -Vorst. d N.-B., Wien 

k.k.Prof.d.H.-Schf.Bodencultur,Wien 

k. k. Post-Offlrial 
Beamter d. k k.priv Kred.-Ansi ,Brünn 



Privatlehrer, Wien 

Prof. a. d. k. k. Ob.-R.-Sch., Budweis 

k. k. Scliloßinsp., Salzburg 

Zuckerfabr.-Dir., Littau 

Kred.-Anst.-B., Brunn 

Stadt-Ob, -Ing., Znaim 

-Kontr.u.Vorst.d.S.-K d.N.-B., Wien 

Baurat, Brunn 

Masch -Fabr.-Ing., Friedland 

Streckenchef, Grußbach 

Privatier u. Schriftsteller, Brunn 



Likeurfabrikant, Prossnitz 
Ob.-Ing. u. Str.-V. d. K. F.-N., Friedek 

Insp. d. Südbahn, Wien 

Prof. d. L.-R.-Sch , Römerstadt 

Gr-Grundb. u. Landt.-Abg., Wisowitz 

Guts- u. Fabr.-Bes , Hohenau 

Techniker, Brunn 

Techniker. Brunn 

Handelskammer Sekr.. Czeinowitz 

Bahnbeamter, Brünu 



fürst. Licht.-Geom., Prag-Smichow 

Perlmuttcrkno{)ffabrikant, Brüini 

StaiU-lng., Brcko, Bosnien 

k.k Dir d.b F,-Scli.f.Bildh u.Stm.,Hofic 

O.-Bucbb, d. k.k. pr. Krcd.-Anst , Prag 

Arch. U.Baum , Insp.d.U.-V.-A, Wieii 

Zuckerfalii- -Dir., Zdonek 



gest. 



gest. 
gest. 



gest. 
gest. 



I. Verzeichnis der Schüler 



57 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. lelzte 
StelluHL' und Wohnort 



An- 
merkung' 



8 

9 

10 

11 

b2 

i;^ 
14 

15 

It) 

17 

18 
19 

IJI 

2h 
2h 

2V) 

21 

2S 

2\i 

30; 

31 

3^2 

33 

3 t 

35 

3f) 

37 

38 : 

39 



II 

2 

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15 
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17 
IS 

Jo' 

■21 
22 
23 
2i! 

25 
2C) 

27! 
2Si 



HoU Karl . . . 
Honl Anton . . 
Jurenka Franz . 
Katsclier Ludwij. 
Klobus Anselm . 
Knott Franz . . 
Kolisch Leopold 
Konopasek Valentin 
Laumann Johann 
Maresch Josef . 
Matu^ek Rmlolf 
Melcliar Karl . . 
Melichar Johann 
i\len.iik Alois . . 
51enzel Franz. . 
Novotn>' Johaini 
Orator Eniaiiuol 
l^afizek Tlieodor 
Plakwitz Ludwig 
Rentel Rudolf . 
Scharrer Johaini 
Schischka Josef 
Schnack Karl . 
Schöpflin Rudolf 
Slamet'ka Franz 
Stohandl Karl . 
Trauner Karl . . 
Wairner Heinrich 
Wele^ka Karl . 
"Wenzlu Johann 
Wotawa Josef . 
Zehiiczek Heinrich 



BazaJa Josef . 
Benda Josef . 
Berger Theodor 
Biach Leopold , 
Czi2ek Leopold . 
üoUeial Alexander 
Ehrlich Moritz . 
Feil Moritz .... 
Fert Johann . . . 
Hofaiann Adolf . 
Hynek Heinrich 
Jarosch Johann 
Kapp Emanuel 
Karpischek Johann 
Kiltl Eugen . . . 
Klapka Adolf v. . 
Knobloch Stanislaus 
KnoU Anton . . . 
Knöpfelmacher Heinrich 
Kroczak Leopob' 
Kvapil Josef . , 
Laune Wilhelm 
Markotius P>rdinand 
Naske Alois . . . 
Nnvi'ik Frnnz . . . 
l'iiiiek Joiiann . . 
l'eb'rsburg Lnmberl 
l'etfiCek Rudolf . 



Ung.-Hradisch 
Zbeschau 

Schreibendorf 

Austerlitz 

Wischau 

Brunn 

Trebitsch 

Brunn 

Gaya 

Kremsier 

Ht)henstadt 

Skue, B. 

Laschanko 

Gr.-Meseritsch 

Boskowitz 

Laschanko 

Brunn 

Prai--, B. 

Ro2inka 

Siitoraly a üjhelj, Ung. 

Lundenliurg 
Freudenthal, Seh. 
Dürnkrut, N.-Ö. 

Branek 

Gr -Meseritsch 

Brunn 

Brunn 

Böhm.-Leipa 

Drnowitz 

Evvitz. B. 

Dukowan 



Landesbaurat. Ihünn 
i)eh. aut. Bergb -Ing., Obering., Eilgoth 

k. k. Prof. d. St-R.-Sch., Brunn 

k. k. Ob.-Ing. i. Eisenbahn-Min., Wien 

Bürgerschullehrer 

ilipl. Ing -Prof. a. ü , Brunn 

Prof. a. d. L -R.-Sch , Sternberg 

k k. Ob -Ing. i. Eisenb.-Mhi., Wien 

k k EvidenzhaltungsOb.-lnsp., Brunn 

Bürgerschullehrer, Göding 

Gewerbe-Insp. 

Techniker, Brunn 

Bürgerschullehrer, Wien 

Dir. d. b. Bürgerschule, Strassnitz 

Landesbaurat, Brunn 
Oi).-Kontr, d. k. u. St.-B., Budapest 
Ing. u. Str-Gh. d. K. F.-N., Dzieditz 
Hofr., Dir. d bos.-herz. St.-B., Sarajevo 

Prof., Prossnitz 
Kanzl.-Vorst d. Land. -Bauamt. Brunn 

Baumeister u. Stadtkontr., U.-Hradisch 
Bgsch.-Dir., k. k. Bsch -Insp., Hradisch 
Offizial d. s.-n.-d. Verb.-B., Pardubitz 

k. k Evidenzh.-Ob.Insp., Brunn 
k. k.Ob.-Ing i Staatsbau-D ,M.-Trübau 



gest. 
rest. 1900 



gest. 1873 



gest. 



1869/70. 



Lomnitz 

Brunn 

Oslavan 

Brün)i 

Brüni\ 

Jedownitz 

Szenitz, Ung. 

Brunn 

OJjer-Kanitz 

Brüini 

Biansko 

SchöUscliitz 

Napajedl 

Brunn 

Brunn 

Wien, N.-Ö. 

Krakau, Gal. 

Rouchovan 

Holleschau 

Brunn 

Eibis 

Brunn 

Goldenbrun 

Mähr.-Ostrau 

Scheil.-tau 

Brunn 

Bukau 

Prag, B. 



k k. Evidcnzhalt.-lnsp. i. Minist., Wien 

k. u. k. Hauptmann 

k k. Prof. d. d. St.-G.-Sch., Pilsen 

Forstbeamter, Tirol 
Hüttenbeamter, Biansko 

Ing u. St.-Ghef d. K. F.-N.. Chvbi. (Jal 
Oberin? , Str.-Cb. d. k. k. St -B.. Luditz 
k k.Evzhalt.-O.-Geom, Baden Ij.Wien 

-In!^.,Str -Cb. d.k.k. St.-B . Freisfa<U 

Bügerschuldir., Pracbalitz B. 

Babningenieur, Linz 

Zuckerfabriksverw.. Modiau b. Prag 

Bürgerschullebrer, Znaim 

Ingenieur il. Kredit-Anslall, Wien 

Teclniiker 

BürKerscbuldneklui-, Bniini 

Büigersciiullebrer. Wien 

Büi-gcischuldirektoi-, Hoiienstadt 

k. k. Ingenieur, Wien 

Techniker, Brunn 



jest. 188t 
gest. 



gest. 
Kest. 



gest. 
gest. 1899 

gest. 1871 



58 



I. Verzeichnis der Schüler. 




Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkuna; 



39 
3U 
Hl 
3-i 
33 
3i 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 



Pischof Alfred, Ritter V 
Rößler Karl . . . 
Ruiiczka Ferdinand 
Schinzel Adolf . . 
Schwab Anton . 
Schwagt-ra Josef . 
Schwamber;:er Jos- f 
SCastny Ferdinand 
Strzygowski Karl . . 
Tesarz Franz . . . 

TiU Franz 

Vasißek Alfred . . . 
Wäclav Josef . . 
Weltlinger Simon 
Wunsch Johann . . 



Oraviza, Ung. 

Gr.-Niemtschitz 

Denisch-Jassnik 

Bergstadt 

SIrokele, B. 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Biala. Gal. 

Millonitz 

Policka. B. 

Brunn 

Michov 

Kromau 

Brunn 



beh. aut. Bauing. u. Stadtbaum., Wien 

Zuckerfabrsb. u. Geom., Gr.-Seelowitz 

Baumeister, Gr.-Ullersdorf 

k. k. O.-lng. d. Krainer L.-Reg., Laibach 

k. k. Poslbauing., Brunn 

Tuchfain-ikant. Biala. Gal. 

Gutsbesitzer. Millonitz b. Brunn 

Landesing. u. Kartograph, Brunn 

k k. Slatthallerei-lng., Brunn 

k. k. Ass d. lechn. Hochsch , Brüini 

Hofopernsänger. Kassel, Deutschi. 

Dir.d.Wien-FloridsdorferMineralölfab. 



gest. 1901 
gest. 187.5 



1870/1. 



1 


Bach Ru.lolf . . . 




Wien. N.-Ö. 


2 


Beile Wilhelm . . 




Brunn 


3 


Bereiter Edmund . 




Brunn 


4 


Blau Josef .... 




Biala. Gal. 


5 


Bochner Felix . . 




Brunn 


6 


Bfezina Josef. . . 




Trebitsch 


7 


Budik Franz . . . 




Dambofilz 


8 


Eckstein Max . . 




Brunn 


9 


Filla Johann . . 




Brunn 


10 


Floder Josef . . . 




Kl.-Niemtschitz 


11 


Göttler Franz . . 




Saar 


12 


Hans Karl .... 




Brunn 


13 


Hetscii Eduard . . 




Brunn 


14 


Hrdli('-ka Gustav . 




Kojatilz 


15 


Husserl Moritz . . 




Boskowilz 


16 


Jelinek Anton . . 




Seelowitz 


17 


Jellinek Ferdinand 




Römerstadt 


18 


Jetonicky Franz . 




V^civanowitz. B. 


19 


Jirku Richard . . 




Blansko 


20 


•lirusch Emil . . . 




Seelowitz 


21 


Kier Karl .... 




GruCbach 


22 


Kilian Josef . . . 




Lhotka 


23 


Koranda Alois . . 




Wollein 


24 


Krebs Franz . . . 




Iglau 


25 


Kreitzer Friedrich . 




Wischau 


26 


Krones Viktor . . 




Brunn 


27 


Kubalek Alois . . 




Pailochau 


28 


Kulil Benjamin . . 




Schreibendorf 


29 


.Ma§ka Karl . . . 




Blansko 


30 


Menzel Zdenko . . 




Gr.-Meseritsch 


31 


Noß Hugo .... 




Biünn 


32 


Obenrauch Ferdinan 


1 '. 


Austerlilz 


33 


Olberth Hubert . 




Brunn 


34 


Philippy -Moritz . . 




Polfschach. St. 


35 


Pichler Ed. E. v. Uei 


)en 


.Mailand. Lomb. 


36 


Popelka Adolf . 




WeiCkirchen 


37 


Pfibislavsky Adolf 




Neuschloß 


38 


Provasi Karl . . . 




(jaya 


39 


Quiczala Emil . . 




Kanitz 


40 


Redlich Gustav . . 




Briinn 


41 


Reiching fJustav . 




Ceiiiabora 


42 


Renner Raimund . 




Osbivan 


43 


Rostocky Josef . . 




üng.-Hradisch 


U 


Rupp Leopold . . 




l Trübau 



k. u. k. Militär-Bau-Rech.-Offizial 

k. u. k. Militär- Verpfl.-Verw., ^larburi 

Beamter. Brunn 

hig., Wien 

Bürgerschidlehrer 

Ing u St.-Vorst. d. K. F.-N., Hohenau 

abs. Techniker, Brunn 

k u.k.Mar.-Art.-0.-Ing.Ch.d.M.-E., Pola 

Ingenieur 

Techniker 

Beamter d. St.-E.-G., Brüini 

k.u k.Major iE -u.T.-Reg , Korneuburff 

k k. Prof. d. St.-Reai.-Sch., Wien 

Stadtbaum.. Brunn 



Ökonom, Wa2an 

Ökonom. Seelowitz 

Ob.-hisp. d. Z.-St.-K. 

O.-Ing. u. S -V. d. S.-B., Brück a/M. 

k. k. Dir. d. Tabak-Fabr.. Stein a/D. 

k. k. Postkassier, Brunn 

Beam. u. Bureau-V. d. St.-E. G., Wien 

Masch.-Fabr.-Ob.-Ing., Brunn 

Dir. .1 L.-Ob.-Real -Seh , Teltsch 

Landes-Rech -Rev., Brunn 

Prof (1 L -Ö.-R.u.H -Seh -Doz.,Rrünn 

beh. aut.Ziv. -Geom u St. -Baum., Brunn 

Stadtbau-Insp., Wien 

k. k. Min -Sek. i. E.-B.-Min., Wien 

Postbeamter 

Oberförster i. Muräny, Ung. 

k. k. Finanz-Rech.-R., Brunn 

Fabr.-Bes., Wien 

Herrschafts-Dir., Ratinje, Kroat. 

-iiig.u.S.-V.d bos.-]i.St.-R..Trawnik 

Stadibaurat, Brunn 



gest. 



£fest. 



gest. 



rest. 1873 



gest. 1901 



II. Verzeichnis dei- Scliüler. 



59 



Name 



Rupp Otto .... 
RuZiOka Knist . . 
Schubert Josef . . 
Shigule Hudolf . . 
Staniek Franz . . 
Travnifek Fenliiian 
VaSieek Franz . . 
Wöllhehn Olto . . 
Zednik Julius . . 
ZelniCek Adolf . . 



Geburtsort 



Neureisch 

Gr.-Seelowitz 

Ül).-Hermers(l()rf 

Brunn 

Hzezsou, Gal. 

Hrünn 

Brunn 

Neulitseiiein 

Mürau 

Dukowan 



Gejjfenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 




k. k Prof, a. d. lecdi II. -Seil.. Hrihui 
Assekuranz-Insp., Ijrünn 

k u. k. Mar.-Koui.-Adj.. Pola 
k. u. k. Mar -Arl.-()li.-lnj>-.a.D.. Turnau 

k. u. k. .Mililär-Heclin.-Oftiz., Wien 
k.u k. iMil.-Verpfl.-Oftiz., Klauseidturj,' 

Assekuranz- Beamter. Brunn 
hell aut.Zlv.-Gcom.,rit.-Baum., Brunn 



g:est 



g-est. 



II Verzeichnis jener Schüler, 
die uacli Absolvieniiii;- der siebcnklassii^eu Realseliiilc die Maturitäts- 
prüfung- mit gutem Eitul.:;e absolviert haben. 
1871 2. 

Bürgersehullehrer, Wien 



1 Barto§ovsky Karl . 

Berka Franz . . . 

3 Berka Viktor. . . 

4 Cästek Anton . . 
Er.xleben Viktor . 
Faitis Wenzel . . 
Fidal Karl . . . . 

{> Floder Josef . . . 

'.l| Häckele Anton . . 

10 Katrnoika Karl . . 

Ui Kellner Johann . . 

1^2! Koller Rudolf . . 

l'-i Korirer Heiin'ich . 

14 Liznar Josef . . . 

l-*) Neubauer Adolf . 

16 Pitka Franz . . . 

17 fiehak Anton . . 

18 Steiner Hui/o . . 
lili Swoboda Dominik 
'20 SchlÖKl Johaiui . . 
'2\ Schmeral Johaini . 
2'2 Schwarz Alois . . 
^23 Titl Heinrich . . . 
!2l. Uhlif (iottliei. . . 
2.J Winkier ÜaL'oljert 



11 Bachmann Hermann 

12 Bochner Ivan . . 
.■; Bfeiansk^ Josef . 
4 Bfeiansky Leopold 
öj Brunda Amlreas . 
<i Budiner Franz 

7 Dahlen Josef. Frli. 

Dahlen-Orlabnij,' 

s\ Goldschiuidt Emd' 

9j Görlich En;,'ellH-rt. 

10 Grefrei- Johann 

11 ' Horvath Siegmuml 

1-J Janovski Otto . . 

13 Just Julius .... 

1 i Kaiser Karl . . . 

l-*) Kaischer Johann . 

1<> K.iubek Karl . . . 



Poiloli 
linjj'.-Hradisch 
Uny.-Hradlsch 

Jakobau 

Landskron, B. 

Deutsch-Brod, B. 

Brunn 

Kl.-Nemtschitz 

Brunn 

Teil seh 

Morbcs 

Brunn 

Eywanowitz 

Brumowitz 

Vierzlghuben 

Sanok. Gal. 

Neuhof 

Zwittau 

Jaromeritz 

Greifendorf 

Boskowitz 

Kanitz 

Brunn 

Josefstadt. B. 

Hodonin 



Masch.-Fab.-Ing.d. Firma Krupp, Essen 

Prof. a d. Handelsakademie, Prat;- 

k. k.Evidenzli.-Ob.-Geom.,U.-Hradisch 

Masch.-Fabr -O.-Ing., Prag— Smichovv 

Ing. d. Staalsb., Prag 
k. u. k Hauptm., Punia d'Ostro, Dal. 
k u. k. Major i. Inf.-Reg. .53, Agram 
Stations-Souschef d. St -E.-G., Prag 
k u. k. Bittm. d. M -0.-R.,Weit3kh-chen 
dipl. Ing , k. k. -Baur , Sarajevo 
k k.Prof.,'Fachv. d.L.-Anst.f. Tcxiilind. 

Ing. d. k. k. Staatsbahnen, Prag 
Prof. d. Hochsch. f Bodenkult., Wien 
k n.k.Hau])tm i Inf -B'g. 4Ö, Przemys! 

Techniker, Brunn 
Prof. a. d. L.-R u. H -Sch.-Doz. Brunn 

Ingenieur, Prag 

k. k. Ing. i.'Staatsljaud., St. Polten 

Stadt-Ob. -Ing, Iglau 

BürgerschuUehrer. Trebitsch 

Prof.' iL L.-B.-Sch., M.-Üstrau 

Kaufmaini. London 

k. k Pech -B. i. Finanz-Min., Wien 

Bureauchef u Hausbes., Brunn 



gest. 1898 

gest. 1872 
gest. 



1872/3. 



Namiest 

Brüini 

Butschovvitz 

Butschowitz 

Pohrlitz 

Triest 

AVien 
Brunn 
Briinn 
Brunn 
Privin 
Brunn 
Börzsony. Unfj 
Eibenschitz 
Göding 
Brunn 



Laiulesbauadj. a. 1)., Schimitzb. Brunn 

Stadtingenieur, Wien 

Techniker 

k k. Alil.-Baurechn.-Oftizial, Jo^efsladt 

Maschinenfabr.-lng -Adj.. Briinn 

crzlierzf)gl. Verwalter, Teschen 

Beclnnnigsbcamte b. d. k. k. Fomls- 

gütenlirektion, Wien 

Ingenieur. Krems a. D. 

Bauunternehmer. Brunn 

BürgerschuUehrer, Briinn 

Real-chuldireklor, Gr.-Meseritsch 

Spinnereidir., Dugaressa, Kroatien 

Kafetier, Brunn 

Bergakademiker 

Beamter 



gest. 
gest. 



1893 
1871 



gest. 1884 



(est. 1888 
gest. 



gest. 
gesL 



60 



IL Verzeichnis der Schüler. 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



17 

18 
1!) 
-2i\ 
^21 
±2 
~2^ 
2i 
"iö 
;2ü 
'21 
28 
29 
30 
31 
3-2 
33 
34 



/ 
8 
9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
10 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
53 
24 
25 
20 



Krälik Ferdinand . 
Kutsclia Wilheltn . 
Mnrtinek Johann . 
Nairl Theo.lor . . 
Nekolny Josef . . 
Nosakovsky Franz 
Novolny Adolf . . 
Pflaum Wenzel . . 
Renner Gustav . . 
SaxI Emanuel . . 
Speck Georg . . . 
Suchanek Karl . . 
Suchanek Viktor . 
Sclmeider Emanuel 
Schwabe Vinzenz . 
Scliwarz Siefan 
Vodic^ka Wilhelm . 
Winkler Julius . . 



Billina Eduard . . . . 
Dobrovolny Viktor . . 
Dvofäk Johann . . . 
Grünnes Alexander . . 
Khade Ant., Edler von 

Kolbenau ... 
Lober Eduard . . . . 
Mali)ohan Max . . . . 
Hermann Erich . . . 
Pischof Rud., Ritter v. 
Pospischil Johann . . 
Ritsclil Ludwig . . . . 
Sikora Heinr., Edler v. 

Siegersfeld 



Brüda Wilhelm . . . 
Demel Karl . . 
Ucniier Serw;itius . . 
Fiscldjörk Fenhiinnd . 
Fuß Hermann . . . . 
Grei>inger Richard . . 
G robben Franz . . . . 

Hajek Josef 

Haupt Leopold Edler v 
Hecht Alexaniler . . . 
Horintzek Heinrich . . 
Hoschek Wilhelm . . 

Hricli Karl 

HuUek Leonhard . . . 
Kreutzer Ernst . . . . 
Lamatsch Robert . . . 

Laune Otto 

Mayer Rudolf Edler v 
Moser Rudolf . . . . 
OUenik Heinrich . . . 
Preiß Wenzel . . . . 
Samek Jobaini . . . . 
Schramm Eduard . . . 
Schubert Anton . . . 
Schwaller Josef . . . 
Schweinburu- Samuel . 



Tobitschau 

Sternberg 

Skotscliau 

Landskron, B. 

Brunn 

Neustadtl 

Reschet. Lhotfa 

Briinn 

Oslavan 

Branowitz 

x\uspilz 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Zbraslau 

Gr.-Steurowitz 

Auslerlitz 

Hodonin 



Masch.-Fabr.-Obering. u. Dir., Blansko 

gräfl. Ökonomieverw., Skotschau Schi. 

Stadt-Obering., Kronstadt Siebenb. 
k. u. k.Mil.-Verpü.- Verw.jPeterwardein 

StadI baurat, Brunn 

Zuckerfabr.-Verw., Doloplas 

Bürgerschullehrer, Wien 

k. u. k. Mil.-Baurechn.-Ofdzial 

Bez.-Schulinsp. u. B.-Sch.-L., Brunn 

Bürgerschuldir., Brunn 

Professor, Bozen 

Oberingenieur, Prag 

k. k. Oberinsp. d. F.-C., Sarajevo 

Ing. u. Bauvorstand, Wien 

Malzfabrikant 



'est. 



gest. 



1873/4. 



Ungarschitz 
Borkovan 

Kretin 

Graz, St. 

Rima-Szombath, 

Ung. 

Brunn 

Un?.-Ostra 

Brüim 

Oravitza 

Slend^erg 

Ailamstal 



Budapest, Ung. 



k. k. Adj. d Tab. -Hauptfab., Fürstenfeld 

Landesoffizial, Brunn 

Techniker, Brunn 

k u.k. Oberförster d.Privat-u. Familien- 
Fondsgüter, Ysper, N.-Ö. 
k. u. k Hauptmann, Hohenmauth 

Spinnereidir., Schaffliausen a./R. 

Bureau-Vorst.-Stellv. d. St.-E -G.,Wien 

k. u. k. Hauptmann i. Inft.-Rg. 81, Iglau 

Ingenieur-Assistent, Brunn 



k.k. Adjunkt d. Tab.-Hauptfabr., Linz gest. 1900 



gest. 
St. 1870 



gest. 1897 



1874/5. 



Brunn 

Kuttenberg 

Brunn 

SIrazowitz 

Namiest 

Ihünn 

({ran 

Klohof 

Brüini 

Mähr.-Kromau 

Brunn 

Pernstein 

Brüini 

Ausjiifz 

Nailaj» 

Kötzelsilorf 

Brunn 
Kremsier 

Brunn 

Künigsfeld 

Landskron, B. 

Lomiiifz 

Rrüiiii 

Obcr-Wisteinitz 

Rothmühl 

Eibenschilz 



Bürgerschul-Dir., Müglitz 
Arch., Prof. d. St.-G.-Sch., Salzburg 

Ing. d. Landesbauamtes, Brunn 
Ob.-Buchh. d. L -Hyp.-Bank, Brunn 

Dir. d. mähr. Leihamtes 
Ob.-Buchh. d. I. m. Spark., Brunn 

Ob.-Ing. d. k. k. St.-B., Wien 
k. k. Militär-Bau-Rech.-Off., Krakau 
Großgrundbes., Tökes — Ujfalva, Ung. 

V.-Ch. d. ToronL-B., Nagy-Befkerek 

Bürgerschul-Dir., JM.-Ostrau 

Landes-Ob.-lng , Brunn 

Sladt-Ob.-lng., Teschen 

fürstl. Oberförster, Lessonitz 

Grundbes., Kötzelsdorf 

Sekr. d. k. u. k. Fam. -F. -Gut. -Dir., Prag 



Techniker, Brunn 

Bürgers(diiil!ehrer, Gewitsch 

Schnalleufa brikant, Brunn 

Zuckerfabr -dhem., Chybi, Gal. 

gräfl. Forstmeister, Montjjreis, St. 

Beamter d. n.-ü. Gewerbe-Ver.. Wien 



gest. 



gest. 



gest. 
gest. 



■•est. 



II, Verzeichnis der Schüler. 



61 



Name 



Gehurlsort 



Gegenwärtige, hezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



27 Schoschkola Viktor 
28 1 Skrein Samuel 
29' Tliüringer Karl . . 
30: T?chiaßny Bertholi 

31 j Witz Oskar . . . 

32 Wondra Bruno . . 



1 
2 
3 
4 

5 

6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
1() 
17 
18 
19 
20 
21 

22 
23 
24 

25 
26 
27 
28 
29 



Zisper Eugen 
Zelinek Jakoh 



Beer Anton . . 
Encnkl Adolf . 
Fleischner lAulvvi 
Grobois Theodor Edl 

von Bruckenau 
Himmel Heinrich 
Himmel Rudolf. 
JaneCek Rudolf 
Jellinek August . 
Jeschek Albert . 
Kohn Johann . 
Komrs Wenzel . 
Kuhn Josef 
Kulka Siegmund 
Langer Viktor . 
Lechner Ludwig 
Litschmann Franz 
Nastoupil Johann 
Neugehauer Emil 
Pollak Ludwig . 
Putick Wilhelm 
Reimitzer Otto Edl 

Reimilz . . 
Ruml Karl . . 
Selka Berthold 
Springer Franz 
Schimscha .Mathias 
Schmolka Heinrich 
Schnabel Karl 
Weigl Ottokar 
Witka Paul . 



Binder Franz 
Brexl Ludwig 
Bfetschka Wilhelm 
Bundsmann Alois 
Caha Franz . . 
Dimaczek Johann 
Feitscher Viktor 
Frisch Gustav . 
(Jrünhut Robert 
Hanofskv Karl . 
Hansel Rudolf . 
Hora Ignaz . . 
Hornnoch Kamillo 
Hrdlifka Ferdinand 
Huila Josef . . . 
Jeniäta Emil . . . 
Kletter Enist . . . 
Kostinek Rudolf . 
Kotzka Ferdinand 



Lundenburg 

Holleschau 

Grul5bach 

Prerau 

Prag 

Mähr.-Triibau 

Brunn 

Bisenetz 



Ing. d. K. F.-N., Wien 

Red. d. ,. Neuen Wiener Jour.", Wien 

Ob.-Olt. d. k. k. St.-B., Selzthal.. St. 

Prof. a. d. Staats-Gew.-Sch., Brüim 

Beamter d. St.-E -G., Wien 

Bürgerschullehrer, Iglau 

Reclinungsrevident 



1875/6. 



Brunn 

GroBwardein 

Hausi)runn 

Prag 

Brunn 

Brüini 

Praslilz 

Brunn 

Vorhtschka 

Wsetin 

Humjjoletz 

Butscliowitz 

Neutitschein 

Landskron 

Pruschanek 

Auspitz 

Brunn 

Landskron 

Gzernahora 

Poppuwek 

Nagy-Beczkerek, 

Ung. 

WyCap 

Butscliowitz 

Wischau 

Misolitz 

Stojic 

Neu-Bytschow 

Sternberg 

Auerschitz 



Kaufmann, Hamburg 

k. u. k Oberst, Przemysl 

Prof. u. Schriftsteller, Budweis 

Insp. d. Staatsbahnen, Wien 

.MUit.-Verpfl.-Ob.-Off., Wien 

Ing. d. K. F.-N.. Kojetein 

k. k. Prof. a. d. L.-B.-A., Freiherr 

Ing. d. k. k. St.-B., Eisenerz 



Techniker, Prag 
StadLbaumeister, Brunn 



Kontrollor d. tech. Finanz-K, 

k. u. k. Mar.-Masch.-Bau-Ing., Pola 

Real-Sch.-Prof., Wien 

Ghemiker u. Teerprod.-Falu'., Brunn 

k. k. Forst-Oberkom , Laibach 

k. u. k. Rittmeister, Wien 

Insp. d. tech. Finanz-Kontr., Prag 

Nordbahn-Ob.-Offizial, Wien 

Techniker 

Ingenieur, Brunn 

Sekr. d. Gewerbe-Mus., Reichenberg 

Chemiker 
abs. Techniker 



gest. 1880 
gest. 1895 



(est. 1876 



gest. 1885 
gest. 1882 



1876/7. 



Brunn 

Zwitlau 

Rhi2owitz 

Iii^nowitz 

Ob.-Wiiliiiiowilz 

Rrüim 

Büüs 

Skalitz 

Brüim 

Brunn 

Tisi-hnowitz 

Landskron 

Prerau 

iMorawetz 

Brunn 

Böhm.-Trübau 

Brunn 

Adanisthal 

Brunn 



Verwalter, Brunn 

Prof., Sternberg 

iMasch.-FaJjr.-Ob -Ing., Königsfeld 

Buchhalter, Bisenz 

Kassier d. Eisenwerke, Ustron 

Koidrolor, Czernowitz b. Brunn 

Dir. d. Elekirizitäts-Gesellschaft, Wien 

Ing. d. Schweizer Centr.-Bahn, Basel 

k. k. Prof. d. St.-G.-Scli.. lU'ichenberg 

Kaufmann, Tisrhiiowitz 

Teclmikcr 

(ihcniikcr, Reicheidjorg 

Fabrikant, Wien 

Landes-Akzessist 

Bürgerschullehrer, Wien 

k. u. k. Major, Iimsbruck 

Ing., Str.- Vor. d. St.-E.-G., Pardubitz 

Landes-Akzessist 



gest. 



gest. 



'est. 



62 



II. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



iO] Linhart Johann. . 

"21 Ornstein .Max . . 

:2;2 Pirschl Franz . . 

i23 Raümann Max . . 

"li Schlesinger Franz. 

!2ö Schnabel Alois . . 

i^fi Schnitzler Ferdinain 

^27 Schnlz Heinrich . 

2S Stiuek Hubert . . 

2'.) Toifl Karl .... 

30 'Wolfschütz Josef . 

311 Zlamal Alfred . . 



Geburtsort 



/ 

8 
9 
10 
11 
1^2 
13 
li 
15 
K) 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
2'i 
2i 
25 
2G 
27 
28 
2'.) 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
3<) 
37 
38 
39 
40 



Bauer Emil . . . 
Brunner .Moritz . . 
Buda Ludwig . . 
Daniel Anton . . 
Diltmaver Karl . . 
Ernst Alfred . . . 
h'eith Siegfried . . 
Fischer Wilhelm . 
Hennlich Wilhelm 
Hofmann Heunlch 
Honig Max . . . 
Kafka Joliann . . 
Karpellis Samuel . 
Kessler Moritz . . 
Kubaczek Julius . 
Kubelka Kainillo . 
Langer Franz . . 
Löftler Max . . . 
Matausch^k Emil . 
Mayer Moritz . . . 
.\Ieichar Wilhelm . 
Molitor Franz . . 

.Munk Salomon . . 

Neumann Alois . . 

Ostfiiek Franz . . 

Fach -Vnton . . . 

Redlich Nathan . 

Rischawy Hermann 

Rossmann Wratislaw 

Schönauer Ferdinand 

Schirek Karl .... 

Stieljer Moritz . . . 

Stfehrn^' Ennl . . . 

Studeny Eduard . . 

Teller Ignaz . . . . 

Tesafz Johann . . . 

Wagner Viktor . . . 

Wallaschek Wladimir 

Weber Heinrich . . 

Ziegler Siegmund . . 



Bachrich Isidor 
Bärtoil Emil . . 
Blum Ludwig 
Bochner Viktor 
Bock Ignaz 
Bock Samuel . 



Btünn 

Wessely 

Zwittau 

Roskowitz 

Doulirawitz 

Pohrlitz 

Römerstadt 

Iglau 

Stral-hiitz 

Brunn 

Ratte lau 

Brunn 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



k. k Postkontrolor, Brunn 

Tuchfabrikant. Brunn 

Fabriks-Gbemiker. Zwittau 

Strockenchef, Marburg 

Prof., Pilsen 

Obering nieur 

Üir.-St. d. Arb -Unf.-Ver.-Anst , Brüim 

Ghemiker 

Dir. d. k. k. Tabak-Fabr., Bautsch 

k k. Raurat i. Minist, d. Innern, Wien 

Ob -Ing., Brunn 

Privatbeamter, Brunn 



An- 
merkung 



•est 



1877/8. 



Brunn 

Unter-Knnitz 

Rattenfeld 

Rrünn 

Rrünn 

Rrünn 

Urschitz 

Stwolow 

Raitz 

Johnsdorf 

Zwittau 

Rrünn 

Königsfeld 

Rrünn 

Rrünn 

Rrünn 

Lomnitz 

Passau 

Hochwald 

Roskowitz 

Weltrus 

Nedcbowilz 

Roskowitz 

Kostel 

Wrbilz 

RIadowiz 

Neustadt] 

Roskowitz 

Rrünn 

Wienn 

Deutsch-Gruss 

Rrünn 

Röhm.-Trübau 

Rrüini 

Piuschiiiu'k 

Wilonilz 

I^rÜMii 

Oslrow 

Riiiini 

Neustadtl 



Maierhofpächter, Obrowitz 

Techniker, Rrünn 

Kontrolor d St.-E.-G., Prag 

Techniker 

k. k. Kommissär d. Gew.-Insp., Wien 

Gl lef Ingenieur, Pennsylvainen 

Warenmagazins-Dir., Rerlin 

Militärbeamter 

Dir. d. Land.-Teppich-Fabr., Sarajevo 

Färberei-Res.. Norköping, Schweden 

Textilfabr.-Reamter 

Kaufmann, KöniRsfeld 

Ing.-Adj. d. K. F.-N , M -Ostrau 

Landesbeamter, Rrünn 

Ob. -Ruchhalter d. Stadt Brunn 

St-V.-St. d. Ö. N.-W -B , Geiersbach 

Ing. d. K. F.-N , Wien 

Kontrolor d. K. F -N -R . Piivvos 

Fabrikant, Roskowitz 

Ob.-Ing d. St.-E.-G.. Wien 

Real-Sch.-Piof., Ziiaim 

Fabriksbuchhalter, I]rinni 

Ruchh. d. L -Hvp -Rank, Riünn 

k. k. Militär-Rau-Offizial 

Lehrer 

Ghemiker 

Off. d. k. k. m. F -L -Kassa. Rrünn 

k. k. Militär-Rau-Offizial. Wien 

Kustos d. m Gew.-Mus., Rrünn 

Ob -Insp. d. A -Unf.-Ver.-Anst . Rrünn 

Kas-ier d. St -E -G., Röhm.-Trübau 

Techniker 

Techniker 

Regie-Rauführer, Berg-ta<lt 

Reamter d. Tabak-Fabr. Sarajevo 

Techniker 

Dir. d. Zuckcr-Fabr., Rossitz 



gest. 1880 



'■est 



gest 1887 



yest. 



gest. 



gest 



yest 1902 



(•est. 1898 
gest. 

gest. 
.y-est. 



fest. 



'e.st. 



eest. 



1878/9. 

Austerlitz 

OpoCno 

Gr:-Meserilsch 

Rrünn 

Gewitsch 

Rybnik 



Lehrer i. Mil.-Institut, Kaschau 
Gutspächter, Urßitz b. Proßnitz 



II. Verzeicluib der Schülor. 



63 



Name 



Geburtsoi't 



Gegenwäi'tige, bezw. letzte 
Stellunff und Wohnort 



An- 
merkuner 



7 Burschwal Franz . 

S Cerha Viktor . . 

il Ürai-h Julius . . 
lü Felilmann Samuel 
11 Felzmann Julius . 
H Fiala Franz . . . 

13 (ilaser Ignaz . . . 

14 Grün Siegmuiul 

15 GuttenberLT Wilhelm 

16 Hochwald Mnriz . 

17 Husserl Adolf . . 
IS Jollet Franz ... 

19 Klapaö Anton . . 
:20, Klimesch August . 
"21 Kolaf Franz . . . 
'■2'2\ Lan^' Johann . . 
2lv Melchar Einanuel . 
;24J Petfic^ek Josef . . 

20 fteniinek August . 
2ti Seidler Eduard . . 

21 Semlitschka Franz 
^28 Thorsch Jakoj) . 

2\i WassertriUint,' Heinii 
30 Keekeis Emilie . . , 



11 Bachner Berthold 

2 Brod Ig-naz . . 

3j Bundsmann Adolf 

4 Dworscdiak .Moritz 

.")' Ejiler Max . 

(j Kostelecky Adalliert 

7 Kupka liudolf . 

8 Lick Hui,'-o . . . 

9 Lusiig Theodor . 

10 Macheck Emil . . 

11 Beich Franz . . . 
1;2 Schuster Johann . 

13 Schwarz Adolf 

14 SchvvarzenleldFr.,E( 
lö Slawik Franz . . 
Ki Slawik Wilhelm . 

17 Spitz Gustav . . . 

18 Steinschneider Wilhelm 

19 Strzygowski Josef 
:20 Tramer Leopold . 



1 Ascher Hermann 

2 Bartsch Hubert 

3 Brückner Julius 

4 Fisdier Rotiert . 

5 Heilig' Wladimir 

6 Klinieid. Leopfild 

7 Künstler LutUvig 

8 Langer August . 

9 Lustig Etluard . 

10 Heck Franz . . 

11 Pirscht Karl . . 
\2 Prochazka Franz 

13 Roth Hermann . 

14 Smutek Johaim 



Baldowetz 

Littau 
Hausbrunn 

Brunn 

Brunn 

Brunn 
Buchlowitz 
Brandseifen 
Salzl)urg 
Boskowitz 
Boskowitz 

.Brüiui 

Bystfitz 

Brunn 

Böhm.-Trüliau 

Kumrowilz 

Wellrus 

Brunn 

Brunn 
Gundersdorf 

Brunn 

übfau 
Boskowitz 
Eil)enscliitz 



Mühl- u. Realit.-Besitzer. Waldau 
k. k. Statthalterei-Ing., Brunn 

Großhändler, Budapest 

Kustos a. l)osn.-herz. L.-Mus., Sarajevo 



Landes-Oberinirenicur, Salzburg 

Ingenieur d. K. F.-N., Brunn 

Adj. d. techn. Fin.-Konir., Lundenburg 

Sladüngenieur, Jägerndorf 

Dir. d. m. Zwangs-Arb.-Anst., Znaim 

Techniker. Brunn 

Bahnlieamler 

Stadtingenieur, Wien 

Sparkassa-Kassier, Brunn 

abs. Realschüler 

k. u. k. Marine-Art.-Ing., Pola 

Prof. a. d. Te.vtilscbule, Brunn 

Zuckerfaliriksadjunkt, Tobitschau 

Buclidruckereibesitzer, Roskowitz 

Bürgerschullehrerin, Lunden])urg 



Kest. 1890 



S-est. 



gest. 
gest. 

?est. 1897 
?est. 1879 



1879/80. 



Brelilz 

Gewitsch 

KonigsIVld 

Mähr.-Ki(»nau 

Lundenburg 

Namiest ' 

Pdiditz 

Zwitlau 

Kardasch-Bei'itz 

Brunn 

Gr.-Stibnitz 

Pohrlilz 

Brunn 

Brülui 

(Jaya 

(iaya 

Bulschowilz 

Auslerlitz 

Biala, Schi. 

Brunn 



Juwelier, Brunn 

Sekretär a. d. Handelsschule, Brunn 

Oberbuchhalter, 13isenz 

Maler 

Falirikant, Mähr.-Weil.!kirciu'n 

Ghcmiker 

Fabriksbeamter, Mödling 

Gasanstalts-Ingenieur 

k. k. Aich-Oberinsp., Brunn 

Bahnbeamter 

Religionsprof. a. I. d. Gymn., Brunn 

Fabrikant, Rrüini 

di])l. Ing. a. d. techn. Hochsch., Brunn 

I dipl. Ingenieur, Sarajevo 

Dir. d. Emaillierwerke Austria, Brunn 

I Muler 

,0. 0. Prof. a. d. k. k. Universität, Graz 

I Opernsänger, Salzburg 



Rest. 



gest. 1892 



k. 



1880/1. 

Brunn 

Japons 

Lomnilz 

Lundeid)urg 

Aujezd 

Brunn 

Lundetd)urg 

Tischnowifz 

Brüini 
Jeschkowitz 

Zwillau 

Mähr.-Trübau 

Boskowitz 

Auspitz 



Ingenieur, Wien 

u. k. Hauptmann i. Kriegs-Min. 

Norditahnbeamter, Prerau 

Ingenieur, Prag 

techn. Dir. d. Brünner Masch.-Fabr, 



OI)erförster, Littau 
Masch.-I'alir.-Ing., Brunn 

Bürgerschullehrer 
d. Arb.-Unf.-Ver.-Ges., Brunn 



lusp, 



Hof- u. Gerichts-Advokat, Wien 
Postkontrolor, Wien 



gest. 



64 



II. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



Stenzel Sewerin 
Steuer Tullio 
Tlustoä Franz . 
Väslavik Johann 
Werber Isidor . 



Geburlsort 



1 Bocic Paul 

"l Deutsch Öiegmuiul . 

3 Heischner Richard . 

4 Hrdlieka Alois . . . 

5 Kammler Johaiui . . 
(i Kropf Emil .... 
7 Ku(:irek Josef . . . 
N Lamm Julius .... 
9 Liehm Rudolf . . . 

10 MatuSka Alois . . . 

11 j Mayer Josef . . . . 
1:2] Musikant Anton . . 

13 Prochäska Johann . 

14 Prokesch Konstantin 

15 Ruhmann Berthold . 

16 Samek Hubert . . . 

17 Sinef'ek Eduard . . 

18 Spitz Heinrich . . . 

19 Striegler Karl . . . 
;20 Suchänek Anton . . 

21 Swoboda Hubert . . 

22 Tilscher Emil . . . 

23 Truppler Kail . . . 

24 Urbach Rudolf . . 



Boner Rudolf . . 
Davidek Karl . . . 
Fibich Franz . . . 
Gottliel) Arthur . . 
Hav rän ek Ludwig. 
Hubalek Alfred . . 
Kopefek Anton. . 
Krkoska Theoilor . 
Nemetschkc Rudolf 
Nt'utwich Josef. . 
Peters Karl . . . 
l'reclik Alois . . . 
Sommer Karl . . 
Tanzer Ferdinand 
Vesel;^' Vhizenz . . 
Weinlich Anton . 



Bloch Hugo . . . 
Bock Eduard . . . 
Breinill Eduard . . 
Habenifk Theodor 
Havranek Johann 
Hirsch Adolf. . . 
Krautwald Alfred, R 

Amau .... 
Palm Wilhelm . . 
Paumgartten Eug., R 
Pelikan Karl . . . 



Lundenburg 

Verona 

Neustift 

Branowitz 

Saybusch 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



Ing. d. K. F.-N.-B., Pfivoz 
k. u. k. Militär-Verpfl.-Off., Wels 



Masch.-Ing., Dombrau 
Dr., Farbenfabrikant, Wien 



An- 
merkung 



1881/2. 



Meleöin 

Neu-Raußnitz 

Hausbrunn 

Turnitz 

Landskron 

Wien 

Brüim 

Boskowitz 

Lösch 

Seljrowitz 

Pfibislau 

Brunn 

Nikolt-chitz 

Brunn 

Boskowitz 

Lomnitz 

Neu Raul3uitz 

Boskowitz 

Brunn 

Obfan 

Ober-Gerspitz 

Deutschleuthen 

Mähr.-Tiübau 

Gotschdorf 



Betr.-Insp. d. siam. Bahnen, Bangkok 

Ing.-Adjunkt d. k. k. St.-B., Kittelfeld 

Priv.-Beamter, Wien 

Post-Kontrolor, Wien 

Offizial d. K. F.-N.-B., Wien 

Adjunkt d. St.-E.-G., Brunn 

Ch. d. F. Lamm,Bros Sc Co., Antwerpen 

k. k. Gewerbe-Insp., Komotau 

k. k. Statth.-Rech.-Rev., Biünn 

Fabrikschemiker 

Rev. d. österr.-ung. Bank, Brunn 

Oberlehrer in Neu Prerau 

Prof. a. d. L.-Ob.-Real-Sch., Proßnitz 

Techniker 

Bürgerschullehrer, Gewitsch 

k. k. Statth.-Rech.-Rev., Brunn 

Kaufmann, Brüim 

Adjunkt d. St.-E.-G., Wien 

k. u. k. Militär-Verpfl.-Off., Klagenfurt 

k. k. Rech. -Rev. i. Fin.-Min., Wien 

k. k. Postoffizial, Wien 

k. k. Rechnungsrevident 

Agentur- u. Kom. -Gesch. -Inh., Wien 



'est. 



gest. 



1882/3. 



Brunn 

Prerau 

Dannowitz 

Brunn 

Napagedl 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Brüini 

Brunn 

Brunn 

Szczakowa 

Tornöcz, Ung. 

Auspitz 

Slouj) 

Briuin 



Sodawasserfabrikant, Frankfurt a. M. 

Postoffizial, Wien 

Bahidieamter, Lundenburg 

Ob. -Ing., Penig Sachsen 

k. u. k. Mil.-Verpfl.-Akzessist 

Stadt-Ob.-Ing., Wien 

k. k. Revident, Brunn 

Ing. d. K. F.-N.-B., Wien 

Ob. -Ing. u. Wcrk-tättenchcf, Budapest 

Veterinär-Insp., Czernowitz 

Kassabeamter, Pest 

Techniker 



gest. 



1883/4. 



Brunn 
Cetkowitz 

Brunn 
Krasensko 
Napagedl 

Brunn 

Innsbruck 

Sternberg 

Oslavan 

Brunn 



Ingenieur. Starkony 

Prof. a. d. St.-G.-Sch., Hohenstadt 

Techniker 

Nordbahnbeamter, Lundenburg 

Seiden- u. Tuchfabrikant, Weißkirchen 

Zögling d. techn. Mil.-Akademie,Wien 

k. u. k. Mar.-Schißbau-Ing., Pola 

k. u. k. Hauptm., Mosty wielkie, Gal. 

Ingenieur, Brunn 



gest. 



'p.st. 



'est. 1887 



IT. Verzeichnis ilor Scliülor. 



65 



Name 



pL, 



Geburlsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



11 Rient Franz . . 
l!2 Spitz Alexander 
13, Schnabl Auirust. 
14! Zerliau Franz . 



Brunn 

Hut-Jchowitz 

(JroLi-Meseritsch 

Bergstadt 



Gemeinderats-Ob.-Offizial, Brunn 

Faiirikant, span. Vize-Konsul, Brunn 

k. k. Statthaiterci-Ing., Brüini 

Bealschul-l'rot' li'lau 




3 
4 

5 

() 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

IG 

17 

18 

19 

30 

21 



Bachmann Josef . . 
Bauer Emil .... 
Ddhiial Leopold . . 
Drofla Heinrich, Edl. 
Ernst Heinrich . . . 
Fuldner Friedrich . . 
Heiter Johann . . . 
Hirschenberaer Emil 
Holub WUhelm. . . 
Joksch Matthäus . . 
Klimesch Karl . . . 
Kocourek Karl . . . 
Kreutzinger Alois . . 
Kfizek Jakob .... 
Poech Karl .... 
Sommer Ignaz . . . 
Sommer Otto . . . 
Strakosch Karl . . . 
Schoeller Gustav R. 
Stioh-chneider Eduatd 
Strohschneider Franz 



Amberg Johann von 
Bendl Karl . . . 
Fiedler Karl . . . 
Friem Richard . . 
Haas Julius . . . 
Hauber Karl . . . 
Kellner Maximilian 
jNlildner Richard . 
Mu.^ka Andreas . . 
OlejniCek Johann . 
Pelikan Edmund . 
Radoi'i Bofivo.i . . 
Reiner Vinzenz . . 
Slawik Karl . . . 
Wallaschek Gottlob 
Wolf Franz . . . 
Zlamal Franz . . 



Bauer Max . . . 
Brügel Franz . . 
Litschmann Wenzel 
Löwenstamm Felix 
Dohnal Johann . . 
Felsenslein Franz . 
Göbl Karl .... 
Jung Adolf . . . 
Knappe Wilhelm . 
Knimpholz Friedrich 
Podloucka Franz . 
Schapira Sidomon 
Schiffaer Johann . 



1884/5. 



Lösch 

Neu-Raui3nitz 

Brunn 

Jic'in 

Brunn 

Alexowitz 

Brunn 

Brunn 

Prag 

Popjntz 

Biünn 

Brunn 

Brunn 

Auspitz 

Schardowitz 

Kanitz 

Budapest 

Brunn 

Brunn 

Vorklostcr 

Vorkloster 



k. u. k. Militär-Verpfl.-Offiz., Zara 

Reisender, Wien 

Magistrats-Konzipist, Wien 

k. u. k. Generalstal)s-Hauptm., Brunn 

Fabriksbesitzer, Brunn 

Zuckerfabr.-Chem., Adamstal 

k. k. Finanz-Rech.-Üftiz.. Brunn 

Bergbaubeamter, Graz 

k. u. k. Oberleutnant, Wien 

Ober-Offizial d. N.-W.-Bahn, Prag 

Rech.-Rev., Brunn 

k. k. Oftizial, Wien 

Fabriksl)uchhalter. Hirtenberg, N.-Ö. 

k. k. Postoftizial, Wien 

Ob.-Ing., Ternitz, N.-Ö. 

Masch.-Kommis.-ar, Feldkirch 

Ing. d. Elek. -Werke, Nürnberg 

Fabriksl)e-itzer, Brunn 

Gutsl)esitzer, Leva, Ung. 

Forstmann, Doloplas 
Ökonomie-Dir., PeCek, B. 



rcst. 1S9(J 



1885/6. 



Wien 

Brunn 

Staarburg 

Brunn 

Konitz 

Wien 

Groß-Meseritsch 

Sterid)erg 

Tfebellawitz 

Lhotta 

Brunn 

Prag 

Pirnik 

Kumrowitz 

Ostiov 

Poppitz 

Pfemislowitz 



Rechnungsbeamter, Wien 

Sparkassa-Offizial, Brunn 

k. u. k. Oi)erIeutnant, Wien 

Privatier. Brunn 

Ing. d. k. k. St.-B., Knittclfeld, St. 

Ing. b. F. Siemens & Halske, Wien 

Dampfmühlenbes., Rossitz 

k. u. k. Oberleutnant, Przemysl 

k. k. Bauadjunkt, Ung.-Hradisch 

k. k. Postljauadjunkt, Graz 

Marine-Offizier, Pola 

Pionnier-Ofiizier, Petlau 

Offizial d. I. m. Sparkassa, Brunn 

Kassier d. 1. m. Sparkas.=a, Brüini 

Zuckerfabriks- Verwalter, Freiheitsau 

Assistent d. tech. Hochschule, Brunn 



1886/7. 

Brüim I Kaufmann, Brunn 

Ober-Gerspitz Ing. d. Masch.-Fajj. „Nicholson", Pest 

Ausjiitz Postofflzial, Wien 

Bonitz Beamter d. Fonciere, Lemberg 

Brunn Finanzkonzipist, Wien 

Warschau. Rußl. Ing. d. N.-W.-B., Wien 

Wien k. k. Statlhalterei-Ing., Wien 

Adamstal Beamter d. St.-E.-G., Brunn 

Brürm Post(jffizial, Brunn 

Staatz Oberoffizial, d. K. F.-N., Olmütz 

Bi'ünn Kontrollor, Brunn 

Krakau, Gal. Ingenieuradjunkt d. Südbahn, Wien 

Brunn k. k. Finanz-Rechn.-Offiz., Brunn 



r>6 



11. Verzeicbnis der Schüler. 



N a m 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkuni. 



Borkowetz Gottfried 
Butschek Otto . 
Diltrich Friedrich 
Gabler Franz . . 
Ha<treiter Max . 
Hastreiter Wiliielm 
Hoschek Franz . 
Kladrul)?ki Karl 
Ryba Franz . . 
Schleschka Josef 
SmrZ Franz . . 
Steiner Max . . 
Steyskal Karl . . 
Strakosch Hubert 
Ülier Ernst . . 
Wanderley Hugo 
"Wistrf-il Heinrich 
Zeisel Emil . . 



Fischer Gustav . 
Gümpel Moritz . 
Hartmann Richar 
Kepert Friedrich 
Krimm Robert . 
Lustig Theodor 
PicliI Anton . . 
Petridek Adolf . 
Polzer Karl . . 
Por^insky Karl . 
Sonmier Alfred . 
Wallaschek Karl 
Weinelt Alois . 
Weiß Nathan . 



Augustin Johann 
Bloch Jacjues . 
Czerweny Otto . 
Donat Ottokar . 
Kreude Robert . 
Lamm Samuel . 
Mayer Nathan . 
Merlicek Eduard 
Potschka Julius 
Satzinger Lorenz 
Weiß Siegmund 
Wilda Paul . . 



11 Fröhüch Alfred 



Hajek Ludwig . 
Haiimann Joliaiui 
Heinz Rudolf. . 
Herold Josef . . 



ü Jefabek Anton 
7 Kiesling Ernst 
8' Micher Rudolf 
9 Pfleger Johann 



1887/8. 



Podhradni Lhota 

Brunn 

Zwittau 

Worhtschka 

Teniesviir. Ung. 

Segen-Gottes 

Brunn 

Drohol)ycz, Gal. 

Segen-Gottes 

Pinkaute 

Kl.-Ürhau 

Proßnitz 

Brunn 

Brunn 

Schimitz 

Eckernförde, Schl.-H. 

Brunn 

Brunn 



Ingenieur. Elberfeld 
k. k. Finanz-Rechn. -Assist.. Brunn 

k. u. k. Oiierleutnant 

Assistent d. Südl)ahn. Leobersdorf 

Bauleiter. Prag - Weinlierge 

Beamter d. St.-E.-G., Wien 

Zuckerfabriks-Chemiker, Hatschein 

Bergingenieur. Segen-Gottes 

Ing. d. Masch.-Fabr.. Lieben b. Prag 

k. k. Postoffizial, Brunn 

Intieiiieur, Brunn 

k. k. Postoffizial. Brunn 

Zuckerfab. -Chemiker. Hohenau 

Landesaussch.-Rechn.-Revid., Brunn 

Baumeister. Brunn 

Postoffizial, Brunn 

Beamter b. d. Hypothek enb., Brunn 



1888/9. 



Parfuß 

Pohrütz 

Brunn 

Sternberg 

Brunn 

Brunn 

Wien. N.-Öst. 

Brunn 
Ober-Gerspitz 

Brunn 

Budapest, Ung. 

Ostrov 

Neudorf 

Neustadtl 



Gemeinde-Oberoffizial. ßrünn 

Kaufmann, Blansko 

Chemiker, Elbe-Kosteletz 

k. u. k. Art.-Oberleutnant, Olmütz 

Likörfabrikant, Brunn 

Zuckersteueramis- Assist.. Floridsdoif 

Stationschef, Deutsch-Liebau 

Beamter d. K. F.-N.. Brunn 

k. k. Prof. d. St. -Gewerbeschule. Brunn 

Eisenbahnbeamter, Budapest 
k. k. üftlzial d. Steuer- Admin., Brunn 
Insr. d.WitkowitzerEisenh.-Gewerksch. 



1889/90. 



Sternberg 

Brunn 

Hohenelbe. B. 

Göding 

Brunn 

Boskowitz 

l)rünn 

Brunn 

Brunn 

Mistelbach, N.-ü. 

Poskowitz 

Eekemfirde, Sclil.-H. 



k. k. Assistent a. d. tech. H.-Sch., Brunn 

hiKenier, Dresden 

Hütten -Ing., Östron 

Postoffizial. Brunn 

techn. Gemeindebeamter, ßrünn 

Deleg. tech. d. I. m. Cassella. Bruxelles 

Ingenieur. Brunn 

Ingenieur. Graz 

k. k. Oberk'ut., :24. Lw.-Reg.. Znaim 

k. u. k. Oberlt.. ;is. Inf.-Reg., Sarajevo 

Bankbeamter, Brunn 
Hörer d. techn. Hochschule, Brunn 



1890/1. 



Dambofitz 

Brunn 

Rrünn 

Brunn 
Leitomischl, B. 
lägerndorf, Schi. 

Brürni 

Brunn 

Brüim 



Masch.-Fabr.-Ing., Königsfeld 

Offiz. b. d. Arb.-U.-V.-A., Brunn 

Bureau-Ch. d.A.-E.-G.. Frankfurt a/M. 

k. u. k. Oberlt. I). d. fJenie-Dir., Trient 

k. u. k. Art.-Oiterleulnant. Brunn 
Verkehrs-Beamter d. N.-B., M.-Ostrau 

k k. Rech. -Assistent, Brunn 
Ing., d. k. k. Staatsjjahn, Jägerndorf 
Offizial d. I. m. S])arkassa, Brunn 



L'est. 



fest. 



II Verzeicliiiis dor St'liülor. 



67 



ÜH 



Name 



Geburlsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkuni 



Redlich Julius . 
Schwab Eduard. 
Solnitzky Franz. 
Spitz HutJTo . . 
Weisser Julius . 



Barta Auijust . . 
Bilbes Andreas . . 
Ender Heinrich . . 
Friedmami (Justav 
Kubelka Gustav 
Minu'a Josef . 
Rokyta Ferdinand. 
Ryba Gustav . . . 
Schröder Hermann 
Skalda Hugo . . . 
Trost Karl .... 
IJmgelter Ernst . . 
AValter Karl . . . 
Wiesner Johann . 
Witasek Franz . . 
Zelinirer Karl . . 



Prerau 
Kumrowitz 
Brunn 
Brunn 
Brunn 



Offizial d. K. F.-N.. Olmütz 

k. k. Postofflzinl. Brunn 

Assist. d.Ö.-M.-W.-l}.. L;nig-Enzersdorf 

Teilhaber d. Firma Herrn. Spitz, Brunn 

Tuchi'abr.-Beamter, Alexowitz 



1891/2. 



Brunn 

Prerau 

Brunn 

Biünn 

Brunn 

Brunn 

Stignitz 

Segen-Uottes 

Schackwitz 

Neutitschein 

Rohatetz 

Brunn 

Kanitz 

Butschowitz 

Eisgrub 

Marchegg, N.-Ü. 



I)am])fkessel-Insp.. Bielitz 

oniz. d. K. F.-N.. Olmütz 

lni(etiieur. Graz 

Ing. d. elektr. Aktien-(ies.. Wien 

Hütten-Ing., Poidibütte 

k. k. Postoltizial. IJielitz 

k. u. k. Oberleutnant, Wien 

k. k. Bergverwalter, Brüx 

abs. Techniker, Wien 

k. k. Ingenieur, Brunn 

k. k. Bau-Adj. d. m.Stattb., Lundenburg 

Malzfabrikant, Brunn 

k. u. k. Oberleutnant, Budweis 

"/oMessrs Ellam Jones & Co., Markelaon 

Förster 

Ingenieur, Blansko 



1892/3. 



li 


Anderka Franz .... 


Butschowitz 


9 


Dobrawskv Otto . . . 


Brunn 


:} 


Fe<t Adolf 


Boskowitz 


4 


Gützlinger Emanuel . . 


Eivvanowitz 


5 


Jordan Rudolf .... 


Wien. N.-O. 


C. 


Kastil Alois 


Graz, St. 


7j 


Kastil Viktor 


Graz, St. 


s' 


Loebl Theodor .... 


Eivvanowitz 


!i' 


Mach Ernst 


Olmütz 


10 


Marker Emil 


Volosz, Ung. 


11 


.Miittbei Friedrich . . . 


M. -Schönberg 


U 


Na-l Karl 


Kremsier 


VA 


Olunka Wilhelm . . . 


Welspitz 


li 


Steldik Josef 


Brüim 


1.') 


Tramer Oskar .... 


Brunn 


If) 


WagTier August . . . 


Brunn 


17 


Wolf Julius 


Pohilitz 

1 Q. 


1 


Dwofak Eduard . . . 


io 

Auspitz 


'2 


Fischer Armin .... 


Boskowitz 


.3 


Friedmann Oskar . . . 


Zwittau 


4 


Fröhlich David .... 


Wien. N.-(J. 


o 


Fröhlich Viktor . . . 


Brunn 


ß 


Fuchs Robert .... 


Wien, N.-O. 


7 


Gussich Leo, Freilierr v. 


Brunn 


8 


Hradetzkv Viktor . . . 


Brüini 


9 


Hüttner Heinrich . . . 


Poinlitz 


10 


Karmasin Franz . . . 


Lazanko 


11 


Kohn Siegfried . , . . 


Pohrlitz 


12 


Körber Karl 


Graz, St. 


13 


Manouschek Rudolf . . 


Brüini 


14 


Mildner Karl 


Domascliov 


1.5 


Rösner Josef. . . . 


Johnsdorf 


k; 


Sasowskv Josef . . . . 


Brunn 


17 


Schall Rudolf . . . . 


1 Wien, N.-O. 



k. k. Rechnungspraktikant 
k. k. Ingenieur, Görz 

Chemiker, Wien 

abs. Techniker, Brunn 

k.k. Adj. d. tech. Fin.-Kontr.,Zborowitz 

Beamter d. öst.-ung. Bank, Aussig a.'E. 

Beamter d. öst.-ung. Bank, Brunn 

Bauad). b. d. Post- u. Tel.-Dir., Triest 

Offizial (1. K. F.-N., Chiriitz— Turas 

Förster, Zsdengova, Ung. 

Ingenieur, Brück a./d. Mur 

k. k. Bauadj. d. m. Stattiialterei, Brunn 

k. k. Postassistent, Wien 

Tierarzt, Brunn 

Offizial d. K. F.-N., Raußnitz 

Zuckerfab.-Ghem., Ungereigen, Ung. 

Nordbahn-Ing., Kojetein 



Marine-Elektro-Ingenieur, Pola 

Dr., Chem., Wien 

Ing., Bauuisp. d. elektrotccli.Inst.,Wien 

Ingenieur, ManJieim 

k. u. k. Leutnant, Wien 

Beamter im k. k. Handelsmin., Wien 

k. u. k. OI)erleutnant, Mosty wielkie 

Prokurist d. Exjiortgescli. A. Hradetzky 

Stud. jur., Wien 

Geometer, Olmütz 

Ingenieur, Wien 

Ingenieur, Linz 

Hörer d. tecbn. Hoclischule, Brunn 

Landes-Oftizial. Brunn 

higenieur, Wien 

Ini.'. Ii. d. Stadt. EIei<lr.-Werke, Biünn 

Ingenieur, Pilsen 



gest. 1895 



gest. 1S'.)7 



68 



n. Verzeichnis der Schüler. 



Name 



Geburtsort 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



IS Spondr Karl .... 

1!» Steklmacher Heinrich 

'■20 Weiser Friedrich . . 

:21 Weiss Hermann . . 

^2^2 Weiss Karl .... 

2S Wenin-Paburg Lothar 
Edler von .... 

24 Zlanial August . . . 



1 Abel es Oskar . . 

2 Bock Samuel. . . 
H Eberle Franz . . . 

4 Hirmke Karl . . . 

5 Holinka Otto . . . 
ü Jefabek Karl . . . 
7 Köhler Alexander. 
S Kuhberger Heinrich 
!> Künl Leo .... 

10 Kürschner Enii! . 

11 Luilwig Johann. . 
\2 Martinek Friedrich 
1:^1 Matthei Ernst . . 

14 0])luslil Rudolf. . 

15 l'liilippi Heinrich . 
IC) Ratzt-nlidfer Eiiiil . 

17 Redlicii Siegmund 

18 Schiel )el Arthur . 

19 Schön (iustav . . 

20 Sonneck Viktor . . 

21 Tugendhat Benno 

22 Wilde Oskar . . . 



1 Bartelmus Frieilrich 

2 Benedikt Max . . 

3 Dienel Vinzenz . . 

4 Dittmar Eberhard . 

5 Hartmann Arthur . 
() HubaCek Adolf . . 
7 Kubesch Alfred . 
S Kubista Karl . . . 
9 Löw-Reer Oskar . 

10 Maly Olhmar. . . 

11 Mayer J'hiiiii]) . . 

12 Mühlin^diauri Karl . 

13 Schindler Leojiold 

14 Schlesinger Enal . 

15 Souczek Richard . 
Ki Spitzer Hugo . . . 
17 Stricker Arthur . . 
IS Weißberger Alfred 
19 Zeisel Rudolf . . 



1 Basch Leopold . . 

2 Ellbogen Eduard . 

3 Essler Josef . . . 

4 Goldreich Herrnann 

5 Klepetaf Egon . . 

6 Lindner Eugen . . 



Mödritz 
Jedovvnitz 

Rrümi 
Neustadtl 

Brunn 



suppl. Lehrer d. St.-O.-R., Graz 

Ing. b. d. Union-Elektr.-Ges., Wien 

k. u. k. Art.-Oberleutnant, Rrünn 

Kontorist, Wien 

Schirmfabrikant, Brunn 



Brunn 
Büowitz 



Ingenieur, Wien 
Ingenieur, Pola 



1894/5. 



Kfinek, B. 

Wa2an 

Bozen. Tir. 

KoUoredow 

Brunn 

Brunn 

Troppau. Schi. 

Lundenburg 

Segen-Gottes 

Brüini 

Brunn 

Koritschan 

Malir.-Schönben 

Biala. (ial. 

Stern beru; 

AVien 

Auspitz 

Brunn 

Brunn 

Freiberg 

Brunn 

Neusohl, Ung. 



As.sistent a. d. St.-G.-Sch., Wien 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. Technik, Brunn 

Beaniter d. Tabakfabr., Slernberg 

k. k. Rech. -Assistent, Post-Uir.. Brunn 

Ing. b. Bau d. Tauernbahn 

k. u. k. Art.-Leutnant, Wien 

Hörer d. Technik, Brunn 
Bergakademiker, Segen-Gottes 
Fabrikstechniker, Brunn 
k. k. Postassistent, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 

Beamter, Karwin 

Hörer d. Technik, Brunn 

Ing. b. Bau d. Tauernbahn 

k. u. k. Leutnaid, Wien 

abs. Hörer d. Technik, Brunn 

k. u. k. Inf.-Leutnant, Wien 

abs. Techniker, Brunn 

k. u. k. Art.-Leutnant, Brunn 

abs. Hörer d. Technik, Brunn 

Privatier, Brunn 



gest. 1900 



gest. 1897 



1895/6. 



Brunn 

Brunn 

Zwittau 

Schimitz 

Brunn 

Iglau 

Brunn 

Olmütz 

BrüiHi 

Dürnholz 

Boskowitz 

Ih'üini 

BrüiHi 

Zwittau 

Boskovvilz 

Witkovvitz 

Brunn 

Wien, N.-Ö. 

Gurein 



7' 

k. u. k. Leutnant, Wien 

Kaufmann, Brunn 

Postbeamter, Pettau 

Ghemiker, Nord-Lille, Frankreich 

Assistent a. d. St.-G.-Sch., Reichenberg 

k. u. k. Leutnant, Iglau 

suj)pl. Lehrer a. d.R.-Sch.,Czernowitz 

Ghemiker, Brunn 

Dr. ehem., Brunn 

suppl. Lehrer a. d. L.-R., Auspitz 

Hörer d. Technik, Brunn 

Betr.-Bcamter b. ihadford, Yorkshire 

Hörer d. Technik, Brunn 

Ingenieur, Zwittau 

Eichmeister, Brunn 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. Teclnük, Brunn 

Bankbeamter, Wien 
Hörer d. Technik, Brunn 



gest. 1901 



1896/7. 



Boskowitz 
Brunn 
Brunn 
Lundenburg 
Brunn 
Brunn 



Hörer d. jur. Fakultät, Wien 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Technik, Wien 
Beamter d. I. m. Sparkassa, Brunn 



n. Verzeichnis dor Schüler. 



69 



o. 



Name 



Geburtsort 



7 
8 
9 

10 
11 

1- 
13 

14 

15 

16 

17 

ISl 
19, 
•20 

21 ! 



f 

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19 
20 
21 
22 
23. 
24 
25' 
26 
27 

28; 

29' 
30i 
31 
32i 
33 
341 
351 



Mühlinghaus Gus 
Neumann Robert 
Nowak Lailislaus 
Oberlämloi- Alfred 
Pawlik Rudolf . 
Pohl Hermann . 
Pollacli Gustav. 
Schlicht Ludwii.' 
Schmeiser Franz 
Thanbück Gottfried. Edl 

V. Merkdenstein 
Tiefenbach Otto 
Troller Ernst . • 
Troltsch Franz . 
Wai,'ner Eiluard 
Willmann Huffo 



Beck Richard . 
Bittner Rudolf . 
Bocek Anton . . 
Bock Alois . . 
Bronner Julius . 
Bütterlin Paul . 
Deutsch Oswald 
Dienel Alfred . 
Durst Gustav . . 
Kassl Eduard . 
Kreiski Rudolf . 
Krejcüifik Josef . 
Krieger Johann . 
Krinninger Georg 
Kuchinka Anton 
Kuhn Oskar . . 
Meixner Josef . 
Mertha Josef . . 
Müller Gottlieb . 
Neumann Friedric 
Ondra Otto . . 
Pilat Leo . . . 
Plesch Johaini . 
Reitlinger Friedric 
Schreiber Emil . 
Schwarz Franz . 
Slabinak Friedrich 
Streit Hermai Hl. 
Tropp Heinrich 
Ultmann Simon 
Werner Moritz . 
Wolf Josef. . . 
Wondraschek Friedrich 
Zaar Karl . . 
Zerawa Oskar 



Bock Hermann . . . . 
Braß Wilhelm . . . . 
Chyba Eugen . . 
Czeczowiczka Wilhelm 
DaniOek August . . . 
Ebenhöh Josef . . . . 



Brunn 

Wien 

Markwaretz 

Neutitschein 

Wojkowitz 

Krems. N.-O. 

Boskowitz 

Brunn 

Brunn 

Debreczin, Uni. 

Brunn 

Brunn 

Greifend orf 

Welehrad 

Besehen 



Gegenwärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



Hörer des Polytechnikums, Dresden 

Fabrikant. Wien 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. jur. Fakultät. Wien 

Hörer d. Technik, Brinni 

Hütteningeniein-, Brüx 

k. u. k. Leutnnnt, Wien 

Hörer d. Technik, Brunn 

Bahnheamter, Karwin 

Hörer d. Technik, Brunn 

Bahnbeamter, Teschen 

Hörer d. Polytechnikums, Dresden 

Hörer d. Technik, Brunn 
k. u. k. Dragoner-Leutnant, Göding 

P.ahnheamter, Innsbruck 



1897/8. 



Göding 

ünl.-ThcnienaD, N.-Ö. 

Brunn 

Brunn 

Kl.-Kantschitz, Sclil. 

KaiscrslHntern,Rli.-Pral7, 

Brunn 

Zwittau 

Wien, N.-Ö. 

Brunn 

Kanitz 

Eger, B. 

Brunn 

Brunn 

Pola, Istrien 

Brunn 

Prziwos 

Pfistoupim, B. 

Austerlitz 

Brunn 

Kumrowitz 

Brunn 

Brunn 

Wien, N.-ü. 

Bic'an 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Odrovvitz 

Wien, N.-Ö. 

Nennovvitz 

Czernowitz, Buk. 

Brunn 

Kremsier 

Schönbrann, Schi. 



Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Technik, Brunn 

Landesbeamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Teclnük, Briiim 
Beamter i. Ackerbau-Minist., Wien 
Hörer d. Technik, Wien 

Postbeamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Brinni 
Hörer d. Technik, Brüini 
Hörer d. Technik, Brunn 
k. u. k. Leutnant, Tarnow 

Hörer d. Technik, Prag 
Hörer d. Technik, Brunn 
k. u. k. Verpfl.-Offizial, Preßburg 
k. k. Bechnungslieamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Teclmik, Brunn 
H(')rer d. Technik, Brunn 

Landesbeamter, Brunn 

Mitbesitzer d. Hüttenwerke i. Jeidiach 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. Teclnük, Brunn 

Hörer d. Technik. Brunn 

Postbeamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hc'irer d. Technik, Brunn 
k. k. Bechiiungsbeamter, Hrünn 
Hörer d. Technik, Brunn 

Bahnbeamter, Prziwos 



1898/9. 



Brunn 

Hollenstadt 

Brunn 

Bikowitz 

Brunn 

Ra^sa, Dalm. 



Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Elektroteclmik, Teplitz 
Hörer d. Teclmik, Brunn 
Hörer d. Teclmik, Brunn 
Gemeindebeamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Prag 



70 



n. Verzeichnis der Schüler. 



I 



Name 



Cu 



Gehurtsort 



Gegenwärtige, l)ezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkung 



7 Fuchs Richard 

8 Fürth Leo . . 
;i Haller Karl . 

10 lllek Franz . 

11 Kwapil Karl 
H Kir^chner Alexand 
13 Krischker Karl . 
U Kuhn Alfred . . 
15 Nowak Gustav . 
1() Peters Wilhelm . 
17 Pollach Julius . 
IS Quecke Viktor . 

19 Schakofsky Viktf)r 
"lO Schlesinger Julius 

21 Schmid Hudnif . 

22 Schmidl Karl . 

23 Schmidt Richard 
241 Schönbeck Leo . 
25' Sojka Otto . . . 
2(>i Weigl Bruno . . 
27 Weii3 Konielius . 
28| Zeleny Viktor . 

1 Adam Othmar . 

2 Essler Franz . . 

3 Fischer Ernst. . 

4 Heinrich Rudolf 

5 Kessler Siegfried 
(> Kessner Alois . 

7 Klein Friedrich . 

8 Koudela Johann 
!> Laufer Arthur . 

10 Paatsch Leopold 

11 PerliCka Bernard 

12 Schmal Franz . 

13 Schwarzhart Fian 

14 Sirowy Rudolf . 

15 Strel»iMi.'er Ricliar 
Ki Tandler Rudolf. 

17 WeUisch Arnold 

18 Wlach Robert . 
1'.* Zeisel Hermann. 

20 Zozuli di Salino h 
21 1 Zwicker Max . . 



11 Abeles Erwin . . 

2| BaUiar Ferdinaml . 

3 Berger Emamicl . 

i Biswanger Arnfdd 

5 (Izeczowiczka Friedri 

<i Engehuaiin Kmil . 

7 Fuchs Felix . . . 

8 Gottiieb Adolf . . 
li Halperu Oskar . . 

10 Heiter Robert . . 

11 Kailab Otto . . . 
12| Kankowsky Hugo . 

13 Langer Viktor . . 

14 Mucha Julius . . . 

15 Nowak Rudolf . . 



Troppau, Schi. 

Thoresienstadt, B. 

M Od ritz 

Brunn 

Dieditz 

Brunn 

Chudwein 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Brankowitz 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Koschkow 

Koritschan 

Wien, N.-Ö. 

Brunn 

Brunn 

Präs, B. 



Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik. Brunn 
Hörer d. Technik. Brüini 
Hörer d. Technik, Brunn 
Post-Oberoftizial, Wien 
Hörer d. Teduiik. Brunn 

d. Technik, 

d. Technik, 

d. Technik, 

d. Technik. 
Technik, 



Hörer 
Hörer 
Hörer 
Hörer 
Hörer 



Brunn 
Brunn 
Brunn 
Brunn 
Brunn 
Landesbeamter, Biünn 

Postbeamter, Brunn 

Hörer d. Technik, Brunn 

Beamter d. Hypothekenbank, Brunn 

Hörer d. Technik. Brunn 

Hörer d. Technik. Brunn 

Beamter b. Reich & Cie.. Krasna 

Hörer d. Technik, Wien 

Hörer d. Technik. Brunn 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. Bergakademie, Leoben 



rest. 1901 



1899/900 



Brunn 

Brunn 
Eii^cnschitz 

Brunn 

Brunn 
Holzmühle 

Brunn 
Eiljenschitz 
Rothwasser 

Brunn 

Brüim 

Brunn 
Chrzanöw, Gal. 
iMistelbach, N.-Ö. 

Brunn 

Brunn 

Boskowilz 

Wischau 

Gurein 
Eibenscliitz 

Brunn 



Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brüini 
Hörer d. Technik, Brunn 
Gemeindebeamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Technik, Wien 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Gemeindel)eamter, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. pbil. Fakultät, Wien 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 



1900/1. 



Misteibach, N.-Ö. 

Brunn 

Holleschau 

Haslacb, Ob.-Ö. 

Rzikowitz 

Alexowitz 

Keltsch 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Brunn 

Wien, N.-Ö. 

Brunn 

Wischau 

Brunn 



Hörer d. Technik. Brunn 
Hörer d. Tecimik, Brunn 
Hörer d. Teclinik, Brunn 
Hörer d. Teclinik, Wien 
Hörer d. Technik. Hrüini 

Beamter, Biünii 
Hörer d. Technik. Hrünii 
Hörer d. Technik, Hrünn 
Hörer d. Technik, Hrünn 
Hörer d. Technik, Brunn 
Hörer d. Tcdniik, Brunn 
Hörer d. Technik, Brunn 

Beamter, Brunn 

Hörer d. Technik, Brunn 

Hörer d. Handels-Akademie, Prai 



J 



VI. Realschuldeputatinn der Ijandosluiuiitst. Hiiinn. YII. Lchrmittolsammlungen. 71 



N a m e 



Geburtsort, 



Gegenw<ärtige, bezw. letzte 
Stellung und Wohnort 



An- 
merkuntr 



Pöt'-ek Rudolf . . . , 
Puchyf .lohann . . . , 

Reiner Otto 

Sigmund Johann . . . 

Spitz Otto 

Vesely Martin . . . . 
Wassertrillinsr Willu'hn 
Wellisch Max . . . . 
Rowner Richiud . . . 
Kreuziirer Heinrich . . 



Napagedl 

Urihni 

Lundenburg 

(Jr.-Seelowitz 

Brunn 

Königsfeld 

l^oskowitz 

Roskowitz 

Kibenschiiz 

M.-llotwasser 



Hörer d. Tetdmik, Rrünn 
H(')rer d. retdiiiik. Hriinn 
Hörer d. 'I'ecbnik, Ihünn 
Hörer d. TtMdmik. Briiini 
Hörer d. Technik, Brunn 

ReanitPr, Hrünn 
Hörer d. Tee Iniik, Hrünn 
Hörer d. Te(dniik. Hrünn 
Hörer d. Technik. Hrünn 
Hörer il. Technik, Hrinin 



VI. Realschuldeputation der Landeshauptstadt Brunn. 




Ulf Grund der Erlässe des Unterrichtsministeriums vom 16. September 1855, 
Z. 10.497 und 44.263 wurde, da ein Statut zur liildung und Verwaltung- 
eines Lokalrealsohulfondes nicht zustande gekommen war, erst im Jahre 1S61 
aus dem Gemeiudeausschusse eine aus drei Mitgliedern desselben bestehende 
städtische Realschuldeputation gewählt, welcher Karl Gierke, Karl 
Turetschek und Karl Wawra angehitrten. Im J. 18(53 wurde an Gicrkes 
Stelle Moritz Kellner gewählt. Im J. 1872 bestand die Deputation aus: 
Josef Au spitz, Karl Ripka und Josef Kafka. Im J. 1873 wurde an 
Stelle der resignierenden ]Mitglieder Ripka und Kafka Rudolf R o h r e r 
und Schön gewählt. Im J. 1875 setzte sich die ncugewählte Deputation 
aus Ludwig G r o b b e n, Josef W a w r z i n und Ignaz W o h 1 m u t h zusammen ; 
im J. 1881 trat an Wawrzius Stelle Rudolf Rohr er. Im J. 1885 wurden 
neu delegiert: Dr. August Wieser Ritter von Mährenheim, Rudolf Rohr er 
und Josef Zelui czek. Im J. 1894 trat an Stelle des zum Bürgermeister 
von Brunn gewählten Dr. August von AVieser Hubert Petritsch und im 
J. 1898 fürZelniczek Josef Matz ura. Im J. 1899 wurde an Stelle Petritsch' 
Johann Zoufal und im J. 1900 für Zoufal Anton Jelinek gewählt, so daß 
die dermalige Realschuldeputation aus den Mitgliedern Vizebürgermeister 
Rudolf Rohrer, Baumeister Anton Jelinek und Professor Josef Matzura 
besteht. 



VII. Lehrmittelsammlungen. 



Für die Neuanschaffungen und die Instandhaltung der lUbliothek wurden 
anfanglich von jedem in die Anstalt aufgenommenen Schüler 70 h, später 
1 K und dann 2 K eingehoben. Bei dem großen Schulbesuche war es dadurch 
leichter mitglich, dem Wunsche und Bedürfnisse der Lehrer und Schüler 
nach fortschreitender Ausbildung zu genügen. Dazu erfreute sich die Anstalts- 
bil)liothek seit ihrer Gründung vieler (Jönner, die mitunter größere Privat- 
bibliotheken spendeten, Avoraus sich das Vorhandensein vieler den Studien- 
zwecken einer Realschule fernliegenden Werke erklärt. 



']^2 VII. Lehrmittclsamnilung:cn. 

UrsprÜDirlicli wareu Lehrer- und Scliülcrbibliothck sowie die Schulblicher- 
sammliing vereint. Erst in den Jahren 1890 und 1891 wurde bei gründlieher 
Revision des Bücherbestandes eine Trennung; der Lehrer- und Schüler- 
bibliothek unter gleichzeitiger Anlegung von neuen Invcutaren durchgelTihrt. 
Im Jahre 1897/8 wurde ein gedruckter Katalog der Lehrerbibliothek, von 
Prof. Rille verfaßt, von der Anstalt herausgegeben. 

Die Lehrerbibliothek enthält am Schlüsse des Schuljahres 1901/2 
4900 Inventarnumniern (bezw. Werke) in 9814 Bänden und 6937 Schul- 
Programmen. Darunter gibt es 49 enzyklopädische Werke, 310 philosophische 
und pädagogische, 846 philologische, 600 geographisch - geschichtliche und 
2004 Werke realistischen Inhalts. 

Die Schülerbibliothek enthält 2132 Inventarnummern in 1843 
Werken. 

Gr(")ßere Bücherspenden verdankt die Bibliothek dem k. k. Ministerium für 
Kultus und Unterricht, dem mähr. Landesausschuß, dem Dr. Heinrich Pollak, 
dem Mappeuarchivsdirektor Parts eh, den Frauen Marie Hauck und Josetine 
M a t z i a 1 e k. 

Die übrigen Lehrmittelsammlungen, für deren Ausgestaltung und Er- 
haltung die Gemeinde Brunn eine jährliche Dotation von 1100 K leistet, 
wozu gegebenenfalls auch die Zeugnis-Duplikats-Taxen hinzukommen, sind 
ebenso wie die Bi])liotheken in zweckmäßig eingerichteten Sälen untergebracht 
und ausnehmend reich bedacht. 

Für alle Sammlungen wurden im J. 1891 neue Inventare angelegt und 
im J. 1901 wurden die geographisch-geschichtlichen Lehrmittel mit 
dem Warenmuseum einer neuerlichen Revision unterzogen und entsprechend 
inventiert. Die letzteren umfassen 228 Inventar-Nummern in 311 Stücken, u.zw. 
gibt es unter anderem 8 Globen und Tellurien, 98 Wandkarten und Atlanten, 
178 Bilder und Reliefs etc. Das geographische Warenmuseum enthält 
an Inventar -Nummern 224, u. zw. an Warenproben 179, an Gesteinsarten 
und Mineralien 45 Stück. 

Das natu rgeschichtli che Kabinett weist 3791 Inv.-Nummern in 
10.113 Stücken aus, u. zw. für Zoologie 4217, Botanik 2385, Mineralogie 2194, 
Geologie 1206 01)jcktc, ferner 80 Stück mikroskopische Präparate und 31 Stück 
Apparate und Werkzeuge. 

Das Physi k-Kabiniitt besitzt 491 Nummern in 829 Stücken; davon 
entfallen auf Mechanik 126, Akustik 37, AVärme 57, Optik 84, Magnetismus 
und Elektrizität 162, Astronomie und Utensilien 25 Nummern. 

Die Lehrmittelsammlung für Chemie enthält 3119 Inv.-Nummern in 
5055 St., u. zw. an Apparaten und Geräten 2(j36 St., an Präparaten und 
Waren 470, bezw. 450 Stück, 120 Wandtafeln, 579 Mineralien und 800 Stück 
Schülcr-Laboratoriumsgeräte. 

In der geometrischen Lelirniittelsammlung befinden sich an Vorlagen 
619 Blatt, an Modellen und stereometrischen Körperu 172 Stück und au 
anderen Lehrbehelfen 99, zusammen 890 Stück in 205 Inv.-Nummei-n. 



Vm. Die Körper- und Gesundheitspflege unserer Schuljugend. 73 

Die Sammlung' für Freihanclzeiclineu enthält au Vorlagen 2901 Blatt, 
an Modellen 740 Stück, an Apparaten und Drahtmodellcu 17, für Gegen- 
ständliches 59 und au anderen Lehi-behclfen 23 Stück, zusammen 3740 Stück 
in 4SI luv. -Nummern. 

Die Zahl der Turn- und Jugendspielgeräte, bezw. Spielmittel 
beträgt 213 Gegenstände. 

Die M ü n z e n s a m m 1 u n g besteht aus 1 Goldmünze, 213 Silber-, 
1<)5 Kupfer-, 21 Nickel-, 9 Älessing-, 24 Bronzemünzen und 4 Medaillen, 
ferner enthält sie 15 Papierscheine (02 Inv.-Nummeni). 

Die M u s i k a 1 i e n s am m 1 u n g zählt 557 Stück in 19 Inventar-Nummern, 
außerdem besitzt sie ein Harmonium und einen Taktierstab. 

Namhafte Schenkungen kamen diesen Sammlungen zu von Sr. Durch- 
laucht dem Fürsten Johann von und zu Liechtenstein, von der k. k. 
Ackerbau gesell Schaft, bezw. dem Franzensmuseum in Brunn, von 
Dr. Offermann, M. Gomperz und vom Lehrer dieser Anstalt J. Patek. 

Besondere Verdienste um die Vermehrung und sachgemäße, dem Schul- 
unterrichte augepaßte Anordnung der Lehrmittelsammlungen haben sich er- 
worben die Professoren A. Makowsky, J. Bratkovic, Dr. G. Wagner, 
E. Medritzer, F. K atz er, E. Schuscik, A. Rille und Dr. K.Berg er. 



VIII. Die Körper- und Gesundheitspflege unserer 

Schuljugend. 

^]W|=or dem Schuljahre 1870/71 war der Turnunterricht an der Realschule 
^i^^ überhaupt für die Schüler nicht verbindlich. Ungeachtet dessen turnte 
eine nicht unbedeutende Anzahl unserer Schüler in der Brünner Turnhalle 
von der richtigen Erkenntnis geleitet, daß allseitige und ebenmäßige Aus- 
bildung des Körpers auch dessen Gesundheit befestigt und daß in einem 
gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt. Durch das Landesrealschulgesetz 
vom Jahre 18G0 wurde das Turnen für die mährischen Realschulen obligat 
und es wurde mit dem ordentlichen Turnunterricht an dieser Anstalt im 
Schuljahr 1870/71 begonnen. Doch erst vom Jahre 1876/7 an turnten unsere 
Schüler in dem im Anstaltsgebäude zweckmäßig hergerichteten Turnsaal. 

Daß die Unterrichtsverwaltung diesem wichtigen Zweige einer plan- 
mäßigen physischen Erziehung besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, 
bezeugt der im Jahre 1897 in Kraft getretene neue Lehrplan, der durch 
Instruktionen erläutert ist. Da jedoch die Erfahrung gelehrt hat, daß der 
Betrieb des Turnens und die Handhabung der Gesundheitspflege im Bereiche 
der Schule allein nicht genügen, um der Jugend, an welche namhafte An- 
iorderungen in intellektueller Beziehung gestellt werden müssen, auch eine 
heilsame Erholung ihrer geistigen Kräfte zu veischaffen, so gab das 
Unterrichtsministerium schon im Jahre 1890 einen Erlaß heraus, durch den 
uiit der körperlichen Übung auch der oben angedeutete Zweck der geistigen 



74 VIII. Die Körper- iiml (Tesuiullieiispflege unserer Schuljugend. 

Rast erreicht werden sollte. Darnach sind der Jugend öffentliche Bäder oder 
Schwimmanstalten unter möglichst weitgehenden Begünstigungen zugänglich 
zu machen; ähnlich ist hinsichtlich des Schlittschuhlaufens vorzugehen. Ferner 
ist die Erwerbung von Spielplätzen behufs Durchführung von Jugendspielen 
anzustreben. 

Mit aufrichtigem Danke darf die Anstaltsdirektion des Wohlwollens und 
Entgegenkommens gedenken, welche sie bei der Durchführung dieser Aufgaben 
seitens des Gemeinderates der Landeshauptstadt Brunn und einzelner Biünner 
^'ereine gefunden hat. So hat der Brünner Eislaufverein unseren Schülern 
die Benützung der Eisfläche im Augarten gegen mäßigen Preis gestattet und 
überdies alljährlich einige Paare Schlittschuhe zur Verfügung gestellt. 

In gleicher Weise haben die Gemeinde Brunn für die städtischen 
Badeanstalten, der Eigentümer des Charlottenbades J. W. Lange und die 
ehemalige Besitzerin der Obrowitzer Badeanstalt, Adele Weiß, bedeutend er- 
mäßigte Schülerkai tfu gewährt. Durch viele Jahre hat der unermüdliche 
Turnlehrer Alois Kovaöic auf eigenartig konstruierten Schwimmapparaten 
theoretischen Schwimmunterricht erteilt, der, wie das alljährlich veranstaltete 
Wettschwimmen zeigte, von anerkennenswertem Erfolg begleitet war. 

Dem Jugendspiele, dessen Pflege sich der Lehrkörper sehr angelegen 
sein ließ, brachten die Schüler ein reges Interesse entgegen. Leider konnte 
dieses nicht in dem wünschenswerten Maße befriedigt werden ; denn es fehlte 
anfänglich an der unerläßlichen Vorbedingung eines gedeihlichen Jugeud- 
spielbetriebes, an einem entsprechend großen, allen hygienischen Anforderungen 
genügenden Spielplatze. Bis zum Jahre 1899 waren die benützten Spiel- 
plätze nur Notbehelf. Es waren dies außer dem kleinen Hofraume des 
Anstaltsgebäudes zuerst der Winterhollerplatz, darnach der unzulängliche 
Raum im städt. Steinzwinger, endlich eine Baufläche hinter der Erzherzog 
Rainer-Landwehrkaserne und der Hofraum der Zeiler Volksschule. Alle diese 
Spielplätze waren mehr ein Ersatz für den im Jahre 1894 an die freiwillige 
Feuerwehr abgetretenen Teil unseres Hofraumes. Erst im Jahre 1899 überließ 
das hiesige k. u. k. Militär-Stations-Kommando den südöstlichen 
Teil des großen Exerzierplatzes gegen Widerruf an unsere Anstalt zur Be- 
nützung, und zwar an Mittwoch- und Samstag- Nachmittagen, wodurch die 
Möglichkeit, alle Klassen heranzuziehen und die Spiele unbehindert entwickeln 
zu lassen, in erfreulicher Weise gegeben war. 

Um eventuell für unsere Schule einen geeigneten Spielplatz zu erwerben, 
wurde schon im Jahre 1893 ein Fond angelegt, welcher dermalen beiläufig 
1080 K beträgt. 

Behufs einer geregelten Durchführung der Jugendspiele wurde im 
Jahre 1894 eine Spielordnung verfaßt, die die landesschulrätliche Zustimmung 
gefunden hat. 

Mit Bewilligung der vorgesetzten Schulbehörde wird für die mit dem 
Spielbetriebe verbundenen Auslagen von jedem Schulgeld zahlenden Schüler 
1 K eingehoben, wodurch dem Bedürfnisse nach Vermehrung der Spielgeräte 
und nach Ersatz der abgenützten vollständig entsprochen werden kann. 



IX. Untorstützungswesen. 75 

Außer den Jugendspielen wurde im Jahre 1894 unter Führung einiger 
Mitglieder des Lehrkörpers ein Kriegsspiel auf den Höhen von Karthaus und 
Obrzan durchgeführt, an dem sich 212 Schüler mit Umsicht und Ausdauer 
beteiligt hatten. Ferner wurden von den Fachprofessoren botanische und 
geographische Schülerexkursionen unternommen, bei welchen die von Professor 
K. Schub uth entworfenen und von der Schülerlade verlegten Karten der 
Umgebung Brunns sehr gute Dienste leisteten; ebenso fanden in Begleitung 
von Lehrern Klassenausflüge nach Bernstein, Eisgrub, auf die Polauerberge, 
nach der Burg Buchlau statt, ferner nach Austerlitz, letzterer Ausflug behufs 
Besichtigung des ehemaligen Schlachtfeldes, zu welchem Zwecke die Schüler 
mit Situationsplänen versehen wurden. Erst in den letzten Jahren mußte von 
den sonst beliebten Ausflügen und Marschübungen infolge mancher inzwischen 
eingetretener Hindernisse abgesehen werden. 

Im die Hebung des Jugendspieles und um die Veranstaltung von 
belehrenden Exkursionen gab sich nebst dem Turnlehrer Alois Kovaöic der 
Professor Karl Queiß besondere Mühe. 

Mit Anerkennung sei an dieser Stelle noch des schulfreundlichen Wirkens 
der Brünner Ferienkolonie, der Zentralleitung der deutschen Studentenherbergen 
in Hohenelbe und des deutsch-österr. Alpen Vereines gedacht, welche alljährlich 
mehreren Schülern die Segnungen ihrer auf den jugendlichen Geist und 
Körper wohltätig wirkenden Einrichtungen zuteil werden ließen. 

Auch der Ministerialverordnung vom Jahre 1895 betreifend die Schul- 
gesundheitspflege wurde durch die Fürsorge des Lehrkörpers sowie insbesondere 
durch die opferwillige Mitwirkung der Gemeinde Brunn entsprochen. Am 
Schlüsse eines jeden Jahres wird durch eine Kommission, welcher dermalen 
Gemeinderat Eduard Exner und der Baurat Johann Lang angehören, alles, 
was auf die Erhaltung des Schulgebäudes auch in hygienischer Richtung sich 
als notwendig herausstellt, erhoben und durchgeführt. Es ist auch der 
Gesundheitszustand der Schüler in den letzten 13 Jahren ein sehr befriedigender 
gewesen. 

Ein besonderes Verdienst um die Förderung der Körperpflege unserer 
Jugend haben sich nebstdem erworben: Johann Stikarofsky, Kaufmann in 
Brunn, der, als Gönner unserer Schule wohlbekannt, auch die Besetzung des 
Stiftsplatzes in der Brünner Ferienkolonie an die Anstaltsdirektion abgetreten 
hat, ferner Primarius Dr. Ferdinand P 1 e n k, Sanitätsrat Dr. Paul Wenzliczke, 
Primarius Dr. Theodor Spietschka und der städt. Bezirksarzt Dr. Ludwig 
Teltsch, die armen Schülern eine unentgeltliche Behandlung menschen- 
freundlichst angedeihen ließen. 



IX. Unterstützungswesen. 



a) S c h ü 1 e r 1 a d e. 

^nter der Direktion Au spitz bestand an der Anstalt ein Unterstützungs- 
fond, dessen Erträgnis jedoch viel zu gering war, um eine größere 
Anzahl würdiger und bedürfticer Schüler unterstützen zu können. P^rst den 




76 IX. Unterstützunprswesen. 

Bemühungen des Direktors F. Krasser sowie der gütigen Vermittlung des 
k. k. Statthaltcreirates Johann Ritter von Chlumetzky und des Buchhändlers 
Josef Palliardi ist es zu danken, daß ein Betrag von 1331-34 K frucht- 
bringend angelegt werden konnte. 

Auf Anregung des Direktors Krasser wurde alsdann die Errichtung einer 
Schülerlade beschlossen, deren Statuten mit L.-S.-R.-E. vom 17. April 1874, 
Z. 8684, genehmigt wurden. 

Einer besonderen Fürsorge erfreute sich diese humanitäre Einrichtung 
seitens des Statthalters Freiherrn Ludwig Possinger von Choborski, dem 
sie 7 Stück Obligationen zu 200 K dankt. 

Einige Jahre hindurch wurden auch mit hochortiger Bewilligung von 
jedem Schulgeld zahlenden Schüler 10 h für die Schülerlade eingehoben. 
Eine große Wohltäterin unserer Anstalt ist die I. mähr. Sparkassa in Brunn, 
die seit dem Jahre 1885 alljährlich 200 K dem Unterstützungsfonde und übeiiiies 
bei jedem erfreulichen Ereignisse in unserem Herrscherhause namhafte Beträge 
gespendet hat. 

Nebst vielen andern Gönnern sei auch des großen Menschenfreundes 
Bernhard Morgenstern ehrend gedacht, der die Schülerlade dnrch viele 
Jahre ausgiebig unterstützt und ihr ein Legat von 1000 K bestimmt hat; ebenso 
wurden ihr aus der Verlassenschaft des Moritz Freiherrn v. Hirse h-Gereuth 
für Wohltätigkeitsanstalten 1000 K zugewiesen; infolge weiterer Spenden der 
Fabrikanten Samuel und Albert Morgenstern und des Bierexporteurs 
Adolf Hradetzky erreichte die Schülerlade im Schuljahre 1896/7 den 
Betrag von 21.211-60 K. 

Von dem letztgenannten Kapitale wurde in dem darauf folgenden Jahre 
mit behördlicher Bewilligung für die Gründung der Kaiser Franz Josef Jubiläums- 
stiftung per 25000 K ein Betrag von 14993-46 K verwendet, so daß die 
Schülerlade am 1. Juli 1898 7377*20 K besaß; außerdem verfügte sie über 
616 Exemplare des Gebet- und Gesangsbuches, verfaßt von den Professoren 
Th. Wolf und Eduard Schu^cik, im Werte von 640 K und 1093 Schul- 
büchern der hih/iotJicka pauparum. 

Am Schlüsse des Schuljahres 1901/2 ist der Vermögensstand: 10025-41 K, 
321 Stück des Gebet- und Gesangsbuches und andere Lehrbehelfe, bewertet 
mit 380 K, und 1246 Schulbücher. 

Vom J. 1874—1889 wurden arme Schüler aus der Schülerlade mit 
Büchern, Schreib- und Zeichenrequisiten, Bekleidung, Krankengeld, Mittags- 
tisch etc. im Betrage von 542671 K und vom J. 1889—1902 mit 12.015-63 K, 
somit im ganzen mit dem Betrage von 17.442-34 K unterstützt. 

h) Stipendien. 
Schon seit der Eröffnung der Staats-Oberrealschule standen einige Schüler 
im Genüsse von Mihtär-Strafgefälls- und Privat-Stipendien, dann von solchen, 
welche die Gemeinde Brunn für Schüler der Brünner deutschen Realschulen 
kreiert hat. Ln Jahre 1889 gründete die Direktion der L mähr. Sparkassa 
in Brunn aus Anlaß des 40jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers 



IX. Unlerslützungswesen. 77 

Stipendien für brave und bedürftige Schüler der Brünner Mittelschulen, 
von denen auf Ansuchen der Realschuldirektion zwei Stipendien zu 200 K 
gegen Widerruf für unsere Anstalt bestimmt wurden. Dieselben werden von 
der Sparkassadirektion auf Vorschlag des Lehrkörpers verliehen. Endlich ging 
die Anstaltsdirektion aus Anlaß der Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums 
unseres Kaisers daran, den aus dem Jahre 1889 stammenden Fond von G!) ti. 
= 138 K, welcher inzwischen auf 40302 K gewachsen war, unter Mithilfe 
schulfreundlicher Gönner und ehemaliger Schüler dieser Anstalt soweit zu 
erhöhen, daß aus diesem Stipendien für wahrhaft bedürftige und sehr brave 
Schüler geschaffen werden konnten. 

Mit Genehmigung des k. k. Landesschulrates bildete sich nämlich aus dem 
Lehrkörper ein Komitee unter dem Vorsitze des Direktors, welches an die Aus- 
führung dieser edlen Absicht schritt. Die Begründung dieses Fondes ging unter sehr 
günstigen Auspizien vor sich ; denn mit dem Kabinettschreiben von 5. März 1896, 
Z. 2502 geruhte Se. Durchlaucht der regierende Fürst Johann von und zu 
Liechtenstein für dieses patriotisch-humanitäre Unternehmen die hochherzige 
Spende von 2000 K zu widmen. Weitere ansehnliche Beträge kamen sodann 
der Direktion zu, so von den Fabriksbesitzern Albert und Bernhard Morgen- 
stern, vom Buchdruckereibesitzer Friedrich Irrgang, Herrenhausmitglied 
Julius Ritter von Gomperz, Bankhaus Rothschild, vom Ehrenbürger 
der Landeshauptstadt Brunn Karl Wawra, Stadtgeschäft Alexander Stein- 
brecher, Kaufmann Johann Stikarofsky, von Gebrüder Guttmann, vom 
Realitätenbesitzer Gustav Ritter von Seh o eil er etc., so daß der Fond, die 
nachträglichen Spenden von 330 K inbegriffen, auf 10441*96 angewachsen 
war. Mit landesschulrätlicher Bewilligung wurde dieser Betrag aus dem Bar- 
gelde der Schülerlade derart ergänzt, daß 4"/oige rentensteuerfreie Pfand- 
briefe der L mähr. Sparkassa um 25.000 K angekauft und laut des Stiftsbriefes, 
der mit L.-S.-R.-E. vom 27. Jänner 1898, Z. 1112 genehmigt wurde, fünf 
Stipendien zu 200 K errichtet wurden. Laut M.-E. vom 26. April 1899, 
Z. 3027 hat Se. k. u k. Apost. Majestät allergnädigst zu bewilligen geruht, daß 
die Stiftung „Kaiser Franz Josef-Jubiläumsstiftung" benannt werden 
dürfe. Diese Stiftung trat mit Beginn des Schuljahres 1898/9 in Kraft und in 
der außerordentlichen Sitzung des Lehrkörpers vom 3. Oktober 1898 wurde 
nachfolgenden 5 vorzüglichen Schülern je ein Stipendium zu 200 K auf die 
Dauer der Erfüllung der stiftsbrieflichen Bedingungen zuerkannt, u. zw. den 
Schülern Hybl Franz und Pomp er Rudolf (IIL Kl.), Küttler Eduard 
(IV. Kl.), Sigmund Johann (V. Kl.) und Krischker Karl (VIL Kl). Die 
Dekrete wurden den Stipendisten nach der am 4. Oktober abgehaltenen 
Schulfeier nach einer Ansprache des Direktors, in welcher die Bedeutung 
der Stiftung dargelegt wurde, eingehändigt. 



78' X. Abhandlungen seil dem selbständigen Bestände dieser Lehranstalt. 

X. Abhandlungen, 

die seitdem selbständigen Bestände dieser Lehranstalt (1852) 
in den Programmen der nachfolgenden Jahre veröffentlicht 

wurden. 

1852. Analvse einiger Kalksteine und einer Ackererde der Markgrafschaft 
Mähren, von Franz Herr. — Goethes „Faust" und die früheren Bearbeiter 
der Faustsage, von Hilarius Vogel. — Daniel Adam z Veleslaviiia, 
zlomek zivotupisny od Fr. Fialy. 

1853. Phasen des Mythus, mit besonderer Berücksichtigung des deutscheu und 
slavischeD, von Hil. Vogel. 

1854. Über die Anforderungen der Naturforschung in der jetzigen Zeit, von 
Dr. Alexander Zawadzki. — Über die Flora der Umgebung Brunns, 
von Julius Wiesner. 

1855. Die Parallelperspektive von Rud. Schnedar, — Die Handwerkerschule, 
ihre Bedeutung und Errichtung von Jos. Au spitz. — Mathematische 
Kleinigkeit von Jos. Auspitz. 

1857. Die Palmen, ihre Verbreitung und ihr Nutzen, von Dr. Alexander 
Zawadzki. — Die Ursachen des österreichischen Erbfolgekrieges und 
die "Würdigung derselben, von Johann Meixner. — Der Lektionspian 
der österreichischen Realschule im Vergleich mit dem einiger deutschen 
Realschulen, von Josef Auspitz. 

1858. Über geom. Orte, von Rud. Schnedar. — Die technische Benützung 
der Bestandteile des Säugetierkörpers, von Fr. Berr. — Pädagogisch- 
methodische Aphorismen, von Jos. Auspitz. 

1865. Die Methoden der Axonometrie, von Fr. Matzek. 

1872. Kurzgefaßte vergleichende Zusammenstellung über das Wesen und die 
Bedeutung des Partizips im Deutschen, Italienischen, Französischen und 
Enghschen, von B. Fogler. — Die Bannung Philipps von Staufen, 
von Dr. Fr. W i e s e r. 
875. Notwendigkeit der Einführung einer anderen Sprache, vorzugsweise o'er 
französischen an Realschulen, und Vorteile, die dadurch für den jungen 
Menschen erwachsen, von Prof. B. Fogler. — Analyse d'Athaiie de 
Jean Racine, von Prof. B. Fogler. 

1876. Pädagogisch-kritische Gänge, von Prof. A. Rille. 

1877. Unter des Kaisers Claudius Regierung, von Prof. A. Rille. 

1878. Reinmar von Zweter. Eine literar.-histor. Studie von Dr. R. Plaschke. 
187U. Zur Syntax des Beöwulf, von E. Nader. 

1880. Zur Syntax des Beöwulf, von E. Nader. 
1882. Der Genetiv im Beöwulf, von Dr. E. Nader. 

1884. Alexander Barclay's „Ship of Fools", von J. Seifert. 

1885. Über französischen Sprachunterricht, von Prof. H. Sieg). 

1886. Entwicklung der Theorie über die Komplanation und Kubatur der 
Rotationstiächen, von W. v. Dragoni. 

1887. Ist „Mucedoius" ein Schauspiel Shakespeares? von E. Söffe. 

1888. Über die Bestimmung der wägbaren Maße, von Dr. G. Alb recht. 

1889. Zur J^ntwicklungsgeschichte des französischen Dramas, von Professor 
M. Husserl. 

1890. Brünner Bauwerke im XVII. und XVIII. Jahrhundert, von Prof. A. Rille. 



XI. Sclilußwort. 79 

1891. Die erlebten und literarischen Grundlagen von Goethes „Clavigo"; von 
Prof. E. Söffe. 

1892. Beiträge zur Behandlung der Elektrizitätslehre, von Dr. G. Wagner. 
— Zur Gesundheitspflege in der Jugend, von demselben. 

1893. Rudolf von Habsburg im Spiegel der deutschen Dichtung. Für die 
studierende Jugend (')sterreichs geschildert von Prof. E. Söffe. 

1894. Das Erlernbare im Freihandzeichnen, von Friedrich W idter. 

1895. Der nördliche Teil von Nieder-Österreich, I, von Dr. Gustav Treixler. 

1896. Der nördliche Teil von Nieder-Österreich, II, von Dr. Gustav Treixler. 

1897. Die Blütenbiologie in der Mittelschule. Von Prof. F. K atz er. 

1898. Zum Jubiläum der glorreichen Regieiung Sr. k. u. k. Majestät unseres 
Kaisers Franz Josef I. Vom Direktor K. ^aar. — Katalog der Lehrer- 
bibliothek. Zusammengestellt von Prof. A. Rille. 

1899. Nach Konstautinopel und zurück. Von Prof. A. Rille. 

1900. Einige Apparate für den physikalischen Unterricht auf der Unterstufe der 
Mittelschulen. (Mit einer Tafel mit IG Figuren). Von Prof. Ed. Schus^cik. 

1901. Das Königslied. Von Prof. E. Söffe. 



XI. Schlußwort. 



r*^s war im Oktober des verflossenen Jahres, als in einer Konferenz des Lehr- 
^^^s körpers darüber beratschlagt wurde, wie man den wichtigen Abschnitt 
des fünfzigjährigen Bestandes unserer Anstalt als Oberrealschule am besten 
und am sinnigsten in der Erinnerung festhalten könnte. Eine Anregung, 
ehemalige Schüler dieser Lehranstalt, die in ihrem gegenwärtigen Berufe 
wissenschaftlich oder künstlerisch tätig sind, zur Teilnahme an einer 
hterarischen Jubiläumsgabe einzuladen, fand sofort ungeteilten Beifall. Und 
dieser Gedanke, ein Werk zu schaffen, das jene zur geistigen Gemeinschaft 
vereinen sollte, die, einem gemeinsamen Bildungsgrunde entsprossen, nunmehr 
beredte Zeugen geworden sind, daß das moderne Institut der Realschule trotz 
mancher Mängel seine Aufgabe, das Streben nach allseitiger Bildung in die 
jugendlichen Herzen einzupflanzen, vollaufgerecht geworden ist — dieser schöne 
Gedanke ließ jeden anderen Einwand nicht weiter aufkommen. Unverweilt 
wurden gegen 30 schriftliche Emladungen verschickt und mit aufrichtiger 
Genugtuung konnte es der Lehrkörper in den Antwortschreiben lesen, mit 
welch ehrenden Woiten der einstigen Bildungsstätte gedacht wurde und wie 
fast jeder Eingeladene sich bereitwillig erklärte, einen Beitrag zu der Fest- 
schrift zu liefern.*) So sind die nun folgenden Beiträge, die von 22 ehemaligen 
Schülern stammen, entstanden. 



*) Univer^itäts-I'roressor Dr. Heinrich Hartl drückte anläßlich seines Besuches in 
Brunn persönlich dem Anstaltsdirektor sein aufrichtiges Bedauern aus, daß seine minder 
günstij,'en Gesundheitsverliiiltnisse es ihm nicht erlauhten, sich an der Festschrift, zu he- 
teüigen. Femer sandten Enlschuldigun^'sschreiben : Adolf Friedrich, Professor an der 
Hochschule für Bodenkultur; Adolf Enenkel, k. u. k. Oberst; Klemens Barchanek, Real- 
srhuldirektor; Rej,'ierun^rsr!it Direktor Wilhelm Dokoujiil und Direktor Heinrich Hofmnnn. 



II. Teil. 



Beiträge ehemaliger Schüler 

der Lehranstalt. 



H Y iVl N E ftir gemischten Chor. 

Zur Feier des 50 -jährigen Bestandes der 
k. k. deutschen Staats -Oberrealschule in 
Brunn, komponiert von KARL BENDEL. 



Sopran 
Alt 



Tenor 
Bass 



Mäßig bawcgt. 

-J— 4 




1. Tö - uet laut ihr Dan - kes - lie- der, kliii-get ju- 

2. Fimf-zig Jah - re eru - sten Stre-beus san - ken in 

3. Ei - nes güt'-gen Herr-schers AVil-le sprach er - lö 



belnd 
der 
■ send 






::-t:=t:: 



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T-^- 



diirch das Land, froh Er - in- nsrn kehrt mm wie-der, le - bend wird, was 
Zei - ten Lauf, doch sie sehwan-den nicht ver-ge-beus, ])lii - hen in der 
einst das Wort und ein Baum in leich-ster Fül-le wuelis em-por an 




Ipfe* 




I >* I I I I I I I 1 ' I 



einst entscliwand; längst ver-hall-te Klän-ge drin - gen lei-se schmei-chelnd 

Zu - kuuft auf. Kei - che Saat, sie ist eut-spros-sen, frisch er - grii - net 

je - nem Ort. Ihm, dem Schir-mer al - les Schö - neu, hui - digt heu - te 

J i ' ^ J J ' I .1 I A \ b\ \yl 




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84 



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rei - clie Saat, sie ist ent - spro - ssen 
Ihm dem Schir-mer al - les Scliö - nen 

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lei-se sjhmei-chelnd 
frisch er - grü - net 
hui - dioft heu - te 



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cresc. Bass hervortretend 



-I— I- 



^^ß — ß — ,2._±_J^ — ß — e. — e 
III I ij I i 



III 11^.. 

an das Ohr, stei - gen wie auf 
ihr Ge - wand, und die Frucht, die 
un - ser Sang, ju - belnd laßt das 



-•-- 



'—4 -^— T— d d -4— H- 












I T ' u' I I 

Zau-ber-schwin-gen mah-nend heut' zum 
sich er-3clilos-sen, seg - ne - te des 
Lied er - tö - nen: Heil dem Kai- ser I 

I 



I I 




*-- J 4 



T s~C — ^— • — -M-'«-i 



I I 11 f P I 

Liclit em-por, stei - geu wie auf Zau-ber-schwin-gen 
Her - ren Hand, und die Frucht, die sich er-schlos-sen, 
Preis und Dank. Ju - belnd laßt das 



b reiter trerdend 
~ß ß—~ß ß-^ 

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mah-nend heut' zum 
te des 



seff - ne 



Lied er - tö - nen! 






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^ 



Zur Goscliichte des Papiers. 35 

Zur Geschichte des Papiers. 

Von Hofrat Professor Dr. Julius Wiesner. ^) 

§(Mit 6 Text-Illustrationen.) 
ie Erfiiulimg- des Papieres bildet eines der wichtigsten kulturgeschichtlichen 
Ereii::uisse. Bedeuteude Kulturhistoriker haben unsere heutige Epoche der 
Zivilisation auf die Erfindung des Schrcibpapieres zurückzuführen gesucht/^) 
während die landliiutige Meinung hierfür die Erfindung des Buchdruckes in 
Anspruch nimmt, Jüugsthin hat ein hervorragender Kulturhistoriker die An- 
schauung begründet, daß die Erfindung des Papieres in kulturhistorischer 



') Gerne folge ich der elirenvoUen Aufforderung, zur vorliegenden Jubiläumsschrift 
der Brünner k. k. Staatsoherrealschule einen kleinen Aufsatz beizuslouern: kann ich dadurch 
ja der genannten Anstalt, an weicher ich vier glückliche Lehrjahre (185Ü/Ö3— 1855/56) zu- 
brachte, meine Dankbarkeit öffentlich bezeugen. Ich habe es stets als eine für meine 
Entwicklung glückliche Fügung betrachtet, daß sich zwischen meine Gymnasial- und meine 
Hochschulstudien der Unterricht an der Oberrealschule einschob und ich so gewissermaßen 
an einer einheithehen Mittelschule, welche ich für die Mittelschule der Zukunft ansehe, eine 
nach allen Seiten hin anregende Vorbildung genoß. 

Die nachwachsende Generation kann sich heule wohl nicht mehr vorstellen, welche 
Begeisterung auf der eben gegründeten Schule Lehrer und Schüler beherrschte. Das Er- 
wachen der Geister in Österreich machte sich naturgemäß in der Neuschöpfung der Beal- 
schule stärker bemerkbar als in der gleichzeitigen Umgestaltung der Gymnasien. Mächtig 
zog es die frühzeitig für Naturwissenschaften begeisterten Jünglinge zur neuen Bildungs- 
stätte. Aber nicht nur in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, auch in Sprache 
und Geschichte wurden die jungen Geister an der Brünner Schule nachhaltig angeregt und 
mit tiefster Dankbarkeit gedenken wir unserer ausgezeichneten Lehrer Dr. A. Zawadzki 
(vorher Universitätsprofessor in Lemberg), des vaterländischen Dichters Hilarius Vogel, des 
Prof. Schnedar, welcher als Lehrer der darstellenden Geometrie uns allen unerreichbar 
erschien, u. a. 

Wenn es mir erlaubt ist, hier noch eine persönliche Bemerkung anzubringen, so 
möchte ich erwähnen, daß für meine späteren naturwissenschaftlichen Studien die an der 
Realschule gewonnenen Kenntnisse in der C h e m i e und in der darstellenden Geometrie 
mir von hohem Werte wurden und mir nach manchen Richtungen einen Vorsprung gegen- 
über jenen Studienkollegen, welche den normalen Bildungsgang durchmachten, gewährten. 
Meine Realschulstudien haben mich nicht gehindert, den höchsten Fragen der organischen 
Naturwissenschaften näherzutreten, wohl aber förderten sie eine — vielleicht angeborene — 
Neigung, das Auge für das praktische Leben offen zu halten und gaben mir starke Impulse, 
wissenschaftliche Methoden in den Dienst der Technik zu stellen. So entstanden meine 
Arbeiten über technische Mikroskopie und über technische Rohstofflehre 
des Pflanzenreiches, welche allerdings zunächst der Technik zugute kamen, die 
mich aber zur Lösung mancher Fragen der Archäologie, Paläographie und Kulturgeschichte 
befähigten. 

Es schien mir passend, für die Jubiläumsschrift ein Thema zu wählen, welches die 
Einflußnahme wissenschafilicher Methoden auf technische Fragen und die Rückwirkung 
technischer Studien auf das geisteswissenschaftliche Forschungsgebiet veranschaulicht und 
welches mir geeignet erscheint, die Wechselbeziehungen weit entfernter Wissenszweige in 
einem kleinen aber scharf ausgeprägten Bilde vorzuführen. 

*) A. V. Krem er, Kulturgeschichte des Orients II p. 308. 



86 Zur Geschichte des Papiers. 

Beziehung von fundamentalerer Bedeutung- ist als die des Buchdruckes, da 
letztere sich nur als eine notwendige Konsequenz der ersteren darstellt.') 

Die Geschichte der Papiererzeugung ist wegen dieser ihrer kultur- 
historischen Bedeutung seit langer Zeit einer eingeliciulen Erforschung für wert 
befunden worden und es haben sich zahlreiche Paläographen, Archäologen, 
Sprachforscher, insbesondere Orientalisten, dieser lohnenden Aufgabe unter- 
zogen. 

Diese historischen Forschungen lassen sich jahrhundertelang zurück- 
verfolgen. Aber allen diesen Untersuchungen haften, da sie ausschließlich mit 
den gewöhnlichen Hilfsmitteln des Geschichtsforschers unternommen wurden, 
manche Gebrechen an. Die Frage über das Materiale, aus welchem die 
Papiere erzeugt wurden, sind von den Historikern ganz dilettantisch und 
deshalb häufig unsicher, ja unrichtig beantwortet worden. 

Es sind kaum ein paar Jahrzehnte her, daß die Historiker das Be- 
dürfnis empfinden, die materielle Untersuchung des Papieres in berufenere 
Hände zu legen, nämlich Naturforschern anzuvertrauen, welche in der 
mikroskopischen Papier-, überhaupt Faseruntersuchung bewandert sind. Es ist 
das große Verdienst unseres berühmten vaterländischen Orientalisten, Hofrat 
Professor Karabaczek, d. z. Direktor der kaiserlichen Hofbibliothek, diese 
Forderung mit aller Bestimmtheit gestellt und ihre Erfüllung angebahnt zu 
haben. 

Daß ich auf diesem Gebiete die ersten Grundlinien ziehen konnte und 
zwar an der Hand eines kostbaren Untersuchungsmateriales, danke ich dem 
Umstände, daß ich mich in die mikroskopisch-technische Untersuchung mehr 
als irgend ein anderer Naturforscher vertiefte. Als das große Dokumenten- 
materiale von El Faijüm und Uschmünein in der zu hoher Berühmtheit 
gelangten Sammlung „Papyrus Erzherzog Eainer" vereinigt wurde, fiel mir 
auf dringendes Ersuchen des Herrn Hofrates Karabaczek die Aufgabe zu, 
die materielle Prüfung der Papiere dieses Schatzes durchzutühren. Die 
betreffenden Untersuchungen sind längst (1887) veröftentlicht worden. Aber 
auch die in jüngster Zeit in Ost-Turkestan gehobenen antiquarischen Schätze, 
welche bekanntlich zum Teile in englischem, zum Teile in russischem 
Besitze sich befinden, wurden meiner Prüfung anvertraut, nämlich jene Manu- 
skripte und alten Drucke, welche Eigentum der britischen Regierung sind 
und dem in Fachkreisen hochangeschenen Orientalisten Professor R. Hoernle 
in ( Jxford zur wissenschaftliclien Untersuchung vorliegen. Die in verschütteten 
und nunmehr aufgeschlossenen Städten Ost-Turkestans gefundenen Dokumente 
sind auf den ältesten Papieren geschrieben, die man überhaupt kennt. 

Ich will auf den folgenden Blättern versuchen, eine gedrängte Darstellung 
meiner Studienergebnisse über die Materialien zu geben, welche in älterer 



*) Stew. Houst. Chamberlain, Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts. 

München 1899. Bd. I, p. 816, sagt der Verfasser: „ Denn der Buchdruck entsteht als 

Vorwendung des Papiers. Sobald das Papier d.i ist, fangen an hund rt Orten (in den 
Niederlanden, in Deutschland etc.) die findigen Germanen an, nach einer praktischen Lösung 
des allen Problems, wie man Bücher mechanisch drucken köime, zu fahnden." 



Zur Geschichte des Papiers. 



87 



Zeit; zuerst im Oriente und später in Europa^ in der Papiererzeugimg Ver- 
wertung- gefunden haben. 

Die im Altertum benützten Resehrcibstoffe : Tierhäute, Pergamente, 
Holztateln (darunter die bekannten Wachstafeln zu vorübergehendem Ge- 
brauehe), Bleitafeln u. s. w. genügten schließlich nicht mehr dem sich steig;ernden 
Bedürfnisse. Sie waren zu kostspielig und vor allem zu schwer und zu voluminös. 
Die Fortschritte im Verkehre und insbesondere die gesteigerte literarische 
Betätigung erforderte einen nach jeder Richtung hin ökonomischeren Beschreib- 
stoft". Derselbe sollte möglichst dünn, leicht beschreibbar und billig sein. 
Das Blatt der Pflanzen, namentlich das große glatte Blatt vieler Mono- 
cotylen gab hierzu das Vorbild. Dem ältesten aller echten Papiere, nämlich 
dem gefilzten Papiere, ging das Blatt des Bambusrohres (Bambusa 
anmdinacca und andere Spezies von Bamhusa) voran. Auf dem getrockneten 
und geglätteten Bambushlatte 
wurden von den Chinesen in 
früheren Perioden, bevor sie noch 
das Papier erfanden, die Schrift- 
zeichen mit glühenden Nadeln 



eingeritzt. In Indien hat sich das 
Blatt verschiedener Palmen als 
Beschreibstoft' bis auf den heu- 
tigen Tag erhalten. Nach den 
eingehenden Untersuchungen 
H e r n 1 e's reichen Palmblatt- 
manuskripte bis zum J. 450 n Ch. 
Bis zur Mitte des 





Fig. 1. Lupenbild des 

Reliefs der Unterseite des 

Blattes der Palmyrapalme 

(' orassus flabelliformis). 

Der Pfeil gibt die Rieh 

tung des Hauptnervs des zurück ^ 1 

sechzehnten Jahrhunderts diente 



Fig. 2. Lupenbild des 
Reliefs der Unterseite 
eines Blattstückes der 
Talipotpalme {Corypha 
umbraculifera). Der Pfeil 
gibt die Richtung des 
Hauptnervs an. 



in Indien fast ausschließlich das Blatt der Talipotpalme (Corypha umbraculifera), 
später kam (insbesondere in Bengalen) noch das Blatt der Palmyrapalme (Borassus 
ßdbeUiformis) dazu. Durch die fortschreitende Kultur wird das Palmblatt 
durch Papier immer mehr und mehr verdrängt. Aber das Corypha-Blatt ist 
in Indien noch lange nicht außer Gebrauch gekommen. Ich brachte im 
Jahre 181»4 aus Kandy (Ceylon) auf Blattstreifen der Talipotpalme geschriebene 
Manuskripte mit, welche dort auf den Straßen verkauft werden. Es sind dies 
moderne Imitationen alter singhalischer Handschriften. Das Palmblatt ist aber 
in Indien noch in praktischem Gebrauch. Auf Palmblättern geschriebene 
Briefe werden in Britisch-Indien von den Postämtern angenommen und in 
den Elementarschulen für Eingeborene wird, namentlich fern von den großen 
Städten, wo der Gebrauch des Papiers allgemein geworden ist, auf Streifen 
der Palmblättcr geschrieben. 

Für die archäologische Forschung ist es zur Feststellung der Provenienz 
einer Handschrift oft von Wichtigkeit zu entscheiden, ob ein Manuskript 



1) Hoernle, An Epigraphical Note on Palm-leaf, Paper and Birch-bark. Asiatic 
Society of Bengal, Journ. Vol. 69 I Nr. 2 (1900). 



Zur Geschichte des Papiers. 



auf dem Blatte der Talipot- oder der Palmyrapalme geschrieben ist. Prof. 
Hoernle hat schon darauf aufmerksam gemacht, daß das Relief der Blätter 
dieser beiden Palmen verschieden ist, wie die Fig. 1 und 2 lehren.') Für 
den Schulgebrauch wird das in Streifen zerschnittene Blatt einfach gepreßt 
und getrocknet. Um als Beschreibstotf für Manuskripte zu dienen, werden 
aber die Streifen des Palmblattes in Wasser oder Milch gekocht, gepreßt 
und geglättet, wodurch das natürliche Relief des Blattes mehr oder weniger 
verwischt wird. Nun hat die mikroskopische Untersuchung einzusetzen, um 
die Unterscheidung zu ermöglichen. Schon die an den Manuskripten stets 
wohlerhaltene Oberhaut ermöglicht die Unterscheidung und zwar mit voller 
Sicherheit, wie die Fig. 3 und 4 zeigen. 

0- Die im 

Aitertume in 
China und 
überhaupt in 
Ostasien zur 
Papierberei- 
tung verwen- 
deten Roh- 
materialien 
sind noch 
lange nicht 

festgestellt,^) pj^ ^ ^^^^ ^^^^^^ Vergrößerung. 

aber über je- Oberhaut vom Blatte der Tali- 

den Zweifel polpalme. o Oberhautzelleu, 

erhaben ist die « Spaltöffnungen mit Neben- 

Tatsache, daß ^«"^" ''• 

die Chinesen die Erfinder des Pap;ers 

aupgebildete Tricbome, s Spaltöffnungen mit im engeren Wortsinne, uämlich des g e- 

zwei Paaren von Nebenzellen. K derb- filzten Papiers sind, dessen wir uns 

wandige Oberhautzellen mit Kieselein- heute bedienen. Zweifellos waren c.. 

sc 1 üssen. verschiedenartige Pflanzenfasern (von 

Böhmeria tenacissima, Broussonetia papyrifera u. a. Gewächsen), welche in 

China zur Papiererzeugung benützt wurden. 

Ich komme auf diese alten chinesischen Papiere weiter unten noch 
zurück. Hier möchte ich nur der hochinteressanten Tatsache Erwähnung tun, 
daß in Kaschmir bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts die feine Außen- 
rinde (Feriderm) einer Birke {Bctula Bhojpattra Wall.) zur Papierl)ereitung 
diente. Unter den oben genannten ostturkestauischen Dokumentenfunden 
nehmen die nach ihrem Entdecker genannten „Bower-Manuskripte" (aus dem 





Fig. 3. 20() malige Vergrößerung. Oberhaut 
des Blattes der Palmyrapalme. T als Drüsen 



•) Alle diesem Aufsalze beigegebenen Abbilduugen sind dem zweiton Bande meines 
eben erscheinenden Werkes: .Die Rohstoffe des Pflanzenreiches," 2. Aufl., Leipzig, Engel- 
mann (I!i02) enhiommen. 

») Über diese s. Wiesner, Rohstoffe, Bd. II. p. \m ff. 



Zur Geschichte des Papiers, 



89 



fünften Jahrhunderte u. Z.) einen hohen Rang- ein. Auf diesen wichtigen 
Manuskripten, welche von Prof. lloernle bereits verr)ifeutlicht wurden, 
erscheinen verschiedene Schriftarten, vorzugsweise aber die (Jarada- Schrift. 
Die feine Außenrinde wurde in großen Stücken vom Stamme abgelöst und 
kunstvoll zu großen Folioblättern (durch ein bis jetzt noch nicht bekanntes 
Klebmittcl) vereinigt. Durch ein einfaches anatomisches Kennzeichen sind diese 
„Bhürja-Manuskripte" leicht und sicher zu erkennen. Es sind dies die großen 
quergestrcckteu Lenticellen, welche für die Rinde aller IJirken-Arten, auch der 
bei uns einheimischen, so außerordciitlidi chnraktcristisch sind (Fig. ,5). 

Der bekann- 
teste aller Be- 
schreibstoffe der 
alten Culturvölker 
ist der Papyrus. 
Derselbe wurde 
aus den Schäften 

einer Sumpf- 
pflanze, des Cij- 
pcnis Vapyrus, in 
der Weise bereitet, 
daß man die Schäf- 
te von der Rinde 
(der Oberhaut und 
der anliegenden 
Gewebe) befreite 
und das markartige 
Gewebe der Länge 
nach in dünne 
Stücke zerschnitt. 
Diese wurden 

durch eine kleben- 
de Masse mitein- 
ander zu irroßen 




Fig h. Naliirliclip Größe Fi uiinncnt eines auf Riikenrinde (Periderm) 

in riiradu-flliaraklcren gesell liebenen Bliiirja-(Birkon-)Manuskni)ls 

(Kasclirnir XVI. Jalirli). 1 1 Lentieellen des Periderms. 



flächenartigen Massen vereinigt und durch Pressen, Glätten und Trocknen in 
den Beschreibstoff umgewandelt. Beschrieben, wurde der Papyrus gerollt. 
Die ältesten Papyrusrollen weisen ein Alter von etwa 400f) Jahren auf. Die 
Ausbreitung des arabischen (getilzten) Papiers (ca. 800 n. Ch.) schränkte die 
Papynisfabrikate ein. Die lierühmtc ägyptische Papyruserzeugung fand in 
der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts ihr Ende. Die letzte, im Ver- 
gleiche zur ägyptischen weitaus geringere sizilianische Papyrusiabrikation 
erlosch im dreizehnten Jahrhundert. 

Papyrus ist in der Regel schon leicht mit freiem Auge zu erkennen, 
doch bleiben im manchen Fällen noch Zweifel, weshalb schärfere Kriterien 
erwünscht sind. Was man lange für einen besonderen antiken Beschreib- 
stoff hielt, die sogenannte charta cor/icea („Baumbastpapier"), hat die mikro- 



90 



Zur Geschichte des Papiers. 



skopische Untersuchung als Papyrus nachgewiesen.^) Schon die ersten genauen 
mikroskopischen Untersuchungen des Papyrus^) zeigten, daß derselbe sieh 
mit voller Sicherheit auf Grund histologischer Kennzeichen erkennen lasse 
Nach dem Aufkochen im Wasser, wodurch die miteinander verklebten Blätter 
sich trennen, erblickt man unter dem Mikroskope die fest und eigenartig unter 
sich verbundenen Parenchyrazellen des dem Papyrus-Schafte angehörigen von 
weiten Luftkanälen durchzogenen Grundgewebes, in welchem die langen, 
dünnen Stränge der Gefäßbündel liegen (Fig. 6). 

Es kann 
hier aus Mangel 
an Raum auf die 
sehr charakteri- 
stischen Details 
dieser Gewebe 
nicht eingegan- 
gen werden und 
ich muß mich 

darauf be- 
schränken, zu 
betonen, daß 
die aus diesen 
histologischen 
Eigenschaften 
abgeleiteten 
Kennzeichen 
des Papyrus, 
richtig erhoben, 
keinen Zweifel 
über die Natur 
des Beschreib- 
stoflfes zulassen. 

Der Papyrus wurde als Beschreibstoflf durch das echte, nämlich das 
gefilzte Papier verdrängt. 

Die alte paläographische bis in die neueste Zeit als unumstößlich richtig 
gehaltene, insbesondere durch den berühmten Berliner Historiker Watten- 
bach vertretene Lehre lautete folgendermaßen: Das (gefilzte) Papier ist eine 
chinesische Erfindung. Die Chinesen bereiteten ihr Papier aus rohen Pflanzen- 
fasern. Zur Zeit der Eroberung von Samarkand (704 A. D.) wurden die 
Araber mit der chinesischen Papiererzeugungsmethode bekannt. Das arabische 
Papier bildete den Ausgangspunkt der europäischen Papiererzeuguug. An- 
fänglich wurde in den Ländern des Islam und in Europa Papier aus roher 




G 

Fijr. 6. 



100 fache Vergrößerung. 



Längsschnitt durch "das Mark von 



Cyperm Papyrus. P P Parenchym, i Intercellularräume, G Gefäß- 
bündel. Zugleich mikrosliopisches Bild von Papyrus. 



Wiesner, Studien über angebliche Baumbastpapiere. Sitzungsberichte der kaiser). 
Akademie der Wissenschaften in Wien, phil. bist. Kl., Bd. 76 (1892). 
•^) Wiesner, techn. Mikroskopie, Wien (1867) p. 237. 



Zur Geschichte des Papiers. 91 

Baumwolle erzeugt. Später (im XIV. Jahrhundert oder ein oder zwei 
Jahrliiinderte früher) wurde in Europa das iu kultureller Beziehung so wichtig 
gewordene Hadernpapier erfunden. Es ist aber zweifelhaft, ob die Deutschen 
(llolbein) oder eine andere euroi)iiisehe Kulturnation als Erfinder anzusehen 
sind. Dem Hadernpapier ist auch in Europa ein Baumwollenpapier voran- 
gegangen. 

Die historischen üntersmhungen Karabaczeks haben festgestellt, 
daß die islamitische Papierfabrikation nicht mit dem Jahre 704, sondern erst 
mit dem Jahre Tai anhebt, in welcher Zeit chinesische Kriegsgefangene die 
Araber mit ihrer Kunst, Papier zu bereiten, bekannt machten. 

Durch eingehende mikroskopische Untersuchungen genau datierten 
Papiers aus der Sammlung „Papyrus Erzherzog Rainer" und alter Papiere 
aus den bedeutendsten europäischen Archiven ist es mir gelungen, folgendes 
zu konstatieren: 

1) Daß ein aus roher Baumwolle erzeugtes Papier (charta homhycina 
der Paläographen) dem Hadernpapier vorangegangen sei, ist unrichtig. 

2) Die Papierbereitung aus Hadern läßt sich nunmehr bis zu den Arabern 
zurückverfolgen, welche schon am Ende des achten Jahrhunderts Papiere 
aus Leinenhadern erzeugten. 

3) Die alten arabischen Papiere sind mit Stärkekleister geleimt, welche 
Leimungsart auch in der ersten Periode der europäischen Papiererzeugung 
üblich war. Diese Kunst ist aber wieder verloren gegangen und es wurde in 
Europa bis zur Einführung der Maschinenpapierfabrikation mit tierischem 
Leim geleimt. Daher denn auch der Name „Leimung" des Papiers.^ 

Karabaczek hat in den arabischen Quellen die historische Bestätigung 
aller dieser meiner auf naturwissenschaftlichem Wege ermittelten Tatsachen 
gefunden und legte diese Nachweise in seiner bedeutungsvollen Monographie: 
„Das arabische Papier" -) nieder. 

Meine Untersuchungen über die ira Besitze der englischen Regierung 
befindlichen alten ostturkcstanischen Papiere sind zur Zeit der Niederschrift 
dieser kleinen Abhandlung (März 1902) noch nicht zum vollen Abschluß 
gelangt, werden aber w^olil noch im Laufe dieses Jahres in den Denkschriften 
der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zum Abdrucke gelangen. 

Ich kann aber jetzt schon auf Grund meiner Studien sagen, daß die 
ersten Anfänge der Hadernpapiererzeugung in China zu suchen sind, daß 
schon die Chinesen die verschiedenartigsten Versuche machten, um das 
Papier durch „Leimung" beschreibbar zu machen und zu diesem Zwecke 
eine Zeit hindurch Flechten und später selbst schon Stärke (Reisstärke) 
benutzten. 



') Wiesner, Die Faijümer und Uschmüneiner Papiere. Im IL und III. Bande der 
.Milleiiungen aus der Sammlung Papyrus Erzherzog Rainer." Wien (1887). Auch unter dem 
Titel: ,Die mikroskopische Untersucliung des Papieres mit besonderer Berücksichtigung der 
ältesten orientalischen und europäischen Papiere.'' Wien 1887. Hof- und iSlaatsdi uckerei. 

'^) J. Karabaczek, Das arabische Papier. Eine historisch-antiquarische Untersuchung. 
Aus dem IL und 111 Bd. der .Mitteilungen der Sammlung Papyrus Erzherzog Riiner." 1887. 



92 Zur Geschichte des Papiers. 

Wenn die Datierungen der alten von mir untersuchten chinesischen 
Papiere absolut richtig sind, so kann die chinesische Hadernpapiererzeugung 
nicht auf die Araber zurückgcfnhrt werden und wäre somit die Erzeugung 
des Hadernpapiers, welche man so lauge für eine europäische Erfindung 
hielt, wenigstens was die ersten noch unvollkommenen Lumpenpapiere anlangt, 
auf die Chinesen zurückzuführen. In diesem Falle könnten die Araber nicht 
als die Erfinder des Hadernpapiers angesehen werden; immerhin wären sie 
aber als diejenigen zu bezeichnen, welche dieses Papier zu jenem Grade der 
Vollkommenheit brachten, in welchem es die Europäer übernahmen. 







Kunstgescliichtliche Bilder au? Mähren. 93 

Kunstgeschichtliche Bilder aus IWähren. 

Von Hofrat Professor August Prokop. 

I. K i r c h e u b a 11. *) 

&jr7)\islaug bat es au einer kimstgeschicbtlicben Arbeit über Mähreu gänzlicb 
^f^^-' gefehlt ; mit Recht nenut daher Pater L e h n e r in seiner kunstgeschicbt- 
lichen Zeitschrift „Methiid" ^Mähren eine „terra ignota" und auch dem 
bekannten Kunstforscher Lübke war Mähreu so gut wie unbekannt, denn 
was er darüber in seinem Werke geschrieben hat, war nur bhitwenig und 
zudem aucli noch unrichtig; er spricht z. B. vom Brünner Rathause als 
einem spätgotischen Baue; er erwähnt (1578) einer schönen Treppe und 
eines sehenswerten Saales daselbst; er führt an, daß das Olmützer Rathaus 
spätgotische und Renaissanceformen, beide nebeneinander, virtuos behandelt 
aufweise; er erzählt, daß die Rathäuser zu Brunn und Olmütz und das zu 
Iglau in ihren Gewerkenstuben bemerkenswerte Schnitz- und Tafelwerke 
hätten, und nichts davon ist richtig, ja größtenteils gar nicht vorhanden. Nur 
über wenige Bauten, wie z. B. über die Kirchen in Trebitsch und Tischnowitz, 
über Burg Pernstein u. s. w., worüber entsprechende Abhandlungen in den 
Mitteilungen der Zentralkommission, in der „Wiener Bauhütte" u. s. w. 
erschienen waren, konnte er entsprechendes sagen. 

Vor kurzem erst erhob die „Deutsche Zeitung" den Vorwurf gegen 
Deutschland, daß der berühmte Wiener Architekt Johann Lukas v. Ililde- 
brand, der Schöpfer des Wiener Belvederes, eines Barockbaues, wie ihn 
das „gesamte Deutsche Reich nicht aufzuweisen habe", weder für Brockhaus, 
noch für Meyer, ja sogar auch nicht einmal für die „Allgemeine deutsche 
Biographie," existiere. Ich glaube aber, daß dieser Vorwurf noch weit mehr 
uns selbst trifft, weil die österreichische Kunstforschung selbst noch weit, 
sehr weit mit ihren eigenen Arbeiten zurückgeblieben ist und daher selbst 
viel nachzuholen hat; sind doch selbst die Biographien der berühmtesten 
österreichischen Künstler noch sehr lückenhaft; Österreich, einige rühmliche 
Ausnahmen (B. Grueber, Dr. Bodeustein, Eitelberger, Heider, Dr. 
Ilg, Dr. Neuwnrth, Nowak u. s. w.) abgerechnet, ist kunstgeschichtlich 
verhältnismäßig noch sehr wenig systematisch bearbeitet worden. 

Ich als Mährer habe mir nun die Aufgabe gestellt, dieses Land und 
beine Kunstschätze zu studieren, und dies war nach obigem wahrlich keine 
kleine Arbeit, da ich alles Materiale erst allerorten mühsam suchen, zusammen- 
tragen und studieren mußte; das Resultat einer fast 25jährigen Arbeit soll 



*) Vorliegende Abhandlung, die meinem unter Vorluhruiig von K).") Liclilbildern 
gehaltenen Vortrag im österr. Ingenieur- und Architektenverein am 520. Oktober und 
7. Dezember lÜOl entnommen ist, bildet gleichsam einen Auszug meiner Arbeit, die unter 
dem Titel: „Die Markgrafschaft Mähien in kunstgeschichtlicher Beziehung" bereits im 
Drucke ist und 1903 erscheinen soll. 



94 Kunstgeschichtliche Bilder aus Mähren. 

Dunmehr iu vier starken Bänden mit weit über 1000 Illustrationen baldigst 
erscheinen. 

Wenn ich daran gehe, die kunstgeschichtliche Entwicklung Mährens, 
resp. seiner Baukunst vom Beginne der romanischen Kunst bis zum XIX. Jahr- 
hundert auszugsweise vorzuführen, so kann dies bei der Menge des Materiales 
nur schlagwortartig und nur in gedrängtester Kürze geschehen. 

Um die Entwicklung der Kunst in Mähreu begreifen und verstehen zu 
können, erscheint es notwendig, die jeweiligen Beziehungen Mährens zu den 
umliegenden Ländern und besonders zu jenen, an welche es zeitweilig ange- 
gliedert war, also immer auch, wenigstens in aller Kürze, seine Geschichte 
und seine politische Entwicklung ins Auge zu fassen. 

Im Laufe der Jahrtausende wurde Mähren bekanntlich von vielen Völker- 
stämmeu durchzogen, war es ja auf der von Osten nach Westen sich hin- 
ziehenden Völkerwanderungs- und auch an der von Norden nach Süden 
führenden Bernsteinstraße gelegen. Gallische und germanische Völkerstämme, 
keltische Bojer, Quaden, Markomannen hatten sich zeitweilig niedergelassen, 
bis nach dem Untergange des Hunnenreiches slavische Stämme zwischen der 
Ostsee und dem Schwarzen Meere sich einlagerten; nach Mähren waren im 
V. Jahrhundert Morawanen gekommen. 

Wie alle Slaven, so hatten auch die Morawanen eine streng patriar- 
chalische Verfassung ; sie lebten nach einzelnen Familien zerteilt und gesondert 
im Lande, wobei die gesamte jeweilige Sippschaft unter dem ältesten Familien- 
oberhaupte stand; die sämtlichen Geschlechtsgenossen eines ganzen Gaues 
(einer Zupe) standen wieder unter dem ältesten Stammesgenossen, Zupan 
genannt, der als Herr und Richter des Gaues bei Rechtsprechungen, Streitig- 
keiten u. 8. w. entschied. Sein Sitz, seine Burg, die Zupenburg, war der 
Sammelplatz in Krieg und Frieden, bei allen Versammlungen, an Markttagen, 
bei Festlichkeiten u. s. w. 

Unter den Mojmiriden (796—907) finden wir an der March und Donau 
ein groümährisches Reich, bestehend aus Mähren und ganz Nordungarn; im 
Osten hievon herrschte P i v i n (f 860) mit der Hauptstadt Neutra, der später 
am Ausflusse der Sala in den Plattensee einen neuen Wohnsitz Mosapuro 
(Moosburg) sich erbaute. Unter dem Fürsten S w a t o p 1 u k (f 894) entstand 
dann später zum zweitenmal ein großes mährisches Reich, nun aus Böhmen, 
Mähren, dem Fürstentume Neutra, dem Weichsel- und Oderlande und aus 
dem ganzen Striche bis zur Donau herab sich zusammensetzend; dieses 
wurde von den Ungarn 907 zerstört, alle Kirchen in Mähren wurden ver- 
nichtet, das Land aber von den Ungarn immenvährend verwüstet, teilweise 
auch besetzt gehalten, so daß sogar der Name Mähren durch ein Jahrhundert 
lang in der Geschichte gänzlich verloren gegangen war, während in Böhmen 
die Slaven wieder unter den alten Fürsten sich allmählich ansammelten. In 
den Jahren 1026 und 1028 säuberte nun Brzetislaw, der Sohn des 
böhmischen Herzogs U dal rieh, den nördlichen Teil Mährens von den Polen, 
entriß den südlichen den Ungarn und nahm nunmehr als selbständiger Herzog 
vom Lande Alährcn Besitz. Bis dahin konnten Wohngebäude und Kirchen 



Kiuislgeschichtliche Bilder aus Mähren. 95 

wohl nur hölzerne Bauten, die Sehutzbauten nur Erd- und Steiuwälle 
gewesen sein. 

Da der 1. Teil der Besprechung den kirchlichen Bauten gewidmet sein 
soll, möge auch kurz auf die Christianisierung Mährens hingewiesen werden. 

Schon 396 stand Fritigil, die Herzogin der Markomannen, mit dem 
heiligen Augustin in Mailand wegen Zusendung eines Katechismus in Ver- 
bindung; im Jahre 796 soll Mojmir das Christentum angenommen und 
818 Bischof Riedhar in Regensburg mehrere angesehene Männer Mährens 
getauft haben; 829 gehörte Mähren bereits zur Passauer, Pannonien dagegen 
zur ^alzburger Diözese, welch letztere 848 am Plattensee schon große 
Besitzungen hatte; im gleichen Jahre sandte der Salzburger Bischof Liutpr am 
dem Fürsten Privin nach Moosburg Maurer, Zimmerleute, Schmiede und 
Maler, um dort die Adriankirche zu bauen; Liutpr am soll überhaupt in 
Pivins Lande 3ü Kirchen geweiht haben. Diese großen Erfolge Deutschlands 
erregten die Eifersucht des griechischen Kaisers Michael IIL, welcher daher 
863 an den Hof des mährischen Fürsten Ras tislaw zwei aus Thessalonichi 
stammende geistliche Fürsteusöhne, Cyrill und Methud sandte, die auch als 
Landesapostel verehrt werden ; seit 868 war Methud Erzbischof von Pannonien 
und schlug zuerst in Moosburg, dann in Welehrad seinen Sitz auf. Im 
Jahre 863 soll von ihnen die Kirche in Olmütz, 884 jene zu Brunn gebaut 
worden sein, auch errichteten sie an all jenen Stellen, wo sie mit dem vom 
Schwarzen Meere mitgeführten Leichnam des heiligen Papstes Clemens 
rasteten, diesem zu Ehren Kapellen. 

Nach diesen Cyrill'schen Bauten und vor allem nach den Resten der 
Hauptkirche in Welehrad fahndete man nun lange Zeit und wollte man bald 
hier, bald dort Spuren dieser Bauten entdeckt haben. Steinbauten waren dies 
wohl kaum, gab es solche ja damals auch in Deutschland nicht; die germanischen 
Völker kannten überhaupt — von Haus aus — nur den Holzbau und erlernten 
den Steinbau erst durcli die Römer; selbst Karl der Große ließ für seine 
Bauten Bauleute und Materiale aus Italien bringen, denn der Holzbau herrschte 
bis Mitte des XI. Jahrhunderts allgemein vor. Wohl wurden in der Zeit 
Karls des Großen auch schon in den Klöstern Bauschulen errichtet und 
doch war es in der ersten Hälfte des X. Jahrhunderts den Hersfelder Mönchen 
noch sehr schwer, und zwar gelang es ihnen erst nach manchem Einstürze, 
ihre Kirche in Stein zu errichten. Die großen Dome Deutschlands zu Bamberg, 
Mainz, Augslnirg, Speier etc. wurden erst Ende des X., anfangs des XL 
Jahrhunderts gegründet; das Kloster Nonnberg in Salzburg, im XL Jahr- 
hundert errichtet, war schon ein Steinbau. Im allgemeinen waren also im 
X. Jahrhundert die Bauten der Klöster und lUirgen sowie auch Teile der 
Befestigungen noch aus Holz; so hatte im Jahre 1000 Straßburg nur eine 
Holzkirchc, der Dom zu Würzburg wurde 1186 noch aus Holz hergestellt, 
und in Bremen gab es sogar noch 1253 hölzerne Kirchen. In holzreichen 
Gegenden, wie Skandinavien, Nordböhmen, Nordmähren, Schlesien u. s. w., 
wurden Kirchen und Wohngebäude selbst bis in das späte Mittelalter, ja an 
nicht wenig Orten selbst die ganze Renaissancezeit hindurch bis ins XVIII. 



96 Kunstgescliichtliche Bilder aus Mähren. 

Jahrhimdert uoeli immer aus Holz erbaut. Der von Italien ausgehende Back- 
steiubau kam Ende des Xll. Jahrhunderts über die Alpen, Polen kannte den 
Ziegelbau schon Ende des XIII. Jahrhunderts, in Böhmen ist der von der 
Köuigswitwe Elisabeth 1302 begonnene Bau der heiligen Geistkirche in 
Königgrätz der erste Backsteinbau gewesen, in Mähren das von derselben 
Königin 1323 gegründete Königskloster in Altbrünn.*) 

Sicher war, wenn wir wieder auf eine frühere Zeit zurückgehen, die 
mit Erlaubnis des Regensburger Bischofs Tuto von Wenzel I. dem Heiligen 
zu Prag 939 errichtete Veitskirchc — nach dem Zeugnisse des Chronisten 
Cosmas — schon ein in Stein hergestellter Rundbau, der im Innern „mit 
Gold und Edclgestein reich verziert" war; im Jahre 973 war in Prag bereits 
ein Bistum errichtet; Böhmen und Mähren standen daher wenigstens in 
damaliger Zeit Deutschland kulturell nicht nach. 

Wie schon erwähnt, hatte Herzog Brzetislaw, dessen Gattin eine 
Deutsche, Judith von Schweinfurt, war, 1029 die Ungarn aus Mähren 
vertrieben und, Avährend sein Vater U dal rieh auf dem böhmischen Throne 
saß, sich zum selbständigen Herzoge von Mähren gemacht; nach seinem 
Vater wurde er auch Herzog von Böhmen, führte bei seinem Hause die 
unselige, später viele Thronstreitigkeiten, Unruhen und blutige Kämpfe mit 
sich bringende Senioratscrbfolge ein und teilte Mähren für seine Söhne in 
drei Fürstentümer: Olniütz, Brunn und Zuaim, zu welchen in späterer Zeit 
noch die Fürstentümer Lundenburg und Jamnitz kamen. Als er dann (1055) 
starb, folgte ihm der älteste Sohn Spitihnew auf dem böhmischen Thron, 
der Zweitälteste, Wratislaw, nahm Olmütz, der dritte, Otto, Brunn und 
der jüngste, Konrad, Znaim in Besitz; nach dem Tode Spitihnews folgte 
ihm dann wieder, dem Seniorate nach, Wratislaw in Böhmen, Otto wurde 
nun Herzog von Olmütz und Konrad von Brunn, behielt aber auch Znaim. 
Spitihnew baute nun in Prag 1060 die alte, (wie wir gehört) in Rundfo^m 
bestandene Veitskirche um, u. zw. begann er sie als doppelchörige Basilika, 
die sein ihm mittlerweile auf dem böhmischen Herzogsthron gefolgter Bruder 
Wladislaw 1067 vollendete; um 1100 erhielt die abgebrannte Veitskirche 
eine kassetierte Decke, den Himmel mit seinen Sternen imitierend; Wratislaw 
selbst baute Avicder die noch erhaltene Kirche auf dem Wyschehrad, welche 
1129 die Wände bemalt erhielt, den Fußl)oden mit polierten Steinen, die 
Seitenschiffe mit gefelderter Decke und an der Westseite sogar schon einen 
Portikus hatte. Des dritten Bruders, Ottos, des Herzogs von Olmütz, Sohn 
und Nachfolger, Swatopluk mit Namen, gründete — wir kommen endlich 
auf Mähren zu sprechen — die neue Domkirche zu Olmütz, die 1109—1131 
gebaut wurde, und endlich der vierte Bruder, Herzog Konrad von Brünn- 
Znaim, hat die Basilika „St. Peter und Paul auf dem Berge", die heutige 
Domkirche, um 1080 in Brunn umgebaut, über welche ich schon früher einmal 
gesprochen.**) 



*) Die Wyschehrader Kirche soll das Dach bereits 1 129 mit Ziegeln gedeckt gehabt haben. 
**) Vortrag im ü. I. u. A. V. vom 20. April 1901. 



I 



Kunsfgescliichtliche Bilder aus Mäliren. 97 

Wir sehen also, daß bei den engen Rezielumgen zwischen Deutschland 
und BlHniien-Mährcn einerseits und wieder zwischen Böhnieu und Mähren 
andererseits vielfache lierUhrungspunkte Platz gritlen und daher Vergleiche 
möglich, aber auch notwendig werden ; die Herzoge von BiUimen und Mähren 
kannten durch ihre mannigfachen Verwandtschaften mit deutschen Höfen 
(^waien doch vielfach ihre Frauen deutsche Prinzessinen) nicht nur das Bau- 
wesen dieser Länder genau, sondern sie lernten auch durch eigene Anschauung 
die Bauten Italiens und auch anderer Länder kennen; so beteiligten sich 
z. B. schon an dem ersten Kreuzznge, der zum Teile auch Böhmen und 
Mähren berührte, böhmische und mährische Edle und 1123 war u. a. Heinrich 
Zdik, später Bischof von Olniütz, gleichfalls in Palästina;*) andere böhmische 
und mährische Fürsten zogen wieder mit ihren Mannen an der Seite deutscher 
Kaiser nach Italien u. s. w, 

Mähren hat nun aus dieser früheren Zeit, aus dem Jahre 1111, einen 
Rundbau, wie ein solcher die älteste Veitskirche in Prag war, aufzuweisen; 
es ist dies der sogenannte Heidentempel, die ehemalige Burgkapellc 
des Herzogssitzes von Znaim, von Herzog Luitpold erbaut, dem Sohne 
obigen Konrads und Schwagers Leopold des Heiligen von Babeuberg; 
dieser kleine Bau enthält zugleich einen kostbaren Schatz, nämlich noch die 
uralte, interessante Malerei dieser ehemaligen Burgkapelle; interessant, weil 
sie noch an alte byzaulinische, allgemein üblich gewordene Typen (so die 
sechs-geflügelten Seraphinen) sich anlehnt, aber auch geschichtlich interessant, 
weil sie in drei üijer einander angeordneten Reihen die ganze Rcgcnten- 
famiUe der Przemysliden, von Przemysl angefangen bis Brzetislaw IL 
(t lloO), und rechts und links am Triumphbogen die Donatoren, Herzog 
Luitpold und seine Gemahlin Itha, zeigt.**) Merkwürdig waren auch die 
Schicksale dieses Baues, der später alz Schweinestall, Holzlager, Waschküche, 
Tanzsaal u. s. w. benützt Avurde. 

Dieselbe Form und die gleiche Größe solcher Rundbauten hatten in 
Böhmen und Mähren selbst auch Pfarrkirchen, später erst kam der Lang- 
hausbau und noch später die dreischiftige Basilika auf, welch letztere Grund- 
form auch der älteste Bau der Olmützer Domkirche St. Wenzel und gleich- 
falls der älteste romanische Bau der Brünner Peterskirche hatten, wie dies 
die Nachgrabungen erwiesen. Noch älter aber als diese beiden Kirchen, da 
die Stiftung schon 1078 stattgefunden hatte, war die Klosterkirche zu Raigern, 
welches Kloster noch von Brzetislaw, dem ersten Herzoge Mährens, 
gegründet worden war; Ende des XVIII. Jahrhunderts aber wurde Raigern 
(Kloster und Kirche) vollständig umgebaut; ich fand nun in der berühmten 
Bibliothek des Klosters zwei Grundrisse, welche anläßlich dieses vorzu- 
nehmenden Umbaues hergestellt wurden, also noch vor Demolierung des 
alten Baues herrühren und uns, trotz ihrer Ungenauigkeit, ein ziemlich 



*) Das Olmützer Biitum wurde lOGH errichtet. 
**) Mitteilungen des Mährischen Gewerbemuseums lb!)l, S. 105. „Ein historischer 
Kunstschatz unserer Heimat." Aug. Prokop. 

7 



98 Kunstgeschirhtliehe Bilder aus Mähren. 

deutliches Bild der drcischiffigeu Kirchen jener Zeit geben. Die allmähliche, 
weitere Entwicklung des romanischen Kirchengrundrisses in Mähren zeigen 
uns weiter die Welchrader Klosterkirche (litOli) und die ursprün<;-liche An- 
lage der Trebitscher Kirche, bei welcher aber 1214 ein Umbau stattgefunden 
hatte; auch den GrundrilJ der Welchrader Kirche habe ich, u. zw. erst 1S91, 
durch Grabungen festgestellt; beide Kirchen zeigen in ihrem Aufbaue noch 
heute romanische Teile, ja die Trebitscher Kirche hat die ganze Nordseite 
und vor allem im Westen ihren prächtigen Chorbau noch vollständig erhalten. 

Eine dritte hieher gehörige grotie Kirche zu Kloster-Bruck (1200) ist 
fast gänzlich umge])aut, hat aber noch ihre prächtige romanische Gruft, die 
auch erst wieder 1897 aufgefunden wurde und schöne Arcbitekturteile zeigt, 
erhalten; die Gruft wurde durch den Architekten Simony aufgenommen. 

Was die Ausschmückung der romanischen Kirchen betrifft, so haben 
wir gelil)rt, wie die Veitskirche in Prag, u. zw. der erste und zweite Bau, 
wie ferner die Wyschehrader Kirche beschaffen war; der Heidentempel in 
Znaini hat endlich gezeigt, wie weit es damals die Malerei schon gebracht 
hatte ; Ausgrabungen ornamentierter Steine bei der Olmützer üomkirche und 
auch die Kapitale der Kloster-Brucker Gruft bringen wieder Beispiele der 
Skulpturwcrke, resp. der ornamentalen Bildnerei jener Zeit; auch das hübsche 
Portal der Hulleiner Kirche zeigt eine schöne Portallösung; das 1^91 auf- 
gedeckte, in Granit hergestellte Kreuzgangportale des Welchrader Klosters 
ist dagegen wegen des Materiales höchst einfach gehalten. 

Im weiteren Verlaufe der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts nahm 
nun die l)aukunst Mährens einen gew^altigen Anlauf, dies zeigt der 1214 
geschehene Umbau der eben erwähnten Trebitscher Klosterkirche in ihrer 
ganzen Anlage, in ihrem reichen, prachtvollen, bereits früher erwähnten Chor- 
baue und in dem schönen Portale und ebenso beweist dies die 1223 begonnene 
Tischnowitzer Kirche, diese wieder im ganzen Gotteshause (Grundriß md 
Aufbau), ferner in dem schönen Kreuzgauge und dem berühmten Portalbaue, 
welcher tüglich der goldenen Pforte in Freiberg in Sachsen an die Seite 
gestellt werden kann. j4I 

Im Verhältnisse zu Deutschlands Hauten jener Zeit stehen aber die 
gleichzeitigen Bauten Böhmens und Mährens, was ihre Menge, Größe und 
Bedeutung betrifft, wenige ausgenommen, freilich sehr weit zurück, auch fällt 
es auf, daß die Zahl der Bauten des sogenannten Uhergaugsstilcs (zu welchem 
auch die Trebitscher und Tischnowitzer Kirchen gehören) in Böhmen und 
Mähren eine sehr kleine, ja verschwindende ist, daß dieser Stil fast nur bei 
Bauten der königlichcii Familie und selbst noch zu einer Zeit Platz greift, wo 
in Mähren der gotische Stil bereits, u. zw. ziemlich unvermittelt, d. i. direkt 
auftritt.*; 

Die Erklärung hiefür, u. zw. für den ersteren Umstand, liegt zumeist 
darin, daß infolge wiederholten Bruches der Senioratscrbfoliic blutige Thron- 



*) In Deutschland sind Bauten im ÜbergangsstUe z. B. BanilnTg (ll<J;2),HeisterLa(li (1^20^2), 
Limburg a. d. Lahn (1212), in Österreich Lihenfeld u. s. w. 



Kunstge^chichtliche Bilder aus Mähren. 99 

Streitigkeiten imd hefti^-e Kämpi'c Rühmen und Mähren durchtobten, vicrzehn- 
mal sind rechtmäßige Herrscher, Aveun sie nicht rechtzeitig- enttiohen waren, 
vom Throne li-estolicn, gefangen genommen, geblendet oder getötet Avorden; 
in diesen Zeiten, wo den zwei Ländern der notwendige Friede geraubt und 
die ruliige Weiterentwicklung der Kunst gewaltsam unterbrochen war, dachte 
wohl niemand an die Erbauung großartiger Kirchen, die sich vielleicht hätten 
mit Deutschlands IJauten messen kihmen. Das unvermittelte Auftreten des 
gotischen Stiles in ^lähren lindet wiederum in dem Umstände seine Erklärung, 
daß in Böhmen Przemysl Ottokar II. (bis 1230), der 12ir) die unselige 
Seuioratserbfolge aufhob und das Kecht der Primogenitur einführte, dann 
AVenzel I. (bis 1253), in Mähren aber Markgraf Wladi slaw Heinrich 
(t 1222) im großen Stile an die Kolonisation dieser Länder gingen, zu 
diesem Uehnfe die geistlichen Ritterorden, vor allem die Johanniter und den 
deutschen Ordeii, einführten und ihnen große Länderstriche übergaben, ferner 
daß sie aus Deutschland viele Adelsgeschlechter, Handwerker, Ackersleute 
heranzogen, neue geistliche Orden beriefen und zahlreiche Klostergründungen 
durchführten, daß sie viele Orte zu Städten erhoben und auch neue Städte 
gründeten, also zur Entwicklung des Städteweseus und der freien Bürgerschaft 
ihr Möglichstes beitrugen. Die von Frankreich und vom Rheine gekommenen 
Orden brachten nun den gotischen Stil mit sich, der in Frankreich bereits 
im XII. Jahrhundert seine volle Entwicklung gefunden hatte. Auch in 
Deutschland l)raf'li er sich sehr bald Bahn; so finden wir z. B. schon an 
einzelnen Teilen des Domes zu Halbcrstadt (1180) und des Magdeburger 
Domes (1208), am Oktogon der Geronskirche in Köln (1219) den neuen 
Stil auftreten und den bereits entwickelten frühgotischen Stil sehen wir in 
der Trierer Liebfrauenkirche (1227) und in der Marburger Elisabethkirche (1235) 
erblühen und von dort den Weg nach Osten hin antreten. Vor allem haben 
die aus Frankreich stammenden Zisterzienser, welche berühmte Baumeister 
in ihrer Mitte zählten, durch ihre vielen Bauten zur raschen Verbreitung des 
gotischen Stiles beigetragen; wir erinnern uns aber auch, daß der französische 
Architekt Villard de Honnecourt schon um 1241 nach Ungarn berufen 
worden war. 

In Mähren finden wir vor allem in den den Ritterorden übergebenen 
Landstrichen bei lirünn und Iglau frühgotische Kirchen, so z. B. in Oslawan 
(1220), in der in lirünn bestandenen schönen Niklaskirche (1231), ferner in 
den von 1230 — 40 als städtische Pfarrkirchen erbauten Kirchen der Dominikaner 
und Minoriten in Olmütz, Iglau, Brunn u. s. w. ; auch der Olniützer Dom 
und die Mauritzkirche in Kremsier, beide l'.auten von dem Olmützer Bischöfe 
l'>runo Grafen v. Schaumb urg-Holst ein (um 12()0) hergestellt, zeigen den 
frühgotischen Stil, stammen daher aus jener Zeit. Für die städtischen Pfarr- 
kirchen hatte sich bald ein bestimmter Typus des Grundrisses entwickelt, 
aber auch der gotische Stil sell)st hatte sich weiter ausgebildet, wie uns 
dies z. B. die prächtigen Bauten Przemysl Ottokars H. und so auch die 
reichen Kirchenbauten der Rosen berge in Böhmen, dann St. Peter in 
Brunn (zirka 128ß) und z. P). die Lodenitzer Pfarrkirche zeigen. Die in Süd- 



100 Kunstgeschichtliche Bilder aus Mähren. 

böhmcn, speziell auf Rosen berg'schem Besitze, häufig auftretenden zwei- 
schiffigeu Kirclien greifen auch über die Grenze nach Mähren hinüber, da 
wieder vorzüglicli auf den Gütern der Herren v. Neu haus, Verwandten der 
Rosen berge, vorkommend. 

Die nun folgende Zeit der Luxemburger war für Böhmen und Mähren 
nach jeder Riditung liin, Avenigstens im XIV. Jahrhundert, eine Periode der 
größten Entwicklung und Blüte; das Städtewesen kam zur mächtigsten 
Entfaltung, Handel und Wandel gediehen, Künste und Wissenschaften wurden 
möglichst gct(»rdert und Praclitbauten aller Art, welche bald die l)ewiinderung 
der übrigen Welt erregten, kamen seitens der pruukliebenden und baulustigen 
Regenten in Böhmen und Mähren zur Ausführung. 

Schon unter Johann v. Luxemburg entstanden u. a. die schöne, jetzt 
als Ruine dastehende Klosterkirche in Kanitz, die schöne Altbrünner Kirche 
(1319), der Hochchor von St. Peter in Brunn, die jetzt in Restauration 
g-enommenc Niklaskirchc in Znaim (1338), der Wiederaufbau der durch Brand 
beschädigten Brünner Minoritenkirche, letztere schon in der Zeit der 
provisorischen Regierung des Markgrafen Karl (1333—1346) fallend, der 
schon 1333 in Prag eine neue Residenz durch einen französischen Architekten, 
und war nach dem Muster des Louvre in Paris, sich hatte erbauen lassen. 

Von größter Bedeutung aber waren die Karolingischen Bauten; die 
Königsklosterkirche in Altbrünn zeigt in einem Teile die reine Ziegeltechnik 
und w'ar also zu deren Erbauung ein in norddeutscher Zicgeltechnik 
bew^andcrter Baumeister, wahrscheinlich jener der eben fertiggestellten, 
gleichfalls von der Königs witwe Elisabeth gebauten Heiligen Geistkirche 
in Königgrätz, hieher berufen worden; ein Teil der Altbrünner Kirche aber 
und ebenso der Hochchor von St. Peter, die Niklaskirchc, die Kirche zu 
Kanitz verraten süddeutsche Schule, also Meister, die wiederum in der Bau- 
und Werksteintechnik wohl erfahren waren. 

Karl IV., Markgraf von Mähren, dann König von Böhmen und 
deutscher Kaiser, kam als siebenjähriger Prinz an den Hof seines Oheims, 
des Königs von Frankreich, wo er viele Jahre blieb, auch war er mit 
Bianca, einer französischen Prinzessin, verheiratet; von dort (aus Avignon) 
brachte er sich auch seinen ersten Dombaumeister mit; dies erklärt genügend 
den nun für eine Zeit maßgebenden Einfluß Frankreichs auf die Entwicklung 
der Kunst in Böhmen und Mähren, wenigstens in der ersten Zeit der 
Regierung Karls. Dombaumeister Matthias v. Ar ras brachte beim Prager 
Dome nun auch den französischen Kathedralstil in Anwendung, den wir in 
Biihmen schon früher bei der Sedletzer Kirche durchgeführt sehen. Nach 
Matthias Tode hatte K arl IV. den jungen Schwaben Peter Parier v. Gm und 
als zweiten Dombaumeister erwählt, der gleichfalls bei mehreren Bauten 
liöhmens und Mährens den Chorumgang und Kapellcnkranz zur Anwendung 
brachte. Wir sehen einen solchen, und zwar mit Kapcllenkranz, bei der 
Koliner und Kuttcnberger Kirche in Böhmen, einen Cliorumfang allein in 
Mähren bei der Jakobskirchc in Brunn und auch der Olmützer Dom hatte 
ehedem, wie es Grabungen zeigten, einen solchen gehabt; eine besonders 



Kunstgeschichtliche Bilder aus Mähren. 101 

schöne äußere Gestalfuiii;- finden wir bei der Altbrünner Klosterkirche, ein 
spiitii-otisches Äußeres sehen wir bei der Mauritzkirche in Ohniitz, der oben 
iicnannten Uriinner Jakobskirche u. s. w. Daß diese beiden letzteren IJauten, 
zum Teile wenii^stens, aus der Luxemburg-'scheu Zeit stammen, sehen wir 
schon aus der Grundform, aber auch aus fol<;cndem : 1350 beschließt der 
Olmützer Stadtrat die VerürößeruHi;- der Mauritz- und 1357 Jeuer von lUiinn 
die der Jakobskirche. Die erstere erinnert im Grundrisse an die 13()0 von 
Peter Parier be,i;onncne Tcynkirche in Prai;; die Mauritzkirche dürfte daher 
gleichfalls von Peter Parier herrühren; die Brünner Jakobskirche aber, 
wenn sie nicht etwa auch schon von Peter Parier beg-onnen wurde, gehört 
unbedingt seiner Schule an und ist daher von einem der Brüder oder SJUine 
und Xett'en des großen Meisters gebaut, d. h. wenigstens angelegt worden. 
Die Vollendung dieser letzteren zwei mährischen Kirchen gehört aber der 
spätgotischen Zeit an. Von frühgotischen sind mehrere, von gotischen Kreuz- 
gängen der Luxemburger Zeit ist uns nur der Domkreuzgang in Olmütz 
erhalten geblieben, jener von Konitz steht als wüste Ruine da; spätgotische 
sind jedoch mehrere vorhanden. Von gotischen Burgkapellen sei als die 
schönste und als wohlerhaltene jene der Burg Lomnitz erwähnt; sie enthält 
sogar noch hübsche Glasmalereien, diese noch dazu gezeichnet von ihrem 
Meister, namens David Pecka (1537), Das Äußere dieser Kapelle erinnert 
an die schönen Erker des Altstädter Rathauses und des Karolinums in Prag; 
hier käme auch der schöne Rathauserker von Olmütz zu erwähnen. 

Unter Karls Nachfolger in Mähren, Johann Heinrich (1349 — 75), 
war für dieses Land ein zweitesmal ein goldenes Zeitalter angebrochen ; er 
vergrößerte Brunn, erbaute daselbst auch die Thomaskirche, die Karthause 
bei Briinn; in seine Zeit dürfte auch der Bau der Daubrawniker Kirche 
gefallen sein die eine an einen Chorumgang gemahnende Lösung des 
Chores hat. 

Die Bauten der Luxemburger gehören in Böhmen und Mähren zu den 
räumlich größten und höchsten; sie zeigen großartige Anlagen, kühne Kon- 
struktion bei großem Reichtum und großer Pracht, bei einer sehr entwickelten 
in manchem schon zur Verzopfuug neigenden Gotik. 

Unter dem nächsten Markgrafen, Jodok dem P> artigen (bis 1411), 
wurde an den begonnenen Bauten eifrig weiter gearbeitet; wir finden an 
seinem Hofe (in der Zeit 13'S5— 88) auch einen Enkel Peter Parlers, den 
berühmten Heinrich v. Gmünd, denselben Enrico di Gamodia, der später 
in Mailand den Plan des dortigen Domes entwarf und auch den Bau in 
Angritf nahm, dann aber den durch den Neid der italienischen und französischen 
Meister angezettelten Intriguen weichen mußte. 

Unter Jodok begann bereits eine sehr unruhige, kriegerische Zeit für 
Mähren ; zuerst kamen die blutigen Kämpfe zAvischen ihm und seinem Bruder, 
dem .^larkgrafen Prokop, der für den, seine Herrscherpfiichten arg ver- 
nachlässigenden König Wenzel Partei nahm, während Jodok bei diesem 
Thronstreite auf Seite S i g i s m u n d s, Wenzels Bruder, stand ; dann folgten 
die unseligen^ ein halbes Jahrhundert andauernden Hussitenkriege mit allen 



|(l-) Kunstirosi'liiflitliclu' Uililor :uis Miiluoii. 

ilirou (Iräuoln, doii systoiuatiscluMi l'.r;uulstirtuiii;cn und Vcrwüstniiii-en, ai 
AveK'beu jicnulc Mälireii puiz bosoiuiers Iiart zu leiden hatte, so daß ji:cjrei 
1450 die meisten Ortschaften und Städte zerstört und viele Burfien, Klöstei 
und vor allem die Kirchen dieses Landes vollständig- vernichtet waren, und 
nicht i;enu,u' damit, machte sich nun auch noch das Raubritterwesen mii 
seineu Kaub-, Mord- und Beutezüi;en immer mehr breit und endlich folgten 
wiederum bis 1469 die Kämpfe zwischen Könii;- Podiebrad von Böhmen 
und Matthias Corvinus von Ungarn und ^[ähren, so daß das Land nocl 
weiter verwüstet wurde und überhaupt nicht zur Ruhe kommen konnte 
Äneas Sylvius, Erzieher Kaiser Maximilians L und später Papst, aL 
solcher Plus III. g-enannt (f 1464), schilderte das Mähren jener Zeit aL 
„ein wildes Land" und stellt es „als die Heimat der Diebe hin, wo aud 
niemand für einen Edelmann gehalten werde, der nicht wie ein Räuber lebe." 
Mehr als die Hälfte der einst blühenden landesfürstlichen Städte lag tat- 
sächlich verödet, der meiste Besitz war verpfändet und das ganze offene 
Land tiirchterlich ve^^'üstet. 

In dieser endlos traurigen Zeit konnten natürlich Kunst und AVissen- 
schaft keine Pflege finden; die alten Meister waren alle mit ihren Gehilfen 
in andere Länder gezogen, denn jede Kunsttätigkeit war vollständig unter- 
bunden. Was einst unter den LuxendDurgern so großartig geplant, freudig 
und stolz begonnen und vielversprechend durch mehr als ein halbes Jahr- 
hundert zur Ausführung gelangt war, blieb vielfach unvollendet stehen und 
war, wie aucli die meisten bestandenen Bauwerke, von den eigenen Lauds- 
leuten in blinder Wut zerstört worden. 

Als dann endlich Ruhe eingetreten war, fehlte es überall an erfahrenen 
Meistern und kunstgeübten Oehilfen; die zahllos zerstörten Kirchen, die 
Wohnsitze des Adels mußten wieder aufgebaut werden und so entwickelte 
sich allmählich eine ungemein rege Bautätigkeit, die eine Nachblute der 
Gotik mit sich brachte, welche spätgotische Zeit nach König AVladislaw 
in Böhmen die Wladislaw'sche Kunstperiode heißt, in Mähren aber an die 
Regierungszeit des Königs Matthias von Ungarn mikniipft, der von 
14fiU — 1490 Herr und Gebieter von Mähnsn war. 

In diese Zeit fallt neben v(M-.schied(;nen NeiiÖMiitcn auch die Vollendung 
der früher unterbrochenen BaMlK^rstclbingen, so (b-r .M;uiril/kirclic fOlmütz), 
der Jakob.skirche CBrünn; mit ihren eigentümliciien netzfi'.rmigen Clior- 
einwölbungen, welche an eine ganz ähnliche Arbeit ilvx Prossnitzer Meisters 

•Matthias Rajsek in Kuttenberg (1489-99) orinner id daher auch wohl 

von ihm — als Landsmann -- hergestellt sein dürficn. Die Chorvvölbung 
von St. Jak(.b wurde zirka 1480, von St. Maiirilz \lx:'>, von der P.arbara- 
kirclH; 1499 geschlossen; die Kinwidbnngen von St, Jakob und Mauritz hätten 
also als Vorläufer (U-r Barbarakirche gedicnl. 

In d<r Widbung dw l,',20 umg(-bauten \VenzeJskircli(^ in Znaim sehen 
wir wi(-(l.-niiM jene verHchlung(!nen, in bog(riif(irmig<-n LinicMi geführten Netz- 
gewölbe, wie .sie der zweite llofarehilekt Wiadislaws II., nändicli Bcncscb 
V. Laun (,der, wie er cigenllirl, |,i,.|,;, l;.i,cdikl v. b'icl (ans Nieder- 



Kun^itgeschiclilliche iJililer aus Miiliren. 103 

Österreich), bei dem Wiederaufbaue der Residenz Karls IV., auf dem 
Hradsehiii, resp. beim sogenannten Wladislaw'schcn Saale (1482 1502) 
und auch bei der von ihm nach Rajsek's Tode weiter iicführten Kuttenbcrj;cr 
Barbarakirclie zur Ausführmii;- braclite. 

In dieser späti::otis{'hen Zeit ist ferner, wie in Deutschland so auch in 
Böhmen und ^lähren, der Hau von Hallenkirchen, resp. Emporkirchen und 
ebenso der Umbau bestehender Basiliken zu solchen llallcnbauten an der 
Tagesordnunii' ; Meister Rajsck z. B. l)aut die Heilii;e Geistkirche in 
Köniii-ii'rätz (14<'^;")) um und selbst die i;roliarti,n'e Kuttenberi^er Kirche wird 
unter Benesch v. Lann, dem nunmehrii;en späteren Baumeister (1510), in 
eine Hallen-Emporkirche überführt; ebenso wird in Brunn die alte Peters- 
kirche zu einer Hallenkirche uni,:nebaut ; übrii;ens war die zirka 1250 umge- 
baute Iglauer Jakobskirche schon eine Hallenkirche, und zwar die erste im 
Lande, die zirka 12G0 umgebaute Domkirche in Olniütz wurde bereits als 
Hallenkirche errichtet, auch die IßoS ])egonnene Niklaskirche in Znaim 
wurde als solche gebaut, u. s. w. 

Auf die ehemalige innere Ausstattung der gotischen Kirchenbauten 
Mährens läßt sich nur nach der bekannten Prachtliebe der Luxemburger 
u. s. w. schließen, daß sie nach den anderwärts erhaltenen Resten böhmischer 
Bauten eine ähnliche reiche und schöne war; durch die vielen Brandunglücke, Zer- 
störungen und noch mehr durch die zahllosen Umbauten ist uns ungemein 
wenig erhalten; die architektonische Ausstattung verschiedener mährischer 
Kirchen bringen uns die Olmützer Dom-, die Mauritzkirche daselbst, die 
Königskloster- und die Jakobskirche in Brunn, dann die Jakobskirche in Iglau, 
die Wenzelskirche in Znaim genügend zum Ausdrucke. 

Von spätgotischen Meistern in Mähren seien genannt: Niklas v. Edel- 
spitz in Znaim (1445), der schon mehrmals genannte Matthias Raj sek von 
Prossuitz (1478 bis 1506), die Meister Kaspar Her ding und Hieronymus 
Dubensky am Hofe der Boskowitz in Mährisch-Trübau (zwischen 
14.S6— 1.520), Anton Pilgram von Brünn-Wien (1502 1523), Baumeister 
Wolf (1502 - 26), Meister Mert Hubel in Brunn (1514), Michael Stangel 
aus Regensburg in Olmütz (1519), Hans Eibenstock aus Salzburg, dann 
Olmütz (1524) und Wien, Meister Jarolim von Prag in Iglau u. s. w.; von 
mehreren sind dagegen erst ihre Steinmetzzeichen eruiert, ohne daß deren 
Name bekannt wurde. 

Wir stehen in unserer Betrachtung vor dem XVI. Jahrhunderte; nun- 
mehr tritt uns eine ganz verschiedene, eine neue Zeit mit anderen Lebens- 
anschauungen und Lebensbedürfnissen und daher auch eine gänzlich ver- 
änderte Geistes- und Kunstrichtung in der Zeit der Renaissance entgegen; 
in Italien bricht sich diese neue Richtung schon sehr frühe Bahn; denn den 
Anstoß zur Wiedergeburt der Antike gaben z. B. schon die Studien Dantes 
und Petrarcas; einen Bruneleschi und Donatello linden wir schon 
die Ruinen des alten Roms vermessen und studieren. Diese bald immer 
weiter um sich greifende Beachtun-r und Wertschätzung antiker Lebens- 



104 Kunstgeschichtliclie Bilder aus Mähren. 

anschauunu' und alter Kimstleistuiigen bereitete allmählicli die Freiheit des 
Geistes und die Hcdeutung- und Beaclitimg- des einzelnen Individuums, über- 
haupt das ganze moderne Geistes-, Kunst-, das Gescllschafts- und Staatslcbcn 
vor; um die AVende des XV. Jahrhunderts beginnt man immermehr auch 
diesseits der Alpen der neuen Richtung sich zuzuwenden; sehr frühe fand 
die Renaissance durch die mit Italiens Herrsclierhiiusern verwandten Regenten 
Ungarns und Polens von dorther auch nach Ijöhmcn und Mähren raschen 
Eingang. In letzteren Ländern herrschte noch immer hussitischer Geist vor; 
Adel und Landbevölkerung Böhmens und IMähreus waren damals meist 
slavisch und durchgängig utraquistisch gesinnt und der katholischen Kirche 
feindlich; die Adelsgeschlechter gehörten den Piccarden (den böhmischen 
oder mährischen Brüdern) an, sie imterstützten daher auch die neue lutherische 
Lehre und war fast ganz ]\Iähren dem Katholizismus verloren; die adeligen 
katholischen Stände und die katholischen Ratsherren wurden allmählich aus 
ihren Positionen verdrängt, die bisher katholischen Kirchen wurden von 
Utraquisten und Protestanten benützt. 

Während der ganzen Zeit der Renaissance in Mähren, von 1500 bis 
1600, genügten daher die vorhandenen Kirchen, so daß nur sehr wenige und 
unbedeutende Kirchenbauten ausgeführt wurden. 

Die Kunst der Renaissance wurde, wie wir schon erwähnten und im 
Verlaufe noch später hören werden, von Ungarn und Polen aus nach 
Alähren und Böhmen und aufäugiich direkt durch italienische Meister ver- 
nnttelt; aber auch einheimische, noch in den alten Bauhütten geschulte 
Künstler versuchten sich bald in der neuen Richtung. Nicht uninteressant ist 
es daher, den Kampf der absterbenden Gotik mit der Renaissance in einigen 
auch in ]\Iähren gebotenen Beispielen zu verfolgen; das älteste, resp. erste 
1 Beispiel des Auftretens der Renaissance in Mähren finden wir schon 1492 in 
dem Portale des Schlosses ]\Iähr.-Trübau, freilich sind es noch ganz r. he 
Formen; dort sind aber auch bereits zwei aus gleicher Zeit stammende und 
jedenfalls von einem Florentiner Künstler hergestellte, ehedem bei der Burg- 
kripelle angebracht gewesene Medaillonporträts vorhanden ; in Schlesien zeigt 
schon im Jahre 1514 die Grabplatte des Bischofes Graf Thurzo von 
Breslau (f 1509), eines Bruders des Olmützer Bischofes, vollends, und zwar 
nicht unschöne Renaissanceformen; ein Gleiches gilt von dem Grabsteine des 
1524 verstorbenen Sohnes des Meisters Eibenstock iuOlmütz; sehr plumpe 
Formen mit einer zwiebeiförmigen Anschwellung der Säule am unteren Ende 
haben dagegen die weit späteren Portale der Kirchen zu Mödritz und 
Driubrawuik (1539); vollendete Leistungen, und zwar deutscher Provenienz, 
finden wir ferner in dem Bronzegitter der Stanislauskapellc der Olmützer 
Donddrehe (zirka 1590) und von hoher künstlerischer Bedeutung ist die 
vielleicht sogar von Peter Vi seh er in Nürnberg herrührende Bronzegrab- 
plattc des Olmützer Bischofes Marcus Kuen ff 15(;5). Zu erwähnen wäre 
noch ein Renaissancebau : der freistehende, herrliche, oben mit einer Gallerie 
versehene Kirchturm zu Datschitz, von Meister Garof de Bison (f 1591) 
irebaut. 



Kunstgeschichtliche Biliier aus Mähren. 105 

Bietet Mähren an Kirclienbauteu der Renaissance nur weniges und 
unbedeutendes, wie z. B. die 1614 für die „Brüder" gebaute Kirche zu 
Goldeustciu und die gleichfalls für die mährischen Brüder 1644 gebaute 
Kirche in Buchlowitz u. s. w., so werden wir dafür durch zwei Arbeiten 
jener Zeit, beide auf Schloß Teltsch, reichlich entschädigt; es sind dies 
plastische und ]\Ialarbeitcn ; die eine lindet sich in der bestandenen, dem 
heil. Georg gewidmeten Burgkapelle (lf)64), die zweite in der großen Gruft- 
kapelle ; die letztere ist mit reicher ornamentaler und tiguraler Stuckzier und 
einer ungemein prächtigen Malerei geschmückt (1568— J 580), wobei der 
plastische Schmuck von Antonio Melana (Melan), die IMalcrei aber vom 
Maler Widmann hergestellt wurden, und zwar nach den bckaniitm Meistcr- 
nameii der Hersteller einer gleichen Arbeit im Schlosse Kurzweil in Böhmen, 
welches Lustschloß von den Kosenbergs, Verwandten der Herren von 
Ncuhaus-Teltsch, erbaut worden war. 

Zeigte sich die Renaissance, was den Kirchenbau anbelangt, in 
Mähren als unfruchtbar, umso zahlreichere und prächtigere Kirchenbauten 
kann dafür die Zeit der Barocke aufweisen. Der ohnedies schon reiche und 
mächtige utraquistisclie Feudaladel und der kleine von diesem abhängige 
Adel, beide lüstern nach den Reichtümern der katholischen Kirche, hatten, 
wie einst den Hussitismus, so später wieder die lutherische Lehre unterstützt. 
„Reformation auf kirchlichem Gel)iete" war ihr Losungswort gewesen, aber 
frischweg hatten sie auch die geistlichen Güter au sich gezogen; sie schlössen 
1608 mit den gleichgesinnten protestantischen deutschen Fürsten die 
protestantische Union, welcher die seitens der katholischen Mächte 1609 
gegründete katholische Liga Avieder entgegenwirken sollte ; der Reformation 
wurde also die Gegenreformation entgegengestellt, welcher die Aufgabe 
zutiel, die utraquisti^chen und protestantischen Bewohner Mährens dem 
katholischen Glauben wieder zuzutnhrcn, welches „Katholischmachen" mit Hilfe 
der ins Land gerufenen Jesuiten und einer rücksichtslosen Strenge denn auch 
gelang; zu diesem Zwecke wurden zum Beispiel im ganzen Lande neue 
Klöster errichtet und Kirchen gebaut, alte Kirchen aber im neuen Stile um- 
gebaut und auf das reichste ausgestattet, auch Schulen für den Jungadel 
wurden gestiftet, u. s. w. Au der Spitze der ganzen Bewegung standen die 
(»Imützer Bischöfe, unter ihnen in erster Linie Kardinalbischof Franz Graf 
fspätcr Fürst) v. Dietrichstein, geb. 1570 zu Madrid, der selbst eine 
Reihe von Klöstern und Kirchen erbaute und ein höchst kunstsinniger 
Kavalier war. 

Die Bautätigkeit war nun eine ganz enorme; immer größere, schönere 
und reicher geschmückte Kirchen, vor allem großartige Wallfahrtskirchen, 
wurden errichtet und auch die Klosteranlagen erscheinen in jener Zeit von 
bedeutender Ausdehnung und von schloßartigem Aussehen; auch wurden sie 
in reichster kunstvoller Ausstattung im Innern und Äußern hergestellt. 

Wie in der Renaissance waren es auch in der Barocke italienische 
Künstler, welche diesen Stil in Mähren zu glänzender Geltung brachten, 



lOG KunstLreschichlliche Bilder aus Mähren. 

ziilctzt aber waren es heimiselic niul üsterrci einsehe Künstler, welche dureb 
ihre Kuustschöpfim^en selbst die Werke ihrer Meister übertrafeu. 

Die Kirchen der Barockzeit nahmen j;ei;cn früherhin im AiilJeren und 
lunern eine i^anz neue Gestaltun.ü' an ; schon in der Renaissance veränderte 
sich der Grundriß : statt der durch eingestellte Pfeiler oder Säulen mehr- 
scliiftii;- iiestalteten Basilika oder Hallenkirche wurde nun ein mehr breites 
Schitt" augeordnet, au das rechts und links hohe KapcUeureihen mit ij;'roßen 
Öftnuuiien iiegen das Schiff hin sich anlehnten und solchergestalt mit diesem 
zusammenwuchsen; diese Anregung gab schon Alberti im XV. Jahrhundert 
mit seiner Kirche »St. Andrea in IMantua, Vignola aber schuf mit seiner 
Kirche II Gesu in Rom einen Bau, der dann in seiner Grundidee bei 
Hunderten und Hunderten von Kirchen immer wieder zur Anwendung kam, 
also typisch wurde; hiezu trug nicht nur die Zweckmäßigkeit und Schönheit 
des Baues bei, der für die Jesuiten geschaffen wurde, sondern half gewiß 
und vielleicht noch mehr deren Macht und Ausehen nicht wenig mit; 
allüberall entstanden neue Kirchen im sogenannten Jesuitenstil, alte wurden 
in gleicher Art umgebaut, und zwar die ersten in höchst einfacher Weise, 
die späteren immer reicher und opulenter; schon die 1598 in Brunn erbaute 
Jesuitenkirche zeigt diese gleiche Anlage im Grundrisse, Inneren und Äußeren 
und ebenso auch der erst 1G63 in Teltsch hergestellte Bau der Jesuiten- 
kirche; desgleichen auch die fast gleichzeitig (1662) umgebaute Thomaskirche 
in Brunn, dann die heilige Bergkirche bei Olmütz (1669) u. s. w., u. s. w. ; 
später wurden, wie erwähnt, die Bauten immer mehr und mehr mit Stuck- 
ornamenten überzogen, mit figürlichem Schmuck und mit Schnitzwerk aus- 
gestattet, mit Malereien reich geziert und mehr oder weniger reich vergoldet; 
wir sehen ferner diese Kirchen mit reichen Altären, Orgeln und Kanzeln, mit 
schön geschnitzten Chorstühleu, mit hübschem Gitterwerk erfüllt, späterhin 
zumeist höchst üppig, ja oft überladen gehalten. Mähren zählt eine groije 
Zahl solch reich gehaltener Kircheninneru. 

Noch eine zweite große Abweichung, oder besser gesagt, eine zweite 
(iruppe von Kirchenbauten weist die Barocke auf, es sind dies die mit 
Kuppeln ausgestatteten Kirchen und vor allem die wirklichen Zentralbauten, 
m()gen diese im Grundrisse das griechische Kreuz, ein Oval oder aber, wie 
manchmal, ei le ganz absonderliche Grundform haben. Die Michaelkirche in 
Olmütz (1676), dann die 1720 gebaute Raigerner Stiftskirche zeigen drei 
Kuppeln über dem Langhause; mehrere Kirchen Mährens haben wieder über 
der Vierung Kuppeln aufgebaut, wie z. B. die Kirche zu Welehrad, auf dem 
heiligen Berge etc. ; einen eigentlichen Zentralbau hatte Mähren und ZAvar 
in der Barbarakirche ])ei liuchlau (1678). also zur selben Zeit wie Wien in 
der Rossauer Servitenkirche (1670), Piaristenkirche (1698), Peterskirchc (1072), 
Karlskirche (1716). Mit der Wr. Peterskirche zeigt die Kirche zu Gabel in 
Böhmen (1699) eine große Verwandschaft; beiden ähnlich ist wieder, be- 
sonders im lunern, die Jarmeritzer Schloßkirche in Mähren, also wahrscheinlich 
alle drei von einem Meister. 



KuiistgeschichÜiclie Bilder aus Mahren. 107 

Weitere Kuppelbauten Mährens haben eine oblonj;-e (Tnmdforni, wie 
z. 1>. die eben erwälinte Sehh)l,Jkirehe zu Janneritz (1715), die IMaristeukirehe 
in Krenisier (1757), die Wallfahrtskirche zu Sloup (1751) u, s. w. die; 
prächtige Kirche zu Kiritciu (vor 1712) zeigt, wie z. B. die Peters-, die Piaristen- 
kirche in Wien, einen kreist ormii;-en oder oblong-eu Mittelraum, aber 
mit nach den Achsen gestellten halbkreisförmigen oder rechteckigen Aus- 
bauten; bei der Schloßkirche zu Frain (1700 bis 1725) hat Fischer von 
Erlach, der schon bei seinen sechs, 1G8() — lÜDi) in Salzburg ausgeführten 
Kirchen eine besondere \'orliebe tTir Kuppel- und Zentralanlagen erwiesen und 
die Lösung in verschiedener Art versucht hatte, die Kuppel üb©r einen 
kreisf()rniigen ^littelraum aufgesetzt und anschließend an diesen sechs ömj>tiseh 
gehaltene Anbauten zugefügt. 

Die Kapelle Job. v. Ncpomuk auf dem grünen üerge bei Saar (1719 
von Giov. Santini gebaut) ist mit Bezug auf die tÜnf Sterne Nepomuks 
im Fünfecke gebaut und zeigt tünf Fenster, fünf Altäre, fünf Eingänge. 
Ein den Neubau des Stiftes Raigern betrefl'endes Projekt, welches einen 
ähnlichen architektonischen Versuch zeigt, fand ich im Archive des 
Klosters, das gleichfalls von Santini gebaut wurde.*) 

Endlich mögen, abgesehen von den vielen palastartigen Klosterbauten 
der Jesuiten in Olmütz, Brunn, Iglau etc. von den sonstigen Klosterbauten 
Mährens aufgezählt sein: Das großartige, zu den schönsten Klöstern Öster- 
reichs zu rechnende Kloster llradisch bei Olmütz (Konvent IG^O, Kirche und 
Prälatur nach dem Plane IMartin ellis, letztere erst 1726 gebaut*, dann der 
von denWiener Hof-Architekten „ P u 1 g r a m " (?) und H i 1 d e b r a n d t in grandioser 
Art auch mit einer Kuppel über der Kirche projektierte, aber nur zum kleinen 
Teile von dem AViener Architekten Kern dl ausgetiihrte Umbau de^ Klosters 
Brack bei Znaini, endlich das von dem Brünner Baumeister ]\lauritz Grimm 
1782 hergestellte Stiftsgebäude St. Thomas in Brunn, die Prälatur zu Wele- 
hrad (1750), schließlich die Residenzen bei der Kirche am heiligen Berge 
mit einem großen Arkadenhofe (16(39) u. s. w. 

^[it den bis zum Ausgange des XVIII. Jahrhunderts hergestellten 
respektive begonnenen Bauten schließt also für Mähren, wie in Osterreich 
überhaupt, eine große Kunstperiode auf kirchlichem Gebiete ab ; durch die 
1762 begonnene Klosterauf heliung, welcher in Alähren in diesem einen Jahre 
73 Klöster verfielen, dann durch die von 1782-1784 in noch größerem Maß- 
stäbe ausgeführten Klosteraufhebuugen wurde die bisherige lebhafte Bau- 
tätigkeit gewaltsam unterljrochen, dadurch ein ganzes Ileer von Künstlern 
und kunstfertigen Gehilfen oft mitten aus der Arbeit gerissen, so daß sie nun 
oiiiic IJeschäfiigung waren; viele derselben wurden für immer brotlos und 
fristeten notdürftig ihr Leben, darunter selbst nicht uidjedeuteiide Künstler. 
So emlete, wie in anderen österreichischen Ländern, die Glanz- und Kunst- 
periode der Hiirocke in Mähren, aber umso empfindlicher durch einen Ein- 
liritf des Staates jiHUzlich und in hitchst trauriger, die Kunst vollständig 
lahmlegender und ertötender Weise. 

*) IJuara (ITÜ; zeigt im Grundrisse wieilerum das yleicliseitii,'e Dreieck. 



108 KunstgeschichÜiche Bilder aus Mähren. 

II. Profaiibau. 

Neben den Kultbauten waren es vor allem die Bauten für persönlichen 
Seliutz und Schirm, denen man in frühester Zeit schon volle Aufmerksamkeit 
zuwendete, und zwar waren dies Schutzbauten zur Sicherung- Einzelner oder 
für g:anze Xiederlassung-en und endlich auch selbst für ganze Stämme ; diese 
Wehrbauten reichen also hoch in die vorgeschichtliche Zeit hinein ; wir finden 
als solche kleinere oder größere, von Erdwällen oder Steinwürfen oder von 
Wasser umschlossene feste Plätze, die zur besseren Sicherung gegen feindliche 
Überfälle später oft noch mit einem Dornenhag, einem Flechtwerk oder einer 
Pallisadenwand umgeben und noch später auch mit einem Graben umzogen 
wurden. Dies waren die Wallburgen, Burgställe, Volksburgen u. s. w., aber 
auch unterirdische Räume, IliUilungen im Erdreiche u. s. w. gab es zum 
Schutze bei feindlichen Einfällen, die sogenannten Erdställe, Heidenlöcher 
oder wie sie sonst an Ort und Stelle genannt werden. Den mittleren oder 
den bestgeschützten Raum einer solchen Wallburg nahm ein Turmbau ein, 
zugleich auch Wohnsitz des Anführers, des Stammältesteu, des Fürsten oder 
Regenten des Stammes oder Volkes, welcher Schutzbau oft noch zum be- 
sonderen Schutze durch einen eigenen Wall und Graben gesichert war. 

Auch Mähren hat noch mehrere solcher prähistorischer Burgen oder 
Ringwälle aufzuweisen, wie z. B. die vorgeschichtlichen Niederlassungen zu 
Opersko bei Oslawan, zu Samohrad, Müglitz u. s. w., ebenso Erdställe, wie 
bei Znaim, bei Erdberg, Brünnlitz u. s. w. 

Nach Art der Ringwälle oder Wallburgeu wurden auch die Burgen bis 
in das X. und XI. Jahrhundert hinein gebaut und doch waren in Italien, in 
der Schweiz, in Südfrankreich und ebenso in Süddeutschland noch zahlreiche 
Beispiele römischer Befestigungen (Kastelle und Burgmauern) erhalten ge- 
wesen; Rom z. B. hatte noch im X. Jahrhunderte die alte Stadtmauer mit 
46 Kastellen und 381 Schutztürmen und auch in der Lombardei gab es 
zahlreiche Kastelle, auch besaß die Stadt Mailand eine ähnliche Mauer wie 
Rom; diesseits der Alpen aber waren trotzdem nur, wie oben angeführt, 
Schutzbauteu mit hölzernen Schutz- und Wohntürmen gang und gäbe. 

Durch die Einfälle der Ungarn nach Mähren, Böhmen und selbst bis 
Deutschland hinüber wurde man belehrt, daß diese aus Holz errichteten, auch 
wenn selbst mit Häuten u. s. w\ bedeckten Wohntürme den Brandpfeilen der 
Feinde nicht standhalten koimten; man ging nunmehr im X. Jahrhunderte 
an die Errichtung bezw. Erl)auuiig von steinernen Wohntürmen und auch 
steinerne Burgmauern wurden jetzt um diesen besser gesicherten Wohnsitz 
errichtet. 

Was Deutschland betrifft, so dachte schon Kaiser Heinrich I. der 
Sachse an die Herstellung eines systematischen Wehrsystems zur Verteidigung 
des Reiches gegen die Slaven und Ungarn, aber noch Heinrich IL, der 
letzte der Sachsenkaiser, stellte bei Merseburg 1012 binnen 14 Tagen einen 
Burgbau, also gewiß nur einen Holzbau her; auch die von dem thüringischen 
Herzoge Heinrich dem Springer 104.5, also 33 Jahre später, errichtete 
Wartburg war noch ein Holzbau und wurde erst einige Jahrzehute später 



Kunstgeschiclitliche Bilder aus Mähren. 109 

(1067) durch eiuen Stoiiibau ersetzt, (laiiei;eii war die von Kaiser II ein rieh TU. 
durch deu llirsauer Möuch Beuuo (KMO) beim Dome in GosLar i;ebautc 
Kaiserpfalz bereits ein stattlicher Steiubau. Kaiser Heinrich IV. (f 1106) 
eudUch ließ durch den berühmten Baumeister Bischof Bruno von Osnabrück 
in Schwaben eine Reihe von Buri;en in Stein errichten und 1130 finden wir 
in Schwaben zwxi prächtige, aus Buckehiuadern erbaute Wohntürnie zu 
Besiiiheim und einen gleichen in Reichenberg-; nebenbei sei hier bemerkt, 
zeichnen sich die hoheustautischen Bauten jeuer Zeit zumeist durch einen 
Buckehiuaderbau aus, was zu wissen für uns von ganz speziellem Interesse 
sein wird. 

In der Normandie und noch mehr in England entwickelte sich vor 
allem der Burgenbau ungemein schnell; dort hatte auch der Minich der Abtei 
Bek, Gundolph mit Namen, ein berühmter Baumeister und später Bischof 
von Glocester, das Fallgitter und die Fallbrücke erfunden. In England mußte 
Wilhelm der Eroberer mit seineu normannischen Edlen auf feste Sitze 
ganz besonders Bedacht nehmen. Und überhaupt errichteten die Fürsten 
und Feudalherren jener Zeit zum eigenen wie zum Schutze ihrer Familie 
auf möglichst gesicherte Wohnsitze, daher ist es auch erklärlich, daß 
berühmte Land-, Wasser- und Kriegsbaumeister, welche in damaliger Zeit 
zumeist in den Mönchsklöstern zu finden w^areu, oft von weit her geholt 
\Mn-den und daß Neuerungen und Verbesserungen im Burgeubaue allüberall 
schnellstens Eingang fanden. 

Nunmehr schenkte man daher auch den Resten römischer Befestigungg- 
kunst mehr Beachtung, endlich lernte das Abendland durch die Kreuzzüge 
auch die festen Steinburgeu des Morgenlandes mit ihren besonderen Schutz- 
mitteln und Wehrbauten kennen, wie z. B. die mit Türmen bew^ehrten 
Mauern, darunter auch die Brustwehren, also die geziunte Mauer, mit der 
mau dort zugleich auch die Armbrust, ferner die Barbakane, die Pechnase 
(Moucharabis), ebenso die AVurfgallerie (Maschiculis) u. s. w. vorfand. Da 
nach urkundlichen Nachrichten auch l)öhmischc und mähriche Edle Teilnehmer 
an diesen Kreuzzügen waren, konnten sie wie die übrigen Kreuzritter durch 
eigene Anschauung und Erfahrung von dem Werte dieser Erfindungen sich 
überzeugen und heimgekommen zur Anwendung bringen, wie dies z. B. auch 
der Salzburger Erzbischof Konrad 1134 mit dem Orte Friesach machte, 
den er mit einer Ringmauer und diese mit hölzernen Wehrgängen versehen 
ließ, wie damals Konstantinopel eine solche bereits besaß. Noch mehr aber 
wurde der Burgbau im Abendlande durch die in Jerusalem gegründeten 
Ritterorden verbessert, die selbst neue Festen im Morgenlande gebaut hatten 
und auch bei ihren Niederlassungen im alten Mutterlande viel Neues zu 
Hause einführten; in Mähren sehen wir z. 15. noch auf dem Schlosse Frain 
Reste ihrer Burgmauerbefestigung. 

Um nun ganz in Mähren zu bleiben, müssen wir speziell den damaligen 
slavischen Ansiedlungen unsere Aufmerksamkeit zuwenden und möge daher 
auf die Beschreibung, wie sie der griechische Kaiser Mauritius (582 — 602) 
darüber gegeben bat, hingewiesen werden; er fuhrt an, daß die Slaven ihre 



IJQ Kunstgesclüchlliche Bilder aus Mähren. 

Ansiedluugeu iu schwer zugäuglicheu Wäldern oder an tiefen Tlüssen und 
Seen, ja selbst in Sümpfen auf;-elei;t liiittQU. Wir erinnern uns dabei, daß 
Karl der Große im Nordosten ^-e^^en die Slaven siegreich vordrang-, daß 
Ludwig der Deutsche in Böhmen und Großmähren einfiel und 809 sogar 
mit drei Heeren in das Kcich des schon früher erwähnlen Kastislaw, des 
Xcffeu Mojmirs, gezogen war, wobei das eine Heer bis Deviu, dem Sitze 
Rastislaws, vordrang, einem Bollwerke, welches, wie es in der Geschichte 
heißt, staunenerregend angelegt war und seinesgleichen nicht hatte. 

Böhmen und Mähren Avaren dann Deutschland gegenül)er im IX. und 
X. Jahrhunderte nicht zuiückgeblieben, gleichzeitig mit Deutschland wurde 
auch in diesen Ländern der Steinbau und der verbesserte Burgenbau ein- 
getührt. 

Wie schon bei Besprechung der kirchlichen Bauten Mährens berührt 
wurde, hatten die Bewohner Böhmens und Mährens wie alle slavischen Stämme 
eine patriarchalische Verfassung mit dem Familien- oder Stammältesten an 
der Spitze; der Zupan oder Gaufürst als Altester des Gaues oder der Zupe 
beherrschte von seiner Zupenburg aus den ganzen Gau als Priester und Fürst, 
daher im Slavischen für diese zwei Würden auch dieselbe Bezeichnung (Kncz 
und Kuize) statthatte. Die Zupenburg mußte zu Feindeszeiten den gesamten 
Geschlechtsgenossen des Gaues oder der Zupe samt Kind und Kegel dienen 
und bestand daher außer der Burg noch aus einer großen Vorburg, wo auch 
alle Vorräte, das Vieh u. s. w. untergebracht werden mußten. 

Nach den Aufzeichnungen eines Zeitgenossen des Herzogs Swatopluk, 
Anfang des XHL Jahrhunderts, zählte damals Mähren 1 1 solcher Zupcu und 
also Zupenburgen, darunter Olmütz, Brunn, Aussee, Lundenburg, l'rcraii, 
Göding u. s. w., und v, iirde die Zahl der Gaue später noch weiter vernichrl. 
Die gleichfalls schon früher berührte Herrschaft über Familie, Stamm oder 
Gau durch den Familien- u. s. w. Altesten, die sogenannte Znpenverfassung, 
hatte Glitte des XH. Jahrhunderts ihre größte Blüte erreicht, verfiel aber 
immermehr, seit Herzog l>rzetislaw nach Vertreibung der Ungarn das 
Land und so auch die alten Zupenburgen tur sich in Anspruch nahm, die 
nun landesfürstliche oder Kronburgen wurden; statt der 2upaue standvju 
diese Burgen jetzt unter landesfürstlichen Kastellanen und Burggrafen; nicht 
mehr vom Stamm- oder Familienältesteu, sondern von diesen landesfürstlichen 
Beamten wurde, und zwar im Namen des Landeshcrrn, Recht gesprochen 
und so wurde die alte Zupenverfassung allmählich zu Grabe getragen. 

Wie sonst überall, wie in England, J^'rankreich und Deutschland, ging 
man auch in Ijölimen und Mähren sowohl seitens der Landesfürsten wie 
auch seitens des neu entstandenen, bald angesehenen und reich gewordenen 
Adels an den Umbau der früheren Wallburgen; mächtige Wohntürme aus 
Stciu f^Berchfrit, Donjon, Betfroi, wie man diese Wohn- und Wachttürme 
nanntej wurden nun zum Schutze dieser Herren und des Landes errichtet. 
So umzog schon Herzog Sobieslaw (1125 — 1140) die Prager Burg „nach 
italienischer Art" mit einer Steinmauer; sein Nachfolger, Herzog Wladislaw H. 
(bis 1173j, der Schwiegersohn Leopold V. von Babenberg, Schwager 



Kunstgeschiclitliclu' Bililcr aus Mähren. \\\ 

i 

Kaiser Konrad III. und mit Kaiser Friedrich liotburt speziell 
bet'reuudet, zo^ mit letzterem imter Herbeibriugnn';- von 10,000 Kriej;era 
1158 nach Mailand; Friedrich hatte noch als Uerzoji,' von Schwaben 
die Tochter Diepolds von Vohwc^-, des Gangrafen des Nordgaucs, 
iicheiratet und auf dem Besitze seiner Frau 1149 die Ej;erer Burj;- gebaut, 
deren sogenannter „schwarzer Turm", weil aus Buckehiuadern erbaut, als 
viel älter hingestellt, ja bis auf die Zeit Karls des Großen hinauigeftdirt 
wird, jedoch von Herzog Friedrich errichtet wurde; wir erinnern uns, dal.1 
gerade die Hoheustaut'en ihre Bauten gerne aus Buekelquaderu hergestellt 
hatten, übrigens ist auch schon das von dem Babenberger Herzoge Leopold 
errichtete AVienertor in Hainburg ein, und zwar schon vor 1200 aufgeführter 
Buckelquaderbau; es ist daher nicht nötig, den schwarzen Turm als älter 
hinzustellen. 

Die erwähnten, nunmehr aus Stein erbauten Wohntürme gaben jetzt erst den 
Fürsten und Rittern einen sicheren Hort in ihrer Burg, deren Umzingelung 
nunmehr auch aus Stein hergestellt war. Diese Türme hatten bald eine kreis- 
tormige, bald eine rechteckige Grundform. In iMähren linden wir noch eine 
grotic Zahl beider Gattungen; erstere von 5m bis 16 m äußerem Durchmesser 
bei Im bis 4-90 m Mauerstärke und lim bis selbst 32 m Höhe; die letztere 
von 6'50 m bis 12 m Seitenlänge (quadratisch oder rechteckig) bei 1-20 m 
bis 3-60 ))t starken Mauern und 18 m bis 49 m Höhe; der Sicherheit wegen 
war der Eingang hoch über dem Terrain, bei 7 bis 10 m Höhe, angeordnet. 
Im Turme lag in vielen Fällen zu untcrst das Verließ, sonst die Küche, 
über dieser der Rittersaal, oft zugleich auch die A\'ohnung der Familie des 
Besitzers, wenn solche nicht darüber angeordnet war; zu oberst war die 
Wachmannschaft untergebracht. 

Beispiele von solchen Rundtürmen zeigen die mährischen Burgen Eulen- 
berg (noch mit Holzdecken), Nikolsburg (bereits gewölbte Etagen); Bernstein 
und Eichhorn haben gewaltige, heute freilich ganz umbaute Rundtürme, und 
zwar von ähnlicher Art wie die früher erwähnten schwäbischen Wohntürme 
zu Besigheim und Reichenberg (1130), dürften daher auch aus gleicher Zeit 
stammen. 

Viereckige Wohntürme sehen wir in Mähren in Frain (Holzdecke), Ung.- 
Ostra (später eingewölbt), Aussee, Buchlau u. s. w. Wie so manche Burg, 
so hatte auch Buchlau mehrere (3) Wolmtürme innerhalb der Burgmauer, 
den einen für den Burggrafen, den anderen für den zeitweilig auf der Burg 
weilenden Landesfürsten; auch wenn die l>urg mehreren Besitzern z. B. 
erblich zufiel, errichteten sich diese einzeln ihre besonderen Wohntürme ; 
solche Erben wurden Ganerben und derlei mehreren Erben gehörige P)nrgen 
Gancrltenburgen genannt. Ein großartiges Beispiel dieser Art bietet Burg Eltz 
an der Mosel, die fünf Besitzern oder Linien gehörte und nicht nur voll- 
ständig erhalten ist, sondern noch Kulturschätze vieler Jahrhunderte in 
sich birgt. 

Schon Ende des XII. und anfangs des XIH. Jahrhunderts trat das 
Bedürfnis auf, neben den gewiß keine große Bequemlichkeit bietenden Wohn- 



j 1 2 Kunstgeschichtliche Bilder aus Mähren. 

tiinuen eigene SaalbautcD (Palas) zu errichten, manche auch mit kleinen 
Xebeniiclasscn. 

In Mähren waren außer den anfirezählten Fürstensitzen zu Olmütz, 
Brunn und Znaim späterhin auch noch Luudenburg und Jamuitz hinzugokommen ; 
in Jamnitz (in Podoly) steht noch der freistehende runde Wohnturm, der im 
(»bersten Stockwerke vier zweifach gekuppelte Fenster hat; daneben war 
der Palas, d. i, das jetzige Schiff der Kirche, welches in gotischer Zeit aus 
dem Schloßbaue hergestellt wurde und nun vermauert die ehemaligen 
romanischen Fenster des ehem.aligen Herzogssaalbaues zeigt. 

Auch auf den romanischen ehemaligen laudesfiirstlichen Burgen Buchlau, 
Eichhorn (auf Busau, aus späterer gotischer Zeit) haben sich die alten 
Saalbauten, und zwar vollständig, erhalten ; von der ehemahgen Herzogspfalz 
in Olmütz, dem mächtigsten Fürstensitze Mährens, finden wir noch Spuren. 
Ihre Grundrißreste zeigen drei bestandene Säle, alle einst mit zwei- und 
dreifach gekuppelten, reich verzierten Fenstern ausgestattet; konnte diese 
Herzogspfalz der Größe nach auch nicht mit den deutschen Kaiser- und 
Fürstenpfalzen sich messen, so war sie doch mit Rücksicht auf die Ausstattung, 
so z. B. auf die schön gezierten Fenstergruppen konkurrenzfähig mit diesen. 
1039. Goslar*) (1132 Wiederherstellung) Saal 45-00 m lang, 14-80 m breit, 

1067. Wartburg (resp. 1123) „ 35-80 „ „ 10-43 „ „ 

1 149. Eger (Friedrich Rotbart) 
(mit kleinerem Nebenraume) . . . 
1154. Dankwerderode in Bschg. . . . 
1156. Gelnhausen (Friedrich Rotbart*) . 
1200. Münzenberg*) 

Buchlau 

Jamnitz 

1190 za. Eichhorn 

1150 „ Olmütz mit zwei 

Nebensälen „ 16-12 „ „ 10-43 „ „ 

Der Palas der Olmützer Burg war aber ein viel jüngerer Bau als die 
Burg selbst. Den ältesten noch erhaltenen Teil der Olmützer Herzogsbuig 
sehen Avir in einem Rundturme, der jetzigen zur Domdechantei gehörigen 
Barbarakapelle ; der Turm stammt höchst wahrscheinlich aus der Zeit des 
üngarnbefreiers, des Herzogs Brzetislaw (1028), der in nächster Nähe von 
Olmütz auch für seine Gemahlin Judith von Schweinfurt das Lustschloß 
Hradisch (hrad = Burg) erbaut hatte ; der prächtige Palas der Olmützer Burg 
dürfte wohl im Jahre 1131 begonnen worden sein, in welchem Jahre von 
der Errichtung einer „neuen Burg" die Rede ist; jedenfalls fällt die Her- 
stellung des Palas im allgemeinen mit der Erbauung der angeführten Pfalzen 
Deutschlands von 1123—1150 zusammen. Wer war nun der Erbauer der 
Olmützer Burg? Von 1135—1157, also durch 22 Jahre hindurch, war der 
Sohn des böhmischen Herzogs Borziwoj H. und der Babenberger Fürstin 



Mähren 



23-00 


r> 


n 


11-00 


40-00 


n 


n 


12-00 


23-00 


» 


Tl 


11-32 


22-12 


ji 


11 


13-80 


14-80 


n 


11 


5-50 


15-40 


n 


11 


8-00 


14-20 






7-00 



*) Kaiserpfalzen. 



Kuiistgescliiclilliche^^Bilder aus Mälucii. ]^J3 

Gebiri;is, nämlich Herzoi;- Weuzcl, Fürst vou Olniütz, doch dürften Avcit 
eher die folgenden zwei Fürsten die Erbauer der schönen Herzogspfalz 
i;-ewesen sein, nändich Herzoii- Otto lü. von Olniütz, Gemahl einer Baben- 
berii-er Herzoiistochter, rci;ierte von 1146—11(50, also durch 14 Jahre, oder 
Herzoi;- Friedrich, Sohn des mächtigen und prachtliebenden Böhmenfürsten 
und späteren Königs WladislawlI. ; er, Herzog Fri edrich, saß von 
1161 — 117;), somit während 12 Jahren, auf dem Olmützer Fürstenthrone, 
Wladislaw II. war llös mit Barbarossa in Mailand, konnte daher von 
dort italienische Künstler zur Ausschmückung der Burg mitgenommen haben: 
er war seit 1153 mit der Avartburgischen Brinzessin Judith von Thüringen 
vermählt, welche als Witwe urkundlich bereits eine steinerne Brücke über 
die Moldau in Prag durch einen italienischen Meister hatte erbauen lassen. 

König P r z e m y s 1 1 1 o k a r I., dessen Bruder Wladislaw Heinrich 
noch selbständiger Älarkgraf von Mähren war, hatte im Jahre 1216 die 
unglückselige Senioratserb folge B r z c ti s 1 a w s in eine Primogenitur verwandelt 
und zugleich nach seines Bruders Tode (1222) Mähren wieder mit Böhmen 
vereinigt und von Prag aus selbst regiert; die nun unnötig gewordene 
Olmützer Herzogspfalz wurde dem Olmützer Bistume geschenkt, welches 
unter Benützung einiger Mauern den „neuen Domkreuzgaug" errichtete, 
wodurch der schöne Saalbau leider zugrunde ging. 

Mit der fortschreitenden Kultur, der wachsenden Macht und dem 
gesteigerten Reichtum des Feudaladels, der vor allem die Lehensgüter der 
Krone bald in erblichen Besitz zu bringen wußte, wurden auch ihre Burgen 
nun umgebaut, vergrößert und verschönert; die Burgmauern erhielten zum 
größeren Schutze Mauertürme, die Wohutürme wurden mit außen angelegten 
Wendeltreppen gebaut, die Innenräume wurden reicher ausgestattet; in 
Böhmen gingen König Wenzel L und Przemysl Ottokar 11. mit gutem 
Beispiele voran; wir sehen ähnliche Änderungen an den mährischen Burgen 
Buchlau, Eichhorn, Aussee, Lomnitz, Groß-Meseritsch, Eulenberg, Nikolsburg, 
Pernstein, Luudenburg u. s. w. 

Die romanische Zeit schließt hiemit, die gotische Zeit beginnt; die 
böhmisch-mährischen Fürsten Johann von L u x e m b u r g, Kaiser Karl IV. 
und Wenzel IV., die IMarkgrafen Johann Heinrich und J o d o k, dann 
die Könige Podebrad und Wladislaw IL errichteten großartige Burgen, 
viele bereits in regelmäßiger, an die Renaissance gemahnender Anlage. 
Karl IV. baute schon 1333 eine Residenz auf dem Hradschin nach dem 
Muster des Louvre durch einen französischen Architekten*), dann die schöne, 
wieder in neuem Glänze erwachsene Kronfeste Karlstein, die Burg Tvingen- 
berg in Mähren u. s. w. Podebrad, aus dem mährischen Geschlechte der 
Kunstadt, vergrößerte sein Stammschloß in Mähren, erbaute 1468 in Böhmen 
die Bur-^ Littitz u. s. w. 



*) Der Louvre hatte einen Saal ebeuenliy 2i2 m lau;,'', SrtO m lireil, einen im I Stock 
40 m lang, S-5Ü m breit. 



■^•^_^ Kunstirescbiflitliche Bilder aus Mähren. 

Eine Zusammenstellung- einiger mährischen Burgen der gotischen Periode 
möge hier die Größeuverhältnisse ihrer gotischen Saalbauten geben; hinzu- 
netüii-t erscheinen die Präger Residenz und die Burg Karlstein, da deren 
Erbauer Karl vordem Markgraf von .Mähren war. 

Hradscbiner Residenz (1333) 53-72 m lang, lO-O m breit, 

Kaiserpfalz Karlstein (1345) 18-50 „ „ 8-20 „ 

Pemsteiu . 18'20 „ „ 9-GO „ 

Sternberg 15-50 „ „ 10-10 „ 

Teltsch 12-80 „ „ 4-0 „ „ 

Busau 11*37 „ „ 6-64 „ „ 

Buchlau 10-50 „ „ 7-50 „ „ 

Wie der Adel, so rührten sich auch die Städte in reger Bautätigkeit. 
Wohl gab es in Böhmen und ^Mähren schon im IX. Jahrhundert unter dem 
Schutze der Burgen oder der Klöster entstandene Marktflecken, aber erst 
durch die Heranziehung deutscher Handwerker und Ackerbauer erwuchsen 
die freien Städte, welche bald zu immer gr()ßerem Ansehen und wachsendem 
Reichtum kamen und von entscheidendem Einflüsse auf die Entwicklung 
des Landes waren ; bald finden wir die Bürger und Städte bei der Herstellung 
fester Stadtmauern und schöner Stadttore sowie stolzer Rathäuser und Stadt- 
kirchen. Unter Przemysl Ottokar H. entstanden z. B. die Rathäuser in 
Znaim und Olmütz (1261); Przemysl Ottokar nennt das in Olmütz zu 
errichtende Gebäude in der diesbezüglichen Urkunde „Kufhus, auch theatrum 
genannt" ; im Jahre 1378 -s^-ird dasselbe sodann unter dem Markgrafen 
J d o k um weitere Vcrkautsläden vergrößert und erhält es damit bereits 
die heutige Ausdehnung. Der von mir aufgenommene Plan zeigt die allmähliche 
liauliche Entwicklung dieses Rathausbaues in den verschiedenen Jahr- 
hunderten; der schihie Kapellenerker (1441) wurde schon unter den Bm-g- 
kapellen genannt ; das Iglauer Rathaus hat ebenerdig noch einen alten Saal 
mit schwerer Balkendecke, ist aber sonst gänzlich umgebaut. Das Znaimer 
Rathaus erhielt 1445 durch Nikolaus von Edel spitz seinen höchst 
originellen Turm. Das durch einen Brand vernichtete Brünner Rathaus wurde 
1311 neu aufgebaut, doch hat es jetzt nur ein aus spätgotischer Zeit 
(zirka 1500) hergestelltes prächtiges Portal aufzuweisen ; nach der Ähnlichkeit 
einzelner Skulpturen mit solchen in der von König Wladislaw H. herge- 
stellten königlichen Residenz in Kuttenberg (wälscher Hof) dürfte derselbe 
Meister auch das Brünner Rathausportal erbaut haben. 

Wir stehen nun in der Zeit der Renaissance; daß die Renaissance in 
Böhmen und Mähreu schon sehr frühe auftrat, wurde bereits früher hervor- 
gehoben; die Beziehungen dieser beiden Länder mit Italien und der Kirnst 
der Renaissance wurden teils durch Matthias von Ungarn, bis 1490 Herr 
von Mähren, teils diireli König Wladislaw H. von Böhmen als dessen 
Nachfolger angel)ahnt; aber auch bidimische und mährische Kavaliere 
kannten Italien genau, vor allem der Jungadel dieser zwei Länder; er 
studierte in Paris und Italien, hatte daher die Renaissance im Lande ihrer 
Geburt in ihrem ganzen Wesen kennen und schätzen gelernt. 



Kunstij;esi'hi(litliclie Bilder aus Maliicii. 115 

Auf Köuig- Matthias hatte wohl dessen Erzieher Johann Vitez, 
später Erzbiscliof von Gran, den g-rößten Eintluß i;eübt; dieser hatte viele 
Jahre in Italien iielebt, war ein i;r()ßer Freund der Künste und Wissenschaft 
inul hatte seine Residenz nach italienischer Art schon mit Kunstgegenständen 
aller Art geschmückt, noch viel früher aber (zwischen 1410 - 1440) hatte 
Fürst Pippo von Ozora, ein Abkömmling des Florentiner Geschlechtes 
der Bondelmonte, durch italienische Meister zu Stuhlweißenburg und zu 
Ozora Sehloßbauten ausführen lassen, auch bcschäitigte Pippo den bekannten 
Maler ]Masolino; Kihiig Matthias Corvinns, ein prunldiebender Fürst und 
ein großer Freund der Künste und Wissenschaften, hatte lieatrix von 
Neapel zur zweiten Gemahlin ; über ihre Anregung ließ er in Ofen durch 
italienische Meister ganz nach italienischen Beispielen eine neue, ungemein 
prächtige Residenz mit Freitreppen, mit von Säulengängen umgebenen Höfen, 
mit großen Sälen erbauen und die Burg mit Statuen und Kunstschätzen aller 
Art erfüllen. 

In Polen, woher der früher erwähnte Wladislaw (Ja gello) stammte, 
hatte wiederum Siegmund I. (1507 bis 1548), der in zweiter Ehe mit Bona 
Sforza, der Tochter des Mailänder Herzogs Johann Galeazzo Sforza 
vermählt war, durch italienische Künstler verschiedene Bauten herstellen 
lassen. Wladislaws IL Baumeister Benesch von Laun (Benedikt von 
Riet), ein Zeitgenosse jMichel Angelos, Raphaels und Tizians, scheint 
nicht nur in Italien, sondern auch in England gewesen zu sein ; wir finden 
ihn als Hersteller der durch Brand vernichteten Karolingischen Residenz, 
resp. des großen Saales auf dem Hradschin (1482 — 1502), in dessen Längs- 
wände die bekannten dreiteiligen Renaissancefenster dann eingesetzt wurden ; 
auf der schon 1492 vollendeten Bosko witz'schen Burg Mähr.-Trübau — 
also in ]\Iähren — tritt uns schon damals ein freilich in derbsten Formen 
gehaltenes, wahrscheinlich von einem deutschen oder einem minder geschickten 
italienischen IMeister hergestelltes Renaissance-Burgportal entgegen. 

Zeigen die in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts erbauten Burg- 
schll)sser schon häufig regelmäßige Anlagen, so treten solche in der 
Renaissancezeit uns immermehr entgegen ; oft werden ganz bedeutende Sub- 
struktionen ausgeführt, um das nötige Terrain für den Bau der schönen 
und großen Herrensitze zn gewinnen. Die nun nicht mehr auf Bergeshöhen, 
sondern meist an deren Al)hängen oder in der Ebene errichteten Burg- 
schlösser Averden jetzt regelmäßig angelegt, nach bestimmtem Plane und 
einheitlich hergestellt, sie haben ein einfaches, regelmäßiges, kastenartiges 
Aussehen ; sie bergen zumeist in dem gleichfalls viereckig gehaltenen Hofe 
offene mehrstöckige und schiine (^allerien oder Gänge, erhalten hohe Etagen, 
haben statt der Wendeltreppen zuerst vierarmige, dann zweiarmige Treppen, 
erstere zumeist in einem Turme, oft dem einzigen des Schlosses, angelegt; 
Treppen und Gänge stellen eine bequeme Zugänglichkeit der regelmäßigen, 
hohen und lichten Räume her, die alle in einer Ebene und nicht mehr 
Stufenauf und stufenab liegen, wie in den alten gotischen Burgen die kleinen 
dunkeln, winkeligen (belasse; auch die Anbringung zahlreicherer Rauchfänge 

8* 



'[\C^ Kunstgesdiirlitliche Hilrk-r aus Mahren. 

und die ^[öglichkcit der Heizung der Räume erhöhten von jetzt ab die 
Bequemlichkeit dieser Wohnsitze um ein Bedeutendes. Statt der Bezeichnung 
„lUirg" kam nun auch das Wort „Schloli" immermehr in Gebrauch, welches 
Wort (geslos) in Osterreich schon im XIV. Jahrhundert gang und gäbe 
Avar. Die schönen Schloßhöfe der Renaissance in IMährcn, deren es einige 
dreißig gibt, zeigen Gri'tßen von loO— 2000 m-, sie sind meist an mehreren 
Seiten von ein- oder mehrstöckigen Arkaden umzogen. Das Auüere der 
Renaissanceschlösser ist fast durchwegs ganz einfach gehalten ; zuerst ver- 
größert man die Fenster()ffnungen, gibt ihnen Verdachuugen, zieht die 
Fenster immermehr in die Höhe, dann bringt man sie sogar zu zweien 
zusammengekoppelt an; Qnerteilungen der Fagade kommen noch kaum vor 
und nur ein einfaches um das Gel)äude herumgehendes Gesimse schließt den 
ganzen Bau ab, der als einzigen äußeren Schmuck höchstens einen hül)schen 
Portalbau und die Wappen der Erbauer zeigt; mit einem einheitlichen Satteldache, 
hie und da mit Giebeln, meist aber ohne solche, endigt das Gebäude. 

j\läliren hat, wie erwähnt, eine große Zahl ausgedehnter, mit schönen 
Arkadenhilfen ausgestatteter Schlösser aufzuweisen; die Erbauer derselben 
waren die sogenannten „Barone", die ungemein reichen, besonders großen 
Landbesitz aufweisenden und fast souverän gewordenen alten Feudalherren 
des Landes ; fast der ganze ehemalige Lehenbesitz war bereits in ihr 
erbliches Gut übergegangen, die steten Verlegenheiten der Landesherren 
hatten ihnen reichlich die Älittel hiezu an die Hand gegeben ; jede von den 
Regenten geforderte Unterstützung wurde in dieser Beziehung bestens aus- 
genützt; immer neue Vorrechte und Privilegien wußte der ohnedies schon 
zu mächtig gewordene Adel noch weiters herauszuschlagen; so geschah es 
schon zur Zeit des immer geldbedürftigen Johann von Luxemburg, sodann 
wieder unter Podebrad und Corvinus; dies wiederholte sich zu 
Wladislaw H. Zeiten, so wurde es auch unter Ferdinand L i'nd 
besonders unter Rudolf H. gehalten. 

Die mächtigsten und reichsten Dynastengeschlechter damaliger Zeit 
waren die Berka von Dub und Lipa, die Boskowitz, Cimburg, 
K r a j' i r s c h, K r a w a r, L o m n i t z, P e r n s t e i n, S c Inv a b e n i t z, W 1 a s c h i m 
und Zie rotin; dann die aus Böhmen gekommenen Lichtenburg, 
Neuhaus, Sternberg und Wald st ein und endlich die aus Österreich 
stammenden Liechtenstein und P ö s t i n g. Während und nach den Hussiten- 
kriegen war der Bauernstand total verarmt, seinen Besitz hatten die mächtigen 
Barone an sich gerissen und auch den Besitz des ohnmächtigen Kleinadels 
au sich gekauft, ihn so abhängig gemacht und ihn zu Hofdiensten heran- 
gezogen ; so kam es, daß der größte Teil von Mähren diesen Landesbarouen 
gehiirte, daß deren Iksitzungeu oft enorme Ausdehnung hatten; den 
Zicrotins allein gehörte fast der dritte Teil von Mähren und Johann der 
Reiche von Pernstein, in Böhmen und ]\Iährcn begütert, hinterließ (1548) 
jedem seiner drei Söhne je zehn Herrschaften, viele kleine Güter, zahlreiche 
Städte und Dörfer. Fürsten gleich hatte dieser Hochadel, die Herren oder 
Barone Mährens, große Hofhaltungen, einen riesigen Hofstaat und ein Heer 



Kunslgeschichtliche Bilder aus Mähren. 117 

von Beamtcu und Dienern höherer und niedrigerer Kategorie; an jedem 
größeren Hofe lebten vielbesehäftigte Künstler, Gelehrte, Sprachkundige, 
Ärzte und Alehyniisten u. s. w., hiezu kamen dann noeh häulig (iäste mit 
ihrem Troß, so daß selbst die großen Edelsitze oi't viel zu enge wurden. 
Der Hoehadel des Landes, durch enge Familienbeziehungen auch mit Spanien 
und Italien verwandt, ungemein kunstsinnig und gelehrt, verwendete sehr 
viel auf die Erziehung der Söhne; eigene Schulen wurden errichtet; eine 
utra(piistischc Gelehrtenschnle, an welche die besten Lehrkräfte und größten 
Gelehrten herangezogen wurden, bestand in Eibenschitz ; der Jungadel 
^Mährens studierte ferner unter Leitung der ihnen vom Hause mitgegebenen 
voi-ziiglichen Lehrer und Hofmeister an den Hochschulen zu Paris, Padua, 
Hologna und Rom, machte durch Deutschland, Frankreich, England und 
Italien unter Führung ausgezeichneter Männer lange Reisen; enge Beziehungen 
mit den Hochschulen und Gelehrten dieser Länder Avurden auch weiterhin 
unterhalten, die Bauwerke und Kunstschätze Italiens hatte man durch eigene 
Anschauung und eigenes Studium kennen gelernt und selbst Studienreisen 
nach den Inseln des Mittelmeeres, nach Afrika und bis nach Asien wurden 
damals unternonnnen, allerorten wurden Bücher, Kunstschätze und Raritäten 
gesammelt und dann zu Hause auf den neuen Herrensitzen, die man in der 
Heimat nach den Beispielen Italiens in ähnlicher Weise erbaut hatte, Kunst- 
kammern, Gallerien, Bibliotheken angelegt. 

Durch ihre vielfachen Beziehungen mit Italien, durch zahlreiche Familien- 
bande mit diesem Lande innig verbunden, kannten die reichen Barone die 
besten Kräfte Italiens und war es ihnen nicht schwer, die nötigen Künstler 
für ihre Bauten und deren Ausstattung heranzuziehen ; selbst die Fürsten des 
eigenen Landes erborgten sich von ihnen erprobte Kräfte tiir die eigenen 
Bauten, wie z. B. König Ferdinand L537 bei Johann v. Fern st ein 
gelegentlich dessen Schloßbaues zu Pardubitz ; zur Herstellung der vielen 
Schloßbauten Mährens und Böhmens wurden allerorten italienische IMeister 
mit zahlreichen Gehilfen berufen, deren dann nicht wenige im Laude ver- 
blieben und bald auch in der Bürgerschaft hochangesehene Stellen, im Stadt- 
rate, ja selbst die Stelle des Bürgermeisters einnehmen. Bekannt gewordene 
Namen italienischer Baumeister in Mähren sind z. B. : 
1556. Geronlime Firne aus Florenz; er lebte am Hofe der Boskowitz; 

Peter Wlach (d. i. der Wälsche); dann Antonio Melana in Teltsch, 

später auf Lustschloß Kurzweil in Böhmen; Johann Marco aus Teltsch 

in Iglau ; 
1566. Ferrabosco di L agn o, der Erbauer des erwähnten Schlosses Butschowitz ; 
1568. Casparo Cnneo (auch Khune), baute das Schhtß Proßnitz; 
1580—1623. Der schon früher angezogene Architekt und Bildhauer Georg 

Gialdi in Brunn und sein Bruder, der Maler Tobias Gialdi (vom 

ersteren das ehemalige Herrenhaus der Lipa in Brunn, das Schloß 

Namiest u. s. w.); 
1586. ;Magister Francisco Garof de Bison in Datschitz, von dem in diesem 

Orte ein schöner, freistehender Gallerieturm erbaut wurde; 



223 KunstgeschichÜiche Bilder aus Mähren. 

1598. Meister Debevtou (i) iu Oslawan; 

Ißll — 1G18. Giov. Mottala de Bonamone in Mährisch-Trüban, auch 

Mottcl, AFattal i;enanut, der die Arkaden dieses Schlosses baute. 
Ferner sind unter den deutschen und unter den einheimischen 
Meistern jeuer Zeit bisher bekannt geworden: 
1524. Der wegen des Grabsteines seines Sohnes schon früher genannte Hans 

Eibenstock in Olmütz; 
zirka 1536. Hans Heiler, Zimmermeister aus Iglau, der den Daehstuhl des 

Prager Belvedere aufstellte; 
1589, Meister Mathausch Pollinger iu ßrünn; 
1512 — 1536. Der Briinner Baumeister Hans Czerte (Teufel), Baumeister 

und später Oberlandbaumeister Königs Ferdinand ]. ; 
zirka 1550. Der Meister Thomas Jarosch aus Brunn, der berühmte Bild- 
hauer und Gießer des schönen Brunnens im Prager Belvedere; 
1592. Anton Rabry in Brunn; 
1592. Der Nürnberger Architekt und Büehsenmeister Simon Tauch in Brunn, 

von dem der „Zahnstocher" Brunns herrührt, und 
1608. Der Meister Anton Paris in Brunn, der den Schloßbau in Eywanowitz 

ausführte. 
Auf die Schloßbauten der Renaissance selbst übergehend, gehören z. B. 
zu den schönsten Portalen mährischer Schlösser: Proßnitz (Meister Kaspar 
Cuneo) und Johrusdorf, zu jenen berühmter „Herrenhäuser" (Stadthäuser der 
Barone) die Portale zu Eibenschitz, Brunn der Herren von Dub und Lipa 
ans dem Geschlechte der Berka; bezüglich des letzteren Herrenhauses fand 
ich auch den Namen des Künstlers heraus, den in Mähren als Architekten 
und Bildhauer oft genannten Georg Gialdi, denn urkundlich schließt 1589 
]\Iathausch Pollinger ])etrefts des in Brunn für Berka von Dub und Lipa 
zu erbauenden Herrenhauses mit Georg Gialdi einen Vertrag ab; Gialdi 
verpflichtet sich, „zwei Rondellen (die zweistöckigen Erker) und ein Portal 
herzustellen," dieses mit „2 Therminen (Hermen) und am Fronta- Spitz (Giebel) 
mit 3 Weibsbildern" zu schmücken; dies stimmt nun mit obigem Hause 
überein. 

Zu den ersten Galleriebauten Mährens der Renaissancezeit gehört un- 
streitig die kleine, höchst malerische Loggia im Rathaushofe zu Brünu, welche 
noch stark gotische KonstruktionsAveise verrät; schihie Arkadenhöfe besitzen 
z, B. die Schlösser: Luodenburg, M.-Kromau, Rossitz, Namiest (1573), Groß- 
Ullersdorf, Ung.-Ostra, M.-Trübau u. s. w. ; den sehiinsten Schloßhof aber 
besitzt Butschowitz (1566 -1587); das Schloß Eywanowitz mit seinem hübschen 
Säulenhofe wurde urkundlich bereits von einheimischen Kräften, von dem 
Briinner Baumeister Anton Paris und dem Steinmetze Johann Foncum 1608 
usgeführt. 

Die allmähliche Entwicklung des Schloßbaues durch sukzessive Zu- 
bauten führen uns Eulenberg (1545), Lundeuburg, Czernahora (1561), Groß- 
Meseritsch und Teltsch (1545 bis 1580) vor; ein vollständig in der Renais- 
sance neu entstandenes Schloßgebäude weist Kanitz auf, das zugleich den 



Kunstgesehichtlklie Bilder aus Mälu-en. 119 

neuen Typus der Facadc zeigt, ciu fcstuniisartii^es Tor, im 1. Stocke noch 
einfache, im 2. Stockwerke sclion gekuppelte Fenster; im Vorder-i'ehüudc 
noch eine Schnecken-, im riickwürtiuen Trakte sclion eine zweianuii;e Stieg-c. 
Ahnliche Fagadeu haben Sternberg- und Prerau; Mähr.-Kromau, 1513 begonnen 
und lö<)2 mit einem schönen Arkadenhof'e verschen, bringt uns dagegen das 
stattliche Äußere eines mit einem stolz.en Turme ausgezeichneten Schlosses. 

Von bemerkenswerten Interieurs der Renaissance seien die Ritter- oder 
P)ankettsäle genannt zu Groß-Ullersdorf (mit gefelderter Holzdeckc), der 
goldene Saal (l(JtU) auf Teltsch (mit ungemein reicher, polychromer und 
vergoldeter Kassettendecke) und ebendortselbst der sogenannte blaue Saal 
(Felderdecke mit schihier, ornamentaler IMalerci). 

An dem Schlosse Teltsch wurde ohne Unterbrechung in einem 
von 1545, und zwar von dem kunstsinnigen Zacharias von Neuhaus 
1560 — 1580 gebaut; derselbe schmückte den goldenen Saal auch mit kost- 
baren Gobelins aus, wofür er im Jahre 1580 die damals ganz bedeutende 
Summe von 1575 Schock mähr. Groschen zahlte, auch ließ er 1569 in 
Nürnberg bei zwei Meistern Glasmalereien anfertigen, von denen noch ein- 
zelne Reste vorhanden sind; nicht genug mit alledem, ließ Zacharias von 
Neuhaus von dem aus seinen Bergwerken gewonnenen Silber Stühle und 
einen zum Teile vergoldeten Tisch anfertigen; nach der vor kurzem erst 
aufgefundenen, noch erhaltenen Werkzeichnung waren es Meisterstücke aller- 
ersten Ranges, welche er durch einen deutschen Brünner Goldschmied, dessen 
Name leider nicht bekannt ist, herstellen ließ ; von diesen Kunstschätzen und 
vor allem von den Silbermöbeln ist trotz von Zacharias gegen Ein- 
schmelzung u. s. w. streng angedrohter hoher Geldstrafen nichts erhalten als 
auf Burg Rostein das Futteral eines dieser Prachtstühle. 

Auf einigen Schlössern haben sich, wie schon erwähnt, einzelne Räume 
in ursprünglicher Ausgestaltung erhalten, aber auch einzelne Ausstattungs- 
stücke besonderer Art sind noch zu finden; so haben z. B. schöne Majolika- 
öfen Schloß Chropin, Groß-Ullersdorf, Burg Pernstein u. s. w. ; auch Reste 
einst hochberühmter Waff'enkammern finden sich auf Chro])in, in Kremsier, 
auf Vöttau u. s. w. ; Burg Buchlau ist von oben bis unten kunterbunt mit 
^föbeln, Wafteu und Hausgeräte aller Art u. s. w. erfüllt. 

In der nun folgenden Zeit der Barocke tritt uns in Böhmen und 
Mähren ein gänzlich verändertes Bild entgegen, vor allem ein in politischer, 
religiöser und nationaler Beziehung vollständig anders gearteter Adel. Der 
durch seinen Reichtum, sein Ansehen und fast souverän gewordene flacht 
immer anmaßender und unbotmäßiger gewordene feudale, zumeist utra- 
quistische oder protestantisch gesinnte Adel Böhmens, zu dem auch die alten 
Barone des Landes Mähren sich gesellten, trat schon in der Zeit des hi)chst 
unentschiedenen, schwachen Kaisers Rudolf IL mit immer weiter gehenden 
Forderungen an die Regierung heran und suchte zur Unterstützung seiner 
Sache immer energischer Verbindungen und Bundesgenossen auch unter den 
Protestanten des Auslandes; er trieb iWv Dinge endlich bis zur offenen 
Empörung; diese begann mit dem geschichtlichen Fenstersturz in Prag, 



J90 Kunstgeschichtlirlie Bilder ;iu< Mähren. 

setzte mit der Forderungs-Deputation am Kaiserliofe Ferdinands IL in 
Wien fort und endete mit der Erklärung;' der Absetzuui;- desselben als König 
von Böhmen und der Wahl Friedrichs von der Pfalz zmn neuen Herrn 
des Landes, au welchen Aktionen der mährisch-akatholische Adel auch immer 
zustimmend teilnahm. Die Schlacht und der Sieg der kaiserlichen Truppen 
am "Weißen Berge (1020) machte der Winterkönigs-E[)isode ein fürchterliches 
Ende. Die utraquistische und protestantische Partei hatte hiemit alles ver- 
loren; schon in der Schlacht am Weißen Berge waren viele böhmische und 
mährische Edle gefallen; am 21. Juli 1621 wurde in Prag weiters eine große 
Zahl böhmischer Adeliger auf dem Blutgerüste des altstädtischen Ringes 
enthauptet, eine große Zahl war außer Landes geflüchtet; später zogen noch 
185 Geschlechter aus dem Herren- und Ritterstande aus Böhmen weg; der 
ganze Besitz des akatholischen Adels wurde konfisziert, auch desjenigen 
Teiles, der pardonniert wurde; Kaiser Ferdinand II. gab den Wert der 
damals eingezogenen Güter selbst auf 40 bis 50 Millionen Gulden an. Mähren 
kam weit glimpflicher fort, da es sich rechtzeitig ergeben hatte ; 51 Standes- 
herren wurden wohl als Rebellen zur Strafe erster Klasse verurteilt, 20 hie von 
sollten hienach enthauptet werden, doch nur wenige wurden von der Todes- 
strafe getroffen; der Gutsverlust wurde aber auch hier über 250 Adels- 
familien ausgesprochen und auch hier hatte sich, wie in Böhmen, der akatho- 
lisehc Adel meist gänzlich außer Landes verzogen. Damit hatte Mähren aber 
nicht etwa ausgelitten ; das Land mußte auch noch die Unbilden des dreißig- 
jährigen Krieges durchmachen und die Plünderungen und Verwüstungen der 
Schweden, 1642 bis 1645, erleiden; 1642 führten die Schweden allein 400 Wagen, 
mit Kostbarkeiten bepackt, außer Landes ; Olmütz und Eulenberg waren von 
den Schweden besetzt gehalten, Brunn dagegen zweimal vergeblich belagert 
worden, auch die Burg Pernstein blieb siegreich trotz vielwöchentlicher Um- 
zingelung. Wie sehr das Land damals gelitten, zeigt die Abnahme der 
Städtebewohner: Olmütz hatte 1640 noch 30.000 Einwohner, nach der 
Belagerung nur mehr 1675 Bürger; Iglau 13.000 Einwohner, nach der 
Belagerung nur mehr 299 Bürger. Znaim verlor zudem noch durch die 
Pest 6000 Bewohner und war fast ganz verödet. Die konfiszierten Güter 
Avurden wie in Böhmen, so auch in Mähren an den dem Kaiser treu ge- 
bliebenen katholischen, alten Adel, zumeist aber an den neuen, d. h. fremd- 
ländischen Adel, bestehend aus Deutschen, Niederländern, Spaniern, Italienern 
und selbst Franzosen, verschenkt oder höchst billig verkauft. 

Wie bei Schilderung der kirchlichen Kunst in der Zeit der Barocke 
Geistlichkeit und Adel an einer Unzahl von kirchlichen Bauten sich beteiligten 
und an dem Werke der Gegenreformation tätig waren, in ähnlicher Weise 
ging der Adel in der Zeit der IJaroeke nach dem Beispiele der kunst- 
sinnigen und prachtliebenden österreichischen Regenten, wie Leopold 1., 
Kaiser Karl VL u. s. w., auch an die Erbauung großartiger Schlösser, die 
er mit Kunstschätzen aller Art erfüllte. Durch die Menge bedeutender kirch- 
licher und profaner IJauten entwickelte sich in Mähren in der Barocke eine 
ungelieure Bautätigkeit, eine neue und hingandauernde Hlütezeit der Kunst; 



Kunst^'eschichtliclie Bilder aus Mäliren. 121 

die Zahl der Scliloßbauten in dieser Periode war eine enorme, trotzdem erst 
in der Kenaissaiice .so viele neue und scliöue Herreusitze entstanden waren ; 
die Kavaliere traeliteteu dureli die Großarti<;keit und Schönheit sowie durch 
deu Reiclitum ihrer Bauten zu i;länzen und die Werke ihrer Nachbarn zu 
verdunkeln. AVir linden unter dem mährischen Adel, welcher auch im edlen 
"Wetteifer, um seineu Kunstsinn und seinen Reichtum zu zeig-en, nicht wenig-e 
^Meisterwerke der Kunst sehuf, die D i e tr i ch s t e i n, Liechtenstein, 
Lichtens teiu-Kastelkorn, Pete rwaldsky, Kaunitz, Seren yi, 
A 1 1 h a u, Q u e s t e n b e r g-, S i n z e n d o r f, R o g g- e n d o r f, R o 1 1 a 1, Z i e r o t i n 
u. s. w., meist neue NnmcMi. Man ging- manchmal in der Herstellung und 
Ausschmückung der Bauten weit ül)er alle Grenzen hinaus, ja in einzelnen 
Fällen bis zur allergriWUen Verschwendung; so starb z. ß. 1771 der letzte 
Sprosse der gräflichen Familie von Szent-Mihaly, welche vordem neben großem 
Besitze und unermeßlichem Reichtume prachtvolle Paläste in Wien, in Paris 
und Venedig, erfüllt nut ungeheuren Kunstschätzen, besaß, gänzlich verarmt; 
aus dem Besitztume derselben soll das sogenannte Porzellauzimmer um 
fl. 30.000 (?) in den Besitz der Piati'schen Familie übergegangen sein, die 
'es in ihrem Palais in Brunn (jetzt Dubsky'sches) zur Aufstellung brachte. 
Und ebenso ging durch seine Verschwendung Albert Graf Hoditz elend 
zugrunde, der auf RossAvald in Schloß und Garten bei drei Millionen Gulden 
verbaut hatte; ein großer Kunst- und ^lusikfreund, gab er großartige Garten- 
feste mit Schäferspielen und hochgerühmte musikalische Aufführungen u. s. av. 
zum besten. Alle Haus- und Wirtschaftsbeamte und dei-en Familienmitglieder 
ließ er musikalisch ausbilden und bei den Schaustellungen und Festen wurde 
alles bis zu den Kuhmägden und Knechten herab mit Rollen beteilt; selbst 
im Sommer hatte er meilenweite Schlittenfahrten über ausgebreitetem Salze 
veranstaltet; zuletzt lebte er, von Friedrich dem Großen, der ihn einmal 
besucht hatte, mit einem Gnadeugehalte beteilt, in Potsdam in den kümmer- 
lichsten Verhältnissen. 

Auch die Bauten der Barocke wurden in Mähren zuerst (schon zu Ende 
des XVI. Jahrhunderts) von den mit den Ordensgeistlichen gleichzeitig ge- 
kommenen Bauverstäudigen eingeleitet, dann später von speziell berufenen 
italienischen Künstlern auf allen Gebieten der Kunst gefih-dert, bis zuletzt 
einheimische Kräfte die Führung übernahmen und selbst die Werke der 
Italiener in Schatten zu stellen versuchten. 

Schon 1598 beginnt Kardinalbischof v. Di et ri chs teiu durch den 
Baumeister Georg Gialdi den Neubau der Jesuitenkirche in Brunn und 
1616 baut er das Prcsbyterium des Olmützer Domes (einen gotischen Chor- 
umgang) im Stile der Barocke um, ihm bei gleich bleibender Länge eine 
große Breite ohne Zwischenstützen gebend. Fürstbischof K. Graf Lichten- 
stein- Kastelkorn berufrfür seine großartigen Residenz- und Schloßbauteu 
in Olniütz, Krcmsier, Mürau, Wischau, Keltsch u. s. w. den berülimten 
Architekten und Bildhauer Balthasar Fontana mit einem ganzen Stabe von 
Künstlern nach Mäliren, darunter die berühmten Freskomaler Monti und 
1 encalla, dann ausgezeichnete Meister der Stucktcchuik, darunter 



]^22 Kunstgeschichtliche Bilder aus Mälii-en. 

Foutanas Bruder, ferner 0. Castelli, Domenico Gagino, Carlo Borsa 
n. s. w. ; später treten noch die Namen J. Brentani, Peter Caroste ent- 
gegen. Andere Architekten, die in Mähren wirkten, waren J. J. Brascha 
(1()80), Carlo Fontana (1700), Martinelli, Petruzzi, Canevale (in 
Hradisch), Bertrandi, Giovanni Santini, Altomonte u. s. w. Von 
italienischen ^Malern der Barocke in Mähren kommen in erster Linie die 
Freskomaler Tencalla und Monti in Betracht, dann die Hofmaler 
Gionima, Basile, Maiardi; ferner Tassi, Fanti, Altomonte u. s. w. 
Auch der berühmte Bildhauer ]\[attieli arbeitete für Mähren, zum Teile im 
Auftrage des Kaisers Karl VI. 

Auch Frankreich übte einzeln und vorübergehend einen Einfluß aus 
sowohl auf den Schloßbau wie auf die Anlage großartiger Schloßgärten, 
auch fand ich einen von einem mährischen (oder österreichischen) Architekten 
in Paris ausgearbeiteten idealen Schloßplau vor. 

Von einheimischen, zunächst österreichischen Künstlern seien genannt: 
Fischer v. Er lach (Vater und Sohn), Johann Lukas v. Hildebrandt, 
Freiherr v. Hohenberg; dann die Baumeister Bliembel, Koppner, 
K a 1 1 n e r ; Architekt K e r n d 1, der deutsche Baumeister Thomas 
Schopp er u. s. w. 

Einheimische Meister sind: Christian Oed, die drei Baumeisterfamilien 
Grimm, Klitschnik und Kniebandl, dann der geniale Thomas Sturmer, 
der Ordenspriestcr Kaspar Oswald, A. Ritz, Johann Ferner, Lukas 
Gl ö ekel u. s. w. 

Von holländischen Malern treten uns entgegen: Nieport, Bruyuel, 
Fise, Sconcians u. s. w. Von österreichischen und sonstigen Malern finden 
wir: Rottmayer (KISli), v. Preiner (1724), Paul Troger, M. J. Schmidt 
(Kremser Schmidt), Johann Steger, Johann Seh äff 1er u. s. w.; von 
mährischen Malern: Handke, Eckstein, Etgens, Daniel Gran della 
Torre, der sonst unbekannte Pitz (1708) u. s. w. ; von Bildhauern: 
Zahn er, Mandik, Hirn die, Riga, Schauberg er, F ritsch (ein 
Schüler Donners), J. Winterhaider, Schweigel u. s. w. 

Nach den Namen der Künstler nun zu einigen ihrer Schloßbauten. Der 
Grundriß des Barockschlosses hatte gegen jenen der Renaissance wieder 
eine neue, sehr weitgehende Entwicklung erfahren; durch die nicht mehr 
gefährdete Ordnung und Ruhe im Lande konnte man immer mehr und 
mehr die früher unerläßlichen Schutzbauten fallen lassen; das Schloß der 
Barocke lag daher freier und offener da und nahm durch den großen Cour 
d'honneur, durch die Menge Nebenbauten, durch die innige Verschmelzung 
des Gebäudes mit dem Schloßgarten und seinen Baulichkeiten immer mehr 
an Länge und Ausbreitung zu ; offene Gallerien, Terrassen, Freitreppen ver- 
mittelten zwischen Park und Schloß ; im Garten entstanden Kioske, Kasinos, 
Grotten, Tempel und sonstige Bauten und selbst die Bäume, nun in Reihen 
zu Alleen gepflanzt, mußten glatte Wände mit Figuren-Nischen oder Lauben- 
gänge u, s. w. abgeben ; Wasserläufe, Bassins, künstliche Wasserfälle und 
springende Wässer belebten die großen Gartenanlagen, für welche selbst 



Kunstgescliichtliche Hilder aus Mähren. 123 

noch in der umliegenden freien Natur passende Schill ßpuukte gesucht odor 
erst hergestellt wurden. Nicht wie früher in der Renaissance, als ein strenge 
geschlossener, einfacher, kastenartiger, zwei- oder dreistöckiger Bau, sondern 
als ein mit seineu Teilen um den Ehreuhof gruppiertes, zusammengehöriges 
Ganzes erscheint das langgezogene Schloßgebäude der Barocke, bestehend 
aus einzelnen, in Teile losgelösten Partien, die aber durch Gallerien, Hallen 
u. s. w. zusammenhängen und als eine geschlossene Einheit wirken, trotz der 
verschieden hohen IJauten, der mannigfachen Dachformen und trotz des oft 
nur losen Zusammenhanges. Das Ganze ist eben nach einem festen, nach 
einem einheitlichen Plane geschnifen. Weite, imposante Vestibüle, manchmal 
auch Unterfahrten, großartige, mchrarmige, reich geschmückte Treppen, eine 
Reihe großer Säle, lange Gallerien, riesige Gartensäle (sala terrcna) bilden 
die nie fehlenden Teile dieser Herrensitze ; die ArkadenhiUc sind verschwunden, 
geschlossene Gallerien oder Gänge waren teilweise an deren Stelle getreten. 
Wie dem Architekten waren in der Barocke nun auch dem Bildhauer und 
^[aler sowie dem Kunstgewerbe mannigtaltige und weitgehende Aufgaben 
gestellt, so daß viele dieser größeren Schlösser bei ihrer reichen Ausstattung 
und mit ihren vielen Kunstschätzen wahren Kunstmuseen glichen. 

AVeun wir die Schloßbauten Kremsicr, Holleschau, Jarmeritz, Austerlitz, 
Buchlowitz und Raitz der Reihe nach vergleichen, tritt uns deutlich die allmähliche 
Entwicklung des Grundplanes des Barockeschlosses entgegen ; das Äußere 
zeigen in der Reihenfolge der Entwicklung Kremsicr, Selowitz, Austerlitz, 
Wisowitz, Bistritz und Ünter-Lnngendorf ; die Mannigfaltigkeit der inneren 
Ausstattung führen ans z. B. vor: der Kaisersaal auf Pirnitz, der große 
Ahnensaal auf Nikolsburg, der durch kühne, großartig wirkende Malerei aus- 
gezeichnete Saal zu Älilotitz (1724), der große Saal zu Jarmeritz, der grandiose 
Ahnensaal zu Frain (von Fischer v. Erlach, 1694), der Ahnen-, Thron- und 
Gobelinsaal auf Nikolsburg, der um 1770 neu ausgestattete große Saal zu 
Kremsicr, dessen drei Plafondgeniälde fl. ] 2.000, dessen Vergoldung fl. 8000 
gekostet hatte, die im Empirestile gehaltenen ovalen Säle zu Austerlitz und 
Wisowitz, der schon im antikisierenden Stile ausgetTüirte Saal zu Selowitz 
(17^0) u s. w. Großartige Gartensäle finden sich vor: in Namiest der ehe- 
malige Bankettsaal, der in der Barockzeit erst ausgestattet wurde und jetzt 
Bibliotheksaal geworden ist; der Saal in der „Wasserkunst" des Lustgartens 
zu Kremsier (1670) ; tünf salae terrenae in der fürsterzbischöflichen Residenz 
ebendortselbst (1698); die im Stile Drentwents al frcsko gemalten Räume 
im Schlosse Budischau u. s. w. 

Wir sind am Schlüsse unserer flüchtigen Iktrachtung! Der Zeitraum 
einer fast 20()0 jährigen Kultur- und speziell Kunstepoche mußte in diesen 
wenigen Zeilen durcheilt und durchmustert werden. 

Die nun folgende unruhige, aufregende Zeit, die Klosteraufhebungen, 
der Ausbruch der französischen Revolution, die napoleonischen Kriege, die 
totale Verarmung des Staates hatten jede Bautätigkeit unterbrochen und 
einen gewaltigen Rückschlag auf dem Gebiete der Kunst hervorgerufen; es 
kam für die arg heimgesuchten Länder die Periode der durcli zwingende 



124 Kunstgeschichtliche Bilder aus Mähren. 

Verhältnisse gebotenen Anspruchslosigkeit und Sparsamkeit, die sogenannte 
Biedermännerzeit in ihrer Kahlheit und Schalheit, die bis Ende der Vierziger- 
jahre des abgelaufenen Jahrhunderts andauerte; dann folgte die Zeit des 
Durchjagens und Durchprobicrens aller Stile und Zeiten, eine wahre Sturm- 
und Drangperiode, in welcher viel studiert, probiert und tüchtig gelernt, aber 
nur wenig Neues geschaffen wurde. Dies alles wurde nun schon wieder zu 
dem Alten geworfen ; eine neue Sturm- und Drangperiode ist herangebrochen, 
und zwar die des Probierens und Erfindens, auch ohne jedes vorherige 
Studium; alles früher Geltende und Geheiligte wurde von dem aus dem Bette 
herausgetretenen Strome achtlos niedergeworfen; aber auch diese Richtung 
wird wohl bald über Bord sein; denn man wird unter Würdigung der da- 
maligen Aufgaben, der damals gegebenen Verhältnisse und Bedingungen und 
der dadurch notwendigerweise resultierenden Formen, also auch unter 
Beachtung des in früheren Jahrhunderten Geschaffenen und Gewordenen, die 
Aufgaben der Neuzeit, die über ganz neue und hik'hst günstige Materialien 
verfügt, welche ganz neue Konstruktionen ermöglichen und eigene Formen 
verlangen, somit bei vollständig geänderten Verhältnissen und bei — der 
Architektur ganz neuen — Aufgaben auch jetzt die richtigen Konstruktionen 
und neuen Formen zu finden wissen, wie die Ingenieurkunst und der 
Maschinenbau die Formen schon seit langem versucht und zum Teile selbst 
auch durch Berechnung, also unter Beachtung statischer Gesetze gefunden und 
geschaffen und für ihre Werke die Architektur aus sich selbst geschöpft 
haben. Nicht mehr durch schulgcmäßes Lehren und Nachformen allein, nicht 
mehr durch die ewige Anwendung althergebrachter und immer ähnlicher, ja 
oft gleicher Formen mit der Antike oder der Renaissance u. s. w., sondern 
durch das in Verwendung stehende Materiale und die spezielle Konstruktion 
und deren Zweck bedingt, soll auch die jeweilige Architekturform selbst- 
schöpferisch zu schaffen und zu geben versucht werden; nur diese Richt;^ng 
kann die besondere Aufgabe der „Moderne" oder der „Sezession" sein. 

Hier die Neuzeit weiters zu besprechen, steht außer unserem Programme, 
und nur ein einziges Beispiel aus der Zeit der Frage: „In welchem Stile 
sollen wir bauen?" aus der Zeit der ersten Sturm- und Drangperiode soll 
hier angeführt werden, und zwar nur, um den Namen eines verdienstvollen 
Architekten der Vergessenheit zu entreißen und in weiteren Kreisen oekannt 
zu machen; es ist dies Georg Wingelmüller, welcher 1826—1829 die 
k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien besucht hatte und seit 1832 
als Bau-Adjunkt im Fürst Liechtcnstein'schen Dienste stand. Schon 1845 
fertigte er eine vollständige Skizze für das zu erbauende Schloß Eisgrub in Mähren 
an, welches nach dieser Skizze auch im großen und ganzen zur Ausführung kam. 
Wingelmüller bereiste dann 1846 im Aul'trage des Bauherrn Deutschland, 
Frankreich, Belgien und vor allem England, brachte von der Reise eine 
Menge vortrefflicher Studienblätter heim und vollendete, nach Hause ge- 
kommen, die effektiven Baupläne, da der Bau sofort in Angriff genommen 
wurde; leider starb er schon 1848; nach seinen weit ausgearbeiteten Plänen 
und Details wurde al)er der Bau von seinem damaligen Bauzeichner Johann 



Kunstgeschirhtliclio HilcU-r ;\us Mahren. 



125 



Heidrich, der auch zu seinem Naelifolgcr ernannt wurde, zur weiteren 
Ausführung- und Vollendung- gehraelit, wodurch dieser gewili kein kleines 
Verdienst sieh erworben hat. Wenn man beriicksichtigt, dali AVingelmüller 
die Akademie in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts besucht hatte, 
daß das l>au])rojekt bereits vor dem Jahre 1848 fertiggestellt war, also in 
der Periode eines Tiefstandes in der Architektur, nicht nur in Österreich 
allein, in einer Zeit, wo Wien noch nicht Van der Null und Siccards- 
burg, geschweige einen Ootiker Schmidt und einen Hansen und Ferstcl 
kannte, so muU man die Leistung Wingel müllers gewiß hochhalten und 
seiner als eines gewiegten und ausgezeichneten Künstlers gedenken. 

Hiemit schließe ich diese allgemeine Betrachtung der Baukunst in 
Mähreu, welcher zahlreiche Abbildungen der Bauten zu Hilfe kommen sollten, 
um ein annäherndes Bild der Eutwickelung der Baukunst in Mähren zu 
gewinnen; immerhin aber wird das Gesagte genügen, um zu zeigen, daß 
Mähren den übrigen Kronländern gegenüber keinesfalls zurückgeblieben war. 
Die Figurentafeln mögen einiges im verkleinerten Maßstabe der Original- 
Cliches bringen.*) 



*) Übergangsstil : I'ara(Uesi)oifal der ehem. Tiehitscher Klosterkirche, Nr. 1. (rolik: 
Ddinkirche in Ühnütz. Nr. '■2. Wenzelskirehe in Znaiiii, Nr. 3. Renaissance: Gruftkirche 
im Schlosse Teltsch, Nr. 4. Arkadenhof zu Uny.-Ostra, Nr. i). Fa^adenpartie des Schlosses zu 
l'lumenau. Nr. K). Der , goldene Saal-* zu Teltsch, Nr. 11. Portal des ehem. Lipa'schen 
Herrenhauses zu Brunn, Nr. 12. Barocke: Klosterknche zu Welehrad, Nr. 5, Piaristenkirche 
zu Kremsier, Nr. (i. Kirche auf dem heiligen B<rge bei Olmütz, Nr. 7. Jesuitenkirche hi 
Brunn. Nr. S. Gallerie auf Ungarschitz, Nr. 13. Milteli)artie der Hauptfa(;ade des Klosters 
Hradiscli. Nr. li. Sala terrena im bischöflichen Schlosse zu Kremsier Nr. 15. Ahnensaal auf 
Frain, Nr. lü. 





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pig. 15. Sala lerrena im „bischöflichen" Schlosse zu l(remsier. 




Ein Wort zur lieiniiüliclion Altcitumskiiiulo. 



127 




Fig. 1. 



Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 

Von Baurat Alois Franz. 

„Wer nur in der Vergangenheit lebt, wird trübsinnig; 

wer nur in der Gegenwart, oberflächlich; 

wer nur in der Zukunft, unbrauchbar, fantastisch; 

wer aber allen dreien lebt, kommt zur rechten Dreieinigkeit." 

|j^st diese Sentenz richtig-, so darf wohl von allen Ständen und Berufen der 
^^1^' sich mit der Altertumskunde beschäftigende Techniker am ehesten hoften, 
diese „rechte Dreieinigkeit" zu erringen. Steht und wirkt doch kaum irgend 
ein anderer Beruf so intensiv und vielseitig- in der Gegenwart wie der 
unsere, denn : „Mit Wasser-, Dampf- und Windeskraft treibt dieser seine 
Werke, der neue Elemente schafft, der wehrt des Stromes Stärke, der führet 
Bahn und Brücken aus und der baut Kirche, Schul und Haus," während 
derselbe zugleich auch mit seinen verschiedenen Experimenten, Entwürfen, 
Projekten und Voranschlägen für die Zukunft lebt und webt und kaum 
jemand anderer die Mahnung: „Nur in Würdigung des Alten soll das Neue 
sich gestalten," so zu beherzigen hat wie gerade der Techniker, ob er nun 
kommassiert, melioriert, kanalisiert, einen Flußlauf korrigiert, einen Stadtteil 
reguliert, oder gar ein altes Bauwerk adaptiert oder restauriert. 

Und doch ist es eine ebenso auffallende als unleugbare Tatsache, daß 
sich einerseits nur äußerst wenige Techniker — Dozenten wie Praktiker — 
mit Archäologie beschäftigen, anderseits es aber auch kaum einen zweiten 
Stand geben wird, welcher zu derartigen Arbeiten so selten ))e rufen 
und herangezogen werden würde, als gerade der die Praxis ausübende 
Techniker. Obzwar man doch glauben sollte, daß dem Geometer und Kultur- 
techniker, den sein Beruf in die entlegensten Winkel des Landes führt, sowie 
den Eiseubaliningenieuren und Wasserbauern bei ihren Tracieriingen und großen 
Erdbewegungen und den llochbauern bei Demolierungen und Fundierungen 
die so überaus günstige Gelegenheit geboten wäre, Funde aller Art zu machen, 
beziehungsweise in Erfahrung zu bringen oder vor Zertrümmerung und Ver- 
schleppung zu bewahren, da ferner alle beabsichtigten Änderungen an alten 
Bauwerken durch die Hände der „Bauorgane" des Staates, Landes und der 



128 Ein Wort zur heimallichen Allertuinskunde. 

Städte gehen müssen, diese daher zu allernächst g-c eignet wären, für 
die saeh- und kunstgerechte Konservierung von Baudenknialen einzutreten : so 
ist doch unter den 157 Konservatoren der k. k. Zentralkommission für Kunst- 
und historische Denkmale die gesamte Techuikerschaft Österreichs derzeit nur 
mit 17, also nicht einmal mit 11 von 100 vertreten, ja es fungieren selbst in 
der Sektion II für Architektur, Plastik, Malerei, Numismatik und Sphragistik 
von 82 Konservatoren nur 16 praktische Techniker, vv^obei nicht weniger 
als in 8 Kronländern der 15 Königreiche und Länder unseres Vaterlandes: 
Bukowina, Krain, Küstenland, Mähren, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vor- 
arlberg überhaupt nicht ein einziger, seinen Beruf praktisch ausübender 
Techniker als Konservator berufen erscheint. 

Es hat somit allen Anschein, als ob in dieser Beziehung eine Art circulus 
vitlosus bestehen würde. 

Wenn nun auch hier nicht der Ort sein kann, den Ursachen dieser Er- 
scheinung nachzugehen, so soll doch wenigstens eines Umstandes gedacht 
werden dürfen, welcher, wenn auch nicht alles, so doch vieles erklärlich 
erscheinen läßt, nämlich, daß dem Techniker in seiner Mittelschule die 
alten Sprachen vorenthalten sind, wiewohl er diese doch vom ersten Plus- 
und Minuszeichen bis zum Dift'erenzial und Integral, vom Tetraeder bis zum 
Tesserakontaoktaeder, vom Fundament bis zur Sima beständig anwendet, vom 
Astrolabium bis zum Tachymeter fast alle technischen Instrumente und vom 
Nonius bis zum Koherer die meisten Apparate ja sogar Objekte der modernsten 
technischen Praxis: Karbulineum, Linoleum, Xylolith, Autimcrulion, Fulgerit 
u. dgl. m. lateinisch oder griechisch benannt sind, und somit ein aus einer 
„Realschule" hervorgegangener Techniker, der sich zwar im Wege der 
deutschen Übersetzungen indirekt mit dem Inhalte der alten Klassiker vertraut 
machen kann, selbst wenn er sich in späteren Jahren durch Selbstunterricht 
einige diesbe/.üglichc Sprachkenntnisse aneignet, bei Quellenstudien vom 
XVII. Jahrhundert aufwärts, z. B. schon bei unserem dreisprachigen „Codex 
diplomaticus et epistolaris Moraviae" gar bald mit seinem Latein zu Ende ist. 

Erst wenn — wie dies bekanntlich von der in Praxis stehenden Techniker- 
schaft angestrebt wird — Universität und Polytechnikum eine gemeinsame 
Mittelschule haben werden, oder bis der absolvierte Realschüler neben Zirkel- 
und Freihandzeichnen auch wenigstens „Lateinisch" kennen wird, dann wird sich 
der Techniker der Altertumskunde in erhöhterem Maße wie bisher zuwenden 
und, wie auf anderen, so auch auf diesem Gebiete Ersprießliches leisten können 
und dann hoffentlich auch zu derartigen Arbeiten häufiger berufen werden. 

Bis dahin dürfte aber wie bisher im allgemeinen für absolvierte Gym- 
nasiasten mehr die archivalischc und e])igraphische, uns Männern mit „bloß 
realer Bildung" mehr die zeichnerische Seite des archäologischen Arbeits- 
gebietes vorbehalten bleiben, wobei wir aber auch in dieser Beschränkung 
den Nachweis erbringen können, daß zur „wahren Bildung nicht allein 
Wissen, sondern auch Vertiefung des Gemütes und tatsächliche Begeisterung 
für Schönheit und Recht gehört." 



129 








Fi?. 2. 



Fiir. :} 



Fig. 4. 




Flg. 5. 



J30 Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 

Die zeichnerisclie Betätigung' ist hiebei durchaus nicht als etwas Minder- 
wertiges, vor einer anderen Beschäftigung etwa Zurückstehendes anzusehen, 

denn : 

„Des Malers Kunst, die das, was sie erschaut, 

Lebendig weiß im Bilde zu gestalten, 
Macht auch das Fremde uns vertraut 
Und gegenwältig längst vergangene Gestalten" 
un Denis Diderot hat schon gesagt: „Ein Volk, welches auf die zeich- 
nerische Ausl)ildung der Jugend denselben Wert legen würde wie auf Lesen 
und Schreiben, würde ohne Zweifel nicht nur das höchst kultivierteste, sondern 
auch das wohlhabendste der Welt sein." 

Wohl! — Ist aber dieser Ausspruch aus dem Ende des XVIII. Jahr- 
hunderts heute, im zweiten Jahre des XX. Jahrhunderts, bei dem hohen 
.Stande, welchen die Photographie in jeder Beziehung erreicht hat, nicht etwa 
selbst — antiquiert? 

Nun, abgesehen davon, daß eine Kamera nicht immer und überall so 
zur Hand ist und sein wird wie Papier und Bleistift, hat die Photographie 
weder den Maler noch den Zeichner, wenn sich ihrer auch beide als hoch- 
willkommenes Hilfsmittel l)edienen, bis jetzt noch nicht überflüssig gemacht. 
Zwar ist die Wiedergabe von Inkunabeln, Stahlstichen, prähistorischen Auf- 
deckungen, plastischen Kunstwerken etc. ja in manchen Fällen, eine günstige 
Beleuchtung und einen guten Standpunkt vorausgesetzt, selbst von Architektur- 
bildern durch Photographie einer oft nur höchst mühsamen und zeitraubenden 
oder nur skizzenhaften und flüchtigen Zeichnung, so z. B. der Kapitale des 
romanischen Kreuzganges der Forta codi in Tischnowitz aus der ersten Hälfte 
des XHl. Jahrhunderts, Fig. 6, 7 und 8 vorzuziehen ; aber eine günstige 
Beleuchtung und ein guter Staudpunkt sind eben nicht immer zu haben, 
während der Zeichner von beiden fast vollständig unabhängig ist. 

Auch vermag die Photographie immer nur ein perspektivisches Bild 
und niemals selbst wenn ein Maßstab mit photographiert wird, eine ortho- 
gonale Projektion in den tatsächlichen Abmessungen eines Objektes, wie dies 
so oft notwendig und erwünscht ist, zu geben, während der Zeichner sich 
bei seinen Aufnahmen zu jedem Teile eines noch so großen Objektes direkt 
oder mittelst Leitern etc. begeben und beim Auftragen der Zeichnung jedes 
Detail an seinen Platz in den richtigen Dimensionen setzen kann. Vide P^'ig. 5. 
Auch versagt die Photographie bei glänzenden Metallgegenständen nur zu 
häufig, weil die nicht zu umgehenden Glanzlichter ungemein stören und daher 
allfällige Gravuren, feine oder kleine Details gar nicht oder nur sehr undeutlich 
und verschwommen erscheinen, während die Zeichnung z. B. eines Schmuck- 
stückes wie Fig. 3 oder eines Kelches Fig. 16 auch die filigransten Details 
mit aller Schärfe und Deutlichkeit — allerdings aber wiederum nur dank 
der technischen Errungenschaften — mit Hilfe der neuen photochemischen 
Reproduktiousverfahren der Phototypie, Heliogravüre u. s. f. zu bringen vermag, 
80 daß Zeichner und Photographen sich durchaus nicht zu bekämpfen brauchen, 
sondern in einem anderen, erfreulicheren Zirkulus harmonisch und kamerad- 
schaftlich wirken und arbeiten können. 



Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 



131 






Fiff. 7. 



Fig. 8. 



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^mifj'^m^^'^"i:0 




lf|mi|^öiü(i;^5iii(^^ 



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Fig. lU. 



Fig. <i. 



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Flg. 11. 



9* 



132 



Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 



Freilich tuts das Zeichnen allein nicht, denn wie Goethe sagt: „Zeichnen 
um zu zeichnen wäre Reden um zu reden," sondern es gilt nach dem alten 

Merkworte : 

„Ein Kunst die man vorhorüren held 

UndL nil j,'ebrucht zu nutz der weld 
Die f^WiM so viel allli wer sie nit, 
Drum wer was kann, dien andern mit," 

das Gezeichnete sowohl im Interesse von Kunst und Wissenschaft, als auch 
nicht minder zur Weckung und Festigung der Liebe zu Volk, Heimat und 
Vaterland zu verwerten und zu ver()tif'cntlichen. Da nach Ro segger „Das 
Sichversenkeu in fremdes Leben ein gutes Mittel gegen Selbstliebe und Eigen- 
nutz" und da namentlich von dem zur Schaffung neuer Objekte heran- 
gebildeten Techniker das mancherlei Entsagungen und Opfer heischende 
Versenken in die Formenwelt vergangener Zeiten ein wirksames Arcannm 
o-egen Dünkel und Überhebung bildet, so wird jeder, der in diesem Bewußt- 
sein den Mut findet, mit heimischen kunstantiquarischeu Arbeiten vor die 
Öflfentlichkeit zu treten, in unserer Zeit allerdings keinen anderen, aber 
gerade darum einen nur umso kiistlicheren Lohn ethischer Befriedigung zu 
gewärtigen haben. 

Daß und in welcher Weise oft heimatliche Alter- 
tümer einen Eintliiß auf das Gemüt ausüben können, möge 
hier durch ein ganz kleines Beispiel, dem nebenstehend 
Fig. 12 abgebildeten, schlichten, unbedeutenden, im 
Jahre 1809 nicht besonders glücklich restaurierten, am 
linken Ufer der Schwarza bei Brunn stehenden steinernen 
Bildstock, dessen wenig besagende Inschrift: 
„ I JM IG . . JAR I HATZVLOP | VNDEHR | GOTTESD | 
I ESALLMAE | CHT I( JEN | DIESL MARTER ] LASSEN | 
I AVF I RICHTENDER | ERBARE MAS | DER TVRIN | 
I STA IN METZ ] NACHHER | VON DER | NEVSTIFT |" 
lautet, illustriert werden, welcher Bildstock bei den lieb 
werten Mitschülern der Brünner Realschule aus den 50er 
Jahren des verflossenen Jahrhundertes, wenn sie erfahren, 
daß dies die „weiße Marter" ist, in deren unmittelbaren 
Fig. 12. Nähe zu „damaliger Zeit" so mancher Realschüler das 

übertretene Badeverbot mit dem Leben gebüßt hat, ganz gewiß so manche 
Erinnerung an Freud und Leid längst verrauschter Jugendzeit zurückrufen wird. 

Ja, gibt es denn aber bei uns in Mähren noch irgend welche alte 
Sachen, die nicht bereits von berufener und unberufener Seite veröifentlicht 
worden sind und die „dafür stehen" sie abzuzeichnen und zu publizieren? — 
Gewiß! Nur daß man, wie ein türkischer Spruch besagt: „Für Kundige 
steckt die Kunst unter einem Hälmchen, lür Unkundige unter einem Berge", 
für sie ein offenes Auge haben muß und daß sie nicht immer und nicht alle, 
wie Kirchen, Burgen, Ruinen, Schlösser oder z. B. das als Randleiste Fig. 1 
abgebildete, barocke, in reicher, getriebener Schmiedeeisenarbeit ausgeiührte 




I 

4 



Ein Wort zur heimatlichen Alteiiumskuade. 



133 




Fiff. 13. 




. ^tf ml fr- » W ., ... ... i«.ldJy 







Fi- 15. 




Fig. 16. 



134 



Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 



Balkongeläiuler an dem dermaligen rfarrgebäiide in Obrowitz, alte Wirtshaus- 
und Ilaudweikssehilder, wie das uel)enstehend Fig. 17 abgebildete reizende 

Aushängeschild eines 
Sattlermeisters in der 
Verlorenen Gasse Nr.24 
in Ol mutz aus der Blüte- 
zeit der mährischen 
Schmiedearbeiten, oder 
das mit seinen 10, be- 
ziehungsweise 12 phan- 
tastischen, in Flach- 
eisen geschnittenen und 



i 

i 




gravierten, durch die 



Fig. 17. 

heiß gelochten Rundeisenvoluten gezogenen Tier- und ]Menschenköpfeii so 
überaus originelle Grabkreuz auf dem Friedhofe in Unter-Wisternitz Fig. 13 
u. s. f. so zu sagen auf offener Straße liegen, oder wie z. B. der mit den 
nach Art des Kerbschnittes ausgeführten Verzierungen und an Gemmen 
erinnernden Köpfen sowie einer aus dem Vollen geschnitzten Frauenbüste 
an der gekrümmten Schalenenduug, als Erzeugnis alt-mährischer Volkskunst 
gewiß beachtenswerte, Fig. 4 in Ya natürlicher Größe abgebildete „Taschenfeitl," 
die Salzreiber Fig. 9 und 11 u. v. a., die in den heimischen Museen verhältnis- 
mäßig leicht zugänglich sind. Sie müssen, wie das (weil derzeit in einem 
viel jüngeren Kammervorbau befindliche) dem Besucher der Kirche von 
Mödritz nicht ohneweiters zugängliche, schon durch die ganz eigenartigen 
Säulenschäfte und Kapitale der Übergangsperiode der Gotik zur deutschen 
Renaissance und durch die in die Zeit der Wiedertäufer fallende Inschrift: 
„A • D 1 • 5 • 40 HERRGOT ERHER • DAS • GEBET • DEINES VOLKS 
WELCHS • GSCHICHT • xVN DER ST AT z PA-"t ICH WILLS VON • 
HIMEL • HEREN • VND • IRE SVND • VERGEBEN • SPRICHT DER • HERR 
z PA ]>" so interessante Steinportal Fig. 5, oder der hinter Holzvorräten ver- 
steckte Grabstein Fig. 10 und der mit für die Zeit um 1736 so charakteristischen 
Ornamenten, Eugelsköpfchen und Festous in Silber meisterhaft getriebene 
und vergoldete 28 cm hohe — nach dem Wardeiuzeichen eines möglicherweise 
als mährisches Landeswappen oder als Stadtwappen von M.-Neustadt, Olmütz 
oder Znaim anzusprechenden heraldischen Adlers und der Silbcrpunze C F 
des Brünner k. k. Filialpunzierungsamtes zu schließen — höchst wahrscheinlich 
von einem mährischen Goldschmiede „F R" ausgeführte Calix quotidianus 
in der Kirche von Neudorf bei Lundenburg Fig. 16 u. s. f. erst gewisser- 
maßen „aufgestöbert" oder, wenn man will, „entdeckt" werden. Bei 
anderen Objekten, z. B. dem im Besitze des Herrn Grafen St. Genois-Stoll 
l)efindlichen, Fig. 2 in halber Größe abgebildeten, vergoldeten, mit Rose und 
„H K" punzierten Silber-Löffelcheu oder dem im Besitze der Exzellenz-Frau Gräiin 
Vetter-Arz befindlichen, Fig. 3 in Naturgröße wiedergegebenen, teils aus blankem, 
teils aus mattem, partiell patiniertem Golde, mit drei Perien, zwei kleinen, 
quadratischen, grünen, in Treppenschnitt geschlifteuen Steinen, einem großen, 



\ 



i 



Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 



135 



elliptiselieii, hellblau fransliicciHleu, in Krüppeln gcfaLiten Mittelstein, tünf roten 
Edelsteinen und drei schönen, als Anhängsel an den Kundistcn a joiir {;-etal.5ten 
Topasen aiisgetiihrteu alten Familienschniueke, kann die Mögliehkeit einer 
zeiehnerischen Aufnahme wiederum nur bei f;ewissen iȟnstig-cn Gelegenheiten, 
etwa den Spe/jalausstellungen unseres Mährischen (Jewerbemuseums, erfolgen. 
Rarität, Kunst- und antitpiarischer Wert sind es aber nicht allein, welche 
das Augenmerk des Altertunisfreundes und T^okalpatrioten auf alte Objekte 
lenken, denn: „ein echter :ind sicherer Kunstsinn kann schlechterdings ohne 
den historischen nicht sein," sagt (1811) B. G. Niebuhr und hat, nach dem 
Ausspruche des Vaters des österreichischen Kunstgewerbes, unseres Olmützer 
Landsmannes j R. v. Eitelberger, „die Geschichte keine wichtigeren, deut- 
licheren und lauter redenden Denkmale als jene, welche in Stein und Erz in 
Malerei und Architektur sich erhalten haben". — Knüpft sich doch — um 
nur aus der beschränkten Zahl abgebildeter Objekte diesbezügliche Beispiele 
zu nehmen — an den Fig. 10 in '/-io *i^t. Gr. vorgeführten Grabstein des im 
Jahre 1523 gewählten 16. Cistercieuserabtes Ambrosius von Saar, welcher 
1538 gezwungen war, mit allen Brüdern das Kloster zu verlassen und bei dem 
Beuediktiuerprobste Johann II. in Raigern Zuflucht zu suchen, und hier 1540 
starb, eine ganze Episode mährischer Geschichte. — Sprechen unmittelbarer 
und augenfälliger als eine lange Abhandlung die Fig. 9 und 11 in halber 
nat. Gr. abgebildeten hölzernen Schalen (Rückseiten) zweier Gewürzreiber, 
von denen der in Tarkaschi- Arbeit ausgeführte Fig. 9 ein Hochzeitsgeschenk 
eines Tischlermeisters sein dürfte und jener Fig. 11 sämtliche Werkzeuge 
des Bindergewerbes aufweist, von der luxuriösen Lebenstührung und dem 
Haudwerksstolze der alten Zünftler, so gehören immerhin schon etwas ein- 
gehendere kulturges<'hichtlichc Kenntnisse dazu, um in dem nebenstehend 
Fig. 18 in ^a, seiner wirklichen Grölie abgebildeten, 
in Zinn gegossenen gravierten und 1561 datierten 
(Jcgenstande ein sogen. „Gesellen -Schild" (der 
Trebitscher Weber) zu erkennen, wie solche die 
„Alt -Laden -Sprechgesellen", also die Vorsteher 
der Gesellenbruderschaften, bei allen festlichen 
zünftigen Aufzügen, Prozessionen, Begräbnissen, 
den Auflagen und Krugtagen der Gesellen u. s. f. 
als Abzeichen getragen haben. — Auch das in 
Fig. 14 in Naturgröße wiedergegebene gul.k'iserne 
Brustkreuz entbehrt nicht einer gewissen lokalen fio- l'^- 

historisch-technischen Bedeutung, als dasselbe anläßlich der festlichen In- 
auguration des Kunstgusses in Blansko gegossen worden ist, während der 
Fig. 15 in ^/^ seiner natürlichen Größe abgebildete, im Jahre 1!H)0 bei der 
Demolierung des „Gerstbauer'schen Stiftungshauses" am großen Platze Nr. 13 
in Brunn aufgefundene alte, im Querschnite Q förmige, aus schwarzem Ton 
gebrannte, unglasierte, mit großen Glimmerblättcheu belegte „Wappenkachel"* 
eines Zimmerofens des XV. Jahrhur.derts mit dem nach rechts gewendeten 
Storch im ^ezinnt angestückten Schilde, dem gekrönten, nach rechts gewendeten, 




136 



Ein Wort zur heimatlichen Altertumskunde. 



wacliscnden Hirsche im Ziniicr des auffällij^ kleinen Steclihelmes zu einer 
heraldisi'h-jjccucaloiiischeu Fürschuug geradezu herausfordert. — Sowie endlich 
auch das als Schlußvignette Fig. 19 abgebildete Zwickelfeld von den leider 
abgemauerten Arkadengängen des Schlosses in Ratschitz, abgesehen davon, 
daß uns aus dieser prächtigen Bildhauerarbeit ein schalkhafter Humor 
entgegenlacht, insoferne ein historisches Interesse bietet, als wir es hier 
zweifellos mit dem Selbstbildnisse des Erbauers des Ratschitzer Schlosses und 
seines vielleicht einzigen Kindes zu tun haben, wie dies wohl auch die 
Zimmermanns- und Steiumetzembleme zu beiden Seiten der Medaillou- 
Cartouche oifenbar andeuten sollen. 

Bevor dieser kleine Beitrag zu unserer Festschrift mit der in das Zitat 
eines orientalischen Sprichwortes gekleideten Bitte: „Schaue nicht auf den 
Redner, schaue auf das, was ihn sprechen macht" beendet werden soll, wäre 
noch die vielleicht nicht müßige Frage, ob unsere neueste Kunstrichtung 
die heimische Kunstarchäologie nicht etwa überflüssig gemacht und lahm 
gelegt hat, u. z. mit einem entschiedenen Nein zu beantworten, denn man 
kann in dieser Beziehung Theobald Hof mann nur vollständig beipflichten, 
wenn er sagt, daß auch die „Moderne" das Erbe erst erwerben muß, um es 
zu besitzen, zu nutzen. Das war stets so, solange es Kultur und Kunst 
gegeben, und wird es bleiben bis an der Welt Ende. 

Wir können somit auch getrost die goldenen Worte mit unterschreiben, 
welche einst Emanuel Geibel in das Stammbuch des Lübecker Fischer- 
hauses gewidmet hat: 

,Am ij'uten Alten — In Treuen halten, 
Am kräftigen Neuen — Sich stärken und freuen, 
Kann Niemand gereuen!' 




Fitr. l!i 



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Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenunleirioht an den cistorr. Mittelschulen. 137 

Der gegenwärtige und zukünftige Zeichenunterricht 
an den österreichischen Mittelschulen. 

fVon Schulrat Professor Anton Andel. 
\e k. k. (leiitsclie Staatsrcalscliule in Brunn bcj;elit heuer das Jubelfest 
^..j^.-,.^ ihres iunfzii^j ährigen Bestandes — fürwahr ein seltenes und schönes Fest 
für eine Realschule. Dieses Fest gewinnt noch an Bedeutung, weil es in eine 
Zeit hineinfällt, wo ein neuer Zeitgeist zur Herrschaft gelangt ist, in welcher 
die technischen Wissenschaften einen ungeahnten Aufschwung genommen 
haben und die Ertindungen auf dem Gebiete der Elektrotechnik, des Maschinen- 
wesens und der Chemie mit immer steigendem Erfolg sich mehren. 

Auch die Künste blieben nicht unberührt vom neuen Zeitgeist; die drei 
Schwesterkünste „Architektur, Plastik und Malerei" haben auch an den 
Wandhingen teilgenommen, die der Weltenlauf mit sich gebracht hat, und 
die Malerei ist es zunächst, deren Wandlungen selbst uns Schulmänner und 
speziell die Fachleute des Zeichenunterrichtes nicht unberührt gelassen haben. 
Ja, man fühlt es bereits allenthalben, daß wir am Beginne einer Reform- 
bewegung stehen, welche so manche Wandlungen unserem Zeichenunterrichte 
bringen dürfte. Blicken wir zunächst ein wenig in die Vergangenheit, so 
werden wir bemerken, daß das Jahr 1873 den ersten und gewiß wichtigen 
Markstein in der Geschichte der Entwicklung unseres österreichischen Zeichen- 
unterrichtes bildet. 

In diesem Jahre wurden die ersten geregelten Lehrpläne für den Zeichen- 
unterricht an Volks- und Bürgerschulen, an Realschulen und Gymnasien und 
an Bildungsaustalten für Lehrer- und Lehrerinnen, sowie an gewerblichen 
Fortbildungsschulen im V^erordnungsw^ege publiziert. 

Seit dieser Zeit ist der Zeichenunterricht an den österreichischen höheren 
ünterrichtsanstaltcn in steter Entwicklung begriffen; es ist tatsächlich die 
Entwicklung eines noch jungen Unterrichtsgegenstandes neben den übrigen 
älteren und in ihren Methoden gefestigten Disziplinen. Der Zeichenunterricht 
niuss erst ausgestaltet und in feste Bahnen gebracht werden, wenn er den 
vollen Erfolg erringen soll. 

Es ist also einleuchtend, daß dieser Unterricht steten Verbesserungen 
und Veränderungen unterliegt, wenn er, einer zarten PHanze gleich, aus dem 
unscheinbaren Keim allgemach zu einem fruchttragenden Baum heran- 
wachsen soll. 

Der Keim wurde im Jahre 1872 gelegt, als die von der österreichischen 
ünterrichtsverwaltung einberufene Kommission zur Berathung der Reform des 
Zeichenunterrichtes tagte, als deren erster Erfolg die im Jahre 1873 heraus- 
gegebenen Lehrpläne für den Zeichenunterricht an den oben genannten 
Anstalten anzusehen sind. 

Seither sind nahezu dreißig Jahre vei-flossen. Im Laufe der zwei letzten 
Jahrzehnte sind an den ursprünglichen Lehrplänen für Mittelschulen namhafte 



138 Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenunterricht an den öslerr. Mittelschulen. 

Veränderungen vorgenommen worden, welche in den Lehrplänen vom Jahre 1891 
und 18l>8, hezw. 1900 ihren Ausdruck gefunden haben. 

Es kam das Ende des neunzehnten Jahrhundertcs und au der Schwelle 
des neuen feierte Europa auf der Weltausstellung von Paris ein Fest der 
Arbeit und des Fortschrittes auf allen Gebieten. 

Nicht nur die moderne Technik, auch die Kunst und die Industrie 
zeigten sich bereits in neuen Formen; und wenn wir noch einen weiteren 
Schritt machen zum Unterrichtswesen, so gewahren wir, daß auch dieses 
auf der Pariser Weltausstellung sich auf neuen Wegen, und dies insbesondere 
in der „neuen Welt," mit Sicherheit und großem Erfolg zeigte. 

Jedermann, der auf der Pariser Weltausstellung zu suchen verstand, 
fand gewiß reiche Beleln'ung und Anregung in seinem Fache. So war es 
auch im Zeichenunterrichte der Fall. Die österreichische Regierung, dies 
genau voraussehend, entsendete unter anderen auch Fachmänner für den 
Zeichenunterricht, damit sie in Paris angeregt würden und nicht nur ihre 
Erfahrungen bereichern, sondern auch einst zum Nutzen des Unterrichtes 
verwerten sollten. 

Es war den nach Paris entsendeten Fachleuten reichliche Gelegenheit 
geboten, eingehende Studien über den gegenwärtigen Stand und üher die 
Fortschritte des Zeichenunterrichtes in verschiedenen außerösterreichischen 
und außerdeutschen Staaten, wie Frankreich und England, in erster Linie 
jedoch in den „Vereinigten Staaten" der neuen Welt — zu macheu. 

Auch ich war einer der Glücklichen, und fürwahr, ich darf es ungescheut 
sagen, ich nützte die Gelegenheit durch die 16 Tage meines Aufenthaltes 
in Paris gründlich aus. 

IJald wurde ich gewahr, daß die Methode im Zeichenunterrichte in 
Frankreich keine hervorragenden Unterschiede derjenigen vom Jahre 1878 
(Weltausstellung in Paris) gegenüber zeigte; hie und da konnte man wohl 
Anlange von Verbesserungen erkennen. England aber ging in den Ver- 
besserungen und Erfolgen viel weiter; am weitesten jedoch kamen die Union- 
staaten Nordamerikas, woselbst sich die durch mehr als fünfundzwanzigjährige 
Praxis gekräftigte, zielbewußte und auf natürlicher und freier Grundlage 
aufgebaute Methode des Zeichenunterrichtes in ihren verblütfenden Erfolgen 
den europäischen Fachleuten zum erstenmale öffentlich zeigte. 

Die Ziele und die leitenden Grundsätze des modernen Zeichenunterrichtes 
gehen von hohen Gesichtspunkten aus. Es liegt in der ganzen Führung und 
in der Lehrweise dieses Gegenstandes etwas ganz Entschiedenes, Sicheres 
und Zielbewußtes und im einzelnen zeigt sich ein wohl durchdachtes, auf 
langjähriger Praxis beruhendes System, nach welchem eine jede Übung auf 
Grund der vorhergehenden aufgebaut wird. Die Art, wie alle bisher bei uns 
noch nicht gelösten Fragen beantwortet, wie wichtige Vorgänge im Unterrichte 
behandelt werden, ist eine ganz einfache und natürliche. 

Es ist gewiß viel und von bedeutenden Männern über die Nützlichkeit 
und Wichtigkeit des Zeichenunterrichtes in Europa gesprochen und geschrieben 
worden, vielleicht nur zu viel, und doch ist die Überzeugung davon noch 



Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenunterricht an den österr. Mittelschulen. 139 

laiiii'e nicht, selbst bei Scluilmäunerü, eine alli;emeiue ü;cwor{lcn. Sie wird 
es erst dann, bis der Ert'oli;- des Zeieheuunterriehtes allenthalben ein greif- 
barer und über allen Zweifel erhabener sein wird. Daß es dazu bei uns 
in ()sterreich einmal kommt, braucht gewiß bei unseren Talenten unter den 
Lehrern, bei guter Führung und bei der nötigen Freiheit nicht bezweifelt 
zu werden ; wie die Sachen jetzt stehen kann man sich ruhig dieser Hoffnung 
hingeben. 

In den Unionstaaten ist das hohe Ziel des Zeichenunterrichtes schon 
in den Elementarschulen mit wenigen, aber bedeutungsvollen Worten gekenn- 
zeichnet. Dort gilt der einfache Satz: „Das Zeichnen ist eine Universalsprache, 
in welcher sich die Jugend jedermann verständlich zu machen hat." Also 
mit anderen Worten, die Jugend hat sich in der Schule den zeichnerischen 
Ausdruck anzueignen. In den Elementarschulen wird noch nicht gefordert, 
daß der Ausdruck zugleich ein schöner und künstlerischer, gefälliger etc. 
sein sollte; in den höheren Schulen erst beginnt man auch dieser letzteren 
Forderung nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. 

Geradeso wie man in den Schiden schreiben lernt, nicht um Kalligraph 
zu werden, so lernen die Kinder zeichnen, um sich zeichnerisch, ihrer eigenen 
Individualität entsprechend, ausdrücken zu können. 

Also nicht als Kunstübung, sondern als eine wahrhafte und praktische 
Grammatik des zeichnerischen Ausdruckes wird das Zeichnen dort gepflegt, 
wobei es zugleich auf eine höchst einfache Darstellung und nicht 
auf peinliche, mühevolle, nur die Geduld der Jugend in Anspruch nehmende 
Durchführung ankommt. Daraus folgt, daß in den Schulen der Union ein 
ganz anderer Maßstab der Zeitbemessung für eine jede einzelne Übung im 
Zeichnen und Malen angenommen wird als bei uns. Von einem wochen- oder 
gar monatelangen Arbeiten an einer Studie ist absolut keine Kede, dort sind 
die Fristen, selbst in der Volksschule, wo allerdings sehr einfache Motive zur 
Darstellung gelangen, nach halben und dreiviertel Stunden bemessen. In den 
höheren Schulen etwas mehr, niemals jedoch so viel, wie dies bisher oft bei 
uns der Fall war. 

Die Hauptsache bei der Darstellung bleibt das Erfassen der ganzen 
Erscheinung und ihrer charakteristischen Merkmale; dabei der 
Gebrauch einfacher Darstellungsmittel. 

Wir sehen aus dem Gesagten, daß schon die Auffassung des Wesens 
des Zeichnens und des Zieles desselben eine hohe ist, und daß auch die 
leitenden Gedanken des Unterrichtes einen hohen Standpunkt zeigen. 

Auch auf dem Gebiete der Formenwahl herrscht unseren bisherigen 
Anschauungen gegenüber eine gänzlich verschiedene Ansicht. Das Kind in 
der Elementarschule wird schon mit den Dingen der gesammten Formenwelt 
bekannt gemacht. Von den körperlichen, elementaren Formen an, kommen 
die Formen des alltäglich gesehenen Geräthes, Spielzeuges, also alles Gegen- 
ständliche in lictracht, dann die Formen der Pflanzenwelt, Tierwelt, ja selbst 
die menschliche, bekleidete Gestalt in irgend einer Pose u. s. f. Wir sehen. 



140 Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenunterricht an den östorr. Mittelschulen. 

daß dem Kiud das gesamte Formengebict erschlossen wird. Die Nach- 
bildung der abstrakten Formen bleibt dem Kinde erspart. 

In den höhereu Öchuleu wird das Studium der früher angeführten 
Formen weiter und eingehender gepflegt. Also wird dem Kinde das ihm 
zunächst liegende aus der gcsammten Fornieuwelt vorgeführt; es wird ihm 
durch die 7 bis 8 Schuljahre des Volksschulunterrichtes die Gelegenheit 
geboten, viel zu sehen und viel zu zeichnen, auch auszuschneiden und zu 
modellieren, so daß es nach dem Verlassen der Volksschule in der Tat 
imstande ist, sich zeichnerisch auszudrücken. 

So vorbereitet gelangt das Kind in die höhere Schiüe (High-School), 
nach unserem Begriffe Gymnasium, Realschule und Handelsschule, welche 
Kategorie nur vier Jahrgänge hat; bei dem dortigen hochentwickelten 
Volksschuluntcrrichte ist diese Einrichtung begreiflich. Das sind wohl große 
Unterschiede unseren Schuleinrichtungen gegenüber. 

Da der Zeichenunterricht au unseren österreichischen Volksschulen einer 
gründlichen Eeform bedarf, weil er bei weitem nicht den Anforderungen zu 
genügen imstande ist, kann der Zeichenunterricht in den Mittelschulen nicht 
dort einsetzen, wo er es möchte und gewiß auch könnte. Das erste Jahr 
der Mittelschule muß jetzt dazu geopfert werden, daß man der Jugend die 
ersten Elemente des Zeichnens so beibringt, wie es der spätere Unterricht 
erheischt. Damit spreche ich gewiß eine Tatsache aus und bin dabei weit 
entfernt davon, unserer strebsamen Lehrerschaft in der Volksschule irgendwie 
nahe treten oder ihr irgend eine Schuld beimessen zu wollen, für welche sie 
ja nicht verantwortlich ist. Es sind ganz andere Gründe, die den Zeichen- 
unterricht an den Elementarschulen bisher nicht zur Entwicklung komraen 
ließen. Doch davon an einem anderen Orte. 

Aber selbst die besten Reformpläue für den elementaren Zeichen- 
unterricht an den Volksschulen würden momentan nicht den gewünschten 
Erfolg bringen, weil zur Durchführung derselben eine ganz andere Vorbildung 
im Zeichnen erforderlich ist, als sie die gegenwärtigen Lehrkräfte aufzuweisen 
haben. Seltene Ausnahmen sind ja immerhin möglich, aber Ausnahmen bleiben 
sie dennoch. Die Lehrerausbildung müßte demnach vor allem im Zeichen- 
unterrichte einer Reform unterzogen werden und es müßte daher mit der 
letzteren zuerst an den ßildungsaustalten begonnen werden. Aber auch 
da müßten an die Hauptlehrer des Zeichnens wieder größere Anforderungen 
gestellt, es müßte in der Tat von ihnen neben der pädagogischen auch 
eine künstlerische Hefähigung und Vorbildung verlangt werden. 
Wir sehen, daß es mit der Reformdurchführung noch seine guten Wege hat. 
Doch sind bereits die ersten Anzeichen zu diesen Bestrebungen in Osterreich 
wahrnehmbar. 

So kenne ich beispielsweise bereits einige Herren aus den Volks- und 
Bürgerschulkreisen, welche gegenwärtig, nachdem sie bei der Aufnahme ein 
entsprechendes Talent nachgewiesen hatten, ihre künstlerische Fach- 
bildung als Lehrer in der Schule des Herrn Professors R. v. Kenner in Wien 






Der gegenwärtige u. zukünftige Zeiclionuntorriclit an den Aslerr. Mittelschulen. 141 

/n erreichen sich bestreben und dieselbe unter der umsichtigen und vor- 
tretVlicheu Führung des genannten Herrn gewil.^ auch erreichen werden. 

Soldie Fachleute wären dann wohl berufen, als Lehrer an den liildungs- 
anstalten für Lehrer und Lehrerinnen auf die neuen Generationen der zu- 
künftigen Lehrerschaft für die Volksschulen so einzuwirken, daß diese den 
Anforderungen des neuen Zeichenunterrichtes zu entsprechen in der Lage 
wären. 

Um so dringender tritt nun die Anforderung an die Mittelschulen 
heran, die neuen Wege im Zeichenunterrichte, die ja zum großen Teile 
schon in den Lehrplänen angedeutet sind, festen Schrittes zu betreten und 
alle Kräfte anzuspannen, im besten Sinne des Wortes den Zeichenunterricht 
allgemach auszugestalten und dem großen Ziele näher zu bringen. 

Es wäre ein großes Mißverständnis , wenn man unter diesem letzt- 
erwähnten Streben eine Willkür verstehen wollte, nach welcher jedem 
einzelnen Fachmann au der Mittelschule alle möglichen und auch unmöglichen 
Vers-iiche eingeräumt würden ; dies würde gewiß nur eine Verwirrung anrichten 
und nicht zum Ziele führen. So meine ich es nicht. 

In unseren Lehrplänen für Mittelschulen sind bereits einige Errungen- 
schaften enthalten, die dem neuen Unterricht zugute konnnen. Noch einen 
Schritt weitergehend sind die neuesten Lehrpläne für Mädchenlyzeen. Daselbst 
ist schon eine Andeutung enthalten, wie der Unterricht beispielsweise im 
ornanientalen Zeichneu mit Erfolg geptlegt werden könne. 

Im Zeichnen nach dem Körperlichen und nach dem Gegenständlichen 
beginnen die Mittelschulen bereits sehr beachtenswerte Fortschritte auf- 
zuweisen. 

Auch an Lehrern, welche mit Begeisterung, ja oft Aufoi)f<'rung, mit 
unverdrossenem Eifer wirken und dabei zugleich eine tüchtige künstlerische 
Vorbildung besitzen, fehlt es im allgemeinen nicht; und es ist eine wahre 
Freude, wenn man Fachleute im Lehramtc sieht, welche in ihrem Berufe 
das Beste zu leisten und ihre Methode stets zu vervollkommnen sich bemühen. 
Fürwahr, man kann der (Isterreichischeu Lehrerschaft in ihrem Wirken nur 
Gutes nachsagen und derseli)en Vertrauen schenken. Oft genügt eine leise 
Andeutung, eine Anregung oder eine kurze Erklärung von Seite des Aufsichts- 
organes, um bald darauf bei diesem oder jenem Fachmanne die Frucht der 
Saat reifen zu sehen. 

Wenn ich nun sage, daß die gegenwärtigen Lehrpläne und Instruktionen 
für den Zeichenunterricht an Mittelschulen bereits einen bedeutenden Fort- 
schritt den älteren gegenüber aufweisen, so wäre es sicherlieh verfehlt, wenn 
man annehmen wollte, daß wir mit diesen Lehrplänen den Gipfel der 
Vollkommenheit bereits erreicht ha])en. Jeder Unbefangene und Weitblickende 
wird vielmehr einsehen, daß der noch ziendich junge Unterrichtsgegenstand 
zu seiner Entwicklung vieler Versuche, Verbesserungen und Änderungen bedarf, 
bis sich die Methode allenthalben so festigt und ausgestaltet, daß sie dem 
großen Ziele vollends entspricht. 



142 Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenunterricht an den österr. Mittelschulen. 

Der eug-e Raum dieser Abhandlung gestattet es nicht, einen kurzen 
Blick in die ganze Führung des Volksschulzeicheuunterrichtes in den Union- 
Staaten an dieser Stelle zu tun, und ich behalte mir vor, diesen Elementar- 
Zeichenunterricht speziell an anderer Stelle des Näheren zu schildern. Zum 
besseren Verständnisse des später hier zu Sagenden muß ich nur kurz auf 
die Tatsache hinweisen, daß die Kinder in den Union-Staaten bei ihrem 
Eintritte in die sogenannte High-School (nach unserem Begriffe die Mittel- 
schule) im Zeichnen derart vorbereitet sind, daß sie sich zeichnerisch auf 
allen (Jebietcn der Form, wenn auch nicht künstlerisch, aber doch so aus- 
drücken können, um sich durch ihre simple Darstellung verständlich zu machen. 

Dies vorausgeschickt werden wir es begreiflicher tinden, daß die Lehr- 
pläne für den Zeichenunterricht an den amerikanischen „höheren" Schulen 
den Zeichenunterricht dort aufnehmen, wo er in der Volksschule beendet 
wurde; es wird auf dieser sicheren Grundlage weiter gebaut und dabei auch 
die Forderung gestellt, daß der zeichnerische Ausdruck nun auch nach der 
Seite des „Künstlerischen" hin zu entsprechen habe. 

Die in den genannten höheren Schulen im Zeichenunterrichte behandelten 
Stoffe (das Konstruktionszeichnen werde ich dabei weiter nicht in Betracht 
ziehen), betreffen Studien im Zeichnen nach Modellgruppen, in 
Umriß und Andeutung von Schatten, wobei ich besonders erwähnen muß, 
daß jeder Schüler seine Modellgruppe für sich aufgestellt hat; später kommen 
Belehrungen über die Bedeutung der Ton werte und deren graphische 
Darstellung. 

Eine besondere Pflege wird dem Skizzieren nach dem Gegen- 
ständlichen, nach der Natur, nach dem Leben (111. Jahr), aus dem 
Gedächtnisse und aus der Vorstellung, u. zw. durch das ganze Schul- 
jahr, gewidmet. 

Auch das Zeichnen und Malen nach Still eben grupp eu bildet einen 
wichtigen Stoff" im Zeichenunterrichte. 

Der Pflege des ornamentalen Studiums wird nach zwei Richtungen hin 
entsprochen: einerseits wird das Pflanzenmoti v studiert, um es dann awi 
einfache Zierformen selbständig anzuwenden anderseits wird aber auch das 
historische Ornament gepflegt, jedoch nicht in sklavischer, unfreier 
und mühevoller Nachbildung, sondern mehr in skizzenhafter, aber das ganze 
Wesen der betreifenden Ornamente erfassender Darstellung. Hiebei ist das 
historische Ornament in seiner chronologischen Reihenfolge auf die 
vier einzelnen Jahrgänge verteilt u. zw. wird im ersten Jahr der höheren 
Schule das ägyptische, griechische und römische Ornament, im zweiten Jahr 
das byzantinische, romanische und sarazenische, im dritten Jahre das gotische 
und Renaissanceornament behandelt. Im vierten Jahre wird dann eine über- 
sichtliche Darstellung aller genannten Stilarten gegeben und dann das 
moderne Ornament einem speziellen Studium unterzogen und es werden 
Studien nach besonders guten modernen Dekorationen gemacht. 

Außerdem wird ein praktisches Studium der Farben, der Farbengebung 
und Harmonie gepflegt. 



i 



1 



Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenunterricht an den österr. Mittelschulen. 143 

Dali auch das illustrative Zeichnen nach verschiedenen gegebenen 
^rotiven der Geschichte und Literatur vorgenommen wird, sei hier der Voll- 
ständigkeit halber auch erwähnt. 

Wenn nun in den hiUieren Schulen der Union auch auf eine genauere, 
sorglaitigere Beobachtung und getalligere Darstellung gesehen wird, so ist 
die für die letztere bemessene Zeit eine nach unseren bisherigen Begrifllen 
immerhin kurze zu nennen. 

Eine peinliche, mühevolle und langwährendc Darstellung ist da aus- 
geschlossen; schon deshalb, weil viele Stoffe in verhältnismäßig kurzer Zeit, 
(gevvt>hnlich in zwei wik'hentiichen Stunden) zu behandeln sind. 

Trotzdem sind aber die Resultate des Unterrichtes dort wesentlich 
bessere, als bisher bei uns. Es sind eben ganz andere Verhältnisse des 
Elementarunterrichtes, andere Prinzipien in der Durchführung des Zeichen- 
unterrichtes überhaupt, und andere staatliche und soziale Einflüsse, die dabei 
maßgebend erscheinen. 

Wie ist nun der Zeichenunterricht bei uns gegenwärtig eingerichtet? 

Wenn wir die Elementarschul- Verhältnisse bei uns ins Auge fassen und 
den Stoff' im Zeichenunterrichte in der ersten Mittelschulklasse betrachten, 
so wird ein jeder Fachmann in dieser Klasse eine gewisse Leere und Ein- 
ftirmigkeit durch das ganze Schuljahr spüren. Das kommt nicht nur daher, 
daß der behandelte Übungsstoff" in dieser Klasse im ganzen ein recht ein- 
töniger ist — es ist dies das geometrische und elementar-pflanzliche Ornament 
nach Vorzeichnungen des Lehrers ; dabei ist nicht zu vergessen die Einübung 
der Schüler in den Elementen des freien Zeichnens; überdies noch das 
Abgewöhnen so mancher Angewohnheiten aus dem Elementarunterricht, die 
die Schüler mitunter mitbringen und den Lehrer oft auf eine harte Geduld- 
probe stellen. Es ist eine Tatsache, mit der eben gerechnet werden muß. 

Üble Angewohnheiten aber in dieser oder jener Fertigkeit, sei es Zeichnen 
oder Musik u. s. f., sind die schlimmsten Hemmnisse des raschen Fortschrittes. 
Ich wundere mich gar nicht darüber, daß Liberty Tadd in seinem be- 
kannten Buche über Zeichenunterricht sagt: „Schüler, welche nie vorher 
Zeichenunterricht gehabt haben, mögen sie noch soweit in der Handfertigkeit 
zurück sein, sind anpassungsfähiger und erfassen die Formen bereitwilliger 
als jene, welche bisher in anderer Richtung gebildet worden sind, und die 
mancherlei Fehler abzulegen haben; besonders aber solche, die nie gelernt 
haben, eine feste, klare und entschiedene Linie mit einem Zuge zu ziehen." 

Welche Mißgriffe geschehen oft im elementaren Unterrieht durch die 
unmäßige Handhabung des Gummielastikum, in der üblen Haltung des Körpers 
und des Stiftes, der Zeichenfläche u. s. f. Das alles soll im ersten Jahr der 
Mittelschule behoben werden. Nun, ich bin ja gewiß davon überzeugt, daß 
hier jeder Fachmann sein Möglichstes aufbietet, um die Schüler wieder 
gleichsam einzurichten und sie vorzuüben für das spätere Zeichnen, 

Dennoch kann ich mich nicht des Gedankens erwehren, daß diese 
ersten Übungen im freien Zeichneu im allgemeinen bei uns noch nicht auf 
der Höhe stehen. Warum? Nun, wenn es sich wirklich darum handelt, den 



144 Der gegenwärtige u. zukünllisre Zeichenunterricht an den österr. Mittelschulen. 

Schülern ein freies Zeichnen anzugewöhnen, so müßten die betreftenden 
Vorübungen der freien Führung und Schulung der Hand etwas mehr ent- 
sprechen, als bisher. Um eine gerade Linie nach jedweder beliebigen 
Richtung in der Ebene, um die bedeutendsten und notwendigsten gebogenen 
Linien (Bogcnlinien, Kreise, Ellipsen, spiralförmige Linien) rasch, sicher 
und leicht, sozusagen automatisch hinzuzeichnen oder förmlich hinzu- 
schreiben, müßten die Schüler solche Vorübungen auf ziemlich großen, vor 
ihren Augen aufgerichteten (und nicht wagrecht gelegten) Zeichen- 
flächen mit einem leichten Material, also sagen wir auf Pappe gespannten 
Packpapieren mit Kohle oder ähnlichem Mittel unternehmen, wenn sie wirklich 
die Hand frei machen wollen. 

Dieses Auskunftsmittel eines größeren Bogens von Pappe mit einem 
daraufgehefteten Packpapier vertritt gleichsam eine Schultafel, auf welcher 
ja die Schüler eigentlich solche Übungen vorzunehmen hätten. Da dies jedoch 
untunlich ist, wird die Pappetafel noch immer gute Dienste leisten. Weil 
ferner auch schwarzes Schieferpapier in größerem Formate erhältlich ist, 
wäre auch dieses recht praktisch, wenn zum Zeichnen darauf die sehr dünne 
Kaflfeehauskreide (eigentlich Speckstein) genommen würde. 

Diese Vorübungen müßten durch eine längere Zeit im Anfang des 
Schuljahres vorgenommen werden; 8 bis 10 Minuten würden dazu in jeder 
Lektion genügen. 

Daß solche manuelle Übungen ganz besonders in den Bildungsanstalten 
für Lehrer und Lehrerinnen am Platze wären, obschou ich glaube, daß sie 
im allgemeinen überall, auch in den Volks- und Bürgerschulen und Mittel- 
schulen gepflegt werden müßten, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzimg. 

Infolge dieser Übungen lernen die Schüler flott und ganz frei entwerfen, 
gleichviel, ob es sich um gerade oder gebogene Linien handelt; sie lernen 
den Stift leicht handhaben und dabei, was viel wert ist, das ominöse Gummi 
allgemach entbehren, weil sie die besagten Lineamente mit der Zeit fast 
automatisch hinzeichnen, wie man beispielsweise einen Buchstaben automatisch 
hinschreibt. 

Darnach würden sich die Schüler auch ganz anders benehmen, wenn sie 
auf der weißen oder getonten Zeichenpapierfläche eine Studie entwerfen sollten. 
Ihre Hand würde leichter und sicherer, also flotter werden und die Linien 
selbst würden elastisch und nicht etwa gebrochen und gestrichelt ausscheu. 
Es würde die Jugend auch das nötige Vertrauen zum Material fassen und 
durchaus nicht befangen, ängstlich und zaghaft zeichnen. 

Dann könnten die Schüler auch auf dem Zeichenpapierc verhältnismäßig 
größere Leistungen vollführen, als dies bisher der Fall war; namentlich 
würden sie die Formen weitaus großzügiger darstellen. Sie wären gewiß 
auch imstande, in der ersten Klasse natürliche Blattformen in ihrer Total- 
erscheiuung aufzufassen und sie in einfacher Weise darzustellen, so daß 
bereits im Sommersemester nach Blattgruppen (wenn auch meist flachen 
Blättern) zu zwei bis drei Blätter auf demselben Stiel, nach Gräsern, einfachen 
Feld- und Wiesenblumen und so fort, gezeichnet werden könnte. 



Der gegenwäiiii.'-e u. zukünftige Zeiclieiiunleniclit au den öslerr. Miüelscliulen. 145 

Wenn wir ein weni^ in die Zukunft blicken, die allerdings noch ziemlich 
ferne liegt, wo auch der Volksschulzeichcnunterriclit bereits greifbare Erfolge 
aufweisen wird, dann ändert sich auch gewiß der bisher etwas eintönige 
Stoff der ersten Mittelschalklasse, indem bereits in dieser auch das Zeichnen 
nach dem Körperlichen vorgenommen werden dürfte. Erst dann würde sich 
der Ubungsstotf zu Gunsten der Erfolge iu allen Klassen verschieben imd 
heben. 

Betrachten wir nun den Lebr- und Übungsstoff im Zeichnen für die 
zweite Klasse der Mittelschulen, so nähert sich hier bereits der Stoff für das 
Zeicbneu nach dem Körperlichen einer durchaus rationellen Methode; 
es sind auch darin an vielen Mittelschulen ganz beachtenswerte Erfolge 
erzielt worden, die aber entschieden noch weit mehr gesteigert werden 
könnten, wenn schon in allen Mittelschulen die Zeicheusäle den Bedingungen 
des neuen Unterrichtes entsprechen würden. Das ist aber noch nicht der 
Fall. Vor allem bedarf das elementare Zeichnen nach dem Körperlichen, so 
auch das spätere Zeichnen nach dem Gegenständlichen und nach anderen 
wirklichen Dingen solcher Zeichentische, welche einen verschiebbaren Rahmen 
mit Klappult und Hiutergruudfläche vor jedem Schüler besitzen, um auf 
das aufgeklappte wagrechte Brettchen die Modelle der verschiedensten Art 
und in jeder beliebigen Höhe aufstellen zu können. 

Dann läßt sich das „Körperzeichnen" schon vom Anbeginn geradezu 
ideal durchführen, was jetzt gar nicht tunlich war. Bisher muß man sich 
der großen Modelle bedienen, solange, bis alle Zeichensäle eine zweck- 
mäßige Einrichtung besitzen werden. Wir älteren Fachleute, die über viel- 
jährige Erfahrung verfügen, kennen die Übel der großen Modelle, deren 
halbwegs gute Aufstellung dem Lehrer stets nur die größte Mühe verursacht 
hat und wobei er sich schließlich doch gestehen mußte, daß niemals die 
Aufstellung eine beliebige, niemals eine den Anforderungen gänzlich ent- 
sprechende gewesen sei. 

Die Misere häuft sich bei sehr stark besetzten Klassen; man muß 
mindestens zwei bis vier große Modellgruppeu aufstellen, das sollte man 
wenigstens, doch ist dies nur in sehr großen Zeichensälen tunlich. Dann 
sehen aber doch nicht alle Schüler die Modellgruppe gleich gut weil deren 
Entfernung von der letzteren eine grundverschiedene ist. Alle bisherigen 
Klagen der Fachkollegeu hierüber sind nur zu berechtigt! 

Das wäre mit einem Schlage alles besser, wenn die Zeichentische 
wenigstens neue Schiebrahmen mit Klappbrett und unter der Tischplatte 
S c h i e b l a d e n für k l e i n e r e K ö r p e r m d e 1 1 e besäßen. Eine solche Rekon- 
struktion der Zeichentische ist ziemlich leicht zu bewerkstelligen und die 
Kosten sind auch keine unerschwinglichen. 

Zeichensäle mit derartigen Tischen l)csitzt die Staatsrealschnle in Graz, 
und daselbst werden die Versuche im Körperzeichnen nach kleineren 
Modellen bereits das dritte Schuljahr mit dem größten Erfolge gemacht. 
Ein Grundriß auf dem Klappbrcttchen vor jedem Schüler, mit Ziffern an 
wichtigen Punkten und mit Linien versehen, erleichtert das Aufstellen der 



146 I^^i' gegenwärtige u. zuküiiTtige Zeichenuulerriclil an den öslerr. Mittelschulen. 

Modelle nach Angabe des Lehrers, so daß binnen fünf Minuten alle Modelle 
auf Kommando aufgestellt sind und die Übung unter sicherer Führung des 
Lehrers sogleich beginnen kann. Die Fehler, die die Anfänger machen, sind 
weit geringer als beim größeren Modell und der erste Unterricht kann wirklich 
Massenunterricht im vollen Sinne des Wortes genannt werden. Der Schüler 
sieht und erfaßt die vor ihm aufgestellten Modelle auf dem Klappbrett weit 
besser und leichter als die für alle Schüler aufgestellte große Gruppe. Es ist 
eine alte und sichere Erfahrung, daß eine gedruckte Vorschrift vor den 
Augen des Schülers weit mehr Erfolg hat als alle Vorschriften auf der Schul- 
tafel; daß ferner die Schüler viel besser nach einzelnen Vorlagen zeichnen 
als nach Tafelzeichnungen und Wandtafeln; man denke nur an die Übel- 
stände der figuralen Wandtafeln. Kurz, das Naheliegende ist dem 
Schüler in viel größerem Maße verständlich und faßlich. 

Bald haben die Schüler die elementarsten Erscheinungen der Ver- 
kleinerung und Verkürzung, der Konvergenz u. s. f. aufgefaßt und nach 
einigen Studien ist der Lehrer bereits imstande, die Schüler dazu anzuregen, 
daß sie sich aus 3 oder 4 gegebenen Körpern selbständig Gruppen 
aufstellen und auch selbständig die Zeichnungen in rascher und einfacher 
Weise durchführen. Es ist eine wahre Lust, den Schülern zuzusehen. Und 
die Erfolge sind bei weitem ausgiebiger und nachhaltiger; früher hat eine 
fleißige Klasse nach großen Modelleu im Jahre 15 bis 18 Zeichnungen nach 
diesen geliefert; jetzt wird die Zahl solcher Übungen bis auf 30 und mehr 
mit Leichtigkeit gesteigert. Die kleineren Modelle sind in ihrer Größe derart 
berechnet, daß sie vollständig gute perspektivische Wirkungen zeigen; sie 
sind selbstverständlich bedeutend größer als die Stuhlmannischen und ähnliche 
Modelle. Die Formen sind den wichtigsten im amtlichen Verzeichnisse ent- 
haltenen entlehnt. 

Eine ungeahnte Bereicherung der Modellgruppen hat Prof Ad. Noväk 
in Wien durch eine sinnreich und interessant zusammengestellte Kollektion 
erzielt. Es sind Gruppen von Körperu und interessantem Beiwerk, an zwei 
rechtwinklig gegeneinander gestellte Brettchen angenagelt und in guter 
Stimmung in einfachen Farbentönen gestrichen. 

Die rechtwinkligen Brettchen, auf welche Modelle gestellt werden, sind 
allerdings nichts Neues; so werden am 1. deutschen Staatsgymnasium in 
Brunn bereits durch mehr als 15 Jahre Brettchen angewendet. Auch mit 
dem Festnageln der ganzen Gruppe wurde vor Jahren an der Staats- 
realschule in (iraz begonnen ; aber dem Prof Nowak in Wien gebührt 
unstreitig das Verdienst, eine mustergiltige, sehr interessante Kollektion 
sowohl einfacher K()rpcrgruppcn als auch von Gruppen mit Gegenständlichem 
aller Art konseciuent durchgeiührt und ihr auch eine Farbenstimmung verliehen 
zu haben. Angeregt durch diese Sannnlung, habe auch ich im Vereine mit 
Prof P>ergmeister in Graz (Mädchenlyzeum) eine ähnliche Sammlung zusammen- 
gestellt, die noch erweitert werden und derart beschaffen sein wird, daß 
sie von den Elementarformen zu dem Gegenständlichen fast unmerklich 



I 



Der gegenwärtige u. zukünftige ZeichonuiileiTicIit im den osterr. Miltel^^cliulen. 147 

hinüberleitet. Es wäre ein Gewinn und eine große Unterstützung des Zeichen- 
unterriehtes, wenn überall solehe Kollektionen eingetÜhrt würden. 

Hiemit wären wir auf dem besten Wege, das Zeichnen nach dem 
Körperlichen und Gegenständlichen in einer ganz rationellen Art durch- 
zntTUiren; hier haben wir jetzt schon wenigstens in Modellen und Gruppen 
weit hübschere und interessantere Sammlungen, als selbst die Schulen der 
ünionstaateu. 

Das Modellzeichnen in der II. und III. Mittelschulklasse wäre demnach 
unstreitig auf dem besten Wege zum sicheren Erfolg und damit ist ein sehr 
wichtiger Faktor des Zeichenunterrichtes im steten Aufblühen begritfen. 

Anders steht die Sache mit dem ornamentalen Studium in den 
Mittelschulen für die männliche Jugend. Hier wird jedesfalls ein Wandel bei 
der DurchtÜhrung der Lehrpläne notwendig werden. Der hochentwickelte 
Zeichenunterricht der ünionstaateu zeigt uns genau, wie die Jugend auf 
Grund des Studiums der Pflanzenformen zur Selbsttätigkeit und zur An- 
wendung der genannten Formen auf einfache Zierformen angeregt und 
angeleitet werden kann. 

Und fürwahr, die neueste Zeit hat uns genügend darüber belehrt, daß 
der Weg zu den Kunstfornien nur durch die Naturanschauung geht. Der 
Schüler muß das Organische der Naturformen sehen und verstehen lernen, 
um das Wesen der Verzierung richtig zu begreifen. Dann erst würde er das 
historische Ornament mit größerem Verständnisse nachbilden und auch 
schätzen. 

Doch das alles muß erst allgemach angebahnt werden. Ist einmal der 
Unterricht im ornamentalen Zeichneu in der ersten Klasse gediehen, dann 
wird er gewiß auch in der zweiten Klasse achtenswerte Fortschritte machen. 
So viel aber ist gewiß, daß es nicht mit der rationellen Uuterrichtsweise 
im Zeichnen vereinbarlich wäre, wollten wir Lehrer noch weiter l)loß historisch- 
ornamentale Zeichnungen von den Schülern mit peinlichster Mühe und großem 
Zeitverlust anfertigen lassen; es sollte vielmehr die historisch-ornamentale 
Studie von der größten Einfachheit in der Darstellung sein, sie soll nicht 
unnötige Wiederholung enthalten und soll auch in Farbe nur in einem 
kleinen Teile ausgeführt werden. Oft würden neben kleinen Studien auch 
bloße farbige Skizzen historischer Ornamente sehr nützlich sein. Jede geringste 
Feld-, Wald- und Wiesenblume einfach dargestellt, bringt weit mehr Nutzen, 
als eine noch so schön ausgctüpfelte ornamentale Zeichnung. 

Dabei ist es, falls eine solche Blume gezeichnet oder flach gemalt wird, 
selbstverständlich, daß der Schüler mit der Arbeit in derselben Lektion fertig 
werden muß; gut angeleitet, wird er es auch zustande bringen; meine Ver- 
suche in der 3. Bürgerschulklasse haben mich davon genügend überzeugt. 

Der Schüler wird in einer Lektion nicht nur den ganzen Habitus der 
Blume, sondern auch die Blumenkrone, einmal als Rosette, dann im Profil, 
dann noch einzelne Details, wie z. B. die Blätter der Blumenkrone, den 
Stengel, den Grift'cl mit den Staubgefäßen etc. rasch entwerfen. Und alle 

10* 



148 ^er gegenwärtige u. zukünflige Zeichenunterricht an den österr. Mittelschulen. 

diese Einzelheiten samnit der ganzen Pflanze lassen sich sofort auf einfache 
Reihungen und Friese und andere Ziermotive anwenden. 

Die Farbenlehre und Harmonie der Farben dürfte auch bei uns in Osterreich 
in kurzer Zeit in einer weit natürlicheren und praktischeren Weise gehandhabt 
werden, als dies bisher geschehen ist. Auch da geht uns der amerikanische 
Unterricht mit glänzendem und nachahmenswertem Beispiele voran. 

Die elementarsten Begriffe über Farben, primäre und sekundäre, über 
Farbenmischungen etc., werden auf eine einfache Weise den Kindern bei- 
gebracht. Die Kinder lernen nur ganz allmählich die Farbencharaktere und 
Farbenwerte kennen; zuerst wenden sie zum Zeichnen der Formen, um mit 
dem Pinsel umgehen zu können, bloß einen grauen Ton an. Dann kommt 
erst eine der primären Farben, dazu noch eine zweite; allgemach erweitert 
sich die Kenntnis der Farben durch die praktische Anwendung derselben. 
Doch ist zuvor unbedingt notwendig, daß die Kinder die Charaktere der 
wenigen Farben ihres Farbenkästchens genau kennen gelernt haben. 

Die Selbstbestimmung der Farbentöue und Werte lernen die Kinder 
durch die Farbenanalyse. Ein Stückchen eines gemusterten oder bunt be- 
druckten oder gewebten Stoffes, oder später ein Schmetterlingsflügel u. ä. 
wird dem Kinde auf das Zeichenpapier angeheftet und es muß nun selbständig 
daneben iu rechteckig kleinen Feldern alle die beobachteten Farben-Töne und 
Werte wiederzugeben suchen. So sind die Kinder gezwungen, Farben zu 
sehen und auch nachzuahmen. Wahrhaftig eine rationelle und dabei so einfache 
Farbenlehre. 

Erst später gelangt das Kind zur Erkenntnis der Harmonie zweier und noch 
später dreier Farben — dies durch praktische Versuche mit farbigen Papierchen 
und durch Anschauung mustergiltiger farbiger Kompositionen und auch mancher 
Naturalien, namentlich der Flügel von einheimischen und exotischen Schmetter- 
lingen u. a. m. 

Wir kommen bei der Betrachtung der Lehrstoffe nun zu einem äußerst 
wichtigen, den neuen Zeichenunterricht charakterisierenden Kapitel — zum 
Skizzieren, welches in seiner ganzen Bedeutung noch lange nicht allgemein 
erkannt wird. Und gerade das Skizzieren bildet jenen Übungsstoft", durch 
welchen die Jugend einzig und allein zum einfachen, raschen Ausdruck und 
damit auch zur gewünschten Fertigkeit gelangt. 

Im Skizzieren sollte man demnach den Schwerpunkt beim Zeichen- 
unterrichte suchen. Dies tut auch die amerikanische Methode im vollsten 
Maße; in den High-Schools ist das Skizzieren nach dem Gegenständlichen, 
nach der Natur, nach dem Leben, aus dem Gedächtnisse und aus der Vor- 
stellung durch das ganze und durch jedes Schuljahr hindurch, neben den 
anderen Übungen, vorgeschrieben. 

In unseren österreichischen Mittelschulen sind wir durch die bisherigen 
Versuche im unobligaten Skizzieren bereits zu der festen Überzeugung gelangt, 
daß diese letzteren allein durchaus nicht genügen, um von ihnen Erfolge 
erwarten zu können. 



Der gegenwärtige u. zukünfligri Zoiclieiiuiiterriclit an den österr. Mittelschulen. 149 

Das Skizzieren müßte vielmehr schon in der zweiten Mittelschulklasse 
beim Modellzeiehuen mitgeübt werden. Das läßt sich sehr leicht tun. Im 
Anfange werden nach Modellen unter genauer Anleitung des Lehrers Studien 
gemacht, später, wo die Schüler die Modellchen sich selbst aufzustellen 
beginnen, setzt man mit dem Zeichnen in der denkbar einfachsten Art der 
Darstellung, mit diesem oder jenem Material — also mit dem Skizzieren ein. 
Dabei müßte zugleich ein bestimmter Termin für die Zeichnung festgesetzt 
werden; sagen wir eine Stunde beispielsweise. Das Verständnis für das 
Skizzieren würde durch ausgehängte gute Skizzen, durch Erläuterungen des 
Wesens einer Skizze ungemein gefiu'dert werden. 

Man möge aber nicht annehmen, daß man unter dem Skizzieren etwa ein 
flüchtiges, ungenaues Arbeiten versteht, sondern daß es eine auf richtige 
Wiedergabe des Wesens und der charakteristischen Merkmale hinzielende, in 
möglichst kurzer Frist angefertigte Zeichnung sei. Diese Zeichnung 
muß demgemäß mit einfachen und mit wenigen Mitteln dargestellt sein. 

An solche Schülerskizzen einen künstlerischen Maßstab anlegen zu 
wollen, wird keinem denkenden Lehrer einfallen; erst mit der Zeit und im 
Verlaufe von mehreren Jahren, dürfte sich von selbst bei den Schülern der 
oberen Klassen im Skizzieren eine gewisse Technik entwickeln, welche auch 
den strengeren Anforderungen entsprechen würde. 

Wenn man im Zeichenunterrichte schon in der zweiten Mittelschulklasse 
auch das Skizzieren nach Modellen und einfachen Modellgruppen beginnen 
würde, müßte sich entschieden schon in den Unterklassen der Mittelschule 
eine ziemliche Fertigkeit im raschen Ausdruck entwickeln, die dann in den 
Oberklassen noch wesentlich gesteigert und im Ausdrucke verfeinert werden 
könnte. Doch müßte das Skizzieren neben den üblichen Studien konsequent 
in jedem Schuljahre und so häufig als tunlich während des Unter- 
richtes geübt werden. 

Daß man es in den höheren Klassen zu sehr schönen Erfolgen beim 
Skizzieren bringen kann, beweist die Staatsrealschule in Graz, an welcher 
bereits in folgerichtiger Weise Skizzierübungen im Zeichnen nach Modell- 
gruppen, nach Gipsköpfen, nach dem lebenden Kopf und der ganzen, be- 
kleideten menschlichen Figur, im Malen nach lebenden Pflanzen und Blumen, 
neben den sonst üblichen Studien gepflegt werden und wo die Schülerarbeiten 
einem jeden Kollegen zur Ansicht bereit liegen. Die Skizzen sind meist an 
die Zeit von 1 bis 2 Stunden gebunden. Der Professor des Zeichenunter- 
richtes hat an dieser Anstalt ganz interessante Erfahrungen in dieser Hinsicht 
gesammelt. 

Nur dann wird der Erfolg im Mittelschulzeichenunterricht ein voller und 
nachhaltiger sein, wenn einst auf das Skizzieren, sei es mit dem Stifte oder 
mit der Farbe, das Schwergewicht gelegt werden wird; nur dann wird man 
die Jugend zum raschen und sicheren Auffassen und Darstellen 
erziehen können, nur dann wird man die Jugend zum zeichnerischen Ausdruck 
und zu jener Fertigkeit bringen, welche in jeder Stellung des praktischen 
Lebens den gewünschten Nutzen zu gewähren imstande ist. 



150 Der gegenwärtige u. zukünflige Zeiclienunterriclil an den österr. Mittelschulen. 

Das Skizzieren dürfte einst sogar auch auf das Ornament in gewisser 
Beziehung ausgedehnt werden und das gewiß mit mehr Erfolg, als wenn 
man historische Ornamente mit peinlicher Mühe und dabei natürlich mit 
unverantwortlich großem Zeitverlust nachi)ilden läßt. Wenn einst durch das 
Studium der Pflanze auch das Wesen der Dekoration dem Verständnisse der 
Jugend näher gebracht wird, wenn diese dann selbständig zu dem Interesse 
gelangt sein wird, sich zu befragen: wie hat das alte Ägypten, wie haben 
die Perser, Inder, die Griechen und Römer, die Gotiker die Pflanze für die 
Verzierungen verwertet, dann wird nur ein Wink des Lehrers genügen, ein vor- 
gelegtes und besprochenes historisches Ornament rasch in seiner Charakteristik 
zu erfassen und auch hinzumalen; und darum handelt es sich doch. 

Sehr interessant und lehrreich sind die Versuche im figuralen Skizzieren, 
mit welchen an der Graz er Realschule schon in der 5. Klasse be- 
gonnen wird, nachdem zuvor die nötigen Vorstudien nach Gips (Masken und 
Köpfen u. s. f.) gemacht worden sind. 

Binnen einer bis zwei Stunden werden dann sehr einfache Zeichnungen 
nach Gipsköpfen entworfen, worauf die Versuche, zunächst mit den gewandteren 
Schülern, im Skizzieren nach der ganzen bekleideten Figur in irgend einer 
einfachen Pose, dann auch nach dem lebenden Kopfe gemacht werden. 

Die Beteiligung der Schüler an diesen Übungen ist eine sehr rege und 
oft kommen Resultate zum Vorschein, die den Lehrer selbst freudig über- 
raschen. Hier kommt die Unmittelbarkeit und die Individualität der Schüler 
am sichtbarsten zum Ausdruck, und weil die Schüler genötigt sind, in einer 
bestimmten, verhältnismäßig kurzen Frist die Aufgabe zu bewältigen, kommt 
auch in die Zeichnung die Lebendigkeit der Bewegung und der Formen 
hinein. 

Man möge diese Versuche nicht mit Mißtrauen aufnehmen, es sind 
ernste und gewiß vollberechtigte Bestrebungen, welchen absoluter Nutzen 
zuzumessen ist. Allerdings könnten solche Versuche nur dort gemacht werden, 
wo der Lehrer selbst die dabei so nötige künstlerische Superiorität im vollen 
Maße besitzt. Ist dies noch nicht der Fall, so wird er durch Selbstschulung 
und festen Willen eine solche Herrschaft über diesen Gegenstand erlangen. 
Der Besuch der Versuchsanstalten würde jedenfalls von Nutzen sein. 

Warum krankte das figurale Zeichnen in den oberen Klassen der Mittel- 
schulen bisher oft an dem Mangel eines wahrhaften Erfolges? Ich glaube 
darum, weil die Methode in dem figuralen Zeichnen häufig von einem ein- 
seitigen, sagen wir vom akademischen Standpunkte aus behandelt wurde. 
Man glaubte darin den Gipfelpunkt des Erfolges zu erblicken, wenn die 
Schüler imstande waren, einige wenige Köpfe nach der Vorlage höchst peinlich 
und mühevoll abzuschreiben und nach dem Gipskopf eine Zeichnung mit 
derselben Mühe und mit großem Zeitaufwande bis ins höchste Glanzlicht hin 
herauszuarbeiten. Das ist doch für die allgemein bildende Anstalt nicht der 
richtige Vorgang, weil dabei die Geduld und mechanische Fertigkeit mehr 
als die rasche Auffassung und Charakteristik der Erscheinung gilt. 



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Der gegenwärtige u. zukünftige Zeichenuulemcht an den österr. Äliltelschulen. 151 

Man darf in der Mittelscinile als Lehrer wohl bestrebt sein, bis zu 
einem gewissen Grade den zeichnerischen Ausdruck der Schüler in künstlerischer 
Weise zu heben, mau darf aber niemals in der Mittelschule fehlerlose Künst- 
le i s t u n g e n verlangen ; man darf aber auch nicht so befangen sein zu 
glauben, daß der Schüler der Mittelschule deshalb, weil an ihn nicht der 
Maßstab der Kunstschule angelegt werden darf, ausgeschlossen werden sollte 
von dem Studium nach der Natur, das ihm nicht nur das höchste Interesse 
abringt, sondern auch unbedingten Nutzen gewährt. 

Freilich gilt das Gesagte allgemein für den Zeitpunkt, wo alle Lehrer 
auch im tiguralcn Zeichnen eine künstlerische tüchtige Ausbildung besitzen 
werden, was jetzt noch nicht der Fall ist. Nehmen wir da nun zunächst jene 
Gymnasien mit unobligatem Zeichenunterricht, und zwar vonieinnlich solche 
in kleineren Provinzstädten. An diesen wirken als Nebenlehrer des Zeichnens 
meist Bürger-, ja manchmal auch Volksschullehrer, deren künstlerische Aus- 
bildung gewiß den obigen Anforderungen nicht gewachsen ist. Daran sind 
sie ja nicht schuld, aber das ändert in der Sache nichts. Unter solchen 
Umständen sieht es mit dem liguralen Zeichnen nicht gerade erfreulich aus. 

Da müßte auf jeden Fall eine Abhilfe geschaffen werden; diese wäre 
nur dadurch möglich, das manche talentierte und strebsame Bürger- 
schullehrer an entsprechenden Stellen in den Provinzhanptstädten an einem 
Zeichenkurse theilnehmeu, in welchem sie sich hauptsächlich im Zeichneu 
und Malen nach dem Gegenständlichen, nach lebenden Pflanzen und nach 
dem lebenden Kopfe soweit ausbilden, als dies notwendig wäre, um den 
unobligaten Unterrichtsgegenstand an Gymnasien besser beherrschen zu können. 

Mit einem solchen Fortbildungskurse für Bürgerschul-Lehrer und Lehrer- 
innen wäre aber zugleich der Vorteil erreicht, daß solche weiter fortgebildete 
Lehrkräfte den Zeichenunterricht an den Bürgerschulen selbst in einem ganz 
anderen, rationelleren Sinne zu pflegen imstande wären, als dies bisher, einige 
Ausnahmen abgerechnet, der Fall war. Damit wäre also auch der Grund zu 
einer gesunden Reform wenigstens an einigen wenigen Bürgerschulen gelegt; 
mit der Zeit würden andere gewiß nachfolgen. 

Wenn nur der Anfang wenigstens mit einigen talentierten Lehrkräften 
der Landeshauptstadt gemacht würde, dann wäre schon viel gewonnen. Selbst- 
redend müßte der Leiter eines solchen Fortbildungskurses im Zeichnen nicht 
nur ein tüchtiger Lehrer, sondern auch ein Künstler sein, der in der neuen 
Richtung im Unterrichte auch die nötige Erfahrung bereits besitzt und der 
imstande wäre, auf die Lehrkräfte unmittelbar und sicher einzuwirken. 

Ich eile nun zum Schlüsse, indem ich die Frage stelle: Was haben wir 
Fachleute im Zeichenunterrichte auf Grund aller der früher angeführten Tat- 
sachen anzustreben, um nach Kräften zur Erreichung des hohen Zieles unseres 
Gegenstandes beizutragen? 

Die Antwort darauf wird aus dem früher Dargelegten nicht schwer fallen. 
Vor allem müssen wir uns den Grundsatz vor Augen halten, daß wir die 
zeichnende Jugend gleich anfangs an eine ganz freie, großzügige 
Darstellung gewöhnen, daß wir dabei die Jugend stets fern halten 



152 Der gegenwärlige u. zukünftige Zeiclienunlerriclil an den österr. Mittelschulen. 

von jedwedem äii'.^stlicben, zaghaften und befangenen Vorgehen und daß 
wir nicht in dem peinlielien, mühevollen und zeitraubenden Ausführen der 
Zeichnungen das Heil erblicken, sondern darauf bedacht sind, so viele 
Übungen als tunlich vorzunehmen, denn in der Zahl der Übungen und der 
guten Führung liegt die Erziehung zum selbständigen zeichnerischen Ausdruck. 

Schon in der ersten Mittelschulklasse müssen wir die zeichnerische, 
großzügige Art zu erreichen trachten, um später beim Modellzeichnen in der 
zweiten Klasse flotte und rasche Entwürfe zu erreichen. 

In der 2., 3. und 4. Klasse müssen wir auf das viele Zeichnen nach 
Modellen und nach dem Gegenständlichen das Hauptgewicht legen und dabei 
nach den vorhergegangenen ersten Studien und Übungen auch den Anfang 
im flotten und sehr einfachen Zeichnen (sei es mit Stift oder mit Farbe) 
machen, wodurch die Vorübung im Skizzieren bereits erreicht wäre. Wie 
schon früher erwähnt, meine ich mit diesen letzteren Übungen gewiß keine 
schleuderhaften Arbeiten im Zeichnen; denn es ist doch ein gewaltiger 
Unterschied zwischen einer richtig und rasch entworfenen Skizze und einer 
schleuderhaften und nichtssagenden Zeichnung. 

Allerdings müssen wir Lehrer stets die Eigenart des Individuums im 
Auge behalten und darnach auch unsere Führung einrichten. 

Mit der peinlichen und mühsamen Ausführung der Schönzeichnungen 
muß unbedingt gebrochen werden, weil solche zeitraubende und nur die 
Geduld in Anspruch nehmende, auf äußeren Schein berechnete und höchstens 
dem Laien imponierende Darstellungen keinen rechten Wert haben und 
keinen Maßstab für das Können abgeben. Diese Zeiten sind nun vorüber. 

Auch im ornamentalen Zeichnen müßten wir darauf Bedacht nehmen, 
auch die Natur zu berücksichtigen und das historische Ornament so zu 
pflegen, daß es nicht zu einem geistlosen Kopieren herabsinkt, sondern daß 
es sich zu einer selbständigen, verständnisvollen Arbeit allgemach entwickelt. 

Dann wird in Zeichenunterrichte in der Tat eine Fertigkeit im zeich- 
nerischen Ausdruck erzielt werden und es wird sich durch die zahlreichen, 
in kürzeren Fristen erfolgten Übungen zugleich eine wünschenswerte Technik 
des zeichnerischen Ausdruckes von selbst einstellen. Dann wird es dahin 
kommen, daß der absolvierte Unterrealschüler, respektive Gymnasiast (wo 
ein obligater Unterricht stattfindet) im Zeichnen bereits eine angemessene 
Schulung besitzt und daß der absolvierte Mittelschüler beim Verlassen der 
Anstalt neben dem nötigen Wissen auch das wünschenswerte Können ins 
praktische Leben mitbringt. 





Die Entwicklung- der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 153 

Die Entwicklung der Eisenbahnen 

in Bosnien TJ.n.d. d.e3? lEBIerzeg-o-sTvina. 

mit besonderer Berücksichtigung 

der b s ni s c li - h e r z e g w i 11 i s c h e n S t a a t s b a h n e n seit Beginn der 

Okkupation dieser Länder durch s t e r r c i c h - U u g a r u. 

Von Hofrat Direktor Karl Schnack. 

Einleitung. 

snieu und der Herzegowina waren zu Beginn des Jahres 1902 — von 
<?^" den in nicht unerheblicher Ausdehnung vorhandenen Wald- und Industrie- 
bahnen abgesehen — insgesamt 903 Kilometer dem allgemeinen Verkehre 
dienende Eisenbahnlinien vorhanden. 

Von diesen sind 104 Kilometer — 127« der Gesamtlänge mit der Normal- 
spur von 1"435 Meter, 799 Kilometer = 78% aber mit der schmalen Spurweite 
von 0'760 Meter — welche nur wenig mehr als die Häflte der Normalspur 
erreicht — gebaut. 

Nicht nur der weitaus größte, auch der kommerziell und militärisch 
wichtigste Teil der Eisenbahnen Bosniens und der Herzegowina ist somit 
nach dem System der Schmalspur hergestellt. 

Die Schmalspur, welche in Mittel-Europa sonst nur für Kleinbahnen von 
verhältnismäßig geringer Längenausdehnung und dort angewendet wird, wo 
an die Transportleistung einer Eisenbahn in jeder Beziehung nur die aller- 
bescheidensteu Anforderungen gestellt werden, hat in Bosnien dem Handel 
und Verkehr eines ausgedehnten Landes zu dienen. 

Infolgedessen sind die in ihren Anfängen ganz und gar den Charakter 
der Kleinbahnen tragenden Schmalspurbahnen der okkupierten Provinzen im 
Laufe der Jahre nicht allein in ihrer Längeuausdehnung, sondern auch in 
ihrer baulichen Detailanlage weit über den Rahmen der Kleinbahn hinaus- 
gewachsen und hat insbesondere der Fahrpark derselben eine ganz eigen- 
artige, von anderen Bahnen dieser geringen Spurweite nirgends erreichte 
Ausgestaltung erfahren. 

Die Leistungsfähigkeit dieser Bahnlinien ist selbst dort, wo dieselben 
mit den größten Terrainschwierigkeiten zu kämpfen haben, eine sehr große 
geworden. 

Die der Eigenart des Landes sorgfältig angepaßte Entwicklung der 
schmalspurigen Eisenbahnen Bosniens und der Herzegowina hat denn auch 
längst ~ weit über die Grenzen unserer Monarchie, auch über jene Europas 
hinaus — das rege Interesse aller Fachkreise erweckt. 

Eine gedrängte Schilderung dieser Entwicklung wird vielleicht auch die 
Aufmerksamkeit der geehrten Leser unserer Festschrift einige Augenblicke 
zu fesseln vermögen, wenngleich aus der Entwicklung der bosnischen Schmal- 
spurbahnen und ihrer Betriebseinrichtungen eine unmittelbare Nutzanwendung 
auf die Eiseubahnverhältuisse unserer alten Heimat nicht zulässig ist. 



154 Die Entwicklung der Elsenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

Die b a 11 1 i c li e Entwicklung. 

Zu Beginn der Okkupation Bosniens und der Herzegowina war in diesen 
Provinzen nur die 87 Kilometer lange nornialspurige Eisenbahn Banjaluka — 
Novi vorhanden. 

Unter der kaiserlich ottomanischen Regierung von der Unternehmung 
Baron Hirsch als Teilstrecke der orientalischen Eisenbahnen erbaut, und im 
Jahre 1872 dem Betriebe übergeben, mußte dieser im Jahre 1875 wieder 
eingestellt werden, weil die desolaten politischen und Sicherheitsverhältnisse 
Bosniens in den der Okkupation unmittelbar vorangegangeneu Jahren die 
Führung des Bahnbetriebes schlechterdings unmöglich machten. 

Diese Bahn war dann vollständig dem Verfalle preisgegeben. 

Sofort nach dem Einmärsche der k. u. k. Truppen in das Land ist 
dieselbe unter militärischer Leitung wieder betriebsfähig hergestellt und bis 
Ende März des Jahres 187i> nach Doberlin ausgebaut worden. 

Ln Jahre 1891 ist diese Bahnlinie bis in die Stadt Banjaluka geführt 
worden und erreichte damit eine Gesamtlänge von 1U4 Kilometern. 

Verwaltet wird dieselbe bis zum heutigen Tage durch das k. u. k. Reichs- 
Kriegs-Ministerium. 

Eine Fortsetzung nach Süden fand diese normalspurige Linie bisher 
nicht, weil die Bahnlinien Bosniens indessen eine andere Entwicklung ge- 
nommen hatten. 

Die Okkupation Bosniens und der Herzegowina begann am 29. Juli 1878. 

An diesem Tage überschritten die k. u. k. Truppen nächst der Grenz- 
festung Slavonisch-Brod die Save. 

Diese alte Festung war der Stützpunkt der militärischen Operationen 
beim Vormarsche in das Herz des Landes, sowie der Ausgangspunkt für die 
größten Truppenabschübe und für die Verpflegung eines erheblichen Te les 
der Truppen. 

Von hier mußten demnach die ersten neuen Transportwege in das Innere 
des Landes ausgehen. 

Mit den Straßen und Wegen war es zu Beginn der Okkupation in 
Bosnien und der Herzegowina schlecht bestellt und stand die Weglosigkeit 
dieser Gebirgsländer obenan unter den gewaltigen Schwierigkeiten, welche 
sich der Besetzung derselben anfangs entgegenstellten. 

Diese Länder besaßen außer schmalen Reitwegen, die in ihrer Anlage 
und Erhaltung alles zu wünschen übrig ließen, nur wenige kurze und zu- 
sammenhanglose Strecken von Fahrstraßen der allermindesteu Beschaff'enheit. 

Unter diesen Umständen war die Herstellung von Verkehrswegen eine 
der allerersten und allerwichtigsten Aufgaben der neuen Verwaltung. 

Sofort nach dem Eintreffen der Truppen begann demnach der Bau einer 
Heerstraße von Brod nach Sarajevo. 

Stück für Stück dieser Straße ist aber — kaum fertiggestellt — so 
stark befahren worden, daß eine halbwegs entsprechende Erhaltung derselben 
ein Ding der Unmöglichkeit war und die Straße ihren Zweck nur höchst 
unvollkommen erfüllte. 



\ 



Die Entwicklung der Ei<enl)ahnen in Bosnien uiul der Herzegowina. 155 

Es mußte demnach — um die Verpflegung der Truppen niclit zu ge- 
fälirden — ein zweiter Verkehrsweg und zwar der Straße so nahe als 
möglieh hergestellt werden, an den als allererste Forderung die möglichst 
rasche Benützbarkeit zu stellen war. 

Die Ileeresverwaltnug entschied sich für den Bau einer schmalspurigen 
Rollbahn und übertrug deren Herstellung der Bauunternehmung Hügel und 
Sager. welche nach dem eben erst beendeten Baue der Bahnlinie Temesvär — 
Orsova ihr gesamtes Personale und ihr Materiale, darunter eine größere 
Anzahl von Lokomotiven und Rollwagen zum Erdtrausporte in der kleinen 
Spurweite von 2' 6" englisch = 0*76 Metern sofort zur Verfügung hatte. 

Die Vorbereitungen sind so energisch betrieben worden, daß der unter 
militärische Leitung gestellte Bau einer den vorhandenen Fahrbetriebsmitteln 
entsprechend mit der schmalen Spurweite von 0'76 Metern angelegten Roll- 
bahn schon in den ersten Tagen des Monates Oktober 1878 beginnen konnte. 

Obwohl die gewaltigen, ganz außergewöhnlich lange anhaltenden Regen- 
güsse im Herbste des Jahres 1878 und in dem darauf folgenden Winter der 
Förderung des Baues die allergrößten Hemmnisse entgegenstellten, ist der- 
selbe so energisch betrieben worden, daß mit Ende Jänner 1879 — also 
nicht ganz 5 Monate nach Beginn des Baues — auf der 83 Kilometer langen 
Strecke Brod-Doboj regelmäßige Lastzüge mit Militärgütern befördert 
werden konnten. 

Am 8. Juni 1879 ist die l^^O Kilometer lange Linie Brod — Zenica dem 
Betriebe übergeben worden. 

Von Bosnisch-Brod am rechten Ufer der Save ausgehend, durchschneidet 
die Bahnlinie die Saveniederuug, erreicht am Rande derselben die Bezirks- 
stadt Dervent und ersteigt von hier an in langgedehnter Entwicklung in 
Steigungen bis zu 14 pro mille unter Anwendung zahlreicher scharfer Geleis- 
bögen den Höhenrücken von Han Marica. 

Von diesem aus senkt sich die Bahn abermals in scharfen Krümmungen 
und in Gefällen von 14 pro mille bis Kotorsko und erreicht kurz vor dieser 
Station das Bosnatal. Diesem Tale folgt die Bahn in Neigungen von nicht 
mehr als 8 pro mille nunmehr bis in den Talkessel von Zenica, 4 mal die 
Bosna übersetzend und auf langen Strecken unmittelbar am Flußufer geführt. 

Das Bosnatal ist stellenweise — insbesondere bei Vranduk — sehr 
enge, von hohen, steilen Waldbergen umsäumt und bot den» Bahnl)aue 
erhebliche Schwierigkeiten. 

Über die sehr schmale Spurweite von 0*76 Metern machte man sich 
keine Bedenken. Vorerst bot diese kleine Spurweite den außerordentlichen 
Vorteil, Geleisebitgen von sehr geringem Halbmesser anwenden zu können. 
Solche von 35 Metern Halbmesser kamen nicht selten vor. Dadurch aber 
ließen sich die Erd- und Fclsarbciten auf das äußerste verringern und konnte 
die Bahn sehr rasch und mit geringen Kosten hergestellt werden. Außerdem 
aber sollte die Rollbahn nur als Notbehelf dienen und bestand die Absicht, 
^ zu gelegener Zeit bei dem Eintreten geregelter Verhältnisse eine Bahn 



156 Die Entwicklung der Eisenbalinen in Bosnien und der Herzegowina. 

mit noniialci* Spurweite zu erbauen, die schmalspurige Bahn aber ganz zu 
beseitigen. 

Indessen leistete diese die besten Dienste und erwies sich trotz ihrer 
flüchtigen Anlage und der allerdürftigsten Einrichtung als außerordentlich 
wertvoll tÜr die Verpflegung der in Mittel- und Südbosnieu stehenden großen 
Truppenmasseu. 

Zur Beförderung der Züge waren vorerst nur winzige Baulokomotiven 
zur Verfügung. 

Der Wagenpark bestand aus 400 kleinen Schotterwägelchen mit je 
2 Tonnen Ladegewicht. 

Mit zwei Bänken und einer Teerdecke versehen, dienten dieselben auch 
als Personenwagen. 

Die in der ersten Zeit aus diesem Fahrpark gebildeten „Postzüge" legten 
im Jahre 1879 die 189 Kilometer lange Strecke Brod— Zenica in 15 Stunden 
25 Minuten, das heißt mit einer Reisegeschwindigkeit von 12 Kilometern in 
der Stunde zurück, was übrigens gegen die Straßenfahrt unter den damaligen 
Verhältnissen einen sehr großen Fortschritt bedeutete. 

Welche Entwicklung der Fahrpark dieser Rollbahn nahm, wird in der 
Folge angeführt werden. 

Die Fortsetzung der Bahn von Zenica nach der 79 Kilometer südwärts 
gelegenen Landeshauptstadt Sarajevo mußte sofort ins Auge gefaßt werden 
und war dabei die Frage zu entscheiden, ob das System der Schmalspur 
auch für die Fortsetzungsstrecke beibehalten oder aber auf die Normalspur 
übergegangen werden soll. 

Eine zur Lösung dieser Frage gewählte Expertenkommission aus her- 
vorragenden Eisenbahn - Fachmännern Österreich - Ungarns entschied sich für 
einen Mittelweg. 

Über Anraten derselben ist die Baulinie Zenica— Saraj evo in der 
Linienführung einer normalspurigen Hauptbahn, das heißt mit Bögen von 
mindestens 275 Metern Halbmesser angelegt, und sind alle Durchlässe und 
Brücken im Mauerwerke und in den Eisenkonstruktionen in den Ausmaßen für 
eine normalspurige Hauptbahn ausgeführt worden. 

Die Kronenbreite des Erdkörpers aber ist gleich jener der schmal- 
spurigen Linie Brod— Zenica zur Herstellung gelangt. 

Dieser Unterbau trägt ein Geleise der schmalen Spurweite von 0'76 Metern 
gleich jenem der Bahnlinie Brod— Zenica. 

Die Bahnlinie Zenica - Sarajevo ist — gleichfalls unter militärischer 
Leitung — in durchaus solider und stabiler Weise gebaut und im Oktober 1882 
dem Betriebe übergeben worden. 

Von Zenica ausgehend, folgt die Bahn auch weiterhin dem Laufe der 
Bosna, — dieselbe einmal übersetzend — bis in die unmittelbare Nähe von 
Sarajevo. 

Auch längs der Strecke ist das Tal zumeist eng — wenn auch nicht 
derart geschlossen, wie im Defile von Vranduk — und von grünen Hügeln 
umsäumt. 



Die Entwicklung der Eiseiilialiiieii in Bosnien und der Herzegowina. 157 

Die Betriebsfiilirimg- der 2()S Kilometer laiiycu Balinliiiie IJrod — Sarajevo, 
welche den Naiiieu „K. ii. k. Bosuabaliu" führte, behielt das k. ii. k. Reiehs- 
Kriegs-Ministerinm bis Ende Juli des Jahres 1895. 

Im Monate Jänner des Jahres 1885 ist in Sarajevo eine 3 Kilo- 
meter lange Pferdebahn, welche vom Bahnhofe bis in die Mitte der 
Stadt tÜhrt und von der Regierung- für Rechnung eines Aktienunternehmens 
gebaut worden ist, dem Betriebe übergeben worden. 

Da man annahm, daß die Erweiterung der Stadt vornehmlich in der 
Richtung gegen den Bahnhof erfolgen werde, ist dieser in erheblicher Ent- 
fernung von der Stadt angelegt worden. 

Eine bequeme Verbindung mit der Stadt erwies sich unter diesen Um- 
ständen bald als notwendig. 

Die Pferdebahn erhielt die gleiche schmale Spurweite, wie die Fernbahn, 
so daß die Güterwagen der letzteren bis zu dem, in der Wüte der Stadt au- 
gelegten, allein dem Güterverkehr dienenden Stadtbahnhofe rollen können. 

Im Jahre 189 ) ist diese Bahnlinie gleichzeitig mit der Einführung der 
elektrischen Beleuchtung in Sarajevo für den elektrischen Betrieb eingerichtet 
worden und war somit eine der ersten elektrischen Bahnen der Monarchie. 
Im Jahre 1897 hat die Stadtbahn eine zweite Linie - die Quailinic — und 
mit dieser eine Gesamtlänge von nahezu 6 Kilometern erhalten. 

Im Jahre 1898 löste die Regierung die nicht schon im Besitze derselben 
befindlichen Aktien ein und schenkte die Bahn der Stadtgemeinde Sarajevo. 

Den Betrieb dieser elektrischen Bahn führen die bosniscb-herzegowiniscbeu 
Staatsbahnen für Rechnung der Stadtgemeinde. 

lü den Monat Jänner 1885 fällt auch die Eröffnung der 22 Kilometer 
langen M o n t a u b a h n V o g o s c a — C e v 1 j a n o v i c. 

Diese zweigt kurz vor der, in der Nähe Sarajevo's gelegeneu Station 
Vogosca aus der Bahnlinie Zenica— Sarajevo ab und führt in einem engen 
Waldtale zumeist in Steigungen von 20 bis 25 pro miile bis nahe an das 
Ende des Tales in die unmittelbare Nähe des Manganerz-Bergbaues der 
Gewerkschaft „Bosnia". 

Diese Montanbahn ist von der k. u. k. Bosnabahn für Rechnung der 
genannten Gewerkschaft gebaut und betrieben worden, bis diese Strecke im 
Jahre 1895 in den Betrieb der bosnisch-herzegowinischeu Staatsbahnen über- 
ging. Seit dem Jahre 1898 ist die Bahnlinie Eigentum der bosnisch-berzego- 
vsinischen Landesverwaltung. 

Bereits in den ersten Jahren nach der Okkupation sind von der bosnisch- 
herzegowinischen Landesverwaltung die Salz- und Braunkohlenlager Nordost- 
bosniens in und nächst D.-Tuzla erschlossen worden. 

An eine gewinnbringende Verwertung dieser Bodenschätze war nur dann 
zu denken, wenn D.-Tuzla eine Bahnverbindung erhielt. Diese Verbindung 
war am nächsten und billigsten durch eine Bahnlinie von D.-Tuzla, 
beziehungsweise der Saline von Siminhan nach Do b o j — einer Bahnstation 
der Linie Brod - Sarajevo — herzustellen. 



158 r)ie Entwicklung' der Eisenlcilinen in Bosnien und der Herzegowina. 

Diese (J7 Kilometer lauge Babuliuic, welche im April 188G dem öffent- 
lichen Verkehre übergeben wurde, ist mit Rücksichtnahme anf den Anschluß 
an die Linie Rrod- Sarajevo gleichfalls schmalspurig hergestellt worden. 

Sie führt — vom Bahnhofe Doboj nach Osten abzweigend — nach 
Übersetzung des Bosnaflusses durch eine lange eiserne Brücke im Tale der 
Spreßa und dann eine kurze Strecke in jenem der Jala zu dem Koblenwerke 
Kreka, nach der Kreisstadt D.-Tuzla und der Saline von Siminhan. 

Das Sprecatal, welches sich erst ganz nahe der Bosna auf eine kurze 
Strecke verengt und einen Felsenpaß bildet, ist sonst ein breites, fruchtbares, 
von bewaldeten Hügeln umsäumtes Tal. Die Bahn durchzieht schöne Auen 
und üppiges Wiesengeläude. 

Noch vor dem Baue der Bahnlinie Doboj — Siminhan begannen die Vor- 
bereitungen für die Bahnverbindung Sarajevos mit Mostar, der 
Hauptstadt der Herzegowina, und in weiterer Fortsetzung nach dem Meere. 
Eine Bahnverbindung Sarajevos mit Mostar war nicht nur aus kommerziellen, 
sondern auch aus politischen Rücksichten ein Gebot der Notwendigkeit. 

Unter dem türkischen Regime war das politische Band zwischen Bosnien 
und der Herzegowina ein äußerst loses. Eines der wirksamsten Mittel, dasselbe 
auch im Gefühl der Bevölkerung fester zu knüpfen, war die Herstellung eines 
modernen Verkehrsweges — einer Eisenbahn. 

Die vorzüglichen Erfolge, welche mit der Schmalspur auf der Bahnlinie 
Brod — Sarajevo indessen erreicht worden waren, und der Umstand, daß eine 
Bahnlinie von Sarajevo nach Mostar und Metkovic wohl keine Aussicht hat, 
in absehbarer Zeit eine Hauptlinie des Großverkehres zu werden, stellten die 
Wahl der Schmalspur für dieselbe vorweg außer Zweifel. 

Für die Schmalspur sprach nunmehr und in der Folge auch noch der 
gewichtige Umstand, daß die okkupierten Provinzen, zu arm, um die bedeu- 
tenden Geldmittel für den Bau von Gebirgsbahnen selbst aufzubringen, an 
die finanzielle Hilfe der Monarchie gewiesen waren, welche das Baukapital 
für den Eisenbahnl)au schon bei der Bahnlinie Zenica -Sarajevo und dp*^n 
auch in der Folge bei anderen Linien auf Grund besonderer, von den Parlamenten 
beider Reichshälften beschlossener und allerhöchst sanktionierter Gesetze aus 
den Reichs-Zentral-Aktiven darlieh. 

Bosnien und die Herzegowina haben für die regelmäßige Verzinsung 
und für die allmählige Rückzahlung der liaukapitalien aufzukommen und sind 
diese Zahlungsverpflichtungen bisher prompt erfüllt worden. 

Das Bestreben, diese Hilfe der Monarchie nur im bescheidensten Maße 
in Anspruch zu nehmen, und auch die Finanzen der okkupierten Länder mit den 
Zinsraten der Kapitalien für den Eisenbahnbau nicht mehr zu belasten, als 
unumgänglich nötig war, andererseits aber der berechtigte Wunsch, dem Lande 
trotz aller l>eschränkung des Ka])italaufwandes möglichst bald die wichtigsten, 
zu seiner gedeihlichen Entwicklung unerläßlichen Schienenwege zu geben, 
war ausschlaggebend dafür, auch die Bahnlinie Sarajevo — Metkovic und alle 
in der Folge noch gebauten Bahnlinien schmalspurig auszuführen. 



Die Entwicklung der Eiseniialuicn in Bosnien und der Herzej^'owina. 15!) 

Finanzielle Rücksicliteu ganz derselhen Art waren es auch, welche dazu 
führten, bei der Übersetzuni;- des Ivanpasses im Zuge der Uahnliuie Sarajevo — 
Mostar Steilrampen von 60 pro niille Neigung unter Benützung der Aht'sclicu 
Zahnstange auszuführen. 

Der Betrieb über diese Steilrampen ist allerdings erheblieh teuerer, als 
jeuer auf Adhäsionsstreeken einer geringeren Neigung. 

Xachdeni aber die Zinsen des durch die Ausführung der Steilrampen, 
das heißt durch die bedeutende Kürzung der Bahnlänge ersparten Baukapitals 
jährlich ein mehrfaches der Mehrausgaben des Betriebes über die Steilranipen 
betragen würden, erscheint diese Art der Bauaustührung tinanziell vollkommen 
gerechtfertigt. 

Auch vom Standpunkte des technischen Betriebes und der Leistungs- 
fähigkeit der Bahn bestehen, wie eine nunmehr elfjährige Erfahrung erwiesen 
hat, dagegen keine Bedenken. 

Von der 178 Kilometer langen Bahnlinie Sarajevo Metkovic ist vorerst 
im Jahre 1885 die Teilstrecke Mostar — Metkovic, dann 1888 die Strecke 
Mostar - Ostrozac, 1889 Ostrozac — Konjica, endlich im Jahre 1891 die letzte 
Strecke von Konjica nach Sarajevo dem Betriebe übergeben worden. 

Mit dem im Jahre 1884 in Angriif genommenen Baue der Bahnlinie 
Mdstar— Metkovic löste die Zivilverwaltung Bosniens und der Herzegowina 
die Militärverwaltung im Eisenl)ahnbaue ab und hinfort sind alle Eisenbahnen 
der okkupierten Provinzen unter der Leitung der ersteren ausgeführt worden. 

Zum Baue der Eisenbahnlinie Mostar — Metkovic und Doboj— Siminhau 
sind, gleichwie bei den früheren Bauten unter militärischer Leitung, General- 
Unternehmer herangezogen worden. 

Hievon ging die bosnisch-herzcgowinische Regierung jedoch in der Folge 
ab und sind alle weiteren Eisenbahnbauten vom Jahre 1887 angefangen von 
der Bauabteiluug der Landesregierung in Sarajevo in eigener Regie unter 
Verwendung von Akkordanten zur Ausführung gelangt. 

Der Betrieb der Bahnlinie Mostar- -Metkovic ist sofort der Zivilverwaltung 
unterstellt worden und bildete diese kleine Bahnlinie den Ausgangspunkt der 
Direktion der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen. 

Die Bahnlinie Sarajevo— Mostar zählt zu den technisch schwierigsten 
und landschaftlich schönsten Gebirgsbahnen der Monarchie. Von Sarajevo 
ausgehend, kreuzt dieselbe das ebene Sarajevsko polje, passiert das Bad 
Ilidze und tritt in ein enges Tal ein. 

Gleich nach der Station Pazaric übersteigt die Bahn in der Neigung von 
35 pro mille bereits unter Anwendung der Zahnstange eine kleine Wasserscheide, 
gelangt wieder in das Tal herab und steigt dann zur Station Uastelica an 
den Fuß des Ivan, endlich mit einer steilen Rampe von OO pro mille Neigung 
bis zur Station Ivan in die Seehöhe von 877 Metern empor. 

Mit einem Scheiteltunnel von 048 Metern Länge, in dessen Mitte die 
Grenze zwischen Bosnien und der Herzegowina liegt, wird der Paßrücken 
durchfahren und nun senkt sich die Bahn, fortwährend unter Benützung der 
Zahnstange, zwei kurze Seitentäler in Schleifen ausfahrend, an steilen Fels- 



IGO Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

lelineu, auf liolicu Mauern und durch eine Reihe von Tunnels in einer Weg- 
strecke von 17 Kilometern 600 Meter tief bis zur Station Koujica herab, die 
bereits am Ufer der Narenta gelegen ist. 

Unmittelbar am Ufer der Narenta oder doch nahe demselben bleibt die 
Bahn nunmehr in der noch folgenden 122 Kilometer langen Strecke bis 
Metkovic. 

Diese Bahnlinie weist eine große Anzahl von Kunstbauten auf. 

Der landschaftlich schönste Teil des Engtales, das in seiner wilden 
Naturschönheit von hohem landschaftlichen Reize ist, beginnt bei der Station 
Rama und endet bei der Station Raskagora nach einer Weglänge von 
42 Kilometern. 

Kurz vor Mostar öffnet sich das Tal, um sich 12 Kilometer südlich von 
Mostar wieder zu einem Felsenspalt in einer lang gedehnten Hochfläche zu 
schließen. 

Nächst Gabela zweigt die Bahnlinie nach Gravosa ab. 3 Kilometer 
weiter wird die Endstation Metkovic erreicht, die an der Narenta gelegen 
und 18 Kilometer vom Meere entfernt ist. Hier endet die Regulierung des 
Unterlaufes der Narenta. Bis Metkovic verkehren Seeschiffe, welche keinen 
größeren Tiefgang als 4^'^ Meter haben, also Schiffe bis zu 500, oder wenn 
dieselben für die Einfahrt in die Narenta besonders flach gebaut sind — bis 
zu 800 Registertonnen. 

Der Bau der Bahnlinie Sarajevo— Mostar— Metkovic bezweckte in erster 
Linie die Verbindung Sarajevos mit Mostar — das heißt Bosniens mit der 
Herzegowina. 

Durch die kurze Bahnstrecke Mostar — Metkovic ist allerdings auch eine 
Verbindung der okkupierten Provinzen mit dem Meere hergestellt worden. 

Diese Verbindung hat jedoch einen ausgesprochenen Wert vorerst nur 
für Mostar, das seit langen Jahren rege Handelsbeziehungen mit Triesl und 
Fiume pflegt 

Für jenen Handelsverkehr, an welchem Bosnien interessiert ist und 
welcher auf dem Seewege zumeist Schiffe weiterer Fahrt erfordert, ist 
Metkovic nur von untergeordnetem Wert, weil dieser Flußhafen von größeren 
Seeschiff'en gar nicht angelaufen werden kann und der regelmäßige Verkehr 
selbst der kleinen Schifte fast nach jedem Hochwasser der Narenta durch 
Schotterbarren an der Mündung wochenlang gestört wird. 

Endlich schließen auch die sehr ungünstigen klimatischen Verhältnisse 
der weiten Sumpfflächen an der Narentamündung die Entwicklung von Metkovic 
als Handelsplatz aus und lassen diese und noch andere Verhältnisse es auch 
als ausgeschlossen erscheinen, etwa durch eine Verlängerung der Bahn über 
Metkovic hinaus bis zur Meeresküste einen kommerziellen Endpunkt am Meere 
in dieser Richtung zu erhalten. 

Unter diesen Umständen ist durch den Bau der Bahnlinie Sarajevo — 
Mostar —Metkovic die Notwendigkeit, eine Bahnverbindung aus dem kommer- 
ziellen Schwerpunkte, aus der Mitte Bosniens nach dem offenen Meere zu 
schaffen, keineswegs beseitigt worden. 



Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 161 

Unter den Küstenstädten Dalmatiens nimmt Spalato dnrcli seinen pracht- 
vollen Naturhafen, durch seine Lage zum Hinterlande, durch seine gut ent^ 
wickelten Handelsbeziehungen den ersten Rang ein und ist deshalb vor allen 
zum Ausfuhrhafen für Bosnien geeignet. 

Die Bestrebungen der bosnisch-hcrzegowinischen Landesverwaltnng waren 
denn auch bald nach der Vollendung der P)ahulinie von Sarajevo nach Mostar 
und Metkovic dahin gerichtet, eine Bahnverbindung mit Spalato herzustellen. 

Als Ausgangspunkt einer solchen konnte jedoch nicht Sarajevo gewählt 
werden, weil dieses zu weit südlich von den Ausgangspunkten der Produktion 
jeuer Massengüter gelegen ist, welche vornehmlich auf Spalato angewiesen sind. 

Es handelt sich um Kohle aus den Gruben von D.-Tnzla und Zenica 
und um Schnittholz, welches die großen Sägewerke in Zavidovic — nördlich 
von Zenica — sowie jene im Lasva- und Verbastale Hefern. Außerdem hat 
die Landesverwaltung Bosniens und der Herzegowina die Herstellung einer 
möglichst direkten Bahnverbindung aus den westlichen Teilen der Monarchie 
über Nordwestbosnien nach Sarajevo allezeit im Auge behalten und diese 
war bezüglich der Linienführung ihrer Südstrecke umsomehr mit der Bahnlinie 
nach Spalato in Kombination zu bringen, als die durch eine solche Linie 
aufgeschlossenen großen Waldgebiete Nordostbosniens ihren Absatz seinerzeit 
zumeist auch auf dem Wege über Spalato suchen müssen. 

Diese Erwägungen und die Berücksichtigung der topografischen Ver- 
hältnisse des Landes führten zur Wahl einer Bahnlinie, welche in Lasva von 
der Strecke Brod— Sarajevo abzweigt, dem Lasvatale folgend die Kreisstadt 
Travnik erreicht, sich dann am Bergrücken des Komar unter Anwendung 
der Zahnstange entwickelt, den Rücken des Komar in einer Seehöhe von 
777 Metern mit einem Tunnel von 1362 Metern Länge durchsetzt, abermals 
unter Anwendung der Zahnstange nach D.-Vakuf, dann in Verbastale bis 
Bugojno gelangt und dereinst über Kupres und ^upanjac nach dem Grenzorte 
Arzano, von dort aber auf österreichischem Gebiete nach Spalato führen soll. 

In D.-Vakuf zweigt — dem Flußlaufe des Verbas folgend — die Bahn- 
linie nach Jajce ab, die in ihrem weiteren Verlaufe das eine enge, ganz 
unbewohnte Felsschlucht bildende Verbastal verlassend, über Varcar Vakuf, 
Kljuc und Sanskimost nach der Station Priedor an der Militärbahn Banjaluka— 
Doberlin führen soll. 

Die ersten Teilstrecken dieser Bahnlinien, und zwar die 71 Kilometer 
lange Strecke Lasva— Travnik— D.-Vakuf— Bugojno, ferner die 34 Kilometer 
lange Strecke D.-Vakuf— Jajce sind nach eingeholter Zustimmung der gesetz- 
gebenden Körperschaften beider Reichshälften bereits gebaut und in den 
Jahren 1893, 1894 und 1895 dem Betriebe übergeben worden. 

Auch für diese Bahnlinien kam die Spurweite von 0-76 Metern zur 
Anwendung. 

Sowie seinerzeit beim Baue der Ivanbahn — Sarajevo Konjica — führten 
auch hier Erwägungen finanzieller Natur zur Anwendung der Zahnstange für 
die Übersetzung des Komarrückeus zwischen Travnik und D.-Vakuf. 

11 



262 Di^ Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

Man konnte nunmehr ganz beruhigt an nochmalige Verwendung der 
Zahnstange gehen, nachdem es indessen am Ivan erwiesen war, daß diese 
keinesfalls — wie oft angenommen wird — ein Hemmnis des Verkehres, 
sondern insbesondere bei Schmalspurl)ahuen ein wertvolles Hilfsmittel zur 
Erhöhung der Leistungsfähigkeit einer Bahn in schwierigem Gelände ist. 

Die indessen am Ivan gewonnenen Erfahrungen sind bei der neuen 
Linie dahin verwertet worden, daß die' größte Neigung der Bahnlinie, welche 
am Ivan 60 pro mille beträgt, am Komar auf 45 pro mille herabgesetzt 
worden ist. 

Dadurch werden zwar die Kosten größer, aber auch die Leistungs- 
fähigkeit der Bahn wird wesentlich erhöht und wird es insbesondere möglich, 
auf Neigungen von 45 pro mille noch entsprechend gebaute, reine Adhäsions- 
lokomotiven zu verwenden, die Zahnradlokomotivcn aber nur als Hilfs- 
maschinen zu benützen, was von wesentlichem Vorteile ist. 

Noch bevor die Bahnlinie D.-Vakuf Jajce dem Betriebe übergeben 
war, machte es das Aufblühen des unweit von Sarajevo gelegenen Eisen- 
werkes V a r e s notwendig, diesem eine Bahnverbindung mit der 25 Kilometer 
weit entfernten, an der Bahnlinie Brod -Sarajevo gelegenen Station Pod- 
lugovi zu geben. 

Die Montanbahn Podlugovi — Vares ist im Jahre 1894 auf Kosten der 
Vareser Eisenindustrie-Aktiengesellschaft von der Bauabteilung der Landes- 
Regierung als Regiebau hergestellt und im November 1894 dem Betriebe 
übergeben worden. 

Dieselbe führt in dem von hohen und steilen Waldbergen umschlossenen, 
ganz engen Tale der Stavnja unter Anwendung- zahlreicher Geleisebögen 
von sehr kleinem Halbmesser in starken Steigungen, die in läugeren Strecken 
25 pro mille erreichen, zum Eisenwerke und den Erzgruben von Vares empor. 

Nach der im Monate Mai 1895 erfolgten Betriebseröflfnung der Bahnlinie 
D.-Vakuf Jajce trat in den okkupierten Provinzen ein längerer Stillstand 
im Eisenbahnbau ein, weil die Bemühungen der bosnisch-herzegowinischen 
Landesvcrwaltung, den Weiterbau der Bahn von Bugojno nach Arzano, 
beziehungsweise Spalato in Fluß zu bringen, lange Zeit hindurch ohne Erfolg 
blieben. 

In diese Zwischenzeit fällt die Übergabe der bis Ende Juli 1895 unter 
der Leitung des k. u. k. Reichs-Kriegs-Ministeriums gestandenen k. u. k. Bosna- 
bahn, das heißt der Bahnlinie Brod -Sarajevo an die bosnisch-herzegowinische 
Zivil Verwaltung, nachdem diese letztere bereits am 1. Jänner 1894 die früher 
gleichfalls von der Bosnabahn verwaltete Bahnlinie Doboj—Siminhan über- 
nommen hatte. 

Seither sind alle dem öffentlichen Verkehre dienenden Schmalspurbahnen 
Bosniens und der Herzegowina der Direktion der bosnisch-herzegowinischen 
Staatsbahnen in Sarajevo unterstellt, die wieder der Landesregierung für 
Bosnien und die Herzegowina untergeordnet ist. 

Indessen trat aber ein anderes Bahnprojekt in den Vordergrund. 



Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 163 

Das k. II. k. Reichs-Krieiis-Ministcrium leiste Wert auf eine Bahnverbindung 
nach dem militärischen Stützpunkte Trebinje im Süden der Herzegowina und 
nach der Bocche di Cattaro. 

Der Bau dieser Bahnen, welche teils auf herzegowinischem, teils auf 
r)sterreichischem, beziehungsweise dalmatinischem Boden liegen, ist — nachdem 
derselbe in gesetzmäßigem Wege von den Parlamenten beider Reichs- 
hälfteu beschlossen war — von der Bauabteilung der Landesregierung 
Bosniens und der Herzegowina, gleich allen früheren Bahnbauten derselben 
in eigener Regie durchgeführt worden, während das k. k. österreichische 
Eisenbahn-Ministerium, unter dessen Leitung die auf österreichischem Gebiete 
gelegenen Bahnstrecken ausgeführt wurden, Bauunternehmer beschäftigte. 

Die Bahnlinie Gab ela— Bocche di Cattaro mit den Flügelbahnen 
vonHum nach Trebinje und vonUskoplje nachGravosa sind insgesamt 
189 Kilometer lang. Es entfallen von dieser Länge 130 Kilometer auf herzego- 
wiuisches und 59 Kilometer auf dalmatinisches Gebiet. Dem Betriebe übergeben 
wurden dieselben im Juli des Jahres 1901. 

Die Bahn zweigt in Gab ela — nächst Metkovic — der bosnisch-her- 
zegowinischen Staatsbahnen ab, übersetzt die Narenta mit einer großen eisernen 
Brücke und ersteigt in einer Rampe mit 18 pro mille Neigung den Rand des 
Popovo polje. Dies ist ein außerordentlich interessantes Karstphänomen, ein 
von kahlen Karstbergen eingeschlossenes Hochtal von 45 Kilometern Länge 
und in einer wechselnden Breite von 1 bis zu 4 Kilometern mit ganz ebenem 
Talboden, der im Sommer sorgfältig bebaut wird. Im Winter bildet dieses 
Hochtal einen See mit Wassertiefen bis zu 35 Metern. 

Dem Ufer desselben folgt die Bahn bis nahe vor der Station Hum, von 
welcher aus über flachwelliges, zum Teile bewaldetes Karstgebiet eine 16 Kilo- 
meter lange Flügelbahn nach Trebinje führt. 

Die Bahnlinie erreicht nun als nächste Station das noch in der Herzegowina 
350 Meter über dem Meere gelegene Uskoplje. Von dieser Station senkt sich 
im Gefälle von 25 pro mille und in schöner Entwicklung an den Felswänden 
die 16 Kilometer lange Flügelbahn nach Gravosa zum Meere hinab. 

Von Uskoplje steigt die Bahn auf herzegowinischem Boden noch weiter 
bis zur Seehöhe von 495 Metern, erreicht die Station Glavska und bald nach 
derselben die Landesgrenze zwischen der Herzegowina und Dalmatien, um 
dann in der Sutorina nochmals in einer Länge von 7*5 Kilometern herzego- 
winischen Boden zu durchschneiden. 

Auf österreichischem Boden führt die Bahnlinie an steilen Felswänden 
in das Kaualital hinab, längs desselben nach Überschreitung einer Bodenwelle 
bei Nagumanac an das Ufer der Bocche, nach Kastelnu ovo und zur End- 
station Zelenika gegenüber der Marinestation Teodo. 

Der Bau dieser Bahnlinien, welche in dem größten Teile ihrer Länge 
in Fels gesprengt werden mußten, bot Schwierigkeiten vielfacher Art. 

Eine der größten war der außerordentliche Wassermaugel der Karst- 
gegenden im Sommer. 

11* 



164 r)'ß Entwicklunnr der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

Zur unmittelbaren Betriebsführung: der 59 Kilometer lang-en süddalma- 
tinischen Bahnlinien, welche in der gleichen schmalen Spurweite wie die 
bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen erbaut worden sind, ist eine k. k. Be- 
triebsleitung- in Gravosa bestellt, welche in ihren Agenden zum Teile der 
k. k. Staatsbahndirektion Triest, zum anderen Teile aber der Direktion der 
bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen in Sarajevo untersteht. 

Eigene Fahrbetriebsmittel besitzen die siiddalmatinischen Linien dermalen 
nicht. Auf denselben werden Lokomotiven und Wagen der bosnisch-herzego- 
winischen Staatsbahnen verwendet. 

Die bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen, welche dermalen 768 Kilo- 
meter eigener Bahnlinien und 89 Kilometer Bahnlinien umfassen, die für 
fremde Rechnung betrieben werden, durchziehen Landschaften außerordentlich 
verschiedenen Charakters. 

Sie führen durch die Saveebene, durch das breite Tal der Spreca, 
durch das Engtal der Bosna und durch die Felsenschluchten der Narenta, 
am rauschenden Vrbas und längs der Kaskaden von Waldbächen, durch frucht- 
bare Felder, grüne Auen, durch Bergland und über die Felswüste des Karstes. 

Diese Bahnlinien steigen bis zur Küste der Adria herab und in die Höhe 
des Semmering empor. 

In bautechnischer Beziehung sind dieselben von hervorragendem Interesse. 

Im Zuge der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen befinden sich 
3181 Brücken und Durchlässe von zusammen 7*803 Kilometern Lichtweite. 
Die größte Lichtweite einer Brückenöffnung beträgt 100 Meter. Die Brücken 
sind bis auf vereinzelte im Zuge der Bahnlinie Doboj— Siminhan und jener 
der Montanbahueu durchwegs solid in Stein und Eisen erbaut. 

Die Bahnlinien führen durch 30 Tunnels von zusammen 5'350 Kilometer 
Länge. 

Zum Schutze des Bahnkörpers gegen die Wildwässer sind außerordentlich 
zahlreiche Uferbauten, nicht selten solche erlieblichen Umfangs, vorhanden. 

An den Karstlinien sind große Wasserwerksanlagen für Bahnzwecko 
hergestellt worden. 

Auf den eigenen Linien der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahneu 
sind dermalen 99 Stationen und 11 Haltestellen vorhanden. 

Die Entwicklung des Verkehres. 

Die kulturelle Entwicklung Bosniens und der Herzegowina spiegelt sich 
in den Ziffern der Entwicklung des Eisenbahnverkehres. 

Das charakteristische Bild geben dabei die bosnisch-herzegowinischen 
l5taatsbahnen, weil diese die wichtigsten Handelswege umfassen, während 
die k. u, k. Militärbahn Banjaluka — Dobcrlin — vorläufig noch abseits von 
diesen gelegen — den Pulsschlag des großen Verkehrs weniger stark her- 
vortreten läßt. 

Es sollen hier nur einige charakteristische Ziffern des Eisenbahnverkehrs 
und zwar aus 4 Zeitpunkten angeführt werden: 



Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 165 

Alis dem Jahre 1><83 — dem ersten Jahre uaeli der Fertigstellniiji: der 
liahulinie lirod- Sarajevo. 

Aus dem Jahre 1892 — dem ersten Jahre naeh der Fertigstellung der 
Bahnlinie Sarajevo — Mostar—Metkovie. 

Aus dem Jahre 189(5, dem ersten Jahre naeh der Vereinigung aller, 
dem öt!entliehen Verkehre dienenden Sehmaispurbahnen Bosniens und der 
Herzegowina unter der \'er\valtnng der hosnisch-lierzegowinisehen Slaatsbahnen, 
und endlieh aus dem Jahre 1900, dem letzten Jahre vor der Betriebscröftuung 
der neuen Bahnlinien Gabela — Bocche. 

Um die Beurteilung der nachfolgenden Zitlern zu erleichtern, sind 
denselben — auf die Einheit des Kilometers der Bahnbetriebslänge zurüek- 
gerechnet — die Ziffern der k. k. österreichischen Staatsbahnen für das 
Jahr 1900 beigesetzt worden. 

Die Länge der im öffentlichen Betriebe stehenden, jetzt durchwegs zu 
den bosnisch-herzegowinisehen Staatsbahnen gehörigen schmalspurigen Linien 
hat betragen : 

Im Jahre 1883 268 Kilometer, 

im Jahre 1892 468 Kilometer, 

im Jahre 1896 627 Kilometer, 

im Jahre 1900 638 Kilometer. 

Die Zahl der auf diesen Bahnlinien beförderten Reisenden hat betragen : 

Im Jahre 1883 rund 80.000, 

im Jahre 1892 612.000, 

im Jahre 1896 1,252.000. 

Auf je einen Kilometer Betriebslänge entfallen Reisende: 

Im Jahre 1883 299, 

im Jahre 1892 1.308, 

im Jahre 1896 1.563, 

im Jahre 1900 1.962. 

Bei den k. k. österr. Staatsbahnen : 

Im Jahre 1900 5.467. 

Die Zahl der auf den Linien der bosnisch-herzegowinisehen Staatsbahnen 
beförderten Xettotonncnkilometer Parteigüter hat betragen : 

Im Jahre 1883 rund 6,076.000, 

im Jahre 1892 29,758.000, 

im Jahre 1896 49,529.000, 

im Jahre 1900 106,494.000. 

Auf je einen Kilometer lietriebslänge entfallen demnach: 

Im Jahre 1883 rund 23.000, 

im Jahre 1892 64.000, 

im Jahre 1896 79.000, 

im Jahre 1900 167.fXJ0. 

Bei den k. k. österr. Staatsbahnen : 

Im Jahre 1900 477.000, 



IQQ Die Entwicklung der Elisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

Als Maßstab für die Transportleistimg einer Eisenbahn dient die Leistung 
an Bruttotouneukilometern Zugslast. 

Diese Leistung hat, auf einen Kilometer Rahnlänge zurückgerechnet, 
bei den bosnisch-herzegowinischeu Staatsbahnen betragen: 

Im Jahre 1883 rund 84.000, 

im Jahre 1892 203.000, 

im Jahre 1896 248.000, 

im Jahre 1900 464.000. 

Bei den k. k. österr. Staatsbahnen: 

Im Jahre 1900 1,656.000. 

Hier ist jedoch zu bemerken, daß die auf die Längeneinheit zurück- 
gerechnete Transportleistung auf den einzelnen Teilstrecken eine außer- 
ordentlich verschiedene ist. 

Im Jahre 1900 hat dieselbe z. B. betragen: 

Auf den Bahnlinien : 

Brod — Sarajevo 656.000, 

Sarajevo— Metkovic 393.000, 

D.-Vakuf-Jajce 77.000. 

Bei den k. k. österreichischen Staatsbahnen hatten im Jahre 1900: 

die Hauptlinien Leistungsziffern bis zu 2,500.000, 

die vom Staate betriebenen, fast ausschließlich normalspurigen 
Lokalbahnen im Durchschnitte 179.000. 

Die österreichischen selbständigen Lokalbahnen im Durch- 
schnitte 82.000. 

Insbesondere diese letztere Ziffer dient zur Beurteilung der Transport- 
leistung der schmalspurigen bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen, die schon 
im Jahre 1900 selbst über die, mit der Zahnstange versehenen Steilrampen 
des Ivan Transporte führten, welche — auf den Kilometer der Bahulänge 
zurückgerechnet — den Durchschnitt der Leistung auf den österreichischen 
Lokalbahnen bedeutend übersteigen, trotzdem aber von der Grenze ihre. 
Leistungsfähigkeit noch sehr weit entfernt sind. 

Wie aus den angeführten Ziffern hervorgeht, ist der Personenverkehr 
der bosnischen Bahnen dermalen noch ein sehr bescheidener, vornehmlich schon 
deshalb, weil diese Gebirgsländer schwach bevölkert sind, und außer einer 
einzigen Mittelstadt — Sarajevo mit 45.000 Einwohnern — nur noch eine 
geringe Zahl von Kleinstädten, sonst aber nur Dörfer haben. 

Der insbesondere in den letzten Jahren in erfreulicher Weise zunehmende 
Touristenverkehr vermag die Hauptziffern des Personenverkehrs noch wenig 
zu becinflußen. 

Auch im Güterverkehr kommt der Charakter des industriearmen Gebirgs- 
landes klar zum Ausdrucke. 

Die seit dem Jahre 1896 eingetretene bedeutende Zunahme des Güter- 
verkehrs ist darauf zurückzuführen, daß die Rohprodukte des Landes endlich 
Absatz im umfangreichen Maße finden. Das bosnische Holz ist auf den Märkten 



Die Entwicklung der Eisenl)ahnen in Bosnien und der Herzegowina. 167 

in Süditalicn iu orfoli;reic'lien Wettbewerl), vüriiclimlicli mit aiisläiidisclien 
Hül/ei-ii i;ctreteu und quellt uußcrdcin Absatz in den südlichen Häfen des 
Mittelnieeres, sowie in überseeischen Ländern zu finden. 

Die bosnische Kohle findet Absatz in Öüd-Uni;arn und den anderen 
Ländern an der unteren Donau, ferner in den Häfen der Ostküste der Adria 
und neuestens in Italien. 

Das bosnische Eisenerz gelani;t nach Nord-Unj;arn, sowie nach den 
mährisch-schlesischen Eisenindustriebczirkcn und macht in Triest (Scrvola) 
den griechischen Erzen den Absatz streitig*. 

Die fortschreitende Erhöhung der Leistungsfähigkeit der 
b s n i s c h - h e r z e g w i n i s c h e n Schmalspurbahnen. 

Wir knüpfen nunmehr an unsere früheren Ausführungen dort wieder an, 
wo wir kurz schilderten, iu welchem Zustande sich der Fahrpark der Bahn- 
linie Brod— Zenica unmittelbar nach der Vollendung ihres Ikues befand und 
wollen vorerst die Lokomotiven kurz besprechen. Für den ersten Betrieb 
der Bahnlinie Brod— Zenica standen 20 kleine Baulokomotiven zur Verfügung, 
deren stärkste eine Leistung von 60, deren schwächste aber nur eine Leistung 
von nur 20 Pferdekräften hatte. 

Alle diese Lokomotiven waren zweiachsige Tenderlokomotiven, welche 
wohl für die erste Betriebszeit der Bahnlinie Brod— Zenica genügten, jedoch 
wegen ihrer sehr geringen Leistungsfähigkeit nicht mehr entsprechend waren, 
sobald die Eröffnung der weitereu Bahnstrecke bis Sarajevo in Aussicht stand. 

Eingehende Studien führten zu der Wahl einer neuen Type, welche die 
Bezeichnung „Zwillingslokomotive" führte. 

Diese Type, welche von hervorragenden Fachmännern als wesentlicher 
Fortschritt gegen die damals berühmten schmalspurigen Fairlie-Lokomotiven 
gepriesen wurde, kam im Jahre LS82 zur Verwendung. 

Diese Lokomotiven entsprachen aber in der Praxis den Anforderungen 
noch nicht ausreichend und ließen die Notwendigkeit, eine den Sonder- 
verhältnissen der bosnischen Schmalspur ganz angepaßte Lokomotive zu 
bauen, nach wie vor bestehen. 

Endlich gelang es, im Jahre lsa5 in der sogenannten „Radial-Lokomotive" 
eine ganz eigenartige, bisher noch nirgends vorhandene, den Anforderungen 
gut entsprechende Lokomotive zu entwerfen, welche im Verlaufe der 
Jahre in den Details immer sorgfältiger durchgebildet — typisch für die 
bosnisch -herzegowinischen Schmalspurbahnen geworden und dermalen in 
4 Ausführuugsarten in der Zahl von zusammen 95 Lokomotiven vorhanden ist. 

Die Radial-Lokomotive ist eine Lokomotive mit drei gekuppelten Achsen 

von je 6-5, bei der jüngsten P.auart von cS-0 Tonnen Achsdruck, bei welcher 

sich alle Achsen bei dem Befahren von Geleisebögen genau radial einstellen. 

Die Lokomotiven älterer Bauart haben einen einachsigen, jene neuerer 

Type einen zweiachsigen Tender. 



J68 Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

Ungeachtet ihrer erhehlichen Länge passieren dieselben Geleisehögen 
von 40, die neuen Lokomotiven solche von 50 Metern Halbmesser selbst in 
rascher Fahrt anstandslos und mit sehr geringem Eigenwiderstände, 

Diese Lokomotiven sind sowohl für den Lastzugsdienst, als für den 
Personendieust verwendbar. 

Die Radial-Lokomotiven mit 6 5 Tonnen Achsdruck befördern auf flach 
geneigten Strecken Lastzüge l)is zu 400 Tonnen Bruttogewicht und führen 
Personenzüge von 120 Tonneu Bruttolast mit Fahrgeschwindigkeiten von 38 bis 
45 Kilometern in der Stunde auf weite Entfernungen, ohne unterwegs anhalten 
zu müssen. 

Die Zugleistung der Radial-Lokomotiven mit 8 Tonnen Achsdruck, 
welche Lokomotiven vorläufig nur auf den neuen Strecken mit ausreichend 
starkem Oberbau verwendet werden können, ist entsprechend größer. 

Diese vorzüglichen Lokomotiven allein machten es möglich, die Personen- 
züge auf den Hauptlinien der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen trotz 
der sehr schmalen Spurweite von nur 0*76 Metern dort, wo nicht ungünstige 
Neigungsverhältnisse eine geringere Fahrgeschwindigkeit bedingen, seit Jahren 
im regelmäßigen Verkehre mit 38 bis 40 Kilometern Geschwindigkeit in der 
Stunde verkehren zu lassen. 

Auf die für den Fachmann interessanten Details der verschiedenen Typen 
der Radial-Lokomotiven und auf die gleichfalls vorhandenen anderen Typen 
von Adhäsions- Lokomotiven für den Dienst auf einzelnen Teilstrecken ein- 
zugehen fehlt hier der Raum. 

In das Jahr 1891 fällt die Eröftuung der Bahnlinie Sarajevo— Konjicat 
mit den Zahnstangenstrecken über den Ivan. 

Von dem Ingenieur Roman Abt in Luzern sind für diese Bahnlinie 
kombinierte Adhäsions- und Zahnrad-Lokomotiven in zwei Typen konstruier 
worden. 

Eine Zahnrad-Lokomotive der stärkeren Type befördert Personenzüge 
von 80 Tonnen Bruttolast mit 10 bis 12 Kilometern Geschwindigkeit in der 
»Stunde über Steigungen von 60 pro mille und gestattet bei der Talfahrt in 
Gefällen derselben Neigung Fahrgeschwindigkeiten von 15 bis 20 Kilometern 
in der Stunde. 

Drei solche Lokomotiven befördern Güterzüge von 240 Tonnen Brutto- 
last über Rampen mit 60 pro mille Steigung. 

Die Abt'schen Zahnrad-Lokomotiven, von welchen die bosnisch-herzego- 
winischen Staatsbahnen dermalen über 23 verfügen, haben sich seit 1 1 Jahren 
sehr gut bewährt und hatte die Einschaltung der Zahnstangenrampen mitten 
in die 446 Kilometer lange Jiahnlinie Brod — Metkovic bisher keine wie 
immer gearteten Störungen oder besondere Erschwernisse des Betriebes 
zur Folge. 

Wir gehen nun zu den Personenwager^ über. 

Als sich das k. u. k. Reichs-Kriegs-Ministerium im Jahre 1879 entschloß, 
die Bahnlinie Brod — Ze nie a bis auf weiteres als Schmalspurbahn zu be- 
lassen, ging dasselbe vor allem daran, die in der allerersten Zeit auch zur 



Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 16^ 

Beförderung' der Reisenden verwendeten Schotterwagen durch Personenwagen 
zu ersetzen. 

Bereits zu Ende des Jahres 1879 waren kleine zweiachsige Personen- 
wagen vorlianden, die einen testen Radstand von 1-5 ^^etern und eine Gcsanit- 
läng-e von 4-lo ^Metern hatten und auf 2 Längssitzon in einem einzigen 
von den Stirnseiten aus zugänglichen Räume 10 bis 12 Reisenden knapp 
Platz boten. 

Diese Wagen waren räumlich so beschränkt und hatten wegen ihres 
kurzen Radstandes selbst bei den, damals eingehaltenen sehr geringen Fahr- 
geschwindigkeiten einen so unruhigen Gang, daß gelegentlich der Betriebs- 
erött'nung der Bahnlinie Zenica— Sarajevo im Jahre 18S2 Personenwagen einer 
verbesserten Type bcschaft"t worden sind, die 2 zwangläufig radial stellbare 
Achsen, einen Radstaud von 2 • 7 Äletern, eine Gesamtlänge von 5 • 66 Metern 
hatten und in drei mit Seitentüren versehenen Abteilungen 14 bis 15 Reisenden 
Platz boten. 

Auch diese Type konnte den berechtigten Anforderungen der Reisenden 
für die Dauer nicht genügen. 

Bereits im Jahre 1886 sind Personenwagen mit drei Achsen gebaut 
worden, bei welchen die Endachsen zwangläufig radial stellbar waren. Diese 
Wagen hatten eiiien Radstand von 5'00 Metern, eine Gesamtlänge von 
8-00 ]\[eteru und waren Coupewagen, gleichwie jene der vorangegangenen 
Type. Vorhanden sind kombinierte Wagen I. und IL Klasse mit 22 bequemen 
Sitzplätzen, Wagen III. Klasse mit 24 Sitzplätzen und Wagen IV. Klasse mit 
30 Stehplätzen. 

Alle diese Wagen sind mit Dampfheizung versehen. 

Die fortgesetzten Bemühungen der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahn- 
verwaltung nach einer Verbesserung der Zugsauschlüsse und einer Kürzung 
der Fahrzeit zwischen Wien, Budapest und Sarajevo führten im Jahre 1893 
dazu, daß die für den Reiseverkehr wichtigsten Personenzüge auf der Bahnlinie 
Brod— Sarajevo mit dem größten Teile ihrer Fahrt in der Nacht geführt 
werden mußten. 

Nun genügten auch die dreiachsigen Personenwagen I. und II. Klasse 
nicht mehr und sind vierachsige Drehgestellwagen von 12 Metern Länge 
und 2-4 Metern äußerer Breite mit Mittelgang gebaut worden, welche bei den 
Wagen I. und II. Klasse 4 Abteile mit je 4 sehr bequemen Einzelsitzen haben. 

Aus zwei gegenüberliegenden Sitzen kann ein bequemes Bett zusammen- 
geschoben werden, für welches die vollständige Einrichtung in den Wagen 
mitgeführt und den Reisenden in der Nacht auf Verlangen zur Verfügung 
gestellt wird. Gegen den Mittelgang werden die Abteile durch schwere Tuch- 
vorhänge abgeschlossen. 

Außer den Wagen I. und II. Klasse sind auch vierachsige Wagen III. 
und solche IV. Klasse vorhanden. 

Auch die Wagen IV. Klasse haben eine Frauenabteilung. 

Die Wagen haben 1 und auch 2 Klosetts, Dampfheizung und ist die 
Beleuchtung derselben mit Acetylen in der Durchführung begrifien. 



170 Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 

Die Personenzüiic auf den Hauptliuieii der bosnisch-herzcgowinischen 
•Staatsbalmeu tulireu dermalen aussehlicßlieh vierachsii^e Persoueuwageu. Alle 
Wageu sind mit der aiitomatischeu Luftsaiigebremse versehen. 

Für den Sommcrlokalverkehr zwischen Sarajevo und Ilidze sind 
besonders gebaute vierachsigc Wagen IL und III. Klasse vorhanden, von 
welchen jeder 48 Sitz- und 12 Stehplätze hat. 

Auf den Südstrecken verkehren in allen Zügen während der heilten 
Zeit Sommerwageu. 

Die Güterwagen haben gleichfalls iu rascher Folge eine Reihe von 
Entwicklungsphasen durchgemacht. 

Bereits im Jahre 1880 begann mau die vom Baue übernommenen 
kleinen Schotterwagen durch gut gebaute Güterwagen von G Tonnen Lade- 
gewicht — wie solche auf den meisten Schmalspurbahnen noch heute in 
überwiegender Zahl verwendet werden — zu ersetzen. 

Diese Wagen hatten zumeist das bereits früher beschriebene Lenkachsen- 
Untergestell der zweiachsigen Personenwagen. 

Der sehr rege Handelsverkehr Bosniens und der Herzegowina mit der 
österr.-ung. Monarchie führte bald dazu, daß die Eisenbahnen der okkupierten 
Provinzen den gemeinsamen Gütertarif der österreichischen und ungarischen 
Eisenbahnen und mit diesem die Wagenladungseinheit von 10 Tonnen 
annahmen. 

Damit ergab sich die Notwendigkeit, Güterwagen von 10 Tonnen Lade- 
gewicht zu bauen. 

Solche Wagen sind gleichzeitig mit den dreiachsigen Personenwagen 
im Jahre 1886 konstruiert worden und haben ein ähnliches Untergestell wie 
diese letzteren. 

Die königlich-ungarischen Staatsbahnen — die einzige Anschlußbahn 
der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen — haben in den letzten Jahren 
eine bedeutende Zahl von Güterwagen mit 15 Tonnen Ladegewicht angeschafft 
und stellten jährlich Tausende solcher Wagen zur Umladung nach Bosnisch-Brod. 

Dies nötigte die bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen, abermals mit 
den Normalbahnen Schritt zu halten und seit dem Jahre 1893 auch Güter- 
wagen von 1.5 Tonnen Ladegewicht bauen zu lassen, die als vierachsigc 
Drehgestellwagen ausgeführt werden. 

Spezialwagen für die Beförderung von lebenden Tieren, Fleisch, Bier, 
Spiritus, Melasse, Langhölzern und Schnittholz, endlich von Erzen und Holz- 
kohlen, heizbare Güterwagen und solche mit Eiskühlung sind in ausreichender 
Zahl vorhanden. 

Der im Jahre 1891 vollendete Bau der Ivanstrecke führte dazu, den 
Wagenbremsen besondere Sorgfalt zuzuwenden. 

Die bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen rüsteten von diesem Zeit- 
punkte an nicht nur alle Personen-, Post- und Gepäckwagen, sondern auch 
alle Güterwagen mit der automatischen Luftsaugebremse oder mit den Brems- 
rohrleitungen für dieselbe aus. 



Die Entwicklung Jer Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina. 171 

Es bestellt uiruends eine i^riWicrc Baliuverwaltnng mit einer gleich guten 
Bremsaiisrüstung ihres Güterwagenparkes. 

Die schmalspurigeu bosnisch-herzegowiuischen Staatsbahuen verfügen 
dermalen über: 

147 Lokomotiven mit einer Gesamtleistung von 211.780 Pferdekräften, 
211 Personenwagen mit insgesamt 5160 Plätzen, 
69 Post- und Kondukteurwagen, 

2084 Güterwagen mit insgesamt 18.609 Tonnen Ladegewicht. 

Fortschreitend mit der Vermehrung des Fahrparkes und mit seiner 
konstruktiven Verbesserung schritt die Ausgestaltung der baulichen Anlagen 
des Bahnnetzes vorwärts. 

Der kriegsmäßig in größter Eile durchgeführte Bau der ersten Bahn- 
linie Brod Zenica erforderte nach Eröffnung des Betriebes sofort eine Reihe 
von Bauarbeiten zur sicheren Erhaltung der Bahn und zur ungestörten Fort- 
führung ihres Betriebes. 

Diese Arbeiten beschäftigten vorerst die militärische Direktion der 
k. u. k. Bosnabahn und sind sodann von der Direktion der bosnisch- 
herzegowinischen Staatsbahnen fortgesetzt worden. 

Als die bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen in den jüngst vergangenen 
Jahren mit ihrer Transportleistung aus dem Rahmen der Lokalbahnen heraus 
und fast unvermittelt in die Reihe der Hauptbahnen geringerer Verkehrs- 
dichte eintraten, erforderte dies auf allen ihren Hauptlinien — nicht nur 
auf der Bosnabahn — umfangreichere Verstärkungen des Oberbaues, Anlagen 
zur Sicherung des Zugsverkehres, die bedeutende Vergrößerung aller wichtigeren 
Bahnhöfe, die Ausgestaltung und Neuanlage zahlreicher Wasserversorgungs- 
und sonstiger Zugförderungsanlagen, die wesentliche Erweiterung der Haupt- 
werkstätten in Sarajevo und eine große Zahl anderer Erweiterungs- und 
Ergänzungsbauten minderen Einzelbelanges. 

Alle diese Herstellungen sind in der kürzesten Zeit ausgeführt worden. 

S c h 1 u ß a n f ü h r u n g e n. 

Die vorangegangenen Ausführungen zeigen, daß die Eisenbahnen Bosniens 
und der Herzegowina seit dem Beginne der Okkupation eine den Bedürfnissen 
dieser Länder entsprechende Entwicklung genommen haben. 

Der Ausgangspunkt und die Richtung der zuerst erbauten P)ahnlinie ist 
seinerzeit durch rein militärische Rücksichten bestimmt worden. 

Bei der Fortsetzung des Eisenbahnbaues war man darauf bedacht, die 
natürlichen Hilfsquellen des Landes zu erschließen und seinen Reichtum an 
Holz, Kohlen, Erzen und Salz der Verwertung zuzuführen. 

Dieser Vorgang ist ganz hervorragend auch im Interesse der öster- 
reichisch-ungarischen Monarchie gelegen, weil Bosnien und die Herzegowina 
nur dann ein stets ergiebigeres Absatzgebiet für die Industrieerzeugnisse der 
Monarchie werden können, wenn der Wohlstand und damit die Kaufkraft 
der Bewohner der okkupierten Provinzen gehoben, wenn diesen vor allem 



179 Die Entwicklung der Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegomna. 

durch die Verwertung der Bodcnprodukte des Landes Arbeit uud Verdienst 
gegeben wird. 

Die stete Rücksichtnahme auf die Monarchie war es, welche l)eim l>aue 
der Eisenbalnien in Bosnien und der Herzegowina das finanzielle Moment 
voranstellen ließ und welche zur Beibehaltung der Schmalspur führte. 

Die Verwaltung der Eisenbahnen Bosniens und der Herzegowina hat 
dann alles daran setzen müssen und daran gesetzt, um diese Eisenbahnen, 
welche ihrer Spurweite nach zu den kleinsten der Kleinbahnen gehören, 
technisch derart zu vervollkommnen, daß dieselben den gar nicht bescheiden 
gestellten Anforderungen des Verkehres eines ausgedehnten Landes entsprechen, 
daß dieselben trotz der ganz schmalen Spur die Reisenden hunderte von 
Kilometern weit sicher, rasch und auch bec^uem befördern, daß dieselben 
große Massen von Gütern unter den schwierigsten Verhältnissen prompt 
transportieren und daß diese Bahnen auch den militärischen Anforderungen, 
welche für die bosnisch-herzegowinischen Staatsbahueu imi nichts geringer 
sind, als für Normalbahnen, vollkommen entsprechen. 




Die Prinzipien der orientalischen Fläeliemlekoration. 173 

Die Prinzipien der orientalischen Flächendekoration. 

^^^^ Von Bürgerschuldirektor Alois Naske. 

^kJI iif niaiiche europäische Erzeugnisse hat die Kuustweise des Orients schon 
^,. -^ seit jeher einen direkten Eintluß i;-cnomnien. So zeigen die Ornamente 
der Gewebe eine konstante Beeinflussung- durch die orientalischen Muster^ 
welche in manchen Terioden, au maucheu Orten teilweise verdrängt werden, 
immer wieder jedoch aufs neue zur Geltung und Anwendung- gelangen. Schon 
bei den alten Griechen bildeten orientalische Teppiche und Gewebe einen 
wichtigen Einfuhrsartikel, im Mittelalter müssen wir die eingefiihrteu orien- 
talischen Erzeugnisse als mitbestimmenden Faktor für die eigenartige Ausbildung 
des Dekorationsstiles dieser Zeit ansehen und die Kenntnis älterer orientalischer 
Teppiche schöpfen wir von den Gemälden eines van d'Eyk, Holbeiu u. s. w. 

Ahnlich wie mit den Ornamenten der Gewebe verhält es sich mit manchen 
Verzierungen der Metalle (Tauschierung, Damaszierung, Niello etc.) welche, 
unabhängig von den V^eränderungen unserer Baustile, die orientalischen Motive 
und Anordnungen mit Zähigkeit festgehalten haben. 

Die persischen, insbesondere jedoch die maurischen Fayencen, sowie 
das chinesische Porzellan, gaben nicht bloß der keramischen Industrie mancher 
Kunstepochen Ziel und Richtung, sondern wirkten bestimmend auf den Charakter 
derselben im allgemeinen. 

Auch unsere moderne Kunstindustrie hat höchst dankenswerte Impulse 
von der Kunstweise des Orientes in Bezug auf Technik sowohl als auch auf 
Dekoration empfangen und das Studium der so mannigfaltigen Erzeugnisse 
des Morgenlandes bietet einen schier unerschöpflichen Born fruchtbarer An- 
regungen und geradezu mustergiltiger Vorbilder stilgerechter und eigenartiger 
Behandlung. 

Von jeher sind die lebenskräftigen Keime der Kunst und der Kultur des 
Westens durch zwei fast unversiegbare und mächtige Quellen zu oft herrlicher 
Blütenentfaltung befruchtet worden. Die eine der segenbringenden Quellen ist 
die Antike, die andere die Kunst des Orients. Die erstere durchdringt immer 
aufs neue den Schutt der Jahrtausende, neue Schätze fördernd, die andere 
entspringt nicht bloß den Tiefen der Vergangenheit, sondern durchfließt noch 
heute in vielfach gewundenem Laufe, umwoben von märchenduftigem Zauber, 
umstrahlt vom Dämmerlicht der Phantasie, die sonnigen Gefilde des geheiligten, 
wunderprächtigen Morgenlandes. 

Es ist selbstverständlich, daß, um zu nchtigem Urteil über die orientalische 
Kunst zu gelangen, mau dieselbe wohl in Bezug auf die charakteristischen 
Unterschiede mit der Kunst des Westens in Vergleich zu ziehen genötigt 
sein wird. 

Die heutige skizzenhafte Darstellung wird nur die Verziening der Fläche 
zu umfassen suchen, sie wird, dies sei im vorhinein bemerkt, alle Erörterungen 
über die Form kunstgewerblicher Gegenstände, über die Technik ihrer Erzeugung 



174 Di^ Prinzipien der orientalischen Flächen<lekoration. 

und Verzierung-, über die Auweuduug- plastischer Zierformen, möglichst zu 
vermeiden bestrebt sein. 

Auch sei unter einem im voraus das zu behandelnde Gebiet des orien- 
talischen Stils im topographischen Sinne abgegrenzt. Wir verstehen unter dem 
Ausdruck „Kunst des Orients" nicht bloß die Kunst des Islams, sondern 

1. die Kunstweise der Ostasiaten, die der mongolischen Rasse angehörigeu 
Chinesen und Japaner, 

2. die der indogermanischen Rasse angehörigen orientalischen Völker 
der Inder und Perser und 

3. die der semitischen Rasse beizuzählenden Araber, Mauren, Türken u. s. w. 
Unsere Aufgabe wird daher zunächst dahin gehen, die den genannten 

Zweigen gemeinsamen Merkmale hervorzuheben und sie in Vergleich zu ziehen 
mit der Kunst des Westens, hierauf die einzelnen orientalischen Stile in l^ezug 
auf die Anwendung der Dekorationsgrundsätze und in Bezug auf ihre charakte- 
ristischen Unterschiede vergleichend zu behandeln. 

Das erste, der orientalischen Kunst zukommende Merkmal, das auch 
auf die ganze Kultur des Ostens seine Anwendung- findet, ist die verhältnis- 
mäßige U n V e r ä n d e r 1 i c h k e i t derselben, eine Un Veränderlichkeit, welche 
in vielen Zweigen des Kunstgewerbes keine wesentlichen, sogleich in die 
Augen springenden Unterschiede zwischen den Erzeugnissen der verschiedenen 
Jahrhunderte w^ahrnehmen läßt. 

Diese Stabilität, welche sich nicht bloß auf die Dekorationsweise, sondern 
auch auf die technischen Prozesse bezieht, muß wohl auch als ein Grund der 
virtuosen Ausführung und Vollendung vieler orientalischer Erzeugnisse angesehen 
werden. Die Dekorationsgesetze, das technische Verfahren und großenteils auch 
die Vorbilder und Muster, nach welchen die persischen Teppichweber h.^.ute 
ihre Teppiche erzeugen, sind fast ungeändert geblieben seit unvordenklichen 
Zeiten. — Die Chinesen haben ihren ihnen ganz eigentümlichen Dekorationsstil 
seit Jahrtausenden nicht geändert, und wenn die arabisch-türkische Völker- 
familie zwar heute keine solchen Kunstleitungen aufweisen kann wie zur 
Blütezeit des Islams, so sind im Handwerk und Volke noch immer die gutcu 
alten Traditionen fast unverändert erhalten geblieben, wenn auch die klassische 
Zeit der islamitischen Kunst längst geschwunden ist. Dieser Konservatismus 
ist ein Merkmal des gesamten orientalischen Kulturlebens und findet dem- 
zufolge auch seinen Ausdruck in der Kunst. Reisende schildern, daß die 
freien Araber ganz dieselbe Lebensweise und Lebensgewohnheiten an den 
Tag legen wie vor Jahrtausenden, so daß man noch heute die biblischen 
Schilderungen von den Sitten und Gebräuchen der Erzväter, in die Wirklichkeit 
versetzt, voi*finden kann. 

Wir sind weit entfernt zu behaupten, daß die orientalische Kunst als 
etwas Fertiges vorlag und auf einem Ruhepunkte der Vollkommenheit sich 
unverändert durch alle Zeiten erhalten habe. Nein! Dieselbe hat sich, wie 
jede Kulturerscheinung, naturgemäß entwickelt, hat zu verschiedenen Zeiten 
an verschiedenen Orten in ihren einzelnen Zweigen gewisse Höhepunkte 
der Vollkommenheit erreicht, hat bestimmte Schwankungen, sowohl in der 



Die Prinzipion der orientalischen Flächendokoration. 175 

auf- imd absteigendeu Riclituiig ihrer Vollendung-, als in der vor- und rück- 
schreiteudeu Richtung ihrer Verbreitung durehgenuicht und ist auch heute 
uicht völlig erstarrt. Dieselbe war auch keineswegs unempfänglich gegen fremde 
Einflüsse, allein sie hat im großen ganzen ihren eigenartigen Charakter, 
ihre Prinzipien beibehalten, hat nicht so durchgreifende Veränderungen auf- 
znweiseu wie die Kunst des Westens und hat seit jeher besonders in der 
Ornamentik einen viel größeren Einfluß auf die Stilbildung des Westens aus- 
geübt, als sie selbst durch die euroi)äisclie Kunstweise beeinflußt wurde. 

Ein zweites wesentliches Merkmal der orientalischen Kleinkunst und 
Ornamentik ist deren U n a b h ä n g i g k e i t v o n d e r A r c h i t e k t u r. — Diese 
Erscheinung findet ihren Erkläruugsgruud einfach darin, daß die Orientalen 
eine Architektur in unserem Sinne nicht besitzen. Die große JMauer, welche 
das himmlische Reich der Mitte abschließt, die Pagoden, die Paläste und 
Wohnhäuser der Chinesen mit ihrem kleinlichen Schachtelsystem tragen 
keineswegs die jMerkmale einer monumentalen, architektonischen Kunst, 
welche bedeutsame Ideen durch die wirkungsvollen Gegensätze räumlicher 
Konstruktion und obenmäßiger Gliederung zum Ausdruck bringen soll, an 
sich. Ebensowenig können die indischen grotesken Felsentempelbauten und 
die modernen persischen Paläste als architektonische Werke im obigen 
Sinne angesehen werden. Etwas anders verhält es sich jedoch mit der Bau- 
kunst des Islams, der Architektur der Araber, welche unter Aufsaugung der 
Elemente der antiken und christlichen Bauweise in dem Moscheenbau in 
eigenartigem und monumentalem Sinne sich entwickelte. Doch auch bej 
diesen Bauten liegt das Schwergewicht ihrer Bedeutung und ihres Reizes 
nicht so sehr in der räumlichen Konzeption und in der organischen Gliederung, 
als in der dekorativen Behandlung der Räume und Flächen. 

Die Wechselwirkungen zwischen der Architektur und den dekorativen 
Künsten sind mannigfacher Art. Dieselben hier zu erläutern, würde uns zu 
weit abseits führen. Nur das eine wird man zugeben müssen, daß in der 
Kunst des Westens der Einfluß der Architektur auf die dekorativen Künste 
ein ungleich größerer ist als im Orient. Er äußert sich nicht allein in der 
Verwendung architektonischer Formen, die allerdings, wenn man dem Ur- 
sprung dieser Formen nachgeht, sich gleichsam als Rückerstattung an die 
niedere technische Kunst darstellen, sondern auch, und das Moment erscheint 
wichtiger, in der Manier und Methode, mit welcher wir im Gegensatz zu den 
Orientalen die Erzeugnisse dekorativer Kunst entwerfen. 

Wir bauen die Verzierungen nach architektonischen Gesetzen, der 
Orientale setzt die Ornamente zusammen, meist auf Grund eines geometrischen 
Schemas, und entwickelt sie organisch aus der Technik, dem Materiale und 
der Bestimmung der Gegenstände. Wir sagen daher auch von unseren 
Ornamenten, daß sie gut und schön aufgebaut sind. Wir legen das Haupt- 
gewicht auf Aufbau und Gliederung, der Orientale auf Verteilung und ruhige 
Harmonie. Wir bauen die Verzierungen, der Orientale verziert 
die Bauten. Das Wortspiel ist vielleicht etwas zu gewagt, aber es kenn- 



176 ri'C' Prinzipien der orientalischen Fläcliendckoralion. 

zeichnet doch bei wohlwollender Auffassung einen wesentlichen Unterschied 
zwischen der Kunst des Orients und des Okzidentes. 

Der orientalischen Architektur liegt der Typus des Zeltes, der orientalischen 
Dekoration der Gedanke der Bekleidung- zu Grunde. 

Daraus erklärt sich der massenhafte Gebrauch der Teppiche und textilen 
Stoff'e im ganzen Orient; daraus das Bestreben des Orientalen, alle Flächen 
mit Ornamenten gleichsam zu überziehen, daraus das Überwiegen des Prinzips 
der Musterung gegenüber den anderen Dekoratiousweiscn. 

Das führt uns auf ein weiteres Merkmal der orientalischen Dekoration, 
u. zw. auf die Bede u tu ngdesOr na m entesinstruktiver Beziehung. 
Wir verzieren oft nur einzelne Teile des zu dekorierenden Gegenstandes, 
um gewisse, diesen Teilen zukommende Funktionen zu markieren oder zu 
symbolisieren. Der Orientale überzieht die ganze Fläche mit Zierformen, ohne 
jedoch hierbei die stilgerechte Gliederung zu vernachlässigen. Dieselbe ist 
auch vorhanden, nur nicht so augenfällig wie bei der antiken Dekoration. 
Nur ein Beipiel hierüber! Eine freie, horizontal liegende Fläche sei zu ver- 
zieren. AVir bringen ganz stilgerecht am Umfang eine Bordüre, bestehend 
aus Naht, Band und Saum an und markieren die Mitte der Fläche durch 
ein bedeutsames in sich abgeschlossenes Ornament; der Orientale bringt auch 
die Bordüre an, legt dieselbe jedoch über die vorher gemusterte Fläche und 
sucht soviel als möglich keinen Teil des Hintergrundes unverziert zu lassen. 
Ich will nicht damit sagen, daß dieses Beispiel für hier und dort als unum- 
stößliche Regel gilt, sondern nur andeuten, daß bei unserem Dekorations- 
system das Bestreben vorherrscht, die einzelnen Teile zu betonen. Ich möchte 
sagen, dieselben zu individualisieren, während der Orientale das Ganze im 
Auge behält und den Ausdruck struktiver Gliederung der Gesamtwirkung 
unterordnet. Es hat jedes Verfahren seine volle Berechtigung. 

Als weiteres Kennzeichen, welches der gesamten orientalischen Flächeu- 
dekoration zukommt und wodurch sich dieselbe wesentlich von jenen der 
europäischen Völker unterscheidet, ist die fast ausschließliche Anwendung des 
reinen Flach Ornamentes zur Verzierung der Flächen. Aus der späi- 
griechischen und römischen Dekorationsweise ist das zumeist vom Relief 
abgeleitete Reliefbild und plastisch scheinende Flächenornament, das 
Ornament mit scheinbarer Modellierung in die Kunst des Westens aufge- 
nommen worden und hat sich mit mehr oder minder ausgedehnter An- 
wendung in allen Stilperioden bis auf den heutigen Tag erhalten. Vernünftig 
augewandt, hat diese Darstellungsweise seine volle und gute Berechtigung, 
zur Flächeuverzierung benützt zu werden. Das Stilwidrige besteht nur in der 
unvorsichtigen Anwendung derselben. Es gilt hier die Regel: Dort, wo 
man unbedenklich und stilgerecht ein Relief anbringen kann, 
dort ist auch die Anwendung eines Reliefbildes, eines plastisch 
scheinenden Ornamentes gestattet (daher etwa am Plafond, nicht 
aber am Fußboden). 

Die orientalische Flächeudekoration beschränkt sich jedoch fast nur auf 
die Anwendung des Flachornamentes und verzichtet, Ausnahmen abgerechnet, 



Die Priiizipien dor oriontalisclion Fläclifiulckoiaüon. 177 

auf das Reliefbild, d. li. dieselbe wendet fast nur Formen an, die bloß dnreli 
ihren Umriß und die Farbe, nieht aber dureli scheinbare Schatten wirken, 
(Gebilde, die ganz in der Fläche bleiben, nicht aus derselben herauszutreten 
scheinen und welche die Vorstellung- der einheitlichen Fläche nicht aufheben. 

Ob man nun diese Beschränkung der orientalischen Dekorationsweise 
als einen Vorzug oder Mangel ansieht, ist gleichgültig, gewiß ist nur, daß 
die Orientalen durch diese weise Beschränkung auf die flache Darstellung 
nicht so leicht in Versuchung kommen, Slihvidrigkeiten zu begehen. Hievon 
hat sieh die Ornamentik des Orients freigehalten, welcher Umstand wohl auch 
als ein unterscheidendes Merkmal festgehalten werden muß. 

Der Grad der konventionellen Behandlung ornamentaler 
Motive ist bei den verschiedenen Völkern des Orients auch verschieden. 
Die Japaner und Chinesen nähern sich in ihren Dekorationen am meisten 
der naturalistischen Methode, die Inder und Perser behandeln die natürlichen 
Vorbilder konventioneller und die Araber haben sich so weit von den 
ursprünglichen natürlichen Motiven entfernt, daß ihre Konzeptionen die natür- 
lichen Vorbilder für ihre ornamentalen Typen nicht mehr erkennen lassen 
und diese als imaginäre Linien- und Formengebilde erscheinen. Welch ein 
riesiger Unterschied zwischen den strengen Arabesken des Alhambraornamentes 
und den bizarren Formen auf einer chinesischen Porzellanvase ! Und doch 
haben diese verschiedenen Darstellungsweiseu vieles Gemeinsame. 

Seien die Formen noch so bizarr, einzelnes noch so nalurwahr dar- 
gestellt, immer ist der Hauptzweck des Ornamentes, bloß zur Schmückuug 
eines Objektes zu dienen, nicht aus dem Auge gelassen, immer wird das 
Detail dem zu erzielenden Gesamtefifekte untergeordnet, immer ist die Be- 
handlung, selbst der menschlichen Figuren, eine bloß konventionelle, immer 
und überall sehen wir in der orientalischen Kunst bloß die 
natürlichen Gesetze des Wachstums, organischer Entfaltung, 
Entwicklung- und Formenbildung eingehalten, nirgends j ed och 
das Bestreben, individuell natürliche Gebilde täuschend nacli- 
z u a h m e n und zur D e k o i- a t i o n zu verwenden. 

Diese weise Strenge in der ornamentalen Behandlung natürlicher Formen 
gewährt hingegen dem Orientalen die volle Freiheit in der Verwendung 
seiner Farben und anderer Dekorationsmittel. Während bei naturalistischer 
Darstellungsw^eise Blätter und Blüten notgedrungen in den natürlichen Farben 
dargestellt werden müssen, kann man bei konventioneller Behandlung die 
Farben ganz unabhängig von dem natürlichen Vorbilde und bloß mit Rücksicht 
auf den harmonischen Gesamteffekt wählen. Und noch einen Vorteil bietet 
die konventionelle Darstellungsweise dem Dekorateur; sie macht denselben 
ganz unabhängig von den Gri)ßenverhältnissen der natürlichen Vorbilder, an 
welche er bei naturalistischer Behandlung unbedingt gebunden ist. 

Die orientalische Flächendekoration zeichnet sich durch einen über- 
großen Reichtum der verwen deten Motive aus. Sie zieht diemenschliche 
Figur ebensowohl als die tierischen Gestalten, die tausendfältigen Formen der 
üppigen Flora ebensowohl als die reinen Ei-findungsfonnen der schöpferischen 

12 



jY^ Die Prinzipien iler orientalischen Fliichendekoration. 

Phantasie, die manniiifaltig'en Gebilde mcuscblielicr Hand und die sinureiclisten 
geometrisclicu Kombinationen in den weiten Bereich ihrer kunstvollen 
Darstellungen. Wenn auch in den verschiedenen Zweigen der orientalischen 
Kunst gewisse charakteristische Formen sich zu traditionellen Typen aus- 
gebildet haben, denen mitunter eine symbolische Bedeutung zukommt, so 
hat dennoch die orientalische Ornamentik seit jeher ein weiteres Formen- 
gebiet beherrscht als die Antike und die aus ihr abgeleiteten Stilarten, in 
welcher inmier nur einzelne wenige Motive, z. B. das Akanthusblatt und die 
Akanthusrankc als repräsentative Hauptformen vorherrschten. — Soviel im 
allgemeinen über den Charakter der orientalischen Verzierungsweise im 
Vergleich zu jener des Westens. 



Wir wollen nun versuchen, des Näheren auf die Prinzipien der 
orientalischen Flächendekoration einzugehen und zu zeigen, in welcher Weise 
dieselbe bei den einzelnen Völkern des Orients zur Anwendung gelangen. 

Das erste allgemeine gültige Ornamentationsprinzip des Orients heißt: 
G 1 e i c h m ä ß i g e V e r t e i 1 u n g d e r F o r ra e n a u f der z u v e r z i e r e n d e n 
Fläche. 

Wir haben hier zunächst jene Verzierungsweise im Auge welche wir 
als Musterung bezeichnen und die im wesentlichen in der gesetzmäßigen 
Wiederholung mehrerer gleicher Motive auf der zu zierenden Fläche besteht. 
Zum großen Teile wird jedoch das meiste auch auf die Richtungs- und 
Zentral-Ornamente Anwendung finden. 

Die Verteilung der Formen geschieht in der Regel auf Grund eines 
geometrischen Schemas, das in den meisten Fällen unsichtbar bleibt, nach 
gewissen Gesetzen des Alternierens der Formen, die oft so sinnreich sind, daß 
der Beschauer erst nach längerer Betrachtung den Schlüssel der Lösung findet. 

Bei den Chinesen und Japanern zeigen die Flächeudekorationen 
sehr oft die scheinbar freieste Willkür, die Formen liegen oft zusammenhanglos 
wie zuttillig hingestreut auf der Fläche und doch entdeckt man bei näherer 
Betrachtung ein gewisses Gesetz der Verteilung. In den chinesischen Mustern 
sind, wir möchten sagen, die Formen gleichsam zerhackt und in recht launen- 
hafter, oft auch recht launiger Weise durcheinander geworfen, meist ohne jede 
organische Verbindung, und doch steht die Fläche des Hintergrundes zur 
Fläche der Zierformen in einem entsprechenden Verhältnisse und ist die 
Verteilung so vorgenommen, daß nirgends zu große Zwischenräume oder eine 
störende Formenhäufung sichtbar werden. 

Die Inder und Perser, die sich bei iiircu Musterungen nicht nur der 
pflanzlichen Motive bedienen, lassen die Formen entweder aus einem die Fläche 
überziehenden Rankeuwerke organisch entspringen, oder lassen sie, wie die 
Blumen einer Wiese, aus dem Fond der Fläche herauswachsen, dieselbe 
gleichmäßig ausfüllend. Die Inder wählen mit Vorliebe kleine Formen und 
grui)pieren dieselben so dicht aneinander, daß die Flächenteile des Hinter- 
grundes mit den Formen des ^Musters zu einem harmonisch wirkenden Ganzen 
verschmelzen, dessen schöne Einzelheiten man erst bei näherer Betrachtung 



Die Prinziiiicii der orinihilisclion KliicIieiKlekoralion. 179 

wahrnimmt. Die Perser entwickeln die Schönheiten ihrer ornamentalen Flora 
in £;rölierem ^Maßstäbe, lassen, der Größe der Gebilde entsprechend, auch den 
Hinteri^ruud zur Geltung- konnneu und verteilen die Formen in so gleichmäßiger 
Weise, daß die Flächen den Eindruck klarer Ruhe hervorbringen. 

Das arabische Muster beruht durchwegs auf sinnreicher geometrischer 
Konzeption. Die Formen duichkreuzcn und verschlingen sich im reizendsten 
Linieuspiel. ^Manchmal zwei, oft auch drei Formensysteme liegen übereinander, 
das eine gliedernd, die anderen füllend und belebend, so daß der Beschauer, 
je näher er au die Fläche tritt, immer neue Formen, neue Liuienspiele, neue 
Schönheiten entdeckt. Die ^Methode des Übereinanderlegens zweier Formen- 
systeme hat auch in die persische und indische Ornamentik Eingang gefunden, 
wurde jedoch nicht so siunreich und mit solcher Konsequenz durchgeführt. 
Den Arabern eigentümlich sind auch jene Ornamente, bei welchen der Umriß 
der Form und der des Hintergrundes dieselben gleichen Figuren bilden. 

Die Formen des arabischen Clusters, welche, nebenher gesagt, als reine 
Erfindungsgcbilde anzusehen sind, durchfließen in uuunterbrocheneu schönen 
Linien, zum Teile deckend und gedeckt, ebenmäßig die Fläche, nur kleine 
Zwischenräume dem Hintergrunde überlassend. Die Verteilung und Anordnung 
der Ornamente an den Wänden der Alhambra wird niustergiltig bleiben für 
alle Zeiten. Das türkische Ornament steht in Bezug auf eben- und gesetz- 
mäßige Verteilung- der Formen hinter den arabischen und maurischen Mustern 
sehr zurück. 

Das zweite Gesetz der orieutalischcn Flächendekoration heißt: Gleich- 
mäßige Verteilung und harmonische Zusammenstellung der 
Farben. 

Die Orientalen erzielen die glänzenden und ruhigen Effekte durch einen 
ungesuchten Rhythmus in der Farbenverteilung. Sie vermeiden es in der 
Regel, in der zu verzierenden Fläche einen Farbeuton, welcher derselben 
einen bestimmten Charakter verleihen würde, vorherrschen zu lassen, sie 
verwenden meist kräftige Farbentöne von gleicher Sättigung, sie machen von 
der Nuancierung eines Tones einen ])eschränkten Gebrauch und sie vermeiden 
in den meisten ihrer Kompositionen die einfache Kontrastwirkung der Farben. 

Die Farben in ihrer wohldurchdachten Verteilung dienen dann insbesondere 
beim arabischen Ornament dazu, die Gliederung der Formen und das System 
der Formenverteilung besser erkennen zu lassen. Ein arabisches und selbst 
ein indisches Ornament ohne Farben gleicht einem bloßen Gerippe, erst die 
J'arbe gestaltet dasselbe zu einem lebensvollen Gebilde. 

Bei den meisten Flächendekorationen des Orientes gelangt die Regel 
zur Anwendung, die Farben nicht unmittelbar anstoßen zu lassen, sondern 
die Umrisse der Zeichnung mit goldigen, schwarzen, weißen oder färbigen 
Rändern zu versehen, denen die Aufgabe zufällt, die Farbenkontraste zu 
vermitteln, die Intensität der Töne zu verstärken, die Zeichnung der Formen 
besser hervortreten zu lassen und das Ornament mit dem Hintergrunde besser 
zu verbinden. 

12* 



j.'^Q Die Prinzipien der nrientalisclien Flächendekoration. 

Dieses Prinzip der Uniräiideriing der Formen ist ein uraltes in der 
Ürnanieutik und wir linden dasselbe schon bei den alten ägyptischen und 
babylonischen Erzeugnissen angewendet. Es sei hier gestattet, auf jene Propo- 
sitioneu zu verweisen, die Owen Jones aus der morgenländischen Praxis in 
Bezug auf dieses Prinzip abgeleitet: 

„Wenn farbige Ornamente auf einem Grand von kontrastierender Farbe 
angebracht sind, sollten die Ornamente mittelst eines Randes von heller 
Farbe vom Grunde abgesondert werden. Wenn farbige Ornamente auf einem 
Goldgründe angebracht sind, sollten die Ornamente mittelst eines Randes 
von dunklerer Farbe vom Grunde abgesondert werden." 

„Goldornamentc auf farbigem Grunde, was auch dessen Farbe sein mag, 
sollten schwarze Konturen haben". 

Ornamente von jedweder Farbe oder von Gold können (nicht müssen) 
auf weißem oder schwarzem Grunde ohne Konturen und ohne Ränder an- 
gel)racht werden". 

„In Nuancen oder Tinten derselben Farbe kann man eine helle Tinte 
auf dunklem Grunde auch ohne Konturen gebrauchen, ein dunkles Ornament 
aber auf hellem Grunde, muß mit Konturen einer noch dunkleren Tinte ver- 
sehen sein." 

Die Ostasiaten erzielen durch die geschickte Anwendung dieses Um- 
ränderangsprinzipes herrliche Effekte. Ihre zierlichen Formen scheinen in 
dem luftigen Hintergrunde frei zu schweben. 

Die Polychromien der Chinesen und Japaner unterscheiden sich nicht 
unwesentlich von jenen der westlichen Völker durch die Anwendung vieler 
oft gebrochener Farbentöne, durch die sehr maßvolle Verwendung satter 
Farben und durch den häufigen Gebrauch der lichten Farbennuancen. 

Unübertroffene Meister in der Farbenverteilung sind die Inder, sie 
wenden mit Vorliebe die primären Farben (rot, blau, gelb) in satten Tönen 
an, bevorzugen insbesondere die warmen Farbentöuc und machen von dem 
Gold einen so maßvollen und doch so wirkungsreichen Gebrauch, daß alle 
ihre Flächendekoratiouen den Eindruck warmer, glänzender Ruhe hervor- 
bringen. 

Das AVeiß sparsam angewandt, erscheint nie ganz rein, sondern hat 
immer einen Stich ins Gelbliche; Schwarz wird auch niemals in großen 
Flächen angewandt, selbst nicht in den Lackarbeiteu, die sich hierdurch von 
den japanischen unterscheiden. 

In den Farbenkompositionen der Perser sehen wir eine häufige An- 
wendung der sekundären Farben (grün, violett, orange) und eine Vorliebe 
für die verschiedenen Schattierungen des lilau, wodurch die Dekorationen 
gegenüber den indischen an Wärme verlieren. Ferner kann man eine noch 
diskretere Verwendung des Goldes und Silbers als bei den ludern wahr- 
nehmen. 

Perser und Inder machen häufig auch von der Erscheinung der so- 
genannten Farbeuvibratiou Anwendung, die durch Punktieren und Tüpfeln 
der bemalten Fläche erzeugt wird. 



Die Prinzipien der orientalischen Fläcliendekoration. 181 

In den farbigen Kompositionen der Araber und Mauern spielt 
bekanntlieh die Trias Blau-Rot-Gold die Hauptrolle, doeli i;elangen auch die 
sekundären Farben zu ausgedehnter Anwendung. Die Farben werden meist 
rein und gesättigt angebracht und die Harmonie bloi3 durch geschickte Ver- 
teilung und Umränderung erzielt. 

Der Farbe lallt speziell in der arabischen und maurischen Ornamentik 
die hochwichtige Aufgabe zu, das überreiche und oft sehr verwickelte Ranken- 
werk tlir den Beschauer harmonisch aufzulJVsen. 

Weniger glücklich in der Farbenverteilung und Farbenharmonie ist das 
türkische Ornament. — So viel in gedrängtester Kürze über die farbige 
Behandlung der orientalischen Ornamente. 

Wir wollen nun versuchen, einige charakteristische Merkmale für die 
konstruktive und zeichnerische Behandlung der ornamentalen Formen 
in der orientalischen Ornamentik zu geben. Diese Merkmale sind jedoch nicht 
bei allen orientalischen Stilarten so ausgeprägt, daß man sie in der allge- 
meinen Form von Gesetzen geben könnte. 

Das geometrische Ornament, bei allen Völkern und in allen 
Stilen vorkommend, hat seine vollendetste Ausbildung in der orientalischen 
Flächendekoration erreicht. Während dasselbe in der Kunst des Westens 
bloß als untergeordnetes Genre behandelt wurde, haben die Orientalen und 
speziell die Araber dasselbe zu hoher künstlerischer Bedeutung entwickelt. 

Auf der niedrigsten Stufe steht das geometrische Ornament der Japaner 
und Chinesen. Dasselbe vermeidet die ununterbrochenen zusammenhängenden 
Formen und begnügt sich häufig bloß mit einfachen rhythmischen Nebenein- 
anderstellungen von Formenstückeu. — Die Banddurchschiebungen und 
Geflechte zeigen keinen besonderen Reiz; den geometrischen Mustern liegt 
meist nur das Quadrat- oder das Rechtecksnetz zugrunde. Jene der chinesischen 
Ornamentik eigentümliche freie Willkür und bizarre Anordnung zeigt sich 
schon im geometrischen Ornamente. 

Die luder und Perser haben das geometrische Ornament viel strenger 
aufgefaßt als die Chinesen und Japaner und haben dasselbe nach allen 
Richtungen hin erweitert. In bestimmter struktiver Gesetzmäßigkeit werden 
die Linien entwickelt und die Formen aneinandergefügt. Den geometrischen 
Mustern liegen nun auch das Dreiecksnetz und andere Linienschemata zu- 
grunde. Die Formen (bei den Indern oft von außerordentlicher Kleinheit) 
werden meistens nach musivischem Prinzip aneinandergereiht und füllen dann 
ebenmäßig ohne Bildung eines Hintergrundes die Fläche aus. Kunstvolle 
ßanddiirchschiebungen finden sich verhältnismäßig selten vor. 

Die größte Mannigfaltigkeit und Vollendung erreicht das geometrische 
Ornament aber bei den Arabern und Mauren. Außer den auf musivischem 
Priuzip konstruierten IMustern finden wir die aiisgebildetste Anwendung der 
mit bewunderungswertem Scharfsinn konstruierten Linien und Bandmiister. 
Diesen überaus geistreich durchgeführten Banddurdischicbungen, Verschräukun- 
gen und Verknotungen liegen nifht bh)ß das Dreiecksnetz zugrunde, sondern 
dieselben entwickeln sich auf speziell der arabischen Kunst eigentümlichen 



[g2 I^ie rrinzijjien der orientalisi'lien Fläch cm itlekoration. 

LinieDScliemen, die zum Teile von den regulären Polygonen abgeleitet sind. 
Unerschöpflich ist die Fundgrube schöner und sinnreicher geometrischer 
Flächenverzierungen, die aus diesem Ornamentationssystem gebildet werden 
können. 

Eine besondere Eigentümlichkeit der arabisch-maurischen Linien- und 
Bandverschlingungen ist die, daß der rechte Winkel sehr selten, der stumpfe 
dagegen fast ausschließlich angewandt wird. Noch eine Eigentümlichkeit des 
arabisch-geometrischen Ornamentes ist zu erwähnen, das ist das Vermeiden der 
reinen Kreis- und Bogenliuien, was umso mehr autfällt, wenn man erwägt, 
daß diese arabischen Konstruktionen ohne Zirkel und Lineal nicht aus- 
führbar sind. 

Die Araber kombinieren häufig das geometrische mit dem freien Ornament 
zu reizenden und sehr scharfsinnigen Kompositionen, wobei nicht bloß das 
erstere gliedert, das letztere füllt, sondern beide Systeme sich durchdringen 
und zu einem einheitlichen Ganzen vei-weben. 

Das Pflanzen Ornament, zu welchem der Kürze halber die rein 
konventionellen Darstellungen der Araber gezählt seien, zeigt trotz 
mancher gemeinsamer Merkmale doch wesentliche Verschiedenheiten bei den 
einzelnen Völkern des Orientes. 

Fast allgemein in der orientalischen Dekorationsweisc gilt das Gesetz 
der sogenannten Strahlung vom M u 1 1 e r s t a m m e, das auf einer derartigen 
Zeichnung der Formen beruht, daß jedes Ornament, so fern es auch sein 
möge, bis an seinen Zweig und seine Wurzel fortgeführt werden kann. Die 
den antiken Stilen zukommende Eigentümlichkeit, ein Blatt innerhalb des 
andern oder ein Blatt über das andere (gleichsam dütenartig) entsprießen zu 
lassen, die Ranken durch Knöpfe und Kelche zu gliedern, ist im allgemeinen 
dem orientalischen Ornament fremd, die Ranken tragen dann n i •. h t 
bloß die Formen, sondern erweitern sich selbst zu Formen. 

Am seltensten finden wir das Prinzip der Strahlung vom Mutterstamm 
bei den Chinesen und Japanern angewandt. Als Regel, die allerdings noch 
viele Ausnahmen zuläßt, finden wir dasselbe bei den Indern und Persern, und 
in fast ausnahmsloser Anwendung und vollkommener Konsequenz sehen wir 
es bei den Arabern und Mauren. 

Ein weiteres, nicht minder wichtiges Prinzip, welches bei allen freien 
Ornamenten, die auf Schönheit Anspruch machen wollen, in sämtlichen Stil- 
arten angetroffen wird, ist der sogenannte tangentielle Anschluß der 
Linien, ein Prinzip, hervorgegangen aus der Beobachtung des Wachstums 
und der Formentwicklung organischer Gebilde. Der Übergang von krummen 
zu krummen oder von krummen zu geraden Linien findet allmählich statt, 
das heißt, wenn eine krumme Linie einer geraden entsprießen soll, so muß 
die letztere an die erstere die Tangente (Berührungslinie) bilden ; entwächst 
eine krumme Linie wieder einer krummen, so muß an der Anschlußstelle 
eine gemeinschaftliche Tangente gezogen werden können, so daß kein Winkel 
entsteht und beide Linien nur einen durch keinen Bug (nicht geknickt) 
unterbrochenen Linienzug bilden. Wir finden dasselbe daher bei allen 



Die Prinzipien der orientalischen Flächendekoration. 183 

orieutalisclien Stilen, die ilire Motive ja zumeist der Natur entnehmen, strenge 
eingehalten. 

Nun einige wenige Bemerkungen über die verschiedenen orientalischen 
Stile in Bezug auf die Zeichnung der ornamentalen Formen. 

Den ostasiatischen Ornamenten fehlen die ruhig abfließenden, ununter- 
brochenen Linien, die allmählich anschwellenden und verjüngenden Formen, 
der einheitliche organische Charakter des Ganzen, hingegen finden wir vielfach 
geknickte, willkürlich gebrochene Linien übertrieben ausgebauchte und wieder 
ganz pl()tzlich sich verjüngende Formen und zieudich viel zeichnerische 
Verkehrtheiten. Und dennoch sind die chinesischen Ornamentiker die vor- 
züglichsten Zeichner, frei von jeder ünbcholfcnheit. — Am besten nimmt 
mau das wahr an ihren ornamentalen Darstellungen tierischer Gebilde; diese 
zeigen in ihren einfachen Umrissen eine solche Naturtreue in Stellung und 
Bewegung, ein so richtiges Erfassen der charakteristischen Feinheiten, daß 
wir die wahrhaft künstlerische und geniale Darstellungsweise nur bewundern 
können. 

Die Inder sowohl als die Perser sind unübcjrtrotfen in der Darstellung 
mustergültig stilisierter Blumen. Sei die Blume nun in der Draufsicht oder 
in der Ansicht gezeichnet, immer strahlen in richtiger Proportion die Linien 
und Formen von einer Kernstelle aus, immer sehen wir bei den Blättern, 
Blüten und Ranken den organischen Charakter durch den tangentiellen 
Anschluß der Linien, durch die Einhaltung der relativen Gr()ßenvcrhältnisse 
und die ganze Disposition gewahrt. Die Zeichnung der indischen und 
persischen Darstellungen als solche wird in den meisten Fällen nicht bloß 
auf Korrektheit, sondern auch auf Schönheit Anspruch machen können. Im 
allgemeinen sind die ornamentalen Formen der Inder zierlicher, schmächtiger, 
gegliederter und kleiner, die der Perser kräftiger, mitunter derber, klarer 
und einfacher gezeichnet. Die flache Darstellung umgebogener Blätter ist 
beiden Stilen gemeinschaftlich und kann uns vielfach als Vorbild dienen. 
Die Zeichnungen der arabischen und maurischen freien Ornamente 
stehen den griechischen an edlem Schwung der Linien und reiner Formen- 
bildung nicht nach, übertreffen dieselben jedoch in Bezug auf geistreiche und 
phantasievolle Anwendung. Die Gesetze der Strahlung vom Mutterstammc und 
des tangentiellen Anschlusses der Linien sind mit großer Gewissenhaftigkeit 
selbst beim kleinsten Detail eingehalten. 

Wiewohl die arabische Ornamentik die stilisierten Pflauzenformen nicht 
ausschließt, so überwiegt doch das rein konventionelle Ornament „die 
Arabeske." 

Die Ornamente des arabischen Stiles haben das Charakteristische der 
ununterbrochenen Form. Die Ranken erweitern sich zu oft massiv 
scheinenden Blattformen, die jedoch, wenn dieselben eine größere Fläche 
einnehmen, wieder durch kleinere Ornamente belebt werden. 

Die türkischen Ornamente sind magerer, die Linien zeigen häufig eine 
unschöne Führung, den Formen fehlt die geniale Unmittelbarkeit, welche uns 
in den arabischen Dekorationen entgegentritt. Der übermäßige Gebrauch 



■jj^lj. Die Prinzipien iler oricnlalisclien Fliu'lieudekoration. 

der spitzen imd ciuspringendcu Winkel findet sich speziell beim türkischen 
Ornamente. 

Es sei mir noch gestattet, einiges über die Wahl der Dekorations- 
motive bei den einzelnen orientalischen Völkern hier anzufügen. 

Über das geometrische und das rflanzeuornament ist schon das AVesentliche 
in Bezug auf die Unterschiede bei den einzelnen Völkern angegeben worden. 
Einzelne dem betreifenden Stile angehörige Motive, welche in der Anwendung 
vorherrschen, wie die Tceblütc bei den Chinesen, das Palmblatt bei den 
Indern, die Nelke bei den Persern, die sogenannte Feder bei den Arabern 
u. a. m. zu besprechen, fällt außerhalb des Rahmens dieser Erörterung. 

Hingegen scheint es geboten, noch auf andere Formenkreise aufmerksam 
zu machen, aus welchen sich die dekorative Kunst des Orientes ihre Motive 
geholt hat. Einer dieser Formenkreise umfaßt die Fauna, ein weites Gebiet, 
das mit vielem Geschick in seinen manigfaltigeu Erscheinungen in die Ornamentik 
aufgenommen wurde. Wir wollen hier absehen von der Verwendung der 
menschlichen Figur, welche in entsprechender konventioneller Behandlung bei 
den Verzierungen ostasiatischer, indischer und selbst persischer Erzeugnisse 
zu sehr ausgedehnter Anwendung gelangt, und nur die eigentlichen Tierbilder 
besprechen. 

Eine ganz eigentümliche Behandlung der Tierformen finden wir bei den 
Japanern und Chinesen. Zwei Gruppen animalischer Gebilde treten uns in 
ihrer Ornamentik entgegen, die eine, die sich auf die möglichst naturwahre 
Darstellung der charakteristischen Merkmale natürlicher Vorbilder beschränkt, 
die andere, wir möchten sie im Gegensätze zu dieser natürlichen die phan- 
tastische nennen, welche ihre Formen einer regen, schöpferischen Einbildungs- 
kraft verdankt, die ganz sonderbare und eigenartige Fabelwesen schafft, 
deren Vorbilder vergebens in einer Naturgeschichte, wohl aber vielleicht zum 
Teile in den organischen Gebilden einer mythenumschleierten, vorgeschicht- 
lichen Urzeit zu suchen sein dürften. Wir erinnern an die verschiedenen 
Formen des Drachens, welches Motiv auch in die europäische Kunst über- 
gegangen ist. Vielen dieser phantastischen Formen wurde seit jeher eine 
symbolische Bedeutung beigelegt, die dann mitbestimmend auf die Erhaltung 
derselben durch Jahrtausende einwirkte und den Erkläruugsgrund für manche 
uns sonst unverständliche Formenbildung abgibt. 

Auch die Inder und Perser verstehen es, ihre Ornamente durch allerlei 
Getier zu beleben. Die zeichnerische Durchführung dieser Tierformen steht 
jedoch im allgemeinen an Korrektheit den chinesischen nach. Auch bei den 
Indern und Persern werden wir noch die natürliche und die phantastische 
Gruppe der Tierbildcr zu unterscheiden haben. Die direkt von natürlichen 
Vorbildern abgeleiteten Formen bekunden eine scharfe Beobachtungsgabe der 
indisch-persischen Ornamentiker, welche jedoch in der Darstellung dieser 
Formen von ängstlicher Nachahmung weit entfernt sind, bloß das Charakte- 
ristische erfassen und diese Gebilde mit wunderbarem Geschick in das System 
ihrer Dekoration einfügen. 



Die Prinzipien flcr orientalischen Fiächenilckoration. 185 

Die phautastisclieii Formen der Inder und Perser haben ihre ursprüngliche 
syni!)olisehe Bedeutung- zum größten Teile verloren und sich bloß als kon- 
ventionelle Ornamente traditionell erhalten. Die Tierbilder der alten Babylonier 
und Assyrier, all die Bestiarien, welche schon im Altertum und frühen Mittel- 
alter auf den orientalichen Geweben zu uns herüber kamen, sie haben sich 
noch heute in wenig veränderter Form, wenn auch nicht in so ausgedehnter 
Anwendung, iu der indischen und persischen Ornamentik erhalten. 

Ein Teil derselben wurde auch iu die Dekorationskunst der Araber 
aufgenommen, wiewohl die Ornamentik des Islams den sparsamsten Gebrauch 
von dem Formengebiete der Fauna macht. (Bekanntlich wurde nachgewiesen, 
daß ein sogenanntes Biklerverbot des Islams, wie man früher annahm, nie 
existierte). 

Ein weiterer Formenkreis, der noch in Betracht zu ziehen kommt, sind 
die anderen mannigfachen Naturgebilde und die Produkte menschlicher Hand, 
von welchem die Ostasiateu wohl den ausgiebigsten Gebrauch machen. 

Die Chinesen und Japaner beziehen überhaupt alles in das weite 
Bereich ihrer Flächendekorationen ein; sie stilisieren die Wolken und die 
Meereswogeu, die Berge und Flüsse, die Bäume und Sträucher, die Häuser 
und Geräte, Menschen und Tiere, Pflanzen und Steine, freie und geometrische 
Figuren und Linien im reizvollsten Durcheinander. 

Und dennoch kopieren sie nicht die Natur, sondern idealisieren 
sie und unterordnen den Gesetzen der Dekoration die Bildung und Ver- 
teilung der Formen. Der angebliche Mangel der Kenntnis perspektivischer 
Gesetze bei den Japanern und Chinesen ist wohl dahin zu erklären, daß sie 
ihre Flächendekorationen folgerichtig und stilgemäß nicht als auf Täuschung 
berechnete Bilder auffassen. Die mannigfaltigsten Gerätformen finden wir 
auch in den übrigen orientalischen Dekorationsstilen, wiewohl in viel seltenerer 
Anwendung. Jene ausgedehnte Verwendimg von Emblemen und Trophäen, 
wie wir derselben im römischen Stile und der Kunst der Renaissance 
begegnen, werden wir an den orientalischen Produkten meist vergeblich 
suchen. 

Endlich ist noch ein Formenkreis, welcher in der Flächendekoration 
des Orients zu vielfacher Anwendung und hoher Bedeutung gelangte. Es ist 
der Formenkreis der Schrift. Die mongolische Rasse einerseits und die 
semitische andererseits haben den ausgedehntesten Gebrauch dieses Formen- 
gebietes zu machen verstanden. 

Zum Schlüsse sei uns nur Einiges über die gegenseitige Beeinflussung 
der einzelnen orientalischen Stile zu sagen gestattet. Am ursprünglichsten 
erhalten und am wenigsten verändert seit altershcr hat sich die chinesisch- 
japanische Dek(»rations\vcise. Erst im vorigen Jalirhundcrt gelangten 
europäische Motive und Formen zu meist verständnisloser Anwendung in 
derselben, leider zum Schaden der Rciidicit des Stiles. Auf die mehr subtilen 
Unterschiede zwischen japanischer und chinesischer Ornamentik wollen wir 



l'fiiQ Die Prinzii>ien der orionlalisc-heii Flächeiulekoration. 

nicht näher eingehen, beide Stile sind g-leichsam Dialekte derselben 
Fornienspraehe. 

In der indischen Ornamentik finden wir vielfach Anklänge an die 
islamitische Kunst, vieles Verwandte mit der persischen Dekorationsweise, 
manche Motive aus der Antike entnommen und vieles, das in der alten 
assyrisch-babylonischen Ornamentik wurzelt. 

Die persische Dekorationsweise bildet gewissermaßen den Über- 
gang von dem indischen zu dem arabischen Dekoratioussystem. Sie hat die 
Elemente beider Stile aufgenommen, selbständig verarbeitet und zum Teile 
wieder an dieselben zurückgegeben. Hie und da trilft man auch Formen, 
die unzweifelhaft antiken Ursprungs sind. All die politischen und Handels- 
l)cziehungen der Völker finden ja auch immer wieder ihren Ausdruck 
nicht blo{3 in der Sprache des Wortes, sondern auch in der Sprache der 
Formen. 

Die arabische Ornamentik oder, wenn man will, die Kunst des 
Islams, entwickelt sich im 9. und 10. Jahrhundert, indem sie die alten 
orientalischen Prinzipien mit den Formengebieten des byzantinischen und 
später mit jenen des weströmischen Stiles zu einem einheitlichen Ganzen 
verschmolz. Mannigfaltig sind die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen 
Stilarten der orientalischen und der europäischen Kunst, welche insbesondere 
in den alten Kulturgebieten an den Küsten des mittelländischen Meeres zu 
einem fast unentwirrbaren Formengewirre verknüpft sind. Die maurische 
Dekorationsweise steht zu der arabischen ungefähr in demselben Verhältnisse 
wie die japanische zur chinesischen und kann als eine bloße Verfeinerung 
derselben angesehen werden. 

Wenn wir die besprochenen Eigentündichkeiten der orientalischen 
Flächendekoration in Kürze rekapitulieren, so ergibt sich: 

1. Der Konservatismus ihres Stiles; 

2. die Unabhängigkeit von architektonischen Formen; 

3. die Unterordnung der struktiven Bedeutung unter die dekorative; 

4. die fast ausschließliche Verwendung des Flächenornamentes im 
Gegensatze zum Relief bild; 

5. die konventionelle Behandlung der verzierenden Formen; 

6. die große Mannigfaltigkeit der verwendeten Motive und die direkte 
Benutzung natürlicher Vorbilder; 

7. das Vorherrschen der Musterung gegenüber den andern Verzierungs- 
arten ; 

8. die gleichmäßige Verteilung der Formen auf der Fläche; 

9. die gleichmäßige Verteilung und harmonische Zusammenstellung der 
Farben ; 

10. die geistreiche Ausbildung des geometrischen Ornamentes; 

11. die Zeichnung der Linien und Formen nach den Gesetzen orga- 
m'schcr Bildung (Strahlung vom Mutterstamme, tangentieller Anschluß 
der Linien); 



Die Prinzipien der orieuhilisclien Fliiclieiulekünition. 187 

12. die Entwickluiiii: uniinterbrocliciier Formen bei den Arabesken; 

13. Die Methode, hölier orj^anisierte Gebilde konventioneller zn behandeln 
als niedere-, 

14. die ausgiebige Verwendung der Schrift, natürlicher und phantastischer 
Tiergestalten. 

In den verschiedenen Stilen gelangen diese Merkmale zu verschiedenem 
Ausdruck. 

Es würde noch erübrigen, zu erörtern, in welcher Weise die besprochenen 
Grundsätze der Dekoration in den einzelnen Zweigen des Kunstgewerbes 
angewandt werden, zu zeigen, wie viele der angewandten Formen und 
Formenverbindungen ihren Ursprung in gewissen technischen Prozessen haben, 
abhängig sind von gewissen Eigenschaften der Materialien und daher nur in 
diesen bestimmten Materialien zur Anwendung gelangen können u. dgl. m., 
allein das würde zu weit führen. 

Wir wollen daher mit dem Wunsche schließen, daß die mannigfaltigen 
Erzeugnisse orientalischen Kunstfleißes von unsern Künstlern und Kunsthand- 
werkern immer eingehender gewürdigt werden mögen, nicht zur sklavischen 
Nachahmung, sondern zur verständnisvollen Erkenntnis und Anwendung ihrer 
berechtigten Stilgesetze. 




Zur grapliisclien Beliamllung der geoin. Aufgahen .'?. und i. Grades. 189 

Zur grapliisclien Behandlung der geoni. Aufgaben 

3. und 4. Grades. 

^^ Von Professor Otto Rupp. 

vbjjedermann, der sich, wenn auch nur flüchtig, mit dem Entwicklungsgange 
SrnJ,: der Astronomie, der Physik oder einer anderen Naturwissenschaft beschäftigt 
hat, wird zweifelsohne bemerkt haben, daß all diese Wissenschaften unablässig 
bestrebt sind, die ihren Zwecken dienenden Meß- und Beobachtungsinstrumente 
zu verfeinern und zu vervollkommnen, da von der Güte dieser Apparate nicht 
allein die Genauigkeit und Verläßlichkeit der Beobachtungen abhängt, sondern 
oft die Möglichkeit gewisser Beobachtungen oder Messungen überhaupt ; er 
wird wohl auch die Wahrnehmung gemacht haben, daß eine große Zahl neuer 
Erkenntnisse auf den Gebieten dieser Wissenschaften geradezu nur der 
hochentwickelten Instrumententechnik zu verdanken ist. 

Diesem Streben gegenüber mutet es seltsam an, wenn jene Wissenschaft, 
von der alles Maß und Messen ausgeht, — die Geometrie - - seit Jahrtausenden 
bei ihrem Handgeräte, Lineal und Zirkel, veibleibt und hierdurch dem Gebiete 
ihrer Operationen freiwillig eine enge Grenze setzt. 

Als Grundlage alles geometrischen Unterrichtes gelten Euklid's Elemente, 
und zwar mit Recht, da sie ein in sich abgeschlossenes nicht allzu umfang- 
reiches wissenschaftliches System von hoher formaler Vollendung bilden, welches 
sich eben deshalb zu didaktisch-pädagogischen Zwecken eignet, wie kein 
anderes. Die mit den Euklid'schen Elementen im Zusammenhang stehenden 
wichtigsten Konstruktionsaufgaben sind sämtlich mit Anwendung des Zirkels 
und Lineales allein graphisch ausführbar, da sie lediglich Aufgaben umfassen, 
welche den zweiten Grad nicht übersteigen (d. h. bei Anwendung der Algebra 
auf die Geometrie zur Auflösung von höchstens quadratischen Gleichungen 
führen). 

Wenn nun angesichts dieser Tatsache im Rahmen des geometrischen 
Elementarunterrichtes für die graphische Durchführung der gedachten Kon- 
struktionsaufgaben der alleinige Gebrauch des Zirkels und Lineales ausdrücklich 
gefordert wird, so ist dies gewiß wohlbegründet, weil der Schüler hierdurch 
genötigt wird, eine ihm vorgelegte Aufgabe von verschiedenen Gesichtspunkten 
aus ins Auge zu fassen, um zu einer methodisch anerkannten Konstruktion 
zu gelangen. Diesbezüglich gilt mit vollem Rechte der bekannte Spruch: 
„In der Beschränkung (der Mittel) zeigt sich der Meister.^' 

Außerhalb und jenseits des geometrischen Elementarunterrichtes, wo an 
Stelle des formalen didaktischen Momentes vielfach andere Forderungen treten, 
kann und soll die vorgenannte r>cschränkung der graphischen Hilfsmittel auf 
den Zirkel und das Lineal nicht aufrecht erhalten werden. 

Die Bedürfnisse der Praxis, welche bei der Anwendung geometrischer 
Konstruktionen zu technischen Zwecken vorzugsweise Genauigkeit und Einfach- 
heit heischen, haben schon frühzeitig die Schranken, welche das kanonische 
Gebot des Euklid'schen Systems: „Zirkel und Lineal" setzte, durchbrochen 



190 Zur graphischen Behandlung der geom. Aufgaben 8. und 4. Grades. 

und ihr Zeichnungsgeräte erweitert. Schon seit Jahrlmnderten bedient sich 
der Baumeister zur Herstellung paralleler Linien und rechter Winkel der 
Reißschiene und des Dreieckes und der Architekt und Ingenieur konstruieren 
nicht die gemeinschaftliche Tangente zweier Kreise nach der Euclid'schen 
Methode, sondern zeichnen dieselbe unmittelbar durch sorgfältiges Anlegen 
des Lineales an die beiden Kreise mit der gleichen Genauigkeit, mit welcher 
sie zwei Punkte geradlinig verbinden. 

Wird nun schon bei Aufgaben, welche sich mit Zuhilfenahme des Zirkels 
und Lineales graphisch behandeln lassen, von der alleinigen Anwendung dieser 
beiden Geräte im Interesse der Genauigkeit und Zeitersparnis abgegangen, 
so erscheint eine Erweiterung der konstruktiven Hilfsmittel um so natürlicher 
und berechtiger, wenn es sich um Aufgaben handelt, welche mit alleiniger 
Verwendung der genannten zwei Zeichnungsgeräte schlechterdings nicht gelöst 
werden können, zunächst also um Aufgaben des 3. und 4. Grades. 

Wie übel in dieser Beziehung ein starrer Konservatismus angebracht ist, 
dürfte aus folgenden Bemerkungen erhellen. 

Es ist eine auch heutzutage noch all zu häufig zu beobachtende Tatsache, 
daß Geometer in ihren Untersuchungen, sobald sie auf eine Aufgabe 3. oder 
4. Griides stoßen, Halt machen und sich einfach damit begnügen, festzustellen, 
daß die diesbezügliche Konstruktion mit Zirkel und Lineal nicht ausführbar sei. 
Dieses freiwillige Verzichtleisten auf das graphische Endergebnis hätte 
nun wohl nicht viel zu bedeuten, wenn das letztere das eigentliche Endziel der 
betreffenden Studie wäre. Ist dies aber nicht der Fall, sondern bildet die 
konstruktive Durchführung jener Aufgabe die Grundlage für eine W^eiterfübrung 
der Untersuchungen, so ist die erwähnte Verzichtleistung zumeist gleich- 
bedeutend mit einem vollständigen Aufgeben der Studie — zum Nachteil der 
Wissenschaft. 

Aber auch der konstruierende Techniker sieht sich häufig genötigt, Auf- 
gaben dritten oder vierten Grades graphisch zu lösen, und mangels eines 
direkten Verfahrens pflegt er sich in solchen Fällen entweder dadurch zu 
helfen, daß er eine durch die Natur der vorliegenden Aufgabe bedingte Hilfs- 
kurve punktweise konstruiert, oder aber dadurch, daß er die Rechnung zu 
Hilfe nimmt. 

Die eben angeführten Tatsachen und Umstände lassen es nun höchst 
wünschenswert erscheinen, nebst Zirkel und Lineal noch ein weiteres mechanisches 
Hilfsmittel als drittes Zeichnungsgerät heranzuziehen, welches gestatten würde, 
die Lösungen der Aufgaben dritten und vierten Grades auf graphischem Wege 
möglichst unmittelbar und einfach zu erzielen. 

Um nun eine Vorstellung zu gewannen, von welcher Art das neue Kon- 
struktionsmittel sein müßte, um dieses Ziel zu erreichen, w^erden nachstehende 
allgemeine Bemerkungen über die Aufgaben 3. und 4. Grades zweckdienlich sein. 
Die allgemeine Aufgabe 4. Grades ist gleichbedeutend mit der Forderung, 
die vier gemeinschaftlichen Punkte oder die vier gemeinschaftlichen Tangenten 
zweier gegebenen Kegelschnitte zu bestimmen; sie hat diese Form entweder 



Zur graphischen Behaiulluiiy- der geom. Aufgal)eu ;]. und 4. Grades. 191 

gleich von vornherein, oder aber, sie kann auf diese Form durch geeignete, 
meist sehr einfach anzustellende geometrische Betrachtungen gebracht werden. 

Hievon unterscheiden sich die Aufgaben dritten Grades nur dadurch, 
daß diesfalls einer der vier Schnittpunkte oder eine der vier gemeinsamen 
Tangenten der beiden Kegelschnitte bekannt ist, also bloß die Bestimmung 
der übrigen drei erforderlich wird. 

Die naheliegendste Lösung dieser Aufgabe würde offenbar die sein, von 
jedem der beiden Kegelschnitte nach bekannten Methoden eine entsprechend 
große Zahl von Punkten oder Tangenten zu ermitteln, um mit ihrer Hilfe die 
beiden Kurven tatsächlich so genau als möglich hinzuzeichnen und hierauf 
ihre vier gemeinschaftlichen Punkte oder Tangenten zu bestimmen. 

Dieser Weg soll aber, als zu umständlich und mühevoll (insbesondere, 
wenn dieselbe Aufgabe mehrmals zu wiederholen ist) von vornherein aus- 
geschlossen werden. 

Man wird also darauf angewiesen sein, in der Theorie der Kegelschnitte 
Umschau zu halten, ob dieselbe nicht Lehrsätze darbietet, welche ein ge- 
eigneteres Verfahren ermöglichen würden. Dies ist nun tatsächlich der Fall, 
und zwar kommen folgende bekannte Eigenschaften in Betracht. 

Zwei beliebige Kegelschnitte in einer Ebene besitzen vier gemeinschaftliche 
Punkte, durch welche noch unendlich viele andere Kegelschnitte hindurch- 
gehen, und im Verein mit den beiden vorgegebenen Kegelschnitten ein „Kegel- 
schnittsbüschel" bilden. Sämtliche Kegelschnitte dieses Büschels schneiden 
eine beliebig angenommene Gerade in Punktepaaren einer quadratischen In- 
volution. Die Polaren eines beliebigen Punktes in Bezug auf alle Kegelschnitte 
des Büschels gehen durch einen und denselben zweiten Punkt. Der Ort der 
Mittelpunkte aller Kegelschnitte i:;t selbst wieder ein Kegelschnitt. Ist dieser 
letztere insbesondere eine gleichseitige Hyperbel, so gibt es unter den Kegel- 
schnitten des Büschels einen Kreis und sind die Achsenpaare sämtlicher Büschel- 
kurven zu den Assymptoten der Mittelpunktshyperbel parallel, und umgekehrt. 

Und weiters: 

Zwei beliebige in einer Ebene liegende Kegelschnitte besitzen vier 
gemeinschaftliche Tangenten, welche noch von unendlich vielen anderen Kegel- 
schnitten berührt werden, welche im Verein mit den beiden gegebenen eine 
„Kegelschnitts.schar" bestimmen. Die von einem willkürlich gewählten Punkte 
an alle Kegelschnitte der Schar gezogenen Tangentenpaare bilden ein in- 
volutorisches Strahlenbüschel. In der Kegelschnittsschar gibt es stets eine 
(aber auch nur eine) Parabel. Enthält die Kegelschnittsschar aber zwei 
Parabeln, so sind ihre sämtlichen Kurven gleichfalls Parabeln. Die Mittelpunkte 
aller Kurven der Schar liegen auf einer und derselben geraden Linie. 

Hiezu tritt als von wesentlicher Bedeutung noch folgende dritte bekannte 
Eigenschaft der Kegelschnitte: 

Jeder Kegelschnitt kann durch projektivische Transformation (durch Zentral- 
projektion — falls Ellipse, auch durch Parallelprojektion — durch zentrisch- 
kollineare Verwandhing oder durch polare oder reziproke Verwandlung) auf 
unendlich viele Arten in einen Kreis überführt werden. Desgleichen kann im 



192 Zur graphischen Behandhing der geom. Aufgaben 3. und 4. Grades. 

Wege der angeführten Transformation jeder Kegelschnitt in jeden beliebigen 
anderen von gegebener Form und Größe verwandelt werden. 

Es ist nun leicht einzusehen, daß man durch geeignete Anwendung dieser 
Sätze immer dazu gelangen kann, das Fundamentalproblera der Aufgaben 
3. und 4. Grades: Die gemeinschaftlichen Punkte oder Tangenten zweier 
Kegelschnitte zu ermitteln, in eine solche Form zu bringen, daß die 
eine der beiden Kurven ein Kreis ist, die andere hingegen entweder ein 
beliebiger Kegelschnitt (jedoch nicht auch ein Kreis), oder insbesondere ein 
Kegelschnitt von bestimmter Gestalt und, falls man es wünscht, auch von 
bestimmter Größe. 

Es lassen sich diesbezüglich folgende Fälle anführen : 

A. Die besondere Natur der zu behandelnden Aufgabe bringt es mit 
sich, daß der eine der beiden Kegelschnitte gleich von vornherein ein Kreis 
ist; der andere aber irgend eine (durch 5 Punkte oder Tangenten, durch zwei 
konjugierte Durchmesser, durch die Achsen, oder durch Brennpunkt und Leit- 
linie bestimmte) Ellipse, Hyperbel oder Parabel. Zum Zwecke der weiteren 
Konstruktion kann dieser Kegelschnitt entweder beibehalten werden, oder 
aber, er kann sowohl in dem Büschel, als auch in der Schar, welche er mit 
dem Kreise bestimmt, durch einen anderen (dem Büschel, bezw. der Schar 
angehörenden) Kegelschnitt von bestimmter Gestalt ersetzt werden, — eine 
Aufgabe, welche immer auszuführen möglich ist. 

Wenn gewünscht, kann endlich durch eine einfache Ähnliclikeitsverwandlung 
dieser Kegelschnitt noch auf eine bestimmte Größe gebracht werden, wobei 
selbstverständlich der Kieis gleichzeitig in einen neuen Kreis übergeht. 

B. Keiner der beiden Kegelschnitte ist ein Kreis. Die Betrachtung der 
geometrischen Beziehungen, welche die zu lösende Aufgabe begleiten, zeigt 
aber, daß in dem durch beide bestimmten Büschel, oder in der durch bei le 
bestimmten Schar ein Kreis existiert. Diesen läßt man nun an die Stelle der 
einen der beiden Kurven treten, wodurch die Reduktion auf Fall A. herbei- 
geführt ist. 

G. Keine der beiden Kurven ist ein Kreis und es existieit ein solcher 
auch nicht in dem durch sie bestimmten Büschel (oder in der durch sie 
bestimmten Schar). Dann kann man durch projektivische Transformation die 
eine der beiden Kurven in einen Kreis verwandeln und die Vieldeutigkeit 
dieser Konstruktion allenfalls auch noch dazu verwenden, der zweiten Kurve 
nach ihrer gleichzeitig erfolgenden Verwandlung eine gegebene Gestalt zu 
geben. Hierdurch ist abermals die Reduktion auf den Fall A. herbeigeführt. 

Faßt man diese Fälle zusammen, so erkennt man, daß mander Fundamentai- 
aufgabe nach Belieben eine der drei Formen geben kann: 

I. Es sind die gemeinschaftlichen Punkte oder die gemeinschaftlichen 
Tangenten eines Kreises und eines Kegelschnittes von bestimmter Form und 
Größe, dessen Lage gegen den Kreis bekannt ist, zu ermitteln. 

n. Es sind die gemeinschaftlichen Punkte eines Kreises und irgend einer 
(etwa durch ihre beiden Achsen gegebenen) Ellipse zu konstruieren. 



Zur graphischen Behaiulking der geoiu. Aufgaben 3. und i. Grades. 193 

III. Es sind die gemeinscliaftlichen Tangenten eines Kreises und irgend 
eines gegebenen Kegelschnittes zu bestimmen. 

Es sei noch bemerkt, daß man die beiden Fälle II. und III. ohne 
Schwierigkeit gegenseitig in einander überführen kann, wenn man von der 
„polaren" oder „reziproken Transformation" in der Weise Gebrauch macht, 
daß als „Direktrix der Reziprozität" der gegebene Kreis gewählt wird, da 
sich dieser hierbei in sich selbst verwandelt. 

Zur Erzielung des konstruktiven Endergebnisses, d. h. zur tatsächlichen 
graphischen Bestimmung der gemeinschaftlichen Punkte, beziehungsweise Tan- 
genten bieten sich jetzt drei verschiedene Verfahren dar, welche sämtlich 
dadurch gekennzeichnet sind, d.nß sie die Einführung eines neuen Konstruktions- 
behelfes (außer Zirkel und Lineal) bedingen. 

Was den Fall I. betriflt, so ist einleuchtend, daß es genügt, eine genaue 
Schablone des der Gestalt und Größe nach gegebenen Kegelschnittes zur 
Verfügung zu haben, um denselben mittels derselben tatsächlich ebenso 
hinzeichnen zu können, wie eine gerade Linie mittels des Lineales (welches 
ja auch nur eine Schablone darstellt). Hiermit ergeben sich die Schnittpunkte 
dieses Kegelschnittes mit dem gegebenen Kreise von selbst, die gemeinsamen 
Tangenten aber unschwer und mit großer Genauigkeit durch sorgfältiges 
Anlegen des Lineales. 

Die Schnittpunkte eines Kreises mit einer Ellipse, welche durch ihre 
Achsen gegeben ist (Fall II), lassen sich mechanisch folgendermaßen ermitteln. 
Es ist bekannt, daß, wenn zwei von drei in derselben Geraden liegenden 
Punkten a, h, c, z. B. a und h sich zugleich auf zwei zu einander senkrechten 
Geraden bewegen, der dritte c eine Ellipse beschreibt, deren Halbachsen gleich 
ac und bc sind und in den beiden genannten Geraden liegen. Dies führt 
zu folgendem Verfahren. Man schneidet mittelst des Lineales einen genau 
geraden Papierstreifen, bestimmt auf demselben drei Teilstriche a, h, c, so, 
daß ac und hc resp. gleich der großen und kleinen Halbachse der gegebenen 
Ellipse sind. Wird dieser Papierstreifen so gelegt, daß die drei an der Schnitt- 
kante liegenden Punkte der Teilstriche a, h, c, resp. auf der kleinen, auf der 
großen Achse der Ellipse und auf dem Kreise liegen, so ist c in diesem Falle 
einer der vier gesuchten Punkte. 

Die Bestimmung der gemeinschaftlichen Tangenten eines Kreises und 
eines gegebenen Kegelschnittes gründet sich auf nachstehende bekannte 
Eigenschaft: 

Die Fußpunkte der Lote von einem Brennpunkte auf sämtliche Tangenten 
eines Kegelschnittes liegen auf dem Kreise, welcher die Brennpunktsachse zum 
Durchmesser hat (und im Falle der Parabel auf der Scheiteltangente). 

Hieraus folgt, daß, wenn sich ein rechter Winkel so bewegt, daß sein 
Scheitel auf einem Kreise verbleibt und der eine Schenkel durch einen festen 
Punkt geht, der andere Schenkel einen Kegelschnitt umhüllt, welcher den 
genannten Kreis zum Achsenkreis und den festen Punkt zum Brennpunkt hat; 
und insbesondere, daß, wenn sich ein rechter Winkel so bewegt, daß sein 
Scheitel auf einer Geraden verbleibt, während der eine Schenkel durch einen 

13 



194 2ur graphischen Behandlung der geom. Aufgaben 3. und 4. Grades. 

festen Punkt geht, der andere Schenkel eine Parabel umhüllt, welche die 
genannte Gerade zur Scheiteltangente und den festen Punkt zum Brenn- 
punkt hat. 

Hat man nun zuvor einen Brennpunkt und den Achsenkreis (im Falle der 
Parabel die Scheiteltangente) des gegebenen Kegelschnittes bestimmt, so bedarf 
man zur mechanischen Ermittelung der gemeinsamen Tangenten mit dem 
gegebenen Kreise nur eines genau rechtwinkligen Dreiecklineales mit scharf 
im rechten Winkel mündenden Kanten, welches so zu legen ist, daß die eine 
Kathete durch den Brennpunkt geht, der Scheitel des rechten Winkels auf 
dem Achsenkreis (bez. auf der Scheiteltangente) liegt und die zweite Kathete 
den gegebenen Kreis berührt. Die letztere stellt in dieser Lage schon eine 
der vier gemeinschaftlichen Tangenten vor. 

Die hier angegebenen Verfahren lassen sich mit der gleichen Genauigkeit 
ausführen, wie jede andere geometrische Konstruktion mit dem Zirkel und 
Lineal; sollte ihnen aber zum Vorwurfe gemacht werden, daß sie auf ein 
„Probieren" hinauslaufen, so läßt sich darauf entgegnen, daß auch die allgemein 
anerkannte Konstruktion der Verbindungsgeraden zweier Punkte mit dem 
Lineal vielfach ein solches Probieren bedingt, wovon man sich leicht über- 
zeugen kann, wenn die beiden zu verbindenden Punkte so weit entfernt sind, 
daß sie nicht zugleich ins Auge gefaßt werden können. 

Es könnte weiters noch das Bedenken geäußert werden, daß wohl die 
vorbereitenden Transformationen, welche notwendig sind, um eine vorgelegte 
Aufgabe 3. oder 4. Grades auf eine für die Anwendung dieser Verfahren 
geeignete Form zu bringen, zu umständlich seien, um diesen Methoden eine 
allgemeine Verwendung zu sichern. 

Daß es aber in dieser Hinsicht mit den Aufgaben 3. und 4. Grades 
nicht schlimmer bestellt ist, wie mit irgend einer anderen geometrischen 
Aufgabe 1. oder 2. Grades (deren Schlußresultate ja bekanntlich in den 
seltensten Fällen ohne vorbereitende oder Hilfskonstruktionen gewonnen werden 
können), mag an einem Beispiele gezeigt werden, u. z. an der klassischer 
Aufgabe, einen gegebenen Winkel in drei gleiche Teile zu teilen. Obschon die 
zu entwickelnde Lösung nicht Anspruch auf Neuheit machen kann, so wird 
dieselbe doch trefflich dazu dienen, die eben aufgestellte Behauptung zu 
bestätigen, als auch im allgemeinen den Weg zu weisen, der auch bei anderen 
Aufgaben 3. und 4. Grades eingeschlagen werden muß, um die früher erwähnten 
Transformationen durchzuführen. 

Es sei aoh = 2a der in drei gleiche Teile zu teilende Winkel, bezw. 
aml der in drei gleiche Teile zu teilende Bogen des um o geschlagenen 
Kreises C. Der dem Punkte a zunächst liegende Teilpunkt c hat offenbar die 
Eigenschaft, daß sein Abstand von a doppelt so groß ist, als seine Entfernung 
von der Halbierungsgeraden B des gegebenen Winkels; dies heißt aber mit 
anderen Worten so viel, daß c ein Punkt jener Hyperbel H sein muß, welche 
einen Brennpunkt F in a, ihre zugehörige Leitlinie (Polare des Brennpunktes) 
in T) hat und die lineare Exzentrizität 2 : 1 besitzt. Die reelle Achse dieser 
Hyperbel ist die Gerade ah, der eine Scheitel der dem Punkte a zunächst 



Zur graphischen Bchandhuig der geoni. Aufyal)en X und 4. Grades. 195 

T. 




liegende Dreiteilungspunkt Ä der Sehne ah und der zweite Scheitel B der 
Punkt b. Diese Hyperbel hat mit dem Kreise C außer dem Punkte h noch 
drei Punkte c, c', c" geraein, welche die dem Punkte a zunächst liegenden 
Dreiteilungspunkte der drei Bögen von C sind, welche den Zentriwinkeln -2«, 
4R — 2(i und 4E -\- 2u entsprechen und sonach .die der Aufgabe Genüge 
leistenden Punkte darstellen. 

Man könnte nun zur Bestimmung dieser drei Schnittpunkte folgenden 
Weg einschlagen. Wählt man den Kreis C als „Direktrix" einer reziproken 
Transformation, so übergeht er hierbei in sich selbst, die Hyperbel dagegen 
in einen neuen Kegelschnitt, von welchem ein Brennpunkt und der Achsenkreis 
unschwer zu ermitteln sind; endlich verwandeln sich die drei gesuchten Schnitt- 
punkte c, c', c" in die Tangenten des Kreises in eben diesen Punkten, zugleich 
aber in Tangenten des neuen Kegelschnittes, so daß dieselben mittels eines 
Dreiecklineales nach dem für III angegebenen Verfahren bestimmt werden können. 

Man kann es aber ohne Schwierigkeit auch dazu bringen, daß der 
erwähnte neue Kegelschnitt insbesondere eine Parabel wird, so daß an Stelle 
des Achsenkreises die Scheiteltangente der Parabel zur Verwendung kommt. 

Die Hyperbel H bestimmt nämlich mit dem Kreise C ein Kegelschnitts- 
büschel und sie läßt sich durch jede beliebige Kurve dieses Büschels ersetzen, 

13* 



19(5 Zur graphischen Behandlung der geom. Aufgahen 3. und 4. Grades. 

welche ihrerseits durch die Annahme eines ihrer Punkte vollständig bestimmt 
ist. Soll diese Kurve nach der polar-reziproken Transformation in Bezug auf 
den Kreis C als Direktrix in eine Parabel übergehen, so ist es notwendig, 
aber auch hinreichend, daß sie durch den Mittelpunkt o des Kreises C geht; 
denn die Polare dieses Punktes ist einerseits die unendlich ferne Gerade, 
andererseits aber eine Tangente der polar verwandelten Kurve. 

Wir haben also in dem Kegelschnittsbüschel {H, C) jene Kurve zu 
bestimmen, welche durch o geht. 

Die Gerade B schneidet den Kreis G in einem Punktepaar m, w; die 
Hyperbel // in einem imaginären Punktepaar, welches nach den Polareigen- 
schaften des Brennpunktes vom Brennpunkte F (oder a) aus durch ein 
imaginäres Strahlenpaar projiziert wird, welches nach den Kreispunkten der 
Ebene, also nach den Schnittpunkten von C mit der unendlichfernen Geraden 
gerichtet ist. Da nun die Gerade B sämtliche Kegelschnitte des Büschels in 
Punktpaaren einer Involution schneidet, die von F aus wieder durch ein 
involutorisches Büschel projiziert wird, so ist nach dem Vorhergehenden klar, 
daß zwei Paare konjugierter Strahlen dieses Büschels die von F nach m und w, 
beziehungsweise die (imaginären) von F nach den Schnittpunkten des Kreises G 
mit der unendlichfernen Geraden gerichteten sind. Nach einer bekannten 
Eigenschaft der Involutionen folgt aber hiei'aus, daß jede andere Gerade, welche 
durch den Schnittpunkt von B mit der unendlichfernen Geraden geht, d. h. 
jede zu B parallele Gerade den Kreis G in einem Punktepaar schneidet, 
welches ebenfalls von F aus durch ein konjugiertes Strahlenpaar des genannten 
involutorischen Büschels projiziert wird. Unter diesen Geraden befindet sich 
aber auch die durch h gehende, welche den Kreis G zum zweitenmale in dem 
mit a diametral liegenden Punkte s trifft, so daß ah und ao zwei konjugierte 
Strahlen des involutorischen Büschels F, und ihre beiden Schnittpunkte z un J o 
mit D zwei konjugierte Punkte jener Involution sind, welche die Kurven des 
Büschels (H, G) auf B bestimmen. Es gibt also unter den Kurven des 
Büschels eine, — und zwar ist dies die oben gewünschte, — welche durch 
und z geht. Da diese Kurve auch durch den allen Büschelkurven gemeinsamen 
Punkt h geht und ferner die Achsen aller Kurven die Richtungen ah und B 
besitzen (weil das Büschel einen Kreis C enthält), so gehört der fraglichen 
Kurve auch der vierte Eckpunkt v des durch o, s und h bestimmten Recht- 
eckes an. Hiermit ergibt sich auch der Älittelpunkt M dieser Kurve als der 
Diagonalenschnitt des Rechteckes hzov und ihre Achsen durch ihn parallel zu 
ah und B. Zur vollständigen Bestimmung dieser Kurve wird mithin die 
Kenntnis eines einzigen weiteren P^lementes hinreichen und als solches ergibt 
sich unschwer ihre Tangente in o. Die Polare von o in Bezug auf den Kreis G 
ist die unendlich ferne Gerade und jene in Bezug auf die Hyperbel H (nach 
«inem bekannten für die Punkte der Leitlinie eines Kegelschnittes geltenden 
Satze) die Normale r zum Fahrstrahle Fo. Durch den Schnittpunkt dieser 
beiden Polaren d h. parallel zu t, oder normal zu ao gehen dann aber auch 
die Polaren von o in Bezug auf alle Kurven des Büschels. Für die in Frage 
stehende, durch o gehende Kurve wird diese Polare insbesondere zur Tangente t 



Zur graphischen Behandking der geom. Aufgaben 8. und 4. Grades. 197 

Wenn man weiters berücksichtigt, daß dieser Kurve das rechtwinklige Dreieck zvo 
eingeschrieben ist und die Tangente in o auf der Hypothenuse zv senkrecht 
steht, so erkennt man, daß sie eine gleichseitige Hyperbel darstellt. Es wird 
mitbin auch die Tangente in s senkrecht zu. ho stehen, woraus weiters folgt, 
daß der der Richtung vs oder oa konjugierte Durchmesser d dieser gleich- 
seitigen Hyperbel parallel zur Tangente in s, d. h. senkrecht zu. ho ist. 

Diese Hyperbel übergeht, da sie den Mittelpunkt o des Kreises C enthält, 
bei der polar-reziproken Transformation in eine Parabel. Der der Hyperbel- 
tangente t in als Pol entsprechende unendlich ferne Punkt U von oa ist 
der unendlich ferne Punkt der Parabel. Da weiters den beiden unendlich 
fernen Punkten der gleichseitigen Hyperbel zwei zu ihnen senkrechte, also 
auch zu einander normale Durchmesser des Kreises polar entsprechen, so folgt, 
daß als der Schnittpunkt zweier zu einander rechtwinkligen Tangenten der 
Parabel ein Punkt ihrer Leitlinie sein muß, daß sich diese mithin als die 
durch normal zur Parabelachsenrichtung gezogene Gerade D^ = t ergibt. 
Berücksichtigt man endlich, daß der unendlich ferne Punkt U und der Durch- 
messer d der gleichseitigen Hyperbel, welcher normal zu oh ist, sich als Pol 
und Polare in Bezug auf dieselbe entsprechen, so müssen sich auch die durch 
Polarreziprozität aus ihnen abgeleiteten Elemente als Pol und Polare in Bezug 
auf die Parabel entsprechen. Dem Punkte U entspricht aber polar-reziprok 
die Leitgerade Di der Parabel, und der Geraden d jener Punkt F^ von oh, 
welcher mit 31 in Bezug auf den Kreis C polar konjugiert ist, d. i. aber in 
Folge der Gleichheit von oM und Mh jener Punkt auf der Verlängerung 
von h, für welchen Fib ^ho ist. Als Pol der Leitlinie D, ist dieser Punkt 
der Brennpunkt der Parabel. 

Da diese Parabel und der Kreis C drei gemeinschaftliche Tangenten 
besitzen, deren Berührungspunkte c, c', c" mit dem Kreise die der Aufgabe 
entsprechenden Winkelteilpunkte sind, so können dieselben mit Zuhilfenahme 
des rechtwinkeligen Dreiecklineales in der Weise gefunden werden, daß man 
die eine Kathete /?, ß\ ß" durch F^ gehen läßt, den Scheitel Ä, S\ S" des 
rechten Winkels auf die in der Mitte zwischen /'', und D, liegende, d. h. 
durch h normal zu oa gelegte Parabelscheiteltangente T verlegt und nebstbei 
dafür sorgt, daß der zweite Schenkel (die zweite Kathete) «, «', «" den Kreis C 
berührt, was in den gesuchten Punkten c, c', c" geschehen wird. 

Wie man bemerkt, ist trotz der verschiedenen Transformationen die 
eigentliche Konstruktion der Aufgabe äußerst einfach, da man bloß den Radius o h 
um sich selbst bis F, zu verlängern und die Gerade T, durch h normal zum 
anderen Radius oa des gegebenen Winkels zu ziehen hat, um auch schon 
das Dreiecklineal in Verwendung bringen zu können. 

Es sei noch bemerkt, daß man durch eine geeignete Wahl eines anderen 
Punktes auf D an Stelle von o die Hyperbel H durch eine passende Ellipse 
des Büschels (C, Hj ersetzen kann, worauf deren Schnittpunkte mit C mittels 
eines Papierstreifens in der früher angegebenen Art zu ermitteln sind. 

Wie aus dieser kurzen Skizze zu ersehen ist, bietet die graphische Be- 
handlung der Aufgaben 3. und 4. Grades keine erheblichen Schwierigkeiten: 



198 Zur graphischen Behandlung' der geom. Aufgal)en 3. und 4. Grades. 

doch bleibt die Einführung eines neuen Konstruktionsbehelfes eine unbedingt not- 
wendige V'oraussetzung dafür. Indessen sind die diesbezüglich heranzuziehenden 
Hilfsmittel verhcältnismäßig sehr einfach und man bemerkt unter anderem, 
daß für den gedachten Zweck ein schon eingebürgertes Zeichnungsgeräte, 
das Rechtwinkellineal, ausreicht, falls es in einer neuen Weise verwendet 
wird. Es soll aber hiermit durchaus nicht behauptet werden, daß die hier 
angegebenen Verfahren die einzigen oder die besten seien ; daß es noch viele 
andere Wege gibt, welche gleichfalls brauchbare, vielleicht sogar zweckmäßigere 
Verfahren liefern können, wird aus nachstehender Erwägung ohne weiters 
folgen. Gerade so, wie vorhin die Bestimmung der gemeinschaftlichen Punkte 
oder Tangenten zweier Kegelschnitte als die Grundaufgabe für die graphische 
Behandlung aller Aufgaben 3. und 4. Grades gewählt wurde, ebenso kann 
man diese Rolle irgend einer anderen Aufgabe 3. oder 4. Grades zuweisen; 
jede weitere derartige Aufgabe auf diese Grundform zurückzuführen, bleibt 
dann Sache der jeweiligen geometrischen Betrachtung und Transformation. 
Wenn man also z. B. ein Instrument erfinden würde, welches geeignet wäre, 
in einfacher Weise die Dreiteilung eines beliebigen Winkels herbeizuführen, 
so könnte im Wege passender geometrischer Transformationen jede beliebige 
Aufgabe 3. Grades auf eine Form gebracht werden, in welcher sie als Winkel- 
dreiteilungsaufgabe erscheint, also mittels jenes Instrumentes ihre Erledigung 
finden könnte. Sollte die vorliegende Schrift Anregung zu Arbeiten in dieser 
Richtung geben, so hat sie ihren Zweck erfüllt. 



(eVj. ' — ■f=>c:kfy=^ » g^ 




Die Imaginärprojektion der Raumkurven vierter Ordnung» 199 

Die Imaginärprojektion der Raumkurven vierter Ordnung. 

^^--^ Von Professor F. J. Obenrauch. 

, ^ringen wir zwei im Eudlieheu verlaufende Flächen zweiten Grades, 
^(i^-' z. B. die beiden konzentrischen, dreiachsigen Ellipsoidc: 

F'i (4- «?, + K + ci) = und Fi (-f ai, -J- hl, -}- c^ = o 
zum Durchschnitt, so erzeugen sie eine Raumkurve vierter Ordnung, erster 
Art, Rl, welche ganz im Endlichen verläuft und in den drei Projektions- 
ebenen die Kegelschnitte 

als Projektionskurven hat. 

I.) Diese Raumkurve El projiziert sich auf die erste, zweite und dritte 
Projektionsebene als Ellipse, wenn zwischen den Halbachsen der sich schnei- 
denden Ellipsoide die Relationen bestehen: 

1.) c^ ^ ^2 , a, Cj ^ a^Ci und b^ Cj ^ Ö2^i> 
2.) b^ 2 &27 ö| ^2 $ <*2^ "iid &, c-i 2 &2C,, 

^•) *l ^ ^2 7 ^l \ ^ ^2 ^^1 ^"^^^ ^l ^2 ^ ^^2 ^1 • 

II.) Die Projektionskegelschnitte C'ly, Cf„ Cy,, der im Endlichen liegenden 
Raumkurve Rl sind aber Hyperbeln, wenn: 

1.) c, ^ C2, a^ c-i g «2 ^1 i^nd &j C2 ^ &2 ^1 > 
2.) &, 2 62 ; «*! ^2 $ »2 &1 und 6, Cj ^ 62 ^l ; 

3.) a, >> «2? ö^i ^2 > ^2 ^1 un^ ^1 ^2 ^ ^2 ^1; 
oder a, <: a.^, «, &2 ^ ^2 ^1 ^^i^ ^i ^2 ^ % Cj. 
Diese Projektionshyperbeln degenerieren in zwei Gerade, wenn: 

1.) a^ C2 = «2 ^1 ö^^^i' ^1 ^2 = '^2^1? 

2.) a, ?;2 = % ^^1 oder h^ c^ = h.^ c^, 

3.) «j &2 ^ «2 ^1 o^^^cr a, C2 = fi-i c, . 
Einen scheinbaren Widersprich haben wir offenbar in dem letzteren 
Falle (II), wo sich die nur im Endlichen verlaufende Raumkurve vierter 
Ordnung Rl als Hyperbel projiziert, da sie aus zwei in's Unendliche sich 
erstreckenden Asten besteht. 

Das Gesetz der Kontinuität geometrischer Konstruktionen bietet uns hier 
in der projektiven Geometrie eine scheinbare Diskontinuität, auf welche schon 
der Begründer dieses mathematischen Wissenszweiges, Poncelet, in seinem 
bahnbrechenden Werke „Traite desproprietesprojectives desfigures, Paris 1822" 
(Art. 60, pag. 33) aufmerksam gemacht hatte und der zur Aufklärung dieser 
Diskontinuität imaginäre Sehnen (cordes ideales) in die projektive Geometrie 
einführte. 

Die im Endlichen verlaufende Kurve R\, eine biquadratische Raumellipse, 
projiziert sich selbstverständlich unter den in II) angeführten Bedingungen 
nicht als eine vollständige Hyperbel, sondern nur als ein Theil oder Bogen 



200 feie Ima^'inäiiiiojekliüii der RaimikurvL'ii vierter Ordnung. 

einer Hyperbel und es ist infolg-e dessen die Frage naheliegend, von weleher 
Ivaunikurve vierter Ordmnig Bl, die offenbar mit der ersten Kurve lil pro- 
jektiviseli verwandt »ein muss, ist der uncndlichlange Bogenrest der Hyperbel 
C'i, oder C;,,, bez. C;,, die erste, oder zweite, bez. die dritte Projektion? 

Zu dieser mit Bl projektivisch verwandten Raundiurve vierter Ordnung 
7^] gclaugeu wir, wenn wir den durch die Gleichungen der beiden EUipsoide 
bestimmten reellen Raum überschreiten und den imaginären Raum betreten. 

Lassen wir in den beiden reellen, dreiachsigen Ellipsoiden F^ und Fi 
die durch die Gleichung 

» b' c- 

und den Umriss der Flächen bestimmten Ordinaten y und ^ ihre Grenzen 

y == ±h, ^ = ±c 
überschreiten, dann werden die Abscissen x imaginär (xi), an Stelle von 
-f X- tritt — x- und die beiden imaginären EUipsoide der ersten Art F] und 
F% sind dargestellt durch die reellen einteiligen Hyperboloide 

Fi = { — al, -{- b'i, -{- cl) = 0, Fi = {- a;,-\- hl, -i-d)^o, 
welche die X-Achse zur imaginären Achse haben und in ihrem Durchschnitt 
die zu Bl projektivisch verwandte Raumkurvc vierter Ordnung jR.' bestimmen, 
deren erste Projektion ein zweiter unendlicher Bogen, der Rest der Hyperbel 
(7y, ist. Dieser zweite ins Unendliche sich erstreckende Bogen der Hyperbel 
Cy,. ist die reelle dritte Projektion der biquadratischen Raumhyperbel Bl und 
zugleich die reelle Projektion des imaginären, orthogonal-symmetrischen Theiles 
der biquadratischen Raumellipse i?J. 

Diese reelle dritte Projektion von Bt kijnnen wir somit mit voller Berech- 
tigung als die Imagiuärprojektion der ersten Raumkurve, der biquadratischen 
Ellipse Bl bezeichnen.^) 

Diese beiden projektivisch zugeordneten Raumkurven vierter Ordnung 
Bl und Bt haben in der dritten Projektionsebene zwei verschiedene Bogen 
desselben Kegelschnittes 

C't, ^ c'i cl (a'i — a'a) y' -\- h'l bl (a'f — a!) 2- — (al hl — ä] b\) (dl cl — äl c,) = o 
zur Imaginärprojektion. Dieser Kegelschnitt ist entsprechend den Relationen I.) 
eine Ellipse und entsprechend den Relationen H.) eine Hyperbel. Die ersten 
und zweiten Projektionen C;', und C;', dieser beiden durch Imaginärprojektion 
verwandten Raumkurven Bl und Bl sind achsengleiche Hyperbeln und Ellipsen 
C'xy ^ =F &i &2 (Ci — cl) x"^ 4- al al (cl — c^ y""- -{- (dl cl — a] c'i) {h'i cl — b^l c'i) = o, 
Cl^ ^ dt c[ Ca (JA. — &a) ^" H- «1 fA (hl — h'i) z- -\- (dl h'l — dl b'\) (dl c'i — b'l c'i) = o, 
deren reellen Achsen den reellen Achsen und deren imaginären Achsen bei 
den Hyperl)eln den imaginären Achsen der einteiligen Hyperboloide ent- 
sprechen. Ist 

a, > «2, 6, ::> h.^, Cy <: c.^ 

dann besteht die biquadratische Raumellipse Bl aus zwei getrennten, elliptischen 



'j S. : Dr. Chr. Wiener, Konjugierte Flächen zweiten Grades und die Irnaginärpro- 
jektion im Räume. Lehrbuch der darstellenden Geometrie. II. Bd. S. 89. Leipzig 1887. 



Die Imairinarprojektion der Rauinkurveii viertor Ordnung. 201 

Ovalen, deren ersten und zweiten Projektionen zwei Ellipsen sind nnd deren 
dritte Projektion zwei Boi;'en einer Hyperbel sind; ihre inia<;inäre Achse 
liei;-t in der T- Achse. 

Alle drei Projektionskurven der zweiten Rl zugeordneten, bicpiadratischen 
Rauuiliyperbel 7?^ sind Hyperbeln, deren imaginären Achsen in der ersten 
und zweiten Projektion in der X-Achse liegen und deren imaginäre Achse 
in der dritten Projektion in der F-Achse liegt. 

Ein zweites Paar durch Imaginärprojektion verwandter Raumkurven 
vierter Ordnung i?] und El erhalten wir, wenn wir die reellen, dreiachsigen 
Ellipsoide Fl und Fl mit den einteiligen Hyperboloiden, F'l und Fl, welche 
die imaginären Ellipsoide erster Art darstellen paarweise zum Schnitt bringen. 

Diese beiden Raundcurven haben in der drittoi Projektionsebene ver- 
schiedene Bogen des Kegelschnittes der Ellipse 

Cy, ^ ci cl (dl hl -\- o^i J}\) ;/• -f- ^i ^^ i'A cl -j- ä] r\) z^ — Ir, M cl r] {d; -^ aX) ^= o 
zur Imaginärprojektion. 

Die ersten und zweiten Projektionen C^y und Cj;,. dieser beiden durch 
Imaginärprojektiou zugeordneten Raumkurven Rl und R\ sind wieder achsen- 
gleiche Ellipsen und Hyperbeln, deren imaginären Achsen in den imaginären 
Achsen der einteiligen Hyperboloide liegen. 

Die drei durch den Schnitt der einteiligen Hyperboloide F; und Fl 
und ihren paarweisen Schnitt mit den dreiachsigen Ellipsoiden F'l und F?, 
erzeugten Raumkurven vierter Ordnung Rt, i?', Rl bilden mit Rl ein Quadrupel 
von Raumkurven, welche paarweise 

El, m und m, R\ 
infolge des Imaginärwerdens der Abscissen x in den Grundflächen Fl, Fl 
des Flächensystemes in der dritten Projektionsebene zwei Kegelschnitte zur 
Imagiuärprojektion haben. Diese vier projektivisch zugeordneten Raumkurven 
haben auf den drei Projektionsebenen nicht zwölf, sondern nur zehn Kegel- 
schnitte als Projektionskurven. Die fehlenden zwei Kegelschnitte sind nur zwei 
verschiedene Bogen von den beiden Kegelschnitten der Imaginärprojektion. 

Ein zweites Quadrupel von durch Imagiuärprojektion paarweise ver- 
wandten Raumkurven vierter Onlnung R\ ,R!„ Rt„ Rl erhalten wir, wenn wir 
in di-w beiden Grundflächen, den dreiachsigen Ellipsoiden Fl, F% welche auch 
die zweite Projektionsebene zur Ebene orthogonaler Symmetrie besitzen, die 
Ordinaten y imaginär werden lassen. 

Die imaginären Ellipsoide erster Art, dargestellt durch die einteiligen 
Hyperboloide 

Fl ( f (A, — K ^- cl) = 0, Fl ( -I- a], — m, -\- ci) = o, 
welche die Y-Achse zur imaginären Achse haben, bestimmen in ihrem Durch- 
schnitt die mit R[ projektivisch verwandte Raumkurve vierter Ordnung Rl, 
mit welcher sie in der zweiten Projektionsebene den Kegelschnitt 

C;'^ ^= cl cl (hl — hl) x' -|- dl dl (hl — Jk) z' -\- {dl hl — dl hl) {hl cl — hl cl) ^= o 
zur Imaginärprojektion hat. 

Die beiden einteiligen Hyperlxdoide Fl und Fl bestimmen in ihrem 
paarweisen Schnitt mit den dreiachsigen Ellipsoiden F'^ und Fl weitere zwei 



9Q2 Die Imaginärprojekfion dei Raunikurven vierler Ordnung. 

(Inrch Tmaginärprojcktion verwandte Raumkurveu vierter Ordnung i?i und R', 
welclie in der zweiten Projektionsebene verschiedene Bogen der Ellipse 

Cl = ci cl (ai hl + al b\) x- -f er, al (bl d -f ■ bl ci) z" — »i d, cj d {b\ -|- 6^) = o 
zur Iniaginärprojektion haben. 

Die Projektionskurven der Raumkurvenpaare It\, R-, und R!,, R\ auf der 
ersten und dritten Projektionsebene sind wieder achsengleiche Ellipsen und 
Hyperbeln. 

Lassen wir die zur dritten Ebene orthogonaler Symmetrie der Raum- 
kurve R\ normalen Ordinaten z imaginär werden, so übergehen die Grund- 
flächen F\ und Fl in imaginäre Ellipsoide der ersten Art, welche durch die 
reellen und einteiligen Hyperboloide 

F'l = (+ ä\, + b\, — c\) = 0, F; = (-|- cä, + bl, — c^ = o 
dargestellt werden. Diese schneiden sich in einer mit R\ durch Imaginär- 
projektion verwandten achten Raumkurve vierter Ordnung i?', welche mit R\ 
in der ersten Projektion verschiedene Bogen des Kegelschnittes 
et, ^ b'l bl (ci — d) a:- -\- d\ er, {c\ — d) y^ + («i c' — ä] c\) {b\ d — bl c') = o 
zur Imaginärprojektion hat. 

Die zweiten und dritten Projektionen Cl.^ und C;,, dieser beiden zuge- 
ordneten Raumkurven R\ und Rl sind wieder achsengleiche Ellipsen und 
Hyperbeln, deren reellen Achsen in den Achsen der einteiligen Hyperboloide 
liegen. 

Das zweite durch Imaginärprojektion verwandte Raumkurvenpaar Rl 
und R\n entsteht aus dem paarweisen Schnitt der reellen Ellipsoide Fl und Fl mit 
den imaginären Ellipsoiden, dargestellt durch die einteiligen Hyperboloide 
Fl und F'i. Auch diese beiden Raumkurven haben infolge des Imaginärwerdens 
der Ordinate z in der ersten Projektionsebene verschiedene Bogen der Ellipse 
Gl, ^ b\ b\ (ai c| -|- a\ cl) x"^ + al al (bl cl -|- bl cl) f- — d\ al bl bl (cl -}- d) = o 
zur Imaginärprojektion. Die zweiten und dritten Projektionen Cl^ und C% von 
Rl und R\^ sind wieder achsengleiche Ellipsen und Hyperbeln. 

Das durch die beiden dreifach orthogonalsymmetrischen Ellipsoide 
Fl und Fl bestimmte System von Raumkurven vierter Ordnung erster Art 
besteht somit aus den zehn Raumkurven 

R\, El, El, Rl, R'„ R!,, R\, Rl, Rl, Rl, 
welche paarweise je zwei Kegelschnitte in den drei Projektionsebenen als 
Kurven der Imaginärprojektiou besitzen. Diese zehn paarweise projektivisch 
verwandten Raumkurven, welche die Imaginärprojektion in die drei Quadrupel 

R\ Rl Rl Rl, R\ Rl Rl Rl , R\ Rl Rl R\„ 
vereinigt hat, haben auf den drei Projektionsebenen nicht dreißig, sondern 
nur vierundzwanzig verschiedene Kegelschnitte als Projektionskurven. 

Sechs Kegelschnitte der Imaginärprojektion bilden mit zwölf verschiedenen 
Bogen die zwölf Projektionskurven der sechs durch Imaginärprojektion ver- 
wandten Raumkurvenpaare, deren Projektionskurven in den beiden anderen 
Projektionsebenen achsengleiche Ellipsen und Hyperbeln sind. 

Sind die beiden sich schneidenden Grundflächen F'i und F'^ excentrisch, 
so haben sie entweder zwei oder nur eine Ebene orthogonaler Symmetrie. 



Die Imaginärprojektion der Raumkurven vierter Ordnung. 203 

Bei zwei Ebenen ortho2:onalei- Symmetrie reduziert sicli die Zahl der 
diircli Imagiuärprojektion paarweise verwandten Raumkurven vierter Ordnung 
auf sieben Rannikurven El — R\, welche mit Il\ zwei Quadrupel 

li\, Ht, 7^3j Hl — -ßi? -ß^j Elf Rl 
bilden. Hat die Gruudkurve li\ nur eine Ebene orthogonaler Symmetrie, dann 
enthält das durch sie bestimmte Kurvensystem nur die vier Raumkurven 1{[ — Itt 
des ersten Quadrupels. 

Bringen wir z. B. den geraden Kreiscylinder 
F'i ^ x"^ — hx -\- y'^ = 
mit der geraden Kreiskegelfläche 

Fl = a'- {if- 4- ^2) — (&2 — a^) x''- = o 
zum Durchschnitt, so erhalten wir eine tetraedral-symmetrische Raumkurve 
vierter Ordnung jR,, welche der berühmte Pythagoräer, Arcliytas von Tarent, 
schon im vierten Jahrhundert (etva 3(30) vor Chr. benützte, um das Delische 
Problem stereometrisch zu lösen.') 

Diese cylindrische Sattclcurve (Cykloimber oder Ellipsimber) ist vom 
Geschlechte Null, sie hat einen reellen, isolierten Doppelpunkt, vier reelle 
und zwölf imaginäre Wendeberührungspunkte und zwei orthogonale Symmetrie- 
ebenen. 

Diese Raumkurve B[ projiciert sich in der ersten Projektionsebene als 
Kreisbogen 

Cly ^ x' — hx -\- y'^ =^ 0, 
die zweite Projektion 

Cl = h'^ x"^ — a'' hx — a^ z"" = 
ist ein endlicher Hyperbelbogen und die dritte Projektion 

C;., = (6^ y' H- «2 ^2) 2 _. ^2 Jjl (J2 _ ^2) (y2 ^ ^2) ^ g 

ist eine biquadratische Ellipse mit einem reellen, isolierten Doppelpunkt im 
Centrum und zwei imaginären Doppelpunkten im Unendlichen; sie hat vier 
reelle Wendepunkte und eben so viele Doppeltangenten. 

Der rationalen, biquadratischen Raumellipse R\ des Archytas sind durch 
Imaginärprojektion zwei biquadratische Raumhyperbeln El und i?» projektivisch 
zugeordnet. 

Die erste dieser zugeordneten Raumkurven E^ erhalten wir, wenn wir 
in den Grundflächen die Ordinaten y imaginär werden lassen und den 
imaginären Cylinder, dargestellt durch den reellen hyperbolischen Cylinder 

Fa ^ x"^ — bx — y"^ = 
mit der imaginären Kreiskegelfläche, dargestellt durch die reelle hyperbolische 

Kegelfläche 

F! = a^ {f - y-) - (b^- — a^) x^ = o 

zum Durchschnitt bringen. 



') Siehe: F. J. Ob enr auch, Geschichte der darstellenden und projektiven Geometrie. 
Seile 20. Brunn 1897. 



204 Die Iinajrinärprojeküon der Rauinkurveii vierler Ordnung. 

Die der biqiiadratischen Rauniellipse Jtl projcktivisch zugeordnete Raum- 
liyperbel Jit hat iu der zweiten Projektionsebene einen unendlichen Bogen 
derselben Hyperbel 

Cl^ ^ &^ x'^ — a^ h X — aP- z^- =^ o 
zur Iniaginärprojektion. 

Der Ellipsimber Ti\ des Archytas hat einen endlichen, elliptischen Verlauf, 
sein projcktivisch zugeordneter Hyperboloidimber 7?.] erstreckt sich mit vier 
liy])crb()lisclien Asten ins Unendliche und hat zwei Asymptotenebenen. 

Seine erste Projection 

Cfv E^ a?" — hx — y- = 
ist eine Hyperbel zweiten Grades und seine dritte Projection ist die biqua- 
dratische Hyperbel 

C;, ^ {a- z- — ¥ y- )- ~ a'^h"- { Ir — d' ) (z' — y"- ) = o, 
deren Gleichung aus jener der dritten Projektionskurve von Rl hervorgeht, wenn 
wir in dieser die Ordinaten y imaginär werden lassen. 

Die zweite der Raumkurve des Archytas R\ durch Imaginärprojektion 
zugeordnete Raumkurve R^ erhalten wir, wenn wir in den beiden Grundflächen 
J''i und F'i die Ordinaten z imaginär werden lassen und den reellen, geraden 
Kreiscylinder Ff, identisch mit dem imaginären Kreiscyliuder Fl, mit der 
imaginären Kreiskegelfläche, dargestellt durch die hyperbolische Kegelfläche 

Fl ^ a^ [y- — s^ ) — {Ir — ä' ) x- =^ o, 
zum Durchschnitt bringen. 

Diese beiden zugeordneten Raumkurven R[ und Rl haben infolge des 
Imaginärwerdens der Ordinaten z in den beiden Grundflächen Ff und Fl 
zwei verschiedene Bogen des Basiskreises 

Cfy ^ X' — h X -{- y' = 
vom Cylinder Ff zum Kegelschnitt der Imaginärprojektion. 

Die vierte und fünfte Raumkurve Rl und R', welche einen Kegel- 
schnitt 0^,. in der zweiten Projektionsebene zur Imaginärprojektion haben, 
erhalten wir aus dem paarweisen Durchschnitt des geraden Kreiscylinders Ff 
und des geraden Kreiskegels F| mit dem hyperbolischen Kegel Ff und dem 
hyperbolischen Cylinder F|. 

Da der reelle gerade Kreiscylinder Ff infolge des Imaginärwerdens 
der Ordinaten z gleichzeitig den imaginären Kreiscylinder Ff darstellt, so 
ist die sechste Raumkurve 7^; dieses Kurvensystemes identisch mit Rl und 
die siebente Raumkui-ve Rt identisch mit Rl 

Ein System von vierzig Raumkurven vierter Ordnung, w^elche durch 
Imaginärprojektion verwandte Dupel, Tripel und Quadrupel von Kurven bilden, 
some achtundvierzig auf excentrischen Ellipsoiden und Hyperboloiden, auf 
elliptischen und hypcrl.iolischen Paraboloiden, ferner die auf Kegel- und Cy- 
lijulerflächen liegenden, orthogonalsymmetrischen Raumkurven vierter Ordnung 
erster Art, bilden den Gegenstand einer vom Herrn llofrath Victor von Lang 
am 20. Februar 1902 der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien 
vorgelegten Abhandlung des Verfassers. 




Beitrag zur Baugeschichte Bosnion< und der Herzegowina. 205 

Beitrag zur Baugeschichte Bosniens und der Herzegowina. 

Von Oberbaurat und dipl. Ingenieur Johann Kellner. 

Ä) Römische P c r i o d e. 

^i^Jler Sieg der Ri'mier im Jahre 78 v. Ohr. üher den Dahiiatcnbimd der 
^^^ illyriseheu Völkerschaften, welche von den eini;evvandcrten Kelten nach 
Süden nnd Südwesten des Landes gedrängt wnrden, hatte die Unterwerfung 
Bosniens und der Herzegowina unter die römische Weltherrschaft zur Folge. 
Dieses Ereignis war für die bauliche Entwicklung dieser Länder von der 
größten Bedeutung. 

Wo immer im Lande bisher gründlichere Untersuch mgen gepflogen, 
größere Terrainveränderungen vorgenommen wurden, trift't man auf Zeugen 
einer ganz bedeutenden römischen Kultur und auf Baureste, von welchen 
eine ganze Reihe hervorragenden architektonischen Schöpfungen angehören. 
Derlei Baureste sind längs der zahlreichen römischen Straßen, von welchen 
das Land im Anschlüsse an die dalmatinischen Städte Tragurium (Trau), 
Salonae (nächst Spalato), Narona (Vid bei Metkovic) und Epidaurum (Ragusa 
vecchia), dann im Anschlüsse an die pannonischen Städte Servitium (Alt- 
Gradiska), Marsonia (Brod), Sirmium (Mitrovic) etc. durchzogen war und 
welche durch Reste des Unterbaues, durch Spnrrillen, durch an Ort und 
Stelle verbliebene Meilensteine etc. in ansehnlicher Ausdehnung ganz un- 
zweifelhaft nachgewiesen erscheinen, oft in solcher Menge aufgeschlossen 
worden, daß manche der bestandenen Kolonien, wie z. B. jene an Stelle des 
heutigen Schwefelbades Ilidze bei Sarajevo, jene in Domavia (Gradina 
bei Srebrenica), wo die Römer einen intensiven Bergbau betrieben haben, in 
Bistua bei Zenica (ob Alt- oder Neu-Bistua ist noch unentschieden), eine 
große Ausdehnung gehabt haben muß. Die römischen Bauwerke, welche 
bisher an mehr als 300 Lokalitäten des Landes konstatiert worden sind, 
müssen zum großen Teile auch nach dem Zusammenbruche der römischen 
Weltherrschaft durch längere Zeit, vermutlich bis über die Völkerwanderung, 
weiter bestanden haben, da dieselben in der Volkstradition noch jetzt fort- 
leben, indem die Orte größerer römischer Bauwerke zumeist mit Crkvina, 
Crkviste und Crkvenica (Crkva-Kirche) bezeichnet werden. Hiebei hat die 
nunmehrige Bevölkerung des Landes offenbar angenommen, daß die größeren 
römischen Bauw^erke kirchlichen Zwecken gedient haben und die vorhandenen 
Baureste Kirchenruinen sind, was in manchen Fällen allerdings auch zutrifft. 

Nur wenige römische Bauwerke, vorwiegend Brücken, sind noch jetzt 
vollständig erhalten; zumeist wurden römische Baureste zur Auft'ührung 
jüngerer Bauwerke in Anspruch genommen, ein Vorgang, den übrigens die 
Römer hinsichtlich der vorgefundenen illyrisch-keltischeu Wallbauten selbst 
auch geübt haben. In letzteren Fällen wurden, wie beispielsweise in Posusje 
bei Ljubuski und Majdan bei Jajce, auf dem Wallbau Mörtclmauern mit 
Türmen erbaut und innerhalb des Walles Wohngebäude errichtet. 



9Qg Beitrag zur Baugescliichte Bosniens und der Herzegowina. 

Von den vielen römischen Befestigungen zum Schutze der Kolonien 
und Munizipien, sowie zur Sicherung des Verkehres ist außer dem Castrum 
bei Doboj und bei S trüge, insbesonders jene in Osanic bei Stolac zu 
erwähnen. Hier sind nebst zwei quadratischen Türmen und einem Rundturme 
gewaltige Quadermauern verblieben, welche aus einzelnen bossierten Stücken 
von bis 2 m Länge, 1-2 m Breite und 90 cm Höhe, ohne Mörtelverwendung 
errichtet, einen entschieden altetruskischeu Charakter besitzen. Innerhalb 
der römischen Befestigungen werden öfters Reste von künstlerisch hervorragenden 
Bauwerken vorgefunden, so in Gradac bei Posusje in der Herzegowina, 
wo Bruchstücke gut gearbeiteter Steingesimse, Reliefköpfe und sonstiger 
bildnerischer Schmuck, als: Delphine, Greife, Arabesken vorhanden waren 
und Stein von der Insel Curzola für den architektonischen Schmuck zur Ver- 
wendung gelangt ist. 

Bei jenen Bauresten, welche ursprünglich nicht Befestigungen waren 
und in den meisten Fällen nur in den Substruktionen erhalten blieben, läßt 
sich naturgemäß die ehemalige Bestimmung des römischen Gebäudes nur 
selten sicher feststellen. Am leichtesten ist dies noch bei öffentlichen Gebäuden 
(Bädern etc.) möglich geworden. 

Die bedeutendste bis jetzt bloßgelegte Badeanlage ist jene in 
Domavia, welche eine verbaute Fläche von rund 2100 m- besitzt, somit die 
kleineren Badeanlagen in Pompeji nahezu erreicht, und welche die sonst bei 
römischen Badeanlagen üblichen Ubikationen enthält. In der genannten 
Kolonie wurde überdies eine Curia aus einem rund 31 m langen und 
12 m breiten Saale mit Vorhalle, runder Apsis und rechteckigen Anbauten 
bestehend, bloßgelegt. Die innerhalb des Bades und der Curia oder in nächster 
Nähe dieser Gebäude aufgefundenen Architekturstücke, als : Attisierende Basis, 
Kapitale mit Anlehnung au jonische und korinthische Formen, Säulenschäie, 
ferner die Bruchstücke plastischen Schmuckes aus Stein und Bronze, die 
Überreste großer Mosaikböden mit reichen geometrischen Bordüren und leider 
zerstörtem, vermutlich figuralem Mittelbilde, beweisen den Bestand architek- 
tooisch bedeutender Bauwerke in Domavia und gilt das Gesagte ebenso für 
die römischen Badeanlagen in Stolac und besonders in der Kolonie Ilidze. 
Auch hier wurden ausgedehnte Substruktionen von Baulichkeiten zu Bade- 
und Wohnzwecken bloßgelegt und innerhalb, sowie unweit derselben zahlreiche 
Einzclnfunde gemacht. Angesichts dieser Funde : Glatte und kauellierte Säulen- 
stücke, korinthische Kapitale griechisch-römischer Richtung von guter Form- 
gebung, Wandplatten aus Glas und geschliffenem Marmor, Wandbewurf mit 
reicher pompejanischer Malerei, Mosaikböden mit reichen geometrischen 
Bordüren, welche bildliche Darstellungen mythologischer Köpfe, von Masken, 
Fischen, Vilgeln, Seepferdchen etc. einsäumen, zierliche Schmuckgegenstände, 
Löwenklauen und Menschenbüsten aus Bronzeguß u. dgl., muß auch den in 
IlidXe bestandenen römischen Bauwerken ein namhafter künstlerischer Wert 
beigemessen werden. 

Die römischen Baureste in Mukoshan bei Mostar mit skulpierten 
Friesen, Säulenschäften, korinthischen Kapitalen etc. dürften einem Tempel 



Beitrag zur Baugeschichte Bosniens und der Herzegowina. 207 

angehören, während in nächster Nähe des Bahnhofes K o n j i c a die Überreste 
eines rechteckigen Mithrastcnipels samt dem einerseits mit dem Stieropfer, 
andererseits mit dem Opfermahlc in Relief geschmückten Kultbilde, in Lijesce 
bei Skelani ein Tempel des Jupiter, der Juno und Minerva bloßgelegt wurden 
und in Bistua (Zeuica) ein Tempel der Göttin der Stadt Rom und Altäre 
des Jupiter optimus maximus bestanden haben. Weiters wurden in Skelani 
an der Drina eine Basilika, die nach den Bauresten zu schließen, ein statt- 
licher, säulengeschmückter Bau gewesen sein muß, in Bistua eine Basilika 
mit zwei gleich großen, durch eine Scheidewand getrennten Räumen mit je 
einer runden Apsis und gemeinsamer Vorhalle aufgeschlossen. 

Daß auch die römischen Wohngebäude in vielen Fällen bedeutender 
künstlerischer Ausschmückung nicht entbehrt haben, ist nach dem Obgesagten 
eigentlich selbstverständlich und möge als Beispiel das in nächster Nähe von 
Stola c, welche Stadt samt Burg durchaus auf ehemals römischen Bauten 
ruht und bei deren Erbauung teilweise römische Baumaterialien verwendet 
wurden, bloßgelegte Wohnhaus mit seinen reizenden Mosaikresten erwähnt 
sein. Schließlich sind auch die zahlreich vorhandenen römischen Grabdenkmale 
zu erwähnen, obgleich gerade bei diesen, wie überhaupt bei den Architektur- 
fragmeuten der spätrömischeu Zeit, zumeist eine flüchtige und handwerks- 
mäßige Ausarbeitung überwiegt. Eine Ausnahme hievon macht das Grabdenkmal 
bei der Sarici-Plivabrücke nächst Jajce, welches in Form der Stirnseite 
eines Tempels gebildet, durch Gesimse mit Akanthuszier abgeschlossen und 
mit Medaillonbildern im Tympanon geschmückt, jedenfalls zu den besten 
Leistungen dieser Gattung gehört. 

B) Frühchristliche Periode. 

Obgleich von Salona aus sich das Christentum in Bosnien und der 
Herzegowina frühzeitig ausgebreitet hat, scheint die frühchristliche Bauperiode 
dennoch einer selbständigen Ausbildung entbehrt und sich gänzlich an die 
spätrömischen Bautraditionen angelehnt zu haben. Trotz mehrerer Bistümer, 
von . welchen die in den Jahren 530 und 532 in Salona abgehaltenen Pro- 
vinzialsynoden Bistua (Zenica), Matrix, Sarnacle, Ludrum (Livno?) 
und Sarsite ro (Goranci nördlich vom mostarsko blato?) nennen, sind 
bisher vorwiegend nur derartig frühchristliche Baureste bekannt geworden, 
welche durch Umbau ursprünglich römischer Bauwerke, besonders der Basiliken, 
entstanden sind. Namentlich ist, trotzdem Bosnien und die Herzegowina 
nach Einwanderung der Slaven im 6. Jahrhunderte unter byzantinische 
Herrschaft fiel und der aus dem antik korinthischen Stile entstandene 
byzantinische Stil vom 6. Jahrhunderte an selbst in Italien maßgebend 
wurde, ein diesem Einfluße untergeordnet gewesenes Bauwerk nicht erhalten 
geblieben und lassen lediglich diverse, z. B. in Zenica vorgefundene Relief- 
fragmente keinen Zweifel, daß dieser Einfluß tatsächlich vorhanden war. 

Wie römische Bauwerke dem christlichen Zwecke nutzbar gemacht 
wurden, ist vor Allem an der oberwähnten Basilika von Zenica, zu deren 
Erbauung übri":ens auch römische Grabsteine aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. 



20,S Beitrag zur Bauj^escliiclile Bosniens und der Herzegowina. 

verwendet wurden, dann bei der frühchristlichen Kirche in Varosluk nächst 
Travnik, nachweisbar. 

Zahh-eichc als frühchristliche Kirchen vermutete Gebäudereste, durchwegs 
einschiffige Anlagen, befinden sich im Bihacer Kreise, so in Golubic, wo 
eine Ära des Mithras mit auf den Mithraskultus bezughabendem Relief bis 
zum Jahre 1882 als Altarplatte für den daselbst zeitweilig abgehaltenen 
katholischen Gottesdienst benützt worden ist. 

Erwähuensw^ert wäre ferner die Ruine der frühchristlichen Kapelle nächst 
Vitina bei Ljubuski mit einer Ambone in Form eines Steinwürfels. 

Die so spärlichen, vorwiegend nur in den Fundamenten und in einzelnen, 
zumeist unbedeutenden und gebrochenen Arcliitekturstücken erhaltenen Reste 
der frühchristlichen Bauperiode sind wohl der sprechendste Beweis des 
allmähligen Verfalles Bosniens und der Herzegowina gegen das Mittelalter 
und das Resultat der Erschütterungen und Umwälzungen, welchen diese 
Länder seither unterworfen waren. 

CJ Das Mittelalter. 

Die Völkerwanderung, der Einfall der Avaren im Jahre 598, welchem 
40 feste Orte zum Opfer fielen, die Auflösung des Landes in einzelne Zupen 
gegen das 10. Jahrhundert, die wechselnde Zugehörigkeit einzelner Teile und 
ganzer Gebiete Bosniens und der Herzegowina bald zu Kroatien, bald zu 
Serbien oder Byzanz, der Einfluß Ungarns im 11. und 12. Jahrhunderte auf 
die Geschichte dieser Länder, der Einfall der Tartaren im Jahre 1242 waren 
naturgemäß von steten kriegerischen Ereignissen, die bald die Unterwerfung 
unter fremde Herrschaft, bald die Selbständigkeit unter eigenen Bauen zur 
Folge hatten, begleitet und mußte die vollständige Zerstörung vorhanden 
gewesener Baudenkmale, die Verschleppung der Kunstgegenstände und t'.ie 
Behinderung der Entstehung neuer, größerer und besserer Bauwerke, aus- 
genommen etwa jener zu Schutz und Trutz — der Burgen — die unaus- 
bleibliche Folge dieser Ereignisse sein. 

Die mit den erwähnten Ereignissen verbundenen Umw^älzungen waren 
so tiefgehender Natur, daß selbst die errichteten Bistümer verschwanden und 
es somit an kirchlichen Zentralpunkten im Lande fehlte, in deren Dienst die 
Künste hätten gestellt werden können. 

An Stelle der bosnischen Bistümer sind mit wechselndem Einflüsse auf 
Bosnien und die Herzegowina die Erzbistümer Dioclea-Antivari, Ragusa, Spalato 
und Kalocza getreten. Die große Entfernung dieser Bischofssitze von Bosnien, 
die Rivalitätsstreitigkeiten der Erzbistümer Ragusa und Spalato konnten keines- 
falls fördernd auf die kirchliche Baukunst des Mittelalters wirken, während 
andererseits die inneren Wirren das einzige inländische Bistum jener Zeit, 
welches inKresevo vermutet wird, und die im Lande im 11. Jahrhunderte 
bestandenen Klöster des lateinischen und griechischen Ritus fast bis zur 
Bedeutungslosigkeit herabgedrückt haben. 

Nichtsdestoweniger und trotz dieser höchst ungünstigen Verhältnisse 
hätte Bosnien gewiß, wie Italien und die Länder Mittel-Europas, eine Blüte- 



Beitrag zur Baiigeschichte Bosniens und der Herzegowina. 209 

zeit mittelalterlicher Baukunst erlebt, weim die Verbreitung der Glaubenslehre 
des sozialistiselieu Reformators Bogomil^ welche im 12. Jahrhunderte in 
der Herzegowina und im 13. Jahrhunderte in Bosnien gerade unter der 
besitzenden Klasse weitgehenden Eingang gefunden hat, nicht die Ursache 
neuerlicher, Jahrhunderte andauernder innerer Kämpfe und einer grenzenlosen 
Verwirrung in Glaubenssacheu geworden und wenn diese Religion durch ihre 
Satzungen einer Kunsteutwicklung nicht geradezu hinderlich gewesen wäre. 
Die Abhaltung des Gottesdienstes im Freien an abgesonderten Orten, statt 
in Kirchen, welche als Wohustätten böser Geister betrachtet wurden, die 
Abschätzung des Kreuzzeichens, der Taufe, der Kommunion, der Ehe und der 
Heiligenbilder, die Perhorreszierung des Reichtums waren nicht geeignet, den 
Kunstsinn zu fördern, während andererseits der wiederholte Glaubenswechscl, 
besonders bei dem vermögenden Teile der Bevölkerung, in Angelegenheiten 
der Kunst zum vollen Indifferentismus führen mußte. Hierzu kommt noch, 
daß der griechische Ritus den plastischen Bilderschmuck nicht kennt, daß 
jeder gegen die Bogomilen (Patarener), deren Religion gegen die Mitte des 
15. Jahrhuudertes sogar den Charakter der Staatsreligion angenommen hat, 
unternommene Kreuzzug die Zerstörung vorhandener Bauwerke und Kunst- 
reste zur Folge hatte. 

Durch diese ungünstigen Umstände wurde, trotz des steten Kontaktes, 
welchen Bosnien und die Herzegowina das ganze Mittelalter hindurch mit 
den künstlerisch zu so hervorragender Blüte gelangten Republiken Venedig 
und Ragusa, dann mit dem übrigen Italien hatten, die entwicklungsfähige 
Basis für die mittelalterliche Baukunst auf ein Minimum reduziert, welches 
nur bescheidene Früchte zeitigen konnte, die seither zumeist vollkommen 
verschwunden sind. 

Von der durch Ban Ninoslav im Jahre 1233, als Dominikaner 
von Rom hierher entsendet wurden, um die Glaubenseinheit wieder herzustellen 
und als die bosnischen Bischöfe außer Landes, in Djakovar, ihren Sitz hatten 
in der Zupa Vrhbosna, im Orte Brdo bei Blazuj erbauten neuen katliolischen 
Kathedralkirche mit einem dem heil. Petrus geweihten Kapitel, fehlt jede 
Spur und selbst der Ort ihres ehemaligen Bestandes ist noch nicht sicher- 
gestellt. Die baulichen Schöpfungen der Franziskaner, welche seit dem 
Jahre 1291 die Dominikaner ersetzt haben und welche im Lande nach und 
nach festen Fuß faßten, und mit kurzen Unterbrechungen sich stets und unter 
den schwierigsten Verhältnissen zu behaupten gewußt haben, sind gleichfalls 
nahezu gänzlich verschwunden. Dem Einfalle der Osmanen im Jahre 1435—36, 
zur Zeit der Regierung des bosnischen Königs Stephan Tvrtko II. Tvrtkovic 
sind allein 16 Klöster und Kirchen zum Opfer gefallen und so wird es 
erklärlich, daß von den mittelalterlichen Kirchen- und Klosterbauten der 
Franziskaner in Suceska, welches früher Sitz eines Bischofes war, von den 
Bauwerken in Pazarisce bei Fojnica, in Kresevo etc. fast kein Stein 
übrig geblieben ist, und daß auch von vielen anderen Bauwerken, wie von 
der durch Bau Kotromanic im 14. Jahrhunderte nächst Suceska erbauten 
St. Georgskirche, von der durch König Stephan Thomas in Vranduk 

14 



210 Beilrag zur Baugeschichle Bosniens und der Herzegowina. 

erbauten St. Thomaskirche, der von der Königin Katharina in Vrili er- 
richteten heil. Dreifaltigkeitskirche etc. entweder gar keine oder nur spärliche 
Mauerreste, und von der gotischen Kirche von Gradac in Brotnjopolje 
nur mächtige Quadern verblieben sind. 

Infolgedessen ist auch über den Stil der erwähnten Bauten wenig 
Positives bekannt und nur dem zufälligen Zusammentreffen einiger glücklicher 
Umstände ist die Möglichkeit des Nachweises zu danken, daß selbst in jenen 
schwierigen Zeiten nicht jeder Sinn für künstlerische Gestaltung und Aus- 
schmückung der Gotteshäuser abhanden gekommen ist. 

Als Beweis des Gesagten kann vor Allem die vor einigen Jahren auf 
der Gradina nächst Dabravina bloßgelegte katholische Kapelle, welche in 
den Fundamenten und zum geringen Teile im Seiteugemäuer erhalten blieb, 
angeführt werden. Ein frühromanischer, augenscheinlich zur bestandenen 
mittelalterlichen Gradinaburg gehöriger Bau, zeigt diese Kapelle eine drei- 
schilfige Anlage. 

Eine gemeinsame Halle (Narthex), welche stirnseitig Steiubänke enthielt, 
ist den drei Schilfen vorgelegt. Als Abschluß des Presbyteriums gegen das 
Mittelschitf diente ein reichgegliederter Schrank, von welchem eine große 
Anzahl Teilstücke vorgefunden wurden. 

Zweifellos bestand hier eine architektonisch gut durchgebildete und 
künstlerisch geschmückte mittelalterliche Kapelle und gewinnt dieselbe noch 
dadurch an Bedeutung, daß im Bauschuttc das Basrelief einer mensch- 
lichen Figur und ein Inschriftstein, beide aus Marmor im Gegensatze zu den 
mittelalterlichen, aus Kalktoumergel bestehenden Architekturstücken bestehend 
und der römischen Periode angehörig, vorgefunden wurden. 

Auch die mittelalterliche Kirche auf dem Crkviuahügel in mali Mosnnj 
im Lasvatale scheint im romanischen Stile erbaut gewesen zu sein. Das 
Gleiche gilt von den Überresten der Kirche des heil. Evangelisten Lukas 
in Jajce, von welcher ein viereckiger, augenscheinlich unter italienischem 
Einflüsse entstandener Turm, der im Uutergeschoße auf jeder Seite ein 
schmales Fenster, in den drei oberen Etagen dreifach gekuppelte Rundbogen- 
fenster mit einfacher, frühmittelalterlicher Prolilierung besitzt, noch besteht. 
Die zahlreichen Kirchen ru inen des Bihac'er Kreises, zumeist nur 
im Fundamentmauerwerke erhalten, können mit großer Wahrscheinlichkeit 
als mittelalterlich bezeichnet werden, da dieser Kreis erst im Jahre 1592 
türkisch wurde. Zu den wichtigsten Baudenkmälern daselbst gehört die dem 
heil. Anton geweihte, im Anschlüsse an das bestandene Dominikanerkloster 
erbaute Franziskanerkirchc, welche später zur jetzigen Fetija Moschee um- 
gebaut und deren Glockenturm erst im Jahre 1854 niedergerissen und durch 
das jetzige Minaret ersetzt worden ist. Immerhin reichen die architektonischen 
Überreste der ursprünglichen Kirche: Basen, Kapitale, Konsolen, das Portal 
und Radfenster der Stirnfa(,-ade aus, um den Stil der mittelalterlichen Kirche 
als Ubergangsstil erkennen zu lassen, indem über dem rundbogigen Portale 
mit reich profilierten Laibungen und Spitzbogenabschluß ein schon ganz dem 
gotischen Stile angehöriges Radfenster zur Ausführung gelangt ist. 



Beitrag zur Baugoschichte Bosniens und der Herzegowina. 211 

Selbstverständlich war auch den mittelalterlichen Kirchen des grie- 
chischen Ritus kein besseres Schicksal beschieden; auch von diesen sind 
meist kleine, oft nur geringe Reste erhalten geblieben. So läßt sich auf die 
Klosterkirche in Labostin bei Zupanjac nur nach dem aufgefundenen 
Klostersiegel aus dem 13. Jahrhunderte, welches die Kirche mit größerer 
Mittelkuppel und zwei kleineren Seitenkuppeln zeigt, ein Schluß ziehen. 

Der Anlage in Form einer Zwingburg dürfte es das Kloster mit dem 
Marienkirchlein in Zavala nächst dem Popovopolje hauptsächlich zu danken 
haben, daß es nicht ganz verschwunden ist. 

Die mittelalterliche Klosterkirche in Ozreu, deren Malerei urkundlich 
im Jahre 1609 renoviert worden ist, zeigt im Grundrisse ein byzantinisches 
Kreuz mit polygonaler Apsis und ist mit Narthex an der Stirnseite versehen; 
über der Vierung erhebt sich auf quadratischen Pfeilern mit Gurtungen in 
Spitzbogenform eine, außen mit Blendarkaden einfach geschmückte Kuppel. 
Im Übrigen sind alle Profilierungen romanischer Richtung. Die bloßgelegten 
Fresken dieses Gotteshauses gehören augenscheinlich zwei Perioden an und 
dürfte das im italienischen Stile gehaltene Muttergottesbild im Narthex von 
der damals allmächtigen Giotto'schen Schule beeinflußt sein, während die, 
vermutlich ältere, polychrome Ausschmückung des Kirchenschiftes und der 
Apsis: Evangelisten, Apostel, Propheten, Christus von Engelchören umgeben, 
in schablonenhafter, typischer und formell abgegrenzter Darstellung dem byzan- 
tinischen Stile angehört und dem Presbyter Strahinja zugeschrieben wird. 

In Dobrunj bei Visegrad befindet sich eine mittelalterliche griechische, 
nunmehr nach einem Entwürfe des Architekten J. v. Vancas umgebaute 
Kirche, welche bis auf die Dachkonstruktion und das Atrium, von welchem 
nordseitig bloß noch zwei Bögen vorhanden waren, einen verhältnismäßig 
guten Bauzustand aufwies. Einschiffig mit runder Apsis im Osten und Narthex 
im Westen, waren die Tonnengewölbe dieser Kirche im fensterlosen Narthex 
durch eine Gurte unterteilt. Von der bestandenen Bilderwand verblieb nur 
der Unterbau. Die große Bogennische gegen das Atrium, der Narthex und 
das Kirchenschiff samt Apsis waren reich mit Fresken geschmückt, während 
die architektonische Verzierung ganz untergeordnet erschien und lediglich aus 
dem Kämpfergesimse und einem ornamentierten Türbogen zwischen Narthex 
und Kirchenschiff bestand. Der polychrome Schmuck, vorwiegend auf blauem, 
teilweise auf Goldgrund, gehört der byzantinischen Richtung an. 

Sind demnach schon die kirchlichen Bauwerke des Mittelalters, soweit 
selbe bis nun bekannt geworden sind, künstlerisch im allgemeinen von 
geringer Bedeutung, so gilt dies fast noch mehr von den mittelalteriichen 
Burgen, welche mit Ausnahme des Glasinaegebietes, wo bloß das Pracatal 
Burgen aufweist, im ganzen Lande zahlreich vorkommen. Ihr besonderer Reiz 
besteht vornehndich in der geschickten, durch hohe Türme belebten Gruppierung 
der Mauei-werksmassen und in der malerischen, oft unzugänglichen Situierung. 
So ist beispielsweise die zur Zeit des Herzogs Stjepan Vukcic als Zoll- 
station verwendete und jetzt bis auf den rechteckigen Turm und Mauerreste 
zerstörte Burg Vratar oder Herzegovgrad an der Sutiska bei Foca 



9|2 Beifrag zur Baugeschichte Bosniens und der Herzegowina. 

zumeist in Felsen gehauen und nur mittelst eines schmalen Fußsteiges zugängig-, 
der Strzanjgrad bei Livno zwischen schroffen Felsen geradezu eingekeilt, 
die auf einer Felsenspitze erbaute Burg Galat bei Koujica nur mittelst 
Ililfsseiles und Trittlöchern, welche vom Galatbache aus in eine nahezu 
vertikale Felswand eingehauen wurden, zu besteigen gewesen, das im XIII. 
bis XV. Jahrhunderte öfter genannte Raubnest Klo buk bei Trebinje auf 
einem steilen Felsenkegel, zu welchem nur ein sehr beschwerlicher Fußweg 
führte, erbaut worden. 

Den meisten mittelalterlichen Burgen, deren der verewigte Forscher 
V. Radimsky 370 konstatierte, fehlen Wälle und Gräben, doch sind, wie 
in der Ruine Kastei bei Bugojuo, Srebrenik bei Gradacac, das auch 
eine Zugbrücke besaß, solche Aulagen im Laude vertreten. Dagegen um- 
schließen die Burgen in der Regel mächtige Umfassungsmauern teils ohne, teils 
wie in Glamoc, Ljubuski und in Ötjepangrad bei Blagaj mit 
Krenelieruugen und schmiegen sich die nicht selten, wie bei der malerischen 
Burg Bocac, durch Türme unterbrochenen Umfassungsmauern dem zur 
Erbauung ausgewählten Terraine tunlichst an. Zur Deckung der Hauptburg 
waren, wo es die Terrainverhältnisse erforderten, Vorburgen angeordnet, 
so in Bilaj nächst Petrovac, in Glamoc (Dlamoc), Kotor bei Kotor-Varos, 
Velika Kladusa, Breko vicagrad bei Bihac, im Stjepangrad, wo 
der viereckige Wartturm den östlichen Bergrücken deckt etc. 

Die Vergleichung der Grundrißdispositionen jener Burgen, welche bisher 
aufgenommen wurden, läßt feststehende Normen nicht erkennen, doch werden 
zweifellos mitteleuropäische Beispiele die Anlage wiederholt beeinflußt haben. 
Insbesonders dürfte diese Annahme bei dem guterhaltenen Stj ep angr-id, 
der Hauptburg des Landes Chi um und der wahrscheinliche Ersatz der schon 
im 10. Jahrhunderte genannten Burg Bona, deren am Fuße des Burgberges 
gelegenes Lustschloß Bisce jedoch vollständig verschwunden ist, zutreffen. 
Auf einem Felskopfe oberhalb des Bunaursprunges höchst malerisch situiert, 
besitzt diese durch zahlreiche Türme mit inneren Treppenanlagen, durcii 
Platcaux mit Freitreppen, durch Erker und Zwingersicherung des Burg- 
eiuganges, durch Zinnen etc. reizend gegliederte Anlage in Form eines 
unregelmäßigen, langgezogenen Polygons manche, an deutsche Burgen er- 
innernde Momente. 

Ebenso wie die Burgaulageu im großen ganzen, entbehren auch die 
einzelnen Teile derselben, besonders die Türme, einer besonderen Gesetz- 
mäßigkeit. Die Anordnung eines Turmes ist vorherrschend, doch kommen 
vielfach zwei und mehr Türme vor. 

Sämtliches Mauerwerk der mittchilterliclicn Burgen wurde in Bruchstein 
hergestellt und dieses oft mit Hackelsteinverblcudung, die Ecken mit Quader- 
armierung versehen. Steile Zelt- und Walmdäclier scheinen, wenigstens in 
Bosnien, vorgeherrscht zu haben. Tore und Fenster wurden mit Werkstücken 
oder Hackelsteinen eingerahmt und deren Öffnungen entweder mit Rundbogen, 
Segmenten, auch spitzbogig wie bei der Burg Sokolac nächst Bihac, und 
jener in Bil aj nächst Petrovac geschlossen, in welchem Falle einfach profilierte 



Beitrag zur Baugeschiclitc Bosniens und der Herzegowina. 213 

Kämpferstüeke nicht selten zur Anwendung gelangten, oder wurden selbe mit 
massigen, oft auf profilierten Konsolen ruhenden Stürzen überdeckt. Die 
tiefen Erker- und Balkoufenstcr erseheinen mit Steinbäuken ausgestattet, die 
Stiegenanlagon der Bergfriede in das Innere des Mauerwerkes verlegt und 
vorwiegend bei diesen die einzelnen Geschoße massiv überwölbt, wobei 
gleichfalls der Spitzbogen, wie in der Burg Sokolac, deren Rundtunii von 
8 m Durchmesser noch jetzt in drei Etagen von zirka 16 7n Höhe erhalten 
blieb, nicht selten ist; die Verzierung der Eingangspforten mit Wappeusteinen 
war üblich und ist dieselbe in Jajce und in Buzim constatiert, Avährcnd 
in der Glamoc'er Burg diverse Skulpturen, als Löwenkopf, gekreuzte Pfeile 
etc. eingemauert erscheinen. 

Der bauliche Zustand der mittelalterlichen Burgen Bosniens und der 
Herzegowina ist sehr verschieden, je nachdem dieselben nach Unterwerfung 
dieser Länder unter die türkische Regierung weiter benutzt wurden, oder 
nicht. Von den Burgen der letzten Kategorie sind oft nur Mauerreste aut 
mehrere Meter Höhe nebst dem Bergfried erhalten. 

In besserem Zustande befinden sich naturgemäß jene mittelalterlichen 
Burgen, welche auch später in Benützung blieben oder bis heute in Ver- 
wendung stehen, bei welchen jedoch selbstverständlich weitgehende Um- und 
Ergänzungsbauteu die ursprüngliche Anlage verwischt haben. Hierher gehören : 
die Burg Doboj an der Bosua, Kljuc an der Sana, woselbst im Jahre 1463 
der letzte bosnische König Stephan Tomasevic gefangen genommen 
wurde, die vom Herzog Stjepan für seine Frau Ljubica erbaute Burg 
Ljubuski, die Burgen Maglaj, Pocitelj, Sokolac bei Jajce, Starigrad 
in Srebrenica, Srebrenik bei Gradacae, Stolac, Tesanj, Starigrad 
in Visegrad, Vranduk, Zvornik (Zvonik), die von Hrvoja an- 
geblich durch den italienischen Baumeister Luculo nach einem Vorbilde des 
castello deir novo bei Neapel erbaute Burg Jajce etc. Aber auch bei 
diesen Burgen ist von dem Palas, welcher teils gänzlich zerstört, teils voll- 
ständig umgebaut worden ist, nichts verblieben, was einen positiven 
Schluß auf die künstlerische Gestaltung des Herren- und Ritterhauses zuließe ; 
jedoch ist, nach in der Umfassungsmauer der Burg Jajce von Dr. Trubel ka 
aufgefundenen Architekturstücken : Pfeilerkapitäle mit Akanthus und Rosetten, 
Fensterrahmen etc. zu schließen, wenigstens in einzelnen Fällen eine bessere 
Ausstattung dieser Objekte erwiesen und zeigt nach dem Genannten der in 
der Akropolis von Jajce früher bestandene Monumentalbau romanische, vor- 
wiegend jedoch Formen in venetianischer Gotik, welch letztere teilweise an 
Motive der C ä D oro in Venedig erinnern und „das für Venedig charakteristische 
Randmotiv zeigen." 

Eine besondere Art mittelalterlicher Baudenkmale, welche in der Monarchie 
nur noch in einzelnen Teilen Dalmatiens vorkommen, blieb den okkupierten 
Provinzen in den sogenannten Bogomilengr ab steinen, von denen die 
Mehrzahl aus dem 14. Jahrhunderte stammt, erhalten. Die Zahl derselben 
wird auf 60.000 geschätzt, und obgleich diese Grabsteine im ganzen Lande 
zerstreut vorkommen, befinden sie sich doch vorwiegend südlich der Linie 



2J4 Beitrag zur Baugeschklile Bosniens und der Herzegowina. 

Livnü--Sarajevo — Vlascuica in kleinen oder größeren Gruppen ver- 
einigt, mitunter, wie in Poprati nächst Stolac, fürniliclie Nekropoleu bildend. 
Diese, aus Kalkstein, Mergel, Konglomeraten oder Sandstein ausgearbeiteten 
Denkmale wurden in Form von massiven Platten, Tumben, von einfachen 
oder doppelten Sarkophagen, Stelen, rechteckigen Säuleu auf ünterlagsplatten 
(beide oft ein Stück) und massigen Kreuzen mit kurzen Querarmeu hergestellt 
und deutet letztere Form zweifellos an, daß diese Grabdenkmale nicht nur 
bei den Bogomilen, sondern auch bei den übrigen Christen in Verwendung 
standen. Tumben und Sarkophage sind oben häufig breiter als unten und 
sehen letztere infolge der zumeist dachförmig (eben oder auch sphärisch) 
gebildeten oberen Begrenzung, dann infolge ihrer imponierenden Dimension 
kleinen massiven Häuschen nicht unähnlich. Man muß angesichts der Größe 
vieler Grabsteine, dann des Umstandes, daß sich dieselben häufig auf ziem- 
lichen Anhöhen und die Bruchstellen in großer Entfernung hievon befinden, 
staunen, daß so viele dieser Denkmale mit den damaligen technischen Hilfs- 
mitteln an Ort und Stelle gebracht werden konnten. Da jedoch auch kleine 
Grabsteine häufig sind, kann wohl angenommen werden, daß dieselben bei 
Reichen und Armen gebräuchlich waren. 

Bezüglich dieser Grabsteine ist Dr. M. Hoernes der Ansicht, daß sie 
technisch sowohl als stilistisch „in nächster Verwandtschaft zu den Kalk- 
steinplatten der Burggräber von Mykenä und zu den Rehefstelen der Certosa 
von Bologna stehen", obgleich sie um fast 3000 Jahre jünger als erstere 
und um nahezu 2000 Jahre jünger als letztere sind. Viele dieser Denkmale 
sind mehr oder weniger reich verziert, besonders mit Halbmond und Stern, 
Schwert und Schild, Streitkolben, Speer, Bogen und Pfeil, Rosetten, Spiralen 
und Kugeln. Seltener ist die Darstellung von Jagd- und Kampfszenen, des 
Kolotanzes, einzelner Ritter, architektonischer Gebilde, fortlaufender, aus 
"Weinlaub mit Trauben, Kleeblättern u. dgl. zusammengesetzter Ranken, der 
Kränze allein oder vom Anführer einer tanzenden Gruppe als Siegeszeichen 
getragen, Lilien, AVappenbilder fabelhafter Tiergestalten, von Klageweibern, 
des Kukuks als Totenvogel u. dgl. 

Die Konzeption, Zeichnung und Ausführung des au diesen Grabsteinen 
vorkommenden sepulcralen Schmuckes zeigt zumeist geringes Kunstverständnis 
und mangelhafte Technik; eine flüchtige und schematische Darstellung, namentlich 
des Kolotanzes, der Arkaden und anderer Architektur-Motive ist Regel. Zu den 
Ausnahmen zählt der berühmte Grabstein von D. Zgosca bei Visoka, welcher 
aus einem Steinbruche zirka 4 Kilometer von seinem Staudorte stammt und 
an (') Kuljikmeter Inhalt besitzt. Bei diesem, derzeit in zwei Teile gebrochenen 
Sarkophage sind die oberen Kanten durch schraubenförmig gedrehte Stäbe 
scharf herausgehoben und sowohl die Seiten- als die Stirnflächen mit geo- 
metrischen, pflanzlichen und figuralen Reliefs reich verziert. 

Weitere mittelalterliche Baudenkmale konnten hierlands bisher nicht 
konstatiert werden, obgleich eine Reihe von Städten, wie die ehemals so 
wichtige Handels- und Bergwerksstadt Fojnica, Visoka (Pod Visoko), 
das im 14. und 15. Jahrhunderte der bedeutendste Handelsplatz des Landes 



Beitrag zur Baugeschiclite Bosniens und der Herzegowina. 215 

war, die Bergwerksstadt Srebrenica, die Orte Z v o r n i k, T e s a n j, D o b o j, 
Glamoc, Jajce, Baujaluka, Prozor (Rama), Bugojno (Vesela straza), 
Konjica, Trcbinje etc. noch heute bestehen. Andere im Mittelalter häufig 
genannte Orte sind, bis etwa auf zweifelhafte Mauerreste, gänzlich verschwunden 
und ist daher anzunehmen, daß die Privatgebäude, wie dies übrigens — die 
Herzegowina ausgenommen — bis in die neueste Zeit üblich war, nur in 
ganz leichter Bauart (Holz, Lehmzicgel, Schindeldachung) zur Austührung 
gelangt sind, weshalb ein völliges Verschwinden derselben oder eine voll- 
ständige Umwandlung des mittelalterlichen Bildes, infolge des späteren 
mohammedanischen Einflusses leicht möglich war. 

D) Mohammedanische Periode. 
Begünstigt durch innere Wirren und von den Bogomilen zu Hilfe gerufen, 
erscheint gegen Ende des Mittelalters u. zw. das erstemal i.n Jahre 1392 in 
Bosnien eine neue Macht: die Türken und mit diesen ein neues Kultur- 
element : der M o h a m m e d a n i s m u s, welche diesen Ländern für die folgenden 
Jahrhunderte einen spezifisch orientalischen Charakter aufprägen und 
bewirken, daß an ihnen die Kunstepoche der Renaissance sowohl in ihren 
ersten Anfängen, als in ihrer Höhenentwicklung und in ihren Auswüchsen 
nahezu spurlos vorübergeht. Dagegen blüht bald in allen Zweigen orientalische 
Kunst, die nur deshalb nicht zur vollen Reife gelangt ist, weil sich in der 
Folge das osmanische Reich als zu schwach erwiesen hat, um die Selb- 
ständigkeitsbestrebungen der einheimischen Großen dauernd niederzuhalten. 
Vorwiegend ist es die Baukunst, die durch das neue Kulturelement einen 
erfrischenden Impuls erhält. Hauptsächlich gelangen neue Moscheen in 
großer Zahl zur Erbauung. Hiebei wurde die, einen Hof mit Brunnen all- 
seitig umschließende Hallenform niemals, dagegen der zentrale Kuppelbau 
nach byzantinischem Muster u. zw. vorwiegend als monumentaler Steinbau 
sehr häufig angewendet, während für einfachere Verhältnisse Beträume mit 
(luadratischer oder rechteckiger Grundrißform, ebener oft vertäfelter oder 
gestäbter Decke und allseitig abgewalmtem, vorspringendem Dache geschaffen 
und in letzteren Fällen auch weniger dauerhafte Konstruktionen (Riegelwände 
und Lehmziegelmauern) benützt wurden. Eine drei- oder mehrachsige Vorhalle, 
ferner ein Minaret ist beiden Moscheegattungen eigen. Eine architektonisch 
bessere Ausschmückung weisen jedoch nur die Kuppelmoscheen auf, bei 
welchen alle orientalischen Konstruktionsformen als: Spitzbogen, Hufeisen- 
und Kielbogen, Stalaktitengewölbe, Zinnenkränze etc., mehr oder weniger 
ausgebildet, vorkommen wie auch entschiedene Flächendekorationen, hohe 
Portalnischen etc. nicht mangeln. Das Minaret entwickelt sich aus einer 
kräftigen, prismatischen Basis, auf welcher fast stets ein schlanker, poly- 
gonaler Pyramidenstumpf mit schwacher Verjüngung, der zumeist von innen 
zugängig ist und die steinerne Wendeltreppe aufnimmt, ruht; den Übergang 
zwischen Basis und Aufbau ])ilden Stalaktiten, dreieckige Begrenzungsflächen 
u. dgl., während der Pyramidenschaft in ein reiches, weit ausladendes Stalak- 
titengesimse, in Kelchform oder endlich in reicher Profilierung endet, um die 



216 Beitrag zur Baugeschichte Bosniens und Jer Herzegowina. 

oft in zierlichster Art durchbrochene Brüstung, welche das Plateau für den 
^luezzin nniseliiießt, aufzunehmen ; über dieses Plateau setzt sich sodann der 
Pyraniidenstunipf mit kleinerem Querschnitte und die, stets nach Mekka 
orientierte Ausgangstür enthaltend, fort, um endlich mit spitzem Kegel und 
Alcm zu enden. Besondere Sorgfalt wurde auf die Ausschmückung der Vorhalle, 
der Portalnische, der stets nach Mekka orientierten Gebetnische (Mihrab) und 
der Kanzel (Mimber) verwendet. Der günstige Eindruck dieser konstruktiv 
und architektonisch wohl durchdachten, vorwiegend direkte mit Bleiplatten 
gedeckten Kuppclmoscheen, zu deren Herstellung, mit Ausnahme der zumeist 
aus gebrannten Ziegeln gebildeten Kuppelgewölbe, nur rein bearbeiteter Stein 
und fast gar kein Holz verwendet wurde, wird noch durch die Situierung 
derselben auf freien Plätzen mit schattigen Bäumen und durchbrochener 
Umfriedung, durch die oft reizenden Nebenobjekte, als Moscheebrunnen 
(Sadervan) für rituelle Waschungen, Kuppelmausoleen der Gründer, Friedhöfe 
mit schönen Grabdenkmalen, durch Gebäude für Regulierung der Uhren nach 
türkischer Zeit (muvekit hana), für Bibliothekszwecke (kutub hana), durch 
nahe gelegene freistehende Uhrtürme (sahat kula), Schulgebäude (Medresse), 
orientalische Kaufgewölbe (ducan), welch letztere an die Umfriedung oder 
an die Umfassungsmauern einzelner Gebäude anschließen, gehoben, wodurch 
im Vereine mit dem orientalischen Getriebe, welches sich bei größeren Moscheen 
abspielt, jener schwer beschreibliche Zauber entsteht, welchem sich niemand 
entziehen kann, der diesen Anlagen nur einige Beachtung widmet. 

Zu den schönsten Moscheen des Landes gehört, trotz vielfacher kleiner 
Unregelmäßigkeiten in der Anlage, die Begova Dzamija in Sarajevo 
mit seitlich abgeschlossener, fünfachsiger und kuppelgedeckter Vorhalle, 
welche von Ghazi Husrefbeg im Jahre 1529 (937 nach dem Hidzret) 
erbaut worden ist. Der Grundriß derselben lehnt sich an gute Konstantinopler 
Beispiele an, indem dieselbe mit der berühmten, von Mahmud H. im 
Jahre 1463— <J9 durch den griechischen Baumeister Christodulos erbauten 
Mahmudia kleine, an die Zentralkuppel anschließende Kuppeln und mit der 
unter Sulejman I. zwischen 1520 und 1566 durch den l)erühmten Architekten 
Sinan erbauten Sulejmania eine in der Hauptaxe der Zeutralkuppel angeordnete 
Halbkuppel gemein hat. Im Grundrisse der Begovamoschee ähnlich, jedoch 
nur aus kuppelgedecktem Mittelraume und zwei Seitenräumen mit ebenen 
Decken l)estcliend, dagegen mit siebenachsiger Vorhalle bei Anordnung einer 
ebenen Holzdecke ausgestattet, ist die Kaisermoschee (Careva dzamija) 
in Sarajevo, welche gleichfalls Ghazi Husrefbeg erbaut und dem Kaiser 
i\rohamcd H. geschenkt haben soll. 

Im Grundrisse von den obbeschriebenen Moscheen wesentlich abweichend, 
ist die vom Vau Ferhad Beg Sokolovic, angeblich aus dem Lösegelde 
für den gefangenen österreichischen Heerführer Grafen Auersperg zirka 
1576 erbaute Ferhad Beg-Moschee in Banjaluka. An die Zentral- 
kuppel schließen hier an drei Seiten Halbkuppeln und au die vierte Seite 
eine dreiachsige, kuppelgcdeckte Vorhalle an, wodurch, obgleich die vierte 
Halbkuppel und die kleinen Eckkuppeln fehlten, diese Moschee eine große 



Beitrag zur Baugeschichte Bosniens und der Herzegowina. 217 

Ähnlichkeit mit der Sulejmauia-Moschee in Konstantinopel erhält. Überdies 
erseheint an der Eingangs- und den beiden anstoßenden Seiten eine Säulen- 
halle, welche nach der Okkupation volle Seitenwände erhielt, angeordnet, 
wodurch dieses Bauwerk der Sin an Pascha -Moschee in Bulak bei 
Kairo ähnlich wird, wenngleich in Banjaluka die Halle nicht mit Kuppeln, 
sondern mit Pultdach gedeckt wurde. Die Absicht der ersteren Ausführungsarl 
ist mehr als wahrscheinlich. 

Die übrigen Moscheen des Landes besitzen fast durchgehends einen 
(juadratischen Grundriß mit vorgelegter Halle und sind bei jenen mit 
monumentalem Charakter die Arkadenkuppeln, deren mittlere durch einen 
größeren Durchmesser, beziehungsweise durch eine größere Höhe häutig 
besonders hervorgehoben erscheint, wie die Hauptkuppel aus Ziegeln her- 
gestellt. Von den IMoscheen dieser Kategorie verdienen besonders hervor- 
gehoben zu werden : 

Die vom Ghazi Hadim- Ali-Pascha im Jahre 1560 (968 n. H.) er])aute 
Alipaschamoschee in Sarajevo mit Kielbogenmotiven, Pendantifs in 
reicher Stalaktitenbilduug, Stalaktitenkapitälen in der Arkade, welche ihrer 
Stilreinheit wegen zu den schönsten Moscheen gezählt werden muß. Wesentlich 
derber in den Details ist die, vom bereits genannten Ferhadbeg Sokolovic 
in Sarajevo erbaute etwas größere Ferhad ßeg -Moschee, während die 
angeblich von Jussuf Pascha, beziehungsweise von dessen Sohne, als 
dieser später als Vali in Ofen residierte, in Maglaj erbaute Kursumlie- 
moschee (die mit Blei gedeckte) sich nicht nur durch ihre reizende Situation, 
sondern auch durch ein stilvoll gehaltenes, unter der Muezzingallerie reich 
mit Stalaktitengesimsen geschmücktes Minaret auszeichnet. 

Einer besonderen Sorgfalt wurde die Aladzamoschee (die bunte) in 
Foca teilhaftig. Im .Jahre 1550 (957 n. H.) von Hasan Nazir bei angeb- 
licher Inanspruchnahme orientalischer Künstler erbaut, zeichnet sich dieselbe 
durch organische Sonderung der einzelnen Bauteile mittelst kräftiger Gesimse, 
durcli reichen Ornamentenschmuck im Rahmen des stalaktitengewölbten Mihrab, 
durch schöne Stalaktitenkonsolen als Anfänger der Pendantifs der Haupt- 
kiippel, durch geschmackvolle Ausbildung des zinnenbekrönten, mit Ecksäulchen 
verzierten und überdies gegliederten Rahmens der Eingangsnische, dann der 
Ubcrgangsflächen beim Minarete, besonders jedoch durch eine sorgfältige 
Gestaltung des Mimber (hudba) aus. 

Auch die bei Foca am linken Drinaufer gelegene Moschee in Usti- 
kolina, angeblich im Jahre 1461 (866 n. H.) vom Kommandanten Turhani 
Em in, somit in den ersten Jahren der Eroberung des südlichen Bosniens 
durch die Türken erbaut, gehört zu den besseren Bauwerken und zeichnet 
sich selbe insbesonders durch ein zierliches, schlankes Minaret aus. 

Ein ganz ähnliches Minaret besitzt auch die Karagjözmoschee in 
Mostar, bei welcher ausnahmsweise der Tambour nicht achtseitig, sondern 
kreisrund ist. Der Gesamteindnick dieser, von Karagjöz fSchwarzauge) Beg 
II a d z i M e h m c d im Jahre 1569 ^977 n. H.j erbauten Moschee wird jedoch durch 



213 Beitrag zur Baugeschlcbte Bosniens und der Herzegowina. 

ein. auf zierliche Holzsäulen gestelltes Pultdach über der kuppclgedecktcn 
xVrkade nicht unwesentlich beeinträchtigt. 

Fast ebenso zahlreich als die Moscheen und zumeist in nächster Nähe 
von solchen, sind die Gebäude für mohammedanische Schulen. Baulich bieten 
die Mekteb's (niedere Religionsschulen) kein besonderes Interesse. Allein schon 
den Ruzdija's (höhere Elementarschulen) wurde eine bessere architektonische 
Ausbildung zu teil. Hölzerne Bogenaufänger bei Gängen und Stiegen in 
Form von Stalaktitenkonsolen, gedrehte Balluster, schön geformte Rund- und 
Kielbogen, reich eingelegte Holzpia "onds mit geschnitzten Mittelrosetten, 
zierlich vertäfelte und mit getriebeneu Bronzenägeln geschmückte Türen und 
Didafs (Kästen), geschnitzte Wandbretter, Minderabschlüsse, Muscharabiyen 
(Fenstergitter) aus kubischen Stäben mit abgefasteu Kanten und kuppel- 
fih-migen Kreuzungsteilen, dann stilgerechte polychrome Oruamentierung der 
Wandflächen, besonders der Bogennischen über den Fenstern, haben die 
Ruzdija in Sarajevo ausgezeichnet und sie hiedurch in Übereinstimmung 
mit den besseren mohammedanischen Wohnhäusern gebracht. DenMedresseu 
(Konviktc als Seminare für höhere islamische Studien) dagegen wurde stets 
ein monumentaler Charakter gegeben. Ein markantes Beispiel dieser Schul- 
gattung bildet die gleichzeitig mit der obbesprochenen Moschee von Ghazi 
Husrefbeg in Sarajevo erbaute Kursumlimedresse. Die Stirnfront dieser nahezu 
(luadratischeu und nur durch den auf der Nordseite um einige Meter vor- 
springenden einzigen Lehrsaal (ders hana) unterbrochene Medresse wurde 
gegen die durchbrochene Umfassungsmauer als Bauflucht, tief zurückgesetzt 
und der Zwischenraum als Garten mit Rebenpergola behandelt. 

Ein originelles, wenn auch architektonisch unbedeutendes Beispiel für 
ein türkisches Bettelmönchskloster ist die im Jahre 1638 (1048 n. H.) von 
Hadzi Sinanaga an der Nordperipherie Sarajevos erbaute Sinantekija. 
Gegen außen mit Steinmauern streng abgeschlossen, im Inneren dem Ver- 
falle nahe, der kleine Hof durch Holzveranden und Grabstätten hervorragender 
Scheih's in ein mystisches Dunkel gehüllt, dessen Eindruck noch durch die 
zahlreichen Inschriften vorwiegend in Kuffischrift (älteste arabische Schrift- 
gattung) verstärkt wird, enthält dieses Gebäude außer der Scheihwohnnng 
nur noch Zimmer für Musafire (reisende Derwische) und ein größeres, 
durch verschiedene Embleme der fanatischen Sekte der tanzenden Derwische 
geziertes Betzinmier mit Chor für mohammedanische Frauen und einem zweiten 
für mäunlichc Zuschauer. Die Decke dieses Betzimmers ist mit dem, nach 
dem Originale im Gange übertragenen Sulejmanmuhur, welcher sich als 
ein schönes geometrisches Rosettenornament darstellt und in steter Wieder- 
holung in Kuffischrift die arabischen Worte: La ilahe ill' all ah ve 
Muhammed resul u'llah (Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammed 
ist sein Prophet) geziert. 

Den Profanbauten haben die Mohammedaner in den seltensten Fällen 
monumentalen Charakter gegeben. Eine Ausnahme machen in der Regel die 
Bade anlagen, von welchen in Sarajevo noch die von Ghazi Husrefbeg 
erbaute in ihrer ursprünglichen Form besteht. In zwei symmetrische, einerseits 



Beitrag zur Baugesehidite Bosniens und der Herzegowina. 21 & 

für Mäimcr, andererseits für Frauen bestimmte Teile mit getrennten Zugängen 
gegliedert, enthält jede Abteilung einen größeren Eintrittsraum mit Brunnen, 
Kafana, Ruhebetten, An- und Auskleidekabinen, an welchen sich ein weiterer, 
jedoch bereits erwärmter Kaum mit Ruhebetten, ferner vier Badcräinne mit 
stets zunehmender Temperatur und ein rituelles Bad für die säphardischen 
Juden (Spaniolen) anschließen. Alle Räume sind mit Kuppeln verschiedener 
Größe, den zugehörigen (piadratischen Räumen entsprechend, oder mit Tonnen 
eingewölbt und mit Steinplatten gepflastert, unmittelbar unter welchen sich 
die Heizkanäle, die je nach ihrer Entfernung von der vertieft angeordneten 
lleizstelle einen verschiedenen Hitzegrad dem Boden übertragen, und aus 
Tut^stein gerade noch schliefbar erbaut sind, befinden. 

Wenn auch nicht architektonisch, so doch durch ihre Disposition und 
Gesamtwirkuug häufig bemerkenswert, sind ferner jene Gebäude, welche 
den Handelsbedürfnissen zu dienen hatten: Karavanserai's, Bazar's etc. 
Zu den ausgedehntesten Bauanlageu Sarajevo's gehört der, vom mehrfach- 
geuannten Gliazi Husrefbeg für ]\rutabdzije (Kaufleute für Kotzen, Teppiche, 
Wollwaaren) errichtete Taslihan mit anschließendem Bezistan (Bez = 
Leinwand). Ersteres Gebäude, aus vier Flügeln, die sich um einen nahezu 
quadratischen Hof gruppieren, bestehend, liegt teils seit der Belagerung 
Sarajevo's am 23. und 24. Oktober 1697 durch Prinz Eugen, teils seit 
dem großen Brande im Jahre 1879 zum größten Teile in Trümmern; 
namentlich sind die drei Hofflügel mit sechzig feuersicheren und kuppel- 
gedeckten Magazinen in drei Geschoßen und die inneren Verkaufsläden fast 
ganz verschwunden. 

Während sich in den ebenbesprochenen Gebäuden der Großhandel 
abwickelt, findet der Kleinhandel in den erwähnten Kaufläden, den Ducan's, 
statt, welche sich in der Regel in einem besonders ausgebildeten Stadtviertel 
— der Öarsija -- und äußerst selten im Anschlüsse von Wohnhäusern, 
befinden. Häufig erfolgt, wie in der Carsija von Sarajevo, eine Trennung 
nach einzelnen Gewerben uud sind dann die durch zahlreiche Gäßchcn auf- 
gelösten Streifen vor den hohen llintcrgel)äuden in viele, ganz kleine 
Parzellen unterteilt und mit hölzernen, niedrigen, gegen die Gasse ganz 
offenen, jedoch durch zweiflügelige, um Horizoiitalachsen drehbare und mit 
starkem Diagonalriegel verschließbaren Ducan's verbaut worden. 

Die Wohnhäuser selbst befinden sich zumeist abseits der Carsija und 
unterscheidet sich hiebei das mohammedanische Wohnhaus durch die strenge 
Treniunig der Geschlechter wesentlich vom christlichen und spaniolischen, 
mit welchen es übrigens viele Baueigentümlichkeiteu gemein hat, vor allem 
die Geschoßanzahl, vorwiegend Parterre und I. Stock. Mehrgeschoßig sind 
fast nur die Landsitze chenialiger bosnischer Feudalherren, in welchem 
Falle das aus Stein solide erbaute Gebäude einen turmartigen Charakter 
(Kula) annimmt, augenscheinlich zur Verteidigung gegen Angriffe bestimmt 
iHul geeignet, allen Bewohnern und den Wertobjekten in solchen Fällen 
längeren Schutz zu gewähren. 



220 Beitrag zur Baugeschichle Bosniens und der Herzegowina. 

Ferner ist allen bosnischen Wohnhäusern die vollkommene Freistellung 
gemeinsam gewesen. 

Bei den mohammedanischen Wohnhäusern ist gegen die Gasse der Männer- 
huf, von Avelchem der Zugang zum Selamlik (Mäunerhaus) stattfindet, während 
der Fraueuhof mit direktem Zugange zum Haremlik (Frauenhaus) und der 
Wirtschaftshof durch eine Umfassungsmauer mit Eingang vom Mäuuerhofe 
getrennt angeordnet erscheint. Wegen der solideren Bauart des Erdgeschosses 
wird dieses vorwiegend als Winterwohnung, hingegen das luftigere Ober- 
geschoß als Sommerwohnung benützt. Bei letzterer haben die als Erker 
ausgebildeten Räume, deren Fenster in der Fraueuabteilung jedenfalls, in der 
^läunerabtcilung häufig durch zierliche Holzgitter (Muscharabiyen) gegen das 
Einsehen geschützt sind, während selbe das Hinaussehen nicht behindern, 
den Charakter größerer Vorzimmer mit etwas erhöhtem Fußboden und dienen 
als gemeinsamer Versammlungsort und als Empfangszimmer (divan hana), in 
deren Nähe oft eine separate Kaifeeküche angeordnet ist. 

Trotz der einfachen Bauweise repräsentiert sich das bosnische Wohnhaus 
sehr gut, da der Kontrast zwischen dem kahlen Parterre und dem mit Erkern 
angenehm belebten Obergeschoße^ die freie oft mit künstlerischem Verständnis 
gewählte Lage besonders der Sommersitze, ja selbst der gewöhnlichen 
bosnischen Kaffeehäuser neben fließendem Wasser mit schönen Ausblicken 
auf prächtige Baumgruppen, Wälder, Gebirge, diesen Objekten fast ausnahmslos 
eine gute Silhouette geben. 

Ebenso interessant wie die Bauobjekte, welche dem Mohammedaner zur 
Zeit seines Kampfes ums Dasein notwendig sind, ist dessen letzte Ruhestätte : 
Der Friedhof. Als große Nekropole oder als Familiengrabstätte angelegt, 
sind die mohammedanischen Friedhöfe zumeist mit Moscheen in Verbindimg 
und da in größeren Orten jeder Stadtteil seine eigene Moschee besitzt, erklia-t 
sich auch die autfallend große Zahl türkischer Friedhöfe, Avelche übrigens die 
dichte Verbauung der Städte in vorteilhaftester Weise verhindert. Obgleich der 
Mohammedaner eine neuerliche Bestattung an derselben Stelle nie vornimmt, 
wodurch die Friedhöfe eine große Flächenausdehnung erhalten und obgleich 
denselben der Friedhof eine heilige Stätte ersten Ranges ist, haben dieselben 
dennoch in verschiedenen Orten, wie in Sarajevo, Mostar, Trebinje an der 
Widmung einzelner Friedhöfe für Parkanlagen u. dgl. keinen Austand genommen. 
Im Gegensatze zu unseren, erinnern die mohammedanischen Friedhöfe den 
Abendländer nur in sehr geringem Maße an den letzten Abschluß der Tragödie 
des Lebens und liegt vielmehr im Fremdartigen dieser Anlagen etwas An- 
ziehendes, wozu wohl auch der Umstand wesentlich beiträgt, daß die innerhalb 
der geschlossenen Orte gelegenen Friedhöfe zu Bestattungen jetzt nicht mehr 
verwendet werden. In der Tat ist auch die Form der Grabdenkmale geeignet. 
Unsere ganze Phantasie gefangen zu nehmen. Entweder sind es kuppelgedeckte 
massive Gebäude, welche die Überreste des Moscheegründers und in einem 
kleineren Denkmale jene seines Lieblingsdieners beherbergen, oder Frei- 
knppeln (Turbe's) auf vier. Steinsänlen mit Unterbau, Mihrabartig gestaltete 
Nischenwände (Scher bei Baujaluka), oder es sind — und dies am häufigsten 



Beitrag zur Baugeschichte Bosniens und der Herzegowina. 221 

— Pfeiler und Stelen von oft beträditlicher Dimension, welche das nnt Rand- 
steinen eingefiißte, oder auch nicht eing-efaßtc oder endlich mit besonderem 
Unterbau versehene Grab bezeichnen. Letzterer ist rechteckig aus Marmor 
oder einer anderen geeigneten Steingattung, fein gegliedert und mit poly- 
chromierten Ornamenten und ebensolchen Inschriften geziert und nicht selten 
mit einer großen, durchbrochenen Steinplatte als Basis für Pfeiler und Stele 
gedeckt. 

Die Moscheen mit den Medressen, Bädern und Friedhöfen, die moham- 
medanischen Wohnhäuser und (^arsija's bestimmen im Vereine mit dem fast 
nie fehlenden Kastelle den Charakter der bosnischen Städte, welcher um 
so orientalischer ist, je mehr erstere Objekte überwiegen. Obgleich die 
heutigen Städte zumeist eine Umbildung oder Weiterbildung mittelalterlicher 
Anlagen sind, gibt es deren doch eine Reihe, welche wie Saraj evo, Mostar, 
Travnik, Pocitelj etc. als spezitisch mohammedanische Schöpfungen an- 
gesehen werden können, die sich allmählig aus den ersten Ausiedlungeu um 
die neuen, mit Wachtürmen und Toren, überdies mit Bastionen bewehrten, 
oft mit weitlänfigen eine ganze Akropolis umfassenden, unregelmäßig ge- 
ghederten Mauern umgebenen Kastelle ausgebildet haben. Diese Neuanlagen 
zeigen ausgesprochen orientalischen Charakter und erinnert insbesonders 
Pocitelj, am linken Narentaufer sich terrassenförmig erhebend, mit seiner 
turmbewehrten Ringmauer, seiner massiven Moschee, den flachen Stein- 
plattendächern an südspanische und syrische Städte. 

Von den sonstigen Bauten der türkischen Periode müssen ihres monu- 
mentalen Charakters wegen vor allem die Brücken erwähnt werden. Der 
Stolz der Bosnier ist die 170 ni lange, beiderseits gegen die Mitte ansteigende 
V i s e g r a d e r b r ü c k e, welche mit elf Spitzbogen von 1 3*7 w bis 18*6 m Licht- 
weite die Drina übersetzt. Dieses imposante Bauwerk aus rein gearbeiteten 
Quadern mit hoher Steinbrüstung verdankt seine Entstehung im Jahre 1571 
(979 n. H.) laut des in der Mitte der einen Brüstung befindlichen Inschrift- 
steines dem aus der Gegend von Rudo stammenden Bosnier Mehmedpascha 
Sokolovic und kann als eine technische Leistung ersten Ranges angesehen 
werden, da diese Brücke dem sprunghaften Anschwellen der Drina bisher 
siegreich widerstanden hat und da selbst die gewaltige Überschwemmung 
Visegrad's am 10. November 1896, wobei die Brücke vollkommen überflutet 
war und die Wogen des aufgestauten Wassers im Bogen bis über den hoch- 
gestellten Inschriftstein schlugen, nur die Brüstungen abtragen konnten, ohne 
einen sonstigen größeren Schaden anzurichten. 

Fast noch berühmter, weil mehr bekannt, ist die sogenannte Römer- 
brücke in Mostar, welche in einem einzigen kühnen Kreisbogen von 
27*3 m Lichtweite die tosende Narenta überspannt. 

Besser erhalten als die Mostarer- und Visegraderbrücke ist die 1682 
(1093 n. H.) aus Quadern erbaute Narentabrücke in Konjica, welche in 
ß Bogen von 6'8 bis 13*5 m den Fluß überspannt und deren Erbauung dem 
Vezir Ahmed Sokolovic zugeschrieben wird ; sie ähnelt im Gesamt- 
eindrucke jener in Visegrad, während die Kozijacupria (Ziegenbrücke) 



922 Beilrag zur Baugeschithte Bosniens und der Herzegowina. 

Über die Miljacka östlich von Sarajevo der Mostarerhrlickc nachgeahmt 
erscheint, nur sind die l^rustniauern der Ziegenbrückc zur Vergrößerung des 
Durclitiul3proriles noch mit zwei kreisrunden Oftnungen durchbrochen, welche 
Konstruktion sieh übrigens auch bei anderen Steinbrücken Sarajevo's, deren 
noch zwei (Latoinerbrück e, S ehe r-Cehain ab rücke) in ähnlicher An- 
ordnung wie die Konjica'er Brücke bestehen, während die Careva- (Kaiser) 
brücke mit schöner Inschriftsnische auf Konsolen und Ruhebank, die 
A 1 e X a n d e r b r ü c k e, di e dem berühmten Sinan zugeschriebene A 1 i p a s c h a- 
b rücke über den Kosevabach bereits durch Eisen- und Betonkonstruktionen 
ersetzt worden sind, wiederholt hat. 

Gegen die ganz bedeutenden Leistungen der Türken auf dem Gebiete 
des Brückenbaues treten jene des Wasser- und Straßenbaues sehr 
zurück. Zwar war die Zahl der Wasserleitungen eine sehr bedeutende, indem 
fast jede in der Nähe von Ortschaften gelegene Quelle gefasst und zu 
Moscheen, Bädern u. dgl. geleitet worden ist. Da jedoch für Leitungszwecke 
nur Ton- und Holzrohre verwendet und die zumeist aus Stiftungsmitteln 
(Vakuf's) erbauten Wasserleitungen schlecht erhalten wurden, befanden sich 
dieselben nach der Okkupation in einem elenden Zustande. Einer Eigen- 
tümlichkeit dieser Leitungen, jeuer der Einschaltung von Terezia's möge 
hier Erwähnung geschehen. Es waren dies prismatische, oft als Brunnen aus- 
gebildete Quaderbauten, welche nebst einem kleineren Reservoire ein vertikales 
Zuleitungs- und ebensolches Ableitungsrohr erhielten ; der Zweck derselben 
war offenbar ein doppelter: einerseits sollte der Druck auf die jeweilige 
H()he der Terezia herabgemindert werden, was im Hinblicke auf das minder- 
wertige Leitungsmateriale auch notwendig war, andererseits boten dieselben 
die Möglichkeit, größere Undichtigkeiten der Leitungen leicht aufzufinden, 
indem aufwärts jenes Rohres, wo das Wasser nicht mehr bis in das Reser- 
voir der Terezia gestiegen w^ar, der Fehler lag. 

Die zu den Wasserleitungen gehörigen Auslauf brunnen wurden mit 
Vorliebe als Quaderbau mit einfachen Profilierungen und Inschrifttafeln 
ausgeführt. 

In noch schlechterem Zustande als die Wassei-werke wurden nach der 
Okkupation alle Kommunikationen vorgefunden. Bei Schaffung dieser konnte 
wieder ein einzelner Wohltäter, noch eine fromme Stiftung etwas Ersprießliches 
leisten, da hier lediglich durch das Zusammenwirken aller interessierten 
Faktoren ein günstiges Resultat zu erzielen war. Da jedoch die Regierung 
fast machtlos war und jeder größere Grundbesitzer sich Herrscherrechte an- 
maßte, da Aufstand auf Aufstand die Bewohner immer mehr trennte, war 
ein derartiges Zusammenwirken nicht zu erreichen und war infolgedessen der 
Znstand aller Kommunikationen ein dementsprechender. 

Von den wuchtigeren Kommunikationen war, im modernen Sinne 
gesprochen, eigentlich keine fahrbar, doch wurde die Route Mostar — 
Saraj evo — bosn. Brod tatsächlich befahren und war die türkische 
Regierung seit dem Jahre 1863 bestrebt, die schwierige Strecke Mostar — 
Konjica gründlich umzubauen. Trotz reichlich aufgewendeter Geldmittel 



Beitrag zur Baugeschichte Bosniens und der Herzegowina. 223 

imd Arbeitskräfte kouute diese Aufgabe einem gedeihlieheu Eude iiiebt zii- 
gefiilirt Averdeii. Diese Aufgabe g-lüeklieh zu l(>sen, blieb gleieii zahllosen 
anderen, der österr.-ungar. Verwaltung vorbehalten. Was diese seit der 
Okkupation im Jahre 1878 in Bosnien und der Herzegowina geleistet hat, 
bildet ein uuvergängliehes Lorbeerblatt in der (Sesehichtc Österreich-Ungarns, 
entsprossen dem schönen und nicht genug zu beherzigenden Wahlspruche : 

„Viribus iinitis." 



^F^ 




über die Änderungen des Grundwasserstandes. 225 



Über die Änderungen des Grundwasserstandes 

nach den vom prälalen Gregor jVIendel 
in den Jahren 1865 — 1880 in Brunn ausgeführten Messungen. 

Von Professor Josef Liznar. 

^^he ich an die Besprechung des im vorstehenden Titel angeführten 
^§ Gegenstandes schreite, möge es mir gestattet sein, einige Worte über 
die Gründe vorzuhringen, welche mich zur Wahl dieses Stoffes für die vor- 
liegende Festschrift veranlaßt haben. Als ehemaliger Schüler der k. k. deutschen 
Staatsoberrealschule habe ich das Glück gehabt, zu meinen damaligen, vor- 
trefflichen Lehrern auch Gregor Mendel, den nachmaligen Prälaten des 
St. Thomas -Stift es, zählen zu dürfen. Er war es, der in mir Lust und 
Liebe zur Naturwissenschaft geweckt hat. Ich glaubte nun das Andenken dieses, 
von allen seinen Schülern hochverehrten und geliebten Lehrers nicht besser 
ehren und meine Dankbarkeit gegen jene Anstalt, an der ich meine erste 
wissenschaftliche Ausbildung erhalten habe, nicht besser bekunden zu können 
als dadurch, daß ich ihm hier ein bescheidenes Denkmal setze, aus einem 
Material, das er selbst jahrelang zusammengetragen hat. 

Dieses Material bilden die von 18G5 — 1880 mit größter Sorgfalt aus- 
geführten Messungen des Grundwasserstandes, die mir M e nd el bei Gelegenheit 
eines Besuches im Sommer 1881 zur vollkommen freien Verfügung überlassen 
hat, nachdem ich ihm mitgeteilt hatte, daß ich die Absicht habe, einen 
kleinen Aufsatz über die Änderungen des Grundwasserstandes zu schreiben, 
der auch in der Gäa 1881, pag. 330—336, erschienen ist. In demselben 
habe ich auch einige Resultate der Beobachtungen Mendels publiziert. Ich - 
habe damals die Absicht gehallt, das Beobachtungsmaterial später eingehender 
zu bearbeiten und in ausführlicherer Weise zu veröffentlichen, bin aber leider 
20 Jahre nicht dazu gekommen. Es freut mich daher umsoraehr, diese Ehreu- 



996 über die Änderungen des Grundwasserstandes. 

schuld gerade an dieser Stelle abtragen zu können, in dem Bewußtsein, daß 
die mit so großer Sorgfalt ausgeführten Messungen Mendels nichts an Wert 
verloren haben, denn wir besitzen nur von wenigen Orten langjährige Messungen 
der Grundwasserstände, die sich in Bezug auf ihre Verläßlichkeit mit jenen 
Mendels vergleichen lassen. 

Über die Veranlassung zu diesen Messungen und über die Art ihrer 
Ausführung gibt Mendel in dem in meinem Besitze befindlichen Beobachtungs- 
hefte folgende Aufklärungen: 

„Die Veranlassung zu diesen Messungen gab eine Zeitungsnotiz von 
Pettenkofer im Herbste 1864, in welcher auf das andauernde Sinken des 
Grundwassers hingewiesen wurde. Die Stände desselben waren in der Tat 
auch in Brunn während der Jahre 1865 und 1866 ganz ungewöhnlich tief. 
Der niedrigste durchschnittliche Stand entfiel auf den Winter 1865/66, das 
absolute Minimum wurde in der ersten Oktoberwoche 1865 erreicht. (Aus- 
trocknen des Neusiedler Sees— Cholera 1866)." 

„Die Messungen wurden im Konveutbruunen (Gartenbruuuen) des Stiftes 
St. T h m a s vorgenommen. Derselbe hat eine Tiefe von 254 Zoll (21 Fuß 2" = 
6*69 m) und ist sehr wasserreich. Die Höhe der Wassersäule variiert etwa 
zwischen 8 und 13 Fuß. Der Brunnen erhält sein Wasser aus einer einzigen 
starken Quelle, welche aus der Richtung WNW vom gelben Berge einfällt. 
Nach einer chemischen Analyse enthält das Wasser des Brunnens keinerlei 
organische Stoffe ; es wurde als völlig reines, hartes und vorzügliches Trink- 
wasser bezeichnet."*) 

Die Messungen wurden in der Weise ausgeführt, daß der Nullpunkt 
der Meßschnur an die obere Kante der steinerneu Einfassung angelegt wurde, 
um von da aus die Entfernung des Wasserspiegels bestimmen zu könnea. 
Die Beobachtungen wurden, wenn Störungen nicht zu vermuten waren, jeden 
3. oder 4. Tag, mindestens jedoch einmal in der Woche wiederholt. Aus den 
durch Messung gefundenen Werten wurden dann die Daten für die zwischen- 
liegenden Tage abgeleitet. Nach ausgiebigem Regen und während des Tau- 
wetters im Frühjahr fanden auch tägliche Messungen statt. 

Die Beobachtungsdaten sind bis zum Jahre 1877 in Wiener Zollen, vom 
Jänner 1878 an in Zentimetern, für jeden Tag eingetragen. Die nachfolgende 
Tabelle enthält die in Zentimetern ausgedrückten Monats- und Jahresmittel 
der ganzen Beobachtungsreihe. Hiezu muß bemerkt werden, daß größeren 
Zahlen ein tieferer, kleineren ein höherer Stand des Grundwassers entspricht, 
da nach dem früher Gesagten die Daten die Entfernung des Wasserspiegels 
vom Brunnenrande vorstellen. Die höchsten Wasserstände in den einzelnen 
Jahren sind durch fetten Druck, die niedrigsten durch ein Sternchen 
kenntlich gemacht. 



*) Die auf die Grundwasserstände bezughabenden geologischen Verhältnisse kann man 
ersehen aus: Makowsky, Der Boden von Brunn, Verhandlungen des naturforschenden 
Vereines in Brunn, 1876. 



ÜI)er die Änderungen des Grundwasserstandes. 



227 



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228 Über die Änderungen des Orundvvasserstandes. 

Jährlicher Gang des Grundwassers und des Niederschlages : 

J. F. M. A. M. J. J. A. S. 0. N. D. Jahr 

Gw. —00 1-5 15-3 25-2 29-3 23-2 5-3 —12-6 —24-0 —28-7* —20-9 —7-2 328-0 

/ 5 5* 6 r. 12 14 11 14 5* 7 8 7 551 

^- \ 5* 5* G () 12 13 11 14 7 7* 8 6 510 

Der jährliche Gang des Niederschlages ist durch zwei Zahlenreihen dar- 
gestellt, wovon die erste der Periode 18G5— 80, in welcher die Beobachtungen 
über den Gruudwasserstand ausgeführt worden sind, entspricht, während die 
zweite aus den Niederschlagsmessungeu der Jahre 1848 — 82 abgeleitet worden 
ist.*) Beide stimmen fast vollkommen überein. Der Niederschlag zeigt im 
Laufe des Jahres zwei Maxima im Juni und August, die durch ein kleines 
Minimum im Juli getrennt erscheinen, ferner ein sekundäres Maximum im 
November. Das Hauptminimum tritt im Jänner oder Februar ein ; ein zweites 
sekundäres Minimum zeigt der September beziehungsweise Oktober. 

Der jährliche Gang des Gruudwasserstandes und des Niederschlages 
ist demnach sehr verschieden, so daß es den Anschein hat, als ob beide 
Erscheinungen nichts mit einander zu tun hätten. Bei näherer Überlegung 
kommt iiiun aber zu einem ganz anderen Schlüsse. Berücksichtigt man nämlich, 
daß nicht das ganze Niederschlagswasser in den Boden eindringen kann, 
da eine größere Menge desselben oberflächlich abfließt und ein beträchtlicher 
Teil verdunstet (besonders im Sommer), daß ferner im Sommer durch die 
Vegetation dem Boden Wasser entzogen wird, ehe es in tiefere Schichten 
gelangen kann, so wird man einsehen, daß die angeführten Umstände für 
den Grundwasserstand von großer Bedeutung sein müssen. 

Der Wasserabfluß ist im Sommer, in dem die Niederschläge mit größerer 
Intensität auftreten (d. h. es fällt mehr Regen in kürzerer Zeit) bedeutend 
größer als im ller])st oder Frühjahr, zu welcher Zeit das Niederschlagswasser 
(oder auch Schmelzwasser) mehr Zeit findet, in den Boden einzudringen. 
Im Sommer ist aber auch die Verdunstung viel größer, denn bei den höheren 
Temperaturen enthält die Luft immer weniger Wasserdampf, als sie im Maximum 
enthalten könnte, so daß stets ein Sättigungs-Defizit vorhanden ist, von dessen 
Größe die raschere oder langsamere Verdunstung abhängt. Beachtet man noch, 
daß auch mehr Wasser im Sommer verbraucht wird, so läßt sich durch das 
Zusammenwirken aller angeführten Faktoren der jährliche Gang des Grund- 
wassers leicht erklären. Es steigt zwar der Niederschlag vom Winter zum 
Sommer und erreicht sein Maximum im Juni und August, allein es ist im 
Sommer nicht nur der oberflächliche Abfluß und der Wasserverbrauch, sondern 
auch die Verdunstung am größten. Überwiegen nun die letzteren, dann muß 
im Sommer ein Sinken des Grundwassers eintreten, wie es aus den mit- 
geteilten Zahlen zu ersehen ist. Dieses Sinken dauert so lange, bis Wasser- 
zufuhr (durch den Niederschlag) und Verlust gleich groß werden, dann triff't 
der tiefste Stand ein. Von da an überwiegt die Wasserzufuhr, das Grund- 



*) Alle hier benutzten Niederschlagsdaten sind meiner Abhandlung: Über das Klima 
von Brunn, XXIV. Bd. der Verhandlungen des nalurforschenden Vereines in Brunn, ent- 
nommen. 



über die Änderungen des Grundwasserstandes. 229 

Wasser steigt bis zum Mai, zu welcher Zeit wieder Zufulir und Verlust gleich 
werden. 

Nicht überall tritt der jährliche Gang des Grundwasserstandes in der 
hier beschriebenen Form aui', weil die beeinflnßenden Faktoren andere Werte 
annehmen können. Dort z. B., avo die Sommeruiederschläge gröüer werden, 
die Verdunstung aber verhältnismäßig klein bleibt, wird der jährliche Gang 
des Grundwasserstandes die Form der jährlichen Periode des Niederschlages 
annehmen, wie dies z. B. in M ü n c h e n der Fall ist. *) 

Diesen Einfluß des größereu Niederschlages im Sommer auf das Steigen 

des Grundwassers kann man übrigens auch in Brunn sehr deutlich erkennen. 

Ein besonders lehrreiches Beispiel dieser Art bildet der Verlauf der beiden 

Erscheinungen im Jahre 1879, wie aus nachfolgenden Daten ersichtlich ist. 

Grundwasserstand und Niederschlag im Jahre 1879 : 

J. F. M. A. M. J. J. A. S. 0. N. D. Jahr 

Gw. 286-6 285-3 2754 269-6 2616 228-3 2:n-6 255-5 265-5 2706 276-9 288-1* 266-3 

N. 23 39 43 66 101- 284 77 56 27 22 28 21* 790 

Während der normale jährliche Gang des Grundwasserstandes das 
Maximum vor Mitte Mai aufweist, tritt im Jahre 1879 der höchste Stand erst 
in der zweiten Hälfte des Juni ein und der Anstieg vom Mai zum Juni 
erfolgt rapid. Die Erklärung kann wohl nur in dem außerordentlich großen 
Niederschlage des Juni (einen so hohen zeigt kein Monat seit 1848) gesucht 
werden. 

Der aus den 16jährigen Beobachtungen abgeleitete jährliche Gang des 
Grundwasserstandes zeigt einen so schönen, regelmäßigen Verlauf, daß man 
sich verleiten lassen könnte, auf eine große Genauigkeit der Monatsmittel zu 
schließen. Man kann sich aber leicht überzeugen, daß der wahrscheinliche 
Fehler derselben noch ziemlich groß ist, und daß die Beobachtungen einige 
Jahrhunderte angestellt werden müßten, wenn dieser Fehler nur auf 1 cm 
herabsinken sollte. 

Bildet mau die Differenz der 16jährigen Monatsmittel gegen die Monats- 
werte der einzelnen Jahre, so nennt man bekanntlich den Mittelwert dieser 
Differenzen, ohne Rücksicht auf das Vorzeichen, die mittlere Abweichung 
oder Anomalie. Bezeichnet man diese mit a und die Zahl der Bcobach- 
tungsjahre mit n, so läßt sich der wahrscheinliche Fehler nach folgender, 
von Fe ebner aufgestellten Formel berechnen: 

w= 1.19.55 - ^" .... 1) 

Setzt man für unseren Fall n = 16, so wird : 

w- 0-2147 a .... 2) 
Mit Hilfe der Formel 1) läßt sich auch die Anzahl Jahre w,, l)estinimen, 
die notwendig ist, um den waiirscheiulichen Fehler auf einen bestimmten 
Wert «<;, herabzudrücken. Dann ist: 

«;, = 1-1955 . "- .... 3) 



*) Soyka: Die Schwankungen des Grundwassers mit besonderer Berücksichtigung 
mitteleuropäischer Verhällnisse. Penck's geograpliische Abhandlungen. Bd. iL, Heft 3, pag. 3.'1 



230 Über die Änderungen des Grundwassers'andes. 

Durch Divisiou vou 1) durch 3) erhält mau: 

w, ~ a. I' 2n- 1 ' 
Ist n groß gcuug, so wird nahezu a = a,, uud es kann weiter statt 
2n — ] respektive -2 w, — i einfach 2 n beziehungsweise <2n, gesetzt werden, 



so daß: 



—r = — !-, woraus folgt : n,'=—^ n . . . . o) 



Setzt man hierin für iv den Wert aus 1) und vernachlässigt wieder die 

Einheit gegen 2 n, so ergibt sich : 

n a"^ 1-4292 o* 
n, - 1-19552 ^^ = ^Y~ 7V ' 

oder n, =0-714G— :^ . . . . ('>) 

Soll «', = 1 cm sein, so ist «t?,^ = i und 

n, =0-71i(ia'- .... 7) 

Die in (Ur früher angegebenen Weise ermittelte Anomalie a, sowie die 
nach den Fcnmcln 2) und 7) berechneten Werte von ir und w, enthält 
folgende Zusammenstellung : 



J. 


F. 


M. 


A. 


M. 


J. 


J. 


A. 


S. 


0. 


N. 


D. 


Jahr 


a 24-3 


19-9 


22-5 


15-3 


121 


21-5 


25-4 


25-1 


25-3 


25-6 


26-6 


26-8 


18-6 


w 5-2 


4-3 


4-8 


3-3 


2 6 


4-6 


5-4 


5-4 


5-4 


55 


5-7 


5-7 


40 


n, 422 


283 


362 


167 


105 


330 


461 


450 


457 


468 


506 


513 


247 



Wie man aus diesen Zahlen ersieht, ist der wahrscheinliche Fehler der 
IGjährigen Mittel noch sehr groß; er ist am kU'insten im Mai, am größten 
im November uud Dezember. Selbst im Jaiiresmittel Iteträgt er 4 cm. I)an)it 
er auf 1 cm herabsinke, müßten die Beobachtungen im Mai über 100, im 
November und Dezember aber üljer 500 Jahre fortgeführt werden, eine 
Forderung, die an einem und demselben Orte kaum zu erfüllen ist. 

Aus dem mittleren jährlichen Gange des Qrundwasserstandes konnte 
man eim-u Einfluß des Niederschlages auf denselben nicht direkt ersehen. Dieser 
Einfluß läßt sich aber sehr schön nachweisen, wenn man die Jahresmittel des 
Grundwasserstandes den Jahressummen des Niederschlages gegenüberstellt. 
Diese Daten sind: 

Jahr 1865 

(Jrundwasserstand 372*7 

Niederschlag 530 



1866 


1867 


1868 


1869 


1870 


1871 


1872 


373-2 


327-4 


345-1 


340-9 


327-6 


321-9 


334-0 


523 


621 


407 


451 


514 


452 


524 


187 4 


1875 


1876 


1877 


1878 


1879 


1880 


347-7 


331-4 


319-3 


326-2 


302-7 


266-3 


283-6 


531 


587 


536 


55(J 


652 


7<tO 


714 



Jahr 1873 

Grundwasserstand 32H-3 347-7 
Niederschlag 430 

Von geringen Unregelmäßigkeiten abgesehen, sieht man das Grundwasser 
steigen, wenn der Niederseiilag größer wird und umgekehrt. Es ist sehr zu 
bedaueni, daß die Grundwasserstands-Beobachtungen nicht schon 1863 be- 
gonnen hal)en, denn in diesem Jahre war die Jahressunime des Niederschlages 



über die Änderungen des Grundwasserstandes. 231 

außerordeutlicli klein, sie betrug nur 297 mm, so daß wahrscheinlich auch 
das Grundwasser einen sehr tiefen Stand gehabt haben dürfte.*) 

Am schönsten ergibt sich der Einfluß des Niederschlages auf den Stand 
des Grundwassers, wenn man die in den einzehicu Jahren auftretenden 
Störungen dadurch eliminiert, daß man die ganze Beobachtuugsreihe in zwei 
gleiche Gruppen teilt und die Mittel bildet. Mau erhält dann: 

Periode 1865-72 1873-80 

Grundwasserstand 342-8 313-2 

Niederschlag 503 599 

Dem geringeren Niederschlage in den Jahren 1865—72 entspricht dem- 
nach auch ein tieferer Stand des Grundwassers. 

Es wird wenige Orte geben, von welchen eine so homogene Reihe von 
Beobachtungen über den Grundwasserstand vorliegt, weshalb die hier ver- 
öffentlichten Daten von besonderem Werte sind, indem sie auf das Deutlichste 
nachweisen, daß der Grundwasserstand tatsächlich von der Nicderschlags- 
höhe abhängig ist. 

Bildet man die Differenz des höchsten und tiefsten Monatsmittels des 
Grund Wasserstandes in jedem Jahre, so erhält man die periodische Jahres- 
gchwankung, die durch folgende Zahlen gegeben sind: 

Periodische Jahresschwankung des Grundwasserstandes. 
1865 1866 1867 1868 1869 1870 1871 1872 
91-7 71-6 77-6 90-2 80-0 59*3 87-9 67-2 



1873 


1874 


1875 


1876 


1877 


1878 


1879 


1880 


70-0 


52-0 


68-5 


90-0 


54-2 


32-5 


59-8 


42-6 



Man sieht schon auf den ersten Blick, daß in den Jahren 1865 — 72, 
deren Niederschlag ein geringerer war als jener der Jahre 1873 — 80, die 
Jahresschwankung größer ist. Noch deutlicher ergibt sich dieses Resultat, 
wenn man wieder die Mittel der beiden achtjährigen Gruppen bildet, denn 
dann erhält man: 

Periode 1865-72 1873-80 1865—80 

Jahresschwankung 78-2 cm 58*7 cm 68-4 cm 

Dasselbe Resultat ergibt sich, wenn man in jedem Jahre den absolut 
höchsten und tiefsten Stand des Grundwassers aufsucht und ihre Diftcrenz, 
die aperiodische Jahresschwankung, bildet. Diese Daten mit Angabe der 
Eiutrittszeit enthält die nachfolgende Zusammenstellung. Bildet man auch hier 
die Mittel für die beiden Perioden, so ist: 

Periode 1865—72 1873—80 1865—80 

Aper. Jahresschwankung 83-4 68-5 75*9 



*) Der sehr tiefe Stand in den Jahren 1865 und 1860 dürfte noch eine Nachwirkung 
der geringen Niederschläge von 1863 (297 mm) und 1864 (401» mm) sein. München zeigt 
z. B. folgende Grundwasserstände 186.3 : .584-7, 1864 : 5781, 1865 : 599-6, 1866 : 591-9. 
Hier trat sonach der tiefste Stand im Jahre 1864 ein. 



932 ^^^^ ^'® Änderungen des Grundwasserslandes. 





UQY llü 


cusie uuu ueisic 


OlilUU uco 


VJIl UllU.Ty<li3i3\;ii3. 


Aper. 


Jahr 


Maximum 


Datum 


Minimum 


Datum 


Jahr.-Schw 


1865 


319-0 


6. April 


418-5 


4., 5. Okt. 


99-5 


1866 


324-3 


14., 15. Mai 


404-6 


12., 13. Nov. 


80-3 


1867 


306-1 


11. Juni 


361-7 


26. Okt. 


55-6 


1868 


300-8 


20. Mai 


402-5 


4. Okt. 


101-7 


1869 


277-6 


5. Mai 


388-3 


5. Nov. 


90-7 


1870 


290-3 


5. Juni 


360-3 


5. Okt. 


70-0 


1871 


273-2 


27. März 


370-3 


30. Sept. 


97-1 


1872 


294-5 


12. Mai 


367-2 


20., 21. Sept. 


72-7 


1873 


295-0 


19. 23. ]\Järz 


367-4 


9.-11. Okt. 


72-4 


1874 


314-8 


31. Mai 


383-0 


16. Aug. 


68-2 


1875 


292-2 


29., 30. April 


375-1 


1. Okt. 


82-9 


1876 


258-7 


22. März 


359-8 


1. Okt. 


101-1 


1877 


290-0 


23., 24. Mai 


351-1 


30. Sept. 


61-1 


1878 


288-2 


31. März 


327-1 


26., 21. Sept 


38-9 


1879 


198-7 


19.— 23. Juni 


268-5 


19.— 23. Sept. 


69-9 


1880 


241-0 


30.-3. Juli 


294-3 


30. 3. Dez. 


53-3 



Um eine Erklärung dieses Verhaltens der Jaliresschwankung geben zu 
können, ist es notwendig, den jährlielien Gang des Gruudwasserstandes 
und des Niederschlages in den beiden Perioden näher zu untersuchen. Zu 
diesem Zwecke wurden die nachfolgenden Daten abgeleitet. 

Jährlicher Gang des Grundwassers. 

Periode J. F. M. A. M. J. J. A. S. 0. N. D. 

1865—72 352-1 3381 320-5 308-3 305-0 318-4 338-4 355 5 370-5 3790* 372-1 35(51 

1873-80 315-9 316 9 3039 297-2 2924 291-2 307-1 3257 333-5 334-4* 325-6 314-4 

Obwohl der jährliche Gang in beiden Perioden sehr ähnlich ist, ergeben 
sich doch gewisse Unterschiede, welche in der ungleichen Größe der Amplitude 
und in der Verschiedenheit der Eiutrittszeiten der Extreme zum Ausdruck 
gelangen. So wurde schon früher gezeigt, daß die Jahresschwankung in der 
Periode 1865-72 größer ist als in jener 1873—80. Aus den vorstehenden 
Zahlen kann man ferner entnehmen, daß in der Periode 1873 — 80 das 
Maximunm etwas später, das Minimum hingegen etwas früher eintritt als in 
der Periode 1865 — 72. Man köimte diese Unterschiede noch anschaulicher 
machen, wenn man den jährlichen Gang für die beiden Perioden graphisch 
darstellen würde. 

Nachdem früher nachgewiesen worden ist, daß die Änderungen im 
Stande des Grundwassers durch die Verschiedenheit der Niederschlagshöhen 
bedingt werden, so muß sich auch zeigen lassen, daß die angeführten 
Unterschiede im jährlichen Gange in der Verschiedenheit der Niederschläge 
zu suchen sind. Die mittleren Niederschlagshöhen in den beiden Perioden 
waren : 

Jährlicher Gang des Niederschlages in mm. 
Periode J. F. M. A. M. J. J. A. S. 0. N. D. 

1865-72 34 19* 35 28 49 74 59 76 22* 3t 39 35 

1873-80 20* 41 30 36 87 76 57 77 36* 39 51 48 



über die Änderungen des Grundwasserstandes. 233 

Das Ansteigen des Grundwassers im "Winter hängt nicht allein von der 
Höhe des Niederschlages ab, sondern auch von der Art und Weise, wie das 
Niederschlagswasser in den Boden eindringt; die letztere kann aber in ver- 
schiedenen Perioden sehr verschieden sein. Die Hauptursache dieser Ver- 
schiedenheit ist in den Schneeverhältnissen zu suchen. So sieht man, bei fast 
demselben Niedersehlage vom Jänner bis April, das Grundwasser in der 
Periode 1865— 72 viel rascher ansteigen als in der Periode 1873-80. Inder 
ersteren Periode zeigt der Grundwasserstand das Maximum vor Mitte Mai, 
während man es in der zweiten in der ersten Hälfte des Juni auftreten sieht. 
Durch den hohen Niederschlag des Mai in der zweiten Periode wird nändich 
dem Boden mehr AVasser zugeführt als er verliert, so daß das Grundwasser 
noch steigen muß. Ebenso bringen die in der Periode 1873 -HO im Herbst 
auftretenden höheren Niederschläge das Grundwasser früher zum Steigen, 
weshalb das Minimum früher eintreten muß als in der Periode 1865 — 72. 
Weil aber das Grundwasser in der Periode 1865-72 im Frühjahr rascher 
ansteigt und im Herbst länger fällt, wird von ihm auch ein relativ tieferer 
Stand erreicht, so daß dadurch die Jahresschwankung in dieser Periode 
vergrößert wird. 

Es sei noch erwähnt, daß während des ganzen 16jährigen Zeitraumes 
der höchste Stand am 19. — 23. Juni 1879 und der tiefste am 4. und 5. Oktober 
1865 beobachtet worden ist. Der erstere betrug 198*7, der letztere 418'5 cm, 
woraus sich eine absolute Schwankung (für die Beobachtungszeit 1865- 80) 
von 219*8 cm (6.9 W. Fuß) ergibt. Die Höhe der Wassersäule in dem 
Beobachtungsbrunnen zeigte demnach eine bedeutend größere Änderung, als 
sie von Mendel angegeben wurde, weil seine diesbezügliche Bemerkung 
aus der Zeit vor 1879 herrührt. 




2£. 



Zur Griindleijuni,' in der Retlien- und Größenlehre. 235 

Zur Grundlegung in der Rechen- und Größenlehre. 

Von Professor Ernest Lindenthal. 

Alle Wahrheit, und alle Weisheit liegt zuletzt 

in der Anschauung. 
Die Uniuelle und Grundlage aller Begriffe sind 

die anschaulichen Vorstellungen. 

st' Arthur Schopenhauer (W. II, 79). 

«eder Unterricht hat von der Auschaiumg auszugehen; also auch der des 
h Zähleus. Damit ist aber durchaus nicht gesagt, daß der Unterricht und 
insbesonders seine höhere Ausgestaltung an der Anschauung festgeklammert 
bleiben solle. 

Wir unterscheiden ein Ding von mehreren Dingen. Jedes einzelne 
Ding ist im Gegenhalte zu mehreren Dingen eine Einheit und mehrere 
Dinge hinwiederum sind eine Vielheit. 

Jede gezählte Menge gegebener Gegenstände nennen wir eine b e- 
nannte Zahl. Z. B. sind 7 Kronen, welche vor mir auf dem Tische liegen, 
eine benannte Zahl. Strenge genommen, ist die Bezeichnung „benannte Zahl" 
falsch; sie wird jedoch allüberall gebraucht. Der richtige Ausdruck wäre: 
„gezählte Menge gegebener Einheiten." 

Jede gezählte Menge, bei welcher dem Zählenden die Art oder die 
Beschaffenheit der Einheiten gleichgiltig ist, wo er also jederzeit jede einzelne 
Einheit durch eine beliebige andere Einheit ersetzen kann, wo darum auch 
die Art der Einheit gar nicht bekannt gegeben wird, heißt eine unbenannte 
Zahl. Es ist darnach die unbenannte Zahl irgend etwas Gezähltes. 

Durch das Hinzulegen einer Einheit zu einer Zahl erhält man eine 
andere Zahl und so ins Unbegrenzte fort. Gibt man also zu einer gezählten 
Menge von Kronen eine weitere Krone hinzu, so erhält man eine andere 
benannte Zahl. 

Die reine Zahl oder das Wie viel kommt für sich allein nicht vor, 
indem sie stets an einer wahrnelimbaren Unterlage haftet. Es ist dies nicht 
anders, als mit irgend einer Eigenschaft. Die reine Zahl spielt also die Rolle 
einer Eigenschaft der Dinge. 

Die drei Begriffe : „benannte Zahl," „unbenannte Zahl" und „reine Zahl" 
lassen sich einzeln genommen, ihrem Umfange nach etwa mit den Begriffen : 
„nützliches Werkzeug," „etwas Nützliches" und „Nützlichkeit" vergleichen. 

In dem Satze: „3 \ 5 sind 8" hat man es mit drei unbenannten 
Zahlen zu tun; wogegen die zwei Mengen: 5 Glockenschläge und 5 Apfel 
in der reinen Zahl „fünf" übereinstimmen. In dem Satze: „Die Hache 
dieses Rechteckes ist 5 mal Hm-" ist fünf eine reine Zahl, welche die 
vorkommenden Streifen zählt. Jeder Streifen enthält 8 wr. Fünf ist aber hier 
beileibe nicht eine unbenannte Zahl. 

^lit dem Worte Zahl bezeichnet man bald die benannte, bald die unbe- 
nannte, bald die reine Zahl. Aus dem jeweiligen Sinne des Satzes erkennt 
man in der Regel, mit welchem dieser drei Begriffe mau es zu tun hat. In 



236 Zur Grundlegung in der Rechen- und Grüßenlehre. 

der Fordeniug-: „Zähle diese zwei Zalilen zusammen" oder genauer gesagt: 
„Vereinige die Einheiten dieser zwei Zahlen zu einer einzigen Zahl" hat 
man unter Zald entweder eine benannte oder eine unhenannte Zahl zu ver- 
stehen. Denn an reinen Zahlen läl-U sieh keine Veränderung vornehmen, 
da sie für sieh allein nieht vorkommen. iNlan kann also mit reinen Zahlen 
nicht zählen und darum auch nicht rechnen. Zählen lassen sich bloß die 
untergelegten Gegenstände. Dabei brauchen die Dinge nicht, wie es gewöhnlich 
heißt, gleichartig zu sein, indem man ja auch völlig verschiedene Dinge 
zusammenzählen kann. So z. B. sind 1 Blitzstrahl, 1 Glockenschlag und 1 Apfel 
drei gänzlich verschiedenartige Dinge. 

Es gibt keine anderen Zahlen als diejenigen unserer gewöhnlichen 
Zahlenfolge. Es sind dies die sogenannten ganzen Zahlen. Durch irgend 
welche an ihnen ausgeführte oder auszuführende Rechenvorgänge entstehen 
ebenso wenig neue Zahlarten, als etwa durch irgend eine an einer Kugel 
vorzunehmende Veränderung eine neue Art von Kugeln entsteht. Die Bei- 
wörter gebrochen, negativ, positiv, irrational, imaginär, u. s. w. 
beziehen sich nicht auf das Wesen der Zahl oder auf die Zahl selbst, sondern 
auf die Forderungen, welche mit den Zahlen verknüpft werden, oder auf 
die Unterlage der reinen Zahl. 

Die neuere Mathematik geriet dadurch auf einen Abweg, daß sie die 
bezogenen (oder relativen) Zahlen, welche fälschlich „mit Rechenzeichen 
behaftete Zahlen" genannt werden, als neue Arten von Zahlen und als 
besondere Wesenheiten hinstellte; gerade so, als ob ein mit Tinte oder mit 
Kreide zu zeichnendes Dreieck eine besondere Art von Dreiecken wäre. 

In unseren Lehrbüchern findet man häufig die Erweiterung des 
Zahlbegri ff es besprochen. Nun ist jede Erweiterung eines Begriffes mit 
einer Verminderung seiner Merkmale unzertrennbar verbunden. Die reine 
ganze Zahl aber ist nichts weiter als ein einziges Merkmal einer Vielheit. 
Dadurch, daß wir gebrochene, wegzunehmende und andere Einheiten heran- 
ziehen, wird die Anzahl der Merkmale der Zahlenunterlage vermehrt^ 
der P>egriff Zahl jedoch bleibt dabei vollständig unverändert. Da die reine 
Zahl nichts anderes als ein einzelnes Merkmal ist, so ist dieser Begriff einer 
Erweiterung gar nicht fähig. 

So wie es keine allgemeinen Weltkörper, keine allgemeinen Pflanzen, 
keine allgemeine Schönheit, keine allgemeinen Dreiecke gibt, so gibt es 
auch keine allgemeinen Zahlen. Weder Eni er noch Lag ränge 
sagen uns in ihren grundlegenden Schriften etwas von solchen Zahlen. Wo nun 
dennoch im Buchstabenrechnen von allgemeinen Zahlen gesprochen wird, da 
sind besondere Zahlen gemeint, die nach Belieben durch andere passende 
Zahlen ersetzt werden können. Wenn es heißt: „Die Länge einer Dreiecks- 
seite sei „z. B. 4 m^\ so sind diese beliebig angenommenen 4 m das- 
jenige, was man mit dem vVusdrucke allgemeine Zahl bezeichnet. Nur ist 
es üblich, statt eines besonderen Zahlzeichens einen Buchstaben zu nehmen, 
etwa a. Dabei ist es gleichgiltig, ob von mehreren Rechnern, jeder einzelne 
dem Zeichen a eine andere Zahl zuweist, oder ob alle für a dieselbe Zahl 



Zur Grundlegung in der Reclien- und Größenlelire. 237 

wähleu. Dem Rechner steht es also frei, diesem oder einem anderen Ikieh- 
stabeu irgend welche Zahlenbedeutuni;- beizulegen; und da ein liuchstabe 
jeder Zahl zugewiesen werden kann, so ist er ein a 1 1 g e m e i n e s Z a h 1 z e 1 c h e ii. 

Leider hat die liezeiclmung „allgemeine Zahl" zu verschiedenen Irrtümern 
Anlaß gegeben und darum würde es sich empfehlen, diesen Ausdruck aus- 
zuscheiden, und statt seiner „beliebige Zahl" zu sagen. Unter diesen 
Irrtümern erscheint als der bedenklichste jener, wo es lieilit, daß allgemein 
giltige Sätze der Rechenlehre und Größenkunde bloß mit Hilfe allgemeiner 
Zahlen abgeleitet werden können. Aber schon die Bücher Euklids, ja schon 
der Papyrus Rhind belehren uns, daß solche Ableitungen einzig und allein 
mit besonderen, aber beliebig gewählten Zahlen durchführbar sind. Es ist 
dies nicht anders als etwa mit der Ableitung des Lehrsatzes des Pythagoras. 
Man geht dabei von einem beliel)igen rechtwinkeligen Dreiecke aus; sobald 
dieses aber angenommen ist, hat man es mit einem bestimmten oder beson- 
deren Dreiecke zu tun. Für Zahlen und räumliche Gebilde sind nicht die 
Hegritfe „besonder" und „allgemein" Zwillingsbegriife, wohl aber die Begriffe 
„bestimmt'' und „beliebig". 

Da einer jeden Zählung eine wahrnehmbare oder gedachte Einheit zu 
Grunde lieg-en muß, so kann eine Zählung erst dann vorgenommen werden, 
wenn die Art der zu zählenden Einheiten unmittelbar oder mittelbar gegeben 
ist. Auf die Frage: „Wie viele Ehrenmitglieder dieses Vereines waren in der 
letzten Vollversammlung anwesend?" werden wir die Zählung auf die Einheit 
„Ehrenmitglied dieses Vereines, welches in der letzten Vollversammlung an- 
wesend war" stützen ; und auf die Frage : Wie groß ist die Grundfläche der 
Brünner Domkirche? kann man für die vorzunehmende Zählung etwa die 
Einheit „Geviertmeter, welcher der Grundfläche der Brünner Domkirche ange- 
hört," wählen. 

Durch jede Zählung wird nichts weiter als die entsprechende reine 
Zahl festgestellt. Nun ist alles denkbare Rechnen aus Zählvorgäugen zusammen- 
gesetzt; und darum handelt es sich in der ganzen Rechenkunde und in deren 
Anwendungen bloß um die Bestimmung von reinen Zahlen. In dem Beispiele: 
Berechne die Fläche eines Rechteckes, dessen Länge 3 m und dessen Breite 
2 m beträgt, ist zwar die Einheit der Zählung nicht gegeben ; nichtsdesto- 
weniger ist der Fall vollständig bestimmt, da der Rechner hier eine passende 
Einheit leicht wählen kann. Doch erst nach dieser Wahl kann die Zählung 
vorgenonmien werden ; und sie wird jedesmal zu einem anderen Ergebnisse 
führen, je nachdem die vorhandenen Geviertmeter, Geviertzentimeter oder 
Riemenmeter *) gezählt werden. 

Die kleinste Zahl ist die Zwei; der Zweckmäßigkeit halber bezeichnet 
man jedoch auch die Eins und die Null als Zahlen. Die letztere ist die Ab- 
wesenheit jedw^eder Einheit. Zahlen, welche kleiner als Null sind, gibt es 
ebenso wenig, als Größen, welche kleiner als Null sind. Die Zahlen sind von 
einander schroff getrennt, und zwischen je zwei benachbarten Zahlen besteht 



Ein Streifen von 1 m Länge und 1 cm Breite. 



238 Zur Grundlegung in der Rechen- und Größenlehre. 

eine Klnft. welche nicht iiberhrückt werden kann. So z. R. i;il)t es zwischen 
19 und 2l> keine weitere Zahl. AVenn nun dennoch gesagt wird, daß die Zahl 
19-6 zwischen 19 und 20 liege, so darf dies nicht wörtlich genommen werden. 
Denn 19-6 ist nicht eine Zahl; vielmehr sind hier zwei Zahlen, u. zw. 
die Zahlen 19 und 6 zu unterscheiden, wobei die erstere an ganzen, die 
letztere an gebrochenen Einheiten haftet. Nicht die Zahl 19 '6 liegt zwischen 
19 und 20, sondern die entsprechenden Größen (Strecken, Flächen, Gewichte, 
Zeiträume u. s. w.) weisen die ausgedrückte Beziehung auf. 

Es sei noch besonders hervorgehoben, daß die Wendungen : „Zähle 
zwei Zahlen zusammen, nimm die Zahl a von der Zahl h weg, u. a. bloß 
dann einen Sinn haben, wenn sie sich nicht auf die reinen Zahlen, sondern 
auf deren Unterlage beziehen. Reine Zahlen können bloß dadurch verändert 
werden, daß die Mengen der Dinge verändert werden. 

2. Die Mathematik ist die vollkommenste aller Wissenschaften; ihre 
Wahrheiten stehen für ewige Zeiten fest. Ihrem Inhalte entsprechend suchte 
man ihr auch die vollkommenste Form, das ist die möglichst weitgehende 
Unterordnung des Besonderen unter das Allgemeine, zu geben. Dazu war es 
nötig, eine ebenbürtige Sprache zu schaffen. Seit dem Gebrauche der Buch- 
staben als allgemeiner Zahlzeichen durch Johannes Müller, zubenannt 
Regiomontanus (1436— 1476) und durch Michael Stiefel (1486-1567) hat 
die Sprache der Größenlehre eine außerordentliche Vervollkommnung erfahren. 
Keine zweite Wissenschaft hat heute eine eben solche bündige und inhalts- 
reiche Sprache aufzuweisen. So z. B. bezeichnen wir mit dem Buchstaben a 
nicht nur jede beliebige ganze Zahl, sondern auch jeden beliebigen Bruch, 
jede beliebige gemischte Zahl und dazu auch noch den Sinn, in welchem 
die betreftende Zahl in der Rechnung aufzutreten hat. Es kann also das 
Zeichen a sowohl eine beziehungslose (absolute) als auch eine bezo,!-ene 
(relative) Zahl und im letzteren Falle entweder eine vermehrende oder eine 
vermindernde Vielheit bedeuten. 

Dieser letzteren mehrfachen Bedeutung eines Buchstabens entspricht 
auch eine mehrfache Bedeutung des Zeichens „a-|-&-" Schon auf der ersten 
Stufe des Buchstabenrechnens wird es in acht Bedeutungen genommen. Das 
Zeichen „3 -j- 4" dagegen hat nur zwei Bedeutungen, nändich die der Forderung, 
4 Einheiten zu 3 Einheiten hinzuzuzählen, wie auch die des Ergebnisses dieses 
Hinzuzählens. Wenn wir letzteren Sinn ausschließlich bezeichnen wollen, so 
schließen wir das Zeichen 3 + 4 in Klammern ein. Diese lassen wir jedoch 
überall dort weg, wo sich aus dem zugehörigen Satze unzweideutig ergibt, 
in welcher Bedeutung das Zeichen gemeint ist. In dem Satze „3 -f- 4 ist 7" 
kann man unter „3 -f 4" nichts anderes als eine einzige Zahl verstehen, welche 
ebenso viele Einheiten enthält, wie die Zahl 7. Auch das Zeichen -f 4 hat 
. zwei liedeutuugen, nämlich die der Forderung, 4 Einheiten zu etwas, das 
hier nicht angegeben ist, hinzuzuzählen ; wie auch das Ergebnis dieser Zählung. 
Wenn wir etwa die Lage eines Punktes auf einer Linie, sei nun diese gerade, 
krumm oder gebrochen, mit -f 4 bezeichnen, wobei wix von einem beliebigen 
Nullpunkte ausgehen, so meinen wir damit, daß zu einem (stillschweigend 



Zur Grundlegung in der Rechen- und GröiJenlehre. 239 

voraiisj^csetzteu) Vorrute 4 Eluheiteu liiuzuziiiAcben siiul. Wir verstehen aber 
unter -|-4 auch schon das Eri;ebnis dieses llinzulÜ^ens selbst. 

Damit verwandte Bedeutungen sind auch in das alltägliche Leben ein- 
gediungen. Wü dem Ausdrucke „ — 5° Wärme" z. 1>. verstehen wir nicht etwa 
die Forderung, 5 Grade von jenem Wärmegrade abzuziehen, bei welchem 
das Wasser zu erstarren beginnt, sondern offenbar das Ergebnis dieser 
Forderung, d. i. den zu einer gewissen Zeit herrscluMidcn Wärmegrad. Dabei 
lassen wir den Vorrat an Wärmegraden unerwähnt und berechnen keineswegs 
den hier in Frage kommenden Rest. Die vollständige Angabe des Wärme- 
grades miii3te hier, dem heutigen Stande der Wissenschaften zufolge, 273"— 5" 
oder 208" lauten. 

Was mm die acht IJedeutungen des Zeichens a -^ h betrifft, so hat 
man es hier mit vier verschiedenen Forderungen und mit ebenso vielen 
Ergebnissen zu tun. Diese Bedeutungen haben sich ganz ungezwungen aus 
der Anwendung und ütfuung der Klammern ergeben. Für die Zeichensprache 
der ganzen Mathematik sind folgende vier Gleichungen grundlegend : 

1) a -\- (h -\- c) = a -{- b -^ c'^ 

2) a -\- {h — c) = a -\- h — c; 

3) a — [h ~{- c) = a — h — c-^ 

4) a — (b — c) = a — h -{- c. 

Die Richtigkeit dieser vier Gleichungen ist leicht einzusehen. Für den 
besonderen Fall, wo & = ist, ergeben sich folgende Schreibweisen: 

+ (-|-c) = + c; 
-f (-c)--c; 
- (+c)--C5 
-i-c) = + c. 

Dabei bedeutet c eine beziehungslose Zahl. Weisen Avir aber einem 
Buchstaben die Bedeutung einer bezogenen Zahl zu, setzen wir also z. B. 
b =^ dt c, dann ist a -\- {-{- c) = a -{- b und auch a -f- ( — c) = a -\- b, 
woraus für a -\- b die folgenden vier verschiedenen Bedeutungen entspringen : 
1. Zähle zur Zahl a eine Zahl hinzu; 2. Das Ergebnis dieser Zählung; 
3. Ziehe von der Zahl a eine Zahl ab ; 4. Das Ergebnis dieses Wegnehmeus. 

Wenn nun auch noch a eine bezogene Zahl vorstellt, ergeben sich vier 
weitere Bedeutungen, im ganzen also acht Bedeutungen des Zeichens a -\- b. 
Dabei hat man es bloß mit einer neuen Schreibweise, nicht aber mit neuen 
Begriifen zu tun. 

3. Einer besonderen Ei'wähnung bedürfen die sogenannten negativen 
Zahlen. 

Eine negative Zahl ist ohne eine zugehörige Vollzahl, nicht denkbar. 
Der Fall 2m — bm ist bloß so vorstellbar, daß die 5m nicht als ein Stück 
der 2m angesehen werden, sondern als eine für sich selbständig bestehende 
Strecke. Mit „2m — öm'' fordert man dann, daß von den 2m ein Stück 
wegzunehmen ist, welches so lange ist wie eine bm lange Strecke. Wenn 
wir nun 2m — .ow = — 3m setzen, so meinen wir damit, daß etwas 



240 Zur Grundlegung in der Rechen- und Größenlehre. 

Uumögliches verlaugt wurde und daß ein Rest der Forderung unerfüllt 
bleiben müsse. 

I^Iit — 3 Metern oder allgemein mit — 3 Einheiten können wir nach 
den obigen Erläuterungen auch ein wirkliches Ergebnis bezeichnen. Ist 
nämlich — 3 gleichbedeutend mit a — 3, wo a einen Vorrat bedeutet, so 
hat man unter — 3 nicht nur die Forderung, 3 Einheiten von a wegzunehmen, 
sondern auch schon das Ergebnis dieser Forderung zu verstehen. Es bedeutet 
also — 3 eine wirkliche Zahl, aber ganz und gar nicht eine negative Zahl 
im landläufigen Sinne. Dieses — 3 kann nun weiter in die Rechnung ein- 
treten, stets aber hat man dabei im Auge zu behalten, daß es nicht eine 
selbständige negative Zahl, d. i. eine selbständige wegzunehmende Zahl vor- 
stellt, sondern daß die 3 Einheiten mit dem Vorrate a unzertrennbar zusammen- 
hängen. Wollte man nun etwa — 3 = «/'^ setzen und das y durch die 
Ausziclnmg der zweiten Wurzel aus — 3 bestimmen, so wäre das vollständig 
sinnlos. Hingegen können die — 3 zu einer Zahl hinzugezählt, oder von 
einer Zahl weggenommen werden, die — 3 Einheiten können auch verviel- 
facht, geteilt oder gemessen werden, ohne daß es in allen diesen Fällen 
nötig wäre, den Avirklichen Rest des Vorrates a heranzuziehen und an diesem 
selbst die betreffende Rechenart vorzunehmen. 

Mit solchen Vorräten hat man es insbesonders bei allen Bahn- und 
Bcwegungsgleichungen, sowie bei allen Ortsgleichungen zu tun, welche sich 
auf ein Achsenkreuz beziehen. Wenn in einer solchen Ortsgleichung nur eine 
Achse mit einem beliebig angenommenen Nullpunkte in Frage kommt, so hat 
man dabei auch nur an einen Vorrat zu denken. Bezieht sich hingegen eine 
derartige Gleichung auf beide Achsen, so treten zwei Vorräte auf. Darnach 
ist kaum ein zweiter Zweig der Größenlehre mit einer solch fein ausgebildeten 
Zeichensprache ausgerüstet, wie die analytische Geometrie. Denn währen! in 
der gewöhnlichen Rechnung die drei Ausdrücke „?/ — 3" „2/ — (-|- 3)" und 
r>y + ( — 3)" vollständig gleichbedeutend sind, so hat man es bei der Beziehung 
dieser Werte auf ein Achsenkreuz, sobald die 3 Einheiten der x Achsr 
angeluiren, mit zwei Bedeutungen zu tun. Denn dann sind bloß die zwei ersten 
xVusdrücke gleichbedeutend, indem jedesmal die 3 Einheiten auf der x Achse 
im vermehrenden Sinne vom Anfangspunkte aus aufzutragen sind. Der 
Ausdruck ^ j- (— 3) hingegen verlangt, daß die 3 Einheiten auf der a; Achse 
im vermindernden Sinne aufgetragen werden. 

Auf dieser feinen Unterscheidung fußt der vollendet schöne Bau der 
analytischen Geometrie und die ganze reiche Anwendung dieser hohen Schöpfung 
menschlicher Denkkraft. 



'^ 






i 



Das nilocäne Mittelmeer in Mähren. 241 

Das miocäne Mittelmeer in Mähren. 

Von Professor Anton Rzehak. 

V der geologischen Geschichte unseres Heimatlandes spielte die Über- 
^^0" flutung desselben durch das miocäne Mittelmccr eine sehr große Rolle, 
da die Ablagerungen dieses Meeres heute noch weite Flächenräume einnehmen, 
teils tiefe Bodensenkungen ausfüllend, teils ansehnliche Hügel (Seelowitzer 
Berg, Pratzer Berg, Unt. Tanno\vit/er HiUicnzug u. a.) bildend. Viele dieser 
sowohl in lithologischer, als auch in paläontologischer Beziehung aul^erordentlich 
mannigfaltigen Ablagerungen sind unschwer als heteropische Sedimente eines 
und desselben Meeresbeckens, eines und desselben Zeitabschnittes zu erkennen. 
Bei einzelnen derselben drängt sich jedoch dem Forscher sehr bald die Frage 
auf, ob ihre Eigentümlichkeiten nicht vielleicht doch besser auf Alters- 
ditfcrenzen, als auf die Faciesverhältnisse zurückzuführen seien. Eine befrie- 
digende Antwort auf diese Frage ist bis heute noch nicht gefunden worden, 
denn heute noch vertreten die einen die Ansicht, daß sich unser mediterranes 
Miocän in zwei altersverschiedene Stufen (die 1. und 2. Mediterranstufe) 
gliedern lasse, während andere wiederum die Zulässigkeit einer solchen 
Gliederung bekämpfen und nur eine einzige, stratigraphisch unteilbare „Medi- 
terranstufe" annehmen. In diesem letzteren Sinne hat in neuerer Zeit C. de 
Stefani in seiner Schrift: „Lcs terrains tcrtiaires superieurs du 
Bassin de la Mediterranee" (x\nn. Soc. Geol. de Belgique, XVHI, 
1890—9], S. 201 — 419) alle jene Ablagerungen, die man im weiten Bereiche 
des ehemaligen Mittelmeeres als altersverschiedene Gebilde verschiedenen 
Stufen (Langhien resp. Burdigalien— Helvctien— Tortonien— Messinien z. T.) 
zugewiesen hat, als nur bathymetrisch verschiedene, dem Alter nach jedoch 
zusammengehörige Sedimente zu einer einzigen, großen Stufe, dem „Mittel- 
miocän", vereinigt. Nach dieser Auffassung hätten wir also bei uns in Mähren 
nicht nur den weitverbreiteten blauen „Tegel," den Leithakalk, die fossilreichen 
„Mergel des Leithakalkes", die neogen-marinen Sande, Sandsteine und Con- 
glomerate als zusammengehörige Facies des mittelmiocänen Meeres zu betrachten, 
sondern ihnen auch noch die von mir vor mehr als 20 Jahren nachgewiesenen, 
ziemlich verbreiteten neogenen Pteropoden- und Aturieumergel, sowie die 
brackischen Oncophoraschichtcn nebst ihren limnischen Äquivalenten (grüner 
Tegel von Eibenschitz, Süßwasserhornstein von Dukowau, bunter Tegel mit 
Landkonchylien von Brunn) anzureihen. Nach De Stefani müßte auch noch 
die sarmatische Stufe, die in Mähren ebentalls vertreten ist, zum Mittelniiocän 
gezogen werden; trotzdem die paläontologischen lieziehungen dieser Stufe zu 
der mediterranen Stufe ziemlich innige sind, wird dieselbe doch noch immer 
als eine selbständige Abteilung unseres Miocäns aufgefaßt und deshalb auch 
in der vorliegenden Studie mit den „rein mediterranen" Ablagerungen nicht 
verknüpft werden. 

In der mittelmicoänen Zeit war Mähren ohne Zweifel in einer sehr beträcht- 
lichen Ausdehnung vom Meere bedeckt und wir sind in der Lage, nicht nur 

10 



242 Das miocäne Mittelmeer in Mähren. 

die einstigen Ufer dieses Meeres annähernd zu bestimmen, sondern auch die 
wesentlicheren Veränderungen de.sselbcn in Bezug auf die Wassertiefe zu 
verfolgen. Es drängt sieh uns jedoch bei den Untersuchungen dieser Art sehr 
bald die Frage auf : „Woher kam denn eigentlich dieses Meer?" Daß 
es aus sehr weit entfernten Gebieten plötzlich bis an den Fuß des sudetischen 
Berglandes vorgedrungen sei, wird man wol kaum annehmen wollen, da alle 
Anzeichen eines solchen plötzlichen, gewaltsamen Einbruches fehlen ; es entspricht 
vielmehr durchaus unseren Erfahrungen über die eustatischen Bewegungen 
der ozeanischen Becken, wenn wir ein langsames, allmäliches Eindringen des 
Meeres von den Nachl)argebieten her annehmen. In diesen Nachbargebieten 
müssen dann natürlich auch die Sedimente des nächst älteren Zeitabschnittes, 
also in unserem Falle des u n t e r m i o c ä n e n Meeres, zu finden sein, da wir 
ja selbstverständhch unser mittelmiocänes Meer als ein späteres Entwicklimgs- 
stadium des untermiocänen Meeres auffassen müssen und diese zeitliche 
Kontinuität nicht zugleich auch eine räumliche sein muß. 

Halten wir nun eine kleine Umschau in jenen Nachbargebieten, aus 
welchen der heutigen Oberflächengestaltung nach das Meer in unser Heimat- 
land eindringen konnte. Das karpatische Gebiet war in der mittelmiocänen 
Zeit wenigstens zum Teile schon Festland ; dies beweisen unwiderleglich die 
schon lange bekannten Einschlüsse abgerollter Stücke des alttertiären Menilit- 
opals im miocänen Sandstein bei Seelowitz, sowie auch das Vorkommen von 
durch Bohrmuschelu (Pholas, Lithodomus) angebohrten Sandsteinen und 
anderen Gesteinen, die ich mehrfach (so z. B. bei Kostel, Nusslau, Mönitz etc.) 
gefunden habe und die meiner Ansicht nach dem karpatischen Paläogen 
angehören. Von den Karpaten her ist also anscheinend das mittelmio(äne 
Meer nicht gekommen. Die heute zwischen den Karpaten und den Alpen 
bestehende Lücke, durch welche die Donau ihren Weg in die ungarische 
Niederung findet, ist jedoch nach der herrschenden Ansicht just zu jener Zeit 
entstanden, als eben die Trausgression des mittelmiocänen Meeres stattfand, 
so daß sich im sogenannten „inner alpinen" Wiener Becken die Sedimente 
dieses jüngeren Meeres ablagern konnten, während die des nächst älteren 
(untermiocänen) Meeres dortselbst gänzlich fehlen; es kann also das mittel- 
miocäne Meer anscheinend auch nicht vom Süden her Eingang gefunden 
haben. Gegen Nordost ist zwar die Verbindung mit der oberschlesischen 
Niederimg offen, aber marine Ablagerungen, die man mit Sicherheit dem 
Untermiocän (aquitanische und burdigaliuische Stufe) zuweisen könnte, sind 
auch in diesem Gebiete bislang nicht gefunden worden. Es bleibt uns somit 
nur ein Weg noch übrig, den das nach Mähren vordringende Miocänmeer 
eingeschlagen haben könnte, und dies ist der Weg längs des Nordrandes der 
Alpen. Er ist bezeichnet durch die sogenannte „obere Meeresmolasse," welche 
sich aus der Schweiz durch Süddcutschland bis hart an die Grenze Mährens 
verfolgen läßt und welche sich in Süddeutschland als das älteste Glied des 
rein marinen Miocäns zu erkennen gibt, indem die aquitanische Stufe dortselbst 
in einer brackischen Facies entwickelt ist; es ist jedoch bemerkenswert, daß 
das brackische Aquitanien in Würtemberg und Bayern auch marine Formen 



Das miocäiie Mittelmeer in Mähren. 243 

eutbält, die nach Deper et („Note siirla Classification et le paral- 
lelisme du Systeme miocene" ; Bull. Soc. geol. de Frauce, 1892, 3. ser. 
t. 20. p. CXLI) einen Zusammenhang mit dem Wiener Becken 
beweisen. 

Die neueren Untersuchungen von Dr. K. Weithof er (Verhaudl. d. 
k. k. geol. Reichsaustalt, 1899, Nr. 10) machen diesen Zusannnenliaug sehr 
wahrscheinlich und zwar vermitteln ihn anscheinend die marinen „Promberger 
Schichten", die das Hangende des vorwiegend brackischen Oberoligocäns 
(Cyrenenmergel) bilden. Weithof er selbst stellt diesen Zusammenhang 
keineswegs als eine erwiesene Tatsache hin ; seine Andeutungen scheinen mir 
aber durchaus berechtigt zu sein. Die Pron)berger Schichten stellt Weithofcr 
als ein Äquivalent des ungarischen „Pectunculussandsteins" hin, welcher von 
W. Wollf (Paläontographica 1897, XLIII. Bd.) mit der „unteren Meeres- 
molasse" parallelisiert wnirde. Da wir nun auch in Älährcn eine Ablagerung 
(fossilführeuder Sandstein von Gr.-Pawlowitz, beschrieben in meiner Abhandlung: 
„Beiträge zur Kenntnis der karpat. Sandsteinzone Mährens" ; Annales Mus. 
Francisco i, Brunae, 1897) kennen, welche ihrer Fauna nach der „unteren 
Meeresmolasse" Südbayerns entspricht, so gewinnen die Ergebnisse der 
Weithofer'schen Untersuchungen auch für uns ein erhöhtes Interesse. Wir 
können zunächst — wie ich dies schon in der citierten Abliandluüg getan 
habe — einen Zusammenhang der „chattischen" Meeresbecken in Mähren 
und Süddeutschland annehmen. Die auf die oligocäne Meeresmolasse folgende 
Brackwassermolasse enthält, wie bereits bemerkt wurde, auch marine Ein- 
schaltungen, welche andeuten, daß sich gleichzeitig ein Meeresarm in nicht 
zu großer Entfernung erhalten haben muß, wie dies auch Weithof er (loc. 
cit. S. 279) ausgesprochen hat. Da nun in Mähren weder das jüngste Paläogen, 
noch das älteste Miocän in einer brackischen Facies entwickelt sind, im 
Westen jedoch gerade diese beiden Abteilungen des Tertiärs teils brackische, 
teils sogar limnische Ablagerungen umfassen, so liegt die Vermutung nahe, 
daß es der zwischen den bereits teilweise aufgestauten Karpaten und dem 
böhmisch-sudetischen Festlaude bestehende Meeresarm war, welcher zeitweilig 
seine salzigen Fluten bis in das Gebiet der nordalpiucn Brackwassersümpfe 
entsandte und sich vom Eocäu bis zum mittleren Miocän erhielt. 
Für eine solche Persistenz des karpatischen Meeresarms spricht auch die 
weitgehende facielle Übereinstimmung gewisser paläogener und neogener 
Ablagerungen. So war z. B. die Schlierfacies bei uns schon im oberen Eocän 
so typisch entwickelt, daß ich die betreffenden Gebilde ursprünglich für 
miocänen Schlier hielt.*) Ein blauer Ton bei Nikoltschitz sieht täuschend 
ähnlich dem miocänen Tegel und enthält Al)drücke von Vaginella, wie sie 
auch im Badener Tegel vorkommen; dennoch ist dieser Ton ohne Zweifel 
alttertiär. Anderseits zeigen die sicher miocänen Mergel häufig Anklänge an 



*) Ausführliche Angaben über den alltertiären Schlier Mährens enthält meine Ab- 
handlung: „Die Niemtschitzer Schichten", in den Verhandlungen des naturf. Vereines in 
Brunn, 3i. Bd., 1896. 

16* 



244 r^«is miocäne Miltelmeer in Mähren. 

die Mergel des Alttertiärs und enthalten mitunter — wie z. B. bei Ober- 
Wi.steruitz — Einlagerungen von Saudstein, welcher große Almlichkeit mit 
dem alttertiären Steiuitzer Sandstein besitzt. Eine derartige petrographische 
Verknüpfung zwischen Paläogen und Miocän läßt sich auch am Nordrande 
der galizischen Karpaten vielfach beobachten und ist ein Beweis dafür, daß 
das karpatische Meer unmittelbar nach der Ablagerung der „chattischen Stufe" 
keine wesentliche „Umsetzung" erlitten hat. Auch Mähren ist wahrscheinlich 
während der aquitanischen Zeit nicht trocken gelegt worden und, wenn wir auch 
augcnl)licklicli nicht in der Lage sind, irgend eine bestimmte Schichtengruppe 
des mährisclicn Tertiärs mit Sicherheit als „aquitanisch" zu bezeichnen (wie 
wir noch vor wenigen Jahren nicht in der Lage waren, die Existenz des 
Oberoligocäus paläntologisch nachzuweisen), so dürfen wir doch das Vor- 
handensein einer solchen Schichtengruppe annehmen. Ich habe schon vor 
mehr als zwei Jahrzehnten (in den Verhaudl. d. k. k. geol. Reichsanst. 1881, 
Nr. 11) dem Complex der Menilitschiefer, Sandsteine und Mergel, welche das 
Anspitzer Bergland wesentlich zusammensetzen, ein „tongrisch-aquitanisches" 
Alter zugeschrieben, allerdings unter der Voraussetzung, daß die aquitanische 
Stufe das jüngste Oligocän repräsentiere. Heute, wo man das Aquitanien 
ziemlich allgemein zum Untermiocän rechnet, wäre das jüngste karpatische 
Alttertiär als „tongrisch-chattisch" zu l)czeichneu, wobei man w^ohl annehmen 
darf, daß ein Teil des Anspitzer Mergels die Tiefwasserfacies des von mir 
bei Groß-Pawlowitz aufgefundenen chattischeu Sandsteins vorstellt, ähnlich 
wie (nach Prof. A. Koch, Erläuterungen z. geol. Karte v. Ungarn) in Ungarn 
die chattische Stufe teils durch Sandsteine, teils durch Tonmergelschiefer 
repräsentiert wird. Diesen chattischeu Ablagerungen des Karpatengebictes 
entspriclit allem Anscheine nach ein Teil der Brackwassermolasse, die im 
Graner Braunkohlenrevier in einer den südbayerischen Cyrenenmergel durchaus 
entsprechenden Facies vertreten ist, für welche Weithof er (loc. cit.) auch 
dasselbe geologische Niveau annimmt. Da die untere Meeresmolasse Süd- 
Ijayerus eine bedeutende Übereinstimmung mit dem chattischen Sandstein vou 
Groß-Pawlowitz zeigt, die ungefähre Gleichaltrigkeit beider Ablagerungen 
also sehr wahrscheinlich ist, so müssen wir die Frage aufwerfen, ob nicht 
unter unseren karpatischcn Ablagerungen auch die Äquivalente der süd- 
l)ayerischen Brackwassermolasse und der „Promberger Schichten" zu suchen 
seien. Ich l)in geneigt, nicht nur diese Frage zu bejahen, sondern auch 
weiterhin anzunehmen, daß man sowohl die hängendsten Schichten der süd- 
bayerischen Brackwassermolasse, inclusive Promberger Schichten als auch 
die — kartographisch vorläufig nicht fixierbaren - - Hangendschichten des 
karpatischcn Tertiärs als Repräsentanten der acßiitanischen Stufe zu betrachten 
hal)e, deren Seichtwasserfacies uns im Horner Becken als „Horner Schichten" 
bekannt ist. Durch die Annahme, daß unsere jüngsten Flyschbildungen bereits 
dem ältesten Untermiocän angehören, erklärt sich sofort die sonst gewiß 
sehr befremdliche Tatsache, daß, obwohl die Kontinuität der Meeresbedeckung 
vom Eocän bis zum Mittelmiocän für den südöstlichen Teil Mährens zum 
mindesten als „höchst wahrscheinlich" gelten kann, marine Sedimente des 



Das miocäne Mitlelmeer in Mähren. 245 

üutermioeäus (iKiuitauisclie und biirdig-alinische Stufe) aus Mähren bisher 
nicht bekaunt waren. E. Suess meint zwar („Antlitz d. Erde" 11, S. 392), 
daß bei Mautnitz im „nördlichen" (soll heißen: südlichen) Mähren „die einzig- 
sichere Nachweisuug- der 1. Mediterranstufc au der Außenseite der Karpaten" 
erfolgte; es ist jedoch, wie ich glaube, keineswegs vollständig sicher, daß 
die Sandsteine und Sande vom Kohlberge (Goldberg) bei Lautschitz oder die 
Sande mit P e c t e n T o u r n a 1 i Ser. und P c c t e n B e u d a n t i Hast., die 1)ei 
Kosalienteld (nächst Mautnitz) aufgeschlossen wurden, wirklich dem ältesten 
Miocän angehören.*) Möglich ist dies allerdings, da beide Ablagerungen 
Seichtwassergebilde sind, deren Tiefsecä([uivalcnte innnerhin, Avie oben 
augedeutet, durch einen Teil der karpatischcn Mergel repiäseutiert sein können. 
C. M. Paul bat (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 1893, S. 230) den bei 
der sogenannten „Dreieckremise" nächst Galdhof auftretenden Saudstein 
(Paul nennt ihn einfach „Sandstein von Goldhof"**) als „das älteste, an 
der Oberfläche erscheinende Neogenglied dieser Gegend" bezeichnet. Dieser 
Sandstein besitzt eine Ähnlichkeit mit manchen Lagen der Sandsteine von 
Groß-Wisternitz, die mitAturia führendem Mergelschicfer wechsellagcru und, 
wie bereits erwähnt, lebhafte Anklänge an die Ablagerungen des oligocänen 
Flysches zeigen. Von den Sandsteinen des Kohlberges habe ich schon im 
Jahre 1881 (loc. cit.) nachgewiesen, daß sie im Streichen in mergelige, eben- 
falls an Flyschmergel erinnernde Gesteine übergehen. Ahnliche Flyschmergel 
liegen am Südfuße des Seelowitzer Berges („Weihon") diskordant auf den 
eocäneu, höchstens unteroligocäncn „Niemtschitzer Schichten" und wären dem- 
nach aus stratigraphischen Gründen als das älteste, in pelagischer Facies 
entwickelte Miocän dieses Gebietes zu bezeichnen-, die jungen Miocän- 
gebilde bilden hier, wie auch C. M. Paul (loc. cit. S. 230) zugibt, ganz 
deutlich das Hangende der pelagischcn Mergel, denen also an dieser »Stelle 
ohne Zweifel ein etwas höheres Alter zukommt als dem fossilreichen Tegel, 
dem Leithakalk, Leithakalkmergel und Sandstein des Seelowitzer Berges. Die 
Pteropoden- und Aturicnmergel von Nußlau ohncweiters als Äquivalente der 
aquitanischen Stufe hinzustellen, geht wohl nicht an, obwohl die Faunen 
der Tiefwasserablagerungen mehrerer, aufeinander folgender Zeitabschnitte 
trotz der Altersverschiedenheit eine bedeutende Übereinstinnnuug zeigen können. 
Da in der Nähe des heutigen Seelowitzer Berges zu Beginn der miocäncn 
Zeit eine karpatische Insel oder Halbinsel vorhanden war (ein Überrest der- 
selben ist meiner Ansicht nach der an der Straße zwischen Seclowitz und 
Xußlau aufgeschlossene, stark gestörte plattige Sandstein), so ist hier das 
unterste Miocän wahrscheinlich gar nicht oder nur durch Seichtwassersedimente 
(möglicherweise die oben erwähnten Sandsteine von Galdhol" und von Rosalien- 
feldj vertreten. 



*) Der tiefere Teil des Mähr.-Ostrauer Miocäns wird ebenfalls zu den ältesten Miocän- 
gebilden Mährens gerechnet; eine Vertretung des Ai|uitanien kann jedocli niehl niil Sicher- 
heit behauptet werden. 

**) G. M. Paul .schreibt „Goldhof;" die gebräuchliche, auch auf der Generalstabs- 
karte (1 : 75,000) festgehaltene Bezeichnung ist jedoch „Galdhof." 



246 r)as niiocäne Mittelnieer in Maliicn. 

Das Niveau des untermiueäuen ]\leeres war verhältuisiiuißig niedrig; 
wir köimeu dies mit großer WahrscliciDlichkeit l)eliaupten, da dieses Niveau 
durch die an den erodierten Granitfelsen von Meißau Ivlebeuden Balanen der 
„Horner Schichten" bezeichnet ist. Nach Th. Fuchs (Sitzuugsber. d. k. k. Akad. 
d. Wiss. CIX, 1900) sind die Gauderndorfer TeHinensande in einer Tiefe von 
etwa 10 Faden, die Eggenburger Pectenschichten in etwas größerer Tiefe 
abgelagert worden und die Überlagerung der ersteren durch die letzteren 
ist nur die Folge eines Ansteigens des Meeresspiegels. Dieses 
letztere ist nun auch in Mähren mit überzeugender Deutlichkeit ausgesprochen, 
denn die pelagischen Pteropodenmergel von Nußlau liegen in einem hypso- 
metrisch höheren Niveau als z. B. die Pecteusande von Rosalienfeld; sie 
können also nicht bathy metr is che Äquivalente sein, wenn man nicht 
etwa dagegen einwenden will, daß die erwähnten Tiefseeablagerungen erst 
durch die fortschreitende Aufstauung der Karpaten ihre jetzige Position erlangt 
haben. Dieser Einwurf wäre nicht ganz unbegründet, da schon E. Suess 
die unbestreitbare Tatsache, daß die miocänen Schliermergel am Außenrande 
der alpin-karpatischeu Sandsteinzone stark disloziert sind, nachgewiesen hat. 
Speziell bei dem Nußlauer Pteropodenmergel ist jedoch die Lagerungsstörung 
eine ziemlich unbedeutende und die Saudsteine des Kohlberges bei Lautschitz, 
deren fazieller Zusammenhang mit den Schliermergeln deutlich zu verfolgen 
ist, liegen, wie auch die Sandsteine von Galdhof („Dreieckremise") nahezu 
horizontal. 

Das Ansteigen des Meeresspiegels am Beginne der mittelmiocänen Zeit 
läßt sich aber auch noch auf andere Weise feststellen. Wir finden nämlich 
bei Brunn das syenitische Giundgebirge in einer Seehöhe von kaum 250 m 
durch die brandenden Fluten des mittelmiocänen Meeres erodiert; die an «He 
erodierten Felsküsten angelagerten Sande zeigen die sogenannte „falsche 
Schichtung", wie sie bei Straudbildungen häufig vorkommt. Auf diesen 
»Sauden lagert nun vielfach der blaue Tegel, der als der eigentliche Repräsentant 
der Tiefwassersedimente unseres marinen Mittelmiocäns gelten kann und der 
über das Gebiet der erodierten Steilküste landeinwärts weit hinausgreift. 
E. Suess meint, daß der Spiegel des Meeres der 2. Mediterranstufe etwa 
440 -450 m über dem jetzigen Spiegel des mittelländischen Meeres gelegen 
war (Antlitz der Erde, I., S. 410) ; den Verhältnissen in Mähren Rechnung 
tragend, muß man entweder annehmen, daß seit der Ablagerung des medi- 
terranen Midcäns in unserem Ileimatlande ziemlich bedeutende Bodenbewegungen 
stattgefunden haben, oder daß der Meeresspiegel beträchtlich höher war als 
E. Suess angibt. Die auf dem Abrasionsplateau von Drahan hie und da 
noch vorhandenen Denudationsreste des Miocäus erreichen nändich stellenweise 
(so z. P>. in Jedownitz) eine Seehöhe von nahezu 500 m; da es nun Sedimente 
sind, deren Ablagerungstiefe auf ungefähr 150- 200 m geschätzt werden kann, 
so würde sich die Höhe des Spiegels des damaligen Meeres auf nahezu 
700 m berechnen. Mit seiner heutigen Oberflächengestaltung müßte Mähren 
bei einem so hohen Wasserstande fast ganz submersiert erscheinen, ins- 
besondere das südliche Mähren müßte auch in seinem karpatischen Teile 



Das miocäne iMittelmeer in Mähren. 247 

vom Meere bedeckt gewesen sein. Merkwürdigerweise fehlen jedoch die mittel- 
miocäneu Bildimgeu in unserem Karpatengebiete gänzlich, und wo sie an 
den Rändern vorhanden sind, erscheinen sie zumeist als Seichtwasser- 
ablagerungcn. Nur bei Nikolsburg, Pulgram, Kostel und einigen anderen 
Orten Südmährens liegen mediterrane Miocänbilduugen in der Zone des 
karpatischen Paläogens, ein Beweis, daß zur Zeit ihrer Ablagerung diese 
Zone bereits teilweise eingebrochen war. Während z. B. der sandige Schlicr- 
niergel im Galgenbergeiuschnitte bei Nikolsburg stark gestört erscheint*), 
liegt der fossilreiche Saud von Pulgram ganz ungestört auf dem denudierten 
Paläogen. Desgleichen sind die miocäuen Tonmergel und Lithothamnien- 
kalke von Kostel völlig ungestih't in ungefähr derselben Sechöhe abgelagert 
wie die Pulgramer Sande ; diese Seehöhe beträgt bloß etwa 175 m, und wenn 
mau den bathymetrischeu Charakter der geuannten Ablagerungen, sowie 
den Umstand in Betracht zieht, daß bei Kostel von Lithodomus angebohrte 
Koralleustöcke und Sandsteiuplatten mit Pholasbohruugen vorkommen, so 
ergibt sich der Schluß, daß die genannten Sedimente unmöglich in einem 
Meeresbecken von über 500 m Tiefe zur Ablagerung gelangt sein können. 
Ich habe deshalb schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, daß die 
Annahme postmiocäner Festlandsbeweguugen zur Erklärung der Verbreitung 
unseres mediterranen Miocäns unerläßlich sei; es mag vorläutig dahingestellt 
bleiben, ob eine Hebung der dem Granitsyenit aufgelagerten paläozoischen 
Scholle als wahrscheinlich angenommen werden kann, nachdem lokale Sen- 
kungen postmiocäncn Alters im südlichen Mähren mehrfach nachweisbar und 
zur Erklärung der oben berührten Divergenzen vielleicht ausreichend sind.**) 
Immerhin ist z. B. das Auftreten von Lithothamnienkalk im Tale der Zwitta 
(bei Raitz) schwer in bathymetrische Übereinstimmung zu bringen mit dem 
Vorkommen von Ablagerungen tiefen Wassers auf der Höhe des vom linken 
Zwittaufer ansteigenden Plateaulandes, wenn man vertikale Verschiebungen 
in diesem Gebiete nicht annehmen will. 

Die ältesten Tertiärschichten Südbayerns, die einen paläontologischen 
Vergleich mit den Tertiärbildungen unserer Heimat zulassen, gehören dem 
Oberoligocän an ; die jüngste, in dieser Weise vergleichbare Schichtgruppe 
der beiden genannten Gebiete ist der mittclmiocäne Horizont der Oncophora- 
schichten. Die dazwischen liegenden, als Äquivalente uuffassbaren Sedimente 
der genannten Gebiete sind zumeist h e t e r o m e s i s c h e Ablagerungen, wobei 
im Westen die Tendenz zur Landbildung, im Osten (in Mähren) hingegen 
die Tendenz zur Ausbreitung, stellenweise auch Vertiefung des Meeres sicli 
geltend macht. Im allgemeinen nehmen die Tertiärablagerungen am Nordrande 
der Alpen viel bedeutendere Seehöhen ein als ihre Äquivalente in Mähren 



*) Näheres siehe in meiner Abhandlung: „Die Tertiärformation in der Umgebung von 
Nikolsburg"; Zeitschrift des mähr. Landesmuseums, 1902, 1. Heft. 

**) Bei Eisgrub Hegen fossiiführende Sande mit Cerithium lignitaruni, Pecten 
latissimus, Spondylus crassicosta und anderen Conchylien lOm unter der 01»er- 
fläche, deren Seehühe etwa 170 m beträgt; bei Lundenburg (.Unt.-Themenau) wurden 
pliocäne Süßwasserbildungen bei 118 m Tiefe noch nicht durchfahren. 



248 Dü^ iiiiocäiie Mitlelmeer in Mähren. 

1111(1 doshallt habe ich schon vor langer Zeit (Verhandl. d. naturf. Vereines 
in Brunn, XXI, 1kl., 1883) die notorische „Bodenerhebung- im Westen" mit 
der Ausbreitung des miocänen Meeres in unserem Lande in Zusammenhang 
gebracht. Die fortschreitende Aufstauung der Karpaten mag ebenfalls an der 
Transgressiou des Miocänraeeres über das paläozische Vorland beteiligt 
gewesen sein •, mit dieser Aufstauung war anscheinend ein teilweiser Einbruch 
der karpatischen Sandsteinzone verbunden, welcher Einbruch den Eintrit des 
Meeres in das inneralpine Wiener Becken ermöglichte ; längs der alten Brucli- 
linien fand noch in postmiocäner Zeit ein teilweises Xachsinken statt.*j 

In der sarmatischeu Zeit war die Meercsbedeckuug unseres Heimat- 
landes schon sehr unbedeutend, da wir die Sedimente jener Zeit nur mehr 
im äußersten Süden Mährens und in geringer Mächtigkeit vorfinden. Der 
Rückzug des Meeres erfolgte gewiß nicht plötzlich, so daß während dieses 
Rückzugs in dem ehemals viel tieferen Becken Sedimente seichteren Wassers 
sich ablagern konnten. Zwischen Kostel uad Bilowitz finden sich Sande, die 
eine mediterran-sarmatische Mischfauna enthalten und offenbar der letzten 
Phase der eigentlichen mediterranen Zeit augehören. In ähnlicher Weise 
mögen einzelne mediterrane Seichtwassergebilde während der Transgression, 
andere wieder während des Rückzuges des Meeres zur Ablagerung gelangt 
sein, so daß sie im Alter — wenn auch vielleicht nicht wesentlich - differieren, 
ohne daß wir in der Lage wären, diese Altersdifferenz auch paläontologisch 
auszudrücken. 

Ich habe darzustellen versucht, daß in Mähren die Meeresbedeckung 
von der Zeit des Eocäns an bis in das jüngste (sarmatische) Mittelmiocän 
eine kontinuierliche war; aber selbst die schwach salzigen Seebecken der 
pannonischen Stufe sind noch als ein Überrest des Tertiärmeeres zu betrachtf u, 
wie die von mir im Congeriensand von Tscheitsch aufgefundenen mediterranen 
Foraminiferen — ein Analogon der von E. Lörenthey in Ungarn gemachten 
Beobachtungen — beweisen. 






*) J. Knett hat in neuester Zeit (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst., 1901, Nr. 10, 
S. :245 ff.) die Schwefelquelle von VoiteLsbrunn mit der Wiener Thernienlinie in Zusammenhang 
{.'ehracht; er meint, daß die marinen Mioeängebilde der Gegend südlieh von Nikolsburg auf 
Hor-,ten des Grundgebirges zur Ahlagciung gelangt seien. Dr. ü. Abel hat die südmährischen 
Juraberge ebenfalls als Horste aufgefaßt. 




Die EiilwickluiiL,' der Kiüte-Iiulusliic in dou lelzlea 50 Jahren. 249 

Die Entwicklung der Kälte-Industrie 

in den letzten 50 Jahren. 

Von Professor Alois Schwarz. 

zweite Hälfte des 19. Jalirlnmdertes umfaßt für alle Gebiete des 
c^i]s'^'iiidiistrielleu Seliaffeus eine Periode des Aiifschwiing-es und der Ent- 
wieklunü,-. Die Erg-ehnisse der wisseuseliaftliclien FürscliuiiiA'en und der 
tecliniselien Studien wurden in allen Zweii;cn der Industrie nutzbrinj^end 
verNvertet und haben den meisten betrieben neue Weg'e gewiesen. 

Geniale Konstrukteure aller Länder haben die maschinellen Einriehtungen 
dieser Betriebe zu einer Vollkommenheit gebracht, welche es ermöglichte, 
^rassenproduktionen mit möglichst geringem Aufwand von Betriebskosten 
durchzuführen und alle Nebenprodukte nutzbringend zu verwerten. Die meisten 
Industriewerke haben sich zu mächtigen Großbetrieben entwickelt, neben 
welchen der Kleinbetrieb nicht mehr konkurrenztahig geblieben ist. 

Wohl auf keinem Gebiete ist diese rapide Entwicklung auftalliger in 
Erscheinung getreten, als in der Kälte-Industrie. Eine Industrie dieses 
Namens war noch im Jahre 1875 gar nicht bekannt. Wohl hatte man schon 
vom Jahre 1850 ab in vereinzelten Fällen versucht, unter Anwendung 
bekannter physikalischer Erscheinungen auf künstlichem Wege Abkühlungen 
in größerem Umfange vorzuneiimen, als dies früher durch sogenannte Kälte- 
Miscbungen, welche nur in kleinem Maßstabe Verwendung gefunden hatten, 
möglich war. Schon im Jahre 1H34 und 1836 hätten Perkins und Shaw 
die ersten Versuche gemacht, durch Verdunstung und Wiederverflüssigung 
von Athyläther Kühlwirkungen zu erzielen, und es wurden diese Versuche 
1856—1859 von Harrison, Lawrence und Siebe in England, sowie 
durch Carre in Frankreich fortgesetzt. Diese Äther-Maschinen wurden, wie 
ursprünglich alle Kältemaschinen, bloß zur Erzeugung von Kunsteis ver- 
wendet, zu welchem Zwecke auch die von T e 1 1 i e r unter Anwendung von 
Methyläther konstruierte Maschine diente. 

In der Zeit von 1850-— 1870 waren wiederholt Versuche gemacht worden, 
durch Kompression und Wiederausdehnung von Luft Wärme zu binden und 
die durch diese Ausdehnung abgekühlte Luft zur Kühlung von Käumen zu 
verwenden. Diese sogenannten Kaltluft-^Iaschinen , welche von 
Gorri e 1850, von Kirk 1862, von Bohrend 1867 und Windhausen 1869, 
ferner von Giffard und Lightfoot ausgeführt Avurden, stellen die ersten 
]Maschinen dar, durch welche eine künstliche Kühlung von Räumen in 
größerem Maßstäbe erfolgte. So einfach das Prinzip dieser Maschine erscheint, 
So bot die Konstruktion derselben derartig große Schwierigkeiten, daß ein 
regelmäßiger und rationeller Betrieb in der Praxis sich als untunlich erwies 
und alle versuchsweise aufgestellten Maschinen, von denen eine große An- 
zahl in Betrieb gesetzt wurden, aufgelassen werden mußten. 

Eine größere Verbreitung konnte sich jenes System von Kühlmaschinen 
verschaffen, welches von Carre unter dem Namen A b s o r p t i o n s m a s c h i n e 



250 ^i*^ Eutwifklinii,' der Kälte-Induslrie in den letzten 50 Jahren. 

konstruioit und 1862 zum crstcnmale in gTÖßerem Maßstabe ausgeführt wurde. 
Das Prinzip dieser ]\Iasclnne berulit bekanntlicli darauf, daß aus dem 
-wässerigen Ammoniak (Salmiakgeist) das Ammoniak durch Erhitzung ausge- 
trieben, nacli eifolgter Abkühlung durch seinen eigenen Druck verflüssigt und 
sodann von seiner ursprünglichen und inzmschen abgekühlten Lösungsflüssigkeit 
wieder absorbiert wird, wodurch es seiner Umgebung Wärme entzieht und dieselbe 
abkühlt. Diese Maschinen fanden durch eine lange Zeit ausschließliche Verwendung 
zur Eisfabrikation ; sie wurden von zahlreichen deutschen Konstrukteuren 
u. a. Vass & Littmann, Kropf, Habermann, Osenbrück etc. durch 
sinnreiche Verbesserungen auf einen ziemlich hohen Grad von Leistungs- 
tähigkeit gebracht und waren noch bis vor wenigen Jahren in der Industrie 
vielfach verwendet. 

Eine zweite Art von Absorptionsmaschinen, die Vakuum-Eismaschine, 
deren Prinzip darin besteht, daß Wasser im Vakuum zum raschen Verdunsten 
gebraclit und dessen Dampf von Schwefelsäure absorbieren gelassen Avird, 
wodurch das zurückbleibende Wasser stark abgekühlt und zum Gefrieren 
gebracht wird, wurde 1867 von Carre auf der Pariser Ausstellung zur An- 
schauung gebracht und von Windhausen, Egells und N er lieh, durch 
mehrfache Neukonstruktionen zu verbessern versucht. Dieses Verfahren konnte 
jedoch als unrationell sich im Betriebe nicht behaupten und kam nur in 
einzelnen Versuchsanlagen zur Verwendung. 

Die Eintührung der Kühlmaschinen für den Großbetrieb ist in erster 
Linie Prof Dr. von Linde in München zu danken, welcher das System der 
Kompressionsmaschinen mit kontinuierlichem Kreisprozeß, das schon 
bei den Athereisraaschinen. dann durch Carre und Pict et unter Anwendimg 
von schwefeliger Säure als Kälteerzcrgnngsmittel versuchsweise eingeführt 
worden war, weiter ausbildete. Prof von Linde brachte 1870 verflüssigtes 
Ammoniakgas als Kältemittel in Vorschlag und erzielte durch die geniale 
Konstruktion seiner Kompressionsmaschinen, welche durch die Maschinen- 
fabrik Augsburg in vorzüglicher W^eise ausgeführt wurden, in kurzer 
Zeit derartige Erfolge, daß binnen wenigen Jahren das System der Kom- 
pressionsmaschinen alle übrigen Kühlmaschinen verdrängte. 

Es erschien angesichts der Entwicklung der Kältemaschinen naheliegend, 
außer der schwefligen Säure und dem Ammoniak, welche zunächst aus- 
schließlich als Kältemedien zur Kälteerzeugung benützt Avordcn Avaren, auch 
jenes ]\Iedinm zu verwenden, dessen Verflüssigung, wenn auch unter einem 
viel stärkeren Druck, schon viel früher gelungen war, nämlich der Kohlen- 
säure. Windhausen in lierlin, welcher sich um die erste Ausbildung der 
Luftexpansionsmaschinen hervorragende Verdienste erworben hatte, führte 
auch als erster die Kohlensäure als Kältemedium ein und baute die erste 
hiezu dienende' Kompressionsmaschine, deren Abdichtung, bei dem ungeheuren 
hiczu erforderlichen Druck von zirka 80 Atmosphären, begreifliche ScliAvierig- 
keiten machte. Den Pau dieser Maschinen hatte die bekannte Maschinen- 
fabrik Riedinger in Augsburg übernommen und war der exakten Aus- 
führung dieser ^Laschinen auch derpn baldige Einführung in die Praxis zu 



Die Eulwickluiii,' der Kiilte-IIl(lu^^t^io in den letzten 50 Jahren. 251 

danken. Binnen kurzer Zeit war auch diese Art der Kompressionsmascliincn 
vielfach einii'etuhrt und es hat in der Folge eine Reihe von Maschinenfabriken dieses 
Kältemedium tür die Austuhruni;- von Kühhnasehinen in Verwendung genommen. 

Zu den neuesten und sensationellsten Erfolgen der Kältetechnik gehört 
unstreitig die Verflüssigung der atmosphärischen Luft, welche gleichfalls durch 
Prof. von Linde im großen Maßstabe zur Durchführung gebracht wurde und 
auf der letzten Pariser Weltausstellung (1900) zu den Haupt-Sehenswürdigkeiten 
gehörte. Wenn auch die industrielle Verwertung der verflüssigten Luft als 
Kältemedium zum Betriebe von Kühlmaschinen derzeit vom technischen Stand- 
punkte noch nicht gelöst erscheint, so ist es doch außer Frage, daß dieses 
^ledium als das billigste und indifferenteste berufen erscheint, alle übrigen 
Kältemedien zu verdrängen und daß nur der ungeheure Druck und die abnorm, 
niedrige Temperatur, welche zur Verflüssigung der Luft erforderlich sind, der 
technischen Verwertung dieses Mediums bedeutende, wenn auch nicht unlös- 
bare Schwierigkeiten entgegenstellen. 

Das große Verdienst Prof. von Linde's um die Entwicklung der 
Kälteindustrie liegt nicht allein in der verbesserten Konstruktion der Kom- 
pressionsmaschinen, sondern insbesonders in der Art der Anwendung der 
künstliclien Kühlung in den verschiedenen Industriezweigen. Bekanntlich ^vird 
bei den meisten Kühlmaschinen mittels des verdampfenden Kältemediums 
zunächst eine Salzlösung auf mehrere Grad unter Null abgcküldt; diese Salz- 
lösung wurde früher ausschließlich zur Eisfabrikation verwendet, und zwar in 
der Weise, daß mit Wasser getTdlte Blechzellen in diese Salzlösung eingetaucht 
und zum Gefrieren gebraclit wurden. Prof. v o n L i n d e war der erste, welcher 
diese abgekühlte Salzlösung direkt zur Kühlung von Räumen benützte, u. zw. 
in der Art, daß er sie, ähnlich wie bei der Warmwasserheizung, in Rohr- 
leitungen in den zu kühlenden Räumen zirkulieren ließ. Die erste dieser 
Anwendungen erfolgte im Jahre 1H75 in der Brauerei Sedlmay er in München, 
die zweite 1876 in der Brauerei Dreher in Triest. Da sich diese ersten 
Versuche glänzend bewährten und die mit künstlicher Kühlung versehenen 
Brauereien von der Außentempci-atur gänzlich unabliängig machten, folgten 
alsbald weitere Ausführungen in Kopenhagen, Amsterdam und Rotterdam, 
welciicn ersten Anlagen in den Aveiteren Jahren zahlreiche ähnliche in allen 
Ländern folgten, so daß binnen wenigen Jahren fast sämtliche größeren 
Brauereien des Kontinents und Amerikas, über 1000 an der Zahl, mit solchen 
Külilanlagen versehen waren. Diese Art der Kühlung wurde nicht nur in 
Brauereien, sondern auch in vielen anderen Industriezweigen, welche gekühlte 
Räume benötigen, z. B. Zuckerfabriken, Schokoladcfabriken, Chemische Fabriken, 
Paraffinfabriken etc. angewendet und es wurde das gleiche System der 
Kühlung von allen Konstrukteuren für Kühlmaschinen adoptiert. 

Besondere Bedeutung erlangte diese Form der künstlichen Kühlung für 
S(.-Jdaclitlii>fe und ]\Iarktliallen sowie für Fleischtransportscliitfc, um in deren 
Räumen das leiclit verder])liclie Fleisch, sowie andere Nahrungsmittel durch 
längere Zeit aufbewahren zu kihnien. Der erste Versuch dieser Art wurde 
l'S75 gemacht, um ein Fleischtransportschiff", welches Fleisch aus Australien 



252 Die Entwicklung der Kälte-Industrie in den letzten 50 Jahren. 

iKicli Europa braclite, damit cinznrichtcMi. Die erste Anlage zur Kiililmig- eines 
Fleiscliaufbewalirimgsraiunes im Sclilaclitliofe, wurde 18s;i in Wiesbaden 
eingerichtet. Ursprünglich erfolgte die Küiilung dieser Räume in gleicher Weise 
wie die Kühlung der Keller in Brauereien mittelst zirkulierender Salzlösimg. 
Da sich jedoch die stagnierende Luft für die Konservierung des Fleisches 
als nicht geeignet erwies, wurden die Kühlanlagen in Schlachthöfen mit 
Ventilatoren in Verbindung gebracht, welche die Luft der Kühlhalle kon- 
tinuierlich durch abgi'kühlte Salzlösung trieben und auf diese Weise die Luft 
nicht nur abkühlten, stmdern zugleich von enthaltenen Keimen reinigten. Auch 
diese Art der Anwendung ih'v künstlicln^n Kühlung hat eine ungewöhnlich 
rasche Verbreitung gefunden, und so wie es gegenwärtig keine größere 
lirauerei mehr gibt, welche nicht mit einer Kühlmaschinc in gleicher Weise 
versehen ist Avie mit einer Dampfmaschine, so existiert auch kein größeres 
Schlachthaus, welches nicht mit einer Kühlanlage zur Kühlung der Fleisch- 
aufbewahrungsräume verlninden ist. Die Zahl der in Brauereien und Schlacht- 
liitfen etc. derzeit in Betrieb befindlichen Kühlanlagen düifte gegenwärtig in 
Europa allein die Zahl 5000 erreichen und wird diese Zahl von den ameri- 
kanischen Kühlaulagen verschiedener Systeme weitaus übertreffen. 

Die allgemeine Verbreitung der Kühlmaschinen hatte natürlich zur Folge, 
daß sich immer mehr Konstrukteure und ^laschinenfabriken mit der Ausbildung 
dieser Maschinen beschäftigten, und es wurden nicht nur die Ammouiak-Kom- 
pressionsmaschinen, sondern auch die mit schwefliger Säure imd Kohlensäure 
betriebeuen in zahlreichen Systemen ausgeführt und sowohl durch deutsche 
und französische, Avie auch durch amerikanische Konstrukteure vielfach 
verbessert. In Amerika Avurde insbesondere zum ersten Male mit Erfolg versucht, 
die durch das verdampfende Anunoniak erzeugte Kälte nicht erst auf eine 
Salzlösung zu übertragen, sondern es Avurde das Ammoniak in entsprechenden, 
auf hohe Druckfliliigkeit geprüften Rohrsystemen direkt in den zu külilenden 
Räumen verdampfen gelassen und die Luft auf diese Weise direkt abgekühlt. 
In jüngster Zeit ist dieses System der direkten Kühlung aucli in Europa mit 
Erfolg eingeführt Avorden. 

In der Eiserzeugung, welche bereits seit isß2, damals unter AuAvendung 
von Absorptionsmaschinen, in größerem Umfange fabriksmäßig betrieben 
wurde, sind im Laufe der Jahre stetige Fortschritte zu verzeichnen und stehen 
gegenwärtig in allen griißeren Städten soAVohl in Europa als auch in den 
überseeischen Ländern Eisfabriken von großem Umfange in Betrieb. Das 
Hauptaugenmerk der Fabrikation ist darauf gerichtet, kristallklares Eis zu 
erzeugen, Avas entweder durch Entlüftung des Wassers mittels Rühr- oder 
Schüttelvorrichtungen, oder durch Anwendung von destilliertem Wasser ermöglicht 
Avird. In Amerika Avurde statt der Herstellung des Eises in Zcllenformen eine 
solche in großen Platten von mächtigen Dimensionen eingeführt, indem das 
zu frierende Wasser über stark gekühlte Metallplatten fließen gelassen Avird. 

Mit den technischen Fortschritten auf dem Gebiete der Kälteindustrie 
hat die Avlssenschaftliche Forschung auf diesem Gebiete gleichen Schritt 
gehalten. Außer den Versuchen von Prof. Zeuner und Prof. von Linde, 



Die Entwicklung der Kälte-Imlustrie in den letzten 50 Jahren. 253 

wclclie in den siebzii^er Jahren über den Kreispi-ozcU in Kaltdanipfniasehincn 
(Kompressions-Kältemasehinen) ver(>rtentliclit wurden und welehe die (Jrundlag'e 
für die konstruktive Ausbil(hnii;- dieser Mascliinen g-eboten hatten, sind 
namentlich in den letzten Jahren vcri;]eichende Untersuchungen über die 
Lcistungslahigkeit der verschiedenen Systeme von Kältemaschinen und das 
Verhalten der verwendeten Kältemedien dm-chgeführt worden; an diesen Ver- 
suchen haben sich unter anderen Prof. Schröter, Prof, Pictet, Prof. 
Dr. (Irätz und Prof. Lorenz beteiligt. Das Ergebnis dieser langjährigen, 
mit großem Aufwände an Zeit und ]\litteln geführten vergleichenden Unter- 
suchungen war, dal.^ die Leistungen derKonipressions-Kälteniaschinen gegenüber 
denen der anderen Systeme von JMaschinen als weitaus überlegen sich ergaben. 
Ebenso haben die Untersuchungen gezeigt, daß die Natur des Kältemediums, 
wie dies ja theoretisch längst festgestellt war, auf die praktische Ausnützung 
der Kältemaschinen ohne jeden Eintluß ist, daß demnach die gebräucldichen 
Kältemedien, nämlich schweflige Säure, Ammoniak und Kohlensäure in ihrer 
Wirkungsweise theoretisch vollkommen gleichwertig sind. Für die Leistung- 
einer Kältemaschine, mit welchem Medium sie immer betrieben sein mag, ist 
ausschließlich die Art der Konstruktion und die Ausführung, sowie die Art 
des Betriebes maßgebend. Dieser Grundsatz ist bei Beurteilung und Prüfung 
der Wirkungsweise von Kältemaschinen ausschlaggebend und es müssen daher 
alle Versuche der konkurrierenden Maschinenfabriken, das eine Kältemedium 
auf Kosten des anderen unter Hinweis auf besondere Eigenschaften zu bevorzugen 
resp. zurückzusetzen, als Avissenschaftlicli gänzlich unbegründet bezeichnet 
werden. Es ist einzig und allein die sorgfältige technische Ausführung der 
Kühlanlage und die rationelle Überwachung des Betriebes, die bei der 
Beurteilung von Kältecrzeugungsanlagen in Frage kommen kann. 



Wichtigere LIiteratur über Kälte-Erzeugungsmaschinen : 

1. Prof. Dr. von Linde: Über den Wirkungsgrad der gebräuchliclieii Eismaschinen, 

(Bayrisches Industrie- und Gevverbeblatt, 1S7(), 1871, Münclien). 

2. Prof. G. Zeuner: Theorie der vollkommenen Kalt-Daini)rniascliine. (Zivil-higenieur, 

Bd. XXVll, 1881). 
.3. Prof. Pictet: Neue Kälte-Erzeugungsmaschinen auf Grundlage der Aiiweiidungijhysikalisch- 

cliemischer Erscheinungen. 
4. Prof. Schröter: Untersuchungen an Kältemascliinen verschiedener Systeme. (München, 

Oldenburg 1887, 171 Seiten.) 
ö. Prof. Dr. (iraetz: Physikalisclie und feclniische Betrachtungen über die neuen Pictet'sclien 

i^ismaschinen. (Allg. Brauer- u. Hopfenzeitung 1887.) 
♦). Prof. Alois Schwarz: Die Eis- und Külilmaschinen und deren Anwendung in der 

Industrie (München, Oldenjjurg, 188S. bi'üi Seilen.) 
7. Ingen. B ehrend: Eis- und Kälte-Erzeugungsmaschinen. (Halle a. S. — Knapp. l'.)(M), 

IV. Aufl. rm Seiten.) 
H. Prof. Dr. Lorenz: Neuere Kühlma!*cliiiicn, ihre Konstruktion. Wirkungsweise und 

industrielle Verweriung. (München, 01denl)Uig. III Aul. 1!J01. Hli Seiten.) 
9. Prof. Alois Schwarz: Die Erzeugung künstlicher Kälte und ihre Anwendung zur 

Kühlung von Scidachthäusern. (Wien 18!l.j, Wochenschrift des Niederöster. (icweilje- 

vereines.) 

10. Zeitschrift für die gesamte Kälte-hidustrie, begründet von Prof. Dr. Lorenz, heraus- 

gegeben von Kichard Stetefeld. (München, Oldenburg.) 

11. Kälte- Industrie. Herausgegeben von Ing. KonsUnz Schmitz, Berlin. 



I 



„Die richtige Knickungsfonnel." 255 

„Die richtige Knickungsformel." 

^t(Si Von Professor Anton Zschetzsche. 

|l^(k,uter diesem Titel veröttentliehtc Baiirat Kubier in Nr. 3 und 23 der 
^^^5r Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure für 1900 einen theoretischen 
Beitrag zur Klarleguug der Knickfestigkeit, dessen Grundgedanken ich darin 
zu finden meinte, dai.^ der Verfasser die Absicht hatte, die Knickkraft als 
Abhängige des Biegungspfeiles darzustellen. Der Verfasser belindet sich 
jedoch in einem Irrtume, wenn er die Meinung ausspricht, es sei der 
theoretische Zusammenhang zwischen Angriff und Biegungspfeil bei dem 
grundlegenden Knickungsfall bis jetzt unbekannt gewesen ; ebenso irren die 
Gegner des Verfassers in Nr. 34 jener Zeitschrift, wenn sie behaupten, es 
sei die Bestimmung der Abbieguug eines dem Knickvorgange unterliegenden 
Stabes im Wege der Rechnung überhaupt unmöglich. Den fraglichen Zu- 
sammenhang habe ich für den grundlegenden Knickungsfall in meiner 
Abhandlung: „Beitrag zur Erkenntnis der Knickfestigkeit," Jahrgang 1895 der 
Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, in einwandfreier Art theoretisch 
klargelegt. Ich habe gezeigt, daß sich die Unbestimmtheit des Biegungs- 
pfeiles in der Euler'schen Entwicklung darum ergab, weil die Integration 
der Differenzialgleichung der elastischen Linie mit unzutreffenden Grenzen 
erfolgte; diese ünvollkommenlieit der Euler'schen Entwicklung scheint auch 
Baurat Kühler eingeleuchtet zu haben. 

Die gewonnene theoretische Beziehung zwischen Augriff und Biegung 
des dem Knickvorgange anheimgefallenen Stabes wird aber eine unmittelbare 
praktische Bedeutung und Wichtigkeit niemals besitzen können; dies habe 
ich in meiner bezogenen Arbeit begründet und wiederholt hervorgehoben. 
Ebensowenig wird die errechnete Knickkraft mit den Werten des Versuches 
absolute Übereinstimmung zeigen können; es können bei langen und 
flexiblen Stäben einzig die Zuwächse von Knickkraft und Pfeil der Abbiegung 
mit den Versuchsergebnissen einiggehen. 

Über den Hinweis auf meine frühere Arbeit hinauszugehen, habe ich 
besondere Gründe. Ein Grund liegt darin, daß ich in meiner Arbeit mit der 
Annahme vorging, es sei die Angrift'skraft (PJ gegenüber dem Produkt 
(EF) aus Elastizitätsmodul und Querschnittsfläche des Stabes ohneweiters 
vernachlässigl)ar. Im allgemeinen ist diese Vernachlässigung gewiß statthaft, 
im Knickungsfalle aber — bei welchem sich außerordentlich kleine Ver- 
änderungen (des Biegungspfeiles) und sehr beträchtliche Zuwächse (im Werte 
der Knickkraft) gegenüberstehen — untunlich, umsomehr als der theoretische 
Einfluß des gegenüber EF außeracht gebliebenen Gliedes P weitaus größer 
ist, als der Einfluß des Biegungspfeiles; als dem Einfluß unterliegend habe 
ich hierbei die Beziehung zwischen der Knickkraft, dem Biegungspfeil und 
den Abmessungen des Stabes im Auge, welche Beziehung im folgenden 
hergeleitet werden soll. Der zweite Grund, welcher bestimmend war, mich 
mit dem Hinweis auf meine frühere Arbeit nicht zu begnügen, liegt in den 
Folgerungen zu dem hier gewonnenen Schlußergebnis. 



256 



.Die richtige Kniekungsformel.'' 



Für den der Fig. 1 entsprecbcuden zcntrischcn Angriff besteht im 
Stabqiierschuitt bei x die acbsiale Druckkraft P und das Biegimgsmonient 
zur Stabachse Py, wobei die Abbiegung im Sinne des kleinsten Trägheits- 








Fig. 1. 



Fi-. 2. 



momentes / liegend zu denken ist. An der Hand der Fig. 2, welche das 
fornigeänderte Stabelement bei x darstellt, gewinne ich die Beziehung 

P , ^ Pys 



und hieraus 



( dx 



dx 



)- 



EF'~~J"' EI 



.dx 



worin neben bekannten Bedeutungen q alsKrümmuugshall)niesser der elastischen 
Linie bei x auftritt. Mit dem Näherungswert für den Krümmungshalbmesser: 

dx'^ 

folgt aus der vorausgehenden Beziehung die Differcnzialglcichung der elastischen 

Linie im betrachteten F'alle: 

d^y _ __F Py 

dx' ~ 1' EF—P 

welcher wir im Wege der abkürzenden Bezeichnungen 



1), 



und 



EI 
I 
F 



=zn^ 



= i2 



2) 
3) 



„Dio riclilige Kiiickuugst'onuel." 257 

die Form geben: 

dhj n- . 

'd^— ~ i—n'ii-y ^• 

In Vorbereitung- der Integration tonnen wir die letztere Gleichung im 
Sinne des Ansatzes um: 
dy 



d 



\dxKdy — -~-.d\ ~ ) = —- r^.-vdy 

-^ ^ dx \dxJ 1 — nH^ "^ ^ 



dx 
und erhalten als Ergebnis des erstmaligen Integrierens 



l C^yy-- ''' yi 1 r 

2'ydxf l — nH'^' 2 ^ ' 



wobei die Konstaute mit Einführung der zusammengehörigen Grenzen: 

y = 

zu bestimmen ist; ihr Wert wird 



/. dy 

y=^' dx=' 



1 — nH-^' 2 
und es folgt hiermit zunächst 

\dx) 1 — nH' V -^ J 
und weiters 

dy _ n 

Tx~ \/jzi^i' ^P-y' 5)- 

Die zweitmalige Integration erfolgt mit der neuen Form der letzteren 
Gleichung : 

dy ^ ^ dr. 

Vf^ — y-^ Vl — n'H'^ 
und führt zum Ergebnis 

arc. cos. ( 4\-=- y .x \- C\ 

wobei die neuerliche Konstante mit Hilfe der Grenzen 

y =f und X = 
gleich Null gefunden wird. Aus der hiernach giltigen Gleichung 

ry^ ** 

arc. COS. 1 7 ) = . = . x 



fJ Vi 



■w l" 



geht - - mit der notwendigen Auffassung von ^ • x als dem kleinsten 

V l — n'^ V 

Bogen, dessen Cosinus gleich j ist — die Inversion hervor : 



y=\'f.GO^.(—===.x^ 6), 



und bildet diese die Gleichung der elastischen Linie des zur Erörterung 
gestellten Angriffsfallcs. 

Mit den Koordinaten des Angriffspunktes der äußeren Kraft, nämlich 

y = und X = l — 1? 

17 



^58 -I^ie richtige Knickungsformel." 

entspringt aus Gl. 6 die Beziehung 

aus welcher — mit dem notwendigen Ausschluß der allgemeinen Giltigkeit: 
/ gleich Null — die nächste Beziehung 

folgt. Ihre Umkehrung führt auf 

" .Ml-v) = ^ U 



Vl — nH' ^ 

wobei an die Bedeutung von n gemäß Gl. 2) und an den kleinstmöglichen 
Wert von P zu denken ist. 

Im Hinblick auf P als fragliche Größe lösen wir Gl. 7) nach n auf, 
wobei die Festhaltung der Form 



n- = 



8) 



4 (^ __ yyi _|_ ;r2 ii 

dienlich erscheint. Hierin n^ gemäß Gl. 2) ersetzt, folgt das wichtige Ergebnis 

P -'EI 9 

4{l-riy'i-nH-' ^' 

dessen unmittelbare Brauchbarkeit allerdings an die Möglichkeit des Ersatzes 
von rj durch ^, vergl. Fig. 1, gebunden ist. 

Der Ersatz von r/ durch | gelingt mit den allgemeinen Grundlagen der 
Biegungslehre : 

1) daß die Querschnitte im Zustande der Biegung des Stabes eben und 

2) zur elastischen Linie — als welche die gebogene Stabachse zu 
denken ist — normal bleiben. 

Diese Grundlagen sind nicht einmal hypothetischer Natur, da der 
Nachweis ihrer zureichenden Giltigkeit durch Bauschingeu und Bach im Ver- 
suchswege erbracht ist; sie führen zur Erkenntnis, daß jeder Punkt der 
Stabachse mit fortschreitender Biegung eine Kurve beschreibt, deren Elemente 
zur jeweiligen Tangente an die elastische Linie im betreffenden Punkte 
normal stehen. Der geometrische Ort irgend eines Punktes der Stabachse 
l)ildet hiernach bei fortschreitender Biegung die orthogonale Trajektorie des 
Lagensystems der elastischen Linie. Die Trajektorie des Angriffspunktes der 
äußeren Kraft ist in Fig. 1 eingezeichnet und es gelten als ihre Koordinaten 
— zur Ursprungslage des Angriffsortes bezogen — ^ und rj. 

Mit der letztgewonuenen Erkenntnis folgt die Gleichheit der in Fig. 1 
ausgezeichneten Winkel, demnach 

(^) ^^'' 10). 

\dxJ X =^l — »/ d^ 

Nun liefert das Ergebnis 5) bei Anziehung der zum Angriffsorte der 

äußeren Kraft gehörigen Grenzen 

y = und/= I 

\dxJx—l — 1] V'l_^2^2"fe; 



..Die richtige Ivnickungsfonncl." 259 

woraus uacli Ersatz von 



n 



Vi - n' P 2{l~7i) 
gemäß Gleichung 7) das weitere Ergebnis 

\dxJ x = i—n 2(1 — ry ^^) 

folgt. Die Zusammeuhaltung der Beziehungen 10) und 1 1) ergibt die Differenzial- 
gleii'huug der Trajektorie des Stabendes: 

dr] 71 



di 2{l — n)'^ 



12), 



mit deren Integration zunächst 



gewonnen wird. Die auftretende Konstaute wird bei Einführung der zusammen- 
gehörigen Grenzen 

^=10 und // = 

mit dem Werte Null bestimmt, so daß die Gleichung der orthogonalen 
Trajektorie des Stabendes 

7j(^Z-r;) = |.r- 13) 

lautet. Diese Kurve ist eine Kegelschnittslinie und wird bei näherer Unter- 
suchuug als Ellipse erkannt, mit der großen Halbachse l (in der Z-Riehtung) 

und der kleinen Halbachse /. A (in der Y-Richtung) und es bildet der 

I TT 

Wurzelpunkt des Stabes den Mittelpunkt dieser Kurve. 

Die Auflösung von Gl. 13) nach // leitet auf die Beziehung 

mit deren Hilfe das Ergebnis Gl. 9) zu unmittelbarer Brauchbarkeit gebracht 
wird. Man erhält vorerst 

und bei Beachtung der Giltigkeit 
schließlich die Fonii 

F = ...y . — 14). 



-i(9+G0^ 



2\IJ ' v^ i 

Gl. 14) gibt den tlicorctis( licn Zusammenhang zwischen der Angriffskraft, 
den Abmessungen des Stabes und seiner Abbiegung an und l)ildet das Haupt- 
ergebnis meiner gegenwärtigen Untersuchung. Hierbei will ich aufklärend 
bemerken : 

17* 



2(iO 



Die lichtiL'e Knickunssformel." 



1.) Das dritte Glied im Neuner des Ausdruckes für P entstammt der 
Festlialtung von P gegenüber EF, wie es der Vergleich mit meiner früheren 
Arbeit über diesen Gegenstand lehrt. 

2.) Bei Querschrittabmessungen und Biegungen, welche praktischen Ver- 
hältnissen entsprehen können, wird der Einfluß des dritten Gliedes im Nenner 
erheblicher sein, als jener des zweiten Gliedes ; die bezügliche Außeracht- 
lassung (in meiner frühren Arbeit) war also nicht am Platze. 

3.) Eine unmittelbare Übereinstimmung von Berechnungswerten aus 
Formel 14) — mag dieser letzteren der Wert für P oder / entnommen 
sein — mit Werten aus Versuchen wird niemals zu erwarten sein, sofern 
Querschnittsabmessuugen und Biegungen in Betracht stehen, die praktisch 
möglichen Verhältnissen anpaßbar sind. 

4.) Bei verhältnismäßig sehr langen und flexiblen Stäben, wie Stahl- 
draht, kann eine unmittelbare Übereinstimmung von Rechnungswerten nach 
Formel 14) und von Versuchsergebnissen wohl auftreten, jedoch nur dann, 
wenn auf Zuwächse von P und / eingegangen wird. 

5.) Nach dem Gesagten kann der Hauptgleichung 14) ein praktischer 
Wert ohne weiters nicht zugesprochen werden. 



Im folgenden soll untersucht werden, ob die Hauptgleichung 14) bei 
Einführung von Koöflizicnten, die Knickversucheu augepaßt sind, zu praktischer 
Bedeutung emporgehoben werden kann. Als ersten Schritt in dieser Richtung 
lege ich eine, meiner früheren Arbeit über diesen Gegenstand widerstreitende 
Auffassung dar, indem ich geltend mache, daß — bei Belassung des Euler'schen 
Wertes ^ n^EI ,., 

^0 = ^7^ 1^) 

im Zähler des Ausdruckes für P — alle drei Glieder des Nenners mit 
Koefüzienteu behaftet werden müssen, wonach von der Formel 

P 

P ._« 16) 

auszugehen ist. 

Bevor ich daran denken kann, die in Formel 16) eingeführten Koeffizienten 
an der Hand von Versuchsergebnissen festzulegen, muß ich den allgemeinen 
Charakter derselben und die Art ihrer späteren Bestimmung erörtern. In dieser 
Absicht gestalte ich die genannte Formel im Sinne der Aufschreibung 

a.r--^y.P = ^.P-^ß.f- 17) 

um und erkenne, daß linker Hand vom Gleichheitszeichen Glieder stehen, 
die von Angriff und Biegungspfeil unabhängig sind; dieselben sind einzig 
Funktionen der Stababmessungen, sofern « und y als konstante Größen auf- 
gefaßt werden. Die Glieder auf der rechten Seite dagegen sind von Angriff 
und Pfeil abhängig und es ist zunächst festzustellen, ob bei der Annahme, 
es sei für einen bestimmten Stab — gekennzeichnet durch l und i — die 



vDie richtige Knickungsformel." 261 

linke Seite der Gl. 17) eiue Koustaute, der Koeffizient ß einen konstanten 
Wert besitzen kann. 

Für zwei Beobachtungen am gleichen Stabe seien 
P, und /,, P2 und/i 
zusaniniengehih'ige Werte von Angriffskraft und Pfeil und es folgen mit diesen 
nach Aufsclireibuug 17) die Beziehungen : 

und 

mit deren Vergleichung 

y^-r-i-ß-fi^^^-r-hß-fl 

gewonnen wird. Denkt man hierin ß vorerst als konstante Größe, so gilt für 
sie der x\usdruck p ^ 2 

^ = ^' ■ ~p^ ■ fi=jf 1*'- 

Behufs Feststellung, ob für ß die Möglichkeit einer Konstanz vorliege, 
berechne ich nach Bauschiugers Versuchen*) für einen Stab — mit dem 
Spitzenabstande 2 l = 405,5 cm, der Querschnittsfläche F = 63,80 cm"^, dem 
maßgeblichen Trägheitsmoment 1 = 575,6 cm^, dem zugehörigen Trägheits- 
radius i = 3,01 cm, sowie dem Betrage des Euler'scheu Wertes P,^ = 69 t — 
die Größe ß, indem ich mit dem Versuche fortschreitend Paare von Be- 
obachtungen für P und / bei Formel 18) anziehe. 

Ich erhalte für Pj = 30 1, P^ =■■ 40 1, f^ = 0,14 cm, f^ = 0,24 cm 

/9 = 622.000; 
für Pi = 40 1, P2 = 50 1, /, = 0,24 cm, f^ = 0,36 cm 

/9= 197.000; 
für P, --= 50 1, P2 = 60 1, /, = 0,36 cm, /^ = 0,52 cm 

/?= 67.000. 

Die berechneten Werte für ß gestatten ohneweiters den allgemein 
giltigen Schluß, daß von einer Konstanz der Größe ß unter keinen 
Umständen die Rede sein kann. 

Im weiteren handelt es sich nun darum, klarzulegen, ob tÜr die beiden 
anderen Koeffizienten « und y eine Konstanz ihres Wertes denkbar ist; zu 
diesem Zwecke benutze ich die mit Addition früherer Ansätze gewonnene 
Beziehung p _l. p 

2ia.r- J^y .i^) = P,.i^J-^P ^V ß -{fC- -Vf\) ^ . . 19). 

Ich erhalte für P, =^ 30 1, P, = 40 1, f, = 0,14 cm, f<, = 0,21 cm und 

mit dem zugehörigen Werte /9= 622.000 

aP-\-y ■i'^= 106.750 (Maß cm) ; 

*) Milteilun;,'en aus dem moch.-tcchn. Laboratorium der königl. Technischen Hoch- 
schule in München, 1887. 15. Heft, Seite 20, Tabelle 1 und Seile 32, Tabelle 2. 



2g2 rDi«^ riililige Knickungsfoniicl." 

für ^^ = 40 t, P2 - 50 t, fi = 0,24 cm, f.^ = 0,S6 cm und mit dein ent- 
.sprecliendeu ,^ = 197.000 

a.V- -\-y . P = 82.250 (Maß cm) ; 
für J^, = 50 1, F., = 60 t, /, = 0,36 cm, f.^ = 0,52 cm imd mit ß = 67.000 

« • P + 7 • i- = 65.400 (Maß cm). 
Die errechueteu Werte für «•?--}- 7 • f- zeigen solch beträchtliche Untcr- 
sclncde, daß auch eine Konstanz der Koeffizienten « und 7 aus- 
geschlossen erseheint, welches Urteil unfraglich allgemeine Giltigkcit 
besitzt. 

Wir können mithin aussprechen, daß unser, in richtiger Art abgeleitetes 
Hauptergebnis Gl. 14) mit Einführung von konstanten Koljf- 
fizienten zu praktischer Bedeutung nicht zu bringen ist. Die 
Einstellung von Koeffizienten mit wechselnder Größe würde aber zu einer 
solclien Komplizität der genannten Formel führen, daß sich deren Anwendung 
in der Praxis von selbst verbieten würde. 



Mit dem letztgesprochenen Urteil bin ich dahin gelangt, wohin wissen- 
schaftliche Eröi'terungen der Knickfestigkeitsfrage bei Gegenüberhaltung von 
Versuchsergebnissen stets leiten werden, nämlich auf den Weg der prak- 
tischen Schätzung, Hierbei werde ich von Haus aus darauf verzichten, 
Angriffskraft und Pfeil als gegenseitig Abhängige mittels einer Beziehung 
darzustellen, denn ich habe die Meinung, daß dies in praktisch zutreffender 
Art überhaupt nicht gelingen wird. Ich werde mich also solchen Stäben und 
Angritfen zuwenden, für welche die praktische Möglichkeit gegeben ist, mithin 
der Biegungspfeil als vernachlässigbar klein außer Betracht bleiben kann. 

Mit Ausscheidung des Gliedes ß'ij) in Aufschreibung 16) übergeht diese 

in die Form ^ ^ Pp 20 



a + 7 



iir 



welche bei langen und flexiblen Stäben — mit vernachlässigbarem ^ — zur 



nächsten Form 

P = ^ 21) 

leitet. Da die Ausstoßung des Biegungspfeiles zur Folgerung führt, P sei 
jedem beliebigen Pfeil entsprechend, so kann P nicht mehr in der Autfassung 
festgehalten werden, es sei jene Kraft, welche den Stab bei seinem bestimmten 
Biegungspfeil erhält, P muß vielmehr so gedeutet werden, daß es den Stab 
tatsächlich abknickt, also im meistgefährdeten Querschnitt die Randspannung 
bis zur Fließgrenze treibt. 

Die Anschreibung 20) schließt die Seh warz - Kankine'schc 

P 

Formel in sich, wie beim Eingehen auf die Pressung -^ und mit der Be- 



„Die richtige Knickungsformel." 263 

deutimg von P^ nach Gl. 15) leicht zu zeigen ist. Man erhält l)ei der hier 
gewählten Bezeichnung, vergl. Fig. 1, 

^'E I fj^y 

P _ dP' F _ " \2l) 



TT- E 4 y 



^r^-m~Mi,)-m 



also schließlich die Form 

P K 



F ^ . . r2l 



+^-(t) 



22), 



worin K und h als Konstante zu verstehen sind, die einzig vom Material des 
Stabes abhängen. 

Ich will es unternehmen, die Koeffizienten K und /.- an der ITand zweier 
Versuche Bauschingers*) zu berechnen, wobei ich sogleich geltend mache, daß 
mit der Autfassung von P als jener Kraft, welche die Knickung tatsächlich 
bewirkt — also im weitgefährdeten Querschnitt Randspaunungen erzeugt, 

p 
welche an der Fließgrenze des Materials liegen — für -^ die mittlere Pressung 

im Augenblick der Knickung eingeführt werden muß. Mit den Maßen t und cm 

erhalte ich in dem einen Falle ( Tabelle 4, -t- = ^ ' = 105,6 ) : 

V % 1,4a y 

1£5 ^ 



1-^ Je. 11150 



7 22 9 ß 
im zweiten Falle (Tabelle 5, ^ = '^^ = 156,0) : 

95 - ^ ■ 

^,'^^ — l^T^, 24350 

Durch Auflösung der angesetzten Gleichungen gewinne ich die (abge- 
rundeten) Zahlwerte: , ^ /.^/nir 

li = 0,00015 

K = 4,40 , 
mit deren Einführung in Formel 22) als mittlere Pressung im Augen- 
blick des Ausknickens 

P _ 440 

T ~ ~rT~~ZZ77r2iV • • 23) 



1 + 0,00015{-r-) 



gilt. Hierzu sei bemerkt, daß nach der Bezeichnung der Fig. 1 21 als die 
ganze Länge des beiderseits gelenkig festgehaltenen Stabes gilt und l als 
Trägheitsradius im Sinne der möglichen Biegung zu verstehen ist. 



*) A. a. 0., Seile 20, Tabelle 1, sowie Seile .3i und 35, Tabelle 4 und ö. Hierzu 
^lie Bemerkung, daß das Slabmaterial Schweißeisen isl. 



2j34 -Die liclilige Knickungsformel/' 

Für die uäniliclieu Stäbe ergibt eine Tetmajer'sche Formel, die ich 
uhue Rücksii'ht auf das Giltigkeitsbereicli benutze, als mittlere Pressung im 
Augenblick des Knickens: 

Ä— B. ^ = 3,030 — 0,013 .105,6 = 1,66 t/cm''-, 

bezw. 

A — B.-^ = 3,030 — 0,013.156,0 = 1,00 t/cm"-, 

V 

also fast genau die gleichen Werte wie die beiden Versuche Bauschingers, 
mit denen die Koeffizienten der Fonnel 23) berechnet wurden. 

Bei zwei anderen Stäben der Bauschinger'schen Versuchsreihe erhalte ich: 

Tabelle 2 ^= ^^ = 134,7, 

i 3,01 

P_ { nach Formel 23) 1,18 t/cm'^, ' 

F } nach Versuch 1,11 t/cni^ ; 

T-'""'«^ T=5ä = ^^A 

_P l nach Formel 23) 2,90 t/cm'^, 

F I nach Versuch 3,04 t/cm'-. 

Die obige Tetmajer'sche Formel liefert bei dem erstereu Stabe 

A — B.^ = 3,030 — 0,013.134,7 = 1,28 t/cm'^, 

bei dem zweiten 

21 
A — B.-^ = 3,030 — 0,013 . 59,1 = 2,26 t/cm"^. 

Die Anschreibung 21) entspricht dem Euler'schen Wert und es 
geht als mittlere Pressung im Augenblick des Knickens hervor: 

^=^-ar=-a.y -)• 

Für die im vorangehenden angezogenen Stäbe: zur Tabelle 4 und 5 
ermittelt man als Durchschnittswert von h' . . . 20775, indes Tetmajer 
(für Schweißeiseu) 19740 zum Maß t und cm angibt. 



Ich will meine Darlegungen nicht schließen, ohne nochmals zu betonen, 
daß eine jjraktisch zutreffende Knickuugsformel, welche den 
Zusammenhang zwischen Angriflfskraft, den Abmessungen des Stabes und 
dem Biegungspfeil angeben würde, theoretisch überhaupt nicht findbar und 
auch bei Anwendung konstanter Koeffizienten nicht zu gewinnen ist. Die 
Einführung variabler Koeffizienten beim theoretischen Ergebnis ließe das 
erstrebte Ziel zwar erreichen, doch bei außerordentlicher Komplizität der 
Formel. Das, was gemeinhin als Knickungsformel bezeichnet wird, gil)t eine 
mehr minder rohe Darstellung des Stabzustandes im Augenblick des Knickens 
und beläßt die vorangehende Einleitung des Knickungsvorganges in voll- 
ständigem Dunkel. 



Ziele und Aufgaben der Realschule im :20, Jahrhundert. 265 

Ziele und Aufgaben der Realschule 

im 20. Jahrhundert. 

Von Professor Ludwii»- Fleischner. 



.1\i 



pjie österreichische Realschule hat im v()rii;'en Jahre ihr funfzigjälirig-es 
^' Gebiirtsfest gefeiert, denn am 2. März 1901 war ein halbes Jain-hundcrt 
verflossen, seitdem der erste Organisationsentwiirf für diese Anstalten erschienen 
war, die nach dem Vorhilde der in Deutschland von Chr. Sem ml er ge- 
gründeten Schulen eingerichtet und mit der Zeit von den polytechnischen 
Schulen losgetrennt wurden. Dieser erste Organisationsentwurf tür Realschulen 
wurde mit Allerhöchster Entschließung vom 6. September 1844 genehmigt 
und die erste derartige Anstalt in Österreich war die k. k. Oberrealschulc 
am Schottenfelde in Wien, deren Geschichte erst jüngst von berufener Seite 
erzählt wurde.*) Seither hat die Zahl der Realschulen sich trotz der inzwischen 
erfolgten Gründung zahlreicher Fachschulen stetig vermehrt. Im Schul- 
jahre 1901/2 zählte man deren 106 mit 37.412 Schülern, ein vollwertiger 
Beweis für die Wichtigkeit dieser Anstalten im Schulleben unserer Tage. 

Wenn vdr nun daran gehen, anläßlich der Jubelfeier einer Anstalt, der 
wir selbst einmal als Schüler angehört haben, Ziele und Aufgaben der Real- 
schule bei ihrem Eintritte in das zweite llalbjahrhundert ihres Bestandes zu 
erörtern, so leitet uns hiebei auch der Gedanke, einen bescheidenen Beitrag 
zu der vielumstrittenen Frage von der Überlegenheit der humanistischen über 



*) Festschrift zum 50. Jahresberichte der Schottenfelder k. k. Staatsrealsehule im 
VII. Bez. in Wien für das Studienjahr 1900-1901. Veröffentlicht von dem Direktor Karl 
Kl ekler. (S. 1 — 96.) Die Literatur über die Geschichte des österreichischen Realschulwesens, 
sowie über einzelne Disziplhien an diesen Anstalten ist bereits eine sehr stattliche. Um 
wiederholte Hinweise zu vermeiden, sei erwähnt, daß bei Abfassung dieser Arbeit u. a. 
foltrende Schritten, Aufsätze und Programmarbeiten benützt wurden: „Zur Geschichte der 
österreichischen Realschule unter der Regierung Kaiser Franz Josefs I." Von Karl Klekler, 
Realschul-Üirektor in Wien (Zeitschrift f. d. Realschulwesen, 23. Jhrg., l± Heft, S. G91— 752); 
„Geschichtliches über die Realschule." Von Hans Januschke (Teschen, iSiS); „Das Real- 
schulwesen Mährens 1848—1898." Von Prof. Adolf Waneck (XVI. u. XVII. Jahresbericht 
der Landes-Oberrealschule in Mähr.-Oitrau) ; „Das Studium der modernen Sprachen als 
allgemeines Bildungsmitte'." Vom wirk). Lehrer Valentin Holzer (Jahrcsbciicht der mähr. 
Landes-Oberrealschule, Neulitschein, 1901); „Berechtigung der neueren Sprachen an Real- 
schulen." Von Prof. Aug. Hauptmann (II. Jahresbericht der Konimunal-Realschule 
in Eger, 1901); .Zum 50. Geburtstage der öslerr. Oberrealschule.-' Von Direktor Hans 
Januschke (XXVIll. Jahresbericht der k. k. Staats-Oberreai^rchule in Teschen, 1901); 
„Der realistische Unterricht in Österreich mit besonderer Rücksicht auf die Realschule etc." 
Von Dr. Hans Anger er; L Teil. „Der realistische Unterricht vor dem Jahre 1851." (Beilage 
zum XLIV. Jahresberichte der Staats-Oberrealschule zu Klagenfurt); „Alte Bildung und 
moderne Kultur.-' Inauguralionsrede gehalten von Dr. Jakob Schipper (Wien und Leipzig; 
Wilhelm Braumüller 1901); „Unsere Hochschulen und die Anforderungen des zwanzigsten 
Jahrhunderts." Von A. Riedler (BerHn, A. Seydel, 1898); „Was leistet die Mittelschule?" 
(Herausgegeben von der Redaktion der ,,Wagc"; Kommissionsverlag der Gesellschaft für 
graphische Industrie in Wien, 1898), 



266 Ziele und Aufgal)en der Realschule im "20. Jahrhundert. 

die realistische IJildimg zu liefern, einer Frage, die nun schon seit Jahrzehnten 
in Pariainenteu, Fachkreisen und in der Presse auf das lebhafteste erörtert 
wird, ohne bisher einer endgültigen Lösung zugeführt worden zu sein ; und doch 
wäre ihre Entscheidung umso wichtiger in. einer Zeit, in der vielfach nicht 
mehr der Inhalt die Bildung, sondern das Maß der erreichbaren materiellen 
Vorteile als maligebend für die Wahl der Schule betrachtet ^^^rd. Wohl haben 
sich im Laufe der Jahre die Verhältnisse zu Gunsten der Realschule bedeutend 
gebessert, Aveil in unseren Tagen sich das ganze Bildungsideal bedeutend 
verschoben hat und manches Vorurteil gegen die Rcalschulbildung beseitigt 
Avtirdcn ist, wohl hat diese Anstalt Rechte erlangt, die mau ihr früher nicht 
zugestehen wollte, allein noch bleibt vieles zu tun übrig, um die Leistungen 
der Realschule aller Welt vor Augen zu führen und um darzutun, daß vor- 
nehmlich sie jene Stätte ist, aus der für Handel und Wandel, für Industrie und 
Verkehr die tüchtigsten Arbeiter, die Mchrer des Volkswohlstandes hervorgehen. 

Schon in dem Motivenberichte zum Organisationsentwurfe, den Graf Leo 
Thun dem Kaiser erstattete, wurde auf das immer stärkere Hervortreten 
der wirtschaftlichen Seite des sozialen Lebens, auf die neueren Verkehrsmittel 
und auf den Wettbewerb der Staaten unter einander hingewiesen, um die Lebens- 
fähigkeit der neuen Lehranstalt zu begründen und erst vor etwa vier Jahren 
schallte wieder ein mutiges Wort aus dem deutschen Reiche zu uns herüber, 
das einen lebhaften Widerhall bei allen jenen fand, die der Ansicht sind, 
daß nur eine Umformung des wissenschaftlichen Studiums moderne Menschen 
mit wirtschaftlich gesunden Anschauungen heranbilden könne. Der dies Wort 
aussprach, war Geheim rat Riedler, der mutige Verfechter der Interessen 
der Techniker, der im hi'dieren Schulwesen alle jene - Rildungsfaktoren zu: 
Geltung gebrac' t wissen will, die im modernen Kulturleben nicht länger mehr 
mißachtet werden dürfen, weil das neue Jahrhundert ein wirtschaftliches sei 
und jeder Kation erhöhte Aufgaben auf diesem Gebiete stelle. Es ist in 
del- Tat von höchster Wichtigkeit, bei der gegenwärtigen Bewegung um 
die Gleichberechtigung der Realschulabiturienten mit jenen des Gymnasiums auf 
diese Umstände immer wieder hinzuweisen, um die Lehre von der angeblichen 
^Minderwertigkeit der Realschule in die rechte Beleuchtung zu rücken, zumal 
Ereignisse der jüngsten Zeit die Realanstaltcn gewiß zu erhöhtem Eifer und 
edlem Wettbewerb mit den anderen Mittelschulen anspornen dürften. 

Wir denken hiebei zunächst an die hochbedeutsame Allerhöchste Ent- 
schließung vom 13. April 1901, durch welche den technischen Hochschulen 
das Recht zuerkannt wurde, Doktorpromotionen vorzunehmen. Diese Maßnahme 
ist nicht zu unterschätzen ; sie zeugt von dem Auschen, welches die exakten und 
technischen Wissenschaften genießen, es „prägt sich in ihr der große Wandel 
aus, den die Schätzung technischen Wissens und Könnens im Laufe der Zeit 
erfahren hat" (Minister Dr. v. Hartel anläßlich einer Promotion an der 
Wiener technischen Hochschule am 20. Februar 1902), sie zeigt, daß endlich 
die Erfolge des technischen Unterrichtes ihre Anerkennung in der Erhebung 
dieser Anstalten zu Hochschulen, in der Gleichstellung ihrer Lehrkräfte mit 
jenen der Universitäten fanden. 



Zielo uiul Au%;il)en der Realscliule im 20. Julirhumli'rt. 267 

Es darf demnacli nuniuehr auch das Ziel, das die Realschulen als Vor- 
bcreitungsschuleu für die technischen Hochschulen im neuen Jahrhundert 
anzustreben haben, von diesen neuen Errungenschaften nicht unbeeinflußt 
bleiben, schon deshalb nicht, weil doch in den großen Reformfragcn, die 
unser gesamtes höheres Schulwesen berühren, gegenwärtig eigentlich die 
technischen Hochschulen die Führung übernommen haben, wobei man aller- 
dings weit davon entfernt ist, zu fordern, die Grundlagen unserer Kultur 
seien von Hellas nach Charlottenburg und Essen a. d. Ruhr zu verlegen, wie 
dies der Münchener Historiker Pöhlmann in einer scharfen Polemik gegen 
Riedler*) behauptete, sondern man will nur nicht mehr die technischen 
Hochschulen als bloße Fachschulen gelten lassen und Wissenschaft und 
Forschung für die Universität allein in Anspruch nehmen. In dieser An- 
erkennung der technischen Wissenschaften muß nun ein mächtiger Ansporn 
für die Ziele und Aufgaben der Realschule im 20. Jahrhundert liegen. Sollen 
ihre Absolventen im staatlichen und gesellschaftlichen Leben zu leitenden 
oder führenden Stellungen berufen werden, wie dies schon lange in Frankreich, 
England oder Amerika der Fall ist, so müssen schon die Realanstalten eine 
Ausgestaltung: erfahren, die sie den Schwesteranstalten würdig an die Seite 
stellt ; in ihrem Lehrplan und in ihrer Methode muß auf die zukünftige Stellung 
der Realschüler als Techniker vor allem in der Art Rücksicht genommen 
werden, daß alles bloß mechanische Wissen zu gunsten einer intensiveren 
Durchbildung und Vertiefnug der einzelnen Disziplinen beseitigt und der 
junge Mann schon auf der Realschule sich der Pflichten bewußt wird, die 
ihm einst Staat und Gesellschaft in Bezug auf Fragen des Handels und 
Verkehrs, der Industrie und Volkswirtschaft auferlegen werden. 

Allein die technischen Anstalten haben nicht bloß technische, sondern 
auch große soziale Aufgaben zu lösen, wie dies der Deutsche Kaiser erst 
jüngst anläßlich der Säkularfeier der technischen Hochschule zu Berlin aus- 
führte, weil die Techniker infolge ihrer vielen Beziehungen zur Arbeit und 
zu Arbeitern eine Fülle von Anregungen ermöglichen und manches zu gunsten 
der Volkswohlfahrt schaffen können. Der Monarch sprach aber bei diesem 
Anlasse noch einen andern Gedanken aus, der wert ist, hier festgehalten zu 
werden. Er sprach nämlich davon, daß dermalen bereits die besten Familien, 
die sich sonst ferngehalten, ihre Söhne der Technik zuwenden, und er hoffe, 
daß dies noch zunehmen werde. Damit wird die soziale Stellung der Techniker 
berührt, die sicli in der Folge wohl zu einer umso besseren und angeseheneren 
gestalten dürfte, je zeitgemäßer und ])ild('nder der Unterricht sein wird, den 
der angehende Techniker schon in.^der Realschule erhält. Es wird daher der 
mathematische, naturwissenschaftliche und geschichtliche Unterricht derart 
eingerichtet sein müssen, daß die Verwertung der einschlägigen Kenntnisse im 
Leben in den Vordergrund tritt und daß auch die allgemeine und wirtschaftliche 
Bildung des Zöglings eine für den künftigen Beruf völlig ausreichende werde. 



*) Das Jechnische- Jaliiliundert. Von Hol). Pöhlmann (Beilage z. All-em. Zeitung;, 
München Nr- 2-58 und 2.">9, Jahrg. 1901). 



268 Ziele und Aufgaben der Realschule im 20. Jahrhundert. 

Es tut demnach eine Verallgemeinerung-, aber nicht noch eine weitere Speziali- 
sienmg der P)ildimg- au der Realschule not. 

Einen wichtigen Platz im Lehrplane unserer Realschulen nehmen aber auch 
die modernen Kultursprachen ein; sie verkörpern das humanistische Element 
in diesem Lehrplane und, seitdem sie als obligate Fächer gelehrt werden, 
fand man auch au den technischen Hochschulen, daß „der neu eintretende 
Zögling einen höheren Grad geistiger Entwickelung erreicht habe, als ihn die 
Realschule in ihrer älteren Einrichtung zu vermitteln beabsichtigte und ver- 
mochte." Bezüglich des Wertes dieser Fremdsprachen für den Zögling wüßten 
wir aus der jüngsten Zeit nichts besseres und gehaltvolleres anzuführen, als 
das, was Hofrat Schipper in seiner Inaugurationsrede hierüber ausführte. 
Mit warmen Worten bekämpft er das Vorurteil, daß die von den Gymnasien 
vermittelte, vorwiegend auf dem Studium der alten Sprachen basierte humani- 
stische Bildung eine höhere, idealere sei als die an den Realschulen erworbene, 
die hauptsächlich auf dem Studium der neueren Sprachen, der Mathematik 
und den Naturwissenschaften beruht. Mit diesem Vorurteil sei übrigens auch 
auf der letzten Berliner Schulkonferenz endgiltig aufgeräumt worden; auch 
Vertreter der klassischen Philologie sprachen in diesem Sinne; „wir müssen 
uns daran gewöhnen", sagte einer derselben, „die formale Bildung und den 
Idealismus und was man sonst als die schöne Frucht der Beschäftigung mit 
den klassischen Studien zu rühmen pflegt, auch aus der Naturwissenschaft 
und aus den neueren Sprachen zu gCTvinnen." Hofrat Schipper verweist 
ferner auf die großen Vorteile, die das Studium der neueren Sprachen auch 
in stilistischer Hinsicht bietet, sowie auf die ethischen Vorteile, die sich 
aus der Kenntnis des Charakters des fremden Volkes ergeben, ein Umstand, 
der tür die Anbahnung des Völkerfriedeus von großer Wichtigkeit ist, und Prof. 
Valentin Holz er sagt mit Recht in seiner schönen Programmarbeit, daß es 
eine der edelsten Seiten des modernen Sprachunterrichtes sei, der nationalen 
Selbstüberhebung in den Herzen der Jugend entgegen zu arbeiten. 

Es wurde bereits erwähnt, daß der Techniker auch soziale Aufgaben zu 
erfüllen habe, die seiner in der ihm zugewesenen Berufssphäre harren. In 
einem vor kurzem veröffentlichten Vortrage über „die sozialen Aufgaber des 
lugenieurbcrufes" *J wies General-Direktor v. Üechel hauser darauf hin, 
wie unglaublich wenig der Gebildete und besonders der bloß humanistisch 
Gebildete von den großartigen Errungenschaften der praktischen oder gar der 
wissenschaftlichen Technik in sich aufgenommen habe, obwohl er sie täglich 
vor Augen hat und benützt, und wie wenig man daran denke, daß gerade 
auf dem Gebiete des geistigen Verkehres durch Mit^^^rkung der Techniker 
in den letzten fünf Jahrzehnten mehr geleistet worden ist, als vielleicht in der 
ganzen Zeit von Homer bis zum 19. Jahrhundert. Diese Umstände schließen 
nun auch große soziale Pflichten im Hinblicke auf Belehrung und Aufklärung 
für den Techniker in sich ein, umsomehr, als sich auch auf dem Gebiete 
der Politik heute vielfach alles um wirtschaftliche und technische Fragen 



") München, IWl; R. Oldenbourg. 



Ziele und Aufjjaben der Realscliule im '■20. Jahrhundert. 269 

dreht, cLi sich glücklicherweise iu der Menschheit iiiiiuer mehr die Ansicht 
Bahn bricht, die Aufj^abe der Völker bestehe nicht in ihrer gegenseitii;en 
Vernichtiuii;-, sondern im friedlichen Wettstreit der Arbeit zur Vervollkommnung- 
und Verschöneruni;- des Lebens; denn nicht so sehr in der politischen Macht, 
als vielmeiir in der AvirtschaftHchen Überlegenheit liegt heute die Lebenskraft 
eines großen Staatswesens. 

Diese Erwägungen führen uns nun dahin, eine weitere Ausgestaltung- der 
Realschulen in der Richtung anzustreben, daß sie ihre Zöglinge auch mit 
einem gcAvissen j\[aße sozialpolitischer Bildung, sei es ins Leben, sei es an 
die Hochschule entsenden. Für die Techniker selbst wird diese Forderung 
schon seit längerer Zeit erhoben, indem man betont, daß eine solche Aus- 
bildung zur Verallgemeinerung der liildung des Standes beitragen würde, 
denn sonst wird der Techniker bei noch so hervorragenden fachlichen 
Leistungen stets bloß in der bescheidenen Stellung eines Hilfsarbeiters ver- 
bleiben. Auch der im Jahre 1900 in Wien abgehaltene Ingenieur- und 
Architektentag- hat den Wunsch ausgesprochen, au den technischen Hoch- 
schulen staatswissenschaftliche Fächer unter die Pflichtfächer aufzunehmen, 
deren Erfolg bei der Staatsprüfung nachgewiesen werden müßte. 

Doch auch schon dem Realschüler ist ein gewisses Maß sozialpolitischen 
Wissens nötig, will er seine spätere Mission als Techniker richtig erfassen. 
Diese sozialpolitische Bildung muß sich aus den Elementen der Verfassungs- 
kunde, Rechtskunde und Volkswirtschaftslehre — in ihrer Gesamtheit auch als 
Bürgerkunde bezeichnet — zusammensetzen ; sie hat in dem Schüler, wie wir 
dies auch an einer anderen Stelle*) ausgeführt haben, den Sinn für ver- 
fassungsmäßig geordnete Zustände, für Gesetzlichkeit und Recht zu schärfen 
und das Verständnis für ein wirtschaftlich richtiges Handeln anzubahnen; 
sie hat aber auch jeden Einzelnen zur klaren Erkenntnis der ihm aus der 
Staatsangehörigkeit erwachsenden Vorteile, sowie der für ihn daraus er- 
wachsenden Pflichten zu bringen und ihm die große, schaffende, organi- 
satorische Kraft des Staates, sein Werden, Wirken und Wachsen vor Augen 
zu führen. Neben der volkswirtschaftlichen ist aber auch besonders eine rechts- 
wissenschaftliche Bildung notwendig, weil unser ööcntliches und geschäftliches 
Leben ganz unter dem Einflüsse des Rechtes steht. Außer der Kenntnis des 
]^rivat- und öff"entlichen Rechtes ist ferner die sozialpolitische Gesetzgebung 
wichtig. Unter Zugrundelegung dieser Disziplinen sollte der Realschüler zum 
mindesten der obersten Klasse auch mit den Arbeiten des technischen Genies 
bekannt gemacht werden, die für ihn wohl eben so viel Wert haben, als die 
Zahlen der im grauen Altertum gelieferten Schlachten ; zudem wäre das Studium 
der Großtaten des technischen Geistes dazu angetan, in der Jugend schon 
frühzeitig das Bewußtsein der persönlichen \'crautw(>rtlichkeit zu wecken und 
zu stärken Bezüglich der dritten Disziplin, die in den Rahmen der Bürger- 
kunde gehört, der Verfassungskunde, enthält der Lehrplan der Realschulen 



*) „Österreichische Bürgerkunde-. Von Ludwig Fleisch n er (II. Aufl. Wien und Prag, 
F. Tempsky 1(K)2. Vorwort S. V). 



270 Ziele und Aufgaben der Realschule im 20. Jahrhundert. 

schon manche Bcstimmung-en, die es dem Lehrer ermöglichen, die Schüler 
in die Elemente dieser Disziplin einzuführen; der zukünftige österreichische 
Staatsbürger soll vor allem die Verwaltung und Verfassung seines Landes 
kennen, weil er sonst im späteren Leben über diese Angelegenheiten leicht 
in einseitiger Weise belehrt werden könnte. Die Organisation der Realschulen 
steht der Landesgesetzgebung zu, damit die Einrichtung dieser Schulen sich 
den wirklichen Bedürfnissen des Landes besser anpassen könne; diese legis- 
lativen Körperschaften könnten nun insbesondere in den industriereichen 
Krouländern mit großer Arbeiterbevölkerung derartige bürgerkuudliche 
Belehrungen in den Realschulen einführen; Ober-Osterreich und Kärnten 
hatten bekanntlich bis vor einigen Jahren einen Unterricht in National- 
ökonomie in ihrem Lehrplane ; leider mußte dieser Gegenstand ebenso wie 
der Unterricht in der Logik an den mährischen Anstalten entfallen, um 
anderen Gegenständen Platz zu machen, trotzdem gerade der Unterricht in 
der Volkswirtschaftslehre sehr wichtig wäre. 

Hier wird nun eine Schulreform im modernen Sinn einzusetzen haben, 
wie wir dies auch in anderen Staaten wahrnehmen können ; man kennt den 
Kampf, der in Frankreich zwischen dem cnscigncmmt moderne und dem 
enseiyncment dassitßic tobt, man weiß, Avie sehr England in neuerer Zeit 
sich bemüht, seine Schulen den praktischen Bedürfnissen anzupassen und 
man blickt neidvoll auf die nordischen Staaten, deren Mittelschulwesen in 
vieler Hinsicht mustergebend erscheint. Es ist fraglich, ob die von so vielen 
gewünschte und von so wenigen bekämpfte Einheitsschule auch in Osterreich 
bald in die Erscheinung treten wdrd. So lange dies nicht geschieht, muß die 
Realschule trachten, ihren Platz würdig im Schulorgauismus unserer Tage 
auszufüllen, damit ihre Absolventen mit Verständnis tür die großen Kultur- 
aufgaben der Gegenwart, ohne viel Ballast, jedoch mit Sinn für die praktisch -^ 
Welt, die Anstalt verlassen, um entweder ihre weitere Ausbildung an den 
technischen Hochschulen zu erhalten, oder um gleich in einen Beruf einzutreten. 
Es wird dann vielleicht nicht so häutig vorkommen, daß man, zuweilen bloß 
veralteten Familientraditioneu folgend, die besser begabten Söhne bloß ins 
Gymnasium schickt, weil man ihnen die freie Berufswahl nicht verkümmern und 
den Zutritt zu den höheren Stellungen im staatlichen Leben nicht verschließen 
will ; denn bekanntlich stehen dem absolvierten Gymnasiasten alle Wege 
offen, bis auf einen, während dem absolvierten Realschüler alle Wege ver- 
schlossen sind, bis auf einen — sollte nicht schon dieser Umstand allein eine 
Regelung der Berechtigungsfrage im Sinne der Gleichstellung rechtfertigen? 

Inmitten all der Wirren und divergierenden Meinungen kann es aber 
der Realschule zum Tröste gereichen, daß man dermalen in den meisten 
maßgebenden Kreisen davon überzeugt ist, daß ein bloß auf dem Studium 
der alten Sprachen basierender Unterricht in den nächsten Dezennien anderen 
Anschauungen und Anforderungen im Sinne vertiefter Avirtschaftlichcr und 
allgemeiner Bildung wird weichen müssen: möge die Realschule in diesen 
Tagen der Erörterung des Verhältnisses zwischen humanistischen und reali- 
stischen Studien und des gewaltigen Aufstieges von Handel; Verkehr und 



Ziele und Aufgaben der Realschule im '20. Jahrhundert. 271 

ludustrie sieh wohl gerüstet linden, diesen Ani'orderungen zu entsprechen, 
möge sie rechtzeitig-, von der staatlichen Autorität gestützt, an Stelle des 
Spezialisierens ein Zusanimenfasseu der Kenntnisse setzen und durch richtige 
Verbindung von Avirtschaftlicher und allgemeiner Bildung ihr Ziel, tüchtige, 
brauchbare ^lenschen heranzubilden, zu erreichen suchen, denn das Heil aller 
Wissenschaft beruht nicht bloß auf gelehrten Spezialstudien, sondern auch 
auf dem Zusammenfassen der goi'undeuen Erkenntnis und in deren Anwendung 
auf das uns umgebende Leben. 

Vor etwa drei Jahren sprach Minister v. Goluchowski zu den 
Delegationen: „Wie das 16. und 17. Jahrhundert mit rcligÜKsen Kämpfen 
ausgefüllt war, wie im 18. Jahrhundert die liberalen Ideen zum Durehbruche 
kamen, wie das gegenwärtige Jahrhundert durch das Auftauchen der Nationali- 
tätenfrage sich charakterisiert, so sagt sich das 20. Jahrhundert für Euro[)a 
als ein Jahrhundert des liingens ums Dasein auf handelspolitischem Gebiete 
an und vereint müssen sich die europäischen Völker zusammentiuden, um in 
der Verteidigung ihrer Existenzbedingungen erfolgreich wirken zu können." 
Es müssen daher auch die Bildungsmittel der Zeit dem alles beherrschenden 
wirtschaftlichen Bedürfnisse der Völker angepaßt sein, will man den Wett- 
bewerb mit dem Auslände erfolgreich bestehen. Und anläßlich der bereits 
erwähnten ersten Doktorpromotion an der Wiener technischen Hochschule sagte 
Minister v. Hartel : „Ich bin kein Techniker, aber ich bin ein warmer Ereund 
des gesamten technischen Schulwesens, bin ein aufrichtiger Bewunderer jener 
stauuenerregenden Errungenschaften, welche die technischen Wissenschaften 
der Welt in unseren Tagen gebracht haben und in immer reicherer EüUe zu 
bringen versprechen, jener Fortschritte und Errungenschaften, welche, ein nie 
versiegender Jungl>runnen, die alternde Welt mit frischer Kraft beleben, ihre 
materiellen und geistigen Güter erneuern und mehren." Diese Worte bedürfen 
wahrlich keines Kommentars ; sie zeigen von der hohen Auffassung, die dem 
dermaligen Leiter des österreichischen Schulwesens von dem Werte und der 
bildenden Kraft der technischen Schulung innewohnt, sie beweisen, daß er 
den Technikern, den Männern des zwanzigsten Jahrhunderts, auch fürderhin 
im wohlverstandenen Interesse unseres Staatswesens seine Sympathien zu- 
wenden wird. 

Dieser Sympathien bedürfen die Techniker in hohem Grade, denn ihre 
Stellung im staatlichen Leben entspricht noch lauge nicht jener, die sie 
infolge ihrer Studien und Kenntnisse einzunehmen berechtigt wären, sie 
müssen sich noch gar manche Zurücksetzung insbesondere gegenüber den 
Juristen gefallen lassen. Erst vor kurzem*) wurde in unserem Abgeordneten- 
hause von einem Redner erwähnt, daß spezifisch technische Agenden von 
Juristen besorgt werden, während diese doch nur dort am Tlatzc sind, wo 
es sich um Dinge rein rechtlicher Natur handelt. 

Die Entwickclung der Technik ist eine der gewaltigsten Taten des 
abgelaufenen Jahrhunderts, ja die ganze soziale Frage ist ein Produkt dieser 



*) (Sitzung vom 23. Mai 1902.) 



272 Ziele und Aufgaben der Realschule im 20. Jahrhundert. 

Entwickeliing-, denn durch sie ist auch das große Problem entstanden, wie 
die Massen zu beschäftigen seien, und diese selbst sind immer mehr zum 
Denken augeregt und durch die modernen Bildungsmittel emporgeho])eu 
worden. Ebenso ist auch der Aufschwung der Industrie eine Folge von 
Lehre und Forschung an technischen Anstalten aller Art. Deshalb muß 
auch schon die Realschule ein tüchtig vorgebildetes Schülermaterial an die 
Hochschulen entsenden, deshalb muß auch sie schon in ihren Zielen und 
Aufgaben zur lebendigen Erfassung des täglich uns umgebenden praktischen 
Lebens hiuleiteu und ihre Absolventen mit jenem Maße allgemeinen Wissens 
ausstatten, das eine genügende Bürgschaft für die richtige Erfüllung der 
geforderten beruflichen Pflichten bietet. 

Schon vor 115 Jahren haben wir in einem Schriftcheu *j das Recht der 
Realschule gegenüber anderen Lehranstalten mit sachlichen Argumenten zu 
verteidigen versucht. Wir sprachen damals die Hoffnung aus, daß man wohl 
bald einsehen werde, daß auch die Realschule „das Verständnis für die 
Gegenwart erschließt und zur regen Teilnahme au dem öffentlichen Leben, an 
den Kulturaufgaben unseres Zeitalters befähigt," indem sie doch auch andere 
als bloß realistische Fächer lehre, so daß sie trotz des Fehlens der klassischen 
Sprachen in ihrem Lehrplane vielleicht ebenso gut eine Schule der Humanität 
genannt werden könne, wie das Gymnasium. Und heute wie damals halten 
wir an dieser Anschauung fest und glauben unsere Betrachtungen nicht besser 
beschließen zu können, als mit dem viel zitierten Ausspruche, der, obgleich 
ihn J. G. Herder schon vor mehr als hundert Jahren getan, noch nichts 
von seiner Wahrheit eingebüßt hat: „Die Welt braucht hundert 
tüchtige Männer und einen Philologen, hundert Stellen, wo 
Realwissenschaften unentbehrlich sind, eine, wo eine ge- 
lehrte und grammatikalische Kenntnis des alten Rom ge- 
fordert wird." 




*) .Das Recht der Realschule." Von Ludwig Fleischner (\Vien 188G). 



Nord 



6 reime des MedjerschUuj - GebLdes 



vi. 




M I- 300. 000. 



Der Zirknitzer See und soinc geologischen Verliiillnisse. 273 

Der Zirknitzer See 

und seine geologischen Verhältnisse. 

^-.^^ Von Forst-Oberkommissär Wilhelm Putick. 

^n(.-^on Nordwest nach Südost streichende Kalke und Dolomite der Trias- 
^»g,!)^' formation jenes breiten Zuges, der zwischen Laibach und.Idria in einem 
förmlichen Gebirgsknoten südlich vom Triglav beginnt und über Zirkiiitz zum 
oberen Kulpatal nach Kroatien dahinzieht, bilden vorwiegend die geologische 
Zusammensetzung des Niederschlagsgebietes des Zirknitzer Sees. Die westliche 
Formationsgrenze dieses triadischen Gebirgszuges hat für den See schon 
deshalb eine größere Bedeutung als die östliche, vreil die erstere sein Nieder- 
schla^sgebiet der Länge nach durchschneidet, hingegen die letztere über die 
Wasserscheide seiner östlichen Zuflüsse weit hinausreicht. Die westliche Grenze 
hat jedoch noch außerdem dadurch die größte Bedeutung für das Seebecken, 
daß sie in einem ursächlichen Zusammenhange mit seinen unterirdischen 
Abflüssen stehen dürfte. Denn diese Gebirgsscheidung liegt unmittelbar in einer 
zur Streichungsrichtung parallelen Verwerfungslinie, welche in ihren Klüften 
offenbar den jetzt vorhandenen Abzugshöhlen des Sees die verborgenen 
Weitungen bahnte. 

Bekanntlich durchzieht die Innerkrainer Kesseltäler von Planina, Zirknitz 
und Laas eine tektonische Verwerfungslinie, die im Streichen der Gebirgs- 
schichten und im Relief dieser Kesseltäler gegeben ist Sie beginnt bei Idria 
im Tale der Idria, führt über Hotederschitz in das Kesseltal von Planina, 
von hier in das Seebecken von Zirknitz, aus diesem in das Kesseltal von 
Laas und endlich über die Hochmulde von Babenfeld und Prezid in das obere 
Kulpatal. 

An dem nordwestlichen Ende des Zirknitzer Seebeckens, entlang der 
Rakbachschlucht zum Mühltal in der südlichen Einbuchtung des Kesseltales 
von Planina ist diese Verwerfungslinie durch die unterirdischen Abfluß- 
höhlungen des Zirknitzer Sees am deutlichsten zu erkennen. Von Hotederschitz 
zur nordwestlichen Bucht des Kesseltales von Planina bei Garöarevc gravitiert 
entlang der Verwerfungslinie der unterirdische Lauf der Hotenka, die nur 
bei anhaltenden Niederschlägen und stärkerer Wasserführung aus ihren tieferen 
Horizonten durch Felsklüfte bei Garöarevc emporsprudelt. Zwischen dem 
Kesseltale von Laas und dem Zirknitzer See bildet die Verwerfuiigslinie 
gleichfalls die Vorbedingung für den unterirdischen Zufluß der Gewässer des 
Oberchbaches zum See. Beinahe in senkrechter Richtung auf diese Verwerfungs- 
linie durchzieht von Adelsberg gegen Oberlaibach eine sekundäre Gebirgs- 
scheidung den Innerkrainer Karst und die Kesseltäler von Adelsberg und 
Planina. In ihren Felsenklüften. Spalten und Höhlenweitungen strömt die Poik 
zur ünz, diese ferner zur Laibach. 

Wenn man die gerade Verbindungslinie der Orte Idria und Planina 
weiter gegen Südost bis zur Wasserscheide der Kulpa verlängert, so füiirt 

18 



974 Pfi' Zirknitzer See und seine £reolo!,'-i--clien Yerliiiltnisse. 

dieselbe sehr nahe an der oberwähnten Verwerfungslinie Iniierkrains vorbei 
und bildet hier auch die geognostische Grenze zwischen der Trias- und 
Kreideformation. 

Westlich von dieser Linie streichen in paralleler Richtung und in breiten 
Gebirgszügen die Kreidekalke des Innerkrainer Karstgebietes und bilden in 
den bewaldeten Hängen, Kuppen, fluiden und Dolincn des Javornik-Gebirgcs 
und Krainer Schneebergos den südlichen Teil des Niederschlagsgebietes des 
Zirknitzer Sees. 

Mit Ausnahme der Diluvinl- und Alliivialgcbilde im Seebecken und im 
Unterlaufe des Zirknitzerbaclies, ferner in der lloclmiulde von Neudorf- Oblak, 
sowie in den Kesseltälern von Laserbach und Laas- -Altenmarkt und endlich 
in der Ilochmulde von IJabenfeld— Piezid haben wir es daher im ganzen 
Niederschlagsgebiete des Zirknitzer Sees fast ausschließlich und einiörmig nur 
mit kalkigen und dolomitischen Gesteinen der Trias- und Kreideformation zu tun. 
Die aufllallende Kinförmigkeit in der geologischen Zusammensetzung ist 
übrigens eine charakteristische Eigentümlichkeit des gesamten Innerkrainer 
Karstgebietes. Gesteinsarten und Sedimentgebilde älterer Formationen sind 
hier nicht zu Tage liegend und in den auftretenden Formationen fehlen außer- 
dem noch einzelne Gesteinsarten als Übergangsstufen vollkommen, wodurch 
die geognostische Fiiifüiniigkeit umsomehr zum Ausdrucke kommt. 

Bei der ziemlich großen Ausdehnung des Niederschlagsgebietes des 
Sees (zirka 450 hu') ist es sehr auffjiUeiid, daß hier einerseits zwischen der 
Tiias- und Kreidefoimalion die sänitliclien Gliederungen und Abstufungen 
aus der Rhätischen, Lias- und Juraformation gänzlich fehlen. Aber noch 
seltsamer erscheint anderseits der vollständige iMaugel an Übergangsstuf<m 
von der Kreideformation bis zum Diluvium. Denn es ist nirgends, weder in 
den herüber gravitierenden Kesscltälern noch in der weitgedehnten Seemulde, 
deren Hochwasserspiegel zirka 2345 ha des ebenen Seebodens bedeckt, die 
geringste Spur aus der großen Reihe von Tertiärgebilden vorhanden. Und 
besonders aulfallend ist in der Zirknitzer Seemulde das Nichtvorhanden- 
sein der für die Kesseltäler und Talmulden des krainischen, küstenländischen, 
kroatischen und dalmatinischen Karstes so allgemein charakteristischen Eozän- 
formation, deren Sandstein-Schichtungen westlich vom Javornikgebirge das 
Kesseltal von Adelsberg und westlich vom Schneeberg das Muldental der 
Reka bedecken und die Kreidekalke überlagern. Ein fast ununterbrochenes 
Schichtenband, das an den Riindnn dieser Mulden und an den älteren Gebirgs- 
faltnngen dahinzieht, läßt die Auflagerung der Cosinaschichten und die Scheidung 
der späteren I^ozängebiide gegen die Kreidekalke sehr deutlich erkennen. Daß 
jedoch die Sandstein-Schichtungen des oberen Eozäns bedeutende Faltungen 
und Verwerfungen aufzuweisen haben, die dem allgemeinen Streichen der 
Trias-, Kreide- und Cosina-Schichten, welchen sie aufgelagert sind, nicht ent- 
sprechen, ist nur dadurch zu erklären, daß man annimmt, daß die späteren 
Eozängebilde eist während der tertiären Verschiebungen der Gebirgsschollen 
das faltenreiche Bodenrelief erhalten haben. (Im Jahrbuche der k. k. geolog. 
Reichsnnstalt, 1858, schreibt Stur Dyonis über das Isonzotal. In dieser Ab- 



Der Ziiknitzer Öee und seine geologischen Verhältnisse. 275 

liandluns wird der Hebungsakt des Kaistes am Ende der Eozänperiode und 
vor Beginn der Neogenperiode erklärt.) Allem Anscheine nach war das Fels- 
gerüst der Trias- und Kreideformation zur Zeit des Eozänmeeres im gegen- 
wärtigen Karstgebiete mit seinem Gebirgsrelief teilweise schon vorlianden. 
Denn die Angliederung der Eozängebilde erfolgte nur an der Außenseite des 
Gebirges, sowie in den vom Meere bedeckten Kesseltälern des Karstes. 
Höchstwahrscheinlich bildeten damals der Krainer Schneeberg und Javornik. 
ferner der Birnbaumer und Ternovaner Wald samt ihren benachbarten 
Hochplateaus eine langgestreckte Halbinsel des vortertiären Alpenfestlandes, 
Auf dieser Halbinsel sind entweder erst nach dem Rückzüge des Eozänmeeres 
durch einen aus Nordost herüberwirkendea Gebirgsdruck die phänomenalen 
Verwerfungen, Faltungen und Einsenkungen der Gebirgsschollen am Zirknitzer 
See und in den benachbarten Kesseltälern entstanden, wodurch hier das 
seltsame Nichtvorhandensein der Eozängebilde und das Fehlen aller späteren 
Tertiärablagerungen eine Erklärung fände, oder es wäre aus der absoluten 
Höhe dieser Talmulden andererseits zu schließen, daß das Eozänmeer nicht 
bis auf 600 m über die jetzige Meereshöhe emporgereicht haben konnte. 
Wären nämlich die Mulde von Zirknitz und das Kesseltal von Planina sowie 
jenes von Laas in ihrer gegenwärtigen Gestaltung und Meereshöhe schon vor 
der Tertiär-Epoche vorhanden gewesen, so hätten dieselben eine Bedeckung 
durch das Eozänmeer erf:ihren müssen, ähnlich wie die benachbarten Mulden- 
täler der Poik von Adelsberg und der Reka \on lUyrisch-Feistritz. Durch den 
von Nordost herüberwirkenden Gebirgsdruck dürften naturgemäß auch während 
derselben geologischen Epoche die zusammenhängenden Eozänmulden von 
Adelsberg und lllyr.-Feistritz emporgehoben worden sein, da deren Sandstein- 
gebilde stellenweise bis zur Meereshöhe von 750 m hinaufgeschoben sind, 
wogegen die Mulde von Zirknitz nur 550 m und das Kesseltal von Planina 
bloß 450 m über dem Adriatischen Meere gelegen sind, welch letztere also 
in derselben Periode eine gewaltige Senkung erfahren haben dürften. Offenbar 
wurde das Felsgerüst des Karstes nach der eozänen Epoche von urgewaltigen 
Faltungen und Verschiebungen, Hebungen und Senkungen erschüttert. Und in 
dieser Urzeit dürften die geologischen Vorbedingungen des Karstphänomens 
im allgemeinen entstanden sein. 

Daß jedoch auch aus der Diluvialzeit sowohl im Niederschlagsgebiete 
des Zirknitzer Sees als auch in den Kesseltälern des krainischen Karstes 
analoge Ablagerungen, wie solche z. B. das große Savebecken bei Laibach 
und Krainburg aufzuweisen hat, größtenteils und scheinbar gänzlich fehlen, 
findet seine Erklärung darin, daß durch die geognostische Beschaffenheit des 
Gebirges am Karste und speziell am Ziiknitzer See die Denudation sozusagen 
keine Angriffsflächen fand und hier außerdem die Gewässerzirkulation, sowie 
die Gebilde dieser geologischen Epoche vorwaltend in das Innere des Gebirges 
verlegt wurden. 

Betrachten wir nun die im Niederschlagsgebiete dos Zirknitzer Sees 
vorkommenden Gebirgsformationen etwas näher, so finden wir nachstehende 
Reihenfolge und Gliederung: 

18* 



276 Der Zirknitzer See und seine iicnlngiselion Veihaltnisse. 

1. Die Trias formation — erscheint hier in großer Verbreitung 
und Mächtigkeit. Die auftretenden Gesteine derselben sind nadi den Auf- 
nalinien der k. k, geologischen Reichsanstalt folgende: 

a) Werfener Schiefer, 

h) Guttensteiner Dolomit, 

c) Raibler Schichten, 

cl) Oberer Triaskalk und Dolomit. 

2. Die Kreideformation — erstreckt sich aus der breiten Fläche 
des Zuges von Adelsberg über das Javornik-Gebirge und den Krainer Schneeberg 
bis zur obcrwähntcn Scheidungslinie der Triasformationen, der sie regelrecht 
aufgelagert ist. Ihie Gesteinsarten sind hier nach den obbezeichneten Auf- 
nahmen folgende: 

a) C a }) r 1 i n e n k a 1 k, 

h) R a d i 1 i t e n k a 1 k und Dolomit, 
c) Hippuritenkalk. 

.3. Diluvial- und Alluvialge bilde — sind nur in den Niederungen 
der Dolinen, Mulden- und Kesseltäler, speziell im Unterlaufe des Zirknitzer- 
baches und im Seebecken vorhanden und überall hier auf Kalken und Dolomiten 
unmittelbar abgelagert. 

Betrachten wir ferner die Eigenschaften und das lokale Vorkommen 
dieser Gesteine und Gebilde, so sind der obigen Reihe nach anzuführen: 

Werfener Schiefer. Dieselben sind von lederroter, gelblicher und 
teilweise graugrüner Farbe, enthalten zwischen fettigen, veihältnismäßig weichen, 
dünnblättrigen, sch;)lenförniigen Gesteinsschichtungen bald stärkere, ba'd 
schwächere Bänke und Schichtenblätter schiefriger, glimmerhältiger Sandstein'^. 
Sie sind ferner vorherrschend durch größere Schichtenstörungen und Faltungen 
sowie durch eine geringere Mächtigkeit ihrer Ablagerung und besondeis durch 
Quellenbildung charakterisiert. Die Werfener Schichten finden hier jedoch 
nur eine geiingere Ausdehnung. Sie sind im Oberlaufe und im Quellgebiete 
des Ziiknitzerbaches und in der Ilochmulde von Neudorf-Oblak vorhanden, 
wo dieselben lokal zu Tage treten, beziehungsweise wo sie durch die 
transportierende Tätigkeit des Zirknitzcrbaches an seinen Ufern bloßgelegt 
wurden. Die Verwitterungsprodukte dieser Schichten haben vorwaltend das 
Mateiiale zu den Diluvial- und Alluvialgebilden in der obgenannten Hoch- 
mulde, sowie auch im Tale des Zirknitzcrbaches geliefert. Insbesondere sind 
aber sowohl der diluviale Schuttkegel an der Ausmündung des Zirknitzer- 
baches in den See als auch die ausgedehnten und mächtigen Alluvionen des 
Seebaches auf die leichtere Verwitteiung dieser Schichten und auf den 
Transport durch den genannten Bach zurückzuführen. 

Guttensteiner Dolomit. Derselbe ist von gelblich weißer Farbe, 
auffallend mächtiger Schichtung, ist sozusagen massig, sehr wenig zerklüftet, 
enthält reichliche Bergfeuchtigkeit und ist quellenbildend. Durch seine ver- 
hältnismäßig leichtere Verwitterung bildet derselbe flache Kuppen mit spärlicher 
Damnierde und Grasnarbe. Das Landschaftsbild trägt alpinen Charrkter. 



Der Ziiknitzor See und soiiie ji'ooloüischon VorluUtnisse. 277 

Dieser Dolumit ist an zwei lokal getrennten Stellen des vorerwähnten 
Niederschlagsgebietes abgelagert. Einerseits bildet derselbe mit Einschluß 
eines kleinen Horstes von Guttensteinerkalk die verhältnismäßig minder- 
durchlässige, wenn auch stellenweise ganz seichte Decklage der beinahe 
undurchlässigen Weifener Schichten im (,)uellgebiete und Oberläufe des 
Zirknitzerbaches und in der Ilochmulde von Neudorf-Oblak, wo sie gegen 
Südwesten die oberen Triaskalke und Dolomite unterteufen. Andererseits 
bildet der Guttensteiner Dolomit die Wasserscheide gegen das obere Kulpatal, 
in welchem er weiterstreicht, und erstreckt sich diesseits der Wasserscheide 
um lue Hochmulde von l)abenfeld und Prezid und in nördlicher Richtung bis 
zum Kesseltale von Laserbach, wo derselbe in gleicher Weise die obere Trias 
unterteuft. 

Von großem Interesse ist hier die hydrologische p]rscheinung, diiß dieser 
Dolomit infolge seiner geringeren Zerklüftung überall kleinere Quellen und 
oberirdische Bachläufe entstehen läßt und solche dahinträgt bis zur Gebirgs- 
scheidung des oberen Triaskalkes, an welcher die Gewässer ihr oberirdisches 
Dasein einbüßen und einen unterirdischen AbHuß finden. So verschwindet 
der Blosicabach in der Nähe von Groß-Oblak nach längerem oberirdischen 
Laufe an einer Stelle, wo der Bach rechtsufrig am oberen Triaskalke vorbei- 
Hießt. In analoger Weise verschwindet das Quellgewässer in der Ilochnmlde 
von Babenfeld-Prezid und ebenso beginnt der unterirdische AbHuß des Laser- 
baches im gleichnamigen Kesseltale. Daß hingegen der Zirknitzerbacli auch 
außerhalb des Guttensteiner Dolomits oberirdisch weiterfließt, ist hydrologisch 
dadurch zu erklären, daß sein Lauf nach Verlassen dieses Dolomits unmittel- 
bar in den Dolomit der oberen Trias gebettet ist und erst unterhalb des 
Marktes Zirknitz, also schon im Seebecken, dem oberen Tri.-iskalke näher- 
kommt, wo auch sein Gewässer ähnlichen Erscheinungen teilweise anheimfällt, 
noch bevor dasselbe in den See einmündet. 

Raibler Schichten. Das Aussehen dieser sandigen, mergeligen, 
zähen und bituminösen Kalksteine ist von dunkelgrauer Earbe, von sehr 
deutlicher Schichtung und teilweise dünnblättriger Struktur der Schichtenbänke. 
Die örtlichen Verwitterungsprodukte derselben bilden einen schweren, zähen 
Boden. Ihr Vorkommen im Niederschlagsgebiete des Zirknitzer Sees beschränkt 
sich auf die östliche und südöstliche Umgürtung des Seebeckens, wo jedoch 
im Bereiche von Lipsein— Stegberg eine Zunge oberer Triaskalke den Gürtel 
durchbrochen hat. Diese schmale Schichtung beginnt beim Orte Martinsbach, 
zieht über Grahovo, Scheraunitz gegen die Burgruine Stegberg fort, jenseits 
der Zunge der oberen Triaskalke, teilweise über den durch seine Höhle 
bekannten Kreuzberg — die Kreuzberghöhle — bis nach Laas und Altenmarkt, 
wo sie am Ostrande des gleichnamigen Kesseltales eine größere Verbreitung 
findet. Diesseits der obbezeichneten Zunge bei Lipsein treten die Raibler 
Schichten wieder aus der Tiefe empor und breiten sich über den ganzen 
Bergrücken zwischen dem See und dem Kesseltale von Laas— Altenmarkt aus, 
wo sie an der Scheidung gegen die oberen Triaskalke den unterirdischen 
Seezufluß des Oberchbaches verbergen. 



278 Der Zirkiiilzer See und seine geologischen Verhältnisse. 

Oberer Triaskalk und Dolomit. Der erstere ist ein lichtgrauer, 
harter Kalkstein mit deutlicher, dickbankiger Schichtung, ebenen Lagerflächen, 
eckigen, kantigen Schichtenköpfen, sozusagen nach Rhomboeder-Flächen von 
einzelnen Spalten und Klüften in Blöcke zergliedert, wodurch den atmo- 
sphärischen Niederschlägen und den oberirdischen Wasserläufen überall ein Ver- 
sickern in tiefere Horizonte geboten ist; wegen seiner Harte und Festigkeit 

der Verwitterung fast gar nicht unterworfen — ein vortrefflicher Baustein 

für Trocken- und Wasserbauten. 

Der letztere ist ein weißgrauer, vorwiegend sehr lichter Dolomit in 
äußerst mächtigen Schichtenbänken mit spärliclier Zerklüftung abgelagert und 
erscheint daher, in Schotter- und Sandgruben anstehend, sehr undeutlich ge- 
schichtet, wenn auch von zahlreichen Lassen durchzogen, beinahe in massigen 
Formen. Derselbe ist jedoch außerordentlich brüchig, leicht verwitterbar, 
zerfällt an der Oberfläche sukzessive in grob- und feinkörnigen, eckigen 
Schotter und Sand und bildet am Terrain stets flache, abgerundete Kuppen. 
Infolge seiner Lagerungsverhältnisse und Struktur ist derselbe trotz größerer 
Bergfeuchtigkeit dem Eindringen der Tagwässer nur wenig unterworfen, obwohl 
nicht ganz undurchlässig. 

Das Landschaftsbild steht zu diesen beiden Gesteinsarten in einer sehr 
deutlichen Wechselbeziehung. Augenscheinlich kann man von der Ferne auf 
ihr relatives Vorkommen schließen. Die anstehenden, wetterfesten Kalksteine 
sind überall von Wäldern bestanden. Dagegen sind die dolomitischen Gebirgs- 
lagen, wenn auch nur mäßig verwittert, dennoch meistenteils von Bergwiesen 
und Weideland bedeckt. 

Das Auftreten des Kalksteins und Dolomits der oberen Trias ist im 
Niederschlagsgebiete des Sees am meisten verbreitet. Stellenweise ist zwar 
der Übergang vom Kalkstein zum Dolomit ein derartig sukzessiver, daß alle 
möglichen Abstufungen vorhanden sind, anderwärts sind beide Gesteine jedoch 
sehr auffallend al)gegrenzt und daher teils schwer, teils leicht von einander 
zu unterscheiden. Von der obbezeichneten Linie, die annähernd parallel zum 
westlichen Seeufer im unteren Teile des Javornikgehänges dahinzieht, und an 
welcher die Unterteufung der Kreideformation durch die Trias erfolgt, bis 
zum Alluvium des Seebodens, ferner bis an die Raibler Schichten zwischen 
dem See und dem Kesseltale von Laas— Altenmarkt sowie bis zum Alluvial- 
boden dieses Kesseltales und weiter bis zu den Guttensteiner Dolomiten der 
Hochmulde von Babenfeld sind überall Triaskalke anstehend. Sie finden 
außerdem noch eine größere Ausbreitung zwischen dem Kesseltale von Laas — 
Altenmarkt und jenem von Laserbach, wo sie überall an die Raibler Schichten 
und Dolomite der oberen Trias anstoßen. Dann bilden sie jene schmale Zunge, 
unter welcher die oberwähnte Kreuzberghöhle liegt, zwischen den obbeschriebenen 
Raibler Schichten bis zum Seeufer und eine parallele Zunge von Laserbach 
zwischen dem oberen Triasdolomiten bis zur Hochmulde von Neudorf— Oblak, 
wo sie an den Guttensteiner Dolomiten ausgehen, beziehungsweise unter dem 
Alluvialboden verschwinden. 



Der Zirkiiitzer See und seine geoloi^'iächen Verhältnisse. 279 

Die Dolomite der oberen Trias cliarakterisieren den Trenniings- 
riicken und die Wasserscheide bei Laserbach. Dieselben erstrecken sich über 
die Raönagora zwisclien Laserbach und Laas in der Ri(litiin,n- gegen Bloska — 
Poliza und die Bergkuppen bei Studeno, wo sie überall an Kalksteine der 
oberen Trias angrenzen. Das letztgenannte Vorkommen dieser Kalksteine 
findet von hier eine Verbreitung über den Gebirgszug ob(;rhalb Grahovo 
und Mariinsbach bis nach Radlek, wo bereits die Guttensteiner Dolomite der 
llochmulde von Neudorf— Oblak auftreten. Dieselben Dolomite des Quellgebietes 
des Zirknitzcrbaches begrenzen die Triaskalke jenseits des Gebirgsrückens 
der Slivniza. Von Martinsbach und der Bergkirche St. Nikolaus westlich ist 
der Slivnizaberg nebst seiner Kuppe abernuals von oberen 'J'rias-Dolomitcn 
überdeckt. Diese erstrecken sich noch weiter westlich bis zum Zirknitzerbach 
und reichen ferner jenseits desselben noch über das Niederschlagsgebiet des 
Zirknitzer Sees hinaus. Diese Dolomite verschwinden im Bereiche des See- 
beckens unter den AlUivialgebilden. Ihr lokales Vorhandensein unter dem 
diluvialen Schuttkegel und unter den AUuvionen ist nicht allein am sogenannten 
Schweinbüchel (Svinja goriCa) südlich von Zirknitz, sondern auch noch an den 
Sauglöchern Vodanos und Re§eta bei Ünter-Seedorf zu konstatieren. Westlich 
von Zirknitz bei der Ortschaft Selzach an einem Hohlwege und am Rande 
des Talbeckens tritt abermals oberer Triaskalk auf, der von hier das 
nordwestliche Ufer des Seebeckens aufbaut, gegen die Rakbachschlucht und 
Planina dahinzieht und an der obbezeichneten Scheidungslinie die Kreide- 
formation unterteuft. 

Gerade dieses letztere Vorkommen der oberen 'Jnaskalke am nord- 
westlichen Ufer des Zirknitzer Sees ist mit Rücksicht auf die njannigfache 
Zerklüftung und Unteihöhlung ihrer gegen Südwest einfallenden Schichten 
für den unterirdischen AbÜuIj der Gewässer des Sees von außerordentlich 
großer Bedeutung; denn im Bereiche dieser Kalksteine öffnen sich zahlreiche 
Felsenschlünde der wirksamsten Abzugshöhlen. 

Die Kreideformation. Was die hier auftretenden Kalksteinarten 
der Kreideformation anbelangt, so haben dieselben bei der einförmigen petro- 
graphischen Beschaffenheit eine sehr geringe Menge organischer Reste auf- 
zuweisen und erschweren dadurch nicht nur ihre Gliederung untereinander, 
sondern sind auch dort, wo die Kalksteine der oberen Triasformation aus der 
Tiefe zutage treten, öfters schwer zu unterscheiden. Dessen ungeachtet gibt 
schon das Aussehen und die Beschaffenheit der Schichtenlagerung einigen 
Anhalt für die Gliederung dieser Kalksteine, die nach Dr. Stache's Unter- 
suchungen nachfolgend unterschieden werden: 

Der Cap rotinen kalk, als das unterste Glied unmittelbar auf Trias- 
kalken abgelagert, von melir oder nunder dunkelgrauer, bisweilen gelblicher 
Farbe, bildet vorwiegend mächtigere dickbankige Schichten. Nach eigenen 
Wahrnelimungen ist derselbe durch tiefreicliende Klüfte und zahlreiche Spalten 
in größere Blöcke geschieden, zwischen welchen den Niedeischlagswässern 
unzählige Wege geboten sind, von der Oberfläche in das Berginnere zu ver- 
schwinden. Der absolute Mangel an Gebirgsquellen und oberirdischen Rinnsalen, 



2g() Der Zirkuitzer See und seine geolog-ischen Verluillnisse. 

hingegen das Vorhandensein unterirdischer Gerinne und Höhlengewcässer ist 
demzufolge eine besonders (.-harakteristische Eigentümlidikeit dieses Kreide- 
kalkes, sowie überhaupt der gesamten Kreideformation, Der Caprotinenkalk 
ist technologisch hart, von splittrigem Bruch, wetterfest, bildet im Anstehenden 
unter dem Einflüsse der Atmosphärilien und Humussäure kantige Felstrümmer. 
Derselbe ist ein sehr guter Kalkstein, für sämtliche Bauherstellungen ver- 
wendbar und wird außerdem massenhaft zu Baukalken gebrannt. Sein Vor- 
kommen ist hier von der Trias-Scheidung über das steile Gehänge bis zum 
Rücken des Javornik-Gebirges ausgebreitet und im Streichen der antiklinalen 
Schichten über die Vorberge des Hochmassivs am Schneeberg verschmälert 
sich das anfänglich breite Band sukzessive fort, bis die Schichtung keilförmig 
nahe der Wasserscheide bei Prezid-Babenfeld an den Triasdolomiten endet. 
Diese Kalksteine sowie die der oberen Trias sind entlang des ganzen Javornik- 
Gehänges mit Buchen und Tannen bewaldet. 

Außerhalb des Niederschlagsgebietes, u, zw. von Planina gegen den See 
streichen die bewaldeten Schichten dieses Kalksteines in großer Breite herbei 
und sind in der Tiefe von den seltsamen Weitungen des östlichen Armes der 
Kleinhäuselhöhle durchzogen. 

Der R a d i 1 i t e n k a 1 k, ein Glied der oberen Kreidestufen, führt in 
seinen unteren Schichten vorwiegend dunkle, oft sehr bituminöse Kalksteine 
und bräunliche Dolomite, welch letztere sich je weiter hinauf, desto mehr 
verlieren. Hinsichtlich der Schichtung, Zerklüftung und Wasserführung zeigt 
der Radiolitenkalk dieselben Eigentümlichkeiten wie der Caprotinenkalk. Auch 
in technologischer Hinsicht hat derselbe ähnliche Eigenschaften und Ver- 
wendungszwecke, allerdings nur dort, wo er als reiner Kalkstein auftritt. 
Seine dolomitischeu Übergangsstufen und Dolomite zeigen zwar analoge 
Schichtungen und Klüfte, doch sind dieselben spröd und brüchig, deshalb nur 
für Straßenschotter gut geeignet. 

Im Niederschlagsgebiete des Zirknitzer Sees sind Ablagerungen des 
Radiolitenkalkes und Dolomits in größerer Ausdehnung vorhanden. Einerseits 
streicht ein Zug davon, dem Caprotinenkalke aufgelagert, aus der Gegend von 
Adelsberg gegen Südost über das wellenförmige Plateau des bewaldeten 
Javornik-Gebirges; ferner streichen diese Schichtungen durch die Wälder auf 
den Abhängen des Schneebergs bis zu den Trias-Dolomiten an der Wasser- 
scheide bei Babenfeld. Anderseits streicht ein paralleler Zug von Radioliteo- 
kalken und Dolomiten aus dem benachbarten waldlosen und verödeten Nieder- 
schlagsgel)iete der Poik von St, Peter in südöstlicher Richtung nach dem 
bewaldeten Niederschlagsgebiete des Zirknitzer Sees und über die Schneeberg- 
kuppen bis zu den Triaskalken an der Wasserscheide der kroatischen Küsten- 
flüsse und Strandquellen. Zwischen diesen beiden Zügen und denselben auf- 
gelagert, streicht in gleicher Richtung durch das bewaldete Niederschlagsgebiet 
des Sees, bald in breiter, bald in enger Ablagerung noch ein Schichtensystem 
von Hippuritenkalkstein, dessen Vorkommen am südöstlichen Ausgange von 
Radiolitenkalken umschlossen wird. 



Der Zirkiiitzer See und seine geologischen Verliältnisse. 281 

Der Ilippiiritenkalk, das oberste Glied der Kreideformation, ein 
hellgefärbter, iiieisteiiteils sehr reiner Kalkstein, mit einer für Hauzwecke 
ganz besonderen Eignung, ist sehr dicht, wetterfest und läßt sich gut bearbeiten. 
Er ist regelmäßig geschichtet und vielfach zerklüftet, daher für Meteorwässer 
stark durchlässig. Anstehende Blöcke desselben sind von Atmosphiirilien und 
Humussäure abgerundet; schroffe Felswände und steile Schichtenköpfe sind 
hingegen von Schratten und Rinnen scharfkantig ausgefurcht. 

Manche Schichten desselben sind von marmorähnlicher Beschall'enheit. 
Im allgemeinen liefert der Hippuritenkalk sehr gute Bau- und Werksteine. 

Zum Schlüsse wird noch besonders zu bemerken sein, daß die größten 
unserer weltbekannten Karsthöhlen und unterirdischen Wasserläufe (Adclsberger 
Grotte, Kleinhäuselhöhle, Luegerhöhlen, Rekahöhlen u. a. m.) insgesamt in der 
Kreideformation verborgen liegen. 

Diluvial- und Alluvialgebilde. Wie oben bereits hervorgehoben 
wurde, sind hier einerseits die spärlichen Gebilde der Diluvialzeit vorwiegend 
in den Grotten und Höhlen des Gebirges verborgen, anderseits liegen obertags 
im Seebecken, ferner in den Kesseltälern und Mulden die jüngsten und noch 
fortdauernden Alluvionen auf ähnlichen Ablagerungen längst vergangener 
Jahrhunderte. — Teils zähe, teils lockere Lehmablagerungen mit Einbettungen 
von Knochen des Höhlenbären (ürsus sjiclaeus), stellenweise deponiertes 
HöhlenbachgeröUe, hinwieder breccienähnlich gebundener Gebirgsschutt und 
darüber lockere Gesteinstrümmer, ferner Sinterbildungen und mächtige Tropfstein- 
gebilde in den Wasserhöhlen und Grotten; Trünmerwerk in Einsturzdolincn, 
Schwemmerde in Erosionsdolinen, dolomitisch sandige Lehmböden in den Hoch- 
mulden von Neudorf — Oblak und Prezid— Babenfeld, Gehängeschutt an den 
Steilrändern und schwere sandige Lehmböden an der Sohle der Kesseltäler 
von Laserbach und Laas sowie auch in der Seemulde von Zirknitz, speziell 
aber der flache und breite Schuttkegel an der Einmündung 
des Zirknitzer Baches in das Seebecken, das sind hier die wichtigsten 
Gebilde der letzten geologischen Epoche, obzwar allerdings einzelne dieser 
Erscheinungen und Gebilde ununterbrochen fort bis in die Gegenwart herüber- 
führen. 



^ 






Hilfsmittel für die l'aralk'lj^cliulluii!,'- von Wcclisolslroiu-Masclüiien. 283 

Hilfsmittel für die Parallelschaltung 

Von Direktor Gustav Frisch. 

(er Betrieb von elektrischen Zentralstationen, wciclie für Bcleuclitimg 
^ipf<^ und Ivraftiibertrai;nng dienen, macht es erforderlich, daß die Anzahl 
der jeweilig in Verwendung' stehenden Araschineni;arnituren dem oft stark 
wechselnden Licht- und KraftbedUrfnisse ani^epalit wii'd. Die Betriebsintensität 
wechselt mit der Tages- und Jahreszeit, oft auch mit der Bewölkung, und es 
ergibt sich somit die Notwendigkeit, den jeweiligen IJetricbsvcrhältnissen 
entsprechend, ^Maschinen zu- oder abzuschalten. 

Dieser J^chaltungsdienst ist eine der wichtigsten Funktionen im Zcntralen- 
betriebe und ein geordneter Betrieb verlangt es, daß diese Sciialtungen rasch 
durchgetührt werden und in einer solchen Weise, daß hiebei keinerlei Licht- 
oder Spannungsschwankungen auftreten. Letzteres ist von vorneherein ein- 
leuchtend, da durch die vielen Schaltungen keine Belästigung des Konsumenten 
hervorgerufen werden darf. Allein die Schaltungen müssen auch rasch vollzogen 
werden, da die Betriebsintensität oft rasch in die Höhe schnellt und daher 
mehrere Maschinen in kurzer Zeit in Betrieb gestellt werden müssen, welchem 
Erfordernisse nicht entsprochen werden könnte, wenn die Schaltung eine 
zeitraubende Manipiüation wäre. Ebenso ergibt sich bei Eintritt eines 
Maschinendefektes die Notwendigkeit einer raschen Umschaltung d. h. eines 
Ersatzes der betreffenden Betriebsmaschine durch die Reservemaschine. Da 
kommt es oft auf Sekunden an und eine Verzögerung in der Durchtiihrung 
kann tür den Betrieb sowohl, als auch tiir die vorhandenen maschinellen oder 
elektrischen Einrichtungen von den schwersten Folgen begleitet sein. 

Bei den Gleichstrommaschincn waren die Ik'dingungen für die Parallel- 
schaltung schon lange bekannt und demgemäß auch der Parallclbetrieb schon 
lange in Anwendung. 

Auch beim Wechselstrom ist diese Frage heute schon zur vollsten 
Zufriedenheit gelöst, aber noch vor etwas mehr als einem Dezennium stand 
die Sache ganz anders. Damals gelangte der bis dahin viel angefeindete 
Wechselstrom zur Geltung, man kam zu der Erkenntnis, daß nur diese Form 
der elektrischen Energie wegen der leichten Transformicrtahigkeit zur Ver- 
sorgung großer und räumlieh ausgedehnter Konsumgel)ietu erfolgreich verwendet 
werden kann und insbesondere aucli für die elektrische Kraftübertragung auf 
sehr große Distanzen. Es lagen jedoch bis dahin sehr wenig Erfahrungen 
über die praktische Verwendung des Wechselstromes vor und es darf daher 
nicht verwundeni, wenn selbst von Fachleuten der Paralielbetrieb von Wechsel- 
strommasehinen als eine Unmi>glichkcit hingestellt wurde, da es von vorneherein 
nicht leicht vorzustellen war, wie Stromerzeuger, deren Strom etwa 5000 mal 
in der Minute seine Richtung wechselt, gleichzeitig in einem Leitungsnetz 
arbeiten können, ohne sich gegenseitig zu stören. In Wirklichkeit hat man 



284 Hilfsniillel für die Parallelschaltuiig von Wechselstrom-Maschinen. 

auch damals den Parallelbetrieb tunlichst vermieden. Entweder man Avählte 
so i:roße Generatoren, daß einer allein im Staude war, den Hauptbetrieb zu 
l)estreiten, was natürlicli unzwe{*kmül,)ii;- sein uuilite, da der betrieb während 
der lan^:;on Zeit des schwachen Betriebes unökonomisch war und man überdies 
eine Iiescrvemascliine iileicher Oröße aufstellen mul-ite, ^velclic somit volle l()0"/„ 
der maschinellen Leistungstahii;keit der Zentralstation umfaßte; oder man half 
sich in der Weise, daß man beim Hauptbetriebe am Abend mit je einer 
]\Iaschine auf einem speziellen Kabel ar])eitete, dagc^'en während des schwachen 
Betriebes mehrere oder alle Kabel auf eine ^Mascliine schaltete. Abi;esehen 
von vielen sonstig-cn Unzukömmlichkeiten, welche diese Betriebsart im Gefolge 
hatte, waren die Umschaltungcn überaus umständliche Manipulationen, die 
mit sehr starken und demnach auch lästigen Lichtschwankungen verbunden 
waren. In einigen wenigen Zentralen wieder waren allerdings Einrichtungen 
für die Parallelschaltung vorhanden, allein sie standen nicht in regelmäßigem 
Gebrauch und dienten eigentlich mehr für gelegentliche experimentelle Vor- 
tührungen. 

Diese Zustände waren natürlich auf die Dauer unhaltbar und wäre die 
Frage der Parallelschaltung und des Parallelbetrielies von Wechselstom- 
Maschinen nicht in vollkommen zufriedenstellender Weise gelöst worden, 
was heute mit Fug und Recht und ohne jegliche Einschränkung behauptet 
werden kann, so hätte die Verwendung des Wechselstromes beim Betriebe 
von elektrischen Zentralstationen niemals eine so allgemeine werden können, 
wie dies heute tatsächlich der Fall ist. 

Es mögen nun im Folgenden in Kürze die Bedingungen für die Parallel- 
schaltung, die Durchführung derselben sowie die Verhältnisse, die wiUn-eud 
des Parallelbetriebes herrschen, besprochen und insbesondere die hiebei in 
Verwendung kommenden Hilfsmittel beschrieben werden. 

Die elektrische Hauptbediugung für eine Wechselstrom-Maschine, w^clche 
zu anderen, bereits im Betriebe befindlichen zugeschaltet werden soll, ist die, 
daß sie mit den Betriebsmaschinen g 1 e i c h e S p a n n u n g und g 1 e i c h e P h a s e 
hat. Die Spannungsgleichheit wird durch Veränderung des Magnetisierungs- 
stromes erzielt, die Phasengleichheit, welche bedeutet, daß die Kichtungs- 
änderung des Stromes jeweilig gleichzeitig und in dem gleichen Sinne erfolgt, 
durch Veränderung der Tourenzahl. In diesem Zustande des Synchronismus 
wechselt also der Strom seine Richtung bei allen Maschinen gleichzeitig u, z. 
wie schon erwähnt, bei Lichtzentraleu etwa 5000 mal in der Minute. Er erreicht 
bei allen Maschinen gleichzeitig das ^Maxinnim in positiver Richtung, ninmit 
allmählich ab, erreicht bei allen gleichzeitig den Nullwert, um sodann wieder 
gleichzeitig auf den Maximalwert in negativer Richtung zu gelangen ctc. 
Der Verlauf entspricht mit einiger Annäherung den Veränderungen der 
Sinusfunktion. 

Sind nun Wechselstrom-Maschinen mit gleicher Spannung und überein- 
stimmender Phase zusammengeschlossen worden, so verbleiben sie in diesem 
Zustande des Synchronismus mit großer Beharrlichkeit und können aus dem- 
selben nur durch sehr bedeutende störende Ursachen heraustreten. Würde 



Hilfsmittel für dio rarallol-clKiltunii- von Wochsclstrum-MascliiiUMi. 285 

uiimlieh eine der parallel laufenden Maschinen „ans der Phase" fallen oder, 
wie man sieh auch auszudrücken pflegt, „aulJer Tritt" geraten, so würde in 
Folge der auftretenden entgegengesetzten Spannungen ein Ausgleiehsstrom 
von ganz außerordentlicher Intensität auftreten, der nicht nur eine dem- 
entsprechende Arbeitsleistung erfordert, sondern auch die niagnetisierende 
Richtkraft wesentlich verstärkt. Es sind also schon sehr bedeutende störende 
Eintlüsse notwendig, um den vorhandenen Synchronismus zu st(>ren und wirkt 
dieser synchrone Zwang wie eine kräftige elastische Kuppelung. Die Bewegung 
der Maschinen ist somit keine freie mehr, sondern eine zwangsläufige. 

Es entsteht nun die Frage, wie erkennt man den Zustand der Phascn- 
gleiehheit und weiters, wie wird dieser Zustand herbeigeführt? 

Wenn zwei Punkte gleiche Potentialwerte haben (u. zw. gleich sowohl 
dem absoluten Werte als auch dem \'orzeichen nach), so wird die Verbindungs- 
leitung dieser beiden Punkte stromlos sein. Diesem Zustande entsprechen 
die analog liegenden Pole synchron laufender Wechselstrom-Maschinen gleicher 
Spannung. Die Verbindungslcitungen dieser Pole werden also stromlos sein, 
so lange der Synchronismus l)esteht, sonst jedoch von einem Strome durch- 
flössen werden, dessen Richtung und Intensität je nach der Potentialdiflerenz 
der beiden Endpunkte wechseln wird, und Apparate, die in diesen Leitungen 
eingeschaltet sind, wie etwa Lampen oder Voltmeter, werden dies zur Anzeige 
bringen, beziehungsweise sichtbar machen. Apparate dieser Anordnung sind 
unter dem Namen , P h a s e n i n d i k a t o r e n" bekannt. 

Die gebräuchlichste Anordnung ist im Folgenden beschrieben, wobei 
bemerkt wird, daß man es bei Wechselstrom-Anlagen, insbesondere bei 
Zentralstationen zur Versorgung- größerer Konsumgebiete, gewöhnlich mit 
Hochspannung zu tun hat und in solchen Fällen pflegt man die Meßinstrumente 
und sonstige Hilfsa])parate tunlichst in den sekundären Stromkreis niederer 
Spannung zu verlegen. Dadurch werden diese Einrichtungen der Manipulation 
leichter zugänglich und die Erscheinungen bleiben ja eigcntilich dieselben 
wie im primären, hochgespannten Strondcreise. 

Für den Phasenindikator sind somit zunächst zwei Transformatoren kleinster 
Type erforderlich, von denen der eine mit seiner primären Wickelung an die 
Betriebssammclschienen, der andere, gleichfalls primär, an eine primäre Hilfs- 
leitung angeschlossen ist. Die Sannnelschienen, jene stark dimensionierten 
Doppelleitungen des Schaltbrettes, an welche alle jeweilig im Betriebe befind- 
lichen Maschinen angeschlossen sind und von denen anderseits auch die 
Straßenkabel abzweigen, sind immer unter Strom, jene vorerwähnte Hilfs- 
leitung nur dann, wenn eine w^eiterc Maschine zugeschaltet werden soll, und 
auch dann nur tür die Dauer der Znsehaltung. 

Die Sekundärpole der beiden Transformatoren sind gegenseitig ver- 
bunden und in diesen Verbindungsleitungen sind Glühlampen oder Voltmeter 
eingeschaltet. So lange die zuzuschaltende Maschine noch eine von den 
Betriebsmaschinen verschiedene Tourenanzahl hat, kann man beobachten, 
daß die Lampen in gewissen Intervallen aufleuchten und wieder verlöschen, 
beziehungsweise das Voltmeter die hclchstc Anzeige macht oder auf Null 



236 Hilfsmittel für die Parallelschaltun tr von Wechselstrom-Maschinen. 

zurückgeht. Es treten eben abwechselnd die Momente gleicher und entgegen- 
gesetzter Phasen abwechselnd auf und innerhalb derselben liegen jeweils alle 
Zwischenstufen. Ob nun der Zustand der Phascngleichheit bei hell glühenden 
Lampen (Maximalanzeige des Voltmeters) oder bei dunklen Lampen (Null- 
anzeige des Voltmeters) eintreten soll, kann man sich durch die Schaltungs- 
anordnung ganz nach Belieben einrichten, mau braucht nur, wenn der eine 
Zustand vorhanden ist, die Polarität eines der beiden Transformatoren primär 
oder sekundär zu vertauschen, um sofort den entgegengesetzten Zustand zu 
erzielen. Welche von beiden Schaltungen zweckmäßiger ist, soll später noch 
erörtert werden. 

Je mehr nun die zuzuschaltende Maschine von den Betriebsmaschinen 
in der Pohvechsclzahl ditteriert, desto rascher erfolgt das Spiel der Glühlampen 
beziehungsweise des Voltmeters. Je näher jedoch die Übereinstimmung ist, 
in desto größeren Intervallen leuchten die Glühlampen langsam auf und ver- 
l(»schen ebenso langsam wieder und endlich im Zustande vollkommener 
Phasengleichheit leuchten die Lampen kontinuirlich hell (das Voltmeter zeigt 
dauernd den höchsten Stand) oder wenn die Schaltung die entgegengesetzte 
ist, bleiben die Lampen dauernd dunkel (das Voltmeter zeigt stetig auf Null) 
und dies ist der Zustand, wo die Maschinen zusammengeschlossen werden 
können ; die Schaltung ist vollzogen. 

So einfach, als der Vorgang beschrieben wurde, ist er übrigens in der 
Regel in Wirklichkeit nicht, denn mau muß bedenken, daß für die Erzielung 
des Synchronismus eine sehr feine Abstimmung der Tourenzahl erforderlich 
ist und daß es ohne weitere Hilfsmittel schon einige Zeit erfordern würde, 
um diese Übereinstimmung herbeizuführen und für die Dauer des Zusamm3n- 
schaltens zu erhalten. ZufäHigerweise kann ja einmal der Synchronismus 
rasch erreicht werden, allein man muß es in seiner Macht haben, dies jederzeit 
zu erzielen und dies ist in der That durch eine einfache Vorrichtung, die 
später beschrieben werden soll, leicht zu erreichen. 

Das Zusannnenschließen der Maschinen muß genau im Zustande der 
Phasengleichheit erfolgen, nicht früher und nicht später. Kleinere Maschinen 
schmiegen sich zwar rasch dem Synchronismus an, wie wohl es auch hier 
ohne Licht- und Spannungsschwankungen nicht abgeht, allein bei größeren 
Maschinen können ernstere Störungen eintreten, wenn das Zusammenschließen 
nicht zur richtigen Zeit erfolgt. 

Sind nun beim Phaseniudikator ausschließlich Glühlampen in Verwendung, 
so empfiehlt sich jene Schaltung des Indikators, welche die Phasengleichheit 
bei dunklen Lampen anzeigt, wobei jedoch zu beachten ist, daß die Lampe 
bereits erloschen erscheint, wenn sie noch etwa 20Vo ^^^r normalen Spannung 
besitzt. Man pflegt daher das Schließen des Schalters im Tempo des Ver- 
löschens der Lampen vorzunehmen. Bei größeren Maschinen ist jedoch größere 
Präzision erforderlich und man bedient sicli eines Voltmeters, das zu den 
Glühlampen parallel geschaltet ist. Da jedoch dieses Instrument seine größte 
Empfindlichkeit bei normaler Spannung hat, so wird die Indikatorschaltung 
so gewählt, daß Phasengleichheit bei hell glühenden Lampen vorhanden ist. 



Hilfsmittel für die Parallelschaltung von Wechsclslrom-Mascliinen. 287 

Der Vorgang- ist nun der, daß man fiir die erste rolie Einstellung das Spiel 
der Lampen allein beobachtet und erst, wenn die zuzuschaltende Maschine 
von dem Synchronismus nicht mehr weit entfernt ist, schaltet mau das 
Voltmeter ein und schließt in dem Momente, wo die maximale Spannung 
angezeigt wird. 

Die eben geschilderten Manipulationen werden mit Recht die Vermutung 
erwecken, daß zur Durchführung derselben eine besondere Geschicklichkeit 
erf(»rderlich ist. Das gereicht aber der Sache selbst keineswegs zum Vor- 
teil, denn eine Maschinenschaltung soll zwar jederzeit mit Verständnis durch- 
geführt werden, aber sie soll kein Kunststück sein. Es war daher erwünscht, 
Api)arate zu konstruieren, welche die zuzuschaltende Maschine langsam und 
sicher in den Synchronismus hineinführen. In der Wiener Centralstation der 
„Internationalen Elektrizitäts-Gescllschaft" ist seit n)ehr als 10 Jahren ein 
dort konstruirter Apparat, Synch ronise ur genannt, in Verwendung, der 
diesem Zwecke vollkommen entspricht. Der leitende Gedanke bei der Kon- 
struktion des Synchroniseurs war folgender: 

Wann eine synchron laufende Maschine mit anderen im lietriebe befind- 
lichen zusammengeschlossen wird, so erscheinen die gleichartigen Pole durch 
praktisch widerstandslose Leitungen verbunden. AVird nun dieser Zustand 
allmählich herbeigeführt, indem der unendlich große Widerstand des offenen 
Schalters durch Einschaltung immer kleinerer Widerstände verringert wird, 
so wird die zuzuschaltende Maschine, wenn ihre ursprüngliche Tourenzahl 
nicht allzu verschieden war, in den Synchronismus langsam aber sicher 
hineingeführt, da die Abweichung von Synchronismus, wie früher bereits 
erwähnt wurde, Ausgleichsstrihne zur Folge hat, die umso bedeutender w^erden, 
je kleiner dieser Schlicßungswiderstand wird. 

Der beschriebene Vorgang kann sich ebenso gut im sekundären Strom- 
kreise abspielen und man wird sich zu diesem Behufe einer Schaltung bedienen, 
die eigentlich mit der des Phasenindikators übereinstimmt. Von zwei Trans- 
formatoren, allerdings größerer Type, ist der eine primär an die Sammel- 
schienen, der andere an die schon früher erwähnte llilfsleitung angeschlossen. 
Die sekundären Klemmen der Transformatoren sind gegenseitig in Serie 
verbunden und in diesem Schließungskreise befindet sich ein abgestufter 
Rheostat, der nach Belieben vergrößert oder verkleinert werden kann. 

Der Vorgang spielt sich also in folgender Weise ab : Die zuzuschaltende 
Maschine wird durch die Magnetisierung auf gleiche Spannung gebracht und 
durch Änderung der Tourenzahl fi)ei gleichzeitiger Beobachtung des Phasen- 
indikators ) auf annähernde Phasengleichheit. Hierauf wird der Synchroniseur 
eingeschaltet, der Widerstand desselben allmählich verringert und endlich 
werden die Maschinen zusammengeschlossen. Bei einiger Übung ist das 
Personale im Stande, die Schaltung in 1 — 2 Minuten in der exaktesten 
Weise zu vollziehen. 

Die für den Synchroniseur erforderlichen Transformatoren brauchen 
nicht einmal übertrieben groß zu sein, da sich gezeigt hat, daß schon ein 
verhällnismäßig geringer Ausgleichsstrom Richtkraft genug besitzt, um die 



2,s5;g Hilfsmittel für dio rarallelschaltung von Wechselstrom-Maschinen. 

zuziisclialtende Maschine iu den Synclironismus hiucinzuführen. Bei den 
taiisendpterdigen Maschinen der genannten Zentralstation sind beispielsweise 
zwei Transtbrniatoren von je 10 Kilowatt in Verwendung. 

üie erste rohe Einstellung auf Phasengleichheit erfolgt, wie schon 
bemerkt, durch Änderung der Tourenzahl der zuzuschaltenden Maschine. Es 
ist nun erwünscht, sich gleich von vorneherein zu orientieren, in welchem 
►Sinne jeweilig die Tourenzahl zu verändern ist, ob im Sinne einer Erhöhung 
oder einer Ermäßigung, da sonst, wenn zufälligerweise eine entgegengesetzte 
Manipulation gemacht wird, einige Zeit verloren geht, bis man zur richtigen 
Erkenntnis gelangt. Es gibt nun verschiedene Mittel, um jederzeit sofort zu 
erkennen, ob die zuzuschaltende Maschine zu schnell oder zu langsam geht. 

Eines der einfachsten optischen Hilfsmittel besteht darin, das man durch 
die rotierenden Magueträder der beiden mit einander zu vergleichenden 
Maschinen hindurchblickt. Laufen die Maschinen mit gleicher Polwechselzahl 
so scheinen die Magneträder stille zu stehen. Im anderen Falle jedoch 
bewegt sich das Rad der rückwärtigen Maschine langsam vorwärts oder 
rückwärts, je nachdem diese letztere Maschine zu schnell oder zu langsam 
geht und zwar mit einer Geschwindigkeit, welche der Differenz der Pol- 
wechselzahl entspricht. 

Eine andere Methode ist die, daß man das Magnetrad der zuzuschaltenden 
Maschine mit einer Bogenlampe beleuchtet, welche vom Betriebsstrom gespeist 
wird. Ist gleiche Polwechselzahl vorhanden, so scheint das Magnetrad stille 
zu stehen, anderusfalls bewegt sich dasselbe langsam nach vorne und rück- 
wärts, je nachdem die Maschine zu rasch oder zu langsam geht. 

Diese Hilfsmittel sind jedoch nicht anwendbar für den manipulierenden 
Schaltbrettwärter, wenn das Schaltbrett selbst, wie dies in größeren Zentralen 
der Fall ist, von den Maschinen weitere Entfernung hat. Allein auch la 
gibt es eine ganze Reihe von Einrichtungen, welche diesem Zwecke dienen. 
]\lan kann beispielsweise einen kleineu Synchronmotor verwenden, der au 
der Welle ein Speichenrad hat, welches von einer mit Betriebsstrom ge- 
speisten Bogenlampe beleuchtet, während der Motor selbst von dem 
Strom der zuzuschaltenden Maschine betrieben wird. Bei gleicher Polwechsel- 
zahl scheint das Speichenrad stille zu stehen, sonst aber bewegt sich dasselbe 
mehr oder weniger rasch entweder im Sinne der Rotationsrichtung des 
Motors voraus oder im entgegengesetzten Sinne, je nachdem die Polwechsel- 
zahl der zuzuschaltenden Maschine größer oder kleiner ist, als jene der 
Betriebsmaschinen. 

Durch diese Einrichtungen ist sowohl das Maschinen- als auch das 
Schaltbrettpersonale jederzeit sofort informiert, in welchem Sinne und in 
welchem Ausmaße die Tourenzahl der zuzuschaltenden Maschine geändert 
werden muß, um die gewünschte Phaseugleichheit zu erzielen. Diese Ver- 
änderung erfolgt entweder in einer rohen Weise durch Drosselung des Dampf- 
einströmventils oder in einer exakteren Weise durch Verstellung des 
Maschinenregulators, was bei den modernen Maschinen während des Ganges 
in weitem Umfauge und in sehr feineu Abstufungen möglich ist. Mau kann 



Hilfsmittel für die raialli-lsolKilluiiir von Wechsolstiom-Mascliiiicn. 289 

aber auch die Toureuzalil der Maschine durch künstliche Belastung- ver- 
ändern; diese Methode ist die ältere. Zu diesem Behüte sind an die schon 
mehrfach erwähnten Hilfsleitun.<;cn, an welche die zuzuschaltende Maschine 
zunächst 2,eschaltet wird, Eheostate angeschlossen, die eine künstliche 
Belastung der Maschine ermöglichen. Mit zunehmender Belastung der Maschine 
erniedrigt sich laugsam deren Tourenzahl und es hat solcherart der 
Schaltbrettwärter unabhängig von dem entfernt postirten Maschinisten ein 
beciuemes ^littel, die Tourenzahl der IMaschine in den feinsten Stufen abzu- 
ändern. Man ist jedoch in neuerer Zeit von diesem Vorgange vielfach ab- 
gekommen und legt einen Wert darauf, die IMaschincn ohne künstliche Be- 
lastung zu- und abzuschalten, da die in den Rheostateu verbrauchte elektrische 
Energie als Verlust angesehen wird, den man vermeiden will, und weil 
man sich auch die mit der Anschaffung eines solchen Rheostats verbundenen 
Kosten ersparen möchte. 

Nun muß aber bemerkt werden, daß ein solcher Rheostat, mit dem es 
möglich ist, eine i\[aschiuc voll zu belasten, in jeder Zentralstation vorhanden 
sein sollte, denn einerseits braucht man einen solchen, um die fertiggestellte 
^Maschine auf ihre Leistungsfähigkeit und Ökonomie zu untersuchen, und 
anderseits wird mau nach jeder größeren Reparatur, insbesondere wenn em- 
pfindliche Teile der iMaschine sich wieder einlaufen sollen, die Maschine 
nicht gleich auf Betrieb schalten, sondern durch Rheostatbelastung erproben. 
Man hat sich oft für die beiden erwähnten Zwecke mit provisorischen Hilfs- 
mitteln (Wasserrheostate etc.) zu helfen gesucht, dabei jedoch vielfach so 
unangenehme Erfahrungen gemacht, daß die Aufstellung eines Belastungs- 
rheostates dringend angeraten werden muß, umsomehr als die Kosten desselben 
im Verhältnisse zu den Kosten der Gesamteinrichtimg einer Zentralstation 
als verschwindend klein angesehen werden können. 

Aber auch bei den täglichen Schaltungen ist der Gebrauch dieser 
Belastungsrheostate nicht so ganz zwecklos. Dadurch nändich, daß die 
Maschine vor der Zuschaltung einige wenn auch kurze Zeit belastet wird, 
ist Gelegenheit gel)oten, sie nochmals rasch in allen Teilen einer Revision 
zu unterziehen, und mitunter tritt der Fall ein, daß noch rechtzeitig ein 
maschineller oder elektrischer Mangel entdeckt wird. Es ist sodann besser, 
statt dieser Maschine die Reservemaschine in Betrieb zu setzen und den 
entdeckten Fehler rasch zu beseitigen. Solche Wahrnehmungen können oft 
nur im belasteten Zustande der Maschine gemacht werden und es würde zu 
Unzukönmdichkeiten, unter Umständen auch zu einer Störung kommen können, 
wenn die Belastung der ]\raschine erst nach der Zuschaltung erfolgt und 
somit die erwähnte Wahrnehmung erst gemacht wird, wenn die Maschine 
dem Betriebe übergeben wurde. Auch für die vollständige Betriebstüchtigkeit, 
insbesondere was die Regulierfähigkeit und Entwässerung anbelangt, ist eine, 
wenn auch nur kurz andauernde Belastung der Maschine vor der Zuschaltung 
sehr zweckdienlich. 

Es ist nun die Frage, wie viel durch diese Art der Zuschaltung mit 
Belastung an elektrischer Energie verloren geht. Die Erfahrung hat gezeigt, 

19 



•>0(~) Hilfsmittel für die Parallelsclialtunir von WecliPol«trom-Mascliinen. 

(laß, wenn luau sich mit einer mäßigen Belastung begnügt und die Schaltungen 
selbst in einer raschen Weise vollzieht, in den Rheostaten im Laufe eines 
Jahres eine elektrische Energie vernichtet wird, welche kaum ein halbes 
Prozent der gesamten erzeugten elektrischen Energie beträgt. Da dies nur 
einen Mehrverbrauch an Kohle zur Folge hat, so bedeutet es eine Erhöhung 
der Betriebskosten um nicht ganz ein Drittel Prozent, ein Opfer, welches in 
Anbetracht der dadurch l)e\virktcn Erhöhung der Betriebssicherheit nicht als 
zu hoch angesehen werden kann. 

Ist nun die Maschine zugeschaltet worden, so erscheint es notwendig, die 
gesamte Belastung auf alle Betriebsmaschiuen im Verhältnisse ihrer Leistungs- 
fälligkeit aufzuteilen, was durch Einwirkung auf den Regulator bewirkt wird. 
Die Tourenzahl einer im Parallelbctriebe befindlichen Wechselstrom-Maschine 
kann unabhängig von den anderen Maschinen nicht verändert werden, da ja 
durch den synchronen Zwang eine Art von Kupplung besteht, aber es kann 
durch Beeinflussung des Regulators eine Tendenz zur Erhöhung oder zur 
Erniedrigung der Tourenzahl hervorgerufen werden, was zur Folge hat, daß 
die ]\Iaschine entweder von der Gesamtbelastung mehr übernimmt (und dadurch 
die anderen Maschinen entlastet) oder einen Teil ihrer Belastung abgibt (und 
diesen auf die anderen Maschinen überwälzt). Da nun mit der Vermehrung 
der Belastung eine Ermäßigung, mit der Verminderung der Belastung eine 
P^rhöhung der Tourenzahl eintritt, so wird durch jede Änderung in der 
Belastungsvertcilung auch eine kleine Änderung der Tourenzahl aller im 
Parallelbctriebe beflndlichen ^Maschinen hervorgerufen. Bei allen diesen Be- 
lastungsverteilungen, die aus Anlaß einer Zuschaltung vorgenommen werden, 
ist auch eine Regulierung der Magnetisierung der Betriebsmaschinen erforderlich 
damit die Betriebsspannung vollkommen konstant bleibt. 

Durch die eben beschriebenen Hilfsmittel gestaltet sieh die Parallel- 
schaltung der Wechselstrom-Maschinen zu einer verhältnismäßig einfachen, 
aber jedenfalls sicheren Manipulation, die in einer, den praktischen Be- 
triebsverhältnissen vollkommen entsprechenden, kurzen Zeit durchgeführt 
werden kann. 






Der GefohioiiUnif der österreirlür-clieii Arl)eiLer-Uiirallversiiclu'ruiig. 291 

Der Gefalirentarif 

öer österreichischen yirbeiter-Unfallversicherung. 

Von Direktor Ferdinand Schnitzler. 

|\vcek einer jeden Versiclierun«;- ist die zuverliissii;c Ausi;leielmnii; der 

wirtseliat'tlielien Nachteile, welche den Einzelnen beim Eintritte von 
zufälli i;en, d. li. solchen Ereignissen treffen, die entweder überhaupt oder 
doch mindestens hinsiclitlicli des Zeitpunktes ihres Eintrittes uni;ewiß sind. 
Die Ausgleichung- wird erreicht durch die Vereinigung, sei es auf dem Wege 
freier Vereinbarung oder des gesetzlichen Zwanges, einer so großen Zahl 
von durch jene Nachteile iJedrohten, daß die Zufälligkeiten der einzelnen 
Ereignisse sich gegenseitig aufheben und eine gewisse Kegelmäßi gkeit 
zutage tritt (Gesetz der großen Zahl). 80 ist es beispielsweise ganz ungewiß, 
welches Alter ein 40 jähriger Mann, der nicht an einer schweren Krankheit 
leidet, erreichen wird ; von der männlichen ]ievolkerung Deutschlands ist aber 
bekannt, daß von je 48775 40jährigen nur 48110 das 41*6^ 47428 das 42*^ . ., 
41228 das 50*^ 24802 das (55*« ^^d 5035 ^ag 80*« Lebensjahr vollenden. 
Die tötlichen Verunglückungen von Arbeitern geschehen im einzelnen ganz 
regellos: aber bei den gegen Unfall versiclierten Arbeitern in Mähren und 
Schlesien ergeben sich mit geringen Abweichungen je 6 tötliclie Untlille auf 
3,000.000 Arbeitsschichten (10.000 Vollarbeiter). 

Die Versicherungsgemeinschaft hat, wenn ein Mitglied (Versicherungs- 
nehmer) von einem Ereignisse der bezeichneten Art betroften wird, eine 
Summe zu zahlen, welciie dem Nachteile gleichkommt oder einem bestimmten 
Teile desselben entspricht; die Versicherungsnehmer haben dagegen Beiträge 
zu leisten, welche in ihrer ricsamtheit das Erfordernis der Gemeinschaft 
decken. Gewöhnlich nennt man diese Versicherungsbeiträge Prämien, ob- 
wohl diese Bezeichnung nur für eine bestimmte Art derselben richtig ist. 

Die von dem einzelnen Versicherungsnelimer zu leistende Prämie wird 
im allgemeinen umso höher sein müssen, je höher die bedungene Leistung 
der Gemeinschaft und je größer die Wahrsclieinlichkeit ist, daß die Leistung 
durch den Eintritt eines Ereignisses der bezeichneten Art fällig wird; sie ist 
abhängig von der Versicherungssumme und dem Grade der „Gefahr". 

Bei den meisten Versicherungsgemeinschafteu 'lassen sich Gruppen unter- 
scheiden, derart, daß die Gefahr innerhalb jeder (;ruppe nahezu gleich, al)er 
von einer Gruppe zur anderen verschieden ist. In der I,ebensvcrsichcrung ist 
das Alter der Versicherten der Einteilungsgnnid; in der Eeuerversicherung 
ist das Material, aus dem ein (iebände hergestellt ist, die Lage und die Art 
der Benützung maßgebend; in der Unfallversicherung ist die Gefahr nach der 
Art fund dem Orte) der Beschäfligung verschieden u. s. f. Die systematische 
Zusammenstellung der Gruppen und der Verhältniszahlen, welche das Maß 
der einer jeden anhaftenden Gefahr bezeichnen, nennt man einen Gefahren- 
tarif. Die Zahlen können so gewählt werden, daß sie zugleich die Prämie 

19* 



292 Per Gefahrentarif der österreicliischen Arbeiter-Unfallversicherung. 

für eine ])cstinimte Versicherungssumme (z. B. 100 Kronen) angeben, in 
Avelchem Falle der Gefahren- mit dem Beitragstarife zusammenfällt; ist das 
nicht der Fall, so kann dieser aus jenem mit Hilfe einer gewissen Grund- 
zahl berechnet werden. 

Es ist nach dem Gesagten selbstverständlich, daß der Gefahrentarif von 
dem Umfange der Versicherung abhängig ist. Wenn eine Versicherungs- 
gemeinschaft auch für solche Ereignisse aufkommt, die eine andere ausschließt, 
so können die beiden zu sehr verschiedenen Gefahren- (nicht nur Beitrags-) 
Tarifen gelangen. Der Gefahrentarif gilt immer nur für den Zweck und unter 
den besonderen Umständen, für den und unter denen er aufgestellt worden 
ist. Eine neu entstehende Versicherungsgemeinschaft muß sich allerdings zu- 
nächst mit einem „fremden" Tarife behelfen; es ist aber geradezu eine 
Lebensfrage für sie, daß sie ihn periodisch an der Hand der eigenen Er- 
fahrungen überprüft und diesen so rasch als möglich anpaßt. 

Der Gefahrentarif kann nur Sätze für gewisse Gruppen von im Wesent- 
lichen gleichartigen Fällen enthalten. Die Spezialisierung bei der Bildung der 
Gruppen richtet sich nach den Erfahrungen und soll naturgemäß im allgemeinen 
nur so weit getrieben werden, als noch mit Recht angenommen werden kann, 
daß sich in den Erfahrungen die individuellen Zufiilligkeiten ausgeglichen 
haben. Geht man wegen augenscheinlicher wesentlicher Verschiedenheit der 
Fälle über diese Grenze hinaus, so gerät man auf den sehr unsicheren Boden 
der Scliätzungen. Oft wird es aber notwendig sein, den noch bestehenden 
Verschiedenheiten der einzelnen Fälle in derselben Gruppe dadurch Rechnung 
zu tragen, daß man eine beschränkte Abweichung von der für die Gruppe 
gefundenen Verhältniszahl nach der einen oder der anderen oder nach beiden 
Seiten zuläßt. Man kommt dann zu Gefahrenklassen für die Gruppea 
mit einem gewissen Sj)ielraume zur Berücksichtigung der besonderen Ver- 
hältnisse des einzelnen Falles. 

Nachdem wir diese Bemerkungen allgemeiner Natur vorausgeschickt 
haben, wenden wir uns dem eigentlichen Gegenstande dieser Erörterung, 
nämlich dem Gefahrentarife der obligatorischen Unfallversicherung in Öster- 
reich zu. Und zwar sollen das System und die Aufstellung des Tarifs 
behandelt werden; die Besprechung der Anwendung des Tarifs auf die 
einzelnen Fälle läßt sich in den dieser Abhandlung gezogenen Grenzen nicht 
mehr durchführen. 

Das Gesetz vom 2H. Dezember 1887, R.-G.-Bl. Nr. 1 ex 1888, betreffend 
die Unfallversicherung der Arbeiter, verfügt im § 14 Folgendes: 

„Sämtliche im Geltungsgebiete dieses Gesetzes gelegenen versicherungsi)niclitigen 
Betriebe werden in Gefahrenklassen eingeteilt. 

Das Verhältnis, in welchem die versicherungspfliclitigen Betriebe hinsichtlich des 
Dürchschnittsmaßes ihrer Unfallgefahr zu einander stehen, wird ziffernmäßig in der Weise 
fest^'estellt, daß das Durchschnitlsmaß für die gefährlichsten Betriel)e gleich 100 gesetzt und 
darnach das Durchschniltsmaß aller übrigen in Prozentsätzen bemessen wird. 

Auf Grund dieser Bemessung erfolgt die Einreihung der ver.sicherungspflichtigeii Betriebe 
in die einzelnen Gefahrenklassen in der Weise, daß jede Gefahrenklasse mehrere ziffernmäßig 
unmittehjar auf einander folgende Prozentsätze umfaßt. 



Der Gefahrentarif der österreichischen Arl)eitor-Unfallversicherung. 293 

Die Eiiiteihiuy der versii'herung-spflichti^'eii Betriebe in Gefahrenklassen und die Fest- 
stellung der Prozentsätze jeder Gefahrenklasse erfolgen auf Grund der Ergebnisse der Unfäll- 
statistik im Verordnungswege. 

Die Einreihung der in eine Gefahrenklasse gehörigen Helnel)e in tue eiu/^eliien l'rozent- 
sätze dieser Klasse erfolgt durch die Versicherungsanstalt nach Maßgabe der UnlallsHclahr 
der einzelnen Betriebe und namentlich mit ilücksicht auf die bei denselben bestehenden 
Einriclitungen zur Verhütung von Unfällen. Die Gefahrenklassen und die innerhalb tlerselben 
festgesetzten Prozentsätze werden mit einem Verzeichnisse der jeder Gefahrenklasse an- 
gehörenden Industriezweige und Betriebsarten öffentlich bekannt gemacht. 

Die Einteilun.yon in Gefahrenklassen und die Feststellung der Prozentsätze sind auf 
Grund der Erfahruii.-ren sämtlicher im § !> bezeichneten Versicherungsanstalten von 5 zu 
ö Jahren einer Revision zu unterziehen. Diese Revision hat im fünften Jahre der betreffenden 
Periode in der Weise stattzufinden, daß die infolge derselben verfügten Änderungen mit 
Beginn des sechsten Jahres in Wirksamkeit treten können. 

Die erste Revision ist jedoch schon in einem frülieren Zeitpunkte vorzunehmen, wenn 
die bis daliin gesammelten Erfahrungen dazu ausreichen". 

Wie man sieht, ist das System des Gefahrentarifs sehr genau vor- 
geschrieben: Die durchsclinittliche Unfallsiiefahr der gefährlichsten Betriebe 
wird gleich 100 gesetzt und darnach die Unfallsgcfahr überhaupt in Prozenten 
dieser höchsten Gefahr angegeben. Es werden Gefahrenklassen gebildet, 
welche eine Reihe von unmittelbar auf einander folgenden Gefahrenprozenten 
umfassen. Für jede Betriebsart ist die Gefahrenklasse festzustellen; der 
Spielraum innerhalb der Gefahrenklasse ist zur Berücksichtigung der be- 
sonderen Verhältnisse des einzelnen Betriebes zu verwerten. — Die Fest- 
stellung des Gefahrentarifs, d. i. die Bestimmung der Gefahrenklassen und 
der in jede derselben fallenden Prozentsätze soAvie die Zuweisung der Betriebs- 
arten in die Gefahrenklassen erfolgt durch das Ministerium im Verordnungs- 
wege; der Tarif ist in der für allgemein giltige Verordnungen vorgeschriebenen 
Art kundzumachen. Die Bestimmung des Gefahrenprozents lür den einzelnen 
Betrieb erfolgt durch die Versicherungsanstalt. 

Der erste Gefahrentarif wurde mit der M.-V. vom 22. Mai 1889, 
R.-G.-Bl. Nr. 77, festgesetzt. Er enthielt 12 mit den römischen Zahlen 
bezeichnete Gefahrenklassen, die folgende Gefahrenprozente umfaßten: I 5 — 7, 

II 8-10, III 11-13, IV 14-17, V 18—21, VI 22-27, VII 28—34, 
VIII 35-42, IX 43-52, X .53-64, XI 05-80 und XII 81—100. Wenn 
eine Gefahrenklasse eine gerade Zahl von Gefahrenprozenten enthält, Avird 
immer das über der Mittellinie liegende als mittleres angesehen. Der Spielraum 
wird bei den höheren Gefahrenklassen immer griißer und beträgt durchwegs 
zirka 20% des mittleren Satzes. In dem zum erstenmal e revidierten 
Tarife (M.-V. vom 20. Juli 1894, R.-G.-Bl. Nr. 167) kamen noch die Unter- 
klassen Ä und B hinzu, welche die Gefahrenprozente 1—2 und 3 — 4 enthielten; 
die übrigen Gefahrenklassen blieben unverändert. Eine; bedeutende Veränderung 
zeigt der zum z w c i t e n m a l e revidierte Gefahrentarif (M.-V. vom 
23. August 1899, R.-G.-Bl. Nr. 163); während nämlich ])is dahin die Gefahren- 
klassen an einander anschlössen, decken sie sich jetzt gegenseitig teilweise, 
denn es enthält Ä die Gefahrenprozente 1 — 3, B 3—5, I 4—8, II 7—11, 

III 10-14, IV 13-19, V 16-24, VI 20-30, VII 25-37, VIII 31-47, 



294 P^i' fiefahroiitarif iUt (:i<teiToicliis(lifn Ailicitci-Uiifallversicherung. 

IX 39-57, X 48-70, XI 59-87 und XII 73-100. Der Zweck dieser 
Äuderiiiii;' liejit auf der Hand: Man wollte den »Spielraum für die Berück- 
siclitijiung- der individuellen Verliältnisse erweitern; er ist jetzt tatsäcldicli 
doppelt so groO wie im ersten Tarife, 40\'„ des mittleren Satzes. Bei der 
ersten Revision hatte man dasselbe Ziel auf einem anderen Weg-e zu er- 
reiclicn g-esuclit, indem man im alli;emeinen 3 fiefahrengrade, verminderte, 
gewülmliclie und erhiUite Gefahr unterseliied und bei einer größeren Zahl von 
Betriebsarten 2, 3 ja auch 4 Gefahrenklassen vorschrieb. Ob dieser Vorgang- 
strenge der gesetzlichen Vorschrift entsprach, l)leibe hier unerürtert; in der 
Praxis hat er sich bei uns ebensow^enig bewährt als einige Zeit vorher in 
Deutschland, weshalb man da wie dort rasch wieder davon abgekommen ist. 

Nach dem Wortlaute des § 14 U.-G. ist Avohl kaum ein Zweifel möglich, 
daß die Gefahrenklassen für ganze Betriebe und nicht für Teile derselben, 
etwa für Arbeiterkategorien, festzusetzen sind. Auf diesem Standpunkte ist 
auch das Ministerium des Innern ursprünglich gestanden, wie der in den 
amtlichen Nachrichten,*) Jahrg. T, S. 81 u. 82 ver()ftentlichte Erlaß beweist. 
Bei der ersten Revision verließ es ihn aber und führte bei einer größeren 
Zahl von Betriebsarten die Klassifikation der Arbeiterkategorien ein. Die Vor- 
und Nachteile dieses Vorganges werden später erörtert werden; hier nur 
soviel, daß der Versuch als mißlungen anzusehen ist. 

Bei der zweiten Revision des Tarifes wurde nocli eine wichtige Neuerung 
vorgenommen, indem man für einzelne Betriebsarten in den verschiedenen 
Anstaltssprengeln verschiedene Gefahrenklassen vorschrieb. So sind beispiels- 
weise ^fühlen bei den Anstalten in Wien und Salzburg in der VI., bei denen 
in Brunn und Graz in der VIII. und bei den übrigen Anstalten in der VIL 
Gefahrenklasse; Hochöfen bei der Anstalt in Prag in der VIIL, sonst in der 
X. Gefahrenklasse; Handschlagziegeleien bei den Anstalten in Brunn und 
Prag in der VI,, sonst in der III. Gefahrenklasse ; Maschinenfabriken bei den 
Anstalten in Salzburg, Graz und Triest in der VIL, sonst in der VIII. Gefahren- 
klasse; Tischlereien mit j\Iotoren bei den Anstalten in Brunn und Wien in 
der VIIL, sonst in der IX. Gefabrenklasse ; Brauereien bei der Wiener Anstalt 
in der VIIL, sonst in der VII. Gefahrenklasse; der Titel Hochbau bei 
den Anstalten in Prag und Wien in der IX., sonst in der VIII. Gefahren- 
klasse u. s. f 

Bezüglich des s y s t e m a t i s c h e n V e r z e i c h n i s s e s der Betriebe, das 
den zweiten Teil des Gefahrentarifs bildet, ist zu bemerken, daß es nicht, 
wie es nach dem Wortlaute des § 14 eigentlich hätte geschehen sollen, nacii 
Gefahrenklassen, sondern nach Produktionsgruppen angelegt ist: la Land 
Wirtschaft, Ih .Mühlen, II Transport und Warenlager, Hl HüttcnAverke und 
lie.rgwerke (auf nicht vorbehaltene Mineralien.), IV Steine und Erden, V Metall- 
verarbeitung, VI Maschinen, Werkzeuge, Apparate, VII Chemische Industrie, 
VIII Heiz- und Leuchtstofle, Öle, Beheizung und Beleuchtung, IX Textilindustrie, 



*; Amtliche Nachrichten des k. k. Ministeiiums rles hiiieni, l)etreffen(l die Uiifidl- 
versicheruiig und die Krankenversicherung der Arhcitor, Wien, Staatsihuckerei. 



Der Gefahrentarit' der österrcu-hischou Arbeiler-Unfallveröicherung. 295 

X Papier, Leder, (Uimmi, XI Holz und Sclinitzstoffe, XTI Naliriini;s- und 
fTemißniittel, XIII ßekleiduiii;- und Keiiili;iiiii;-, XIV Uaiiteu und l>aiiaiistiilirnn«;cn, 
XV Polyiiraphisclie Gewerbe, Theater. Zweifellos ist diese Anordnung- 
zweckniäOiiier. 

Was endlich noch die Vorschriften über die Anwcnduni;- des Tarifes 
betrift't, so wird nicht bestritten werden, daß die Gleichförmigkeit durch solche 
Vorschriften gewinnen kann. Dem ersten Tarife Avaren sie nur in Form von 
unverbindlichen „Direktiven" beigegeben (Erl. v. 19. Juni 1899, Z. 11.689, 
amtl. Nachr. I. Jahrg., S. 533); bei den Revisionen wurden sie als ein Teil 
der Verordnung- dem Tarife vorausgeschickt. 

^lan Avird nun die Frage aufwerfen, ob sich die gesetzlichen Vor- 
schriften über den Gefalircntarif als richtig und zweckmäßig erwiesen haben. 
Dali sie die Form, das Schema des Tarifs so eingehend festlegen, wurde 
schon früher als auffällig bezeichnet; man wird in dieser ^leinung noch 
bestärkt, wenn man einerseits in Erwägung zieht, daß die Festsetzung des 
Tarifs durch das Ministerium erfolgt, andererseits die einschlägigen gesetzlichen 
Bestimmungen der anderen Staaten zum Vergleiche heranzieht. 

In Deutschland, das bekanntlich auf dem Gebiete der Arbeiter- 
Unfallversicherung Osterreich vorangegangen ist und ihm dabei vielfach als 
Muster gedient hat, erfolgte die Regelung in mehreren Gesetzen, von denen 
das älteste, das sog. gewerbliche Unfallversicherungsgesetz (vom 6. Juli 1884) 
für den hier behandelten Gegenstand das wichtigste ist. Dasselbe enthielt im 
1. Abs. des § 28 folgende Bestimmung: 

„Durch die Genossenschafisversammlung sind für die zur Gcnosseiiscliaft geliü rillen 
Betriebe je nach dem Grade der mit denselben verbundenen Unfallsgefahr entsprechende 
Gefahrenklassen zu bilden und über die Höhe der in denselben zu leistenden Beiträj,'e 
(Gefahrentarif) Bestimmungen zu treffen". 

Aus den weiteren Bestimmungen ist noch anzuführen, daß der Gefahrentarif 
mindestens von 5 zu 5 Jahren überprüft werden soll und daß die vVufstellung 
sowie jede Abänderung desselben der Genehmigung- des Reichsversichi'rungs- 
amtes bedarf, das auch in solchen Fällen, wo eine Genossenschaft ihre 
Pflicht nicht erfiillt, nach Anhörung derselben den Tarif von amtswegen 
vorzuschreiben hat. 

Wie man sieht, hat das deutsche Gesetz die Form, das Schema des 
Gefahrentarifs nicht festgelegt, obwohl es die Aufstellung des Tarifs den 
Berufungsgenossenschaften überlassen hat. Allerdings sind diese dadurch bis 
zu einem gewissen Grade gebunden, daß das R.-V.-A. in der Lage ist, 
gewisse Grundsätze aufzustellen, die befolgt sein müssen, wenn es den Tarif 
genehmigt Der Unterschied gegen den Zustand bei uns ist aber sehr bedeutend ; 
das R.-V.-A. kann die leitenden (Grundsätze nach den fortschreitenden 
Erfaln-ungen modifizieren, Änderungen eines Gesetzes lassen sich aber bekanntlich 
nicht so rasch und so häufig durchführen. 

In Norwegen ist die Unfallversicherung durch das Gesetz vom 
23. Juli 1894 eingefühlt worden. Für die gegenwärtige Untersuchung ist der 
§ 12 der wichtigste, und dieser lautet: 



296 Dßr Gefahrentarif der österreichischen Arbeiter-Unfallversicherung. 

.Bei der Berechnung der Prämie wird außer dem Arbeitsverdienste auch das Unfalls- 
risiko mit in Betracht gezogen, welches der Betrieb mit sich führt, in dem der Versicherte 
beschäftigt ist. 

Die nach dem Gesetze versicherungspflichtigen Betriebe sind deshalb in Gefahren- 
klassen einzuteilen und für jede derselben ein besonderer Prämiensatz festzustellen, welcher 
die Prämie für die betreffende Klasse in Prozenten von dem Arbeitsverdienste der Ver- 
sicherten angibt ** 

Hier verdient hervorgehoben zu werden, dal.5 im Tarife kein Spielraum 
für die Berücksichtigung der individuellen Betriebsverhältnisse gegeben ist, 
was wir für einen schwerwiegenden Mangel halten. Allerdings räumt der § 27 
der Direktion der Versicherungsanstalt das Recht ein, bei Betrieben, welche 
besondere Gefahr aufweisen, eine Untersuchung vorzunehmen, ob und eventuell 
auf welche Weise der Gefahr vorgebeugt werden kann, und wenn dies nicht 
möglich ist oder die Forderungen der Direktion nicht erfüllt werden, den 
Betrieb in eine höhere Gefahrenklasse einzureihen oder, wenn er schon in 
der höchsten war, den Prämiensatz bis zum dreifachen Betrage zu erhöhen. 
Das ist aber oft'eubar eine Maßregel, welche nur in ganz besonderen, in 
Ausnahmsfällen angewendet werden kann. (Vergl. § 78 alt bezw. § 112 neu 
des gewerbl. Unf.-Ges.). 

Der norwegische Gefahrentarif mit der Giltigkeit vom 1. Jänner 1900 ent- 
hält 3 Abschnitte : Prämientarif, Gefahrenklassen und alphabetisches Verzeichnis 
der Betriebe mit Anführung der Gefahrenklasse und Industriegruppe. Der 
Prämientarif ist sehr einfach ; er enthält 13 mit den arabischen Zahlzeichen 
4 bis 16 bezeichnete Gefahrenklassen und daneben die Prämiensätze 4, 6, 8, 
10, 12, 14, 16, 18, 20, 24, 28, 32 und 367oo- In tlem Abschnitte „Gefahren- 
klassen" sind die unter die einzelnen Gefahrenklassen fallenden Betrieb-3 
aufgezählt. 

Das niederländische Unfallversicherungsgesetz bestimmt im § 31 
Folgendes : 

„Die im § 10 angeführten Betriebe werden durch eine allgemeine Verwaltungsvorschrift 
nach Verhältnis der Gefahr, die sich für die Versicherung ergibt, in Gefahrenklassen eingeteilt. 

Bei dieser Einteilung wird die Höchstgefahr durch 100 Prozent dargestellt. 

Jede Gefahrenklasse umfaßt eine Anzahl Gefahrenprozente, so daß die Unternehmungen, 
welche wegen des in ihnen ausgeführten Betriebes in eine um! dieselbe Gefahrenklasse fallen, 
einen Gefahrenprozentsatz eihalton können, der das Maß der Gefahr ausdrückt, welche die 
verschiedenen Unternehmungen im Verbältnis zu einander ergeben''. 

Das österreichische Vorbild ist hier nicht zu verkennen. Da die Unfall- 
versicherung in den Niederlanden noch nicht in Wirksamkeit getreten ist, so 
kann von eigenen Erfahrungen noch nicht die Rede sein. 

In der Schweiz haben zwar die gesetzgebenden Körperschaften ein 
Bundesgesetz (vom 5. Oktober 1899), betreffend die Kranken- und Unfall- 
versicherung beschlossen, dasselbe ist aber bekanntlich bei der Volksab- 
stimmung am 20. l\Iai 1900 abgelehnt worden. Über den in Rede stellenden 
Gegenstand enthält der Gesetzeutwiirf folgende Bestimmungen: 

Art. 287. 
Auf jede versicherte Person entfällt für jeden Arbeitstag (Art. 2!»5, Abs. 4) ein 
Versicherungsbeitrag an die Anstalt (Prämie). Die Prämie wird nach der Höhe der Unfalls 
gefahr und des Tagesverdienstes abgestuft. 



Der Gefahrentarif der österreicliisclieii Arbeiter-Uiifiillversicherung. 2^)7 

Art. 288. 

Sämtliche versicherten Personen werden nach Maßfiabe der Unfallsgefahr eingeschätzt. 

Zu diesem Behufe stellt das eidgenössische Versicherungsan.t namens der Anstalt, 
mit Genehmigmig des Bundesrates, einen Gefaluentarif auf. 

Der Gefahrentarif kann alliährlicii vor dem 1. Oktol)i'r, mit Wirkung auf das nächste 
Behiebsjahr abgeändert wenlen. 

Sdwold der erstmalige Gefahrentarif als auch jede Abändoiimg desselben sind zu 
verütlentlichen. 

Die Verpflichtung zur Versicherung- bei bestimmten Kassen besteht bisher 
nur in den angetiihrten Staaten; die übrigen Ivcnnen den Versichcrungszwang 
entweder überhaupt niclit oder, wenn er besteht, so überlassen sie die Wahl 
der Versicherungsanstalt dem verpflichteten Betriebsunternehmer. 

Die kurze Übersicht hat ergeben, daß nirgends, mit Ausnahme der 
Niederlande etwa, eine so bis ins kleinste gehende Festlegung des Gefahren- 
tarifsystems im Gesetze zu fludcn ist wie iu Österreich. Es muß dies umsomchr 
befremden, da bei uns nicht die Anstalten den Gefahrentarif festsetzen, sondern 
das Ministerium; und die gesetzliche Festlegung kann umsoweniger als zweck- 
mäßig gelten, als die bei der Schaflüng des Gesetzes vorhandenen Erfahrungen 
recht gering Avareu und sohiu die llichtigkeit des gewählten Systems keineswegs 
außer Zweifel stand. Man hätte im Gegenteile schon aus rein theoretischen 
Erwägungen ernste Bedenken gegen das Tarifsystem ableiten können. 

Auf den ersten Blick schon muß es als bedenklich erscheinen, daß man 
])ei der Bildung des Tarifes von dem Durchschnittsmaße der Unfallsgcfahr 
der gefährlichsten Betriebe ausgehen soll. Der Tarif gilt regelmäßig 
5 Jahre, und es ist keineswegs die M()glichkeit ausgeschlossen, daß innerhalb 
einer Tarifperiode Betriebe entstehen, welche getahrlicher sind als jene, die 
bei der Feststellung des Tarifs als die gefährlichsten angesehen wurden ; wie 
will man die dann einreihen? 

Das System der Gefahrenklassen mit einer gewissen Anzahl von Prozent- 
sätzen hat zur Folge, daß Betriebe mit vom Standpunkte der Unfallsgefahr 
mittelguten Verhältnissen in den mittleren Satz eingereiht werden sollen 
und die besseren oder schlechteren Betrie))e in die niedrigeren oder hCdieren 
Sätze, so daß der ganze Spielraum der (jlefah renklasse ausgenützt wird. 
Nun muß aber erstens die durchschnittliche Unfallsgefahr einer Betriebsgattung 
nicht dem mittleren Gefahrenprozente einer Gefahrenklasse entsprechen, sie 
kann ebenso auf jedes andere Gefahrenprozent hinweisen; dann begeht man 
aber augenscheinlich mit dem Hineinpressen der Betriebsgattung in diese 
Gefahrenklasse eine Unrichtigkeit und in weiterer Folge ein Unrecht. Zweitens 
kann keineswegs behauptet werden, daß alle in dieselbe Gefahrenklasse 
fallenden Betriebsgattungen denselben Spielraum tÜr die Berücksichtigung 
der individuellen Betriebsverhältnisse brauchen; ist der Spielraum zu klein, 
so werden die guten Betnebe benachteiligt, die schlechten geschont; ist er 
zu groß, so werden bei voller Ausnutzung die guten Betriebe zu sehr 
])egünstigt, die schlechten zu hart gestraft. 



298 Der Gefahrentarif der österreichischen Arbeiter-Unfiülversicherung. 

Die g:emacliten Erfalirnug-eu haben denn aiicli die aus der Natur der 
►Sache abi;-eleiteteu tlieoretisclien Bedenken bestätigt. Das österreicliisehe 
System des Gefahrentarils liat sieh als zu starr, zu wenij;' elastiscli erwiesen; 
die Mittel, mit denen man Abhilfe zu schatten suchte, wie die Einführung 
dreier Gefahrengrade bei der ersten und der übergreifenden Gefahrenklassen 
bei der zweiten Tarifrevision können nur als Notbehelfe gelten, für solange 
als eine Änderung des Gesetzes untunlich erscheint. 

Es wurde früher die bezügliche Bestimmung des deutschen gewerblichen 
Unf. -Ges. angeführt, welche das System des Gefahrentarifs nicht vor- 
schreibt, die Aufstellinig den Berufsgenossenschaften überläßt und dem Keichs- 
versicherungsamte nur die ({enehmigung und für den Notfall die amtswegige 
Vorschreibung vorbehält, üie sachliche Richtigkeit und die wünschenswerte 
Einheitlichkeit der Gefahrentarife der zahlreichen B.-G. ist also durch das 
Aufsichtsrecht des R.-V.-A. gewährgeleistet. Dieses hat denn auch in mehreren 
Rundschreiben an die Vorstände der B.-G. alle einschlägigen Fragen gründ- 
lich erörtert und gewisse Grundsätze „als Anhalt" aufgestellt; besondere 
Beachtung verdienen die Rundschreiben vom 21. März 1888, Amtl. Nachrichten*) 
S. 199, 20. Juni 1889, A.-N. S. 331, 2. Februar und 16. März 1892, A.-N. 
S. 2.51, 18. Mai 1896, A.-N. S. 275 und die Verfügungen vom 27. Sept. 1893 
und vom 25. Okt. 1897, A.-N. Jahrg. 1898, S. 262, Z. 1708. Das jetzt all- 
gemein im Gebrauche stehende Schema des CTcfahrentarifs wurde in dem 
Rundschreiben vom 21. März 1888 aufgestellt. Die Posten (Gruppen) des 
Tarifs können nach Betriebsarten oder Arbeitstätigkeiten gebildet 
werden. Die Zahlen, welche das Verhältnis der durchschnittlichen Unfalls- 
gefahr der einzelnen Gruppen angeben, werden Gefahrenziffern genannt. Zur 
Berücksichtigung der individuellen Unterschiede in jedem Titel wird ein 
Spielraum nach oben und unten in Prozenten der mittleren Gefahrenziffer 
festgesetzt; dabei wird die Berücksichtigung einer von der gewöhnlichen ab- 
weichenden Betriebsweise getrennt von den abweichenden Einrichtungen. 
Dort können Abweichungen nach beiden Seiten vorkommen, hier nur Er- 
höhungen, weil bei der mittleren Gefahrenziffer gute Verhältnisse voraus- 
gesetzt werden. Die Gefalirenzift'ern, die bei einem Titel in Anwendung kommen 
können, bilden zusammen eine Gefahrenklasse; die Gefahrenklassen werden 
mit den römischen großen Buchstaben benannt, die römischen Zahlzeichen 
werden für die Bezeichnung der Abschnitte verwendet. Der nach diesen 
Grundsätzen aufgestellte Normaltarif enthält 3 Abschnitte. Der I. Abschnitt 
ist mit „Übersicht" bezeichnet und zeigt neben jeder Gefahrenklasse die 
(mittlere) GefahrcnziflPer. Der II. Abschnitt enthält die „Zuteilung der Ik'triebe 
zu den Gefain-enklassen" mit den Rubriken: Laufende Nummer, Gefahren- 
klasse und Gewerbszweig (Aufzählung der Gewerbezweige nach Gefahren- 
klassen geordnet), Gefahrenziffer. Der III. Abschnitt umfaßt „sonstige Be- 
stimmungen und Erläuterungen" ; von diesen verdienen die folgenden besondere 
Beachtuni;" : 



) Amtliche Nachrichten des Reichs-VersicherunKsamtes. J?erlin, A. Ascher & Co. 



Der Gefalireutarif dor üsteireichischeii Arboiler-Uiifallversicliorung. 299 

1. Bei der Zuteilung der Retriebe und Nebenbetriehe zu den Gefaiirenklassen sind 
normale Betriebsverhaltnisse, sowie gute, regelrechte Einrichtungen und das Vorhandensein 
aller i)ekannten uml ü])lichen Schutzvorrichtungen vorausgesetzt. 

'2. Ergibt sich in einzelnen Fällen aus dem eingereihten Fragebogen, aus dem An- 
trage des Unternehmers oder sonst, daß wegen einer von der üblichen erheblich abweichenden 
Betriebsweise diejenigen Gefahren unzweifelhaft nicht als gegeben zu erachten siad, für 
welche die GefahrenzifTer eines Gewerbzweiges in dem Tarife berechnet ist, so ist der Vor- 
stand ermächtigt, eine Heraliselzung oder eine Erhrdiuug der (Jefalirenzifler um (5) bis zu {-!')) 
Brozent vorzunehmen. 

S. Liegen in einem Betriebe ungewöhnliche Gefahren vor, Iclilcii allgemein gebräuchliche 
Schutzvorrichtungen hu wesentlichen Umfange oder ist aus einem erheblichen Übersteigen 
der durchschnittlichen Unfallziffer nacli der Unfallstatistik aui' das Vorhandensein mangel- 
haffei- Einrichtungen unzweifelhaft zu schließen, so ist erhöhte Gefahr als gegeben zu er- 
a(diten und ist der Vorstand ermächtigt, die Gefahrenzilfer für einen solchen Betrieb um 
(10) bis zu (ö(l) Prozent zu erh()heii. 

Die (mittleren) Gefalireuzirt'crn der (xetaiireiiklassen bilden eine i;anz 
regellose Reihe, wie sie sich eben ergeben hat; so entsprechen beispiels- 
weise im fünften Gefahrentarife der Knappschafts-Uenifsgenossenschaft den 
flefahrenklassen A, B. . . . Q die Gefahrcnziffcrn 17, IS, 27, 29, 32, 36, 
5(), 50, 53, 54, 71, 72, 73, 74, 91, lOÜ. 

Der Vollständigkeit halber sei noch darauf liiiigewiesen, daß bei der 
Bestimmung der Gefahrenziff'er für den einzelnen Bi^trieb nur die sogenannten 
objektiven Merkmale berücksichtigt werden. Subjektive Merkmale, wie 
besonders schlechte oder besonders gute Aufsicht, besonders häufiger oder 
ausnahmsweise seltener Wechsel der Arbeiter, ge-ingere oder größere Übung 
und Achtsamkeit derselben, ^langel an Eifer für die Unfallverhütung oder 
hervorragendes, über das ]\laß des Geforderten hinausgehendes Interesse an 
derselben, sind nach dem deutschen gewerblichen Unfallversicherungsgcsetzc 
(letzter Absatz des § 2S beziehungsweise 49) durch Zuschläge oder Nach- 
lässe bei der Bemessung des lieitrages zu berücksichtigen ; das Ausmaß der- 
selben ist im Gesetze nicht beschränkt. Im l^ 27 des norwegischen Unf.-Ges. 
ist, wie schon früher erwähnt wurde, eine analoge l>estinnnung enthalten, 
wobei die ErhiJhung bis zum dreifachen Betrage der normalen Prämie vor- 
gesehen ist. Das niederländische Unf.-Ges. enthält im 2. Abs. des § 37 eine 
Bestimmung, welche demselben Zwecke dienen kann. Der Schweizer Gesetz- 
entwurf hat im Art. 310 die Erhidiung der Prämie bis auf das Fünffache 
und im Art. 311 selbst die Einstellung des Betriebes in Aussicht genommen. 
Das österreichische Unf.-Gesetz enthält keine derartige Bestimmung, was als 
ein Mangel bezeichnet werden muß. 

Ik'vor wir die Erörterungen über das System des (Jefahrentarifes ab- 
schließen, müssen ^^^r noch eine Frage besprechen, die allerdings in Österreich, 
unserer Meinung nach, dureh das Gesetz schon zweifellos entschieden ist; 
die Frage nämlich, ob der Tarif nach Ge we rbsz weigen (Hetriebsgattungen) 
oder Arbeitstätigkeiten gebildet werden soll. Das (»sterreichische Gesetz 
schreibt den erstbezeichneten Vorgang vor (5 Abs. des § 14: ... Verzeichnisse 
der jeder Gefahrenkla»se angehörenden Industriezweige und lietriebsarten"; ; 
da aber bei der ersten Revision des Tarifs bei einzelnen Betnebsgattungen 



300 ^^r Gefahi-entarif der österreioliischon Arbeiter-Unfallversicherung. 

nach Arbeiterkatoororieii klassifiziert wurde, so erscheint eine kurze Erörterung 
dieses Gegenstandes auch für uns nicht ganz ohne Interesse. Die meisten, 
insbesondere fast alle großen Betriebe umfassen mehrere Arten von Arbeits- 
tätigkeiten und demgemäß verschiedene Arbeiterkategorien. Es liegt daher 
der Gedanke nahe, bei der Bildung des Gefahrentarifs von den Arbeits- 
tätigkeiten auszugehen, für diese die Gefahrenklassen zu bestimmen, und es 
hat den Anschein, daß man mit einem solchen Tarife den so mannigfaltigen 
Verhältnissen der Betriebe besser gerecht werden könne und daß sich ein 
solcher Tarif auch leichter herstellen lasse. In der Wirklichkeit liegt die 
Sache aber etwas anders. Erstens ist die mit einer bestimmten Arbeits- 
tätigkeit verbundene Unfallsgefahr nicht überall gleich, sondern sie hängt von 
verschiedenen Umständen, besonders von den örtlichen Verhältnissen und dem 
Zusammenhange mit anderen Arbeitstätigkeiten ab ; Beispiele : das Schlägeln 
von Schotter in einem Bruche, auf einer stark befahrenen Straße, auf einem 
Lagerplätze; die Arbeit des Handtischlers in einer Werkstätte mit Hand- 
betrieb, in einer Werkstätte, wo motorisch betriebene Ki-eissägen, Fraisen, 
Abrichtmaschinen u. dgl. vei-wendet werden, auf Bauten. Zweitens die großen 
Sch^\ierigkeiten bei der Aufstellung und Handhabung eines solchen Tarifes, 
die umso größer werden, je mehr die so eben angedeuteten Verschiedenheiten 
Berücksichtigung finden sollen. Bei Betrieben derselben Art, in denen der 
Zweck des Betriebes auf gleichem Wege verfolgt wird, sind die Unterschiede 
in der Unfallsgefahr nicht so groß, daß ihnen nicht mit den früher be- 
sprochenen Mitteln iSpielraum der Gefahrenklasse, Zu- oder Abschlag bei 
ausnahmsweisen Verhältnissen) ausreichend Rechnung geti'agen werden könnte. 
Die Erfahrungen, welche man in Deutschland gemacht hat, haben dazu 
geführt, daß gegenwärtig nur niehj- '2 von den 65 gewerblichen Berufs- 
genossenschaften einen Gefahrentarif nach Arbeitstätigkeiten besitzen, nämlich 
die Bayerische und die Sächsische Holzberufsgenossenschaft. 

Selbst bei den sog. gemischten Betrieben, deren Teile eine gewisse 
Selbständigkeit besitzen, hat sich die Festsetzung eines Gefahrenprozentes 
für den ganzen Betrieb, allerdings unter Berücksichtigung der verschiedenen 
Unfallsgefahr der Betriebsteile, in der Praxis als vorteilhafter erwiesen und 
ist auch im allgemeinen den Unternehmern lieber als die getrennte Ein- 
reihung der einzelnen Teile. 

Als Ergebnis der bisherigen Betrachtungen kJhmen wir aussprechen, 
daß die Festlegung des Gefahrentarif-Systems im österr. Unfallversicherungs- 
gesetze an sich nicht empfehlenswert, für den Beginn der Versichening aber 
besonders unzweckmäßiir war; daß weiters das gewählte System verfehlt ist, 
da es zu wenig Elastizität besitzt und in geradezu unnatürlicher Weise erst 
die Form festlegt und dann die so mannigfaltigen Veriiältnisse in sie hinein- 
zupressen sucht; daß aber die Klassifikation nach Betriebsarten genau 
genug und für die Praxis zweckmäßiger ist als die nach Arbeitstätigkeiteu. 
Die Gefahrenklassen wären am richtigsten und zweckmäßigsten so zu bilden, 
daß für jeden Betriebstitel die normale, die niedrigste und die höchste 
Gefahrenzitfer festgesetzt würde; bei diesem System wären die Betriebsarten 



Der Gefahrentai-if der österreieliisclien Arbeiter-Unfallversicherung. 301 

von einander nnabliän^ii;- und es kihnite für jede der ihrer Eigenart ent- 
sprechende Spieh-aiun olme jede Schwierigkeit g-ewonnen werden. Für die 
Verwendung- des Spieh-aums sind die anget'iihrten Vorschriften der deutschen 
Tarife, aber mit Einbeziehung- der subjektiven Merkmale, wenn die nicht 
besonders bedaclit werden, zu empfehlen. 

Wir kommen nun zum zweiten Gegenstände unserer Betrachtungen, zur 
Aufstellung des Gefiihrentarifs. Es wurde schon in der Einleitung daraut 
hingewiesen, dal3 ein Gefahrentarif immer nur unter den Verhältnissen (Jeltung 
beanspruchen kann, für die er aufgestellt worden ist, daß er also nicht ohne- 
weiters übertragen werden darf, daß vielmehr jede Versicherungsanstalt 
bestrebt sein muß, ihren eigenen, das heißt den ihren besonderen Ver- 
hältnissen entsprechenden Tarif herzustellen. Wir müssen aber noch weitergehen ; 
keine Versicherungsanstalt darf ihren Tarif, und wenn er auch bei seinem 
Entstehen noch so vollkommen gewesen wäre, ohne periodische Überprüfung 
unverändert ])eibehalten, weil sich Avichtige Umstände ändern können. Dies 
gilt besonders für die Arbeiter-Unfallversicherung; die ßeti-iebsweisen stehen 
nirgends still, neue Verfahren, neue Maschinen und Apparate werden erfunden 
und eingeführt, die Intensität des Betriebes wird gesteigert, neue Vor- 
richtungen werden in Gebrauch genommen zur Verhütung von Untallen. Die 
sorgfältigste Beobachtung der Vergangenheit kann da nicht mehr volle 
Sicherheit für den Schluß auf eine weite Zukunft bieten. Es ist deshalb in 
allen Unf.-Gesetzen die zeitweise Überprüfung des Gefahrentarifs vorge- 
schrieben; meistens (in Österreich, Deutschland, Norwegen und Holland) 
ist die normale Tarifperiode mit 5 Jahren festgesetzt. In den nachfolgenden 
Erörterungen wird hauptsächlich die Revision des Gefahrentarifes ins Auge 
gefaßt werden, da die erste Aufstellung naturgemäß ein mangelhaftes Ergebnis 
liefern mußte. 

In den angeführten Gesetzesstellen wird von dem Maße oder dem 
Grade der Unfallsgefahr gesprochen, welches bezw. welcher im Gefahren- 
tarife verzeichnet werden soll; von dem Maßstabe aber, mit welchem die 
Gefahr gemessen werden soll, ist nirgends die Rede. Nach dem gewöhnlichen 
Sprachgebrauche ist jedenfalls die Häufigkeit und die Schwere der 
Unfälle zu berücksichtigen, wobei die Häufigkeit nicht nach der absoluten 
Zahl der Unfälle allein, sondern mit Beziehung auf die Zahl der der Unfalls- 
gefahr ausgesetzten Personen und der Zeit, während welcher sie der (Jefahr 
ausgesetzt gewesen sind, beurteilt werden muß. Um in dieser Bezieliung zu 
sicheren Grundlagen für die Vergleichung zu kommen, ist man von der 
Gesamtzahl der Arbeitsschicliten aller (der betretfenden Gefahr ausgesetzten) 
Versicherten ausgegangen und hat für 300 Schichten die Bezeichnung „Voll- 
arbeiter" gewählt, unter der Annahme, daß ein ununterbrochen beschäftigter 
Arbeiter durchschnittlich 300 Tage im Jahre arbeitet. Man setzt also voraus, 
daß bei ganz gleichen IJetriebsverhältuissen die Unfallsgefahr, welcher 20 Arbeiter 
bei einer nur 60 Tage währenden Beschäftigung ausgesetzt sind, ebenso groß 
ist, wie für 4 Arbeiter durch 300 Tage (60X^0 = 4X300 = 1200). Diese 



302 Der Gefahreiitai-if der österroichisclien Arbeiter-Unfallversicherung. 

Annahme ist allerdings nicht immer ganz richtig, die erforderlichen Korrekturen 
lassen sich aber bei der Anwendung des Tarifes unschwer anbringen. 

Nicht so leicht ist es, für die Schwere der Unfälle einen brauchbaren 
Maßstab zu finden. Das deutsche R. V. A. hat in dem Rundschreiben vom 
20. Juni 1S89, A. N. S. 331, den Bcrufsgenossenschafteu empfohlen, mindestens 
4 Kategorien von entschädigten Unfällen zu unterscheiden: a) tötliche, 
h) mit dauernd gänzlicher, c) mit dauernd teilweiser und d) mit vorüber- 
gehender Erwerbsunfähigkeit, die durchschnittliche Belastung durch Fälle der 
letzten Kategorie als Einheit anzunehmen und die Belastung durch die andern 
gleich lU, bezw. 30 und 15 zu setzen. Wären z. B. auf 8000 Vollarbeiter 
3 tötliche Unfälle, 1 mit dauernd gänzlicher, 45 mit dauernd teilweiser und 
70 mit vorübergehender Erwerbsunfähigkeit entfallen, so ergäbe die Summe 
der Produkte (3 X 10) -f (1 X •'>0) + (45 X 15) + C^O X 1) = ^05 das Maß 

für die Zahl und Schwere der Unfälle und der Quotient = 0-100625 

oOOlJ 

ein Maß für die Unfallsgefahr eines Vollarbeiters. Durch entsprechende Ver- 
vielfachung der so erhaltenen Verhältniszahlen, oder, was im Wesen dasselbe 
ist, Übergang auf eine größere Zahl, z. B. 1000 oder 10000 Vollarbeiter, 
kommt man zu Verhältniszahleu, w^elche ohnew^eiters als G efahren Ziffern 
in den Tarif eingesetzt werden können. 

Daß dieser Vorgang den Zweck des Gefahrentarifs der Unfallversicherung, 
nämlich die gerechte Verteilung der Beitragslast, sehr wenig berücksichtigt, 
liegt klar zu Tage. Erstens werden die Beiträge weder bei uns noch in 
Deutschland per Kopf, sondern nach dem anrechenbaren Arbeitsverdienste 
vorgeschrieben, weshalb nicht die Zahl der Vollarbeiter, sondern die gesetzlich 
anrechenbare Lohnsumme in die Rechnung einzutreten hat. Zweitens sind die 
angenommenen Maßzahlen für die durchschnittliche Schwere der Unfälle 
Schätzungen nach dem Augenmaße und nehmen auf die großen Verschieden- 
heiten insbesondere derdauerndcn teilweisen Erwerbsunfähigkeit keine Rücksicht. 
Dessen w^ar sich auch das deutsche R. V. A. bewußt. Das richtige Maß für 
die Schwere der Unfälle ist bei der Unfallversicherung der Wert der von ihr 
geleisteten und noch zu leistenden Entschädigungen. Eine Schwierigkeit liegt 
nur in der richtigen Bewertung der zukünftigen Leistungen der Versicherungs- 
anstalt ; das österreichische, so oft mit Unrecht geschmähte Kapitalsdeckungs- 
verfahren hat von allem Anfange an diese Bewertung erfordert ; das deutsche 
Umlage verfahren war die mittelbare Veranlassung, daß man lange Zeit hindurch 
die Feststellung der vollen Belastung umging und sich bei der Aufstellung 
der Gefahrentarife mit einem offenkundig höchst ungenauen, ja unrichtigen 
Verfahren behalf In der letzten Zeit rückte man dem Kern der Sache zwar 
auch da näher, ging dann aber auf die Summen der tatsächlich gezahlten 
Entschädigungen über, indem man auf Grund von P)erechnungen einzelner 
Berufsgeuossenschaften annahm, daß diese Summen sich so verhalten, wie die 
vollen Belastungen (mit Einschluß der Deckungskapitalien für die flüssigen, 
dauernden Renten). In Österreich ist, wie erwähnt, schon durch das Gesetz 
die Gegenüberstellung der annehmbaren Lohnsummen und der. vollen Belastunc: 



Der Gefahrentarif der österreiclii.sclien Arbeiter-Uiifallversicheruiif,'. tlOo 

indiziert; es handelt sieh also vor allem um die Feststellung- dieser Zahlen 
tlir die einzelnen Betriebsarten. 

Die am'echenbaren Lohn summen der einzelnen Betriebe sind von 
der Feststelhinji- der Versieheruni;'sbeiträj;e her bekannt; sie sind nur insoweit 
ungenau oder unriehtig, als es die Angaben der ßetriebsunternehmer waren 
und nielit durch die gesetzlich vorgesehene Prüfung von Seiten der Anstalt 
die Richtigstellung erfolgt ist. Eine gewisse Bedeutung kann diesen Ungenauig- 
keiteu bei manchen Betriebsarten allerdings nicht abgesprochen Averden. 

Die Belastung der Anstalt durch den einzelnen Unfall hängt wesentlich 
davon ab, ob er bleibende Folgen hat und, im Bejahungsfalle, in welchem 
Grade. Darüber kann man nun in zahlreichen Fällen erst längere Zeit nach 
dem Unfälle ein sicliores Urteil gewinnen; vorher angestellte Schätzungen, 
mögen sie auch noch so sorgfältig* sein, können weder im einzelnen Falle 
noch auch bei einer kleinen Zahl von Fällen als verläßlich angesehen werden. 
Es erg-ibt sich daraus, daß gerade das Material der letzten Zeit nicht verwertet 
werden kann; so hat man bei uns für die erste Tarifrevision im Jahre 1894 
nur die Unfallstatistik der Jahre 1S90 -92 und bei der zweiten Revision im 
Jahre 1899 nur die der Jahre 1890—96 zu Grunde gelegt. Andererseits wurde 
auch schon an einer früheren Stelle darauf hingewiesen, daß die Änderungen 
in der Betriebsweise die Verwendung der statistischen Ergebnisse aus einer 
weit zurückliegenden Zeit bedenklich erscheinen lassen. Bei einer neuen 
Versicherung konmit noch der Umstand dazu, daß erfahrungsgemäß die Ver- 
sicherten erst nach und nach sich über ihre Rechte klar werden, immer höhere 
Ansprüche an die Versicherungsanstalt stellen und sie immer entschiedener 
verfechten. 

Hat man die Lohnsumme und die Belastung für die einzelnen Betriebe 
in der entsprechenden Form verzeichnet, so handelt es sich darum, die 
gleichartigen Betriebe zusammenzuziehen. Dabei knüpft man natürlich im 
allgemeinen an die Titel des alten Tarifs an; die gewonnenen Erfahrungen 
werden aber auch zu Trennungen und zu Vereinigungen vVnlaß bieten ; 
beispielsweise bildeten im ersten österreichischen Tarife die Möbelfa])riken und 
Kunsttischlereien zusammen einen Titel, im . zweiten wurde die P^rzeugung 
von Möbeln aus gebogenem Holze als besonderer Titel ausgeschieden und 
dafür eine bedeutend niedrigere Gefahrenklasse bestinmit; die Steinbrüche 
waren im ersten Tarife nach der Art des Steinmaterials unterschieden, im 
zweiten wurde diese Unterscheidung ganz fallen gelassen, im dritten zu einem 
geringen Teile wiederhergestellt. 

Bei der liildung der Titel darf natürlich der Umfang des statistischen 
Materials nicht außer Acht gelassen w^crdcn. Ein sicherer Schluß aus dem- 
selben ist nur dann möglich, wenn die den einzelnen Unfällen aniiaftenden 
Zufälligkeiten sich in der Menge ausgegliclien haben. Wie groß die Zahl 
der Versicherten oder die Lohnsumme dazu sein muß, läßt sich ganz all- 
gemein nicht bestimmen ; sie hängt offenbar auch von der Häufigkeit und 
Schwere der Unfälle, insbesondere davon ab, ob und wieweit Massenunfälle 
als ausgeschlossen zu betrachten sind. Das deutsche R.-V.-A. hat in dem 



304 D^r Gef;\lirenlarif der österreichischen Arlieiter-Unfalhersicherung. 

anp:erülirten Rundschreiben vom Jahre 1892 5000 Vollarbeiter im Jahre 1896 
5,(KM).000 Mark Lohnsumme als jene Grenze bezeichnet, unter welcher die 
statistischen Zahlen keinen sicheren Schluß mehr gestatten; gewiß ist diese 
Grenze nicht zu hoch angesetzt. 

Für jene in Aussicht genommenen Titel, bei denen das statistische 
Material als ausreichend angesehen wird, ergeben sieh die Gefahrenziffern 
durch einfache Rechnungen. Damit sind auch die Umrisse des Gefahren- 
tarifes im großen Ganzen bestimmt. Solche Titel, die allein über ein zu 
geringes Material vertilgen, muß man nach der Ähnlichkeit der Betriebsweise 
so zu vereinen suchen, daß die Summe ausreichend wird; die gefundene 
Gefahrenziffer gibt dann einen Mittelwert, nach dem die Gefahrenziffem der 
einzelnen Titel eingerichtet werden können. Endlich bleibt noch ein Rest 
übrig, der nach den Erfahrungen eingeschätzt werden muß. 

Die Entscliädigungen für die Unfälle bilden aber nicht allein das Er- 
fordernis, welches durch die Prämien bedeckt werden soll, sondern es 
kommen noch die Kosten der Durch füll rung der Versicherung (Ver- 
waltungskosten) und eventuell ein Zuschlag für die Bildung eines Reserve- 
fonds dazu. In Deutschland berücksichtigt man über eine ausdrückliche 
Weisung des R.-V--A. die Verwaltungskosten bei der Berechnung der Gefahren- 
ziffern nicht; dieser Vorgang wäre offenbar nur dann richtig, wenn die Ver- 
waltungskosten der Unfallbelastung proportional wären, was aber nicht der 
Fall ist. Die Verwaltungskosten setzen sich der Hauptsache nach aus zwei 
Teilen zusammen ; der erste Teil wird durch die Feststellung der Versicherungs- 
pflicht, die Einreichung der Betriebe und durch die Feststellung, Einhebung 
und Verwaltung der Prämien verursacht, der zweite Teil durch die Fest- 
stellung und die Auszalihing der Entschädigungen und durcli die Verwaltung 
der Deckungskapitalien. Jener ist von einer Reihe von Umständen abhängig, 
die sich scliwer bewerten lassen; man begeht aber kein großes Unrecht, 
wenn man ihn der Lohnsumme proportional setzt. Der zweite Teil kann ohne 
Bedenken der Unfallbelastung proportional gesetzt werden, ebenso der Zu- 
schlag für den Reservefond. In algebraischen Zeichen ausgedrückt ergibt sich 
daher folgende Entwicklung: 

r=ri-\-v., = aU-\-hL 

B = cU 

E={1 -\-a -\- c) U^hL 

^ = {l-{-a + c).^-^h 

oder in Prozenten der Lohnsumme 

j^XlOO = {1 -\- a -\- c)X jj X 100 i- h X 100 

Dabei bedeuten: E das gesamte Erfordernis, U die Vollbelastung 
durch die Unfallentschädigungen, V die Vemaltungskosten, R den Zuschlag 
für den Reservefond und L die Lohnsumme; a, b und c sind Koeffizienten, 
welche nach den besonderen Verhältnissen der Versicherungsanstalten zu 



Der Gefahrentarif der österreichischen Arbeiter-Unfallversicherung. 305 

wühlen sind. l>ei der letzten TaritVevision wurde a — 0-08, c = 0*05 imd 
h = 0*0007 angeuomnien ; es ergab sich dann die Brutto- aus der Netto- 
Belastuugszifter in Prozenten der Lolmsumnie 

p' = 1-13 p -|- 0-07 

Um auf die Gefahrenprozente zu kommen, müßte die höchste Brutto- 
Belastungszitler für den mittleren Satz der höchsten Getahi-enklasse angesetzt, 
darnach die Belastungsziffer lür 1 Gefahrenprozent ermittelt und mit dieser 
Schlüsselzahl jedes andere Getahrenprozent aus der Brutto-Belastungsziffer 
berechnet werden. 

Eine große Schwierigkeit ergab sich bei der letzten Tarifrevision daraus, 
daß die Erfahrungen der Versicherungsanstalten im ganzen und insbesondere 
bei einer Reihe stark besetzter Betriebstitel weit auseinander gingen. Eine 
gemeinsame Grundzahl für den Beitragstai-if erschien von vornherein ausge- 
schlossen; man mußte deshalb bei der Zusammenziehung der statistischen 
Ergebnisse die Verhältniszahlen für die Grundzahlen der Anstalten an- 
nehmen und damit die Ergebnisse reduzieren. Ein umständlicher und recht 
bedenklicher Vorgang! Da überdies für eine Reihe von Betriebsarten in den 
verschiedenen Anstalten verschiedene Gefahrenklassen vorgeschrieben werden 
mußten, so verdient wohl erwogen zu werden, ob nicht die einheitliche 
Aufstellung des Gefahrentarifes aufgegeben und grundsätzlich für jede Anstalt 
der Tarif besonders vorgeschrieben werden soll. Bei den Anstalten in Wien, 
Prag und Brunn dürfte in nächster Zeit schon das Material dazu ausreichen ; 
die anderen Anstalten müßten sich allerdings noch stark an jene anlehnen. 

Alles in allem genommen wird die Abänderung der Bestimmungen über 
den Gefahrentarif einen wichtigen und interessanten Punkt bei der bevor- 
stehenden Refoi-m der Arbeiter-Unfallversicherung bilden. 




20 




Die GoldschmiedezeicluMi mit Ijesonderor Berücksichtigung Mährens. 307 

Die Goldschmiedezeichen 

mit besonderer Berücksichtigung Mährens. 

Von Museums-Kustos Karl Schirek. 

■ehr als bei anderen kunstgewerblichen Erzeugnissen kommt bei der 
kunsthistorischen Würdigung von Arbeiten aus den Edelmetallen Gold 
und Silber neben ihrem künstlerischen Wert ganz besonders auch das Material, 
seine Echtheit und Volhvertigkeit in Betracht. Um einer Benachteiligung 
der Konsumenten durch die Produzenten zu steuern, war eine Prüfung, 
„Beschau" der Arbeiten in Bezug auf ihren Feingehalt, in der Werkstatt des 
Verfertigers durch die eigens hiezu verordneten geschworenen Meister vor- 
geschrieben. Als Beglaubigung, daß sie wirklich stattgefunden hat, dienten 
dem Käufer und Besteller eigene Zeichen, welche in den Gegenstand ein- 
geschlagen wurden und aus dem Beschau- und Meisterzeichen bestanden. 
Diese Zeichen bilden bei der Bestimmung der Herkunft und Zeit alter (iold- 
schmiedearbeiten ein wichtiges Mittel, was eine möglichst genaue und voll- 
ständige Kenntnis derselben wünschenswert macht und die Wichtigkeit ihres 
Studiums rechtfertigt. 

Ein Rückblick in die Vergangenheit lehrt, daß ein ähnlicher Vorgang, 
insbesondere der Gebrauch, dem handwerklichen Erzeugnisse den Namen des 
Verfertigers oder ein diesen vertretendes Zeichen beizufügen, dem Altertum 
mehr oder weniger fremd war. Ebenso machte das Mittelalter hievon keinen 
Gebrauch, weil nach der christlichen Auffassung alles Bestehende als Werk 
Gottes erschien ; hinzu kam der Umstand, daß die Kunst ganz im Dienste 
der Kirche stand und auch ihre Pflege in den Händen der Kirche lag, sodaß 
Besteller und Verfertiger in gewissem Sinne, wenn wir unter letzterem die 
Gesamtheit der in der Klosterwerkstatt Beschäftigten verstehen, mit einander 
identisch waren. Der Verfertiger, weil ein Angehöriger der Kirche, ging in 
diesem letzteren allgemeineren Begriffe auf, es entfiel daher die Notwendigkeit 
einer jedweden Bezeichnung. Naturgemäß sind uns deshalb auch dort, wo sich 
diese mittelalterliche Tradition am längsten erhalten hat, verhältnismäßig nur 
wenig Namen von Meistern des betreffenden Gewerbes bekannt geworden. 
Nur hie und da auf umfangreicheren Arbeiten, welche auf Bestellung vor- 
nehmer Stifter für besondere Zwecke gearbeitet wurden, findet sich gelegentlich 
eine inschriftiiche Angabe über Ort und Meister. Erst als die Kirche bezw. 
die Klosterwerkstatt aufhörte, die ausschließliche Pfiegestätte der Kunst und 
des Kunsthandwerks zu sein, was zeitlich mit dem Erstarken des Bürgertums 
zusammenfällt, und an Stelle der einzelnen klösterlichen Meister die bürger- 
lichen Zünfte traten, welcher Übergang sich im 13. Jahrhundert vollzog, trat 
ein Umschwung ein, noch mehr aber in der Renaissance, wo dem Künstler 
große und neue Aufgaben gestellt wurden, wo die Tradition aufhörte, sein 
Wegweiser zu sein, und er aus sich selbst heraus die leitenden Grundsätze 
schöpfen und mit seiner Persönlichkeit für das Werk eintreten mußte, infolge 

20* 



308 r)ie Goldschmieilezeiclien mit, besonderer Berücksichtigung Mährens. 

dessen die Person des Schöpfers auch eine ganz andere Bedeutung gewann, 
als in den Jahrhunderten des Mittelalters. 

ßci den Goldschniiedeweiken waren es von dem erstgenannten Zeitpunkt 
an die Zünfte oder gar die städtische Behörde, welche für die Vollwertigkeit 
und Güte sämtlicher Arbeiten die Gewähr übernahmen. Mit dem gleich- 
zeitigen Aufkommen der Sitte, sein Vermögen in Gold- und Silbergeräten 
niederzulegen und sie zur fahrenden Habe zu rechnen, erweiterte sich das 
Arbeitsfeld der Gold- und Silberschmiede nach der profanen Seite ganz 
bedeutend, wodurch an sie neue Anfoi(ierungen gestellt wurden. Hatten sie 
sich, teils wegen des von ihnen verarbeiteten Materials, teils wegen ihrer 
engen Beziehungen zu den Künsten einer besonderen Teilnahme zu erfreuen, 
so mußten sie sich wieder zu gewissen Zeiten auch eine moralische Gering- 
schätzung gefallen lassen, weil ihre Tätigkeit als eine des freien Mannes 
unwürdige Beschäftigung angesehen wurde; nichts destoweniger fehlte es nie 
an bewundernswerter Anerkennung ihrer dabei bewiesenen Geschicklichkeit. 
Sie selbst waren sich auch dieses ihres Wertes voll bewußt; ein Beispiel 
hiefür bietet uns die Geschichte der Berliner Goldschmiedezunft. Das dortige 
Goldschmiedeamt bat, da die Bestimmungen, welche Friedrich Wilhelm I. er- 
lassen hatte, den Angehörigen der Zunft nicht genehm waren, nach seinem 
Tode alle Neuverordnungen, die „dem P^xempel gemeiner Handwerker 
gemäß'* wären, aufzuheben, da „ihre Profession durch ganz Europa 
hindurch unter die Künstler und nicht unter die Handwerker gerechnet 
würde." Diesem Umstände sowie der relativen Seltenheit der Edelmetalle ist 
es zuzuschreiben, warum auch unedle Metalle von den Goldschmieden ver- 
arbeitet werden durften und das „droit d'Orfevrerie" erlangten. Andererseits 
war dies ein Grund mehr, die Arbeiten aus echtem Edelmetall von jenen aus 
unedlem Metall durch äußere Zeichen als solche zu unterscheiden. In den 
Ordnungen der Goldschmiede kehrt deshalb neben anderem gleichmäßig die 
Bestimmung wieder, daß die Arbeiten amtlich „beschaut" und daß als Beleg 
dieser Schau Stempel eingeschlagen werden. Zwischen den Goldschmiede- 
und Zinngießerzeichen bestand eine Analogie, welche es uns möglich macht, dort 
wo die (Quellen für die ersteren nicht genug reichlich fließen, aus den 
letzteren, wenn über sie mehr bekannt ist, ergänzende Schlüsse ziehen zu 
können. Als Beweis hiefür mag wieder die Berliner Goldschmiedezunft an- 
geführt werden, deren Bestimmungen uns überdies besagen, daß dort auch 
bei Arbeiten aus Kupfer ein ähnlicher Vorgang beobachtet wurde. 

Als nämlich 1693 außer dem Beschau- und Meisterzeichen noch ein 
dritter Stempel eingeführt wurde, heißt es in dem betreffenden Reglement : 
„So soll auch jedes Stück, es sei Gold, Silber, Zinn oder Kupfer mit 
seinem gerechten Zeichen und zwar nebst dem gemeinen Stadt- und Meister- 
Zeichen auch mit dem Szepter oder Adler samt einverleibter und jährlich zu 
verändernder Jahreszaiil gestempelt werden." Solche Stempel, „Merkzeichen", 
finden sich daher auch fast auf jedem Stück älterer Gold- und Silberarbeit. 
Für ihre Unterscheidung ist eine genaue Kenntnis der alten Goldschmiede- 
ordnungen von größter Wichtigkeit. Der Kunstwissenschaft, die erst in ver- 



Die Goltlücluuiedezeiclieu mit besonderer Beriu-ksichtiguiii,^ Mährens. 309 

hältnisniäßig später Zeit die Erzeugnisse des Goldschmiedehandwerks zum 
Gegenstand eingehenderen Studiums gemacht hat, war es erst, seitdem man 
der Stempelung größere Aufmerksamkeit und Beachtung zuwandte, möglich, 
durch die sichere Angabe der Herstellungsorte und der einzelnen Meister ein 
Fundament zu gewinnen, auf dem die Forschung weiter bauen konnte. Bis 
dorthin galt mehr oder weniger jede auftauchende Arbeit von einiger Bedeutung 
als ein Werk Benvenuto Cellinis, und als später Wenzel Jamnitzer hinzu- 
kam, wurde er mit ebensolcher Freigebigkeit mit Zuschreibuiigen überschüttet, 
ähnlich wie man Michel Angelo die sämtlichen aus Klfenbein geschnitzten 
Kruzifixe zuschreiben wollte, der, wenn sie auch wirklich alle von ihm her- 
rühren sollten, trotz seines langen Lebens nichts anderes hätte machen 
dürfen. So umfangreich aber das urkundlich sichere Material ist, welches das 
vergleichende Studium der Stempel bis heute geliefert hat und das uns über 
die Herkunft von vielen Tausenden der erhaltenen Silberarbeiten Auskunft 
gibt, so bleibt doch noch nach dieser Richtung viel zu tun übrig. 

In Frankreich insbesondere kommen zu den Beschau- und Meisterzeichen 
noch die um 1650 eingeführten Marken der Pächter der Steuerstempel, 
welche aus verschiedenen Buchstaben bestehen und der Forschung einerseits 
dieselben Dienste leisten wie die Beschauzeichen, andererseits uns die Datierung 
der Arbeiten bis auf das einzelne Jahr ermöglichen. Außerdem drückte der 
Pächter auf die Arbeit noch den Qiiittungsstempel (poincon de decharge) auf, 
der gleichsam als Bestätigung des Empfanges der vom Verfertiger der Arbeit 
entrichteten Steuer diente. Hingegen haben die Qualitäts- oder Feingehalts- 
zeichen, welche wir oft in direkter Verbindung mit den Beschauzeichen finden, 
ferner die staatlichen Eingangs- und Einfuhrstempel sowie die Ausfulir- und 
Einfuhrstempel, die Frei- und Vorratsstempel mit der llerkunlt nichts zu tun. 

Das Beschauzeichen bestand entweder aus dem Wappen der betreffenden 
Stadt oder ihrem Anfangsbuchstaben, weshalb man es auch als Stadtzeichen 
zu bezeichnen pflegt. Wie die Wappen der einzelnen Städte im Laufe der 
Jahrhunderte wechselten, so wechseln auch die Stadtzeichen. Einzelne Städte 
führen sogenannte sprechende Wappen, welchen ebensolche Stadtzeichen ent- 
sprechen. So hat z. B. Ansbach im Wappen einen Bach, Antwerpen eine Hand, 
was sich vom Handwerfen ableitet, nach der Sage vom Kiesen Antigonus 
derzufolge dieser von allen Schiffern eine hohe Abgabe forderte und jenen, 
welche die Bezahlung verweigerten, eine Hand abschnitt und sie in den Fluß 
warf. Berlin hat einen stehenden, Bern einen schreitenden Bären, Mühlhausen 
ein Mühlrad. Andere Städte wieder führen als Stadtzeichen das Wappen in 
Verbindung mit ihrem Anfangsbuchstaben. 

Bei einer Reihe von Städten besteht das Zeichen aus dem Anfangs- 
buchstaben allein, so bei Breslau aus einem W, d. i. Wratislawia, an dessen 
Stelle später das Johanneshaupt tritt, Brüssel hat ein B, später den Löwen, 
Christiania ein C mit Krone, Dresden ein D, später die Schwertermarke, 
Erfurt ein E, Freiberg in Sachsen ein /<', Gotha ein G mit Krone, Leipzig 
ein L, Magdeburg ein i¥, Neapel die Abkürzung NAP (OJJj, Nürnberg ein iV, 
Paris ein P mit Krone schon 1260, später die Lilie, noch später diese in 



310 Diß Goldschtniedezeicheii mit besonderer Berücksiclitigung Mährens. 

Verbindung mit dem Jahresbuchstaben, Rostock im Mittelalter die gotische 
Minuskel r, im 16. Jahrhundert die lateinische Majuskel B, Salzburg ein S, 
Torgau ein T, Wintertliur ein W, darüber einen laufenden Hund, Zürich ein Z. 

Für die Wahl der Anfangsbuchstaben statt der Wappen mag in vielen 
Fällen die Kompliziertheit der letzteren bestimmend gewesen sein ; das Zeichen 
sollte ja möglichst klein gehalten sein, unauffäliig durch die Größe, um die 
Arbeiten, in welche es einzuschlagen kam, in ihrer Wirkung nicht zu schädigen. 
Auch mag die Ausführung solcher Wappen nicht nur dem Stecher größere 
Schwierigkeiten bereitet, sondern auch eine Verteuerung zur Folge gehabt 
haben. Wo man dennoch auf das W^appen als Zeichen nicht verzichten wollte, 
suchte man wenigstens einen Teil desselben anzubringen. So empfiehlt, um 
auf ein naheliegendes Beispiel hinzuweisen, der Stadt-Magistrat von Znaim 
unterm 22. Jänner 1717 in einer Äußerung auf eine über kaiserliche Ver- 
ordnung durch die Kreisämter erfolgte Rundfrage, ob eine Probe geübt werde 
und wie die Stempelung stabilisiert werden könnte, u. A.: „dasz Ein jedweder 
Magistrat und Stadt Rath einen Beständigen Stämpel machen und darauf das 
Stadt Wappen oder darvon doch wenigist ein gewisses Stükh, und 
so vill damit gleichenwohleu hierausz, von w^as für einer Stadt dasz darmit 
gezeichnete Silber seye, alszo halt erkennet werden möge." Ebenso äußert 
sich der Magistrat der Stadt Ung.-Hradisch bei dem gleichen Anlasse dahin, 
daß die Arbeiten der Goldschmiede bei dem Bürgermeisteramt angezeigt und 
besichtigt, „undt mit dem hierzu allen Fleisszes gemachten Kleinen Stadt- 
Wappen nebst des Goldtschmiedts seinen Nahmen Bezeichnet würden." 

Die Meisterzeichen wurden meist dicht neben dem Beschauzeichen ein- 
geschlagen. Der zugehörige Stempel, vom Meister aufbewahrt, enthielt am 
häufigsten die Anfangsbuchstaben seines Namens, doch dienten auch Zeichen 
als Meistermarken, so ein Baum für Baumgarten, ein Hörn für Jäger, eine 
Rose für Rösner u. a. Um vor Mißbrauch zu schützen, hatte jeder Meister 
seinen Stempel in eine Bleitafel einzuschlagen, welche auf der Zunftstube 
aufbewahrt wurde. Solche Tafeln unter Beifügung des Namens haben sich u. a. 
von Ronen 1408, von den belgischen Städten Audenarde, Dendermonde, 
Gent (1454), Lockeren und Tamise erhalten. Von Brüssel werden vier solche 
Tafeln aus Kupfer, davon zwei verzinnt, im dortigen Musee communal auf- 
bewahrt, mit 98, 72, 40 und 30 Stempeln und zugehörigen Meisternamen. 
Das Musee Cluny zu Paris besitzt zwei kreisrunde Platten mit den Stempeln 
der Pächter (Poin^ons d'Orfevrerie, Regie de Fouache 1774—1780 und Regie 
de H. Cauvel 1780—1789). Diese Tafeln, aber auch die vielfach erhaltenen 
„Meisterrollen", in welchen die Meister in der Reihenfolge ihrer Aufnahme 
eingetragen erscheinen, sowie die Meisterbücher erleichtern das Lesen der 
Goldschmiedezeichen. 

Fragen wir uns nun nach diesen allgemeinen Bemerkungen, wie es sich 
mit der Kenntnis der Goldschmiedezeichen in Mähren verhält, so finden wir 
dies Gebiet noch fast ganz unbebaut. Professor Dr. Marc. Rosenberg führt 
in seinem Werke „Der Goldschmiede Merkzeichen" von mährischen Städten 



I 



Die Guldsclimieik'zeiclit'u luil Ijusoinleror Berücksichtigung Mälireus. 311 

einzig Biiinn mit 5 Marken aus dem 19. Jahrhundert an ; und aucli die 
Schrift von K. Knies, „Die Punzierung in Österreich", Wien 18UG, enthält 
auI3er einem Stempel von Ung.-Hradisch aus dem Jnhre 1608 wohl noch 
solche der Städte Brunn, Olniütz, Znaim und Iglau, die jedoch sämtlich dem 
19. Jahrhundert entstaumien. Erst in jüngster Zeit ist es dem Verfasser ge- 
lungen, über diesen Gegenstand neue ^Yeiter zurückreichende Materialien bei- 
zubringen, über welche in einer eben im Drucke befindlichen Schrift „Die 
Punzierung in Mähren" ausführlicher gehandelt wird, als es in den folgenden 
Zeilen, mit Rücksicht darauf, thiß sie als Beitrag dieser Festschrift eingereiht 
zu werden bestimmt sind, möglich ist. Nur auszugsweise kann hier daher das 
Hauptergebnis mitgeteilt werden und müssen Interessenten bezüglich weiterer 
Details, der Zeichen selbst soNvie des Quellennachweises auf die obige Schrift 
verwiesen werden. 

Soweit unsere Kenntnis heute reicht, kommen für Mähren zunächst die 
königl. Städte Brunn, Ülmütz, Znaim, Iglau und Ung.-llradisch, dann die 
Städte Kremsier und Nikolsburg in Betracht. 

1G99 wird berichtet, daß damals in Mähren „in Gold und Silber viel- 
fach ohne Probe gearbeitet wurde"; ebenso muß 1716 der Olmützer 
Kreishauptmann an das Landes-Gubernium berichten, daß die Handelsleute 
„ohne alle Prob" verkaufen und daß „in verschiedenen Herren-Städten 
auf dem landt sich einige goldschmidt aufhalten, welche keinem 
Mittel zugethan, auch öffentlich ihre profession nicht ordentlich erlehrnet 
haben, mithin nach ihrem gefallen das Silber arbeithen und dasszelbe von 
Niemanden probiren, viel weniger, daß es gerecht, signiren lassen." 
1717 wird vorgeschlagen, daß „auf die Verfertigte Avbeith, mittels Eines 
hierzu aigents gefertigten Stempels, nicht allein die Prob Bezeichnet, 
sondein auch der Mährische Adler und unter diesen in denen K (öniglichen) 
Stadien deren Literae initiales, respectu der Herrschaft (liehen) 
Städten undÖrther aber die prima Syllaba oder auch da es dardurch 
nicht zu distinguiren wäre, das ganze orth exprimiret und anneben s 
des Goldschmidts Nahmen und Zunahmen, so die Arbeith Verferttiget, 
per literas initiales geschlagen werden sollte." 

Ähnliche Klagen und Vorschläge kehren auch in den folgenden Jahren 
wieder. 1727 wird insbesondere erwähnt, daß in Loschitz die Juden, in 
Sternberg -ein Büchsenmacher, in Littau ein Kupferschmied verschiedene 
Silbergeschmeide verfertigen und vorgeschlagen, die Arbeit, wann sie prob- 
mäßig befunden, „mit dem zeichen einer Jeden Creysz-Stadt durch 
den mit einem besonderen Aydt belegten Mitmeister oder Puntzirer Signiren 
lassen sollen." 1744 wird vom Landes-Münz-Probierer der Vorgang, nach 
welchem „von dem eingesetzten sogenannten Puntzen- oder Zeichen-Meister 
die verfertigte Silberarbeit adjustiret und mit dem darauf geschlagenen 
Adler als des Landeszeichen oder Wappen die richtige 12löthige Prob 
attestiret werde", als nicht richtig bezeichnet. Nach seinem Vorschlage sollte 
dem alljährlich zu wählenden Punzen^ oder Zeichenmeister der Probpunzen, 
„welcher zugleich nothwendig die Jahrszahl allemahl führen oder 



312 Die Goldschmiedezeicheii mit besonderer Berücksichtigung Mährens. 

entwerffen solle, wieder auf ein Jahr lang behändiget werden." In 
einem zweiten Berichte aus demselben Jahr wird das aus einem Adler be- 
stehende Punzenzeichen als das „uralte und jedermann Bekannte L a n d e s- 
zeichen" bezeichnet und gleichzeitig vorgeschlagen, es alle Jahr neu zu 
verfertigen und um dasselbe die Jahreszahl zu setzen, sowie im Herz- 
schild des Adlers die litera initialis derjenigen Stadt, woselbst die 
Punzierung vorgegangen, einzusetzen. 

1756 wird beantragt, die alten Probpunzen gänzlich abzustellen und 
statt ihrer für die fünf Städte Olmütz, Brunn, Iglau, Znaim und Kremsier 
neue mit merklichem Unterschied von den alten einzuführen und zwar mit 
dem „Wäppel" der Stadt, wo das Gold und Silber gearbeitet worden, dann 
dem Namen des Meisters und der Jahreszahl zu zeichnen; 1758 bei 
Überreichung eines Patentaufsatzes an die k. k. Repräsentation und Kammer: 
Der Punzen solle bestehen aus dem „mährischen Adler, in dem Mittel- 
schild die ersten Buchstaben des Puntzierungsorths, oben die jahr- 
zahl dieses Patents, und unten bey dem Silber die Zahl 12 oder 13 nach 
unterschied des 12 oder ISlöthigen gehalts." 

Aus dem Vorhergehenden könnte man schließen, daß der mährische 
Adler seit „uralter" Zeit und noch in den Jahren 1727 und 1744 das allen 
Städten gemeinsame Punzenzeichen gebildet habe, da erst in dieser Zeit eine 
Änderung desselben beantragt wird. Dem ist, wie wir sehen werden, trotzdem 
nicht so, da für einzelne Städte wie Brunn, Iglau, Ung.-Hradisch und Kremsier 
festgestellt ist, daß sie schon vor dieser Zeit jede ihr eigenes Zeichen hatten. 
Erst von 1769 an tritt, soweit unsere Kenntnis heute reicht, eine feste, ein- 
heitliche Regelung der Punzierung von Amtswegen ein. Wir gruppieren das 
Materiale um die königlichen Städte Brunn, Olmütz, Znaim, Iglau, Ung.- 
Hradisch, dann die Städte Kremsier und Nikolsburg und berücksichtigen 
hauptsächlich nur die „Beschauzeichen", da diese in erster Linie für die 
Lokalisierung maßgebend sind. Die ersten fünf sind Kreisstädte, ihre Zeichen 
galten gleichzeitig für alle übrigen Städte und Orte des betreffendes Kreises, 
in welchem Goldschmiede ansässig waren, das Zeichen von Kremsier galt für 
den ganzen Prerauer Kreis, Nikolsburg hingegen hatte, obwohl es -^um 
Brünner Kreis gehörte, sein eigenes Zeichen. Für den Brünner Kreis sind 
bisher außer in Nikolsburg Goldschmiede nachgewiesen in Austerlitz, 
Butschowitz und Wischau, für den Olmützer Kreis in Littau, Loschitz, 
Mähr.-Neustadt, Schönberg, Sternberg und M.-Trübau ; für den Prerauer Kreis 
außer in Kremsier in Holleschau, Hotzenplotz, Leipnik, Wall.-Meseritsch, 
Neutitschein und Mähr.-Ostrau ; für den Znaimer Kreis in Mähr.-Kromau und 
Schaffa; für den Iglauer Kreis in Groß-Meseritsch und Trebitsch; für den 
Ung.-Hradischer Kreis in Ung.-Brod. 

Brunn. 
Die ältesten und ausführlichsten Nachrichten über mährische Gold- 
schmiede betreffen die Landeshauptstadt. Den aus dem Jahre 1367 stammenden, 
vom Markgiafen Jodok bestätigten Zunftartikeln zufolge, „zahlt Jeder Gold- 



Die Goldsclitniedezeicheu luil l>e.soiulerer Beriieksichliguu!,' Mährens. 313 

Schmied, der zu seiner Arbeit schlechtes und unreines Silber verwendet, 
als Strafe eine halbe Mark Prager Groschen, die dazu verordneten Gold- 
schmie dem eiste r dürfen bei allen Gegenständen, so oft es ihnen gut 
dünkt, das zur Arbeit verwendete Gold und Silber auf die Güte und 
Reinheit prüfen. Auch wenn eine Gold- und Silberwaare nach Ikünn 
zum Verkaufe gebracht wird, so soll sie vor allem von den Goldschmied- 
meistern geprüft werden, ob sie echt sei." Über die Art und Weise, in 
welcher sich die Probe vollzog und ihre Ersichtlichmachung erfolgte, sagen 
uns die Zunftartikel nichts; einige Anhaltspunkte hiefür bieten uns aber die 
um 20 Jahre später, im Jahre 1387 von den Markgrafen Jodok und Prokop 
den Zinngießern bestätigten Artikel. Besteht doch zwischen den Goldschmiede- 
und Zinngießerzeichen eine gewisse Analogie. Laut dieser bestimmten die 
genannten Markgrafen, „dass allwege zwen meister sein sullen unter yn, die 
sullen uns sweren und haben zwei zeichen, unser stat schild von ersten, 
dornach ir beider und ir zeche zeichen, dos ist ein B und darnach sal yeder 
meister sein sunderlich zeichen haben, also das yeczlich werk gezeichnet sein 
sal mit dreien zeichen." 

Ähnliche Bestimmungen wie die Artikel von 1367 enthalten auch die 
vom Bürgermeister, Richter und den drei Räten unterm 8. September 1567 
den Goldschmieden bestätigten Artikel. Darnach „soll ain Jeder Das Sylber 
Arweitn auff die Prob." Was die Beschau betrifft, „soll ain Erbar Handtwerch 
unter Inen erwellen zwo Personen alle Jar, vnd die selbigen her einen 
Ersamen Rath fierstellen, dj sollen ainen aydt thuen, Daszselbige treulichen 
zu besehen. Als wol Dem reychen, als Dem armen. Auch sollen solche Zwoe 
Person macht haben, yn die Werchstatt Zu gehen, Das sylber Zu be- 
schauen, nach yrer gelegenhaitt, auch soll khein Mayster, khein gemachte 
Arweyt ausz der Werchstat nicht geben. Was aber 4 Lott schwer ist. Sonder 
zu denn Geschwornen tragen, Vnd sy das selbige besehen vnd Probieren 
lassen." Die Artikel sagen uns aber auch weiters, worin diese Probe bestand 
und wie sie äußerlich kenntlich gemacht wurde : „Wo es sych Innhalt d Prob 
recht befint, sollen sy das selbige bezeichnen mit der Statt Insigil, 
Vnd darnach soll der Maister d dj Arbett gemacht sein Zeichen auch 
Darneben schlagen." 

Das B, das die Zinngießer als Zeichen ihrer Zeche auf ihre Arbeiten 
zu schlagen hatten, war bei den Goldschmieden nach den zitierten Zunft- 
artikeln nicht vorgeschrieben, dennoch finden wir es später im Wappen des 
Stadt- oder Beschauzeichens, ohne daß wir mit Bestimmtheit sagen könnten, 
seit wann. Da die letzterwähnten Artikel aus dem 16. Jahrhundert durch 
volle zwei Jahrhunderte bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in 
Kraft blieben, so ist von dieser Seite die Möglichkeit einer Feststellung des 
Zeitpunktes nicht zu erwarten. Es kommt uns aber vorläufig ein einziges 
Denkmal, ein im hiesigen Landes- (Franzens-) Museum befindlicher Silberlöffel 
aus der I. Hälfte des 17. Jahrhunderts zu Hilfe, welcher neben einem Meister- 
zeichen ein Beschauzeichen trägt, zweifellos das Brünner Wappen mit dem 
dreimal geteilten Schild, in dessen drittem Balken sich ein B vorfindet. Diese 



314 Die Goldschmiedezeichen mit besonderer Berücksichtigung Mährens. 

Form des Brünner Stadtwappens galt seit 1351 — 1646, vorher bestand es 
aus einem Stadttor. Seit 164G bis heute besteht es aus dem zweiköpfigen 
Adler mit dem alten Wappen im Brustschild, darüber F. III., d. i. Ferdinand III., 
welcher dies "Wappen am 3. Februar des genannten Jahies der Stadt verlieh. 
Dasselbe wird gleich in das Punzenzeichen übergegangen sein, wiewohl wir 
einen direkten Beweis hiefür erst aus dem Jahre 1699 haben, in einer Eingabe 
des Landes-Münz-Probierers an das Landes-Gubernium, in welcher angeführt 
wird, daß sich auf dem Punzen „der doppelte Adler alsz der Königl. 
Statt Brunn Wappen gestochen" befinde. Tatsächlich findet sich auf 
einer Silberschiene aus dem 1683 des Thrones der hl. Maria in der Wallfahrts- 
kirche zu Turas bei Brunn eine Marke, welche den Doppeladler und im 
I'rustschild ein B enthält; zweifellos ist dies das Stadtzeichen von Brunn, 
wenn wir auch eine aktenmäßige Bestätigung hiefür, soweit sie das Vorkommen 
des Buchstabens B erfordert, erst aus dem Jahre 1769 haben. Die Chiffre F. III. 
fehlt, um das Zeichen nicht größer zu gestalten, als unbedingt nötig war. Von 
den Punzen des Jahres 1769 der sieben in Betracht kommenden Städte haben 
sich auf einer Bleitafel Abdrücke erhalten und das Brünner Zeichen zeigt in 
einem länglichen Vierpaß den Doppeladler, im Brustschild den Buchstaben B, 
oberhalb die Zahl 13, d. i. der Feingehalt, rund herum die Jahreszahl 1769. 
Eine solche Tafel mit Abdrücken hat sich auch aus dem Jahre 1770 erhalten; 
das auf derselben vorkommende Brünner Zeichen unterscheidet sich von dem 
vorigen nur durch die Jahreszahl. Die Erneuerung der Punzen geschah jährlich 
und zwar, wie aus einer erhaltenen Rechnung hervorgeht, auch schon in den 
Jahren 1766 und 1767. Die Punzen selbst wurden vom Landes-Münz-Probierer 
geliefert, nicht für Brunn allein, sondern auch für die übrigen sechs Städte, 
von ihm an das Landes-Gubernium, von diesem an die Kreishauptleute und 
von diesen an die Magistrate der betreffenden Städte geschickt. 

Die Zusendung erfolgte auch in den Jahren 1771 — 1774. Obwohl Abdrücke 
der Punzen aus diesen Jahren nicht vorliegen, können wir doch mit Sicherheit 
schließen, daß sie mit Ausnahme der geänderten Jahreszahl ganz dieselbe 
Form gehabt werden, wie jene aus den Jahren 1769 und 1770. 

1774 erhielten die Gold- und Silberarbeiter eine neue Bruderschafts- 
ordnung, auf Grund deren Bestimmungen für das Jahr 1775 fünf neue Prob- 
punzen gefordert wurden : 1. der (ioldpunzen, 2. das zum Goldzeichen gehörige 
Jahreszahl- Wappel, 3. der 15 lötige Silberpunzen, 4. der geringes Silber 
bemerkende Punzen, 5. der Schwertfegerpunzen, 1776 wurden sie mit Aus- 
nahme des ersten und dritten zur Abänderung gefordeit, statt dieser kam 
der 13 Silberpunzen hinzu; gleichzeitig wurde in diesem Jahre, unterm 
16. August, in Stattgebung einer vom Mittel gegen die Aufbürdung geführten 
Klage, welche demselben durch die Tragung der Kosten der Punzen erwachse, 
„die alljährliche Einsendung der abzuändernden Probpunzen zur 
Bestätigung an den Landes-Münz-Probierer nach Brunn abgeschafft, indem 
es genüge, wenn die in Landstädten befindlichen Gold- und Silberarbeitermittel 
ihre Punzen nur dem Ortsmagistrat vorzeigen." 



Die GolclschtniodezoR'lieii mit besoiuU'rcr lHM-üfksicUUL,'ung Mährens. 315 

Eine genossenschaftliche Silberpunze aus dem Jahre 1806 zeigt in der 
Mitte den Adler, oben die Feingehaltszahl IS, zu beiden Seiten die Jahres- 
zahl 1S06 und unten den Buchstaben li. 

1807 — 18G6 ist /' der Amtsbuchstabe des k. k. Filialpunzierungsamtes, 
1866 — 18G8 B der Amtsbuchstabe des Punzierungsamtcs Brunn, 1809 bis 
heute A^. der Amtsbuchstabe der Punzierungsstätte, d. i. des k. k. Ilaupt- 
zollamts Brunn, welches seit 1872 dem Hauptpunzierungsamt Wien untersteht. 

Olmütz. 

Nicht so weit zurück als bei Brunn reichen die Nachrichten bezüglich 
der ehemaligen Landeshauptstadt. Vorderhand können wir als älteste Marke, 
und diese nur aus einem Siegelabdrucke, das Meisterzeichen des Goldschmiedes 
Martin Baum gar tner, des Verfertigers des silbernen Sarkophags des hl. 
Markgrafen Leopold im Stifte Klosterneuburg, welcher 1549 von ihm 
begonnen und 1553 von Christian Miller (Müllner) vollendet wurde; es 
enthält einen Baum und über demselben die Buchstaben MB (in Ligatur). Eine 
Erwähnung von Olmützer Proben finden wir erst 1G91 in dem „Inventarium" 
des Paramenten- und Silberschatzes des Olmützer Bischofs, Karl Grafen von 
Liechtenstein. 1716 wird ausdrücklich von 12 lötiger Probe gesprochen 
und berichtet, daß das Probzeichen aus dem „bey hiesziger Stadt führenden 
Adlers nebst dem Namen des geschwornen Probierers" bestehe. Ebenso 
wird uns 1727 berichtet, daß „w^ann die arbeith Probhaltig befunden wiidt", 
sie mit dem Stadtadler bezeichnet werden müsse. 

Für das Jahr 1755 glauben wir das erste Olmützer Beschauzeichen aut 
der Rokoko-Monstranz der Pfarrkirche zu Mistek zu erkennen. Es besteht aus 
einem nach rechts gewendeten einköpfigen Adler, um welchen herum sich die 
Jahreszahl 1755 befindet, und an Stelle des Herzschildes direkt in den 
Adlerleib gleichsam ornamental eingeordnet ein 0, wenigstens glauben wir, 
daß diese Deutung richtig ist. 

Die erste unzweideutige Marke entstammt erst dem Jahre 1769; sie 
unterscheidet sich von der vorigen nur dadurch, daß der Adler nicht Nvie dort 
einer Ellipse, sondern einem gestreckten Vierpaß eingeordnet erscheint, das 
in einem Brustschild vorkommt und über dem Adler die Feingehaltszahl 13 
angebracht ist. Sowohl diese Marke als auch jene des Jahres 1770 ist uns 
in einem Bleiabdruck erhalten, beide unterscheiden sich von einander nur 
durch die Jahreszahl. 

Für die Jahre 1771—1776 gilt im wesentlichen dasselbe, was wir über 
die Zeichen der Stadt Brunn gesagt haben. 

1804 wurde die Punzierung beim Magistrat vorgenommen, 1807—1866 
gab es hier eine Punzierungs-Substitution mit dem Amtsbuchstaben jP,, 1813 
eine eigene 13 lötige Silberpunze; 1860—1868 bildete A den Amtsbuchstaben 
der Punzierungsstätte, d. i. der Berghauptmannschaft in Olmütz, welche dem 
Punzierungsanit Brunn unterstand, seit 1869 bis heute ist A^ der Amts- 
buchstube der Punzierungsstätte, d. i. des Steueramts in Olmütz, welche 
seit 1872 dem Hauptpunzierungsamt Wien untersteht. 



316 Die Goldschmiedezeichen mit besonderer Berücksichtii,ning Mälirens. 

[ Znaim. 

Aus dem Jahre 144G ist uns der Wortlaut der Ordnung der Goldschmiede 
erhalten, doch erfahren wir aus derselben nichts über dia Piinzierung ihrer 
Arbeiten, 1579 hatten die Goldschmiede keinen geschworenen Meister und 
bildeten keine eigene Zeche. Erst 1717 wird uns berichtet, daß ^Bieszanheio 
Bey diser Königl. Stadt von denen Goldtschniieden eine eigentliche prob 
nicht angehalten, sondern dasz Silber gut und schlecht, gleich wie die 
Leuthe solche Ihnen goltschmieden überandtworthet, auch ohne aller 
Zeichnung verarbeitet worden seye." Gleichzeitig wird empfohlen, generaliter 
die 12 lötige Probe einzuführen, sowie die Anschaffimg einer Probiernadel 
für jede Stadt, ferner für jeden Magistrat und Stadtrat die Einführung eines 
beständigen Stempels oder „darvon doch wenigist ein gewisses 
Stükh (vergl. p. olO), wie nicht weniger die littera initial is eines 
jedweden goltschmiedes nahmen und zunahmen nebst dem 
numero 12 xmb ausz dem Letztern, dasz das silber 121öttig seye, abnehmen 
zu Können." 1727 hören wir bereits, daß „allhier die 12 Löthige Prob ein- 
geführet, und mit der gemain Stadtzeichen geschlagen worden" sei. 

Für das Jahr 1769 kennen wir das Punzenzeichen aus einem erhaltenen 
Bleiabdruck; es bestand aus dem einköpfigen Adler mit dem Buchstaben Z 
im Brustschild, um denselben herum die Jahreszahl 176'J und oben die Fein- 
gehaltszahl 13. Dieselbe Form hat auch das Zeichen aus dem Jahre 1770, 
unterscheidet sich von demselben nur durch die geänderte Jahreszahl und 
dadurch, daß das Z im Brustschild negativ, also in der Gestalt \ erscheint. 

Für die Jahre 1771—1776 gilt im wesentlichen das bei Brunn Gesagte. 

1804 geschah die Punzierung durch Mittelszeichenmeister; 1807—1866 
bildete F^ den Amtsbuchstaben der Punzierungs-Substitution Znaim. 

Iglau. 

1548 ordnete der Reichstagsabschied an, daß jede für echt geltende Ware 
mit dem Stadtzeichen zu punzieren sei. Das Stadtwappen bildete im vor- 
liegenden Falle ein Igel, entweder allein oder in Verbindung mit dem 
böhmischen Löwen, aber auch der böhmische Löwe allein. Aus den auf p. 310 
angeführten Gründen dürfte man sich auch in der Zeit, wo die Stadt den 
Igel und böhmischen Löwen gleichzeitig im Wappen führte, für das Beschau- 
zeichen nur des Igels bedient haben, umsomehr als wir auch bei Zinnarbeiten, 
die doch über größere glatte Flächen verfügen, soweit bisher unsere Kenntnis 
reicht, immer nur den Igel verwendet finden. 

1603 erzählt der Chronist Leupold von einem Geschenke, das die 
Stadt Iglau dem Kaiser Rudolph II. gemacht habe und das in einem 
„Silberkuchen als primitiae (Erstlinge) ihres neuen Perkwerchs" bestand. Er 
wog 28 Mark Silber und hatte einen Wert von 230 Talern. „Auff die 
Kuchen ist der Stadt Iglaw wappen ein Igl geschlagen worden." 

1716 wird berichtet, daß „dasz prob Zeichen allhier nicht uon denen 
geschwohrnen vorgeheren der goldtschmiden privatim (wie solches dem ver- 
nehmben nach in villen andern orthen beschiehet) auf die verferttigte prob- 



Die Golilscluniedozeichon mit l)oson(lerer IJorücksitlitif^ung' Mährens. 317 

massige arbeit geschlagen werde, sondern man verrichtet solches allhier auf 
dem Rathhausz", wo . . . „vermittelst des zue dem ende aigentleissig ver- 
ferttigt und dort allstetts verwahrlich aufbehaltenden stempeis, das gewöhn- 
liche Stadt- Wappen, das ist, einen Igl darauf schlag (en) lassen, war- 
neben auch der Goldtschmid seinen Nahmben beyruckhet." Ähnlich 
wird 1728 berichtet, daß „dasz sylber mit der Nadel probiret, dann auf dem 
alhiesigen Raths-Hausz das Probzeichen nemblich Ein ygel 12 Löthig ein- 
geprägt würdt." 

Das für 1769 amtlich vorgeschriebene Zeichen enthält nach dem erhaltenen 
Bleiabdruck auch den Igel, darauf den Buchstaben 7, rund herum die Jahres- 
zahl 1769 und oben die Feingehaltszahl 13. Ganz dieselbe Form weist auch 
das Zeichen für das Jahr 1770, ein Unterschied besteht nur in der geänderten 
Jahreszahl. 

Für die Jahre 1771 — 1776 gelten im wesentlichen die bei Brunn 
gemachten Angaben. 

1804 geschah die Punzierung beim Magistrat. 1807—1866 war Fi das 
Zeichen der Punzierungsstätte, 1866—1868 war D,, 1809 bis heute ist ^^ der 
Amtsbuchstabe der Punzierungsstätte, d. i. des Steueramts Iglau, welches 
seit 1872 dem Hauptpunzierungsamt Wien untersteht. 

U n g.-II r a d i s c h. 

Das älteste uns bekannte Beschauzeichen ist eine genossenschaftliche 
Silberpunze aus dem Jahre 1608 mit dem Stadtwappen, das von dem heutigen 
etwas abweicht. Aus dem Jahre 1709 kennen wir eine Zinngießermarke, 
welche das vollständige Wappen der Stadt in jener Form zeigt, wie es heute 
noch geführt wird; ob auch das Goldschmiedezeichen ganz dieselbe Form 
hatte, bleibt fraglich, ja ist sogar mit Rücksicht auf die auf p. 310 zitierte 
Stelle aus dem Jahre 1716, laut welcher hiefür das kleine Stadtwappen 
empfohlen wird, zweifelhaft. 

1769 gab es hier einen einzigen Goldschmied Kaspar Schweda, 
welcher laut eigener Aussage „seine Arbeit selbst ge prob et" hat; die 
Punzen, deren er sich hiebei bediente, waren „einer mit den ersten Buch- 
staben seines Nahmens und zunahmens C und S\ der andere „mit denen 
Buchstaben K: S: IT:, d. i. Königliche Stadt Hradisch, unten aber mit der 
Zahl 12 und dem Buchstaben L, d. i. zwölflöthig bezeichnet." Für die Folge 
wurde jedoch beantragt, „dass der Punzen beim Magistrat aufbewahrt und der 
einschichtige Gold- und Silberarbeiter seine Arbeiten unter den Augen des 
Magistrats abstempele und dieseswegen ein für Alle Mal beeidet werde." Das 
im selben Jahr noch vorgeschriebene amtliche Zeichen bestand nach dem 
erhaltenen Bleiabdruck aus dem kleinen Stadtwappen, d. i. einem Stadttor 
mit Fallgitter, innerhalb des Tores der Buchstabe H, oben und unten die 
Jahreszahl 1769, ganz oben die Feingehaltszahl 13. Mit diesem Zeichen stimmt 
im wesentlichen auch das des Jahres 1770 überein, der Unterschied besteht 
nur in der geänderten Jahreszahl. Für die Jahre 1771-1776 gelten wieder 
im wesentlichen die bei Brunn gemachten Angaben. 



318 Die Goldschmietlezeichcn mit besonderer Berücksichtigung Mährens. 

K r e m s i e r. 

1689 gestattet der Fürstbischof Karl von Liechtenstein dem der 
Brünuer Zeche einverleibten Goldschmied Hans Jakob Bärnkopf auf sein 
Ansuchen, die Probe mit den „Säulen oder Pyramides" des fürstlichen 
Wappens anzuschlagen, „wenn er sich der in Mähren gebräuchlichen Probe 
von 12 Lot bedienen werde." Das bezügliche Punzenzeichen wird im wesent- 
lichen die Form gehabt haben, welche uns aus den Siegelabdrücken zweier 
Goldschmiede aus dem Jahre 1769, des Georg Christoph und Anton Kaspar 
Grotte, deren sie sich bis zur Erlassung der amtlichen Punzen bedient 
haben, bekannt sind; dieselben bestehen aus zwei Reihen übereinander 
gestellter, in den geteilten Schild eingeordneter gleichschenkliger Dreiecke, 
und zwar enthält ihrer die obere Reihe vier, die untere zwei. Ein Unterschied 
wird nur in der Schildform bestanden haben. 

1699 wird berichtet, daß die zwei Goldschmiede, welche man unerwartet 
in ihrer Werkstatt überrascht habe, meldeten, daß sie „auf ihre verfertigte 
Arbeit keine probe, wohl aber ihren Namen schlagen Thäten, Sie 
hetten auch zwar Von Weyl. Sr. Fürötl. Gnaden Seein, andenckens die 
Erlaubnis 12 Löthig zu arbeiten, und die Probe gleichmässig darauf zu 
schlagen." 

Von dem 1769 erlassenen amtlichen Probpunzen wird ausdrücklich 
gesagt, daß derselbe für den gesamten Prerauer Kreis, also auch für 
die zu demselben gehörigen Städte Holleschau, Hotzenplotz, Leipnik und Wall- 
Meseritsch gelte. Nach dem erhaltenen Bleiabdruck unterscheidet sich dieser 
Punzen von dem früheren wesentlich; er enthält in einem Wappenschild die 
zwei Winzermeeser des Die t richstein'schen Wappens, darunter den Buch- 
staben C, d. i. Cremsier, außerhalb die Jahreszahl 1769 und ganz oben das 
Feingehaltszeichen 13. Hievon unterscheidet sich der für 1770 vorgeschriebene 
Probpunzen dadurch, daß das unterhalb der beiden Winzermesser vor- 
kommende C durch ein K ersetzt erscheint und außerdem durch die geänderte 
Jahreszahl. 

Auch hier gelten für die Jahre 1771 — 1776 im wesenthchen die bei 
Brunn gemachten Angaben. 

Nikolsburg. 

1699 haben sich die um diese Zeit dort befindlichen Gold-, Silber- und 
Filigranarbeiter „keiner gewissen Prob" bedient. Das 1769 amtlich vor- 
geschriebene Punzenzeichen, das uns ebenfalls in einem Bleiabdruck erhalten 
ist, enthält das Wai^pen der Stadt, eine Burg nebst dem Buchstaben N, 
außerhalb des Schildes die Jahreszahl 1769, ganz oben die Feingehaltszahl 13; 
dieselbe Form hat im wesentlichen auch das Zeichen des Jahres 1770. Für 
die Jahre 1771 — 1776 gelten im wesentlichen wieder die bei Brunn gemachten 
Angaben. 



^^a^-«- 



Anleitung,' zur Kunstbetraclitung in den oboren Ivlasseii der MiUelschulen. 3X9 

Anleitung zur Kunstbetrachtung 

in den oberen Klassen der Mittelschulen. 

Von Professor Dr. Josef Strzygowski. 

|er Ruf nach kiiiistlorischer Bildung- wird heute nligemein hiut. Mau will 
^zf^i> bei der Schule einsetzen und ist einig darüber, daß es sich dabei nicht 
wieder um Geschichte, sondern um die Kunst selbst handeln müsse. Meines 
Erachtens wird es vor allem auf die Erziehung zum Sehen und zum ge- 
ordneten Überdenken des Beobachteten ankommen. Ob solcher Anschauungs- 
unterricht nun an Kunst oder Natur geübt wird, scheint mir zunächst ganz 
gleich. Das Sehen der Form und ihrer Wandlungen im AVechscl der Umgebung, 
das Miterleben ihres Inhaltes, das Verstehen ihrer Sprache und ihres Aus- 
druckes, kurz das Erfassen des Wesens der Dinge in Natur und Kunst, das 
ist es, worauf es ankommt. Es soll wieder gelehrt werden, mit unseren fünf 
Sinnen Erfahrungen zu sammeln, nicht nur aus Büchern zu lernen. Ich kiumtc 
mir denken, daß mau bis zum Aufsteigen in die oberen Klassen der Mittel- 
schulen bei diesem Wecken der Sinne und der Übung im Beobachten stehen 
bliebe. Die Kunst wäre dabei nicht nur als Mittel des Nachweises heran zu 
ziehen, was man in Natur und Leben finden kann, sondern vor allem auch 
datTir. daß das Gesehene und Empfundene faßbar gemacht, wiedergegeben, dar- 
gestellt werden kann. Für verderblich halte ich jedes zu starke Hervorkehren 
nationaler oder wirtschaftlicher Absiebten durch ausschließliches Heranziehen 
der heimischen Kunst und Natur oder die Berührung moderner Streitfragen. 

Im nachfolgenden möchte ich ein Beispiel dafür geben, wie ich mir den 
Anschauungsunterricht in den oberen Klassen der Mittelschulen eingerichtet 
denke. Auf dieser Stufe könnte zur Vermittlung von Eindrücken über- 
gegangen werden, die den Schüler auf die in der bildenden Kunst herrschende 
Gesetzmäßigkeit aufmerksam machen. Erst auf der Hochschule wäre dann 
Bestand und Wandel dieser Gesetze au der Hand der Geschichte vorzunehmen. 
Ich habe eine solche Einführung, die Sache der oberen Klassen der Mittelschule 
ist, seit dem Eintritt in das Lehramt der Universität d. i. seit 1887 ständig 
in der Form von Übungen in der Methodik der Kunstbetrachtung für Anfänger 
angesetzt. Wenn ich heute einen an der Mittelschule gemachten Versuch vor- 
lege, so geschieht es, weil das Komitee dieser Festschrift von drei zur Wahl 
gestellten Gegenständen gerade diesen wählte und mir durch das freundliche 
Entgegenkommen des Herrn Direktors Dr. A. F. Reibenschuh die Ge- 
legenheit geboten war, in der siebenten Klasse der k. k. Staatsoberrealschule 
in Graz eine Probe machen zu dürfen. Ich fand die Schüler überraschend reif 
und würde heute lieber etwa in die fünfte Klasse gehen. Es ist viel zu viel, 
was ich in der einen Stunde durchgepeitscht habe. Damit ließe sich ein 
Semester füllen. Denn der Lehrer soll die Fragen nicht zu scharf stellen und die 
Antwort nicht zu rasch fordern : gerade eine gewisse spielende Art, ein Herum- 
sehen, Abspringen, Zurückkehi-en ist notwendig ; nur so macht das nachträgliche 



320 Anleitung zur Kunstbetrachtung in den oberen Klassen der Mittelschulen. 




M e u ü i e r : Mäher. 



Anleitung zur Kunstbetrachlung in den ol)cren Klassen der Mittelschulen. 321 

Erkennen der GesetzuiäUiykeit einen bleibenden Eindruck. Deshalb muß auch 
von vornherein der AVej;' von Fraise und Antwort eini!,eschlai;en werden. 

Ich teile hier das wenig' überarbeitete Stenogramm des Schülers 
F. Reisner mit. Jeder Teilnehmer bekam ein IJlatt der nebenstehend 
abgebildeten Photographie in die Hand. Ich habe einen Schüler vorgenommen 
und meine Fragen au ihn gerichtet, zugleich aber die anderen aulgeiordert, 
dreinzureden, talls der eine die Antwort schuldig bliebe. 

Der Mäher v o u M e u n i e r. 

L(ehrer): Was sehen Sie da dargestellt? 

Sch(üler) : Einen Bauer, der mäht. 

L. : Wollen Sie ihn besehreiben. Sehen Sie sich ihn näher an. 
Seh. : Er ist halb nackt, die Ärmel sind aufgestreift, das Hemd ist auf 
der Brust oÖen .... (SLockt). 

L. : Gut, ja. Aber glauben Sie, daß es vom künstlerischen Standpunkt 
aus darauf in erster Linie ankommt? Wie steht er da? 

Seh. : Er ist nach links vorgebeugt. Er steht auf dem linken Fuße und 
hat den rechten nach rückwärts gestellt. Er hält mit beiden Händen die Sense. 

L. : Sieht man die Sense ganz ? 

Seh.: Man sieht nur den Stil mit den Griffen und die Ansatzstelle des 
Messers. 

L. : Wodurch ist das Messer verdeckt? 

Scb. : Durch den Sockel. 

L. : Meinen Sie ? Sehen Sie keine Anhäufung da ? 

Rufe: Ja, Gras! 

L. : Wie ist die Brust gestellt? 

Seh: Die Brust ist nach vorn gewendet und halbnackt. 

L. : Wie sieht man die anderen Körperteile ? 

Seh.: Der Unterkörper wird von der Seite gesehen. Der Kopf auch; 
er blickt nach unten. 

L. : Eine eigentümliche Anordnung. Glauben Sie, daß man jede Haltung, 
jeden Augenblick einer Bewegung für die künstlerische Darstellung nehmen kann ? 

Seh. : Nein. 

L. : Warum nicht? 

Seh.: Man kann nur einen einzigen Moment herausgreifen, weil die 
Haltung in jedem Augenblicke wechselt. Vieles könnte man nur beschreiben. 

L. : Gewiß. Aber wie geht der Künstler bei der Wahl dieses Augen- 
blickes vor? 

Seh.: Er wird einen solchen nehmen, der für die Darstellung am 
günstigsten ist. 

L. : Wie kommt er dazu ? Wovon geht er dabei aus ? (Dauerndes Schweigen.) 

L.: Von der Beobachtung. Der Künstler muß die Dinge beobachten; 
auch der Beschauer, will er urteilen, muß Natur und Leben bewußt (besser 
noch unbewußt!) beobachtet haben. Glauben Sie, daß es damit getan ist, wenn 
ich mir ein schönes Modell nehme? Ist das schon eine künstlerische Leistung? 

21 



322 Anleitung zur Kunstbetrachtung in den oberen Klassen der Mittelschulen. 

Es wird doch noch etwas anderes in Betracht kommen. Von welchen Gesichts- 
punkten ist also der Künstler im gegebenen Fall ausgegangen? 

Seh. : Er hat einen Moment gewählt, in dem miiglichst viel Handlimg 
vereint und worin ein Gesamtbild gegeben ist. 

L, : . . . . Haben Sie schon einmal einen Mäher gesehen ? Worauf kommt 
es beim Mähen an? 

Seh.: DaU die Sense fast den Boden berührt... und ... daß sie dem 
Boden parallel geführt wird. 

L.: Worauf also bei der Körperhaltung? 

Seh. : Der Kih-per ist zum Boden geneigt, der Oberkörper muß gedreht 
werden. 

L. : Was ist's mit den Beinen ? 

Seh.: Um eine bessere Stütze zu gewinnen, muß der Mäher die Beine 
auseinanderspreizen. . . . Der linke Fuß bleibt stehen, der rechte dreht sich 
mit dem Oberkitrper. 

L. : Die Arme? 

Seh.: Die Arme werden immer mehr oder weniger parallel gehen, weil 
der Abstand der Grifte immer derselbe bleibt. 

L.: Und der Blick? 

Seh. : Er folgt ernst der Sense. Der Künstler drückt das hier drastisch 
aus. Man sieht ein Aufgehen in der Arbeit. Der Blick ist starr auf die 
Schneide gerichtet, der Mund geöffnet. 

L. : Haftet der Blick hier wirklich auf der Sense? 

Seh. : , . . Nein. 

L. : Liegt darin etwas Unnatürliches ? 

Seh.: Nein. 

L. : Welcher Moment im Verlaufe des Mähens ist nun also dargestellt? 

Seh. : Hier ist die Mitte des Bogens dargestellt. 

Rufe : Nein, das Ende. 

L. : Woraus geht das hervor? 

Rufe: Die Sense ist mit Gras bedeckt. Die Brust ist nach vorn gewendet. 
Im nächsten Moment dreht er sich zurück. 

L. : Gellt der Mäher unmittelbar aus dem Schwünge in die Rückwärts- 
bewegung über? Tritt nicht zwischen dem Ende der einen Bewegung und 
dem Einsetzen dieser neuen ein Augenblick der Ruhe, ein toter Punkt ein? 
Ist das nicht schon mechanisch begründet? 

Rufe durcheinander, zustimmend. 

L. : Lassen wir das. Sie sehen, der Künstler hat einen Augenblick 
gewählt, wo der Körper mitten in der reichen Folge von Bewegungen einen 
Aug^enblick starr bleibt. Gehen wir nun weiter. Finden Sie nicht, daß in der 
Bewegung des Körpers gewisse Richtungen hervortreten? (Schweigen). 

L. : Sehen Sie nicht, daß der Rumpf und der rechte Fuß die gleiche 
Richtung haben? (Zustimmung). Finden Sie dazu wohl nicht eine zweite Haupt- 
richtung? (Schweigen). 



Anleitung zur KunstlietiachUiiii; in den oberen Klasson der MitU'lscliulen. 323 

L. : Nim? Geht die Sense nicht nach der andern Diai;onalc? (Zusiimmuni,''). 
Fällt Ihnen sonst nichts auf? (Schweigen,). Macht die FijAiir einen rnhi^en 
oder nnrnhigen Eindruck? 

Seh. : Einen ruliiiien. 

L. : Wodurch ist dieser ruhige, g-eschlossene Eindruck erzielt? 

Seh. : Die Gliedmaßen sind in die Nähe des Kiu-pers gestellt, 

L. : Wohl; aber sehen Sie nur zu. Gehen die Kichtungen auseinander? 

Rufe: Nein, die Anne sind parallel zum Runipl! 

L. : Sehen vSie sonst nichts ? 

Seh.: Der Oberschenkel des linken Fulies geht parallel zur Sense. 

L. : Nun, sehen Sie, dadurch tritt eine Beruhigung der ganzen Gestalt 
ein. Bleiben außer den genannten sonst Linien von eigener Richtung übrig? 

Seh. : Ja, der Unterschenkel des linken Fußes. 

L.: Sonst nichts? 

Rnfe: Der linke Oberarm und die Schulter. 

L. : Was sind das für Richtungen? 

Seh.: Die horizontale und vertikale. 

L. : Also die Koordinaten. Glauben Sie, daß das Zufall ist? Wovon 
sind die Koordinaten der Ausdruck? (Sdiweigen). 

L. : Vom statischen Gleichgewicht. Dadurch, daß der Künstler diese Tiinien 
andeutet, gibt er dem Beschauer einen aus dem eigenen Leben und Bewegen 
gewohnten Maßstab. Man empfindet ihnen gegenüber doppelt das lebendige 
Spiel der Kräfte. Sehen Sie nur, wie sehr die Horizontale durch den sehnigen 
Hals verstärkt ist. Das ist alles nicht zufällig. - Wir haben bis jetzt die Linien 
und ihre Richtungen beobachtet. Finden Sie nicht, daß auch in der Führung 
der Flächen, in ihrem räumlichen Zusammenwirken ein gewisser Einklang 
vorliegt ? 

Seh. : Der Künstler muß darauf denken, daß der Beschauer eine solche 
Stellung zum Bilde einninmit, daß er alles sehen kann. Deshalb ist der Ober- 
körper dem Beschauer zugewendet. 

L. : Glauben Sie? Der Künstler muß allerdings auch an den zukünftigen 
Beschauer denken ; al)er der Beschauer muß auch durch Beobachtung heraus- 
finden, von welchem Standpunkt aus ein Kunstwerk in erster Linie betrachtet 
sein will. Im gegebenen Fall kann darüber kein Zweifel sein. Doch darauf 
kann ich heute nicht eingehen. Sehen Sie sich das P>il(lwerk auf die Stellung 
der einzelnen Flächen des Kinpers zu einander an. 

Seh.: Die Brust ist nach vorn dem {'.cscliaucr zugewendet. 

L.: Sonst nichts? 

Rufe : Der Kopf in Seitenansicht. 

L. : Liegen nicht auch die Arme und die Füße ungefähr in derselben 
Ebene? 

Rufe: Die Sense auch. 

L. : Nicht wahr? Nun, sehen Sie. Wie in der Linienführung eine gewisse 
Überlegung hervortrat, so auch in der Anordnung der Flächen. Der Künstler 
beruhigt die Figur räumlich, indem er die Körpei-fläeheu möglichst in einer 

21* 



324 Anleitung zur Kunstbetrachtung in den oberen Klassen der Mittelschulen. 

Kichtniii;' und nahe um eine Ebene sannnelt. Dadurch kommt erst recht der 
Kiiidnick der CJeschh)Ssenlieit licrans. Fassen wir zusammen. Wir landen eine 
^■ewissc GesctzmäOii;keit : 1. In der Wald des Momentes der llandhmg- auf einen 
toten Punkt hin; darin lieiit Ruhe, ehva.s Bleibendes. Man begreift unwillkürlich, 
wie die Statue diesen .Moment dauernd lesthalten kann. 2. In der Einführuni;' 
der Koordinaten ; darin liei;t die Andentuni;- der Fimdamcntalkräfte. Sie 
dienen als Maßstab für das Emi)lindcn der Plauptrichtungen. 3. Das Parallel- 
führen der Linien und Sammeln der Flächen in eine Ebene ; dies geschieht znr 
Peruhiiiung des Eindruckes und zur Erziclung einer geschlossenen Wirkung, 
flacht unser l»ihhverk trotz all dieser feinen Überlegunigen einen unnatürlichen 
Eindruck, posiert der ]\Iäher? 

Rufe: Nein! 

L. : Sehen Sie, daraufkommt es beim Künstler an: trotz aller Forderungen 
der Kunst darf er nicht unnatürlich wirken. Bei aller Überlegung' darf die 
Unnnttelbarkeit des ersten Eindruckes nicht verloren gehen. Das Werk muß 
ungezwungen, selbstverständlich aussehen. Dazu gehört ausgezeichnete Be- 
obachtung und sehr viel Begabung. Versuchen Sie nur einmal, solche nach 
allen Seiten befriedigende Motive zu finden. 

Der Mäher, den ich Ihnen hier gezeigt habe, ist von einem modernen 
Künstler, einem P)elgicr ausgeführt. Sie dürfen aber nicht glauben, daß man 
die daran beobachteten Gesetze erst heute entdeckt hat. Diese sind bekannt, 
seit es eine Kunst um der Kunst willen gibt. Als Beweis möchte ich Ihnen 
eine altgriechische Statue vorführen. 

Der Diskos werf er des Myron. 
(Jeder Schüler bekomint wieder ein Exemplar der Alibildung in die Hand und kann sie 

neben die des Muhers legen). 

L, : Was ist hier dargestellt? 

Seh. : Ein Jüngling-, der einen Diskos schwingt. 

L. : Wie macht er das? 

Seh.: Er faßt die Scheibe mit der rechten Hand, holt nach rückwärts 
aus und schleudert sie dann nach vorn heraus. 

L.: Und die Füße? 

Seh.: Der rechte Fuß steht fest; der linke folgt der Bewegung, um 
sie nicht zu behindern. 

L.: Und der Blick? 

Seh. : Er ist dem Beschauer zugewendet. 

L.: Sie sehen, in der Bewegung eines Diskoswerfers liegt viel Verwandtes 
mit der des Mähers. Was sich bei letzterem in einer horizontalen Ebene ab- 
spielt, geht hier in der vertikalen vor sich. Welchen Augenblick hat nun der 
Künstler beim Di.skobol gewählt? 

Seh. : Das Au.sholen vor dem Hinausschleudern. 

Ein anderer Schüler: Wie beim Mäher ist auch hier der tote Punkt vom 
Übergang aus einer Bewegung, dem Ausholen, zur andern, dem Schleudern, 
dargestellt. 



Anleitung zur Kunstbetrachluni? in den oberen Klassen der Mittelschulen. 325 




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M y r n : Diskoswerfer, 



326 Anleitung: zur Kunstbetrachlung in den oberen Klassen der Mittelschulen. 

L. : Nim, sehen Sie. Das ist also das gleiche wie beim Mäher. Und wie 
ist CS mit den Richtimg-slinieu? 

Seh. : ... Der Körper ist im Zickzack gegeben. 

L. : Gewiß. Aber daraus geht schou hervor, daß immer zwei Linien 
parallel gehen. Welche sind das? 

Seh. : Der erhobene rechte Arm und der rechte Oberschenkel, die Brust 
mit dem Kopf und der linke Unterschenkel. 

L. : Was bleibt übrig? 

Seh. : Der rechte Unterschenkel und der linke Arm. 

L. : Sind das wie beim Mäher die Koordinaten ? 

Seh.: Nein. 

L. : Der Arm nähert sich vielleicht der Vertikalen. (Der Baumstumpf gehört 
nicht zur Statue. Er ist erst beim Kopieren des Pironzeoriginals in Marmor 
zugefügt ATorden). Die Horizontale aber fehlt sicher; es sei denn, daß man 
sie im Postament angedeutet sehen will. Wenn Sie sich einmal mit Kunst- 
geschichte befassen, dürfte ihnen klar werden, daß das nicht nur am Motiv 
liegt, der Schöpfer des Diskobol vielmehr überhaupt noch nicht recht auf die 
Koordinaten achtet. Erst nach M y r o n kommt jener große Künstler P o 1 y kl e t, 
der die Gesetze der Statik und Bewegung in ihren einfachsten und aus- 
schlaggebenden Grundzügen beobachten lehrt. Doch das gehört nicht hieher. 
Wie steht es mit der Sammlung der Flächen des Körpers in eine Ebene? 

Seh. : Die Brust ist wieder nach vorn gekehrt. Die Füße stehen hinter 
einander. 

L. : Sie würden im Original oder einem Abguß beobachten können, daß 
der Oberschenkel etwas flach gedrückt ist. Das geschah absichtlich. — Wie 
ist es mit den Armen, der Scheibe und dem Kopf. 

Seh.: Sie alle liegen in derselben Ebene. 

L. : Ja, aber der Kopf ist hier im Gegensatz zum Mäher in reiner 
Vorderansicht gegeben. Auch das wirkt flächenhaft. Sie sehen also, der 
griechische Künstler verfolgt fast genau dieselben Gesetze wie der moderne. 
Ea läßt sich nachweisen, daß das, zum Teil Avenigstens, so zu erklären ist, 
daß Meunier die Antike genau studiert bat. Die entwickelten Gesetze aber 
gelten fVir eine gewisse Art von Bildwerken ganz allgemein. 



L. : Gehen wir nun in der Betrachtung weiter. Sie haben die Beschreibung 
damit begonnen, daß Sie sagten, der Mäher sei halbnackt. Ist das richtig? 

Seh.: Nein. 

L. : Also sehen Sie ihn genauer au. Wie ist er bekleidet? 

Seh.: Die lirust ist nackt, die Hemdärmel heraufgestreift. 

L.: Das haben Sie auch schon gesagt. Sehen Sie nicht, daß er Hosen 
anhat ? 

Seh. : Ja. Sie sind eng und in die Schuhe gesteckt. 
L. : Haben Sie das nicht früher gesehen? 
Seh. : . . . Nein. 



Anleitung zur Kunslbetrachtung in den oljeren Klassen der Millelschulen. 327 

L.: Das ist merkwürdig. Es erklärt sich daraus, dal-5 man Nebeusäcii- 
liclies, das iu der Natur sofort auffällt, iu einem aul" ciulieitliclie Wirkung 
berechneten Kunstwerke leicht übersieht. Die Hosen sind eng genommen, um 
Form und Struktur des Kih-pers klar hervortreten zu lassen. Welcher Gesell- 
schaftsklasse gehört der Manu au. 

Seh. : Es ist ein Arbeiter. 

L.: Alter? 

Seh. : Mittlere Jahre. 

L. : Geistige Fähigkeiten ? 

Seh.: Gering. 

L. : Nicht wahr, es liegt etwas Stumpfes, Mechanisches im Kopf? Der 
Mann arbeitet wie eine Maschine, unfrei. Wie ist's mit dem andern Bildwerk, 
dem Diskoswerfer ? 

Seh. : Es ist ein Jüngling von kräftig gebautem Körper. 

L. : Ist es ein Arbeiter ? 

Seh. : Nein. 

L. : Ist der Kopf durchgeistigt ? 

Seh.: Nein. 

L. : Nicht wahr, es liegt aber auch nicht jeuer Zug von Unfreiheit und 
Druck darauf. Der Kopf ist mehr rund und voll, während beim Mäher alles 
eckig und derb ist. Sehen sie darauf hin einmal die Arnmiuskeln an. 

Seh. : Beim Mäher sind die Arme mehr muskulös und die Knochen 
treten hervor, während die Arme des Diskoswerfers mehr rund sind. 

L. : Ja, beim Diskobol ist alles hübsch gepolstert, beim Arbeiter alles 
hart und mager. Wie würden sie das mehr allgemein gefaßt ausdrücken? 

Seh. : Der Arbeiter zeigt mehr Kraft, der Jüngling mehr Schönheit. 

L. : Im Mäher steckt charakteristische, im Diskobol ideale Form. Glauben 
Sie, liegt das mehr an den Künstlern oder an ihrer Zeit? 

Seh.: An der Zeit. 

L. : Gewiß. Die Griechen verlangten ein Ideal, das alle Vollkommenheit 
in sich schließe, unsere Zeit sucht mehr das Wahre. Bei den Griechen blühte 
die Kunst. Was tritt in unserer Zeit iu den Vordergrund? 

Seh.: Das Geld. 

L. : Ja, abgesehen davon. Es ist die Wissenschaft und die Technik, 
in denen wir sehr weit gekommen sind. Doch bleiben wir bei unseren Ab- 
l)ildungen. Was ist das, was der Mäher leistet? 

Seh.. Arbeit. 

L. : Ist die Tätigkeit des Diskobols auch Arbeit. 

Seh.: Nein, Sport. 

L. : Also Spiel. Welcher von beiden Männern strengt sich mehr an? 

Seh. : Der Mäher. 

L. : Er arbeitet mit einem schweren Cbermaß bei Anspannung aller 
Kräfte. Und der Diskobol? Fehlt es da an Kraft? 



328 Anleitung,' zur Kuustbetraclilung in ilen ol)eren Klassen der Mittelschulen. 

Scli, : Nein ; sie steht im Einklänge. Er verrichtet seine ßewej;uüg 
heijuem mit einem Üherschuß an Kraft. 

L. : Nicht wahr, es herrscht bei ihm eine gewisse Harmonie? Auch 
dieser Gegensatz von Arbeit und Spiel, Übermaß und Harmonie ist be- 
zeichnend t'iir unsere und die griechische Zeit. Wir ringen und überanstrengen 
uns; die Griechen lebten in einem schönen Ebenmaß. Sie könnten, Avenn wir 
vor den Originalen oder Abgüssen ständen, noch etwas anderes an unseren 
liildwerken erkennen, Folgendes etwa. 

Es liegt nicht nnr an den. in den Größenverhältnissen nicht ganz richtig 
wiedergegebenen Abbildungen, daß der ]\[äher groß, der Diskobol klein 
erscheint. In AYirklichkeit ist der ^lälier eine kleine Statuette, der Diskobol 
mindestens lebensgroß. Und doch ist die AVirkung die umgekehrte. Das liegt 
eben daran, daß vom Mäher, der überdies gestreckte Verhältnisse zeigt, eine 
gedrückte Kraft ausgeht und die Koordinaten packend Kraft und Last zur 
Wirkung bringen, während der Diskobol mehr zierlich erscheint. Es fehlt 
ihm das Skelett der Koordinaten und er gibt nicht mehr Kraft her, als nötig 
ist. Iiei diesem Gegensatz der beiden Bildwerke ist dann die Übereinstimmung 
der künstlerischen Gesetzmäßigkeit um so überraschender. Sie steht über den 
Ideen und Empfindungen, die wir aus den beiden Kunstwerken sonst als die 
sozial treibenden Kräfte herausgelesen haben. Viele werden, befragt, welche 
von den beiden Statuen ihnen besser gefalle, den Diskobol vorziehen. Es 
liegt das darin, daß er ein genußreiches Spiel darstellt und Meunier beim 
Mäher eine Nebenabsicht hatte. Er wollte dem Beschauer ein Bild der Be- 
schwerlichkeit des Arbeiterdaseins geben. 



Falls man die hier gegebene Probe brauchbar fände, möchte ich gern 
in einem Büchlein systematisch geordnete Beispiele vorführen. Sehr erwünscht 
wäre mir dann aber, wenn ich auf Grund des vorliegenden Versuches Ratschläge 
von l*ädagogen erhalten kihintc, die in der hier in Betracht kommenden 
Unterrichtsstufe Erfahrungen gesammelt haben. (Adresse: Graz, Universität.) 




Ergebnis einer Studie über Aohsenregulaloren. • 329 

Ergebnis einer Studie über Achsenregulatoren. 

Von Direktor und dipl. Ingenieur Leopold Kliment. 



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|lic AelisenreiAulatoron dvv Dnmpl'mascliiiicii worden auf den die Stcneniiig'S- 
^M^'^ exzeuter trauenden Wellen (in vielen Fällen ist dies die Kurhehvellc 
selbst) nnniittelbar neben den Exzentern aufmontiert und bezwecken, die 
Exzenter sclbsttäti,^- zu verdrehen oder zu verstellen, so dali die Exzentrizität 
und der sogenannte Voreilwinkel, unter wclebeni die Exzentrizität gegen die 
Kurbel steht, geändert werden, damit die iinieren Stcuerungsorganc (.Schieber, 
Ventile) während verschieden langer Zeiträume für den Dampfeintritt offen 
gehalten werden. Die Einrichtung läl.5t sich leicht so treiben, daß das Offnen 
der inneren Eiulaliorgane stets, oder doch nahezu stets in derselben Zeit- 
phasc geschieht, nämlich etwas vor dem Totpunkte der Kurbel, während 
der Schluß der inneren Organe sich je nach der SteUung des Regulators von 
Null angefangen verschieden weit hinausschiebt, daß also verschieden große 
Volumenprozente des Dampfzylindcrs mit Frischdampf gefüllt werden. 

Diese Periode der Dampfverteilung nennt man die Füllungsperiode, 
worauf der Dampf weiterhin durch Expansion wirkt, um schließlich beim 
Zurückgehen des Kolbens durch die Auslaßorgane zu entweichen. 

Der Regulator hat nun den weiteren Zweck, die Füllungsperiode durch 
entsprechende Einstellung des Exzenters so zu bemessen, daß die Arbeits- 
leistung der Maschine dem jeweiligen, sich ändernden Arbeitsbedarfe gleich 
ist, wobei eine bestimmte gewünschte ümlaufzahl der Maschine genau oder 
praktisch mit geringen Abweichungen eingehalten wird. 

In Fig. I sei ein Achsenregulator dem Wesen nach schematisch dar- 
gestellt. Derselbe besteht im allgemeinen aus einem cnn- oder zweiarmigen 
Hebel //, um einen im Regulatorgehäusc befestig-ten Bolzen B drehbar, auf 
welchem ein Schwunggewicht G befestigt erscheint. An einem geeigneten 
Punkte m greift eine Feder F an, welche umsomehr gespannt wird, je mehr 
sich das Schwunggewicht nach außen bewegt. Setzt man den Regulator in 
Umdrehung, so wird das Schwunggewicht eine Fliehkraft C entwickeln und 
\vird bestrebt sein, nach außen zu Hiegen. Es ist nun leicht einzusehen, daß 
bei einer bestimmten Tourenzahl der Hebel in einer gewissen Lage 
im Gleichgewichte relativ stehen bleiben \vm\, wenn die Fliehkraft C, am 
Hebelarm a angreifend, der Federspannung /'', am Hebelarm b angreifend, 
das Gleichgewicht hält. 

Würde der Regulator in einer Vertikalebene rotieren, dann würde die 
SchwxM-kraft des Schwunggewiclites, je nachdem sich dasselbe oben oder 
unten betindet, . die Zentrifugalkraft vermindern oder vermehren und dies 
gäbe einen Grund zu Schwankungen, weshalb gewöhnlich ein zweiter, gleicher 
Hebel H^ mit Schwunggewicht G^ symmetrisch um den Drehmittelpunkt des 
Regulators angeordnet wird, wobei die Feder i*', mit der Feder /' zu 
einer zentralen Feder vereinigt werden kann (sieh Fig. I). 



330 



Ergebnis einer Studie über Achsenregulaloren. 




Diircli die Hebel h und /i, und die Lenkstangen L und X, erfolgt die 
Verdrehung des auf der Welle sitzenden Exzenters und auch die vorhin 
erwähnte Ausbalancierung der Schwerkräfte der Schwunggewichte. Der Zu- 
sammenbau erfolgt so, daß bei höchster Tourenzahl oder bei ganz hinaus- 
geflogenen Schwunggewichten die Maschine Nullfüllung erhält, während 
umgekehrt der innersten Lage größte Füllung entspricht. 

Denken wir uns die Füllungsgrade von Null bis Maximalfüllung längs 
einer Abszissenachse aufgetragen und für jeden Füllungsgrad d. h. jede 
Regulatorstellung die Tourenzalil der ]\Iaschine bestimmt und als Ordinate 
zum betreffenden Füllungsgrade aufgetragen, so erhalten wir eine Touren- 
kurve der Maschine. Die Idealkurve wäre eine horizontale Gerade, oder mit 
anderen Worten, die Tourenzahl der Maschine sollte unter allen Umständen, 
bei allen Füllungsgraden dieselbe sein. 

Einen Regulator, welcher dieser Anforderung entspricht, nennt man 
einen „a statischen" Regulator. Eine solche Tourenkurve praktisch zu 
erzielen, ist nicht möglich und zwar aus folgenden Gründen : 

Gesetzt den Fall, wir hätten eine Maschine, welche bei 20% Füllung im 
Hochdruckzylinder 1000 Glühlampen betreiben und dabei genau 250 Touren pro 
Minute machen würde, und wir würden 100 Glühlampen ausschalten. Dem 
verbleibenden Betriebe von 900 Glühlampen soll ein Fülluugsgrad von 167„ 



Ergebnis einer Studie ül)er Achsenregulatoren. 331 

entsprechen. Der Rei^'iilator hat vorläufii;- noch keinen Grund, die Steuerung 
zu vorsti'lion ; da aber bei der vorhandenen Einstelhuii;- von 20"/,, zuviel 
Dampf in die Maschine i;-elani;-t, wird dieselbe ihren Gang beschleunigen und, 
nehmen wir an, die Tourenzahl von 252 pro Minute erreichen. Es vrar vor- 
ausgesetzt, dali ursprünglich der Regulator im Gleichgewichte war, daU also 
die Fliehkraft der Schwunggewichte der Federspannung das Gleichgewicht 
bei 250 Touren hielt. Bei der geänderten Tourenzahl von 252 wird das 
Gleichgewicht nicht mehr bestehen können, denn die Fliehkraft der Schwung- 
gewächte ist entsprechend der Zunahme der Tourenzahl von 250 auf 252 
größer geworden. Die Scliwuuggewiclite haben also jetzt eine gewisse Über- 
kraft erhalten, nach außen zu fliegen, und sind demnach befähigt, die Reibungen 
und den Widerstand der Steuerung zu überwinden. Ist die Tourenzald der 
^[aschine so weit gestiegen, daß die Widerstände überwunden werden können, 
daini wird die Bewegung der Schwunggewichte nach außen eintreten. Dabei 
werden aber die Federn mehr gespannt und die Überkraft wird nicht nur 
durch die ^N'iderstände aufgezehrt, sondern es setzt sich nach und nach die 
vergrößerte Fliehkraft mit der vergrößerten Federspannung ins Gleichgewicht, 
und zwar dann, wenn der Regulator die dem nunmelu-igen Kraftbedarfe für 
900 Lampen entsprechende Füllung von 16% eingestellt liat. In diesem 
Falle herrscht wieder vollständiges Gleichgewicht, die Maschine hat keinen 
Grund, den Gang zu ändern, und behält die neue Tourenzald bei 167(. Füllung 
bei. Es ist damit klargelegt, daß notwendigerweise die Tourenzahl steigen 
soll, je kleiner die Füllung wird, daß also die Tourenkurve steigend gegen 
Nullttdlung sein soll. 

Ein Regulator, welcher vorstehender Beschreibung entspricht, hat noch 
die Eigenschaft, daß derselbe stets bestrebt ist, in die ursprüngliche Gh'ich- 
gewichtslage zurückzukehren, falls man ihn gewaltsam aus derselben bringen 
würde. 

Ein solcher Regulator mit gegen die Nulltüllung stets steigender Touren- 
kurve wird ein „statischer" Regulator genannt. 

Würde die Tourenkurvc gegen die Nulltüllung sinken, dann hätte, wie 
sich leicht Wi-iter ausführen läl.5t, der Regulator nicht die Eigenschaft, gewaltsam 
herausgebracht in die Crspriingslage zurückzukehren, sundern derselbe würde 
bestrebt sein, in derselben Richtung noch weiter auszuschwingen, und wäre 
deshalb ein „labiler" Regulator. Die labilen Regulatoren sind meist un- 
brauchbar, weil dieselben stets zu Schwingungen neigen. 

Der Achsenregulator hat neben dem gelegentlichen Vorteil einfacher 
konstruktiver Anordnung bei gewissen Steuerungen auch noch den wesent- 
lichen Vorteil, datl die Feder l)ei ge ringe r Masse sein- stark, der Regulator 
sehr wirkungsfällig gemacht werden kann, um große Widerstände in der 
Steuerung zu überwinden, wobei schädliche Massen-Trägheitswirkungen, wie 
bei den Gc^v^chtsregulatoren (Porter etc.) vorkonmiend, herabgemindert werden. 

Dahingegen sind die Bolzenreibungen wesentlich und beeintlußen den 
Wirkungsgrad des Regulators schädlich. Außerdem ist das Verhältnis der 



332 



Erarebnis einer Studie über Achseiireyiüi^toren. 



Hebelarme a : h (Fiji-. L) variable und ist intblg-edessen uninöglieli, eine 
Ttuireiikurve zu erhalten, welche eine i;leieliuiäliii;e Astasie ergibt. 

xVuschlielJend au diese Überleg-ungen erwoi;- ich nini loliiciides : Denken 
wir uns, wie ideal anstrebend, einen Ue^ulatür mit konstanter l'ndant'/.ahl 
irvhend, Fig-. II, und ein Seli\vnnj;i;ewi('ht <i in der Kiehtuni;- eines Radius 

bewedich, so ist die (Irölie der Zeutririii;a]kr;ift in hi. C=— -.,,,-./', wenn 

(r das (iewieht des Schwunu'i;e\vi('htes in h(j, ;/ die Beschleunii;iini;' der 
Schwerkraft in ni, n die konstant ani;enünimene LImdreliznhl per Minute und 
X den variablen Abstand des Seliwuni;-i;ewiehtes vom l)reliniittclj>unkt in 
Metern bedeutet. 

TraiAvn wir die Zentril'iipilkraft in jeder Steihnii;' senkrecht zum Radius 
auf, so ergibt vorstehende Gleichung' eine (ieiade oa vom I)rehmittel])unkt 
ausgehend, da tür ^'^=0 auch (J={) wird. Fig. II. 




Die Federungsgleichung jeder Feder ist im allgemeinen f=KF, 
wobei/ die (Jröße der Federung vom ungespannten Zustande aus gemessen, 
K eine Konstante, welche vom Querschnitt, der Länge und Form der Feder 
abhängt, und F die Kraft bedeutet, welche nötig ist, die Federung / hervor- 



zubringen. 



Er^'ebnis einor Studio über Achj^onros'ulntnren. 333 

Es ist nun ohne weiteres eiuzuselien, daß es in()glii'li ist, eine Feder, 
wie in Fig. II dariicstollt, so zu bestimmen, daß F = (^ wird und zwar für jede 
Lai;e des Scliwimugewiclites G, weil die Federungsj^'Ieicliung- gleieliialis die 
Gleicliunii' einer Geraden ist. 

Dadureli ist aber ein sehr eintaelier Ivei;idator sehematiseb dari^estellt, 
web'her ^^cstattet, jeden beliebigen Grad der Astasie zu erreichen. Wählte man 
die Feder, so daß die Gerade der Federspannungen mit der Geraden der 
Zentrifugalkräfte oa übereinstimmt, so würde der Regulator vollkommen 
astatiseh sein. Würde man die Feder dahingegen so wählen, daß die Feder- 
spannungen der steilereu Geraden ÄS entsprechen würden, so läßt sich leicht 
einsehen, daß die Tourenzahl gegen die Nullfülliing steigen müßte, weil der 
rascher steigenden Federspannung nur durch erhöhte Tourenzahl Gleichgewicht 
gehalten werden kann. Dies würde dem stabilen resp. statischen Regulator 
entsprechen, dessen Tourendiiferenz um so größer wird, je steiler die Gerade 
der Federspannungen gemacht wdrd. 

Umgekehrt würde eine Gerade der Federspannungen, wie z. B. S^ ,S, 
Fig. 11, einem labilen Regulator entsprechen. Dieser Fall ist praktisch zu 
meiden, denn Avir haben in der Einleitung gesehen, daß bei der Entlastung 
der Maschine unbedingt eine Tourensteigeruiig eintreten muß, damit der 
Regulator überhaupt einen Grund hat, nach außen zu fliegen und eine kleinere 
Füllung einzustellen. In dieser äußeren Lage müßte aber die Maschine mit 
labilem Regulator eine geringere Tourenzahl machen und man ersieht aus 
diesem Widerspruch die Unzulässigkeit eines labilen Regulators. 

Nur durch Schwankungen des Regulators ist es möglich, der Bedingung 
der fallenden Tourenkurve zu genügen. Der Regulator muß unbedingt über 
die Lage, welche der richtigen Füllungseinstellung entsprechen würde, hinaus- 
fliegen, um durch zu kleine Einstellung der Füllung die Tourenzahl der Maschine 
zu ermäßigen. Durch diese zu kleine Einstellung muß die Tourenzahl über 
Gebühr sinken, weil dem Kraftbedarfe eine größere Füllung entspricht. Es 
muß sich das Spiel in der entgegengesetzten Richtung wiederholen und so 
ist die Neigung zum Pendeln des Regulators fortwährend vorhanden. 

Für praktische Betriebe, und was sehr häufig in Fachkreisen verkannt 
wird, selbst für Zwecke der Parallelschaltung von Dampfdynamomaschineu 
sind statische Regulatoren am Platze, die umso stärker sein und sich der 
Astasie umsomehr nähern müssen, je geringer die gestattete Tourendiiferenz 
sein soll. Eine Tourendifierenz muß aber immer zugelassen werden, weil bei 
konstanter Tourenzahl, wie vorhin erklärt, der Regulator nie einen Grund 
hätte einzugreifen. 

Wie man sieht, ist einfach ci-weise nach Prinzip der Fig. II nur ein 
Schwunggewicht unterzubringen möglich, wodurch die vorhin erörterte Aus- 
balanciei-ung entfällt. Dieser Mangel, welcher Schwankungen des Regulators 
während einer Umdrehung hervorrufen würde, läßt sich durch eine Flüssigkeits- 
resp. Ölbremse, wie die Erfahrung lehrt, vollständig beheben. Verl)indet man 
das Schwunggewicht mit dem Kolben eines mit Flüssigkeit, gewöhnlicli. Ol, 
getuUten Zylinders, in welchem Kolben sich eine dnsteilbare Öff"nung befindet, 



334 



Ersebiii?; einer Studie über Aebsenrei^iilatoren. 



SO ist eine lang-same Bcwcgiiui;' dos Scliwuiig-gewiclites möglich; wogegen 
rasch aiiteinandeifolgende Scliwankiiiigeii ausgeschlossen sind. 

Fig. III und IV zeigt die konstruktive Durclituhrnng eines solchen 
Keguhitors tVir den erschwerenden Fall, daß die Welle, auf welcher der 
Kegulator sitzt, eine durchgehende Welle ist. Es ist dann nur die eine Feder 
in zwei symmetrische, sieh balancierende zu zerlegen. 




1iQ\^--390—^ 



FiL'. III. 



Fig. IV. 

G ist das Schwunggewächt, welches unmittelbar mit den Federn und 
mit der Kolbenstange des Ölkataraktes verbunden ist. Die beiden Hebel L 
und L, haben den Zweck, das Schwunggewicht zu führen und dessen Lage 
zu sicheni. Dadurch geht die geradlinige Bewegung in einen flachen Bogen 
über, welche Abweichung jedoch vernachlässigt werden kann. Vom Lenker L 
wird überdies dessen Bew^egung durch eine nicht gezeichnete Stange auf 
das Drehexzenter der Steuerung übertragen. Dieser Regulator besitzt außerdem 
noch eine Tourenstellvorrichtung. Es können durch Verschiebung der Stange ä, 
in der hohl gemachten Welle vermittelst des Winkelhebels i?, der Stange S 
und des Hebels H die Federn /*' während des Ganges mehr oder weniger 
gespannt werden, wodurch eine Tourenveränderung während des Ganges z. B. 
zum Zwecke der Parallelschaltung von Dynamos möglich ist. 

Diese Regulatoren haben noch einen sehr bemerkenswerten Vorteil. 
Dadurch, daß das Schwunggewicht unmittelbar an die Feder angehängt ist, 
sind die Bolzen, welche die Regulierbew egung mitmachen, von der bedeutenden 
Federspannung entlastet und haben nur zufällige Kräfte aufzunehmen. Bei 



Ergebnis einer Studie über Achsenregulatoren. 



335 




I'iK. V. 



336 Ergebnis einer Studie über Achsenreinilalnren. 

dem in Fi^^ III und IV dargostellten, ausi;-eiulirten Roj^ulator beträi^t die 
Spanuiuiii- beider Federn über 20()() hg. Die Federn sind aus praktischen 
Gründen mit dem Scliwungi^ewiclit durch Bolzen B verbunden, um eine einmalij^e 
und zufalliiic Einstelhini;' ni(»i;lich zu machen; diese Bolzen verdrehen sich 
aber während der Re^ulierbewegung nicht, weshalb der Wirkuni;si;rad ein 
günstiger sein muß. 

Die Idee läUt sich konstruktiv in sehr verschiedenen Formen durchführen, 
indem z. B. der Kataraktzylinder gleichzeitig als Schwunggewicht ausgebildet 
wird etc., worauf nicht weiter eingegangen werden soll. Fig. V zeigt eine 
vertikale Maschine mit diesem Regulator, w^elcher, da fliegend und ohne 
Tourenverstellung ausgeführt, nur mit einer Feder ausgerüstet ist. 

Dieser Regulator ist Gegenstand des österr. Patentes Nr. 49 419 und des 
Ungar. Patentes Nr. 14H73 auf den Namen der FirmaFriedrich Wannieck & Co. 
(jetzt Erste Brünner Maschinenfabrik) und des Verfassers. 




Berichtigung einiger Angaben des Schülerverzeichn 



VII 



isses. 



cn 

O 



Name 



^1 



^1 



:2S 



20 



4,S 



IFenricIi Eduard . . 
Katsflipr Hermann . 
I'eteia Anton . . . 



Hernd Emil. Ritter v. 
Hollesch Anlon . . 
Suciiomel Johann 



Biberlc Karl . . 
Laminet Kamillo 



Gegenwärtige, hezw. letzte Stellung und Wohnort 



12 



19 

24 

18 
28 



24 



Rösel Richard . . . 
Knöpfelmacher Josef 

Switawsky Franz . . 
Pafzolt Johann . . . 



Ettmaver Anton, Ritter 
V. Adelshurg . . . 



Maluschka Alois . . . 
Knöpfelmacher Heinrich 
Uhlif- Gottlieb . . . . 



Mayer Rudolf, Ritter v, 

Ahnlorff 

Skrein Stefan 



Beer Anton . . . 
Himmel Heinrich . 
Himmel Rudolf. . 
Lechner Ludwig . 
Schmolka Heinrich 



Schlesinger Franz 



1854/5. 

k. u. k. ScidoB-Hauptm. v. Schöiihrunn ii. Hetzendorf 

Kaufmann, Now-York 

om. llolscliauspieler, Oher-Reg. i. F., Prag 

1855/6. 

hig. u. Strecken -Vorst. d. K. F.-N. 
Ingenieur d. Südbalui, Graz 
Steuerinspektor, Ghrudim 

1857/8. 

k. k. Raurat, Stadtbaumeisler, Hrilnn 
Freiherr v., Privatiei-, Wien 

1858/9. 

Magistratsheamlcr, Wien 

1860/1. 

Ingenieur, Villacli 

1862/3. 

Zivil Ing., Rodenbach a/E. 

1864/5. 

Vize Präs. d. obersten Rechnungs-Hofes, Wien 

1865/6. 

k. k. Raurat, Rrünn 

1866/7. 

Ober-In- d. K. F. N., Wien 

1869/70. 

Bahningenicur, ? 

1871/2. 

k. k. Ob. -[{e.h. -R. u. Vorst. d. Dep. 111 i. F.-M., Wien 

1874/5. 

Ob. Ing. <i. K. F.-N., Wien 
Redakteur d. ,N. Wiener Journal", Wien 

1875/6. 

Prokurist i. Harthau (Sachsen) 

k. u. k. .MiJit.-Verpfl.-Ob. Ofl.. Odenburg 

OU.lmr. d. K. F.-N., Wien 

Kontrollor d. techn. F.-K., Grußbach 

beeideter Pat. -Anwalt, Piag 

1876/7. 

Ing. u. Prof. a. d. StaalsG.-Sch., PÜHcn 



An- 
merkung 



gest. ISSO 



gest. 



VIII 



Name 



iMelcliar Willielm 
Teller iiriiaz . . 



Heilig Wladimir . . • 
Bniior Rudolf . . . . 
Aniherg Job.. Edler v, 
Diltrich Friedrich . . . 



Polzer Karl . 
Freude Robert 
Bascb Leopold 



Gegenwärtige, bezw. letzle Stellung und Wohnort 



Aii- 
merkuni 



1877/8. 

Üb.-Rev. u. Rureau-Vorst.-Slellv. d. St.-E.-G., Wien 
Adjunkt b. d. k. k. Tabak-Regie, Wien 

1880/1. 

Reehnungs-Revident, Mistelbach 

1882/3. 

Refineria in Viiia del mare, Süd-Amerika 

1885/6. 

Revident d. k. k. öslerr. St.-B., Innsbruck 

1887/8. 

k. u. k. Obeileutnant im Art.-Reg., Stanislau 

1888/9. 

Beamter d. I. Brünner Masch.-Fabr., Brunn 

1889/90. 

slädt. Bauamts-Ad.junkt, Brunn 

1896/7. 

Chemiker, Zürich 



Berichtigung von Druckfehlern. 

Seite 23, Zeile 10 von unten, lies: 18GfJ/7. Wegen der Nachvvehen des Krieges... 

Seite 44, Zeile lä von oben, lies : von 785 Schülern der 7. Klasse 

Seite 76, Zeile 2 von oben, lies: Johann Ritter von Chlumecky 

Seite 77, Zeile 17 von unten, lies: 10441-96 K 

Seite 304, Zeile 20 von unten, lies : Einreihung (statt Einreichung) 

E U 

Seite 304, Zeile 5 von unten, lies : ^X100=(l-fa-fc)X7^X KJU -f 5 X lÜÖ 



I 



University of British Columbia Library 

DUE DATE 


























































FORM NO. ET.6